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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-03 · Heft 2465 (3.1.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2465 (3.1.1926)
Date
1926-01-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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*:A Wied, SomtMg l' . $ t',/S /tff/Zl $J * iS!!'; P ‘t; $ ' ft ' t ..: I ■- : » ■? Las nächste Siel der zionistischen Politik. Von Robert Stricker. „Palästina hat seinen Ruf, das ruhigste Land des vorderen Orients zu sein, wiederum bewährt. Es ist auch jetzt nicht die leiseste Spur von Unruhe bemerkbar, so sicher auch Sympathien der palästinensischen Araber für die kämpfenden Drusen, Wahabiten und Rifkabylen vorhanden sind." Sb schreibt der Jerusalemer Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung", eines führenden Schweizer Blattes. Die Aeußerung ist um so bemerkenswerter, als der Schreiber den: zionistischen Aufbauwerk kritisch gegenübersteht und im zionistisch-arabischen Konflikt durchaus arabisch orientiert ist. Ja, Palästina ist ruhig, es ist 'd a s ruhigste Land im aufgewühlten Orient. Die augenfällige Tatsache ringt dem Korrespondenten die Feststellung ab. Allerdings, die Beantwortung der Frage, weshalb Palästina inmitten der Stürme ruhig bleibt, hält er zurück. Die Antwort müssenwir Zionisten erteilen, laut und nachdrücklich, aller Welt vernehmbar: Palastina ist tuhig, weil es jüdisch ist. Was eine zehnfache militärische Besatzung, was eine Legion von Polizisten, Spitzeln und Geheimagenten nicht hätte bewirken können, das hat jüdische, das Land friedlich durchdringende Arbeit fertiggebracht. Kaum ein Fünftel der Bevölkerung bildet die Judenschaft, aber sie ist bereits im Leben des Landes der bestimmende Faktor, gegen den nichts unternommen werden kann. Die Juden, der aufstrebendste, fleißigste, intelligenteste und dem Lande anhänglichste Bevölkerungsteil, wollen Frieden und Arbeit, wollen das teure Land der jüdischen Hoffnung vor jedem störenden Eingriff bewahren. Das genügt, um die Ruhe zu verbürgen. An diesem eisernen Wollen muß die Kunst aller freiwilligen und bezahlten Emissionäre, Aufwiegler und Provokateure scheitern. In Palästina kann cs keine verborgenen Verschwörernester geben. Das Land steht unter jüdischer Kontrolle, ist ruhig, ein fester Damm zwischen den asiatischen und afrikanischen Brandherden, eine gesicherte Operationsbasis für die Wiederherstellung und Wahrung des Friedens im Osten und Süden. 'Die Ruhe in Palästina, die schönste Errungenschaft des Zionismus, ist für die ganze Welt von höchster Bedeutung. Sie trägt zur Pazifizierung, zur Vermeidung von Blutopfern und vernichtenden ökonomischen .Krisen mehr bei als Dutzende diplomatischer Konferenzen^ Sie erweist die Richtigkeit der Herzlschen Idee vom Zionismus als Weltproblem. Wenn wir Zionisten davon sprechen, daß die Errichtung des jüdischnationalen Heims nicht nur die Lösung der Judenfrage bedeutet, sondern auch allen Völkern zu Nutz und Frommen gereicht, wurde das als agitatorische Großmäuligkeit und Überheblichkeit erachtet, bestenfalls als Gefühlsausbruch gutgläubiger Phantasten gewertet. In zionistischen Kreisen selbst geriet biefcr Gedanke in den Hintergrund, nur hie und da gebraucht man ihn in der Form eines rhetorischen Prunkstückes. In der zionistischen Politik kam er, von der Herzlschen Periode und der Zeit des Ringens ums Mandat abgesehen, nicht zum Ausdruck. Die zionistische Politik von heute kennt nur ein jüdisches Volk, das für die Errichtung seines Nationalheims zu arbeiten und Opfer zu bringen hat. Der Gedanke an eine nichtjüdische Umwelt, welche an der zionistischen Lösung der Judenfrage, an der Errichtung des jüdischen Zentrums im Brennpunkt des Orients so stark interessiert ist, daß daraus für sie die Pflicht erwächst, den Aufbau nicht nur zu dulden, sondern sich aktiv an ihm zu beteiligen, ihn tätig zu fördern — dieser Gedanke ist der zionistischen Politik fremd geworden. Sie wagt sich an seine Umsetzung ins Reale nicht heran. Nun aber, da die Situation in Palästina erwiesen hat, daß dem Zionismus friedensstiftende Kraft innewohnt, da es eklatant geworden ist, daß ein jüdisches Palästina der Menschheit unschätzbare Dienste zu leisten vermag, ist es an der Zeit, diepraktische Umwertung des Gedankens vom Zionismus als Weltproblem als nächstes Ziel der zionistisch e u P o l i 1 i k zu setzen. Das heißt: Die Zionistische Organisation hat die aktive Hilfe d e s V ö l k e rbundesundderMandatarmacht beim Aufbau des jüdischnationalen Heims anzustreben, vor allem dreGewährungeinerAnleihefür das Land Palästina, durch welche der Aufbau im richtigen Tempo erhalten und vor sonst unvermeidlichen Störungen bewahrt werden könnte. * Die Lage in Palästina erfordert die hier dargeiegte Neuorientierung der zionistischen Politik. Im politisch ruhigen und konsolidierten Palästina machen sich Stockungen im Wirtschaftsleben fühlbar, werden ■5»n»N'!*8l «*• «** ♦ .« .-s-y.-tvfj - ■ . ft*.- % ME im ffe im Anzeichen immer deutlicher bemerkbar, welche kommende Störungen im Fortschritt deS Aufbaues und ökonontische Krisen amündigen. Die Gründe liegen außerhalb des Machtbereiches der Zionistischen Organisation. Zehntausende junger Menschen stehen zur Abwanderung nach Palästina bereit und Zehntausende von Handwerkern, Kaufleuten, Fabrikanten urtb Intelligenzlern sind da, die, heute liebet als morgen, nach Palästina wollen. Bierziatausend dieser Menschen sind auch im letzten Jahre in Beweaung gesetzt worden. Da brachen die Wirtschaftskrisen m Polen, Deutschland, Oesterreich. Rumänien und überall dort herein, wo das jüdische Leben und der Wille zum Zionismus am stärksten sind. Der Zufluß der Mittel zur Zionistischen Organisation ist gedrosselt, die Einnahmen der Fonds sinken und die Abwanderung jüdischen Privatkapitals nach Palästina ist minimal geworden. Gewiß, die Zelten werden sich ändern. Aber verhängnisvolle Schwankungen wtrd es immer geben. Immer und immer wieder wird die Aufbauarbeit in Palästina die traurigen Auswirkungen der europäischen Krisen voll und ganz zu verspüren haben, wenn nicht zwischen die jüdische Arbeit in Palästina und das wildbewegte jüdisch-europäische Wirtschaftsleben ein auSgleichendeS Elentent, ein Puffer eingeschaltet wird, der. die ärgsten Stöße auffängt und mildert, zumindest in dennächsten, den entscheidenden Jahren des Anfanges, die verstreichen müssen, bevor Palästina ökonomisch widerstandsfähiger geworden ist. Dieses aüSgkeichende Zwischenelement ist Kapital, welches, von den- Schwankungen des jüdisch-europäischen Wirtschaftsbarometers Unbeirrt, alle großen Arbeiten zur Erschließung des Landes, HäfLn-, Straßen-, Eisenbahn- und Brückenbauten, Bodenverbesserungen und Wasserarbeiten durchführt Und m geregeltem Tempo erhält, unverwüstliche Werte im Lande schafft und damit die ärgsten, dem jüdischen Einwanderungsstrom zeitweilig entgegenstehenoen Hindernisse beseitigt. Dieses Kapital kann das jüdische Volk im gegebenen Augenblick allein aus sich heraus nicht ausbringen. Aber der Beauftragte des Völkerbundes, die Mandatarmacht, kann es beistellen, im Verein mit den anderen Mächten oder allein. Warum nicht die Juden selbst? Ist das keine rein jüdische Angelegenheit? Heute können wir. diesen Fragen ruhig begegnen. Wir Zionisten haben getan und werden tun, was unsere Kraft und unser begeisterter Wille vermögen. Daß das nicht wenig ist, beweist unser Werk. Aber wir können es nicht ändern, daß das Geschick den besten und opferbereitesten Teil des jüdischen Volkes, das russische Judentum, lahmpelegt hat, daß die wertvollsten Teile des Volkes in Mittel- und Osteuropa verarmt sind, daß das. halbassimilierte jüdische Großkapital in satter . Stumpfheit und feindseliger Untätigkeit der Wiederaufrichtung der jüdischen Nation zusieht. Wir tun, was wir können. Wer an dem Werke interessiert ist, ist zur Mithilfe moralisch verpflichtet. Also sind die im Völkerbund vereinigten friedenswilligen Nationen zur Mithilfe .verpflichtet. Denn das ruhige jüdische Palästina hat ihnen heute schon unschätzbare Dienste geleistet. Die tatkräftige Anerkennung dieser Dienste dnrchzusetzen ist die Aufgabe der zionistischen Politik. * Eine Anleihe für das jüdische Palästina. Was wird der Londoner Steuerzahler, der „Tax-payer", dazu sagen? Der „Tax-payer" ist ein furchtbar genauer Rechner und hat uns Zionisten schon viele schwere Stunden bereitet. Einige Jahre hindurch haben alle antizionistischen Bestrebungen in England in der Denk- und Rechnungsart dieses gefährlichen Steuerzahlers ihre beste Stütze gefunden. Der Engländer soll sein schwer erworbenes Geld für die Juden in Palästina riskieren? Der Antizionismus gewann von dieser Seite her Popularität und die Regierung batte bei der Verteidigung ihrer zionistischen Politik emen schweren Stand. Das Gespenst des rechnenden „Tax-payer" brütete über allen zionistischen Beratungen und dämpfte die zionistische Begeisterung. Aber die Entwicklung des Aufbaues in Palästina ließ das Gespenst verblassen und verschwinden. Die teure große englische Garnison wurde immer kleiner und billiger, der palästinensische „Tax-payer" tat das Seine, die Verwaltung wurde aktiv und schließlich begann Palästina sogar Kriegsschulden zu bezahlen. Ein Kuriosum in dieser Welt. Heute ist der englische Steuer- Mer nicht mehr der Zionistenschreck und die Erenntnis, daß ein jüdisches Palästina kein krankes Verlustgeschäft ist, bat Platz gegriffen. Jetzt können wir seelenruhig eine Diskussion mit dem gestrengen „Taxpayer" riskieren und seiner Rechnung eine erhebliche Gegenrechnung präsentieren. Unsere zionistische Arbeit hat Palästina ruhig gehalten und dem englischen Volke Geld und Blut erspart. Ein Blick auf Syrien und die anderen Kampfländer im Orient genügt. Zionistische Arbeit hat es England erspart, viele Regimenter und Kriegsschiffe aufzubieten, die Rolle des blutigen Unterdrückers zu spielen; dem Steuerzahler blieb viel Geld und Sorge und gar vielen englischen Müttern Tränen und Trauer erspart. England hat uns gegenüber großzügig ilnd großmütig gehandelt, es hat den Anspruch auf unsere ewige Dankbarkeit errungen und jede zionistische Politik muß auf dieser Erkenntnis beruhen. Herz und Verstand drängen uns dahin, England treueste Freundschaft zu bewahren. Und es kann dieser Freundchaft keinen Abbruch tun, wenn klar sestgestellt wird, >aß diese Freundschaft beiden Teilen Segen bringt. Im Gegenteil. Sie kann dadurch mit befestigt lverden. Wenn wir verlangen, daß England — dem Sinne des Mandats entsprechend — über Huldung und Schutz zur S5§ Morgan Montag dan 4. Jftftnar IMS awa um halb 8 Uhr abends im Festsaale des „Alten Rathauses*, 1., Wipplingeratrafle Z ersteKonstlfulerendeGeneralversammluns Varalnas dar Fraunda das arbaltandan Pallstlna verbunden mit einer GROSSEN KUNDGEBUNG Referenten: Frau Dr. R. Guchmll (Jerusalem): Ooerrabbiuet Dr. Z. P. Cbajast Jehoschuah Biarar (Afuiahi sflEB Alle Freunde werden hiemit eingeladen! aktiven Förderung des palästinensischen Aufbauwerkes übergehe, so verlangen wir viel für uns, aber ebensoviel für das Wohl Englands und das Wohl aller! Die Leitung der Zionistischen Organisation arbeitete bisher ausschließlich daran, jüdische Kräfte und jitdischeß Kapital für das Aufbauwerk zu gewinnen. Sie muß nunmehr darangehen, auch nach der hier gekennzeichneten Richtung zu wirken. Leicht ist die Arbeit gewiß nicht, aber aussichtsreich. Die politische Situation in Palästina schafft die besten Voraussetzungen für diese Neuorientierung der zionistischen Polink. Losung de» zionistischen Pmttlrntes für Sefterrelch. DaS Direktorium der österreichischen zioinstischen Lande?' Organisation hat den Parteirat für heute Sonntag einbrrufen. Die Tagung findet im Klublokale der Hakoah, 1. Be;., Wrppttngerstraße 24—20, statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Organisation. Referent: Präsident Doktor Dejider Friedmann. 2. Keren Hajessod. Referent: Kommerzialrat Max Markus. 3. Keren Kajemeth., Referent: Dr. Leo G o l d h a m m e r. 4. Nientuelles. Beginn präzise 3 Uhr nachmittags. fiinignng unter den holländischen Zionisten. Haag, 30. Dezember. (I. T. A.) Die seit langem Herrscheren Meinungsvevschiedenheiten zwischen der Exekutive der Zionistischen Organiifation Hollands und der vom früheren Präsidenten der Organisation, Herrn Nehemia de L i e m e, geführten Opposition sind auf der soeben avgehaltenen JahreSkonferenz der Organisation beigelegt worden. Die Meinungsverschiedenheiten waren tiefgreifender Natur. Es hatte sich ein scharfer Gegensatz zwischen dem Keren-Hajessod-Kuratorium in Holland, dessen Präsident das Mitglied des Obersten Gerichtshofes in Holland, Dr. Viff e r, ist, und der Zionistischen Organisation Hollands herausgearbeitet. Um so größer ist die Genugtuung unter den holländischen Zionisten über den zur Zufriedenheit beider Parteien nunmehr beigelegten Streitfall. Ser Föderalismus in Deutschland. Lä. W t e it, 8. Jänner. Innerhalb des Deutschen Reiches macht sich in der jüngsten Zeit eine Bewegung fühlbar, die früher oder später eine: Bedeutung für die gesamteuropäische Entwicklung, jedenfalls aller für die Lösung des gesamtdeutschen Problems erlangen dürfte.: die föderalistische. Die Reichsdeutschen Föderalisten erstreben in ihrem Reichs- und Heimatsbund „die Ueberwindung der Staatsallmacht und die Befreiung des Volkstums durch einen deutschen Föderalismus, der die Heimat wieder zum natürlichen Ausgangspunkt der R e i ch S i d e t macht und sozialpolitisch die Wiederve.vwurzelung deS deutschen Menschen in Scholle und Berufsstand anbahnen will. Gerade aus Liebe zur eigenen und Achtung vor der fremden Heimat ist dom Bund der Gedanlke der Völker- Versöhnung nur die selbstverständliche Folge des Boilklichen". Zum Unterschied von allen anderen reichsdeutjschen Parteien erblicken die Föderalisten im Berliner Zentralismus den Sitz der Krankheit Deutschlands, seiner inneren Kvife, seiner Nied,Klagen sowie seiner Jfolievung nach außen. In einer föderalistischen Neugliederung, in dem vollständigen Bruch mit der seit 1866 verfolgten zentralistischen Gewaltpolitik erblicken die Föderalisten den einzigen Weg, um einerseits durch Einbeziehung des jetzigen Oesterreich zu einem föderativen Groß-Deutschland zu gelangen, andererseits aber die Lage der deutschen sowie der Übrigen Minoritäten in den Sukzessionsstaaten zu derbesfivrn. In einem äußerst 'bemerkenswerten Artikel über die seinerzeitLge Minoritätenkonferenz in Gens nimmt ein Organ der Föderalisten, die ,Mlholische Allgemeine Rundschau" in München, auch Stellung zur Judenfrage. Die „Allgemeine Rundschau" schildert den ungemein tiefen und sympathischen Eindruck, den das Auftreten der Juden als s«l<bstänv'ige Nation in dieser westeuropäischen Nationalitatenversammlung machte, und die beifällige Aufnahme, welche ihr Wortführer, der Litauer Jude Robinson fand. * Schon in der Nummer der ,Mener Movgenzeitung" vom 3. November 1926 wurde von mir in einem Artikel „Föderalismus gegen Zentralismus" darauf hingewichn, daß in der nächsten Zeit der Kampf zwischen Zentralismus Und Föderalismus im größten Teil« Europas akut werden wird. Er hat in den letzten Wochen sowohl in den Mionsstaaten als auch in Deutschland mit mehr ddetz minder großer Schärfe begonnen. Auf seiten des Föderal Mmus steht in Deutschland eirt Teil des katholischen Zew trums — besonders die junger« Generation — Mi« sitz

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