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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-02 · Heft 2464 (2.1.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2464 (2.1.1926)
Date
1926-01-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Gelte 8 _Men. BamStog Die Gemeinden sind zu ersuchen, entsprechende Amtstäume zur Verfügung zu stellen und auch sonst jü>e sachliche Umerstützung zur Fortführung eines geregelten Wohnungs- Nachweises der HauÄesitzerschaft zuznwenden. Die Hausbestherschast wird aufgefordert, jede steiwerdende Wchnung sofort der Nachweisstelle zu melden. Bei -er Vergebung von Wohnräumen oder Wohnungen sind zunächst bodenständige und kinderreiche Famitten unbedingt zu berücksichtigen. Die Vermittlung hat untentgeltlichzu erfolgen. Der Verkauf von Wohnungen, wie er vielfach von städtischen Wohnungsämtern geübt wurde, darf unter keinen Umständen stattfinden. Ferner ist darauf zu achten, daß nur der gesetzliche Mietzins gefordert wird. In vielen Gemeinden wurden die Agenden der Wohnungsämter den Hausbesitzerorganisationen bereits übergeben uno hiezu AmtSraume und sonstige Hilfsmittel zur Verfügung gestellt Die HauSbesitzewrganijationen werden demnächst verlautbaren, wo und in welchem Umfange die WohnungSnachweisstellen amtieren. La» seltsame Her». Die Spiele der Natur sind wunderbar. Der Naturwissenschaftler hat für die namenlosesten Wunder einen Fachnamen. Dreimal erst, seit es eine Wissenschaft der Heilkunst gibt, hat sich zugetragen, was in Prag (wie wir vor einigen Tagen berichteten) in der tschechischen Gebaranstalt begann und bisher nicht zu Ende ging. Ein Knabe wurde geboren, aber er war anders als alle anderen, die je zur Welt kamen (mit drei Ausnahmen, von denen die letzte 1900 auS Budapest gemeldet wurde). Der Knabe hatte das Herz ganz frei auf dem Brustkasten liegen, statt ihm im Innern Raum zu gönnen. „Ectopia corfctS" diagnostizieren die Aerzte, die ständig das lebende Herz beobachten können, ohne eine Vivisektion vornehmen zu müffen. Wie ist der Fall erklärlich? Ungefähr drei Zentimeter unter dem Hals ist die Oeffnung, durch die das Herz austrat. Die Aorta ist sichtbar. Das Herz ist größer als bei anderen Neugeborenen, dunkelrot. Der Blutkreislauf leidet naturgemäß; das arme Kind, das zum kurzen Dasein von wenigen Tagen verurteilt ist, uluß auch diese kurze Frist im Fieber (40 Grad!) verbringen. Dieses kleine Scheinlebewesen, von dem sich die Mutter, die junge Frau eines Beamten, trennen mußte, um es der Wissenschaft zu überlassen, ist ein Studinmobjekt, ein Schaustück. Ein Filmapparar verfolgt Phase um Phase die Herztätigkeit, die aus Grund des verlangsamenden Verfahrens ausgenommen wird, Aerzte gehen ein und aus; das . Herz des Kindes wurde durch einen Glassturz vor äußeren Schädigungen geschützt. Droht es, träge zu werden, helfen elektrische Strahlen nach, es wieder heiß zu machen. Jckre Einzelheit wird notiert. Der Knabe, für dessen seltsames Herz tz seine anderen Organe nicht Platz machten, sondern cs nach außen drängten, hat nicht Platz in dieser Welt, die so aufgeregt von ihm Kenntnis genommen hat: durch Film und Röntgenstrahlen, durch Cordiographie und Reporter. Was weiß er von all dem? Er war nicht von dieser Welt. In ihr ist es nicht erlaubt, das .Herz offen zu tragen. Revolution und Liebe. Marcel Prevost über dir Krise der Schamhasti^ett. Der berühmte französische Romancier Marcel Prevost veröffentlicht jetzt eine Stuldie über die Liebe von haute, die wohl nicht viel Neues bringt, aber schon durch den Umstand interessant erscheint, saß ein Kenner der modernen Gesellschaft sich über ein aktuelles Thema ziemlich ungeniert ausspricht. Prevost bemerkt unter anderen!: Der Krieg Hai anderthalb Millionen junger Männer von der Liste des Lebens gestrichen. Die Nachfrage der Frauen übersteigt daher das Angebot der Männer, die Männer profitieren zynisch von diesem Vorteil. Zweitens ist das Lchen kostspieliger geworden. In' den gesellschaftlichen Kreisen, in denen das ' junge' Mädchen wie . derjunge Mann' selbständig ihren Lebensunterhalt erwerben,- löst sich, das Eheproiblem in leichter Form, indem beide Teile ihre Einkünfte vereinigen, um das Vergnügen gemeinsam zu. genießen. Arbeitet und verdient das junge Mädchen über nicht, dann hat sie nur eine Wahl zwischen der keuschen Langweile der Vestalin und den Gefahren des Abenteuers. Drittens ist die Gegenwart sehr unsicher. Epochen, die mit Revolutionen drohen, lockern immer die Zügel, die in stabilen Zeiten die Bezichungen der beiden Geschlechter rogeln. Viertens kann man von einer Krise der SchamhastigskeAsprechen. Das dumme Gänschen von ehemails existiert heute nicht mehr; das junge Mädchen von heute, ohne Mieder und im kurzen Röckchen, mit dem Bubikopf, Zigaretten rauchend, kann gewiß Tugend besitzen, aber sie hat nicht mehr die Schamhaftigkeit in dem klassischen Sinne des Wortes. Die Augen gewöhnten sich an die ÄLacklheit der Frauen, die für sie den Charakter des Geheimnisses verloren hat. Die enge Berührung mit einem weiblichen Körper, der mit einer Robe bekleidet ist, die nur sin Hemd ist. wird aIllen Männern zugänglich und wird insollyedeffen auch dank dem Tanze eigentlich gleichgültig. Die Frau hat etwas gewonnen; sie hat mehr Freiheit, solange sie nicht m der Gewalt des Ehemannes ist, und die Freiheit ist ein so berauschendes Gut, daß die Mehrzahl der Frauen das Heute nicht mit dem Gestern vertauschen möchte. Tie haben aber diese Emanzipation, die sie dem Kriege verdanken, teuer bezahlt. Immer wird es Liehe geben, aber die Religion der Liobe hat keine Gläubigen mehr. All das hat der modernen Liebe Formen gegeben, die die einen bezaubern und die anderen erschrecken. Mein« Meinung mm gcht dahin, schließt Prevost, daß et sich schließlich doch nur um äußerliche Moden handelt und daß sich in dem grvßen Gesetz, das die beiden Geschlechter zueinander zieht, nichts geändert hat. Um Ärgerlichkeiten handelt es sich, aber man darf sie nicht vernachlägigen, denn sie berühren dos ganze Um und Ms der Titte. _Wiener Msrgrnzeliuns_ hoVel central Wl«nt II. TiHifttratfi la Stadtzentrum » 150 neu eingerichtete Zimmer » Zentralheizung, kalt- und warmfliessendes Wasser, Telephone, Lift, Cafd-Restaurant » Preise von 8 5.— aufw., aufleute 10*/, Rabatt. 665 a-er. tM4 Älteste* 1**4 Wiener Restaurant KRZIWANEK Kfenveiler Hftlicher tm BERLIN NW 7 Frledrldutauie — Icke MlttelstreS« 37/58, I. Nur eine Treppe Vorzügliche echt Österreich leche Küche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise Sie JoKe der Aussöhnung. Ein englischer Skandalprozeß. toitDüii hat wieder einmal seine „Affäre". Es handelt sich, wie man uns von dort schreibt, um eine nach den englischen Ehegesetzen provisorisch geschiedene und später infolge Anwendung einer List wieder gültig erllärten Ehe, wobei nicht der Gatte, sondern die Gattin in jeder Beziehung den Sieg davongetragen hat. Die Vorgeschichte dieser GcsellschaftSsensation ist ebenso pikant wie komisch. Lebt da in der englischen Metropole der Großgrundbesitzer und Kavallerieoberst Ralph S n e y d, ein Witwer, da die Gemahlin des sechzigjährigen Landedelmannes vor kurzem das Zeitliche gesegnet hat. Bald daraus hat Mr. Sneyd eine neue Gattin erkoren: Ein dreißigjähriges, bildhübsches Weib mit einer überaus reich bewegten Vergangenheit. Aber da eine Jahresrente von einer Million Pfund winkte, gab die Dame dem Obersten das Versprechen, von nun an nur ihn allein mit ihrer Liebe zu beglücken. In Wirklichkeit jedoch führte die Holde nach der Hochzeit ein nur noch ungezügelteres Leben und vertraute alle ihre Liebesstreiche den Seiten eines Tagebuches an, die der böse Zufall dem Gatten eines Tages in die Hände spielte. Ta konnte er unter anderem lesen, daß er schon iu der Nacht vor der Trauung aus das hinterlistigste bettogerr worden war... Folge: Scheidung und Entziehung der Jahresrente. Das Weib benützt nun die edlen, traditionellen Gepflogenheiten Englands, um durch eine tückische Falle die formelle Aussöhnung mit ihrem früheren Mann zu erreichen. Zwei Fremde sprachen eines Tages bei dem Obersten vor und teilten ihm mit, ein reicher Amerikaner interessiere sich für eine seiner Billen und bitte um eine Zusammenkunft in einem Hotel. Sneyd ging ahnungslos mit und sah sich plötzlich in einem Schlafzimmer seiner ehemaligen Gattin gegenüber. Die zwei Fremden — deren Liebhaber natürlich! — verschwinden. Sie wirft sich ihm an den Hals und es gelingt ihr tatsächlich, den alten Herrn zu überrumpeln. Allerdings hätte er sich ohnedies in sein Schicksal ergeben müffen: Die Verschwörer hatten die Türklinke von innen entfernt und die Telephonleitung durchgeschnitten. Mr. Ralph Sneyd war im Retz der Sirene gefangen. Die Voraussetzungen für die Ungültigkeitserklärung der provisorischen Ehescheidung waren somit im vollen Umfang gegeben, denn jede Annäherung der geschiedenen Ehegatten während der „Beobachtungszeit" — erst nach deren Ablauf wird die Ehe endgültig geschieden — gilt alsVersöhnung. Der auf den Leim gegangene Gatte hatte sein Nachgeben bald bitter zu bereuen. Schon am nächsten Tag weigerte sich sein Weibchen, ihn a u f e i n e r L u st r e i s e zu begleiten. Da lief der Erzürnte stracks zum Richter und erzählte ihm sein Eheleiden, sowie das gegen ihn verübte „Attentat". Die Verhandlung endete mit dem weisen Richterspruch, kein Mensche könne an der Schuld der Angeklagten zweifeln, doch habe ihr der Kläger durch die erfolgte-Aussöhnung jeden Fehltritt verziehen! Die raffinierte Eva bleibt also weiterhin die legitime Gattin des Obersten und — was ihr sicherlich die Hauptsache ist! — die Besitzerin einer jährlichen Rente von einer Million Pfnyd Sterling. W i e n, 2. Jänner. * Das Wetter. Gestern war es bereits etwas kühler. Ein heftiger Sturmwind tobte in der Stadt, der in den späten Nachmittagsstunden einen kräftigen Platzregen zur Folge hatte. Die Wetterlage rst unsicher. * Der Sturm. Der Sturm, der seit vorgestern nachts in Wien herrscht, hat mehrfache bauliche Schäden angerichtet, die eine große Gefahr für die Passanten bilden. Die Feuerwehr mußte z w ö l f m a l ausrücken. Einen ernsten Unfall hat der Sturm auf der Wagramerstraße verursacht. Bon der Plattform eines Straßenbaynsuges. wurde der 34jährige Schaffner Josef Bader während der Fahrt heruntergeschleudert. Er erlitt einen Bruch des Schädelgrundes und mußte in das Spital gebracht werden. * Der erst« Seldstmsktz des Jahres 1926. Am 1. d., nach 2 Uhr früh, bat sich der 4Sjährige Geschäftsdiener Moritz Schenk in seiner Wohnung erhängt. Er soll die Tat aus Kränkung darüber begangen haben, daß er m Meinung war. Frau und Kinder seien an einer unheilbaren Krankheit erkrankt. * Die Kindesleichl <m Packpapier. Auf dem Baumoartner Friedhof wurde vorgestern auf einem schon verfallenen Schachtgrab, m Packpapier gehüllt, die Leiche eines nengeborenen Mädchens gefunden. Aeußere Verletzungen waren an der Leiche nicht zu sehen. * Ei» vermißter LHrlirrg. Seit dem 14. Dezember ist der 18jährige Friseurleyrling Leopold Tichy aus der Wohnung seiner Eltern, 11. Bez., Römerschalgasse 1, vermißt. * Die MallMerfeirrln Graz. Man schreibt uns aus Graz: Die diesjährige Makkabäerfeier, welche im Saale des Thonethof stattsand, tp{#4 einen Massenbesuch auf und verlief glänzend. Nach der Begrüßungsrede des Herrn Karl Schwarz und einem Chorgesang unter Leitung des Herrn Lehrer Steiner hielt der Vizepräsident der Wiener jüdischen Kultusgemeinde. Herr Dr. Josef Löwenherz eine großangelegte Rede. Wie ln den Zeiten Ezechiels eine Minorität. die als eme Schar von Träumer« belächelt wurde, der Majorität ihren? m SK. SM Willen anfzwoug und di. jüdische Würde wieder ausrichtetc, sck wurden die Pläne des als Träumer und Utopisten bezeichnet«« großen Juden Theodor Hergl durch die heroischen Leistungen der südifchen Pioniere auf der palästinensischen Scholle verwirklicht. In zahlreichen Staaten wird alljährlich die Feier deS mwekannten Soldaten begangen. Wir Juden müßten den unbekannten Chaluz verherrlichen. Nicht Personenkultus, sondern Kultus der gewaltigen Leistungen des Chaluz, der sich kn die Reihen der Proniere in Erez Israel fügt, jst angebracht. Redner kam dann auf die Gegenwart zu sprechen. Im.Steiger-Prozeß habe sich endlich wieder die Solidarität der Juden gezeigt, wie immer iu Zeiten drohender Katastrophen. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit muß auf die positive Arbeit für das Volk und auf den Wiederaufbau Erez Israels verwertet werden. An dem Festabend nahmen das Präsidium der jüdischen Knltusgemeinde, der Lavdesrabbiner Herr Tr. Herzog, sowie die Mitglieder der B'na>- B.rith-Logen teil. '_ Vereine, Vorträge utrti Versammlungen. Komitee für »da 4 arbeitende Palästi n a. Montag den 4. d. um 7 Mir abends findet im Feslsaale des alten Rathauses, 1. Bvz., Wipplingerstraßc 28, die konstituierende GmeralversammblMg des BeremS‘ der Freuich« des arbeitenden Palästina statt. Uelber Ziele und Aufgaben der Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft Palästina wer den Frau Dr. Buchmil. Obcrrakbiner Dr. Z. P. Ehafes und Jehoschuah Vierer sprechen. — Zionistische Arbeitspariei Hitachduth in Oesterreich, Wien, 2. Bez.. Glockengüsse 30. Heute uin 7 Uhr abends Anssprache über den Einfluß Gordons ans die Ideologie des Hapoel-HaMr. — Iüdi'sch - akademischer Phiilosophenverc in. Honte uni HM 4 Uhr Vortrag KoßlÄwasZky: „Die ersteil .Hebräer in Kanaan." Gäste Willkommen. — Lese- und R e d e h a l l e jüdischer H o ch s ch ü l c r i u W i e n. Heute, präzise 8 Uhr abends, Trauerkonveilt anläßlich des Mlcbei'> unseres A. H. Professor Dr. Simon Braunstein. — Das Rabbinat der israelitische» KultuSgemeinde Wien ersucht uns um Aufnahme folgender Mitterlnng: Das Mb* binat sieht sich veranlaßt, die Gemeindemitglicder aufmerksam zu machen, daß die Firma Max Lustig, Hauptniederlagc L. u. T. Piowati, Wien, 1. Bez.. Adler gaffe 3, FranH-J.o>se.fs- Kai 19. die ihre Selchwaren als .Käscher" zunr Verkaufe bringt, in keiner Wei,se berechtigt ist, ihre Erzeugnisse als „koscher" zu bezeichnen, daß vielmehr diese Bezeichmmg den Tatsache,t nicht entspricht. Da eine große Anzahl von Restaurants, Anskochereien und SolchtvarenhaMungen gaiH unberechtigt lind unzntreffend die Bezeichnung .^koscher" si'chrt, lvird deii rituell lebenden GemeindenMgliiedern empfohlen, sich vor deren Jna>l.spnlchnahine über das Kaschruth zu insormieren, beziehungsweise bei sich ergebendem Zweifel rm Rabbrnate oder im Kultusainte der Israelitischen KuAusgomeinde Wien ErkilndiMugeii einzuhoileir.' Kunst, Bühne, Such. „Var tzniant tettiMe." Wiedereröffnung des Modernen Theaters. Das Theatexchen in der Johanncsgassc, ein schönes Karnmerspielhaus, sehr angenehm für's Publikum, sehr gefährlich für die Schauspieler (die gut präpariert, gut geschminkt die Bretter betreten und außerdem rroch wirklich begabt sein nrüssen, wenn sie in diesem intimsten Raum wirken wollen), wurde gestem nach langer Pause unter der neuen Direktion Ludwig Körner wickereröffnet. Ein aligenchmes französisches Lustspiel, vortreffliche Künstler in den Hauptrollen, Wiodetbegegnuug mit begabter Theaterjugend, die infolge der Theaterkrise unfreiwillig feiern mußte, eine sorgfältige und geschmackvolle Inszenierung — mehr ist für's erste nicht zu verlangen, Daß einige Nebenrollen nicht gerade erstklassig besetzt lvaren, daß die Mängel ihrer männlichen und weMchen Vertreter hier besonders anffallen, weiß der neue Direktor und Spielleiter bestimmt ebenso gut wie der Referent. Eine Halbweltdame gesetzteren Alters erobert sich durch markierten Äutounfall einen Lord zuur Ehegatten. Frau W o iw o d e spielt die verzeihliche Intrige mit so viel Aristand, ist von so angenehmer Erscheinung und zeigt so viel Talent, nach der Trauung eine vornehme, tadellose Lady zu sein, daß man nicht ein degenerierter Lord und ein Sechziger sein müßte, um sich in sie zu vernarren. Man weiß, lvie humorvoll itttb anmutig Herr, Lack n e r Hornochsen mit unendlichem Stammbaum zu NlimeN versteht. Diesmal hatte er einen besonders guten Abend. Neben diesen beiden ein prachtvolles, blutjunges Paar: Fräulein Weber,, deren frisches Talent seinerzeit an dieser Bühne entdeckt wurde, gibt die 19jährige Tochter der .Halbweltdame und muß, ilm Mama zu verjüngen, sich selbst in ein kleines Mäderl verwandeln. Ganz entzückend, wie sie's trifft. Und Herr L e y ist einer der charmantesten und taktvollsten jungen Schauspieler, denen mail in den letzten Jahren begegnete. Ausgezoichnet Herr Wittmann in einer Episode, verdienstlich Frau K a r o l y. Die Premiere hatte sehr starken Erfolg. Der mutiflcu Direktion — es ist nicht leicht, jetzt ein Theater öffnen und offen zu halten — gebührt alle Anerkennung. O. A. tzhanuka-Kunftgewerbeausftelluog in Breslau. (Eigenbericht der ..Wiener Mvvgenzeitung".) Die knilstgewerbliche Ausstellung, welche die Breslauer Kunstgeivevbeschnle Freudenthal zu Chanuka veraifftältete, hat die Besucher auf das angenehmste überrascht. Mail sah nickt die üblichen üblen Nachahmungell unter mühseliger Anwendung siwlscher Motive (als da sivö: m Davidstern, stilisierte hebräische Buchstaben ilsw.), soildern Schaffungeil in gesiegeltem Material »rach alten Originalen und Arbeiten, die Eigenart geigen. Besonders gefielen eine Menorah von Lederer-Gottschalk durch künstlerisch-flächige Behandlung uüd die bemerkenswerten Metallarbeiten Franz Sittenselds. Eine neue P a l ä st t n ant a p p e, 'welche gute Wiedergäbölt rtach Zeichnungell von B. Kalt er enchielt, war das beste Stück der graphischen Abteilung. Unter den Textilien sielen neben Palästinaspitzen die harckgemalten Kissen von Lucy H o r o w i tz sehr angenehm auf. Das wichtigste Ausstellungsstück aber war der wunderschöne und charakteristische Thoravorhang, welcher für die Nvißer Synagoge angefertigt ivurhz. G. %

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