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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-30 · Heft 2461 (30.12.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2461 (30.12.1925)
Date
1925-12-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. AM Mm, WWvoch ,->«,«1 11 ... *■■> " Wiener MorgenMurig 'Berte 5 Zer Seelenivng. Der Papst und die Bekehrung von Inden -um -. Katholizismus. - London-28. Dezember. (I. T. A.) Die katholische Presse veröffentliche eine Mitteilung des Sekretärs der Jsraelsgrlde an alle Judenmissionare, in welcher es heißt, der Pqpsthabe dem Segenspruch, der am 31 d. am Ansgang des. heiligen Jahres, in den katholischen Kirchen der ganzen Welt gelesen werden wird, den folgenden Anhang zugesügt: ' „W i r f, o He r r, einen Mitleidsvolle -n BlickansdieNachkommen desjenigen Volkes, das einst dein ans erwählt es war!" 'Die jüdischen Katholiken werden aufgefordert, dem Papst für diese ihnen erwiesene große Gunst am 31. d. Dankt e l eqramme nach Rom zu schicken. * Die „Jsraelsgilde" ist jene Gilde, die davon lebt, umer den Juden Seelenfang zugunsten der katholischen Kirche gewerbsmäßig zu betreiben. Die. Rädelsführer der Jsraelsgilde sind selbst solche Schachevseelen, im aktiven und passiven Sinne. Es widerspricht unserer grundsätzlichen Auffassung von einer jüdisch-orientierien Politik, uns in die inneren Angelegenheiten einer fremden Kirche einzumengen oder Aussprüche des Oberhauptes der katholischen Kirche, sofern es nicht auch um unser Seelenheil besorgt ist, oder unsere nationalen Bestrebungen stört, zum Gegenstand von Erörterungen zu machen. Mer wir müssen den heiligen Pater aller Katholiken doch schön bitten, die Sorge um unsere Seele uns selbst zu überlasten. Wir sind bescheiden und begnügen uns damit, toctut der Vatikan aus seine Gläubigen in aller Welt feinen grenzenlosen Einfluß in der Richtung geltend machen wollte, daß' sie auch den Juden gegenüber die Grundlehren des Begründers ihrer Kirche, der ja auch „ein Nachkomme desjenigen Volkes war, das einstens das auserwählte Volk Gottes war, zur Geltung bringen. In den nahezu 2000 Jahren, seitdem, seitdem aus dem Schoße des jüdischen Volkes die christliche Religion hervorgegangen ist, haben täglich und stündlich Tausende von gequälten und . wegen ihrer hartnäckigen Treue zu ihrem Glauben und'Ihrem Stamme verfolgten und gehetzten Juden den Jammerruf: „Wirf, o Herr, einen mitleidsvollen Blick auf dein Volk!" ausgestoßen, weil die Lohre von der Menschenliebe von den Nachkomme dessen, der diese Lehre «ms dem Sittenloben der jüdischen -Nation geschöpft hat, sehr einseitig gedeutet wurde und noch immer so angotvendet wird. Die „jüdischen Katholiken" mögen, dem Papst für die ihnen erwiesene .Gunst -dankbar sein .,. M haben keinen Grund dazu. VenachtMgang der jüdische« Landwirte bei der litauische« Asrarresvrm. Kowno, 27. Dezember. (I. T. A.) Der Verband der jüdischen L a if dwirte in Litauen hat an alle jüdischen Bauern des Landes einen Appell gerichtet, dem Verbände beizutreten, damit, mit vereinten Kräften der Kamps gegen das Unrecht, das den jüdischen Landwirten in Verbindung mit der neuen Agrarreform zugefügt worden ist, geführt werden könne. Bei der Verteilung von Sta.atsland wurden die jüdischen Landwirte fast vollständig ü b e r gangen; dq aber die Verteilung noch nicht beendet ist, besteht die Aussicht, bei energischer-Führung des Kampfes zu. erwirken, daß wenigstens ein Teil des Unrechtes, das den jüdischen Bauern zugefügt wurde, gutgemacht werde. Demnächst wird eine K o n f e r e n z d e r j ü b i f ch e n Landwir t e Litauens stattfindeu, in der die schwebenden Fragen erörtert itub die Vertreter der jüdischen Bauern in der Landwirt [1/ a f t sik a m m e r nominiert werden würden. ZusamriienschLutz aller DMchen Handwerker in Mauen. Kowno, 27. Dezember. (I. T. A.) Dieser Tage fand im Saale der Zentralbank eine gemeinsame Zusammenkunft der Vertreter der beiden jüdischenHandwerkerorganisatione n, in der eine Vereinigung sämtlicher jüdischen Handwerker , in. einen einzigen Verband beschlossen wurde, statt. Es wurde ein zwölsglichriges Komitee gewählt, welches den Znsammerlschluß durchzuführen habe. Dem Komitee gehören sechs Mitglieder des zentralen Handiverlervevoins und sechs Mitglieder des Verbandes fiir^Handwerk unh Kleinindustrie an. ReBorgäuge in Wien. Gin Ultimatum Jouveuels. Paris, 29. Dezember. (Wolss.) Die hiesige Ausgabe der „Daily Mail" meldet aus Damäsküs: Der Hauptsührex der Aufständischen,'Hassan Char ad, sei im stampfe gefallest. Nach einer. Mitteilung de I o u v e u e l s' müssen die AuWMchenf fpätchens bis zum 8. Jänner die Waffen niodergelegt haben. Die ambischr Agitation Paris/ 29. Dezember. (Wolsf.) Nach amtlichen Meldungen aus Syrien soll'im Bezirke Damaskus alles ruhig > sein. Im Druseugvbiete werde jedoch hie TätiMt von A g i t a t oren au s Pa last i na. und Aegypten sest- 'stellt, die wes: Versuch unternehmen, hie DrMn von der '.-'.r'ioechtng'.fern-jchalte«. Sie Mion fit die .Wiener UnigenreituND". Die „Wiener Morgenzeitung" erscheint als Tageszeitung weiter. Unsere Leser bewahren uns die Treue. Unser Appell, die schweren Wirkungen der allgemeinen Krise zu erleichtern, hat einen tiefen Eindruck geübt. Die Hilssbereitschast hat sich in einer rührenden Weise gezeigt und sie beweist,.welch tiefes Verständnis die jüdische Oefsentlichkeit für die Notwendigkeit der Erjaltung ihres Organs besitzt. In den sieben Jahren ives Bestandes hat die „Wiener Morgenzeitung" im jüdischen Leben Wurzeln geschlagen. In Tausenden von Zuschriften kommt es zutage, wie sehr dieses Blatt mit dem Judentum verbunden ist. Aus allen Klassen stammen die Helser, alle haben uns verstanden, alle danken der Zeitung'für das, was sie für die Ehre des jüdischen Namens getan hat. Alle sind bereit, über Unzulänglichkeiten, die sich aus der Natur der Sache ergeben, hinwegzusehen und nur die Sicherung des jüdischen Blattes zu erreichen. Das ist nur zu einem Teile geschehen. Die Summe von 5 0.00 0 Schilling, die wir als das Minimum des Notwendige n in unserem Ausruf vom 25. d. nannten, ist noch nicht zustandegekommen und die Bemühungen werden sortgesührt. Die Geschäftsführung ist sich dessen bewußt, daß sie in einer sehr kritischen Zeit sich an das jüdische Publikum wendet. Sie hätte dies unterlassen, wenn sie nicht den Zwang zur rückhaltlosen Wahrheit gefühlt hatte. Sie schöpft aus dem teilweisen Erfolg ihres Appells die Ueberzeugung, daß die Leserjchast in der kurzen Frist, die noch zur Verfügung steht, das ihre tun wird, um das Erscheinen der jüdischen Tageszeitung sür alle Zukunft sicherzustellen. Die Geschäftsführung wird im Vereine mit der Verwaltung und Redaktion unverzüglich alles vorbereiten, um durch Ausbau des Informationsdienstes, durch textliche Ausgestaltung des Inhalts allen Ansordernngen der Leser geregt zu werdet! und mit ihnen gemeinsam das große jüdische Weltblaii zu schassen, dessen das ringende und kämpfende Judentum so sehr bedarf. Wir danken allen, die uns Beistand leisten, wir hossen, daß sie uns ihre weitere Mithilfe nicht entziehen werden. Es ist noch viel zu tun, um die Gefahr übzuwenden. Aber wir dürsen heute hoffen, daß dieses Organ der jüdischen Allgemeinheit weiter bestehen bleibt. Wenn alle, für die wir sprechen und zu denen wir sprechen, wenn alleZioni st en ihre Pf licht ln n, dann wird das Werk restlos gelingen. Die uns zugegangenen Zuschriften enthalten eine Menge von Vorschlägen, die ans ihre Durchführbarkeit geprüft werden müssen. Diese Vorschläge werden jetzt gesichtet und einzeln brieflich beantwortet werden. Wir werden dann eine gemeinsame Aussprache mit allen durchführen, die uns praktisch brauchbare Anregungen gegeben haben. Diese Versammlung, ans der sich dann als ständige Einrichtung eine Gemeinschaft unserer Leser entwickeln soll, wird in der nächsten Zeit stattjinden. -er letzte Tag der allgemeinen Pülteienvektehrs im Wohnungsamt. au EINREIBUNGSHiTTEL ist der echte; LÖWEN FRANZBRANNTWEIN mit Menthol von unübertroffener Wirkling. Er lindert alle Schmerzen rasch und sicher. Machen Sie einen Versuch u. urteilen Sie selbst Achten Sie auf die Schutzmarkel In Originalflaschen überall erhältlich Gesetzt, gesch. I CÄ&v. I Schutzmarke Erzeuger:; e«o. ■ Alexander Kalmar, Wien,II. Nordbahnhof i Sonate» ginanäpläne. Paris, 29. Dezember. (Tel.-Komp.). Der allgemein im heutigen Ministerrat. erwartete Äu sb r u ch der Regierungskrise ist durch eine Verständigung, die innerhalb des Kabinetts über die Finanzpläne Doumers zustandekam, vermieden worden. Nach Schluß der Kabinettssitzuug erklärte sich Briand für befriedigt und meinte, der Ministerrat habe sich vom Geiste von Locarno leiten lassen. Nach bent nunmehr endgültigen F i u a n z- Pläne wird neben weiteren Ersparnissen und einer Verbesserung der. Steuerkontrolle eine Ausfuhrsteuer und eine Börsenoperationssteuer emgeführt. Die Tabalpreise werden erhöht undein zeitweiliger A u su a h m szus ch l a g zu den Steuersummen erhoben. In das Budget für 1926 werben bei den Ausgaben folgende Posten stir die finanzielle Sanierung eingestellt: 4,5 Milliarden Fehlbetrag von 1825, 2 Milliarden Annuitäten zur Rückzahlung an die Bank, von Frankreich und 2,5 Milliarden für die Anwrtisierung der öffentlichen Schuld. An neuen El u u a h in c n siud vorgesehen: drei Milliarden ans der Erhöhung der Einkonrmensteuer, 300 Millionen aus der Berschärsung 'der Steuerküntrollc, 100 Millionen Ms ^er^Boiffemmsatzsteuer, eine Milliarde aus der Erhöhung Wer Tabakpreift, 600 Wllioneu aüs der Erhöhung' der Ausfuhrsteuer rmd. 3,8 Milliarden aus dem zeitweiligen außeriwdentlichM Zuschlag. Der Finanzp'läu soll.noch heute in der Kammer eingebvacht werden, so daß sich der Finanzausschuß der Kammer in den Feiertagen damit'b'esässtn und die Prüfung der Vorlage, wie beabsichtigt, bis -zum 12. 'Jauner beenden kann. ' . Die Kammer befaßte sich, Lei schwacher Beteiligung, von gestern halb 10 Uhr vormittags bis.heute mittags 1 Uhr nrit der Brrdgetberatung. Da die Budgetdebatte nicht zu Ende geführt werden konnte, 'trat die Kammer heute um 6 Uhr abends wieder zusammen. Die frrrnBstschen Militärkredite bewilligt. Paris, 29. Dezember. (Wolfs.) Die Kammer hat aus Antrag - des Unterstaatssekretärs- 0 s s o l a - mit 411 gegen 29 Stimmen beschlossen, der Regierung die verlangten Kredite m der Höhe von 2-090M0 Franken emschiließbich der Ausgaben für Trüppenverlegungcn und Truppentransporte für - die 8 fcto a U t e- -und die M arokkoarmee zu gewähren. : Massenandrang der Wohnungsuchenden. Im Wohnungsamt der Gemeinde Wien in der Barteusteingasse, tvar gestern der l e tz t e T a g d e s a l l g em e i n e n' P a r t e i e n v e r k e h r s. Das WohmwgsamL der Gemeinde Wien hat schon diele Anstürme von Wohnungssuchenden gesehen, aber was sich gestern dort zugetragen hat, übertraf alles bisher dagowcsene. In den Tagen des größten Andranges der Wohnungssuchenden wurden die Passierscheine eingeführt. Man zählte damals an dem stärsten Tage 2000 Wohnungssuchende. Gestern hatten sich beim Wohnungsamt mindestens 4000 Wohnungssuche n d e eingeftmden. An den Eingängen des Amtsgsbäudes herrschte ein lebensgejährliches Gedränge und die Parteien, die sich schließlich anstellen mußten, bildeten eine Kolonne, bie von der Bartensteingasse bis zum Parlamentsgebäude reichte. Die Beamten ' waren außerstande, alle Parteien, die gekommen waren, abzuserügen.' Morgen, am Tage des Ablaufes des WchnungsansorderungsgesetzeA, wird das Wohnungsamt für den Parteienv^rkehr ganz geschlossen werden.'. Der gestrige'Andmng beim Wohnungsamt gab bereits euren Vorgeschmack dessen, was mm kommen wird. In den Kreisen der Gemeinderatsmohrheit hegt man die schwersten Bedenken wegen des Maufes des Ansorderungsgesttzes und ist fest entschlossen alle Wohnungs snchenden zur Regierung am Ballhaus platz .und in das Ministerium für soziale Berwaltnng ins 'Mrechtspalais zu schicken. Welche Formen dieser Kamps noch annchmen wird, darüber läßt sich begreiflicherwrist .«W poMssages, chr -omm«niste«Mker Frei, i« Wsek verhaftet. ' (Ggdudimst der Mener ÄoMM-imW^.) - Prag, ZWucker.' Der Wener KommunisheüWrer Dr. Frey P unter Mt'Verdachte 'der 'PMLWung angelhalten worder^und 'be-jüchet-stch kt Mstk in Haft. Er wurde mit «Lnem^'Mchen!^ AnMedchrmMEMt-rcken. Dr. FrK. wrM Heute andk MrrvWiW MßnZe.abgeschMn. Anwachsen der MeitsWglett i« Ungarn. ' ' (SiMdiettst der „Wiener MoMMitung".) Vntzapest, S9.-Dezember. Die Zahl der Arbeitslosen^ hat sich ün'Novemberans 26.246, und zwar nur ZM^rhöht, was hauptsächlich aus den Stillstand der Bautätigkeit.in dieser Jahreszeit.zuruckzusühren ist. Letzte Kurse. Attw-Bork, 2S. Dezember. (Trl.-Komp.) Berliu 23.80, Laudon ckel London Scheck 4.80'/». Amsterdam 40.21, Paris 34. Brüssel 4.58V«, Rom 4.04, Madrid 14.02, Zürich 19.35, wcholm 38.87, Oslo 30.27, Kopeuhageu 2487. Wien nbooeft UV«, Aaa 296V., Äckgrab E.,. Achen-1.27V-. uemrS Aires 41"/»«. Rio de Janeiro 14.30.' Bukarest 48V.. Rew-NyrL» 39. Dezember. lTel.-Konip.) Weizen rot Winter \blL Wetzest hart ^Winter 208V», - Mats 9^% Hafer 53%, m 134"/,. ' v-: Chik«s LS. Dezember'. (Lel^Korny.) Weizen per Dezember Mai 183V- Jutt,1bb; May. her Dezenlber 80V«, ai 39, .9« Ä ÄMi*' »l! 46^; Rossen per Deromber 108V». Mch.116v„ Mi 113V,.

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