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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-29 · Heft 2460 (29.12.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2460 (29.12.1925)
Date
1925-12-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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0k SM Wml, Drensba-g Wiett-r Morsettzettrms S9. Dszemiber ML ^-^oocx^><)ocxi>ooO^ ver Arossv Räumüngsverkauf bei . Schosiai L Härtlein Wien, I., Kärntnerstrasse Nr. 14 hat wirklich grossen Zuspruch. 51fc // Es wird in jeder Beziehung bei grosser Auswahl nur Bestes bei äusserst billigen Preisen geboten. □OCXDOOOOOOOOOOOOOOOOOOCOÜ Grundlage der Beratungen der Enquete bilden und nach welchen Gesichtspunkten die Verhandlungen geführt werden sollen. Nach Einlcmgen der Rnckäußernugen wird die Enquete sofort einbernfen werden. Erhöhung der Sierfteuer. Aus einem Interview, das Dr. Seipel jüngst dein Ver-- .reier eines ausländischen Blattes gewährte, erfährt man, daß die Regierung beabsichtigt, den Bundesangestellteu der: M e h r a u f» wand für den Mi er zins, den die Gefetzwerdung der Mietennovelle verursachen müßte, zu vergüten. Tie hiefür nötigen Mitte! soll eine Erhöhung der Bi er st euer liefern, die, wie von anderer Seite berichtet wird, so ausgiebig ansfallen werde, daß der Bierpveis wieder in die Friedensrelation zum Weinpreis cjckadjt werden würde. Der halbe Liter Bier würde also wieder teurer sein als das Viertel Wein. Bon dieser steuerlichen Maßnahme versprechen sich die Weinproduzenten eine Steigerung des Weinkonsums, und man glaubt nun, daß die Weinbauern um, diesen Preis geneigt wären, der Herabsetzung des Zolles auf ungarische Weine zuzustimmen. Bekanntlich bildet die Zollposition Wein bis jetzt das Haupthindernis für den Abschluß des Handelsvertrages mit Ungarn. MUS. Gin WnhWrtenbrief -es Episkopats. Utrtcr dem' Titel „Lchren und Weisungen über die sozialen Fragen der Gegenwart" veröffentlicht , eine Sonderausgabe des Wiener Diözesanblattes eine gemeinsame Kundgebung der katholischen Bischöfe Oesterreichs. Sie wendet sich zuerst gegen den wirtschaftlichen Liberalismus und den immmonistischen Kapitalismus. „Der- Kapitalismus", so wird in. dem Hirtenbrief ausgeführt, „hat sich zur Plutokratie, zur Geldherrschast, entwickelt. Das Bank- und Kreditwesen mit dem Börsenspiel ist zu einem Gift bäum geworden. Er dient den Finanzmächten, die Völker zu bewuchern und aus zuranbeu. Es sind auch viele christliche Kreis» von diesem verderblichen Geist der Geldspekulation an ge st eckt worden." ( Ah ha!) Und nun kommt die Kund gebung aus den Sozialismus zu sprechen, der in Grund und Boden verdammt wird. Namentlich warnt der Hirtenbrief die Landbewohner, denen' neuerdings die Sozialdemokratie ihre Irrlehren verkünden wolle. Der Sozialismus sei anarchistisch, revolutionär, phantastische und irreligiös. Er sei der Herol.d-des Gotteshasjei. „Hütet eure Kinder" heißt es weiter — „vor dem Verderben der sogenannten Kindersreundebewegung! Hütet euch vor den sozialdemokratischen Vereinen, Organisationen und Gewerkschaften! Christlicher Arbeiter! Du gehörst nicht in die Sozialdemokratie. Sie ist dem Verderben und das der. Gesellschaft!" Der Hirtenbrief scheint danach nicht ganz unbeeinflußt von den Vorbereitungen für die Neuwahlen zum Nationalrat geblieben zn sein. LOwkowrki «ach Varlchiw zuMgMrt. Warschau, 25. Dezercker. (I. T. A.) Der Inspektor ides ^HaupchMMvmmandos Lu>dwi kow s kder nach Lemberg entfu'wdt worden isth um die ■ Utüersinchung Jegen die LeiN'berger Polizeibeautven Lukomski .und Kardan, die der Pw-tokollMschungeu . in Zachen des Steiger-Pryzesfes'und anderer Verbrechen bezichtigt werden, zu führen, ist nach wenigen Tagen Aufenthalts in Lenckng wieder nach Warschau zurückgekelM. Im Zusamnden'hang damit wird von unterrichteier Stelle mitgeteilt, baß die Untersuchung wahrscheinlich nicht sortgesührt un>d daß die Disseretrzen zwischen der Kriminalpolizei und der politischen Polizei aus gütlichem Wege beigel-egt werden würden. Ursache zn -dieser neuen Wendung ist der Unl,stand, daß di e geisamte n a t i o n a ld e m o lt r a 1 i s ch-antisemitische Front sich hinter Lnkomski und Kaidan gestellt hat und entschlossen ist, die in der Angelegenheit Steiger kompromittierten Kreise mit allen Mitteln zu decken. Die Regierung ist nicht in -der Lage, gegen diese geschlossene Front anzugehen. In einer halbofsnivsen Mtteilrntg hieß es bekanntlich, .daß Lukomski ibereits seines Amtes entsr-tzt worden ist. Eine diesdrMliche MaßuHnre -war auch schon vorbereitet gewesen, allein die neue Wendung der Dinge hat die maßgebenden Kreise der Regierung veranlaßt, die Angelegenheit au-f sich >betuheu zn 'lassen. Dk evrpora delicti des Steiger-Prozesses. Ans Lemberg wird uns berichtet: Der Batet Stanislaus Steigers, JccheM Steiger, suchte dieser Tage den Vovsitzenden im Prozeß, Dr. -Franke, auf, nck> alle seinem Sohn ‘ ahgertommenen Effekten und corpora delicti, die dem Staatsanwalt als „faktische Beweise" gegen den Angeklagten dienten, wieder in Empfang zu nehmen. Unter diesen Effekten befindet sich auch die ominöse amerikanische Brille, ein kleines goldenes Feuerzeug, der Helle Gummimantel, der im Prozeß eine so große Rolle spielte,' der Uchte Hut und auch zahlreiche Briefe und sonstige Auszeichnungen. Unwirsch empfing Landesgevichtspralside nt Dr. Franke, der offenbar die Freisprechung Steigers ailis einr persönliche Niederlage .-öntpsmdet, .de« alten Äeiger. Cr machte zunächst SchwierWitetl und sdr» der-te Voltma chten s eines Sofies. Steige« konnte sich nicht enthalten, Dr. Franke zu fragen, warum er ihm auch jetzt noch solche Schwierigkeiten mache.- Der Mer Steigers bat Dr. Franke ganz besonders um die Zurückgabe eines gleichfalls saffierlen Brieses des Rabbis vvn Belz an Stanislails Steiger. Dr. Franke interessievte sich oingchend, warum dieser Brief Steiger so wertvoll sei? Weil der RaM — antwortete der alte Steiger— in diesem Brief alle in e m Sohü Tro st f Pcnde t e, daß 'Gott ihm Helsen undchn befreien werde. Das heißt — forschte: Dr. Franko weiter — der RaHbi sandte Ihrem SM den'Segen? rIa, er' segnete ihn -und tMew- -ihn.''' Der Warschauer „Moment" erzählt i-m/ Fusanuuenlhang hiemit von dem folgenden Zwiegespräch, das sich zwischen Dr. Franke und Steiger senior, mls dieser sich verabschiedete, absPlE: Steiger empfahl sich amt idem Gruß Meine Hochachtung", worauf Dr. Franke erloidert haben soll: „Auf Wiedersehen!" Aber Steiger Mpliizierte rasch: „Auf Wiedersehen, Herr Doktor, aber'nicht hier im Glicht, sondern M-nturlt auf der Straße." Dr. Franke betrachtete dert altenManai, schüttelte den-Kopf und aneinte dann: ,M, meinetwegen, Adieu!" Damit endete der letzte .Bchrch der Familiie Steigerim -Lemberger SMf- Gevüchtweise' verlautet, wie Ihr' Korrespondeaü erfährt, daß sich die Lemberger Siaaisa«-wMchaßt eifriUt um die Wiederanfnahntio des Verfahrens gegen Stanislaus Steiger 'bsmÄht.- ' Eine Interpellation. Warschau, 28. Dezember. Im Sejm hat heute der -jüdische Klub gemMaan mit bet fozialdLmobraiischeat' Partei an denJuschmiuister eine Jrtterpettatchn rilber das Verhalten der Leanberger Stcotsanwalischaft in den Prozessen Ja ger und Steiger eialgebracht. Der Minister versprach, die Anfrage schriftlich zu bWÜtw-orten. / - - Sie österreichische Keren-Hajefsod- Mo«. zusammrnschlub der «ugarische« Liuts- Parteien. Budapest, 28. Dezember. (Tel.-Komp.) Der sozialde tatokra t ische Pa rteiiko ngr eß, der gestern zu Ende ging, hat die Patteileitinag ermächtigt, im Kaarrpf für die öffeaülichen Rechte und Freiheiten mit den bürgerlich e n O p p P o f i t i o n s p a r t e i e n zusamaneaazuarbeiten. Der Abgeordnete Karl Peyet ÜemeM dazu im „Magharorfzag", daß deau Beschluß des Kongresses nur prinzipielle Bedeutung zukomane, da die parlameniarisch'e Fraktion der sozialdernokratischen Partei erst Ende Jänner, nach Wiederzusammeattritt des Haus-cs, mit der bürgerlichen Opposition in der Frage des Weiterbestandes des oppositionellen Blocks Fühlung nehanen wird. Griechmland bekiimpst den Kommunismus. Athen, 28. Dozember. (Wolff.h Wie die Ze-itmigen. erfuhren, hat sich die griechische Regierung entschlossen, ein b e s o n d e r -e s U ar t e r st a a t 's s e k r e t a r i a t zur Be läiMpfnng de>r. koamnu-uUische.ar Machenschaften zu schaffen. Die Aktion in -er Leopol-stadt. Die Vorarbeiten für die österreichische Keren Mion, welche diesmal bez irk swei.se vor sich gehen wird, sind im vollen Gonge. Die Bezirkssektion Prater wird die Werbearbeit in der Zeit vom 10. bis zmn 17. Jänner 1926 durchführen. Neber die Konstituierung des leitenden Konntees haben wir bereits berichtet. Die Bezirkssektion Leopoldstadt hielt am 26. d. eine Plenarsitzung ab und beschloß nach einen: Referate des Herrn Dr. Abeles die Aktion innerhalb ihres Wirkungskreises in der Zeit v om 18. bis zuan 31. Iän ner 1926 vorzunchanen. In die leitende Kommission wurden folgende Damen und Herren gewählt: Markus Barts e l d, Hermann Bergwerk, 0. Ehrlich, Frau N. Haber, Sieganund Haber, Karl Heller, Schaje Horowitz, Ehairn Klappholz, Ferdinand Korn mehl, Isidor Lebensohn, S. Öfterer, Prof. Moses R a t h, Salaanon R o k e a ch, Max Schiffmann, Josef Singer, Moses Wasser. Zar Leitern wurden die .Herren Markus Bartseld und Sal. Rokeach bestellt. In der konstitanerearden Sitzung des Koauitees, welches am 27. d. stattfand, wurden die technischen Fragen besprochen und alle Maßnahmen beraten, welche eine wirksame ^Durchführung der Aktion gewährleisten. Es haben sich in der Leopoldstadt bisher ungefähr hundert freiwillige Mitarbeiter für die Besuchgänge zur Verfügung gestellt. Die Aktion in der Leopoldstadt, tvelche wegen der großen territorialen Ausdehnung mit besonderer Sorgfalt vorbereitet werden muß, wird sprengelweise erfolgen. Eiaae Mässenversamaulrmg mit auswärtigen Rednern wird die Aktion eröffnen und es haben sich beveits eiarige Mitbürger aiageboteai, in ihren Privathäarsern während der Aktion Abende für geladene Gäste zu veranstalten. Zur Bestärkung der Propaganda wird an anehrerrn Abenden der neue Palästinafilnr vorgeführt werden. Me erste Konferenz der Mitarbeiter. ' Dienstag den 3. Jänner 1926 findet eine Konferenz der. Mitarbeiter der Kereal-Hasessod-Aktion für den 2. Bezirk und den Pratersprengel statt. Ort und Zeit sowie die Tagesordnung dieser Beratri.ng werden noch bekanntgegeben. Nteeting bm Prater. lieber Veranlassung des neugegründeten Komitees für die Zderen-Hajessod-Aktion im Praterspreargel veraarstaltete die zioaristische Bezirkssektion Soanrtag den 27. d. ein Meeting, welches anafsenhaft besucht Ivar. Herr Dr. Otto Äbeles hielt einen Vortrag über seine Studienreise durch Erez Israel und schilderte insbesondere die Stadt Tel-Awiw und die landwirtschaftliche Arbeit im Emek sowie in Ober- Galiläa. Die Leistungen des -Keren Hajessod für kit Ausbau wurden an prägnanten Beispielen gezeigt. Die Heanmungen der Entwicklung, insoweit sie auf die unzureichenden Mittel des Kcren Hajessod zarrückzuführen. sind, wies er eindringlich ans. Der Vortrag wurde anit großem Jarteresse entgegengerronunen. Sodann sprach. Geaueindcrat Dr. Plaschkes über die Wichtigkeit der bevorstrheawen Keren-Hajessod-Aktion. Auknüpfend an den Steiger-Prozeß kritisierte er die Haltuarg der Jnhenschrst. Noch imaner, wie vor den: Anstreten Herzls, zeige sich die.'Eirimütigkeit bloß im Augenblick notwendiger Abwehr. Der Aufbau des armen Nationalen Heimwesens durch jüdische Arbeit, auf - jüdischer Scholle sei die einzige Gewähr , für-die jüdische Zukunft- und die endliche Beendigung des langwierigen Prozesses, der gegen das jüdische Volk geführte werde uard noch langer währe, als der Steiger-Prozeßs nämlich seit dem Verlust des jüdischea: Gemeinwesens. Die. österreichische Judenschaft stehe in ihrer Stenerleistarng für das Finanzinstruaueaat des Aufbaues von Erez Israel, nämlich des. Keren Hajeffod, noch.weit zurück. Wenn die.Juden des Praters, welche diesmal mit der Aktion für. den Kerear Hajessod beginnen,'ihre Pflicht erfüllen, wenn aansere 'freiwilligen Mitarbeiter ein solches Ergebnis erzielen, wie es der Anzahl «nb Leistungsfähigkeit der im Prater wohnenden Juden entspricht, so wird das gatte Beispiel auf die späteren Teile der Aktion in den anderen, Bezirken vorbildlich wirken und die Juden des Praters werden d.-i'e.Genugtnaa.ng haben, daß durch ihre Initiative das Werk geglückt ist. Unter der Einwirkung dieser Ausführamgeaa aareldeteia sich nearerdings fünfzig, freiwillige. . Mitarbeiter, welche - während der ganzen Zeit ber Aktion durch Bestäche Keren-Hajessod-Zeichnungen im Prater einholen-werden. Der Fimf-Milliorren-Dvive der amerrkani schon Zionisten. Aus New-Aork wird uaas berichtet: Die Kaaarpagau. zur Aufbringung eines Fünfanillioneardollarfonds für die Aaifbauzwecke in Erez Israel ist in volleaat Gange. Die größeren Städte Wurden von vornherein förmlich besteuert. So haben.die Juden von New-Zork die Quote von eineinhalb Millionen Dollar aufzarbringen. Hier in Netv-Nork wird dir Kampagne am 17. Jänner 1926 ihren osstziellen Anfang nchmen, Sämtliche jüdischen Gesellschaftsuard Berarfskreise organisieren sich bereits zu eigearen Grachpen, um rechtzeitig mit den Vorarbeiten fertigen, werden. Auch in anderen größeren. Städtea: hat die Arbeit bereits - eingesetzt und ' schon die bisherigen Ergebnisse lassen erkennet!, daß der Zionappell in Amerika einen Widerhall gesunden hat. wie er angesichts des Fünfzehnaattllionendrives des Jointselbst von den optinnsttschesten Zionisten kauna angenommen wurde. In Buffalo nahua die Samaraelaktion mit entern Bankett zu Ehreu des Präsidenten des Drives, Dr. Stephan Wise, ihren Anfang. Die Juden von Buffalo.haben 75.000 Dollar aaiszubringen amd schon während, des Banketts wurden 27.000 Dollar eingezahlt. Die letzte Nachricht aus Buffalo meldet den Eingang von weiteren 7000 ■ Dollar. Die bedeutendsten amd angesehensten jüdischen Persönlichkeiten haben sich für die nächsten Wochen fast ausschließlich dieser AaLeit verschrieben. Uebewll, wo Jrchen in den Veretaaigten Staaten leben, werden jetzt Meetin g§ abgehalten, rm das Interesse für Lrez' 'Israel -zu weckm. Großes -Interesse, erweckt auch die Mitteilung.des bekaarnten englischen Arbeiterführers amd Politikers- Kolonel.Wedgwood, der am 29. d. zu einer Vorlesungstournee nach Amerika kommt, daß er sehr gerne die Gelegenheit ivahrnchtnen wird, aun in den Versämmlungen für Erez Israel amd die Äusbriaigung der erforderlichen Aufbaumittel einzutreten.' Kolonel Wedgwood ist auch ‘ unseren. Lesern aus seinen verschiedeuctt Aussätzen und Reden als Zioaristenftetlnd bekannt. \

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