Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2459 (28.12.1925)
- Date
- 1925-12-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ftfte f_Wen. Mvntag Gis obgestürzter öchneitjug. Madrid, 28. Dezember. Der Schnellzug von Madrid tmch Car tage na istg-estern in ei ne »Fluß gestürzt. Die Zahl der Opfer, die sehr hoch zu sein scheint, ist noch nicht Wannt. _ -eaih Ford als Lrotschenheher. De- „Berliner Tageblatt" bringt im Telegramm aus New- Aork. wonach das Organ des Automobilkönigs und Antisemiten Henry Ford, die Zeitung „Dearborn Independent", sich neuerdings einer hemmungslosen Deutschenhetze befleißigt und unter anderem die alten Märchen von der deutschen Grausamleit und Tücke im Krieg ausfrischt. „Dearborn Independent" erscheint in einigen.Millionen Exemplaren aus persönlichen Mitteln Fords. Wiedereröffnung des Aentrrs „Hnbimnh" in Moskau. Moskau, 21. Dezember. (I. T. A.) Nach einer Panse von sieben Monaten wurde das hebräische Theater Habimah, das nun wicher zu einem subventionierten Staalscheater erhoben worden ist, wieder eröffnet. Gegeben wurde das biblische Drama „Jaakobs Traum" von Richard Beer-Hofsmann. DaZ Ensemble erntete für die meisterhafte Darstellung reichen Beifall. Der Regisseur 2i u s ch k i e w i t s ch, der Direktor Zemach und die Hauptdarsteller wurden unzählige Male vor die Rampe gerufen. Schon anfangs Immer 1926 tritt das Ensemble der Habimah unter der Führung des Direktors Zemach die Tournee durch Europa an. Sie Seldfabr» der RnffeMSHler. Ei« Beamter des Innenministeriums beteiligt. Die Affäre der in Holland orrhastnen ungarischen BanknotenfAscher Aristide Jankovich, Georg Marsovszky und Georg Mankovich harrt noch immer det Aufklärung. Haager Meldungen zufolge empfing der Haager Polizeipräsident Van Stad einen Journalisten, dem er folgende Mitteilungen machte: „Aristide Jankovich ist im Haag ohne Gepäck eingetroffen. Er kam aus Amsterdam. Gleich am ersten Tage versuchte er, eine französische Tausendfrankennote gegen holländisches Geld emzuivrchseln. In der Bank wurde jedoch die Note als Falsifikat erkannt und Jankovich verhaftet. Ms er durchsucht wurde, entdeckte man in seinem Strumpfe eine wertere falsche Banknote. Jankovich gestand, mit zwei Freunden nach Holland gekommen zu sein, diese jedoch in Amsterdam zurückgelassen zu haben. Auf unser telephonisches Ansuchen wurden dann Marsovszlh und Mankovich in ihrem Amsterdamer Hotel ebenfalls sestgenommen. Als sie sich bereits in polizeilichem Gewahrsam befanden, trafen aus Budapest zwei Telegramme mit der Ijnterschrift Georg Netz ein, worin die Verhafteten aufgefordert werden, das „Geschäft" nicht weiter zu betreiben und sofort nach Budapest zuruckzukehren. Woraus hervorgeht, daß die Verhafteten in der ungarischen Hauptstadt Komplizen haben müssen, die irgendwie erfahren hatten, daß der Beirug bereits aufgedeckt wurde. Jarrfovich tvar im Besitze eines echten diplomatischen K u r i e r p a s s e s, während seine beiden Komplizen mit gefälschten Dokumenten reisten. Die Haager Polizei ist der Ansicht, daß hinter den Verhafteten gewisse ungarische Finanzkreise stehen, die ein Interesse am Zusammenbruche des französischen Franc haben. Von diesen seien Jankovich und seine Komplizen gedungen worden, um die ihnen anvertrauten großen Mengen falscher Banknoten im Ausland zu verausgaben und dadurch ein Fallen des Frankenkurses herbeizuführen. Die Verhafteten haben bei ihrer Einvernahme auch gestanden, baß sie bloß Werkzeuge gewesen wären und in Budapest ihre Auftraggeber halten. Dies seien vornehme politische Persönlichkeiten, deren Namen zu nennen sie sich weigern." Tie Budapest«! Polizei fahndet energisch nach den Bridapester Komplizen Jankodlchs. In der Weihnachtsnacht erhielten die Kriminalbeamten eine neue Spur und sie glauben nun, die Banknotenfälscher eruieren zu können. Die Polizei hatte nämlich erfahren, daß der ehemalige Rechtsanwalt und Detektiv Dr. Josef Pazurik, ein Schwager des ehemaligen Pveßburger Umversitätsprofessors und späteren Mitgliedes der tschechoslowakischen Regierung Jehlicska, an einen jungen Mann die Aufforderung gerichtet hat, sich mit einer Anzahl falscher französischer Noten nach Deutschland zu begeben und sie dort zu verausgaben. Pirzurik, der eine Zertlang Leiter des Uebersetzungskmrecms im Ministerium des Innern war, soll bemerkt haben, daß die Klischees der Falsifikate dom Maschineningenieur Ladislaus Bekessy stammen und sich gegenwärtig beim Kustos des Nationolmuseums Dr. JuliusMeszaros befanden, der sich zurziel in Konstantinopel aufhält. Sin SnnSmgesuch Robert Kitzlers. Wie die ,Mnn- und Moniagchertung" erfährt, hat der wagen Mordes an seinem Vetter, dem H-olzind-uistriellen Robert Eißler, zu zehnjähriger schwerer Kerkerstrafe verteilte Otto Eißler aus der Strafhast durch seinen Rechtsanwalt Dr. Haslinger ein Gnadengesuch an das Justizministerium gerichtet, das vor einigen Tagen dom Vizekanzler Dr. Wader als Leiter des Justi-mmisterimns vo^elegt «wurde. Glelchzeiltg mit dem Gnadengesuch des Anwaltes Otto E c ß I e x 3 wurde dem Justizministermm ein von den zwölf Geschworenen des seinerzeitigen Strafprozesses gefertigtes rnatc n gesu ch v orgel-rgt.- _TOftiiet WatgettjteMuttft nO'3 na KEREN KAJEMETH L’ISRAEL ü üdischer Naiionalfonds) WIEN,!., Kärntnereirasse 28. Tel. 77485, 77486. - Post, sparkassenkanto 100.208. Bilchsenleenrng Jänner 1926, löGe BüchMeerung findet in der Zelt vom -10. bis 25. Jamrer 1926 statt. Diese Leerung soll einen Marlstein in der Entwicklung der Ktten-Kajemech-Arbeit dieses Jahres darstellen. Es muß eine Mprozentige Leerung erzielt werden, das heiß:, es darf keine ungeleerte Büchse geben. Aas diesem Grunde ha! das Bureau alle technischen Arbeiten den Leernngsgruppen abgenommen, damit die Leerer ihre Kräfte ganz auf die Leerung konzentrieren können Feder Leerer erhält nur 20 Büchsen zum Leeren. Je 20 Büchsen Hilden einen eigenen Leerungsjprengel. Koren-Kajemeth-Mitteilungen. Wir neben von dieser Leerung angefangen ein eigenes Keren- Kajemeth'Blatrcheraus, das wir van der Zentrale an olle Büchse n i n h a b e r verschicken, nnd zwar zirka acht Tage vyr der Leerung. Dasselbe wird reiches Jnformationsuateriai über den Ausbau Palästina im allgemeinen und die Leistungen des Keren Kajemech im speziellen enthalten. An erster S.elle enthält dieses Blatt das Lccringsavho. Diese Leerung soll zu gleicher Zeit dir Grundlage für die Verdoppelung unserer Birchseuanzahl in Wien abgebw. In unserem Mitteilungsblatt ersuchen wir joden Büchseninhaber, den Bßchsenleereri. eine verläßt che Adresse anzugcden, bei der wir eine neue Büchse aufftellen können. In den nächsten Tagen erhalten unsere Kommissäre. sow'e auch die BezirlS'ektionen und -Gruppen ein genaues Jnstruktionsblatt, das wir genau zu lesen ersuchen. * Leerung durch Erwachsene. ID ist unser Zivil. zur Leerung auch Erwachsene in größerer Anzahl heranzuziehen. Im 19. Bezirke w^d diesmal die Leerung durchweg von Erwachsenen erfolgen. Chanuka-Aktion. Fü ns-ühr-Tee. In einigen Bezirken wurde von unseren grauen zugunsten des Keren Kajemech FünstUhr-Tce veransra-ltet. die einen geradezu glanzenden Vertan* nahmen. So in den Bezirken 18 imb 19. Büchsenausstellung. Wir muffen in diesem Jahre unsere Büchsenanzahl verdoppeln, das ist auf 16.000 bringen. Im Zentrum u.ftrer Kingreßarbeit stand bereits die Büchsenaufstellun'saktion. Sie er>iob unter den ungünstigsten Umständen — es stellre sich heraus, dcß 70 bis 80 Prozeni der Bewohner nicht in Wien waren — rin Resultat von 1200 Büchsen. Es mehren sich in der letzten Zeit Fälle, wo einzelne Personen mit großem Erfolg in ihrem Kreise Büchsen aufstellen Sv Hai Her. SR e t § f t re, 7 Bezirk, 100 Büchsen, Herr Dr. Rot bl um zirka 60 Büchsen, Herr Tisch, 21. Bezirk, 70 Büchsen. Abfluß der Chanuka-Aktion des Keren Hajessod. > Wir ersuchen alle Gruppen sowie E'nzelpersonen, die von-nns Sammelbogen erhalten haben, die Verrechnung gleich durckizuführen,- damit wir die Chanuka-Slkt on endlich abschliehen können. Wir ersuchen auch cius diesem Gründe , um joforiiae Abrechnung, da wir jetzt an eine Reihe andrer Arbei'en zu schreiten haben und daher die Chanuka-Aktion absolut abg-schloßrn werden muß. (Ter Ausweis Nr. 8 folgt in einer unserer nächsten Nummem.) Generaiüikeitor Lira grstorbrn. Ter Generaldirektor und Vizepräsident der Waagner- Biro A.-G. ist am 26. Dezember nach längerem Leiden verschieden. Der Verstorbene war aus industriellem, technischem und künstlerischem Gebiete eine hervorragende Persönlichkeit und seine Bedeutung für die Aktiengesellschaft war außerordentlich. ■ * Wohnhausbauten auf dem Gelände der ehemaligen Krimskh-Kaserne. Schon tm Wohnbauprogramm für das Jahr 1923 wurde der Bau von Wohnhausgruppen auf dem Gelände der ehemaligen Krimskh-Kaserne. und der anschließenden Grundstücke in der Rabengasse, Knappengaffe und Hainburgerstraße vorgesehen. Vom Gesamtbaugrunde werden 43,2 Prozent verbaut. Das Gebäude umfaßt 60 drei-, 194 zwei- und 11 einräumige Wohnungen. Vier dreiräumige sind derart projektiert, daß sie zusammen gezogen je eine Wohnung für einen Arzt sowie einen Zahnarzt samt Ordinations- und Warteräumen ergeben. Die. Kosten für oiesen Bauteil sind mit 3,500.000 Schilling veranschlagt. Der Gemeinderatsausschuß für technische Angelegenheiten hat in seiner letzten Sitzung die Geuehmigunq erteilt. __28. DezemlSer 1905 0k S4B0 -er Erreger ver Kopfgrippe entdew. Während de- Krieges «och, im Jahre 1918 unseligen Angedenkens, trat in Wien zmn ersten Male eine furchtbare Krankheit epidemisch aus; „Schlafkrankheit" hieß sie im Volksmund, und danicht mit Umecht, obwohl sie mit der eigentlichen, afrikanischen Schlafkrankheit nichts zu Inn hat. Encephalitis lethargica nennt sie der Arzt und auch als Kopfgrippe wurde sie bezeichnet. Jedenfalls handelt e8 sich, um eine Hirnerkronkung, die zu schwerer Schlafsucht führ! und böse endet: Der Tod ist das mildere Nebel, das dem Patienten droht — dos andere ist geistige Störung. Seither ist die Seuche hier erloschen und auch in anderen Ländern sehr zurückgegangen, aber von hier und dort wird doch immer noch ein Fall gemeldet. Man nahm an, daß auch die Kopfgrippe durch den Jnfuenzaerreger erregt wurde. Nun wird berichtet, daß einer amerikanischen Bakteriologin die Entdeckung des eigentlichen Erregers geglückt sei. Der Erreger soll große Aehnlichkeit mit der StrchtoeoceuSgruppe haben, aber in seiner Größe ungemein stark variieren: Teilweise gcht er durch feinste Filter, teilweise soll er die Grenze der mikroskopischen Sichtbarkeit überschreiten. Miß Evans, die diese Untersuchungen ausgeführt hat, gewann den „Stamm", mit dem sie dann experimentierte, aus dein Hirn eines an Encephalitis lechargicr gestorbenen Patienten. Es gelang ihr, durch Infektion von Kaninchen mit ihren Stämmen die Erscheinungen der Krankheit hervorzurufen nnd auch bei den Tieren verlief düse. Mich. Die „Virulenz" des Erregers, da8 heißt die Fähigkeit, krankheitserregend zu wirken, nahm aber ab, wenn er längere Zeit hindurch kultiviert wurde. Miß Evans versuchte, Immunität zu erzielen, indem sie sehr kleine Mengen der Erregerkulturen injizierte, so daß die Krankheit nicht sofort und nur in abgeschwächtem Maße auftrat. Trotzdem aber starben die Tiere, wenn auch nach längerer Zeit und es war bislang nicht möglich, die Tiere immun zu machen, sie sozusagen an den Erreger zu gewöhnen, indem man ihnen Zeit ließ, Schutzstoffe zu bilden, worin ja ein Weg zur Immunisierung besteht. Dennoch muß die Arbeit Miß Evans hoch eingeschätzt werden, wenn ihre Befunde richtig sind; denn nun wird natürlich der Weg für künftige Untersuchungen gewiesen sein, da ja die Ursache der Erkrankung bekannt ist. Der Elirdeofflzler des Großfürsten Michael. Ein russischer Schwindler in Bern verhaftet. Ein Mann, der sich seit Jahren abenteuernd in der Well hernmlreibl und dessen Persönlichkeit, wiewohl er schon öfters mit der Polizei zu tun hatte, noch nicht fest ge stellt ist, wurde dieser Tage in Bern unter dem Namen Peter v. Medern, am 29. Jänner 1896 zu Peiersburz geboren, einstmals russischer Offizier, wegen Verausgabung falscher Lirenoten verhaftet. Der'Mann hat sich auch Alfred Dom an 8k y genannt. Hier wurdl f«'lgcstM, daß sich der Mann unter dem Namen Alexander P(.cr Knxien auch in Oe st er re ich ausgehalten hat. In Jfck! batte er eine Tänz-^n kennen gelernt, mit oer er nach l'.'^ü.lg fuhr, und die n wiog, etnen österreichischen Baß zu lösen und sich ein italienisches Bifum geben zu lassen. Dann hat er die Tänzerin im Stich gelaffen und ist mit ihrem Gepäck und dem Paß, den er später auf seinen angenommenen Nagten sich hat fälschen lassen, geflüchtet. Im Oktober v. I. ist der Abenteurer dann in Triest verhaftet worden. Er hat dcmrals Mer sein Leibvn ome abenteuerliche Geschichte erzäihlt, der zufoltze sein Vater ein adeliger Großgvundbelsitzer im GoMernmumt Smollensk war und von den Bolschewiken ermordet touTbe. sÄbst will Gardeofsizier im Hnsaren-Regiment des G r o ß- Ifürsten Michael von Rußland gMelsen vnd nach Ausbruch der Revolution in die Ukraine geMchtet sein. Dann will er unter dem Hetmaun Skoropatsky erst Hegen die Russen gMmpift halben und dann anderthalb Jahre als Stabslkapitän Fliegerolfifizter in der Polnischen Armee gewesen fein. In Triest hat er als feinw wirklichen Namen „Peter Mxander Kuxien" genannt und zugegsben, daß fein Paß Ursprünglich der der verlassenen Tänzerin -vnr, den er sich „au swaschen" Ließ. Er hat zugegeben, daß er nur von Schiebergelschästen mit Äederwaren, Ghemikalten und Artzneiimitteln geleibt hat. Seme wahre Person sestguistellon, sind Mn die internattonallen Bchörben lbestrM. - Hakoah schlägt Floridsdorf 2:1(0:0). Wüste Szenen am Spielende. — Der Nnndrdneler Anhang dringt in dar Spielleid. — Gin Linienrichter Innü-nnt geschlagen. — Sie Wache zieht blank. -Hakoah-Platz. Schiedsrichter Kienzl. 5000 Zuschauer. Hakoah: Fabian; Scheuer; Wagner; Fried, Guttmann, Gold; Schwärz, Häusler, Grünwald, Heß, Wortmann. F. A. C.: Hofer; Runge, Czihak; Bernhauer, Drucker, Reiter; Seidl, Rohrenbacher, Jiszda, Juranic, Kingall. Das letzte Herbst-Msist-erschaftssPiel der Hakoah nahm einen häßlichen A u s g ä n g. Gsgen Ende des Kampfes, nach Ablauf der Zeit, spielten sich ohne jedes Verschulden der Hakoah-Spieler und auch ihrer Anhängerschaft. — Szenen ah,, hie schließlich in einen svüsten Tumult ausarteten. Nach einem sehr interessanten Spielverlauf war vor dem S ch l u ß P f i f f des S ch i e d s r i ch t e r s der vorzüglich arbeitende Floridsdorfer Tormann Hofer im Gedränge der heftig angreifenden Häkoahner zu Fall gekommen. Er konnte sich nicht gleich erheben, worauf Funktionär» der Floridsdorfer auf das Spielfeld zu Hofer liefen. Cs wurden immer mehr, was das Zeichen für die durch die brutale Dpielweise einiger F. A. C.-Spieler aufgepuwerteu Floridsdorfer Anhänger war, den Spielplatz zu überfluten und einen häßlichen Auflaus zu inszenieren. > Der Schie d s r i ch t e r und die H a k o a h - S p i e l e wurden tätlich b e d r o h Zu ihrem Schutze wußte die anwesende Wache eingreifcn und sogar vom Leder ziehen. Nur schwer konnten die Bedrohten in rhre Kabinen gelangen. Ein bedauernswertes Opfer des Florrds-