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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-25 · Heft 2458 (25.12.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2458 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Men, Fvettsg Wiener Morgeirzettung SS. DeM'btt 19S8 Sk. 2458 Kunst, Bühne, Buch. »Mlera." Theater in der Josefstadt. Fm Mittelpunkt des neuen Spiels von Franz M o b nar steht ein Mann, der in der Kunst, .sich das Leben zu vergällen, ein Meister ist. Djisch hat es nicht sehr weit gebracht. Trotz Fleiß, Anständigkeit nnd geschätzter Fähigkeiten hloß zum ersten Kommis in einem Warenhause, das seinen: Jugendfreund Azela gehört. Diesem erging es weit besser. Er ist heute Grotzmillionar und Eigentümer von 83 Etablissements a la Gerngroß. Der Vergleich seines Schicksals mit dem seines Chefs gäbe Misch wohl Anlaß, verbittert zu sein. Aber er wäre es bestimmt auch, wenn er die Karriere des einstigen Kollegen gemacht hätte. Nichts freut ihn. Auch nicht die Liebe der süßen Luise aus der Handschuhabteilung. Sowie er erfährt, daß der einstige Kollege und gegenwärtige Chef ein Auge aus sie geworfen, gibt er keine Ruhe, bis sie nicht jenem in die geöffneten Arme sinikt. Mit einer Hingabe, die eines besseren Zieles wert wäre, als dem. sein Glück zu versagen, quält er die lebenslustige, von TubeMlose befallene Blondine und hat es in der letzten Szene richtig dahin gebracht, daß das gute Kind ihn' nicht mehr liebt, aber dafür bemitleidet (natürlich neuer Anlaß für ihn, sein Schicksal zu verfluchen). Wenn der traurige Held des Stückes dosteht, in ewiger Fechterposition, von jedem Frohmut verlassen, seine Untauglichkert. glücklich zu sein, scharf beobachtend und über diese Untauglichkeit empört, ist diese Figur ein bestimmter Typus * „Großstadtjude". Schade, daß Hermann Thimig dem Dichter nicht nachhalf und den Zusehen nicht erkennen ließ, daß hier das Schicksal eines beschränkten und anständigen Graukopfs „mosaischer Konfession" gelang. Der Kammis Misch ärgert sich natürlich auch darüber, daß man ihn „Moses" nennt. Der Geschästsdiener Marlin bemerkt untertänigst, - der gnädige Herr Misch sollte sich über diesen Spitznamen nicht kränken. Wohl sei Moses ein Findelkind gewesen, habe ober später die Herren Israeliten saniert ... Der Chef des Warenhauses ist in allen Stücken das Gegenteil des Kommis' Misch. Er nimmt das Leben leicht, hatte nach einer abenteuer-Iichrn Jugend und fleißigem Schuldenmachen die Konjunktur am Rockzipfel erwischt und stieg hoch empor. Misch sagt sich so lange: die Geliebte bleibt nicht bei mir — bis sie nicht bleibt.. Wiederholt so lange: ich bin ein Pechvogel — bis ihm diese Qualität lebenslänglich anhastet. Herr Azela hingegen hat die Gepflogenheit, solange Grauckopfs Mosaischer Konfession" gelang. Der Kommis zu sagen, ich will dies und jenes erreichen, bis er es erreicht. Im Falle der schönen Luise ist er in dieser Fertigkeit soweit gelangt, daß er es gar nicht mchr sagen muß. Er wünscht einfach, daß sie ihn an die Riviera begleitet, und es geschieht prompt vor dem Fallen des Vorhanges. Herr Misch wird aber zukünftig mit einer anderen Verkäuferin vorlieb nehmen müssen, die seit längerer Zeit Verlangen nach ihm hat. Freilich nicht zuletzt deshalb, weil man auf dem Umweg über Herrn Misch bei dem Chef Azela landen könnte. ■ Wie das Exempel der drei Bilder des Spieles zeigte. Es ist weniger brillant, weniger reißerisch und technisch unvoMonunener als andere Molnar-Stücke. Aber dichterisch seiner, bedeutender, menschlicher, und der Autor des „Siliam" und des „Gläsernen Pantoffel" hat sich hier bewährt. Das schätzen wir höher ein, als wenn der erfolgsichere Dramatiker noch einen „Teufel" oder eine „Rote Mühle" geschrieben hätte. Federleicht, vollendet in der betonten Noncholance des Lebensgewinners Herr R o m b e r g, entzückend durch ihre Anmut, bezwingend durch dramatischen Akzent im Schlußakt, nur m der Art des Betonens, des gedehnten Lamento mitunter an Helene Thimig erinnernd (trägt da nicht die Lehrmeister Reinhardt schuld daran?), die neue ungarische Schauspielerin D a r v a s. Das Faktotum Martin gab Herr M oser sehr amüsant. Max Reinhardt, der Regisseur, bringt das Spiel zu ausführlich, insbesondere im dritten Mt wären Kürzungen und ein beschwingteres Tempo zu empfehlen. O. A. SvUkyr „Ler Wue «ad da, Mtzchea". Raiwrrnd-Theatcr. Das SAergrau des Alierns aus der Blume der Liebe, bieS wundervolle Schauspiel hat Sascha Guitry. (sonst der Amoureusel in ein Lustspiel gepreßt; Geruch sterbender Blüten, Sonnenuntergang, das letzte Aufflackern der Licke, Abschicdnchmen von der kleinen Freundin; der Löwe spielt mit dem Kätzchen (Katzerl), wer wird siegen? Der Ausklang läßt Möglichkeiten offen, wenn der Vorhang fällt, beginnt vielleicht das Spiel von neuem. Es war — man verzeihe das abgegriffene Wort — ein mwergeßlicher Abend: Arnold Kor ff als silbergrauer Lickhaber, zärtlich, selbstbewußt, voller Herz, niemals durch seine Erfahrungen zu Unrecht geneigt, verzeihend, Verzeihung heischend, wieviele Morde innigster Reife wußte er anzuschlagen! Reben ihm und um ihn das Kätzchen Paula Wessely, ein deiner, süßer Mistkäfer, so wahr und echt, so tief im Weiblichen, daß man für 'chr Schicksal zitterte. Ein Unikum von einem Kammerdiener Hans H omma, Kurt Lessen hart an der Balance des Komischen mit' bewunderswerter Delikatesse, nicht zu vergessen der unglückliche Antiquitätenhändler Eduard Loibner. Amold Korsss Regie von gediegener Feirchrit, darum gar nicht, zu merken. Ein Quintett, wie es gegenwärtig auf keiner Wiener Bühne zu sehen ist. Erfolg? Ein Abend für Feinschmecker und für solche, die dazu erzogen werden wollen. Die Uckersetzung von Otto Ei bensch itz brachte das Original zu voller Geltung. Aoaachrr. , ' ■ Eröffnung Mil „Das Spiel um die Liebes Nun ist — nach vielen Wandlungen — das populäre .Konacher" in neuer Gestalt erstanden, alZ wirkliches Theater, das in seiner geschmackvollen Ausstattung und m seinem wngebauten Zuschauerraum einen künstlerischen Eindruck macht. DaS Debüt dieses Theaters unter der Leitung eines so erfahreneu Th.'atermannes, wie es Direktor Miksa Preger ist, kann all höchst erfolgreich bezeichnet werden, was um so erstaunlicher ist, als bisher die deutschen Operetten in Wien mehr oder minder kühl ausgenommen wurden Gilberts „Das Spier um die Liebe", wozu die bewahre Librettisten Schanzer und Welisch tag Buch geschrieben haben« gehört zu den än und für sich schon bühnenwirksamen Stücken: das interessante Milien, die klare, mit einfallsreichen Gesangtrxten versehene Handlung und die liebenswürdige Musik eines Komponisten, der stets Niveau hall, und schließlich ein Enscmbel, wie es selten auf einer Wiener Bühne zu sehen ist. haben einen Erfolg errungen, der über die Premiere hinaus an Boden noch gewinnen wird. Von lang vermißten Stars ist zunächst in einer Bombenrolle Fritz Werner zu sehen, Erik Wirk, der in der „Törichten Jungfrau" von Oskar Stvaus zum erste» Me in Wien zu hören war, blendet durch seine Stimme, Cordy Milowitsch macht mit Stimme und Erscheinung Furore. Für den heiteranmutigen Teil des Abends sorgen die ewig junge Louise Kartausch und Oskar Karkweis, der heute schon zu den Mi.ner Operettenlieblinzen zählt, in kleinen aber dankbaren Rollen bewährten sich Artur und Emil G u t t m a n n. Die Ausstattung ist ein Kapitel für sich. Ueberall war Direktor Pregers geniale Regie zu spüren. rd. A«5 den Theatern. Buratheater.SnmT-ag.l/*3Ubrnachmittags, .Einen Zuxwillerkich mache«", abends, '/,8 Ubr. a j o r Barbara". Sonntag, Ubr nachmittags, .DerBauer als Millionär", abends, Vs8 Uhr, „Der ewige Jüngling". Akademietbeater Morgen, 3 Uhr nachmittags, .W ö l f e i n d e r N a ch t". Abends. .Die Welt, in derman s i ch langweilt". Sonntag, 3 Ubr nach- . mittags,- „D i e K i n d e r". Abends, */z8 Uhr, ,DieFahrt: ins Blaue". Operntbeater. Morgen, 3 Uhr nachmittags, ,H a s e l und Grete V. Hierauf „D {e Pu vvenfee". Abends, 7 Uhr, „DerRoserrkavalier". Samstag,7Uhr abends, .Ä b a\ Sonntag, '-,6 Uhr abends, „Die M eist ersingervon Nürnberg". Redoutensoal. Samstag, 7 Uhr abends, .Figo* r o s Hochzeit". Sonntag, 7 Ubr alrentS, Ballett- Saireer Couperin-Ravel-Rameau-Job. Strauß. * Palestine Lloyd Ltd // Palestine Express Co DIB NOTWENDIGKEIT, das Transportwesen und den Reiseverkehr nach Palästina grosszügig auszubauen» hat zu einer Verschmelzung obiger Firmen unter dem Namen '-t geführt Das neue Unternehmen verfügt über Zweigstellen In Buropa, Palästina und Aegypten und wird alles unternehmen, um im engsten Zusammenarbeiten mit der Zionistischen Organisation die brennenden Verkehrsprobleme Palästinas der Lösung näher zu bringen PALESTINE LLOYD LIMITED ZWEIGSTEILEN IM NAHEN OSTEN: JERUSALEM HAIFA JAFFA ROAD \ D n ß 9ai, HARBOUR STREET POB 2g3 TANCRED IANE j 307 A . . 1c7r,rkJ A *TPT A\Y7T\X7 ALEXANDRIA X EIWl W1W NEARMAJEST1C HOTEL POB 735 HERZL STREET, POB «8 — A TD Cl JAFFA MLW 5, POB 1033 HARBOUR STREET POB XI8 ZWEIGSTELLEN IN EUROPA* PARIS 8m* WARSCHAU x3 ck). MALESHERBES HOZA 45 MARSEILLE RIGA 54, RUE PARADIS BASTEIBOULEVARD IX PTOT'TM C/O.LAERUM dcKLIN KOWNO NICKIEVICIAUS G-VE 15 TAUENTZIENSTRASSE 128

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