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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-25 · Heft 2458 (25.12.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2458 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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AvrroStz Lmener wo, 'gggwruwiw'* Wt. WOb gooooooocooooooooooooooog Der grosse Räumungsverkauf bei Schosial L Härilein Wien, L, K&minersirasse Nr« 14 bei wirklich grossen Zuspruch» m // Cs wird fn feder Beziehung Bef grosser Auswahl nur Bestes bei äussersi billigen Preisen geboten. 0 HooooqooqoooooocxxdooooooD AllmWorse als Mittelstands- Vroblem. Bon Mrsorger Bela Fischer. Men. Zm Keil der Inflation ist über dar Mittelstands« -rodle« viel gesprochen worden. Jetzt ist eS gary still davon, und doch jst eS jetzt dringender notwendig als je, sich darum zu kümmern. - Der Lob auf dem Schlachtfeld, dar grause und schreiende Elend der Flüchtlinge sind abgelöst worden durch den schleichenden Tod durch Unterernährung, durch das stille Elend der Zugrundegerichteten, die auch bei ihren selbst lächerlich gerinß bezahlten oder gar arbeitslosen Anverwandten Line tzüfe finden können. Am Allerhärtesten leiden darunter diejenigen, Welche, wie das Volk sagt, „einst bessere Tage ge« sehe« haben". Die verdammte Bedürfnislosigkeit tragt ihr Beiwort mit Recht, wenn man sie vom Standpunkt der Kultur und Gesittung aus betrachtet; aber für den einzelnen, der in alten, hoffnungslosen Jahren im Elend dahinleben mutz, ist eL ein Glück, wenn seine Lebensansprüche so primitiv wie rmr irgend möglich sind; und eS ist ei» Unglück für ihn, an gesittete Lebensformen gewöhnt zu sein. Die öffentliche Wohlfahrtspflege, wie sie gerade in Wien durch Alter« versorgungSheime ausgeübt wird, kann hierauf keine Rücksicht nehmen. Dort kann man nicht anfangen, die Versäumnisse eines langen Lebens, gutzumachen und alte, verbrauchte Menschen auf eine-höhere Kulturstufe zu führen, als sie in ihrer Jugend eingenommen habe»; es kostet Mühe genug, dort bei allen Elementen gleichmäßig die Forderungen der Sauberkeit, - Ordnung und Hygiene durchzujetzen. Auf Herkunft und Gewöhnung kann keine Rücksicht genommen werden, diejenigen Insassen, denen die Umgangs«, Sprech« und Cß« gewoh'nheiten 'erzogener- Menschen selbstverständlich sind, leide» täglich und stündlich unter ihrer Umgebung, ohne daß diese auch nur die geringste-Schuld träfe; e8 ist wie der bös« artige Bitz eines Kobolds, daß hier die Sünden einer Gesell, schaft, die die Mehrzahl ihrer Mitglieder auf einer niedrigen KuLnrstufe läßt, ausgerechnet an Len Gestrandeten und Hoff, mmgslosen au8 den höheren Gesellschaftskreisen gerächt werden. Jeder Mrrsorgerat,' überhaupt jeder, ' der ' sich mit solcher* Hilfsbedürftigen beschäftigt, wird mir bestätigen, daß diese, solange, es sich irgend. durchsetzen. läßt, lieber unter den größten Entbehrungen in ihrem eigenen Zuhause bleiben, als die, äußerlich genommen, diel bessere Versorgung in einer Anstalt aufzusuchen. Den Gedarcken besonderer, geeigneter Anstalten für Liese Elemente zu erwägen, verlohnt unter den heutigen Verhältnissen der Aussichtslosigkeitwegen nicht. Dennoch gäbe es eine Möglichkeit, dielen von ihnen zu helfen. Allerdings muß man sich klar machen, um was er sich dabei handelt. Es kau» natürlich keine Rede davon fein, für die alten Leute die vergangenen Zeiten wieder aufzu. richte» und sie auch nur annähernd wieder , in die Zage zu bringen, in der sie sich als Wohlhabende befunden haben. Es kann sich um gar nichts weiter handeln als um einen Ausweg bei der harten Wahl, entweder langsam zu verkommen und zu verhungern, oder sich in eine ^geschlossene Anstalt aufnehmen zn lassen,' wo man sich airs den angedeuteten Gründen gleich, falls fortwährend unglücklich fühlt. Wenn die Sache von allen Beteiligten so.aufgefaßt wird, dann kann dieser Ausweg gefunden werden. Man muß sich zu diesem Zweck die Lebens- Verhältnisse der alten Männer und Frauen, um die es sich dreht, vor Augen führen. Keiner oder fast keiner von diesen alten , Leuten ist vollkommen mittellos. Der eine besitzt aus frühsten Zeiten eine WohnirNg, die weit größer ist als der gegenwärtige Wohnbedarf; ein anderer hat noch irgend ein Einkommen» eine Rente-, oder eine Pfunde der Stadt, regelmäßige Zuwendungen von verschiedenen Seiten, Unterstützungen von Verwandten. Nur daß nichts hievon für den Lebensbedarf des einzelnen auSreicht. Am ehesten könnten sich noch die WohnungSbesitzer durch Vermieten helfen, wenn ihnen nicht daS natürlich^ Mißtrauen des AlterS im Wege stünde sowie ihre körperliche und geistige Hinfälligkeit, die ihnen nicht gestattet, den notwendigen Nutzen aus einer solchen Verwertung ihrer Wohnung zu ziehen. Dennoch ist hier der Anknüpfungspunkt. Solche Wohnungen konnten in kleine Heime von sieben bis zehn Insassen umgewandelt werden. Die gemeinsame Oberleitung müßte bei einer Zentralstelle, das heißt in den Händen eine« geeigneten, mit Autorität äuSgestatteten Persönlichkeit liegen. Diese hätte: Bor Errichtung eines jeden HeümS die Mittel, dk sich durch diese Zusammenlegung kleiner Einkommen ergeben, in ihrem Verhältnis'zu den notwendigen Ausgaben zu pküstn; für Nahrung, Heizung, Kleidung usw. zu sorgen und sich dabei aller Möglichkeiten des Großeinkaufes, der Mittelstandsküchen usw. zu bedienen; für richtige AuSnützung der Platzes zu sorgen sowie für anderweitige Unterbringung, wenn Erkrankung den Aüfenthalt in einem solchen .Heim unmöglich macht; etwaige Unterhaltsverpflichtet« zu angemessenen Leistungen anzuhalten; kurz, all die organisatorischen und Verwaltungsausgaben auSzusühren, durch deren Bereinigung bei einer sachderstLndigen und tatkräftigen Persönlichkeit die Heime lebensfähig gestaltet würden. Zu Insassen solcher Heime würden sich selbstverständlich nut Leute eignen, di« lei»* außergewöhnliche Pflege ober Rücksichtnahme erfordern, also keine Kranken, keine Greise, deren Alterserscheinungen sich in Unverträglichkeit äußern. Im übrigen sind alte Leute wohl eigensinnig, aber auch anlehnungsbedürftig, und bet einigermaßen geschickter Behandlung würde eS nicht schwer sein, ihnen trotz allem noch ein zufriedene- Atter zu verschaffen. Zweifellos würde sich auch für jedes solches Heim eine Frau von Herz und Verstand als Beschützerin finden — eine Frau, die des öfter» nach dem Rechten sähe und sich eine Ehrenpflicht daraus machte, in diesem Heim der Alten wie eine HauSfrau und Tochter auS- und einzugöhen. Ebenso könnte es nicht schwer sein, in dem Ausmaß, wie sie hier notwendig wäre, ärztliche Aufsicht zu beschaffen. Damit wäre das Problem der AlterSfürforge für Gebildete' soweit gelöst, wie die heutigen Verhältnisse' es gestatten; die Insassen dieser Heime brauchten nicht unter der! Zusammenwürfelung heterogener Elemente zu leiden; sie würden ihre alten Tage in einer Atmosphäre verbringen, die ihren früheren Lebensgewohnheiten entspricht. DaS, WaS an ihrem Gefühl des „HeratgelommerrseiriS" Berechtigtes ist, würde beseitigt sein. Sie würden, wenn auch nicht mehr, so doch daS erMt finden, WaS sie alS die primitivsten Lebens- Voraussetzungen empfinden; sie würden nicht mehr gezwungen sein, einsam und elend zu leben, und sie würden auch nicht mehr den „bunten Hund" unter anders gewöhnten Mensche« spielen, würden nicht mehr mit den einfachsten LebeaSäußerungen, wie sie ihnen natürlich sind, in dev Verdacht geraten, „was Besseres fein zu wollen" und dafür von de« anderen geplagt werden. Die Errichtung solcher Heime würde aber nicht nur deren Insasse«/ sondern auch der Oeffentlichkeit zugute' kommen. Manche Wohnung, die sich nicht für diesen Zweck eignet, die jetzt aber von ihrem Inhaber ängstlich all sein letztes Besitztum, seine einzige Zufluchtsstätte festgehalien wird, würde hiedurch für den OohnurrgSwarkt frei werden. Ferner, würden . diese Heime, die VersorgungSheime' der Stadt entlasten mw eine durchführbar« Form her avgestredten.Dazentralisation darstelleu. , . Las moderne Kaufhaus. . Großzügigkeit ist Trumpft Der' großzügige Kaufmann muß auch in der äofrflcett Aufmachung den nrchsrrtrn Geschaftsprirr-rpierr folgen. Dies ißder beste Beweis dafür, daß er auch in «zug aus die Qualität der Ware das Äeußerste zu Men in dir Lage ist. Der kauflustige Wiener Mt durch die Geschäftsstraßen, um sich zu überzeuaen, wo es die besten Quellen Kr den praktischen Einkauf gibt. In drr Taborstraße haben es die Brüder Schiss« ann schon seit langem Verstanden, die Aufmerksamkeit aller zu erregen und feMhalten. Für die begonnene Winmfaison hat dieses populäre Kaufhaus mit besonderen Sensationen aufgswartet. Interessiert bleibt vvan vpr. den AuSlaMnstern stvhen, - von denen daS sine ein herrliches Stück Schweizer Landschaft mit ewrm die Tunnels durchfahrenden GsenbaHuMg, daS Mite die Aussicht auf den berühmten Markuspxch bietet. Ja den großen Glasve-galen des Hauseinßanges kann rrm die reichste Auswahl von Winterwaren für normal« BekleidULgsgegenstande in allen Varianten bewundern. Und nun im Innern des Geschäftshauses selbst eine Feenpracht: Den Traum einer Dam«, die sich alles nur Erdenklich? als Geschenk wünscht, wobei smbstverftaMiK alle diese Wunsche in Erfüllung achen. Tenn die' Brüder -*1filv /rffofi 1M)ta das sie nicht in einwandfreier Weise befriedigen könnten. Billig, praktisch, gediegen, unter dieser Ddviise Habens die Brüder CchiffMnn bischer gearbeitet, und so ist es nur nat-urlich,. daß das große Kaufhaus in der Tabor st raße 48 zmn Zentrum der Kauflustigen ir» 2. V-HiÄe geworden ist. - * Ttttcrn-SchmesckrHe. pro Paar 21ä0 S.» alle anderen Marken gle'ch'alls billigst rm Schuhhaus Dorn. 2. Bez., Taboxstraße §a> T asellst. herrliche Abendschuhg, neueste 'Kreationen, zu billigsten Preisen. ' * Im allbeksunttn TsprzierermöbekhM M. Weitz. 2. Bez., Darwingasse 8S lEcke Nordbahnstraße), kaufen Sie erstklassige Ottomanen, Eisen-, Messing-, Patentmöbel usw. in erstklassiger Ausführung zu außerordentlich billigen Preisen. Vrr erwlschle K'abund. Der geistig fundierte AnLisemi'ismrrS". An Nr. Li der „Jüdisch-liberalen Zeitung" de Heinz Seurrir Arsölau) die Stellung d-S Dlchtsrt K lab und. dgr in der letzten Zeit mannigfüchr Bühnenerfolge einheimste. («nt Judentum. In feiner „Ge schichte der Weltliteratur in einer Stunde" behandelt Klabund daS Thema „Juden und Christen" und beginnt: „Man tonn einen geistig fundierten Antisemitismus anerkennen der -sich gegen die Grundlagen der semiti'chen Religion richtet, wie sie sich im Alten Testament auSprägen. Was für ein entsetzlicher, ernethischer G o t t i st I a h w e! Lr schafft die Menschen, läßt sie schuldig werden — dann überläßt er sie der Pein und öestraft sie für die Frucht, deren Samen er in st? gelegt. Lr ist der Gott der Nachr, deS grauenvollen Gesetzes: Auge um Auge. Zahn um Zahn ..." Herr Leuner fragt, ob m:n ein Werk von KlaLund oder von einem H. St. Thamberlain oder Dinier vor sich Hot. Hat man auf Grund des ersten Satzes vielleicht nach eine objektive, wenn auch feindliche^ Aussinander'etzrmg erwartet, fo stößt man bald auf sine wilde Gehässigkeit, wie . sie wohl antisemitischer Radaumacher, nie jedoch eine- DichttrS würdig ist. Man habe hier den heute nicht seltenen; Fall, daß eine Persönlichkeit, die geistiger Führer und Wegwei'er sein will, selbst die traurige Rolle deS Verführten spielt. Auf Seite 'pricht Klabund über das typisch Deutsche und daL t p p i sch Jüdische. Der deutsche Gott ist für ihn - der Gott der Naiürlichkeit, der Unschuld, der reinen Freude ■ und des reinen Schmerzes, während ihm der jüdische als ein Gott der moralischen Forderung, der Strafe, Belohnung und Rache erscheint. Nachdem Älabund dann noch dem jüdischen Gott Proselhtenweröung, Herrschsucht und Viel re de re: statt Taten dorgsworfm hak, kommt er zu dem frappanten Schluß, daß man den deutschen Gott einen Gott deS SeinS, den jüdischen einen deS WollenS nennen könne. Herr üeuner ist der'Ansicht, daß Klabund sicherlich dnS' Alte Testament nicht gelesen habe, aber wahrscheinlich einen jener Kommentare, die alles Zu'ammenhanglofe und Un« srfreuliche so gut zu finden wissen, d:ß eS dem Uneingeweihten nicht leicht fällt, ja sogar unmöglich wird, sich ein - richtiges Urteil über dieses „Buch deS Lebens" zu bilden. Wir wollen das Schöne und Erhabene suchen . . . jene Menge von Güte und Liebe, die im dritten Buch MosiS in de» Worten gipfelt: Du sollst deinen Mchsten lieben wie ^!ch . selbst! — und weiter: Du sollst den Fremdling lieben töte; dich selbst! Und diese Liebe findet sich stets von Neuem rm Alten Testament: Wie ist es denn anders möglich, wo beim - Judentum di« Ethik die Hauptforderung, die Grundlage ist. Ile Mßer'olse der katholischen gudenmWon. In der vor kurzem in London abgehaltenen Jahras- : konserenz der SÄtiov der kaiho-lischen Juden. f i o n kam es klar zutage, daß der Aufwand an' Ärösie und ' Geldmitteln für den Seelen fang unter den Juden in keinem Verhältnis zu den geringen Erfolgen der Mission steht. Der Bericht stellt wohl fest, daß die Missionäre auch im; vergangenen Jahre bemüht waren, mlt den jüdischen Mssen, aus die es bei der TaufpropagaMa hauptsächlich ankomme, ' m enger Fühlung zu LleiLen, der Referent mußte jedoch zugeben,' daß, um unter den Juden einen Erfolg erzislsn^ zu können, „eine spezielle Atmosphäre"^ geschaffen ' wevden müß!e, m welcher die Bekehrung von Juden zum kacholrschen Glauben leichter erzielt wevden könnte, Im selben Töne war auch der Bericht über die A r be i t i m L o nd an e r j L d i s ch en G h e t t o gehallen. Sämtliche Redner , beklagten sich über die' Schwierigkeiten und WiderstLnbe. . denen di« Missionäre im Ghetto begegnen. Aufsehen erregen dürfte die Behauptung einer Rednorm, die sin einem Berichte über die Missionsarbeit i« Amerika ex* . klarte, daß die amerikanisch« »Juden den ka tholisichen Missionären finanzielle Unterstützung an gebe i h e n. lie ß Ln. Diese Behauptung, di« in ihrer allgemein gehaltenen Fassung von vornherein den Stempel der Unwahrheit trägt, tohfc' hoffentlich von amerbkanisch-jüdischer Seite raschestens di« gebührende Zurückweisung erfahren. Uebertrisben dürfte auch dev Bericht über die Arbeit aus Holland sein, der einzige, der auf einen fast widerstandslosen Erfolg hinzuweisen'bemüht ist. Frühes Altern und Siechtum sind in der heutiaeU Zeit keine stltemn Erscheinungen. Durch rechtzeitige Behandlung mit R a d i o s c l e r i n, den seit langen Jahren ärztlich erprobten radiunhaltigtn 'Vrünnentabtetten, wird die Blutzirkulation in den Schlag- und Pulsadern gefördert und die Kalkablagecung verhindert. Die Reinigung und Verdünnung des Blutes, die Erlangung der notigen Elastizität der verkalkten Adern und die Erhaltüng der Arteilskraft sind die Hauptwirkungen. Vom Vo'kSgesundheltSamt bewilligt Rr. 8088. Er-eugung: Radiofclerin A.-G., Berlin. Depot: Apocheke Hugo Bayer, Wien, 1. 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