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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-25 · Heft 2458 (25.12.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2458 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. SK8 'Wwct, MMg Wiener Morgenzeilung 26. Dezember 1926 Seite ö anderen Staaten sind alle Fremdenverkehrsinstitute in irgend einer Form zu Verbanden zusammengeschlossen; die Hotels meist to einem besonderen Verband. Die Spitzenorgcmisation der Fremden^ verkehrSinstitute steht m engstem Zusammenhang mit der Regierung, die alles tut, um durch.©ubfibien' und staatliche Beihilfe den Fremdenverkehr zu fördern; denn in erster Linie ist.die Steigerung des Fremdenverkehrs eine Aufgabe/des Staates oder der Gesamtheu, da in einem. Touristenlande die gefamte. Bevölkerung an einer Steigerung des Touristenverkehrs profitiert. Nichts vru alledem ist in Palästina vorhanden. . Bis heute gibt es keine Stell-r, die zentral den Verkehr für das Land zu regeln versucht, die eine große ausländische Propaganda betreibt. Der Staat tut nichts von sich aus, nm den. Fremdenverkehr zu heben. So gerät Palästina, wie schon oben weiter ausgesührt wurde, in bezug aus die Touristik in immer größere Abhängigkeit von Aegypten. Als Saison in Palästina können durchaus die Monate Ende Jänner bis Juni und Ende September bis anfangs Dezember angesehen werden. Die Saison in Aegypten hingegen ist in ganz anderer Weise verteilt, und so kommt es, daß der Touristenverkehr in Palästina sehr Ende schon int Monar April hat und erst im Winter, gerade im Beginn der Regenzeit, einsetzt. Dieser relativ kleine Umstand ist aber sür die gesamten Verhältnisse in Palästina von entscheidender Bedeutung. Die Zusammenballung dts Touristenverkehrs in den Monaten Februar, März, April bringt es mit sich, daß jede normale tzotelentwicklung unterbunden ist. Der relativ ungeheure Fremdenstrom, der sich um diese Zeit in Palästina befindet, führt dazu, daß jede Unterbringungsmöglichkeit genommen wird und daß es letzten Endes gleichgültig ist, ob ein Hotel gut oder schlecht geleitet wird, da in diesen Monaten gute und schlechte Hotels gleichmäßig besetzt sind. Die kurze Saison bringt aus der anderen Seite mit sich, daß die Hotelbesitzer gezwungen sind, in diesen Monaten ihr« gesamten Spesen herauszuwirtschaften, was eine Steigerung der Preise mit sich bringt, so daß die Preise m Palästina relativ hoher sind als in Aegypten. Würde dieselbe Zähl von Touristen statt in drei Monaten in sechs Monaten ins Land kommen, so müßten sich diese Bedingungen völlig ändern. Die Hotels wären nicht mehr so gefüllt; der Reisende wäre imstande, zwischen guten und schlechten Hotels zu wählen; die großen Hotels könnten ihren Spesenapparat in einem größeren Zeitraum verdienen, was ein Sinken der Preise zur Folge haben würde. Das gleiche gilt von der Führerfrage. Es ist wiederholt darauf hingewiosen worden, daß einer der größten Mängel der Touristik in Palästina dos Fehlen von guten Führern ist. Die kurze Saison bringt es mit sich, daß die Führer gezwungen sind, ihren ganzen Lebensunterhalt in drei Monaten zu verdienen und daß daher in dieser Zeit der Konkurrenzkampf Formen annimmt, die nur für. sehr robuste Menschen zu ertragen sind Außerdem wird dadurch die Existenz des Führers so unsicher, daß sich jeder Mensch, der über einige Qualitäten verfügt, möglichst beeilt, diesen Beruf wieder, zu verlassen. Das gleiche gilt für den Automobilverkehr, der ebenfalls darauf ausgebaut ist, in der kurzen Saison seine gesamten Spesen zu verdienen und daher das ganze Jahr auf die kurze Saison schielt. Die kurze Blüte, die dem Autoverkehr in drei Monaten Leschieden ist, bringt es mit sich, daß in dieser Zeit neue kleine Gesellschaften entstehen, die, gebildet auf der augenblicklichen Konjunktur, nicht lebensfähig jiitb und die Bedingungen der anderen kleinen Gesellschaften verschlechtern. Nichts wäre daher wichtiger, als der Zusammenschluß all dieser Faktoren zu einem. Verband, der vor allem es sich zur Ausgabe macht, eine großzügige Propaganda im Ausland zu führen und sozusagen den Kampf um sie Verlängerung der Saison aüfznnehmen. Die palästinensische. Touristik ist jo lange unorganisch und ungesund, so lange es ihr nicht gelingt, sich von Aegypten unabhängig zu machen und eine wirkliche Pal ast in atou ristik zu erkämpfen. Die Zionistische Organisation hat mit ihren relativ , bescheidenen Mitteln wiederholt versucht, jn den Touristenverkehr ordnend einzugreifen. Der erste Versuch in dieser. Richtung war die Gründung der Palestine Expreß Co. Eine von .der Zionistischen Organisation kontrollierte Gesellschaft, die der. Hebung der Touristik dienen sollte. Ein weiterer Schritt in dieser Richtung war die Gründung des Jüdischen Jnformationsbureciüs für Touristen, dessen Aufgabe es ist, dem Reisenden beiseinem Aufenthalt im Lande behilflich zu sein und ihm die nötigen Auskünfte unentgeltlich zu, geben. Alle diese Versuche scheitertest jedoch daran, daß vorhandenen Kapitalien zu gering waren, um eine wirkliche Propaganda in Europa und Amerika durchznsühren und daß kerne europäischen und amerikanischen Zweigstellen dieser Institute vorhanden waren, die allein imstande gewesen wären, den Touristenverkehr an sich zu ziehen. Die Erkenntnis dieser Tatsache, die Rot- Wendigkeit, ein großes palästinensisches Fremdenverkehrsinstitut zu schaffen, hat schließlich zu der Bereinigung der Palestine Expreß Co. mit dem Palestine Lloyd geführt, die, wie zu erhofft« ist, zumindest einen Teil der. mit der Touristik zusammenhängenden Fragen lösen wird. Der Ausbau dieser Gesellschaft, die'unter dem Namen Palestine Lloyd arbeiten wird, die Kontrolle derselben durch die- Zionistische Organisation und durch die zionistische Oeft sentlichkeit kann dazu führen, daß dieses jüdische Reise- und Travsportlnstitut größten Stils zu dem wirklichen-Faktor des Touristenverkehrs in Palästina wird. Gelingt es dieser Gesellschaft, Palästina als wirkliches Touristenland populär zu machen, in die Verhältnisse der Hotels, der Führerfrage und des Verkehrswesens entscheidend einzugreifen, so hat . sie eine der wichtigsten Aufgaben gelöst, die heute für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas von entscheidender Bedeutung sind. Walter Turnowskh. ßine Seilbahustation niedewebramt. Graz, 24. Dezember. Die Station Ede.l.schr'o tt der S-üI- 8ahn nach Mödriach, die Eigentum dev KöflacherHolzindustrie A.-G. ist, wurde durch eine Feuersbrunst zerstört. Der Schaden wird auf 50.000 Schilling geschätzt. Man vermalet, daß. der, Brand gelegt worden sei. . Der Betrieb war seit vorigem Monat wegen Arbeitsmangels eingestellt. . M Weizmann und AM George. Jn dem eben im Druck unter dem Titel „Napoleon und Palästina" erschienenen Vortrag des Präsidenten der englischen Föderation Herrn Philipp Guedallr findet sich eine Ansprache von Lloyd George, der folgende S.elle ent-- nommen sec: ... Ich siche in tiefer Schuld der Dankbarkeit gegenüber Dr. Weizma vn, dessen Proselyt ich bin.. Im Mun.itionsministeriuni stand ich vor einer der ernstesten Krisen, die. ich je kennen gelernt habe Es war eine der Mecraschungrn, die sich vor einem austun, wie wenn eine Kuvallecieattacke plötzlich an einen Abgrund, komm; Uno ich stand vor solch einem Abgrund. Als ich von Geschütz zu Geschütz, von Munitionslager zu Munitionslager ging, fand ich plötzlich, daß uns einer der wicht'gm Hilfsstoffe zur Erzeugung von Kacdit, Holzalkohol, f.hlte. Ich wandte mich an Dr. Weizmann. Die AuMbe war, Alkohol aus Holz zu machen und er erzog kleine Lebewesen — ich weiß nicht, durch wieviele Generationen — dazu, Zuäer zu esim, und fand ein Verfahren für die Herstellung des Alkohols: da gab es eine Fülle von „Korn in Aegypten" und wir waren gerettet. Ich und alle Verbündeten fühlten uns tief in der Dankesschuld des glänzenden wissenschaftlichen Genies Dr. Weizmann. Als wir mit ihm sprachen und ihn fragten: „Was können wir für Sie tun, um Sie zu ehren? antwortete er: „Alles, was ich wünsche, ist eine Möglichkeit, eawas für mein Volkzu t un." Wir hatten gern jede Ehrung dafür gegeben oder ein entsprechendes Quantum britischen Geldes aber er wollte nichts as die Möglichkeit, seine Forderung der Wiedereinsetzung seines Volles in das alte Land vorzubringrn Azeton bekehrte mich zum Zionismus. So wurde uns die Dache vorgetragen, und.als das Kriegskabmeit die Frage, der Deklaration zu beraten begann, war es ganz einstimmig dafür. Wir setzten uns mit Frankreich ins Einvernehmen und die berühmte Balfour- Deklaration wurde erlassen. Ader niemand hm größeren Anteil an der Bekehrung der Voller im Kriege als mein Freund Dr. Weizmann. Ich ftene mich darüber, sowohl aus - Sympathie als «auch aus Interest-. Ich setzte mich sehr stark für die Eroberung Palästinas ein. Einmal werde ich hie Geschichte erzählen können, wie knapp es zusammenging; als - wir alle Kräfte zusammennahmen, - unsere letzten Geschütze und Munitionsvonäte h'.nüberwarfen, um Jerusalem zu erobern, hätte uns die Gefahr an der Westfront beinahe gezwungen, die Truppen wieder abzuziehen. Wäre das geschehen, so wäre -Palästina wahrscheinlich noch heute in den Händen der Türken." _ 8er Fall Brarloff. Ein Beschluß der rechtswisjenschaftlichen Fakultät. . Vom Rektorat der Wi>ener Universität wird mitgeterlt: Jn letzter Zeit ergab es sich wiederholt, daß in Organen der Presse Angelegenheiten der Hochschulen zu Angriffen, aber auch zur. Unterstützung .persönlicher Bestrebungen benützt worden sind, obgleich.es dem Verfasser der bezüglichen Auffätze an der Kenntnis der wahren Verhältnisse fehlte., nicht selten auch an der Absicht, die wohlbekannte Wahrheit uM zuteilen. Die rechts- und staatswissenschaftlichr Fakultas hat nun in ihrer Dezembertagung aus Anlaß besonders grasser Falle dieser Art grundsätzliche Beschlüste gefaßt. Zunächst hat sie angesichts des völlig ungenügenden Ehren schütz es, den unsere Gesetze und die Praxis des Verfahrens;gewähren, ftstgeftellt, daß es n i ch t S t a nb e 8pfl icht sei, wegen-solcher Angriffe eine Preß - Eh re n b e l e i b igm ng sklage zu erheben; dagegen wende sich die Fakultät an den akademischen Senat mit dem Wunsche, es mögen Regierung und Parlament veranlaßt werden, wirksame Rechtsnormen zu schaffen, die es ermöglichen, ohne finanziell unerschwingliche Opfer mvd endlose Schwierigkeiten gegen lügenhafte Beschuldigungen gerichtlich aufzutreten. Die Fakultät beschäftigte, sich auch mit - den in einem nationalsozialistischen Blatte vorgekommenen Herabwürdigungen der österreichischen Schule der klassischen Nationalökonomie, die von Karl Menger begründet und von einer Reihe -hervorragender Wiener Gelchrter weiter ansgebaut worden ist und auch die weltbekannte Grenznutzentheorie entwickelt hat. Die Fakultät wies diese sich selbst richteten. Angriffe auf die großen Leistungen ihrer einstigen und gegenwärtigen Mitglieder zurück und erklärte, daß hier bereits die gesamte wissenschaftliche Welt, und zwar nicht nur des europäischen, sondern auch des amerikanischen Kulrurkreises, das maßgebende Urteil gesprochen habe, indem sie die österreichische' Schule der Nationalökonomie nicht nur als eine Quelle hoher theoretischer. Einsicht und neuer Kenntnisse gewürdigt, sondern auch ' die leitenden Grundsätze dieser Schule zum Wissenschaft, lichen Gemeingut erhoben hat. * Zum besseren Verständnis dieses Beschlustes ist mitzuteklen, daß die Disziplinarkommission, welche die Anzeigen: gegen die „unsittlichen Aeußerungen" des Professors B ras lass .zu behandeln hatte, ihre Ünterisuchuug bereits ckbgrschlosteu hat Sie hat nun cm den Senat zu berichten. Selbstverständlich berührt die Forderung der Pro-sefforen nach Ehrenschutz in leinst Weise die infamen Beleidigungen, '.e«ren die jüdische Gesamtheit auf dm mit dem Amtsstempel versehene» Affichen des Kulturamtes ausgesetzt ist Dieser Unfug wird nicht abgestellt. Wirftige fhätoifflttng der Wrmichische« Handelsbilanz. Vumindemng des Pasfivllms. Gestern wurden vom handelsstatistischen Dienst des -Handelsministeriums die Ein- und Ausfuhrzahlen Oester-- reichs für -das dritte Quartal 1925 veröffentlicht. Sowohl die Einfuhrals auch die Ausfuhrzahlen:Haben gegenüber dem ersten Halbjahr eine weitere Steige* rung erfahren. Der Wert der Einfuhr beträgt 725 Mil» lionen Schilling, der der Ausfuhr 512 Millionen. Das Bilamzpassivum beläuft sich auf 213 Millionen. Gegenüber den drei Quartalen des Vorjahres ist das Passivum in derselben Periode 1925 um 500 Millionen z u r L ck g e g a u g e n. Am stärksten ist der Rückgang beim Import von Fertigw aren. Die Ausfuhr der Fertigwaren ist der Menge nach nm 15 Prozent gestiegen. Die Mehreinfuhr betrifft Textil, erzeugnisse, KauösHu'Lvaren, Leder, Schuhe, Ledevwaren und Eisen. __ . Kerem Kaieaie h, Mischer Slatianalsoads. Mschluß der Eha-nukaaktw« des Keren Kajerrreth. Wir ersuchen all? Gruppen sowie Einzelpersonen, die von uns Sammelbögen erhalten haben, die Verrechnung gleich durchzuführen, damit wir die Chanukcvaktion endlich abschließen können. Wir ersuchen auch aus diesem Grunde um sofortige Abrechnung, da wir jetzt an. eine Rnhe anderer Arbeiten za schreiten haben und daher die Chcmukaaktion. absolut abgeschlossen werden muß. Der erste Ausweis ist bereits letzten Montag erschienen, der zweite erscheint Moutag den 27. Dezember 1925. Mwaufführimg drs Stemt Kajemeth rm 9. Bezirk. Der neueste Palästinafilm „Der jüdische Pioukr in Srez Israel" wird Sonntag den 27 d., 10 Uhr vormittags, im Heim-atkino, 9. Bezirk, Porzellangaffe 13, ausgesührt. rKarten iu der zionistischen Bezirlssektion, 9. Bezirk, .Liechtensteinstraße 11 bis 13, täglich von 5 bis 7 Uhr abends; bei Simon Picker, 1. Bezirk, Gonzagasse 1 und im Heimatkino. Semyroß'Sondmüge. Dis beim ersten Gerngroß-Sonderzug ungemein beifällig «ufgenommeuen Kostproben von K. u. C. Popoff-Tee und Innsbrucker Waide-Keks sind von der hiesigen Repräsentanz Hatwanger u. 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