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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-25 · Heft 2458 (25.12.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2458 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. ASS Men, Fve'ckrg Wiener Morgen-eilung 26. Dezember 19S5 Seiite 3 Köeren Hntessvd und Keren Knjemeth. Wenn wir die Bedeutung des. Abkommens zwischen - Äyren Hajesspd! und Keren Kajeimth, das anläßlich des 14. Ziomstenkpngresfes abgeschlossen tvnrde, in seiner Tragweite verstchen wollen, genügt es nicht, den Inhalt seiner einzelnen Bestintmungenzn interpretieren. Wir müssen ein wenig' zurückgreifen und die EittYrMung des V>echälvüsses zwijchen den beiden Institutionen überblicken. Als der Keren Hajessod ge- , schaffen wurde, war eben jene Welle von Enthusiasmus und; Begeisterung durch das Judentum der ganzen Welt gegangen, - die ausgelöst 'worden tvar durch den ldoBwürdiigen Beschluß! VM San Renw, die Erteilung - des Palästiuamandats an i Großdritaunveir und die Aufnahme der Balfour-Deklaration! «in den Mandatsvertrag. Niemand zweiselt-e daran, daß das i jüdisch« Volk -nur auf den Appell ■ ivartete, mn von Jubel und I BsgeisberuugA'rlkoustrujktiivHN Arlbeit übeMgchen und vor allem! die materiellen1 Voraussetzungen für die Verwirklichung der! itibenso «lebhaft begrüßten Zusage Kl schaffen. Darum «beschloß! die zionisttsche Jahreskonfererrz in London im Juli 1820, den i Keren Hajessod als einen allg-eirieinen jüdischen Fonds für | dm Aufbau Palästinas zu schaffen,, «für welchen ein Betrag! von 25 Millionen Pfund Sterling ansgebracht werden sollte. > Man chatte die Vorstellung, daß die Schaffung dieses Kapitäli fonhs tut Laufe eines einzigen Jahres gesichert werden sollte, i die effektive Einzahlung der aufgebrachten Summen hätte sich! über einen Zeitraum dorr fünf Jahren verteilen sollen. Es ist Wohl eine der interessantesten Aufgaben des jüei-! schen Historikers unserer Zeit, die Ursachen zu ergmn>'en, t:e die BeÄviMchmrg dieses gvoMgigen Progvammes unmöglich gemacht haben. Zum. Teil war cs sicher der Mangel an äußerer (technischer) und innerer (seelischer) Bereiischcfi int jüdischen Volke und in der Zionistischen Organisation: .in ebenso hohem Matze muß auch der Ulnst .ind eingewirkt haben, daß die politische Ewlvicklnng bei weitern nicht so schnell und geradlinig vor sich ging, tvie dies in dm Tagen von San Remo erwartet Tvnrde. Daß nach San Remo, nach der Fixierung der allgemeinen Richtlinien des Mandates, seine Ausarbeitung im oinzelmn und seine Bestätigung durch den Rat des Völkerbundes noch mehr als zwei Jahre in Anspruch nahm, in deren Verlauf Ungewißheit und Zweifel die Oberhand gewannen, wirkte-sicherlich lähmend auf die Bestrebungen des Keren Hajessod. Wie immer dem sein möge, so wurde schon nach relativ kurzer Zeit klar, daß der Keren Hajessod sovn m.-sprümglich gesetztes Ziel nicht vollständig erreichen könne. Aus einem allgemeinen Fonds, der alle Bedürfnisse des Palästinaanfbaus befriedigen sollte, wurde er zu einem Bndgetfonds, der von .Jahr zu Jahr mit äußerster Anstrengung-die Summen aufbrachte, die zur Erhaltung und Wel-tersührurrg des Kolonisasationswerkes in Palästina erforderlich tvaren. Und damit nmßte sich naturgemäß' auch die ursprünglich in Aussicht genommene Beziehung zu den Erfordernissen des Bodenkanfes, beziehungsweise, zum Koren Kajemeth ändern. Im Nahmen der Gründuugsbeschlüsse. war bestimmt worden, daß der. Keren Hajessod neben allen anderen Aufgaben auch diejenige zu übernehmen habe, die Mittel für den Ankauf von Boden in Palästina in außerordentlich gesteigertem Maßstabe zur Verfügung zu stellen. Es genügt darauf hiuzuweisen, daß die Londoner ^Konferenz in das Palästinabndget für 5681, dasals erstes. vom Keren Hajessod zu decken war, eine Post von 300.000 Pfund Sterling für Bodenkauf einsetzte, also einen Betrag der die gesamte, dann vom äderen Hajessod in diesem ersten Jahre seiner Arbeit tatsächlich aufgebrachte Summe überstieg. Es tvar klar, daß der Keren Kajemeth solche Summen nicht aufbringen konnte und daß der Kereu Hajessod eintreten müsse, tv-enn die Arbeit in diesem. Maßstaüe geführt «wenden Mn WcUmachis-u. Neujahrsgeschenk ' von bleibendem Werte sind die » Emission 1925 Jährlich zweimal je 1 Haupttreffer von (Hunderttausend Schilling) jedes Los gewinnt Erste Ziehung am 2. Jänner 1926 Preis eines Loses S 1V — Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und EINKO.Vl MENSTEUERFREI 11 iso - sollte. Es wurde also bestimmt, daß der Keren Hajessod zwanzig Prozent seiner GejsamteinMnge «für Zwecke des Bodenkauses an.den Keren 5i«chemeth übertveisen solle. Diese Form tvnrde gewählt, weil es nnzweckmäßig schien, den Keren Kajemeth, eine seit nchezr. zwanzig Jahren hestchende Jnstitu-tton, die im Bewußtsein der Aionistischen und der jüdischen Gesamtheit einen ehrendolleu Platz gütvoninen hatte, aufzulassen, vor allem aber, weil die Sicherheit dafür geschaffen werden sollte, das; die ans Mitteln des Keren Hajessod.grausten Beden unter -die Best'imirmngen Äergem-eimtützigeu BodenPÄ-itik, die .der Keren Kajemeth verkörperte, gestellt würdeü. Schon bei der Londoner J-chreskonferenz wurden Stimmen laut, die davor warnten, «den Keren Kajemeth gcgeuiiber dem Keren Hajessod allzusehr in den Hintergmmd zu schieben, und vie angesichts der geplanten großen Aktion für den Keren Hajessod eine schwere Schädigung der regelmäßigen Mwit für den Kereu Kajemeth doraussagien. Ihnen wurde entgegen 'gchalteu, daß ja ein derartiger Ausfall durch die Uvberwrrsmtg'pon zivanM Prozent der Kerelr-Hajessod-Ejugänge mehr als wettgamacht werde, rvnd so wurde die Grundlage für. einen ersten Vertrag zwischen den «beiden Direktorien geschaffen, .der int wesentlichen nichts anderes enthält., als die Verpflichtung des Keren Hajessod gnr UebeMcisung von 20 Prozent seiner Eingänge an den Keren Kajemech und .die Verpflichtung, des Keren Kajemeth, angesichts der . großen Beste nernngs-Mion^ des Keren HMsod seinerseits aus das.Propagandmnittel der hSÄbstbiesteuerung" spe verzichten. . •' Als die Entwicklung dann amen so gautz anderen Verlauf nahm, zeigte es sich, idaß auch das AUommen-in dieser Form nicht durchführbar war. Der Keren Hajessod mußte die laufenden Ausgaben in Palästina decken, .zum großen Teil Budgets von landwirtischastlichen SiMmgen, die, einmal begründet, «weitergeführt tvarden nrußteu, und Gehälter an Beamle, hauptsächlich Lehrer, die eiuw.al angestellt, bezahlt werden mußten; und da die hiefür erforderlicheu Summen nur mit größter Mühe und in ungenügendem Maße aufgebracht wurden, erfolgte die NebMveisung.tot den Keren Kajemeth naturgemäß in ■ einem noch stärker reduzierten Nm.fa.ng, denn die Boden-- lärffe -stellten keine ziffernmäßig sestgesiellte, juristische Verpflichtung «dar und der Keren. Ka-jeurech hatte ja schließlich die Einnahmen aus stmen .eigene. Samu.chiMn...u.nd ' war in chchem Maße.nnabhängig «von..ineiteven.Zuflüssen.vom Kereu Messöd her. t '■ 4 / ' " Einnahmen ausseinen eigenen Sammlungen und war itt^ unter der Propaganda bes seren, Hajessod leiden» erwies sich'als ^begründet. Nach einer kurzen UeberganMeriode geminderter Erfolge, die aber mit mehr Wahrscheinlichkeit anderen Faktoren zuzirschreibeu waren als der Konkurrenz des Keren Hajessod, entwickelte sich der Keren Kajemeth in überaus rascher und ersrendichrr Weise ünd erroichte -bald -ein Niv«, das alle seine bisherigen Erfolge ans früherer Zeit, selbst.in den besten, Jahren hinter sich ließ.' , Der 12. ZioriisüükNgreß. (Karlsbad, My. stand, nur ein Jahr' nach den Londoner Beschlüssen, der Lage schon mit weit kühlerer Ueberlegupg gegenüber. Er änderte nichts au dem formellen Verhältnis zwischen. Keren Hajessod und Kereri Kajeineth; aber er sprach dett Vov.'ang des „regulären Palästinabudgets" vor allen anderen Verpflichtungen des Keren Hajessod aus und war sich nicht im Unklaren darüber, daß das bedeutete, daß diese anderen Verpflichturigen (Jttvestitionen und UebenveisMgrnan den Keren Kajemeth) nur m sehr reduziertem Maße erfüllt werden könnten. Offenbar war damit die Verpflichtung des Keren Hajessod zur Ueberweisnng vm 20 Prozent seiner Eingänge an den Keren Kajemeth auch juristisch hinfällig geworden. . ' . . Der so veränderten Situation suchte der 13, Zionisteukongreß (Karlsbad, 1W8) auch formell Rechnung zu tragen. . Erhob die sinnlos gewqrdene^ UeberweisungsvLcpflichtung des Keren Hajessod ans. Dabei beging er aber eine merkwürdige Inkonsequenz. Ec bestimmie, baß der Keren Hajessod von der bis zur Zeit des 13. Kongresses aufgebrachten Summe von einer Million Pfund Sterling .die erwähnten 20 Prozent nachträglich an den Keren Kajemeth überweisen solle, und zwar in zehn Jahresraten, von je 20.000 Pfund, und als Kompensation dafür, daß keine weiteren Zahlungen' an den Keren Kajemeth erfolgen sollten, wurde dem Keren Hajessod die Verpflichtung anferlegt, bei seiner Propaganda ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß er zwar für die übrigM Erfordnisse der Kolonisation in Palästina sorge, nicht aber für den Ankauf von Boden, der ausschließlich Aufgabe des Keren Kajemeth sei. Der-Kongreß setzte sich damit 'in Widerspruch zu sich selbst. Der Beschluß besagte in Wirklichkeit: Bisher hat der Keren Hajessod nichts im deir Keren Kajemeth gezahlt, hatte aber -das Recht, in seiner Propaganda darauf hinzuweisen, daß die von ihm aufgebmchten Mittel auch für Bodenkäuse zehn Jahre hindurch alljährlich 20.000 Pfund für Bodenkauf, an den Keren Kajenteth zahlen, 'wird aber in seiner Propaganda betonen müssen, daß ei nichts für Boderikäuf leistet, Uebrigens blieb mich dieser Beschluß, der, nebenbei gesagt, auch formell ungültig war und vom Direktorium des Keren Hajessod nicht mterkannt wurde, zum großen Teile unausgeführt, denn der Keren Hajessod hatte alle Mühe, das laufende Budget zu decken, und konnte dem Keren j^jemeth bichcr insgesamt nnr 27.W Psttnd Überwerfen. ... Tatsächlich war das Mommen wegen .der. Zahlungen des Keren Hajessod - an den Keren. Kajentech rmr dann sachlich berechtigt, wenn der Keren Kajemeth durch die Arbeit des- Keren Hajessod entscheidend gestört - oder unmöglich . gemacht worden wäre und der Keren Hchjessod. die großen-Summen erhalten hätte', auf die man 1920 hoffte. Wenn beide Institutionen nÄeneinander arbeiten können und -der' Keren Kajemeth noch einen entscheidenden Fortschritt -erzielen kann, so wäre es natürlich bloß Formsache, eiwen Tel!'der Eingänge des Keren Hajessod an den Keren Kajemeth zu übertragen. Und darum -hat auch der Wiener Zionistenkongreß sich stillschweigend über den Beschluß seines Vorgängers hinwrggesetzt: Md für das Jchr -3686 die Annuität' von 20.000 Pfund ivederindas regulär» noch in ein -anßeÄsrdentliches Palästinabudge-t ausgenommen, - ' Lehre vom Wchftemecht. Zum 4. Todestag des Dicht^rphilosophen. Bo n Rudolf Steimr. Jeder wahvhaist Große IM eine S-eMutg,-Uitn D-erettt- 'tvi'ller, wir ihn verchr^etn. 'Gvoße Leistungen allein, die nicht aus dem 'imi-erftem Wersen des- Leistenden entspringen, «ersüllen uns zwar mit Bewnudevung, eher wir. Preisen das Werk, nicht seinen Schöpfer. v'gKi-ttc Popper mit sollche lSendnng,.nnd tvelche war es? Poippor^s Sendung tvar, der Mnschheit eine awue, allen Mnschen genehme Religion zu bringen, die Aine Zeremonie fordert rmd -dacher von .jedem mühelos geükü. tv-?rden> kann. Sie, hat k e.i n -e A e r >b o t e, nur «o r-n.G e.b o t. Dieses 'ka.nn Hunr Unterschied vom allen, tu den diversen Religionen «MMenen Geboten, die meiift .eint große Uebertmndnng der auPdortMt- Triebe. vtora-uSs-etzen, des SMieus, in de-m wir «un^s bewegen, der iböistn De-ispiele, die mms verleitelt, ohne Anstrengung befolgt werden, da es «sich mit den in uns' tvohnenden Trichon der lLelbstsucht in der Weife verbindet, daß. wir. für ucher sogenanntes „go-ttgchälliges Wircken" den Lohn schon im DieMG >zn er- «warten Hcoben.. . Es ist die Religlivn des Nächstenrechtes und das Streben nach Erfüllung deslselib>en ihr einziges Gebot. Andere'Gebote ode>r BevWe find ü>berflnss'ig, demt die Änsüibung dieses einen macht, die anderen rinmöglich. Wenor wir 'unseren Nächsten, und das ist jeder Mensch, «tüt denr wir in Berührung kommen, recht tun, so ist es aus-, geschlossen, ldaß wir ihn betrüge^ .«böstchben, motdsn. Wir werden, wie Vas sonst auch bei tief «eligiSseh Menschen geschieht,'nie in Berisuchnng geraten, je-manden bewutzt'M"' Leib mnd Seele zu schaden im Namen .Mr Mr'Ehre 'GÄties oder -der mnen Religion, lveil uns die.se Religion nicht sanatisiert,. uns keine Zeremonien oder'sonstige Aertßerliichkeiten vovschrcibt. Der Unterschied zwischen Nächstenliebe und N ach st e n re ch t läßt sich am lösten so evkllären: Nächsten«- liebe verlangt Wohltat und Gnade, die es beide beim Nächstetlrecht nicht W. Nächstenr-echt fordert eini'uch statt Mitleid die Achtung, die a«ber keine Wohltat, sondern Erfüttu-ng der. Pflicht ist. Wirkliche Liebe zu zeigen ist der Musch' nur' in den' Menftien 'Mlen «imstande. Sie setzt vor >nllc>m Sympathie dvra-ns, und die können wir Aken-- scheu, die' uns durch Aeußeres, Beuchnreli, Rasse, Wanbens- U'nrerfchiede tvidertvärtig sind, bei' bestem Willen -nicht ent- UgAn«t«ringen. Es zeigt «sich tagtäglich, daß der 'Nämliche Mentsch ibci einem Unglücklichen oder .Hilfsbedürftigen Mitleid und HiliMereitschast zeigt, wÄhrend er Ai chmn anderen in gleicher Lage, 'weil -er für diesen trotz seiws Elends nur Antipathie -empfilldet, völl-g kalt und gefichllvs bleibt. Schon der AnÄdrttck ,M.chltai" ist, genain geuomnien, ckx Unrecht, oder zumiudestms ein Mißbrauch. Ich ka-mi. wohl dem W-enmenfdM eine WohÄat erweisen, wenn ich ihm bei -einem Unfall «eher bei KranEHeit so «beistche, >daß ich dauernden Schaden ' hintaNhalte oder verringere, ihm die Gesmidheit wichergebs oder das Leiden erträglicher, machte. Alle anderen materiellen- HrlfelÄistungm sind Plflicht, aber 'wchlgemerkt, uicht des 'einzelnen, sondern der Allgemeinheit! Zu ganz sonderbaren Folgerungen kommen wir bei BetrachMug des Wortes „Nächstenliebe". Wenn irgendlvo, ist hier das Zitat angebracht, daß vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist. Der Mensch ist zehnmal eher geneigt zu hassen, denn zu lieben. Wie wäre es sonst möglich, daß Organisationen, die den Haß und die Verfolgung Andersdenkender propagieren, immer auf Gefolgschaft rechnen können? Man sehe nur, mit welcher Wonne die Leute einen armen Kerl verfolgen, der hlpß eine Semmel, gestohlen, während es geradezu beschämend wirkt, die Gleichgültigleit gegen einen armen Teufel zu beobachten, der seine letzten paar Kreuzer verloren Hatz und darüber ganz verzweifelt ist. Wer noch eines Beweises für die Mttzlosigkeit des Gebotes der Nächstenliebe bedarf, ° nwge bedenken, daß alle Völker, die im Weltkriege einander gegennberstandenj welcher Religion sie auch angehören mochten, düs Gebot der Nächstenliebe taNüten, und es' von Jugmd ans lehrten. Trotzdem blieben alle Gebote , der Nächstenliebe vollständig unbeachtet, ob'es sich um Kämpfer oder friedliche Bewohner'handelte,'ob es nn fremden oder , eigenen Lande war. Die Beispiele, die der 'einzelne - an Liebe und Mitleid Zeigte, entsprangen nicht dem Gebote der Nächstenliebe, sondernnur der. S,Ympath ie oder dem Mi.te m p finden. Nielnand. kennte behtorpten oder gar beweisen, daß gläubige Menschen in . dieser Hinsicht besser waren als Glmkbenslose. Aber gerade d.i e Menschen, die berufsmäßig Nächstenliebe hätten-üben'sollen,' zeichneten sich, von rühmlichen Ausnahmen-abgesehen, durch Kalte, -Herzlosigk-eit,. ja Brutalität in so reichem Maße aus, ihre Worte standen mit. ihren Taten in so schreiendem Widerspruche, daß sie das Zwecklose des Gebotes der Nächstenliebe in. ihr ein-eigenen Verhalten am simtfällig-' sten bewiesen. - .. Wir haben ein lehrreiches, auf das Gebot der Nächstenliebe attsgezeichnet antvendbares Beispiel im Weltkriege gehabt, das zeigte, wie ein Gebot, das Unmögliches vom Durchschnittsmenschen erfordert, (und. tver ist kein Dnrchschnittsntensch, wenn ’qx sich , gewissenhaft prüft?), gerädetvegs ehr L ü st e r erzeugt, .das in normalen Zeiten fom einfache n,' gutmütigen Menschen fremd ist, nämlich die Heuchelei. Ich-meine die Ernährungs- Vorschriften, die sogenannte „Ratiomernltg" in der Krie-gszeit, die . eine so lächerliche M'etige än -notwendigsten Nahrungsmitteln für den einzelnen - bestimmte, daß nicht nur jeder ausnahmslos die Vorschrift,-' wenn: es' ihm nur irgendwie '■ möglich war, übertrat,, sondern."daß auch d i e B e h ij r.d e n, d i e s oll ch e V ollM r if 1 e n e r- 8139

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