Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2458 (25.12.1925)
- Date
- 1925-12-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Beite L' Mnt, Freitag -- - mftt. «r^v^'Cv SW/>. w .•/£*« 4 JJSr- Wi Sften md Me«. - >. D ' e w. 25. Dezember. ,Asten ist Osten und Westen ist Westen. Nimmer kommen sie einander nah." Von Kipling, dem großen Dichter des englischen imperialistischen Machtgedankens, stammt dieses Wort, das die hoffnungslose Weite der Kluft zwischen abendländischer und morgenländischer Auffassung zeichnen will. Dn Dichter liegt in schwerem SiechtÄM urä gerade in diesen Stunden sieht er wieder das große Reich, dessen Ideenwelt er wie kein anderer poetisch verklärt hat, in neuen Engagements gegen den Osten verwickelt. Es ist aber nicht mehr der Osten, den Kipling gemeint hat, die Welt der indischen Kleinfürsten, die Tommy und Tim, Soldat und Spion, in Schacht halten. Diese Weitest Unendlich größer geworden. Was in dem Roman des Basarjungen aus Lahors ganz leise anklingt, die Verbindung'dieseZ Ostens mit Rußlandrückt heute bereits in den Bereich ^vollen politischen Geschehens, und dazu ist auch die alte Feindschaft mit dem Konstantinopler Sultan in einer neuen Form lebendig geworden. ' Um das Wort Mossul gruppieren sich Widerstände, heute schon geistiger Art, und es fehlt nur mehr die Person, die sie in festen, politischen Guß bringt. Darin allein, in der Möglichkeit oder Unmöglichkeit für die Orientrassen, einen Napoleon aufzuzeigen, der sich ein Weltbild formt urü> aus Ahnungen, Traumen und langverwesten Traditionen ein einziges, sicheres Gebilde zimmert, darin -liegt die nächste Zukunft beschlossen. Napoleon war aber, der Vollstrecker des Willens einer geschloffenen Nation.'^ Nur aus sie konnte er sich stützen, nur immer auf ihre Krastreserven zurückgreifen. Ter Orient ist noch keine geschlossene, zur Jnitiatjbe gereiste'Einheit. Er verfügt über kein Volk im Sinne der europäischen Geschichte. Ter ' Emanzipationsgedanke'ist nicht in den Mästen, die in ihrer Entwickürng durch den Feudalismus erstarrt sind. Der Orient st'eht'bM, wo Europa stand. M 'noch^ M 'ihre 'MiMnechthaufen um die beffere Religion streiten und plündern ließen.' Erst als nach der Besiedelung Amerikas, durch die immer größer werdende Kenntnis anderer Länder und Welten, neue Gedanken einströmten, gaben die Städte, die Bürger, der Evolution die neue'Richtung, die nruesRecht brachte. Vielleicht steht auch Asien' am 'Eingangstor der gleichen Wendung. ' « - Der Anstoß.. hiezu kommt aus Rußland, das immer bewußter sich aus der europäischen " Gemeinschaft lost und sich an schickt, entweder allein oder im Verein mit Japan die Führung in Asien zu übernehmen. Ob. die Raschheit der russischen Interventionen, in China im Einvernehmen mit. den Vereinigten Staaten geschieht, dafür gibtes mannigfache Symptome, die aber einstweilen noch keinen schlüssigen Beweis zulaffen. Im Zuge der amerikanischen Politik würde es liegen, den Verfallsprozeß des alten Kontinents weiter ausreifen zu. lasten. Amerika bleibt dem Völlerbund fern, der täglich an Autorität einbüßt. England zeigt Miene, das Beispiel Amerikas zu befolgen und die freie Union der angelsächsischen Nationen anzustreben. * .. . , Es zeigen sich heute, am Schluffe dieses.von Friedenskonferenzen und blutigen Zusammenstößen erfüllten Jahres, deutlich die Tendenzen zur Bildung zweier großer Mchllonzerne: Des angelsächsischen, des. russisch-japanischen. Die Politik des Meichgewichtssystems kehrt wieder und mit ungleich größerer Zielsicherheit steuert sie auf den Zustand des bewaffneten Frizens hin. Sie zieht die Vorgänge im Orient zur Begründung heran. ' Die Kolonialstaaten wollen, .wie sie argumentieren, gegen die Maffenerhebung gewappnet sein. Aber es ist doch die Frage, ob nicht zwischen dieser Rüstungstheorie und den Orientkonstllten die Verbindung von Ursache und Wirkung besieht und ob nicht die von den Kabinetten betriebene Intrigenwirtschaft im Orient darauf hinausläuft,' die Voraussetzungen für den Militarismus zu schaffen. Diese Annahme jann. sich aus die Vorgänge stützen, die zu ' dem blutigen Krieg in Marokko und in Syrien führten und die kürzlich auch im afrikanischen Besitze Italiens zu beobachten waren. Die Beunruhigung wurde von.'außen, von Europa selbst hineingetragen und die darauf folgende nationale Erhebung war das Resultat. Auch die Heranziehung der Farbigen, zum Weltkrieg hat verwüstend gewirkt. Sie hat den Respekt, vor der Autorität-der Herrschenöen zerstört, zu? gleich aber auch die Rajahs einen tiefen Blick in die poli-. tische Unfähigkeit Europas tpn lassen. Sie haben gesehen, V WjMry MWMzMks wie sich die Rasse der Hochmütigen zerfleischt und. sie sind ^llleks.-dies aüszunützen.. . 2 Ist.-' hirier/ liesgrHeridep Mmrchik. schließtdas - Jahr. Wle Wsuche,. zu etztzm .küKaten Frieden zft. gelangen, sind vermblich ' gewesen? Daß' der "große Mich nicht wieder- £w»iro, dafür bürgt.nur der WirtschastSverfall, der bjc ftlösigleit b'ütiD. Die Erkenntnis, daß diesek Prozeß der Ausblutung gehemmt werden muß, ist im Wachsen und diese Ueberzeugung . alleiß ist? imstande, die Mächtigen doch noch zur Einsicht zu zwingen. Sic Mifatiil d« «afkiMMlet. “ JnstruMoyrn föt den franKstschen Gesandten in Budapest. " Von MsttM BOapester Korrespondenten. Sämtliche ungarischen. Blätter befassen sich eingehend Mt der au-sfihenerregeMv Märe der rassenschützlerischen Banknotenfälscher. Nicht das Faktum des Verbrechens ist H das das allgemeine Interesse gefangen nimmt und von all den v i e len g kö ß -e r«e n u md kleineren P.a A am a affare y u. n d Ko m m u n ist« risch nüfsele ien ablenkt, sondern die Persönlichkeit der Fälscher und ihre Verantwortung, daß sie nicht ans eigene Faust, sondern im Auftrag einer patr toiischen Organisation aus patriotischen Motiven gehandelt Wen. Dieses wahre oder vorgeschützte politisch« Moment dieses Weltskandals sowie die Behauptung der-Fälscher, daß die Falsifikate in einer der Regierung nahestehenden Kunftanstalt 'hergeste.lt worden «seien, hat alle politischen Parteien zu Mionen mMisiert, die jedoch, wie in der ,Wiener Mvrgenzeitung" in den letzten Tagen wiederholt hervorgehoben wurde, aller BorauHcht nach gar nicht ausroifen werde, weil die Pol-izeiibchörden wie in allen ähnlichen .großen Affären, in welche Aristokraten — sofern sie nicht Legitimsten und daher po l i t i s che G e g n e r Ho r t h y s und der Regievung tvaren — sowie gegen Rassenschütz l e r aller Schattiermgen die Erhebungen in einer Weise -führen, die mehr dazu angetan ist, die Spuren des Verbrechens in Budapest sowie die Beweise für den Anteil .hochstehender Kreise' an diesem großzügigen Schwindel verschwinden zu.lassen ofe sie auis-udecken und die Schuldigen sicherzustellen. . . In den franMschen, holländischen und englischen Blättern ist man mit Recht erstaunt und ungehalten darüber, daß die Budapester Polizei, die sich gern Hrer Mchtigkeit m Spionage- und sonstigen ähnlichen Waren vWMt, in diesem international äußerst wichtigen Kviminalfall als säumig, unzulänglich und rücksichtsvoll zeigt. Die Pariser Blätter, die schon deshalb, weil essich ja um einen so gewaltigen Angriff auf die Frankenwerte handelt, «beginnen bereits energisch die rücksichtslose Aufdeckung aller Fäden dtestr Angelegenheit zu fordern. Wie Ihr Korrespondent erfährt, hat die B udapester französische Gesandtschaift bereits Weisungen erhalten, dem Gange der polizeibchvrdkichen Nochforschungen erhühteAufmerksamkeit,zu widmen, da es naturgemäß Frankreich nicht gleichgültig sein kann, festzw stellen, wo die Quellen des Kampfes gegen den Franken zu finden sind und welche Politischen Drahtzieher hinter diesen Machinationen stehen. Die BudaPoster offiziellen Kreise und ganz besonders die rassenschützlovische Press« sind naturgemäß eifrigst bemüht, die Angaben der BerMeten zu entkräften,. daß sie.angeblich für politische Ziele sich zu Bevbvechen , haben verleiten lasten. Doch erzielen sie mit dieser Haltung im AsuAand nicht die geringste Wirkung, weil man in der Lage ist, auf eine. Anzahl von Präzedenzfällen hinzu-weisen, in denen die nngarischen Behörden eine gleiche Haltung an den Tag gelegt hatten. In Frankreich spielt dabei auch noch -das Moment eine Rolle, daß man über di« U n da n U Larkeit der maßgebenden ungarischen Kreise und derjenigen^ die in die Wäre verwickelt zu sein scheinen«, mit Recht entrüstet ist, dennes ist bekannt, daß F r a n k r e i ch seinerzeit unmittelbar nach dem Zusautmenibruch des Kommunismus fast die einzige Stütze des Hörthy- Regimes war und den größten Dell an den bisherigen Erfolgen «der BethleEegierung -beim Völkerbund hat. Di« Budapester Polizei, die inzwischen die Kommunistmhatz eingestellt 'hat. verbreitet die inwrestante Anschauung, daß die im Holland Verhafteten nicht mit den Personen identisch sind, als. die sie sich bezeichnen. Diesem Schwindel wird wohl niemand aufsitzen. ' Mes-aros war beteiligt. Budapest, 24. Dezember. (Tel.-Komp.) Die Oberstadtha'Upbmonnfchafi och':eltheute in der Angelegenheit der großen .FrankenMHrnMffäre eine vertrauliche .Mitteilung, die der'Untersuchung einen entscheidenden Anstoß gegeben hat. Danach ist in die Mkscheraffäve in erster Reihe der gewesene Budapester Univerisitätspriofiffor und rastenschützlerische Politiker Julius Mes'zaros verwickelt.' der'bereits ^inmä'li wegen der Ulschung tschechischer Banknoten ve.r.urtei«lt worden ist. Nach Informationen des „Az Est" gehen , die Wschungen auf den Monat Juni zurück.' Meszaws - Et 'danachschon im Juni die Klische.e.-^.hle.fWgH- . Wn , Tausendfrankennoten verfertigt -und ist Ende. /Km' S5. Dezember Wo " Nr. 8M Rnhamo Ran *”1266,.Berlin, Hardenoergetr L7 DÜUGUlö Dflr Direktion. N. von Benedito Tretlpunkt der Fremdenweli Berlini 5-UhrrTee » Soap r prb» ftx * ExqaUlle Küche . KftveUra 'ScaU'Sontf.oaiid, Milano ,17 femr de« wlmcr HUrno»lst Charlie Woebe* Honaiiditraiie H nach Konftaut i nopel geeist. Tie Polizei führt die Untersuchung nunmeh«r m dieser Richtung weiter, da Meszavos m Budapest mehrere Komplicen Lai den Fal«- schungen gehabt halben soll. Die Amnestie. Budapest, 24. Dezember. (Tel.-Komp.) Entgegen den Erwartungen bezieht sich die heute veröffentlichte Amnestie nicht auf politische, sondern nur ans gewöhnliche Verbrecher. Edmund v. Bemczky wurde nicht begnadigt wnd iw Justizministerium i-st auch über die Beurlaubung Beniczkys auf sechs Monate nichts bolannt. Dagegen hat Jchann Vanczak, der Chefredakteur der ,-Nepszava", wie im Juist'tzstNimsterium lüfftätigt wich, drei Alonatc Urlaub erhalten. Die Amnostie erstreckt sich auf insgesEt 48 Verurteilte, darunter auf einen- Mann, der wegen Mandsbi-ftung zmn Tod verurkc-ilt -wurde und bei dem die Todesstrafe in zehn Jahre Gefängnis umgetvandelt wich. Weiters wurden Vier Personen, di'e wegen verschiedener während der Rätedikta tur begangener Verbrechen zu langjährigen Kevkechrasen verurteilt worden sindj begnadigt. Ta 'der Name des zum Tode verurtoilten und begnadigten Verlbrechcrs in der offiziellen Meldung über die Amnestie nicht genannt wurde, vetbroitete sich heute daS Gerücht, daß bisse Amnestie sich aus den Raubniooder Gustav Lederer beziehe. Im JustiHMmiisterium erllärt uran dioses Gerücht als gänzlich unibeg-vüwdet. Mavich wird sreigelassen. Budapest,. 24. Dezember. (De-l.-Komp.) Die Krrmüualabteilung der Obevstadthauptmannschaft, ,der der wegen angeblicher Spionage zugunsten Sowjetrußlands verhä-ftew geweftne Mnistevialrat Eugen Marsch und Grnosten übergeben worden sind, wird, wie „Magyarorsgag". erfährt, voraussichtlich zur JeWllMg gelangen, daß sich Moch kaine ,sA.xas.sha^o. Hamdklungzuschulden kommM lassen hat. , Manch wußte nicht, daß feine Berichte, die er -dem Leopold Kulrsa r zu übergcken pflegte, für die Zwecke der Moskauer Regierung besti.mmt waren. Unter solchen Umständen ist damit zu rechnen, daß der endgültige Beschluß der.Kpiminalabteilung, der morgen vormittags gestißt werden soll, dahin lautenwird, daß Engen Manch sofort aus freien Fuß zu setzen sei. Umbildm» dir iugoffottiftieti Äaünctf«. Belgrad, 24. Dezember. M.Ecmp.) Heute abends erschien e i n k ö n i g l i ch e r E r l a ß, in dem eine t e i lweise.Rekonstruktion des Kakbinetts mit* geteilt wird. Danach scheidtt der 'Berkehrsminister Anton Radojevxc,'gegen den in letzter'Ze.it der Borwnrf de r Kor rup tio n erhciben wordenftst, aus seinem Amt. An seine Stelle Ms der M^uminister M i’I c't ie.Wm> Ackerbauminister wird Dr. Jvvanovie und zum-stellvertretenden FinanFminister während der Dauer der Mwosenheitdes Finanzminifters Stojadinovic in AmsM der Minister für Pntl'iche Bauten Uzunovie ernannt. Die jugoslawische Anrerika-DeleMtion. . Belgrad, 24. Dezember. M.-Komp.) Die jugoslawische Delegation für/die Schuldenverhandlungen mit Amerika ist heute nachmittags aibgereist. Auf -dem Bahnhof erklärte Finanzmiwster Dr, Stojadinovic den Pressevertretern, daß die Delegation in Äaslhingt-o-n nur Aer die Regelung der Kriegsschuld Jugoslawiens 6n die Bereinigten Staaken untrrhandvln wird. Die Kriegsschuld Jugoslawiens an die Bereinigten Staaten, die ursprünglich 51 Mllionen Dollar ibetrug, iist mlltl-erwM einschließlich der rückständigen Zinsen auf 63 Millionen Dollar angewachsen. Der Finanzmimster gab der H-ofin-ung Ausdruck, daß die amerikanvsche SchMewrsgelungskommission dem Königreich S. H. S. bei den Verhandlungen Entgegenkommen beweisen wevde. Sam Fiaburgh ins Mene Buch eingetragen. Aus Jerusalem wird uns berichtet: ColmcMor Sam Fiinburgh, eines der Mischen Mitglieder des britishen Parlaments, ist-voy. seinen -Verehrern für . seine ^BerteNMjg jüdischer Siechte" m$ Goldene Buch des Keren Kajemeth l'Jsrael eingetragen Wochen. In der. .Matte über d a-S Fremdenge/setz griff er trotz seiner Zu>gchörigkeit zur Regierungspartei die-Politik -deS Ministers des Innern wegen der harten Bestimmungen gegen die Juden an. errang M «ss Zahlungserleichterung ohne Preiserhöhung EM ANDEL ADLER Schneider Wien, II., Taborstrasse SO fflinfang Qr, Stadtgutgasse} Tslephon 41>9*93