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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-24 · Heft 2457 (24.12.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2457 (24.12.1925)
Date
1925-12-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m,m. MeWk Ma^ftenzeWns M. Dezsmber'18S5 Gelt« % a c ku d Im Partene S m o.k in g S 19.60 H e m d e n ,/4 /A(6) litt ttefietfaU auf LWansK. Auslieferung an Poldn? Aars Kau, 22. Dezember. Dem „Moment" wird aus Berlin telegraphiert: Als Theophil Olschansli letzten Samstag in den Abendstunden in der Gegend von Moabit allein durch eine weniger belebte Gasse ging, stellten sich ihm drei polnische Studenten in den Weg und fragten ihn, ob er -er Theophil Olschansti sei. Da Olschanski nicht sofort antwortete, fielen die Studenten über ihn her und bearbeiteten ihn mit Gu mm ist Säen, bis er blutüberströmt zusammenbrach. Die Studenten beschimpften nun den auf dem Boden liegenden Olschanski. Mit dem Rufe: „Da hast du den Lohn für die Befreiung Steiger 8!'! suchten die Angreifer das Weite, noch ehe Polizei zur Stelle war. Theophil Olschanski hält sich gegenwärtig bekanntlich auf Grund -es A s h l r e ch t e s für politische Flüchtlinge in Deutschland — zurzeit in Berlin — - auf- Bor einigen Tagen brachte nun das „Berliner Tageblatt" die Meldung, daß, zwischen Deutschland und Polen ein Abkommen betreffend die g ege n f e i t i g e A u s l i e f etUNg von Vrrbr sichern in Verhandlung stehe unschön in . nächster Zeit zum Abschluß gelangen soll. In den ukranischen Zirkeln von Berlin herrscht die Befürchtung, daß dieser Vertrag die Voraussetzung für die Äusli eferung Olschanskis an Polen schaffen könnte und man ist über das künftige Schicksal Olschanskis in Besorgnis. Wie die Dinge heute stehe», bestehi für Olschanski k.e i n e l e g a l e M ö g l i chk eit, Deutschland zn verlassen, da er keinenPatz besitzt. Das ukrainische Komitee ist jetzt bemüht, für alle Eventualitäten die Möglichkeit zu schaffen, daß Olschanski im gegebenen Fall in einem anderen Lande in Sicherheit gebracht-werde. Her Hintergrund der Steiger- Proresier. Reden des Geureirrderates Dr. Plaschkes und Dr. Waldumnus. In Liner massenhaft ibchuchien Versammlung -der zio- NM-schen Sektion Le opoldstadt besprachen gestern Ge.Mmderat.Dr. Plaschke's und Dr. Waldmanu, >die beide von. Wien aus hervorragend mitgewirkt hatten, «das Dunkel, da's allerorten ausgebreitet wurde, zerstreuen. Sie referierten über Ve-n Hintergrund dieses Prozesses in eingehender und rindrucksvioller Weise. Gemeinderat Dr. Plaschkes, der als erster das Wort ergriff,, führte im wesentlichen folgendes aus: Der SÄger-Prozeß mar -wie alle ähnlichen vorhergegangenen Judenprozessc ci ne Angelegenhe i t des Judentums der ganzen Welt. Diie's aus dom Grunde, well das Judentum keine Gre nzpsähl e, .die Juden. Vvir Juden trennen, anerkennen dürfe. In allen Teilen der Welt hat es solche Prozesse gegeben, in Frankreich -obieuso wie in Rußland, in Damaskus und in Oester-' räch. Nur die einheitliche ZiuftmmenaMit «der gesamten, Iudenhsst kann -diefon Pogromprozess>en in entsprechender Welse begegnen. Wir freuen uns über das Rechtsevkenntnis im Steigor- Prozeß, weil es jüdisches Galuthschicksal ist, über «in einem .Juden widerfahrenes Recht sich freuen zu müssen. Dr ehfus autib Hils ner sind zweimal verurteilt worden. Die Lohre dieses Prozesses ist die immer a»«ss neue zutage tretende Einsicht, >daß es im Interesse eines Wippchens von Menschen liegt, an der durch, seine Hetze erregten Empörung gegen die Inden ihr Süppchen zu. kochen. Auch in diesem Prozeß war der Beamte Lukomski der Exponent der antifemi tischen national dem okr'atis che n.Pa r t e i Polens,''derart' Judenhaß ihr Lebensinhalt ist. Eine in ihren Diensten stehende infame Polizei, eine, ebensolche Staatsanwaltschaft und Presse hat es mit allen Mitteln zu ver h i n d e r n versucht/ daß der Pvozeß ^oibjMv. geführt 'werde. Drei große Fragen haben in fc'iifein Prozeß 'cingeschnitteu: der Gegensatz Zwischen Polen und Galizien, das BechÄtnis zwischen Polen und Ukrainern und Ukrainern und Juden und die polnisch- Mische Vevständigung. W a r sch a n hat diesen Prozeß nicht gewollt und die Unschuld Steigers geahnt, Le mber g hat M Unschuld Steigers'gekannt, aber den Prozeß gewollt. Das-Wrmt tu dem Gegensatz Sawieki— Luko msk i sehr scharf zmn 'Ausdruck. Me in allen ähnlichen Prozessen, so sind auch in diesem Prozeß jüdische Renegat^etl'Initiatoren und Helfershelfer, die getan,ste Zeugin P a st e r n a k, der. Täufling T h u m e n, der Redakteur eines Mtrmtstig antisemitischen Löluibevger Blattes. Man muß dessen eingedenk sein, daß /dieser Prozeß nu. r e i n it Ha l t e st e l l e a u sd t >m Leide u 's iw e g des j üd l s che n V ol ke s ist. .Danach.müssen wir unser Vorhalten vmrjchwn. Derartige Prozesse werden in Zukunft unmöglich sein, wenn wisi eine jüdische Politik von großem Gesichtspunkt aus betreiben. Hier in Wien'wurde alles mögliche getan; in tag'0- und nächwlanger .mühevoller Arbeit wuche .das Material <gin" Feiststellung der Wahrheit zusammengetragen. Es muß mit Genugtuung sostgestellt.werden, daß sich die Wiener Behörde uns gegenüber in anerkennender Weise Verhalten har und es nicht' Zulassen wollte, daß ein Unschuldiger verurteilt werde. Hier wurde die O'lschanski- Angele gen heit ins Rollen gebracht, Schriftsachverständige gestellt, die die Echtheit der bekannten Briefe an die „Chiwila" dargetan haben; wir haben als Letztes und Wichtigstes zwei Zeugerr gestellt, Dr. Waldmann und den Redakteur Rand, deren Aussagen, .wenn man sie'auch zu baga t olljsie<r*tt versucht hat, sicherlich einen nicht geringen Einfluß auf 'den Ausgang des Prozesses gehabt haben. s Dr. Plaschles wendet sich dann Men den Ein- >wand,!.daß die 'beiden Zougenanssagen zu s p ä t.gekommen feiert, «in Borwurf, der auch in der jüdischen Presse zu lesen war. Die Verteidiger Steigers waren schon vor Monaten vom Inhalt dieser Zeugenaussagen in Kenntnis, gesetzt '.worden; sie haben .davon — vielleicht aus taktischen Gründen — nicht Gebrauch gemacht.! Die Ukrainer haben sich in diesem Prozeß der Berücksichtigung, die Wald mann ihnen gegenüber habe walten lassen,' unwürdig gezeigt. ' Wie der Dreysu-s-Prozeß in Herzil die zionistische Tat hervorgevusen hat, so soll dieser Prozeß die Erkenntnis stärken, daß 'das jüdische Bo'lk nun auf e i g e n e.m Bo d e n Ruhe fit&en kann. Ein f e st er Zusammenschluß des Judentums der ganzen Welt soll die Folge einer aus diesem Prozeß gezogenen Lchre sein. (Stüwnischer Beifall.) Der zweite Redner, Hem Dr. Israel Waldmann, gibt eine eingehende Darstellung d'er p o l i i i s ch e n V e rh ä l t n i s s e i n G a l i z -i e it. Es 'besteht ein uuausrottbarer Haß Zwischen Akrainern und Polen, der schon in der sozialen Formation stiir Motiv''hat. Zwischen dem polnischen Hammer und dem ukrainischen Amboß liege das schwache, kleinhändlerische jüdische Volk. Daraus resultiert, daß sich die Juden den Haß der Ukrainer guzogen, als sie aus wirMMlichenr und politischem Ztvang den Polen Gefolgschaft leisteten. Ms sie anfingen, nationale Politik zu sichren, nahm der u.lrainische AntisetnitiSutüs ab, der polnische zu. Die. Dinge liegen heute so, daß die Polen Galiziens um keinen Preis 'das Drstehen e i ne r u kra i ni sche n Frage der Welt nicht eingestehen wollen. Deshalb inußte ei n Jude d e r A t t e u t ä t e r sein, wiewohl sie sehr genau wußten, daß nach der gegenwärtigen Politik der Inden Polens nicht das mindeste Motiv für eine solche Tat^ ge-. - geben sei. Der Prozeß hat g-ezelgt,. datz die jüdische Frage nur unter dem Gesich tswinkel des Gesamtj u de nt ums b'chandelt werden kann. Hiciffentlichwird er zur Folge 'haben, .daß mit der Politik der „IndenOmer" aufgeräumt werden.wird. - * Das Auditorium folgte Leiden Resomterr mit geradezu leidenschaftlicher Aufmerksaimkeit und dankte den Rednern mit minnjenlangeu: Beifall. Slh«llg des Llirftanüer drr Wische« Semeinde. Budgrtprovisonnm. — Die BeröffeMchung der Austritte aus dem Judentum. Der Vorstand der Wiener lKuttusgomeinde hielt gestern eine ösfientliche Plenarsitzung ob, in der über Antrag des Referenten RegieMugsrat Oppenheim für 'die ersten! Awri Monate des nächstens Jahres ein Budgetprovisor.ium in der Höhe von 7,6 Milliarden Kronen, >das ist der Durchfchnittsauftvand sür das Jahr 1925, «'i n st i m nr i g b e sch l o s s t n wurde. Irn Einlauf befand sich ein Antwottschreibeu des Wiener Magistrats au den Freidenker- Verband auf eine Anfrage, in der 'darüber Beschtver.de geführt wurde, daß die Namen der aus der jüdischen Religion Ausgetretenen veröffentlicht' iverden. Die Antwort 'des Magi'ftrats stellte auf Grund des Artikels 6 .des Gesetzes vo-in 26. Mai 1868 die Gesetzmäß igkeit.dieser Veröffentlichungen fest und betonte, daß dies insbLsondere i n Zeitungen statthast sei, die offenkundig in enger Verbindung mit der R e 1 i gi o n st e h e n und die in erster Linie 'für die Glaubensgenossen 'bk'stinrmt sind. Ferner wurde den Mtgliedern der Tenblnals- 'konkmissioner^ und den Spendern der Dank für 'das ZustandcLonvuen!der Grabdercknäler für Dr. Julius Ofn.er und Karl Goldmart, die in tvürdiger Weift enthilllt. wurden, ausgesProckMi. Den Einladungen 'des Gethau^-- ^Vereines Esche! -Aw rohom zur .Feier stiiies fünfzig-- Beistandes und des Brigitten au er E Svene der Wiener Tabaktmfilen am 26. und 27. Dezember 1926. Es wird aufmerksam gemacht, daß die Wiener Tabaktrafiken Heuer am Samstag den 26. Dezember (Stesanitag) und Sonntag den 27. Dezember den ganzen Tag geschlossen bleiben. Das Püblikunr wird daher gebeten, seinen Bedarf an Tabaksabrikaten sür die Feiertage bis längstens Freitag den 25. Dezember (Christtag), vormittags, einzudecken, an welchem Tage die Trafiken in Wien in der Zeit von 8 Uhr früh bis 12 Uhr mittags offen gehalten werden. . . Q Dergrosse ■ g Räumung&verkauf ß ■V.;--v-.v^'beil‘'‘; v-;; Schostal L Härilein Wien, Kärntncrstrassc Nr. 14 hot idrklich grossen Zuspruch. Sil Es wird in jeder Beziehung hoi grosser Auswahl nur Bestes hei ftusserst billigen Preisen geboten. T'emp-.eivere.ines,'weWr seinen,26jährigLn Bestand feierte,i,ebestso/$ti Mnladuug zur seftBchen Einweihung. des irn ^tmfhMs''dO'.'Lgnd»estzer;Wes i^neu eingevichteten israelitischen ALffaaM'HÄ.'das Präsidürm' gern enisprochelr. und die BerdisPe. ihfet verschiedeiM FuMionäre. dieser IMWionen. tzevArW.. Seitsich des 'Präsidiums und 'des Qbmaimes her Fürsorgekömniission wurden di» nötigen Maßnahmen emgelei-tet,-um die Wieder-, eröfsmrng des. m seiner Hxistenz gefährdeten j üdi s che n Kind«rgarteuß,.in der Brigitteuau zu evmög- Lichen, -und es/brsteht die begründete. Aussicht,' d-tz di>rße wichtige Anstitichnm' ihre.. 7 segensreiche, Wirffamkeit auch weitechin wird eMalten körinen. ' - Bon der. F t r e d h o f s k 0 m,lü i ff i 0 u wurde die Anregung gegeben^ auf der jüdischen Kri^gräberabtMmg ein DeBmal für die im Weltkriege gefallenen' Soldaten Zn errichten. Unter Zuziehung der Chewra.' Kadischa, der BeztrkKko»Mnissiouew und von Hersönlichkeiten, die sich für diese Angelegenheit besonders .interessieren/. Mrtzen. bereits Vorberatungen gchlllten>-di.e zur BMmg eines Komitees für die Errichtung eines solchen GrNerden'klnsls.führteu. Ausgabe des Komitees wird.es fem, Mignete Erckvirrse von Künstilern W erlangen, Mt Zustimmung' der KultusgLmeinde da's. anSLWhMNd-e.-PrMhD^MlWerk und.aw hie Anbringung der evsErlichen MtM bemüht Ml fein: Ibvber eine -dringliche Anfrage Ns BizePräsideMü Dr. Löwen Herz und Genossen teilte, das Präsidium mit, -daß der Verkauf dor wertvoMu H a n ds ch r is t e us a m m 1 n n g der ftMlWchen thoölagWn Lehranstalt mit ollen MMy-Ae-rAi-n h e r t-weckm.wiM Bor Beginn ehrte das Plenumsidürch ErlDem vpn pen Sitzen das kürzlich dchmgkfchMnie^ ^dbr^enstöW MWed' der historischen Kommission der isweMWn/MWgomsiÄde Doktor Itznaz Schwa rz.^Dr.'/Schwarz-ist :$t{ Bersasftr des WeM „Das Wiener.Ghetto, ifoin-r Häuser' und seine Bewchner". '';" > ' Set preM-MWe L»«de«vrrda»d. Tagung -es Engeren und des Große« Rotes. - Berlin, A. Dszomber. (I. T. A.) Am. 18. Dezember, abends, hielt der'Engere' Rat bß- PveustWeu LaM?- vevbandes jüdischer Gemeinden oine Tagung in Berlin ab, der am darauGolgeuden Sonntag eine Tagung -des G r 0 ß e u R a t « s soLgte. Den Vorsitz in beiden Tagungerll führte Herr Kamnrergerichtsrat Leo Wolfs. (Berlin). Das geschästWhwN'de RatsM'iWed Herr Dr. JÄmar Freund hielt ein eingehendes Referat über-die Arbeit des Verbandes feit desie« Wteheu und würdigte , die große priuzipielle Bedelünng der Bewilligung der Stautsheihilfen durch den preußischen. Landtag, indom durch dieses Votum bite Wische/R^kWMsMteinschast als den chrWchen Krrchcll g l e i ch ge ft;c l l t anerkannt IvoLden ist. An dieses Referat schloß, sich eine eiugehende Aussprache §um Teil grundWi'cher.Natur. Hiebei' wurde auch aWlig dem Wunsche, einer Möglichst weitgchenden Inssrmatio« der Desfentlichke-it Ausdruck gegeben, Pie von -den LchstunM'.deS Vecka-Ms .rtr ihutffa.. tfW-U'rtv*. tfU»nWtfvs*v» iOrr-- die Ausisichten für' die. Durchführu'Ng der Wschlüsft ein. Es wurden sodauu - Richtlinien für die BcwilliZung der. Sutbventionen a>n die . üheMrdeten VerbandsgaMmden' besprochen. Die ÄäatWWftn werden zu einem Dell durch die EanVeMrbäOe^'ZMN'.Mdersn. TE durch die Regierung a'n.s Bari-chlüg' der Bexiß nde den GMeimdenzuKöftchrtwerdrst. ' Laut einem 'durchsHewu Dr. V.0 g e i st e i -n ^Breslau) eingchcachten Gyträg des schlesischen H^pMÄverha.«deS wurden die zu ^Lstellen'den 'UnteMchschüsi-e mit -der' A-usarbeituyg eines' R 'o rH.a'k l e h r p i a me's für d e n jüidisch'e«'ReLHstH.U.8..nnt.-e^r i cht an d^n höheren Mischen' LchranstaW' ibeikMtt. Einen breiten' Raum io» dm Beratung^' nahm W Frage der-Dildünstder 'von der VersaMnH.tzM-esWOelM Msifchüsse -eta Rsihtsantva'lt Dr. K l.e e strot in 'läiigeven' Ausifühvungen dafür M,.dätz/^kObercke'ü^per kousewative Unterrichisausschuß n a1 ch:..g'-l e-ich P u Be st-iMMt n gic u. ge- .Wählt ftltztt.-Ssin Antrag wurde nach MgeW

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