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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-23 · Heft 2456 (23.12.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2456 (23.12.1925)
Date
1925-12-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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tzerk I S&tert, Mittwoch nur der Horthy. Der Bottcrbund wird sich nicht durch den Lärm einschüchtern lassen. Cs ist aber anzunehmen, daß sich diese politische Reklame aus Budapest heute noch verstärken wird. He muß ja nicht bloß den Genfer Echee übertonen, sondern: auch noch die Bestürzung laschieren^ m die -dieMassenschützler und ihre Protektoren wegen der in Amsterdam : erfolgten Verhaftung der drer magyarisch-christlich-l nationalen Geldfälscher geraten sind. Die drei waren ' sehr laute Verfechter des Kurses, und ucmnlm sich selbst tzuligans der'Gegenrevolution.' Die holländische Polizei ist nicht halb.so tüchtig wie die Budapester und sv steckte sie die drei in den. Kotter. Sie werden dort Zeit finden, über ihre Heldentaten nachzudenken. Es War doch schon, an der Seite Hejjas' und Pronays das Burgenland zu brandschatzen. Es war ungefährlich und brachte reiche Beute. In Holland ist es nicht so schön und außerdem ist die Tag und Nacht wachsame Budapests Ordnung gar so weit. , England M mit Angora Her« handeln. (Ergendiensi der „Wiener MorgenMung"); London, L2. TepmEer. Die Arbeiiürpartei, die die Verhandlung über Mdssul und den Irak erst in einem späteren Stadium wünschte und geHM dieUeberyahmedes Mandats ist, verließ während der Debatte das- Haus. Bal.dwin 'brachte eine Reprluti-ondec Regierung ein, wobei er Klonte, daß dLe Regiemng die Politik der vochergegongeneu Kabinette und damit auch der Arbeiter-! regieru ng fortsetze. Wir wünschen nichts so sehr, sagte er, als daß das Jwkgobiet in gutnachEacklchm Blezichungen mrd sveunWaftlicher Zuftunmeirarbsit mit der Türkei ioton möchte^ Der Außenminister hat sich bereits in Gens bereit eyklLvt, Mittel und Wege §u «suchen, die sich mit unsren Verpflichtungen gegenüber dem Jraik vertragen,- um zu einem Abkommen zu gelangen. Ich lade den türrischen Botschafter ein, morgen mit mir zusammen zukommen. Nach Äaldwin sprach Monienmmffter Amery. Er teilte mit, daß England an den »Irak jährlich nur noch - 4 Millionen Pfund gegenüber 32 Millionen im Jahre Ml . KL bezahlen habe. Von den 4'Millionen würden 2 Mkl- - 4ro n e n für die Entwicklung der L u f t -s ch i.f fahr t verwendet. Die finanziellen Aufwendungen werden jedoch bald aufhören, da das Land in einigen Jahren im^' stände 'sein werde, sich selbst zu erhalten. Das Unterhaus nahm sodann die von Baldwin vwgebrachte Resolution, in der die PoMk in der Jrakfrage gebilligt wird, mit 23d gegen 4 Stimmen an. An der Mstimmung nahmen insgesamt nur 40 Prozent der -Abgeordneten teil. Wenn man bede-ntt, daß nur 239 Äbgrvr-r^ für. hie KWM.ngWvüon - gMmmt -daß <sk>rr. o:e KoD'srdative Partei 413 Mtglieder zäM.W ergN.sich, haß zahlreiche Mitglieder der Regierungsfartei sich d e r A bst i m >m u n g e n t halte n, haben. DK .Haltung der 1i.b-eralen Partei war geteilt. '.. Der Regierungsvorfchlag war so gefaßt, daß die Ablehnung einerBerit-xte11ung-bes Volkeröunde's gleichzskcurmen wäre, was die geringe Zahl der Mehners den Stimmen erklärlich macht. Das Unterhaus wurde abends mit «königlicher-Botschaft vertagt.,. - " .- Was England kon-vdr-erert will. . . ÄNdon, 22. Schtember. Die „Times" bezeichnen es in einer halbamtlichen Mtieilung-als möglich, daß England gewisse Abänderungen' der Brüsseler Grenze zug:stehi. Dadurch würde eine Anzahl von kurdischen Stämmen, die «lei der Türkei zu verbleiben wünschen, de m tü r k i s che n R e t ch e zurüchgegebep werden. .Hierdurch würde ein'-großer Teil der türkischen' Mißstimmung beseitigt werden. Die Z o l l v e r H ä l t n i s j e Men so gestaltet .werden, daß sie unter keinen Umständen den Handel erschweren, sondern vielmehr gute GrenzbeziÄMngen schaffen. Endlich werde man den Türken einen Anteil an den Petroleumgebieten aMeten. Dies sei besonders wichtig, um die Türket von'-dein r u ss i fche u P e t r oLeum unabhängig zu machen. Eine türkische Anleihe in London? 7- London 22. Dezember. M.-Korn.) In- City- 'ire ise u verlautete chvute, daß die britische Regierung der Kreditangebot rn der Höhe von 1ll.MiI4ionen Pfund gemacht habe unter der Boraus^tzung,.daß dir Regierung von.Angora sich dem 'Schiedssprüche des VÄkevbuudrates in ÄerM.os>su!- frage unterwirft. Ferner soll'die Gewährung der Anleihe an die Bedingung gMüpst sein, daß die -tüwMe Regierung' den Erlös der Anleihe für den Anikauf von E i s e n b a h n m a t e rna il und JndustrieartiNn in England verwendet, Au um« Fememord.; Berlin, 22. Dezember. Das „Acht-Uhr-AbeMlatt" 4veiß von' der Aufklärung eines neuen Fememordes zu berichten, her vor Mi Jahren begangen Wochen sein soll. ES handelt sich um den Wachtmeister Willy 'L e g n e r, der der sogenannten. „Sch w a rz'e U Ä'eichSwehr" angehori hat. Die Mutier Legners habe im Jenner 1923 die.letzte. Nachricht, von ihrem Sohne erhalten. Die von dem Falle unterrichtete Berliner Polizei habe zwei Kriminalbeamte nach Frankfurt an der Oder geschickt .und ihre Ermittlungen hätten, ergeben,. daß Legyer allem.Anscheine nach einem Verbrechen zum Opfer geMen stl.Wö wahrscheinlich,inder.Näh:e.von Dobc.ritz b-eg rW eU llsAt. . S'^v. Wiener MovyettAeituiig 23. DezonvLer-.ISA? Ser Ointzrgnmd der BEI. "WIEN IlllllllllllillllllllllllllllllllllllllillllllllllPllllllllllllllllllillllllllllllllllllll International berühmter Kurort! Angenehmster Aufenthalt in herrlicher Umgebung. Von Wien In 35 Minuten durch zirka 100 Eisenbahn- und elektrische Schnellzüge täglich erreichbar Sanatorien, ein Mittelstandsun2l ein Kindersanatorium, grosse Hotels. Gasthöfe, städtisches Badehotel .Herzoghof4 mit Thermal-1 bädern im Hause. 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Wir hörten,.daß Leute de-r^gebildeten Ständ«, „eWme" Mrger ihrer . Hellen'Freüde -über die Mordtat Ausdruck gegeben . haben. Wir nernahmen, daß eiWe l.e i'hh.aft i ge. Ä'-bg^orduete mehr odex Minder AuMer„oder Mitwisser ' d^s sgEichen HklHläDeus gewesen sein MV vermißten, daß einer ^vott denerl, die von -dem gepläntetö Mord^ - nnternL-hiMen wußten, es durch A n z e i g e be,i de t Polizei Mchtgemäß verhinderte. Und'Uvir rninahmen den Berichten, daß die Ermorduitg des Ministers Seve ring in aller Gennitsrtche geplant lourde und daß die AuHihruirg diefts nemn, folgenschweren Verbrechens nicht ^etwa aus Gewisstusbissen uyterblwb, sondern offenbar wchl, weil «sich die Gelegenheit wicht bot.' Mt'emem Wort: Eine Flwtwelle von Borbre chertu m und' Verbrechergesinnung. Mer man geht mit einem Achselzucken zur Tagesordnung über. In dieser. Erscheinung erblicke .ich säst die schlimmste Wirk-ungder politischen Epidemie. Mandat sich in Deutschland «schon einigermaßen,daran gswvhnt.id a ß man den pol.itischen Gegner über den. Haus e n s chieß t. T'Urch die Häufung derartiger. Schandtaten .. ist das sittlichL iGefühh ist der RespeÄ vor. dem Heiligtum eines Menschenlebens in verhängnisvollster Welse äwgestumsil t worden. Und zioar gera-de auch -in «den ,^uten Vurger-kre isen", natürlich nur msvwc.it, als, es sich bei den.OhMen der Mordsucht um Manner.de r Retz ublik. oder um den 'Recht^arteie«'.uiGmpaWsche--Versöpjlichkeiden, Handels Es dsj grau>e.nerxegevd, zu. eMn.nen>, 'wie sehr in manchen Ärsiftn auch LeS solidsten-Bürgertums-der einfache Nechtssinsl geschwunden ist. - Ich sprach neulich mit einem hochanges-chenen Justizra t MpHte Attentate. Dieser verdiensw-olle Jurist erklärte hierbei, eine Re'che -der Wachen Morde sei „d o l -l k o m m e n g er'e chtf« r tig ll^Au'if die Frage«, ob Mleicht der.Mvch an Rat Henau hierzu gehöre, «wurde dies zivar vbetchin tz e rnein t; aber dsr^herr blieb'dabei, daß ,andere" zu Recht geme«uchelt seien, wenn er.es auch vorsichtig vermied, Namen zunennen. - . Hier liegt e i n Fall, unter tausenden vor. Es ist gar nicht zutreffend, daß dve S i t t «e n v e r w i l de r u n g m und nach dem Kriege.«über,wiegend.die unteren Schichten ergriffen We. Sie. ist bei den.,^ebi.l d e t< »" Kreisen, den Obevschichteu, oftmals viel iveiiergehend. Der. .Haß gegen die Republik und ihr e Vertreter -ennt keine G-renzen, «und,beim TM ErzbergerS und Rathenaus sind nicht nur vereinzelt SÄttzftotzfen an dir DeckeMtzrünge-n. . M be«ajsaetr»Serei»eFra«rreich>a«fgE Paris, 22. Dezember'. Der Mi n ist $ t* r a.t. beschlpß,-heuie .die AuSarbsliung eines: Oesttzes-', "durch »veiches-der AustlKmiüister «errntächtigt 'wevddn üiG Vereine , und andere Orgamsatlonen a ufzulö se n, dle 'ihre MtstAderzu MwaltMM^noderMch.uür.MmEwgen voy Waffen Mfreizen. . . < - ', ».-»-«...l.MS-S» . ' . . Bor einem dichtgefüllien Saal sprach gestern abends Rechtsanwalt Dr. Israel Waldmann als Gast der zionistischen Setzivn 0—8 in ihrem Heime in der Bennogasse. Den Vorsitz führt?der Obntann Herr Dr. Bernhardt. ., - : In einem zweistündigen Vortrag behandelte Doktor Waldmann die ganze Materie vom historischen und politischen Gesichtspunkte aus. Der Steiger.Prozeß ist der erste jüdische politische Prozeß. Der Redner ging Machst auf das Verhältnis zwischen den Polen und den Ukraiumt ein und schilderte de» sozial e n G e g e n s a tz zwischen hem polnischen GwßgrUudbesitz und den ukrainischen Landarbeitern. Aus diesem. hauptsächlich wirtschaftlichen Gegensatz ist dann der politisch-nationale 'Antagonismus entstanden. Die Stellung -er Juden war bis zum Jahve 1890 von einer vollkommenen Indifferenz beherrscht. Erft seit dieser Zeit, ekst als mit, der von dem verstorbenen Stand und Dr. Zipper geleiteten zwllfftischen Arbeit auch die politische Aufklärung einsetzt, beginnt die Ssirmmmgsanderung, die ihren Ausdmck in den'Wahlen im Jahre 1907 findet. Redner charakterisiert sodann die ukrainische Politik seit dem Znsammenbruch und kommt aus die militärische Organisation der Ukrainer zu sprechen, aus deren Milieu .die verschiedenen Attentate dieser Zeit stammen, so insbesondere der Anschlag Fedaks ans.den Präsidenten Pilsudski. ES war für joden klar, daß auch das Attentat Mgen den Präsidenten W o j c i echo wski nur aus dieser Art der ukvadnschen Propaganda kommen konnte. Es sei nicht uneingkschränkt richtig, daß es sich bei dem Steiger-Prozeß blöß um ein Duell zwischen der Lern-! bcrger Kriurinalpolizei und der Warschauer' politischen Polizei gehandelt habe. Die W a r s ch a u e r R e g i oru n g habe es m der Hand gehabt, vechizektig den wcchten Täter zu nemten, da sie das mit Olschansk i in Beuten aufgenommene Gest ändnisprotokoll kannte. Wenn, sie dies nicht tat, so sei der Grund in ihrem Bestreben gelegen, dem Ausland gegenüber den Bestand einer ukrainischett Jrredenta zu verschweigen. Auf fehte»: Fall konnte ein Jude oder gar die jüdische Gemeinschaft j mit dem Attentat m Verbindung gebracht werden. Redner erörterte dann seine Haltung in der Angelegenheit. Er habe die Wahrheit schon seitdem MoNat' Mai gekannt, habe jedoch aus Gründen der ihm attfer-' legten Diskretion'schweigen müssen. Er habe jvdvch das gesamte Material den Lemberger Politikern! Und der Verteidigung übergeben und es werde wahrscheinlich noch der Augenblick kommen, wo diese Herren j die Nkotive^ ih-r<w HälLuztg-bekannIgebeN .werden.! ., Für die Juhen, die ja nicht nur in P o le n, sonder«, wie das .-Beispiel U n g a r u 8 zeigt, auch anderwärts t« gefährdeter Position sich befinden, evKbt sich mrr die Konsequenz der gemeinsamen Vertretung ihrer j gemeinsamen ^Interessen. Es gibt,'.schloß der Redner unter j stürmischer , Zustimmung, kerne ^Ju-dentümer,- sonder» nur. ein einziges jüdisches Vollj,' das sich selbst treu bleiben muß. ' MaffkvMrting in Oer LeovoldftM. Gemeinderat Dt. PlaschkeS «nd Dr. I. Waldmam als Reftrevte«, ' Die zionistische Bezirksscftion Leopoldstadi bemst stic h e'u tft halb 8 Uhr abends, ein Massenmeeting 'ein. in welchem, dir Herren Gemeinderat Dr. Pl a f ch k es und . RechtSanwÄ Dr. Israel Waldmann über ton m Lemberg dirrchgesührten Steiger-Prozch referieren werden. Sie werden sich insbesondere' mit den Ergebnissen der vwt den Mene; Pehtotou dutchgesührten Recherchen befasse^ >' 8« Damaskus. ' Ein Korrespondent der „United Preß" „ M iit folgende Schllderung von dem Zustand, m der» sich die lyrische Hauptstadt gegenwärtig befindet: ^armMs. «inst der lebhafteste und reichste Mackt deS Orients, ist jetzt vollkommen verlassen. Me die Steckt verlassenden Züge sind. überfüllt» und. auf Automobilen und allen verfügbaren Fahrzeugen flüchten die Kaufleute mit ihren Familien, .-ihren Waren und ihrchp Hausrat, als ob die Pest in der Stadt wütete. Die Basare sind geschlossen, die Hotels sind leer, die Straßen' vetMt. Man sieht nur herumlungernde Gestalten^ vor allem auf der „Mrdj^, dem Hauptplatze, wo die'Aufstaudb'! schen gehenkt werden,' und wo Huttderte von Bettlern uw Almosen bitten. Zwischen die Menge drängen sich immer wieder Patrouillen, schwarze, gelbe und weiße Soldaten, dir alle Mn uud Winkel der Stadt kontrollieren und Bev-. dächtige kurzerhand verhaften. Ebenso scharf wich gegen die Presse verfahren. Drei arabische.Zeitungen und zwei shx\jche Wochenblätter sind verboten; dennoch, wird die franzo-sen fei übliche Propaganda unentwegt fortgesetzt. Die revolutionären Organisationen, „Die eisernen Hände", „Die unentwegten Muselmänner",, „Die wachenden Augen", verbreiten aus illegalen Wege 'gedruckte, . , .. ...... (utftctyutöe Proklamattoue«, die reißende Verbreitung smde» und auf die der Gcheich-, dienst eifrig. Jagd Macht. Alle bringen Berichte ft fr etj] französische Aliederlagen. Wenngleich solche .B«- riHte übertrieben sind, werden Bevkäuftr und Känfetz festgenommen. Um b Uhr erklingt der Zapfenstreich, dann lagert V..; Ger de« KM SA Unterbrochen durch M 0013 89534853482323010053484848485348235348239053532348184848232323

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