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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-22 · Heft 2455 (22.12.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2455 (22.12.1925)
Date
1925-12-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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M. um 'SSM, «MW Der »Goldene Sonntag". Gutes Gei chiiftsergeburs. „Goldener Sonntag," das ist eigentlich ein Friedens- Segriff: Frohes Leben und Regen, buntbewegte Slraßm, taghell erleuchtet am Abend durch stammende Lichter und eine lebenslustige Menge, die ein reiches Füllhorn über Kaufläden «usschüttete. Goldener Sonntag, das tvar ein Festtag der Kaufmannschaft. die ihre Erwartungen und Vorbereitungen ehedem wirklich belohnt sah. Denn das Wiener Publikum kaufte gern und der Brauch des Schenlens war hier um diese Jahreszeit besonders aulgebildet.' , In den letzten Jahren bot der Goldene Somttag nur mehr ein düsteres Abbi.d seines früheren Glanzes. Die immer stärker würgende Wirtschaftskrise drückt auf das Publikum und auf die Geschäftsleute, die bei schwächstem Verkehre, unter schweren Steuerlasten und gleichzeitig unter strengen Sperrvorschrisien zu leiden haben. So schien auch Heuer der Goldene Sonntag nur mehr eine traditionelle Bedeutung zu haben. Und als in den Straßen der Gefchaftsbezirke eine dichte Menschenmenge zu fluten begann, war man in Fachkreisen dennoch nicht oplimistisch' gesinnt, da man nur an Schaulustige dachte. Auf einmal ergab sich eine große Ueber rasch ung. Ans den Neugierigen wurden Käufer und es fetzte gar bald ein alle Erwrr'ungen übertreffeuder Geschäftsverkehr ein. Das Gespenst des Abbaus schien vergessen, wenigstens an diesem einen Tage, als das Publikum in Hellen Scharen durch die Türen der großen und kleinen Kaufhäuser einging. Freilich, Luxus und Lustbarkeit sind Dinge, 'die nur noch dem hochlöblichen Finanzreferenlen Wiens am Herzen liegen, das große Publikum kann da nicht mehr mit. Und so wurden nnr Gebrauchsgegenstände das täglichen Lebens, notwendige Art kl der Saison und Jahreszeit gefragt. Finnen, deren Prinzip billig, reell und geschmackvoll ist, hatten diese Anpassung an die Zeit nicht zu beklagest. Der Hanpkerlehr dominierte traditionsgemäß in Mariahilf. Das Siandardkaufhaus Gerngroß tvar übervoll. Das Gedränge mußte zeitweise sogar von einem ziemlichen Aufgebot vonWachebeamten reguliert werden. Die Darbietungen der prächtigen Gerngroß-Räume wurden nicht nur angestaunt, sondern auch gekauft. Wie uns die Mneraldirektion der Gerngrotz-A.-G. m'.tteitt. war das G eschäft sehr zufriedenstellend. Auch die „Stasa", d:ren Popularität immer mehr wächst; ist mit dem Umsatz z u- Frieden. Josef Z w i e b a ck u. B r u d e r haben m t ihren Originalschöpsungen den v o l l c n B e i f a l 1 d e s P u b l ik u m s gesunden und ein dementsprechendes Geschiist gemacht. Und nun K rtu pn i k! Der Na me. ist schon ein Programm für sich. Dieses beliebte Modehaus hat sich b rei s die Sympathien aller W'.enerinmn erworben. Klridcr und Mäntel von Julius Krupnik sind eine ganz besondere Attraktion. Drnn in dem immer zeitgemäß geketteten Hause heißt die Devise gut und billig. Kein Wunder, daß es vorgestern in der Kaiserstraße einen Massensturm gegeben hat, der alle Erwartungen übertrrs. Mer auch die I n n e r e S t a d t war das Ziel zahlreicher Kaufbefließener. Die vornehme Eheganz des Welthauses Z w i e b a ck in der Kärntnerstraße übte eine, große Anziehungskraft aüs, der die getätigte Kauflust voll entsprach. Zum ersten Male sah man heuer am „Goldenen Sonntag" auch in der Leopoldstadt einen ausfallend großen Zustrom von Kunden, vor allem natürlich beim Warenhaus Brüder Schiffmann. 2. Bez., Taborftratze 4 8. Schon am Samstag waren viele Tausende Käufer in dieses führende Leopoldstädter Warenhaus gestromt, so daß die zahlreichen Verkäufer alle Hände voll zu tun hatten. Ein imposantes Bild bot die oft stundenlang den Straßenverkehr behindernde Menge, welche suchend und wählend vor den vielen lockrndrn Austagesenstern urtd im Foyer des Warenhauses sich staute. In den Verkaufsräumen herrschte ununterbrochen ein enormer Andrang, der sogar zeitweilig das Geschäft störte. Es -wurden fast ausschließlich praktische Geschenke, wie billige Miderstosfe, Wirkwa.en usw. gekauft. Viele, denen der geringe Inhalt ihrer Brieftasche Beschränkung im Einkauf anfzwang. ließen sich durch die wirklich besonders billige Preise und die geschmackvolle Auswahl zu Mehreinkaufen bewegen. So sah man ost Käufer. welche die gekaufte Ware schon woh verpackt in Händen hielten, neuerlich eine andere Abteilung aufsuchen. Die Freude am billigen Einkauf weckte erhöhte Freute am Schenken. Und das wird einem nirgtnds so leicht gemacht, wie bei der gediegenes Firma „Brüder Schiffmann". HeimA Manu Mer RaffevanMmMrmn«. In der Weihnachtsnunmec der Prager Halbmonatsschrift „Die Wahrheit", äußern sich maßgebende Persönlichkeiten zu dem aktMen Thema: „Rassenantisemilismus". Heinrich Mann schreibt: „Was soll matt noch sagen zu einer Frage, in der Erkenntnis nicht entscheidet, sc'öald Neigung und Glauben es anders beschließen. Wer den Juden grundsätzlich für den Quell des Uebels hält, ist nicht daran zu hindern. Er muß mn verhindert werden, seine irrigen Grundsätze in die Tat zu verwandeln. Wer an Rassenantisemitismus überhaupt noch glaubt, mag dadurch selig werden. Er wäre auch ohne diesen Glauben schwerlich klüger. Er hat Herkunft und Mechanismus der neueren Gesellschaft nicht begriffen, wird sie nie begreifen und sucht daher in seiner Not nach Schuldigen, wo nur Menschentypen sind, die sich mehr oder weniger anpassen. Wozu mit ihm verhandeln? Der Nationalismus ist saütt seiner antisemitischen Ergänzung geistig längst erledigt, es wird haarsträubend langweilig, sich mit ihm abzugeben. Er wirkt nnr in den Tatsachen plump körperlich noch nach und wird dank dem Beharrungsvermögen, das gerade feine Anhänge« kennzeichnet, selbst in einer künftig bis zur Unkenntlichkeit veränderten Welt ohne jeden Zusammenhang mit ihr noch spuken." Mener MoLgenzeituna Wohin? Zur „ßlücksielle“'! Die „Glitckstelle" meldet, daß ihre SLalter biseinWeßllch 2i. d. M. von 8 Uhr scüh bis 7 Uyr abends unimtetbrychen geöffnet sind. Nunmehr veriäume niemand, sich fein GlücksloS zur kommenden Wehnachtsziehung' (28. und 30. Dezember) bei der „Glückstelle" Josef Stein, Wien, I., Wlp,plingerstraße 21. an der „hohen Brücke", zw holen. V, Los 5 4'-, V* Los S 8v~ *2 Los s 16*—, 7i Los S 32'- Für Postbestellung genügt Postkarte. Sah’ nicht am GIQck vorbei! Sie sfottMe Patteifteuer. Das Zionistische Landeskomitee teilt mit. daß nachstehende Gesinnungsgenossen Partei st euer fürdasJa hr 5686 11826) gezeichnet respektive gezahlt haben: Ir. Otto Aböles, Fraulein B a l l i tt, Frau'ein Bere 8, Dr. Nahum Blauer, Fräulein Blitz, Markus B a r t f e l d. Fritz Bartfrld, Ludwig Dato, Heinrich Bart, Dr. Max Bernhardt, Adolf Böhm. Gertrud Brahn^ Julie Braunstein, Dr. Artvr Czeczow i e z k ci Dr. Ludlv g E ck st e i n, Tr. Ick ob E tz r l i ch lllen^ Eisenstein, Bertold E i s i n g e r, Dr. F in kelstein, Fint F i f d) w ö n it. Paul FSlde 8. Karl Franz, Bela Frankl, Dr Tesider Friedman«, Dr N. M G e lb e r. Dr. Leo Goldtzammer. M. G. G o l d m a n n. Dr. G o r n e r, Lncie G r o ß m a n u, N. G u t t m a n Dr. Bernhard Hahn, Ctzana H a j e k, Jul us H o ch st i m, F äulein H i l b e r g, R. H ö « i g, Anna Horowitz, Fred« Hudes, Tr. Oit*'av Ie!linek. Tr. Kantor, Heinrich K e ß l e r, Dr. Isidor K l a b e r, Kommerz alrat Max K lein, Beztrksrat K o h n, Dr. Em.l Kra 8 ny, Dr. Alfred L a u» z e r, Tir Anselm Lazarus, Natoan L i p s ch ii tz Doktor Jl sef L ö w e n h e r z. Kommerzialrat Max M a r k u S, Toktor Max O ftermann. Tr. Moritz Pachtmann, Cimon P j ck e r, Adolf P o l l a k. Marie P o l i ö f, Tr. A. P o ll at s ch e k, Prof. Moses Rath Theodor R i x, N. R o s e ntz e r g, Tr. David R otdblnm MoseS R u b i n, Dr. Sam. N u ß. Dr. Isidor Sadger. I. S a f \ e r,i Josef S i n g e r, Drs Leooo!d <5 o f,c r, LeoSendro ro i c z, Nelly S ch e r° z e r, Max S ch i f s m a n vß Salo S ch merke r, Meier Schreier, Dir Mo es Schwa g e r, Kart Schwarz (Graz). Dir. S p i e g l e r, I. S p r e r a, Helene S p i r o, N S.t r o ch, Oberbaurat Ing. Stricker. Dr. Chaim T a r» t ojl o.w e t, Oskar Teller. Eisig T o r e z> h n e r, Hermann T r o v v, Dr. Jttael W a l b m a n n Siegmund W e ch sb e r g. Dir, Leo W e ch s l e i, Dr. Georg W e t n e r, Zwi Weinstein, Zwi W i e s e l b e r g, Ger chon W i t 111 n. Ina. G. Wolf, Abraham Zahle r, Aaron Klein. Doktor Karl Poll ak. Die Paiteisteuerleistungen der einzelnen BezirkSsekt i o n e « werden wir im nächsten Ausweis bekaarrtg den. Diejenigen'Sektionen und Gruvven, die ihre Parteisteuer noch nicht geleistet dabeu, werden ersuch^ d>e8 bis lrätesienS 87. d. nachzutzolen^, da wir voraus''chtlich im Jänner J926 d l e Wahlen fitrbett ordentrchen Partertag ansschreiben w e r h en. Wien, 22. Dezember. * Promotion. Heute um viertel 11 Uhr vormittags sinoet 'ble. Promotion unseres Gesinnungsgenossen Herrn Hir>ch Koretz!um Doktor der. Philosophie im 'Festsaale der Wiener Universität tatt. M der die in Wien weisenden Mitglieder der üebräisch-akatemlschett Bereinigung Hatechijah e'ingeladen werden. * Richard Branders — 60 Jahre alt. Der Vizepräsident der Prager jüdischen Gemeinde, Herr Richard Branders, hat am Samstag seinen 60. Geburtstag begangen. Einer Alt-Prager Familie entstammend, die auf den hohen Rabbi Loe w zurückaeht, dessen Schwiegersohn Simon Brandeis und ein Enkel Samuel BmndeiS Primase der Prager jüdischen Gemeinde waren,' rvamdtr sich der Jubilar nach Absolvierung des Gymnasiums dem Buchhandel und später der Buchdruckerei zu. Er nimmt in den Prager jüdischen Kreisen eine allgemein geachtete Stellung ein. * Jüdisches Kiinstlerkabatttt, 2. Bez., Praterstraße 60. Heute gelangt die am Samstag mit grosiem Eriolg aufgeführte Opexette „Die rumänische Chassene" zur Wiederholung. Morgen Mittwoch findet ein Ebrenabend des H. M. Weinberg statt. Zur Auffübrnng gelangt: ..Ebnale. die Näberm". * Tod einer Hundertjährigen. In Ga in farn ist Frau Anno Pfeiler im -100. Lebensjahr gestorben. Sie war die älteste Frau von Nösiau und Gmn'arn. Von der Straßenbahn getötet. Ans dem Margaretengürtel wurde Sonntag ein etwa 30- bis 55jähriger Mann von einem Straßenbahnzug überfahren und derart ver'cht. daß ec im Sophienspital starb. Der Artt der Rettungsgesellschaft hat den Mann für alkoholisiert beenden. Man fand bei ihm einen Zettel, auf dem der Ätame „Schanderer" stand. * Ein vermißter Versichernngsbeamter. Aus seiner Wohnung, 18. Bez., Gersthoferstraf!e 19, ist seit dem 15. d der 16jähxifle Bersicherungsbeamte Oskar Weinstein vermißt. Der Mann hat sich an dem Tage in sehr gedrückter Siimmung vom Hause: entfern: und/erklärt, er habe einen k!tt'chäftlichen Weg zu machen. Er ist nicht zurückgekehrt. Man befürchtet, daß ihm em Unglück 'Ugestosien ist. * Bembenatlentat gegen «ine Leitung. Wie aus Kaitowitz gemeldet wird, wurde auf die „Katwwitzer Zeitung" ein Bombena t 1 e n t a t verübt, indem auf bisher linousgeklistte Weise in dem lliaum, ■ in dem sich die Rotationsmascbinen befinden, eine größere Menge von Explosivstoffen zur Entrundung gebracht wurde.^ . Die Ma'chinen sind unversehrt geblieben, doch ist der S a ch s ch ad e n beträchtlich. 22. Dezombioc 1888 Seite 8 '* Ein großer Kasseueinbruch in Komor«. Im Gebäude der Kronenbauk in Komorn wurde Sonntag nachts ein Kasseneinbruch Werübt. Die Täter sind vom. Keller aus in das Bankgebäude gedrungen. Dort hatten sie eine große eiserne Kasse aufgesprengt und einen Betrag von 215,334 tschech. Kronen gestohlen. M Täter kommen zwei'Männer in Betracht, der eine har in der RIchtung^Duniavska-streda (Preßbnrg) die Flucht ergriffe«. Der zweite hgt irch in der Richtung nach Neuhäusl geflüchtet. * Die Stadtvertretung von BeregsaS ausgelöst. Die Stadt- Vertretung von Beregsas ('Slowakei) wuvde wegen Mißwirtschaft auf Anordnung oes Znpanates aufgelöst. An ihrer Stelle fungiert eine sünfgliedrigr Kommission. * Die Tragödie der Evrigrantin. Das WMe Gmi« ' gratwnsd«!Eorium in Berk in ech'elt ans Chavbin die Mt« teibnng, daß die W'Mve Bell« Friedmann aus GluSlk, be-ren Mann Mit Jahre 1920 'frei Wliaddwivstok von feer Banda Ka'lmy ko w s getötet Wooden ist und die mit ihrem sechsjcihrigsn Knaben svit 1922 im Flüchtilingsilaiger "in ChaMn wöhnt-e, Selibstmo rd bsganaen hat. Dich er Vorfall öekeuchtÄ das unisa-zibar traurige Leiben jüdischer Em'igvanteir. Mit HiU« Mnerikaniische'r Verwandter sollte Fvan Friedmann tzie Raiise n a ch A m e r i k a nntretsn. Imifchge Des nerven Eänwanber ungspeisetze s mußte sie jedoch in dm Wackiner Baracken verbleiben. Dort hatte «sie GisleMntbeit, ihr Söhuchen in Obkhnt zu geben und «sMst einer BchchDi'Ml^ nachMchen. Abs nun ein neuec Trupp Gmiigoanten in Chavbln er-ntgetrojisen war, beschloß die Wichtilingskoimmission. «ine UmMuppierung in den Bavacken voxzunchmon,, und wies Frau^ Friedmann einen Watz zu, der,ftr ungünistiger als der bisheriige evschim und wo sie niemanden hatte, der auf ihr Söhnchen achtge'ben konnte. Da ' si« nun ihr« ganze Lage a!ls itzosfnu ngslös ansah. beschloß sie, aus dem Loben zu scheiden? Sie tvank Sch wefelfäure und vevschied nach unfagilave-n Qualen. Das S-chiäjsail der EmigvEnsrau hat in der OaffeMWait von Ehartbin erschütternd e-ewiM und zu mannlgjsiacher Erörterung in der Ptesse geführt. * Zchn jüdische Volksschulen in Kow«o. Die Kownoer Stadt- Verwaltung unterhält in diesem Jahre 50 Schulen, von denen in 24 in l i t a u i s ch e r Sprache unterrichtet wird. Diese 24 Schulen umfassen 62 Klassen mit 1193 Knaben und 10W Mädchen. Schulen mit der v o l n i s ch e n Sprach» als Unterrichts'prache gibt es in Kaunas 11. Diese Huben 28 Klassen mit 547 Knaben und 638 Mädchen. Femer. sind 10 jüdisch e Volksschulen mit 28 Klassen. Sie werden von 528 Knaben und 725 Mädchen besucht. Kunst. Bühne. Buch. „Ser arme Zonatha«.^ (Erstaussühnmg in der Bvlksoper.) „Der arme Jonathan" ist nicht nur eines der letzten, sonder« zugleich eines der besten Werke Millöckers. Sieht man von etlichen ermüdende« Längen — urw von den seichten Spässen des Librettos — ab, so mutet die Musik gar nicht so alt an wie die anderer Operetten von a«no 1890. Manches hat sie Johann Strauß.abgeguckt und ihren Couplets baut sie mitunter gar eine Brücke von Offenbach zu Oskar Straus: So ist etwa das Pikante Duett von der Hauskapelle mit der ulkigen Nachahmung der einzelnen Instrumente ein Vorläufer von Oskar Straus' „Bergmusik". Im allgemeinen ist „Der arme Jonathan" reicher und vornehmer in der Melodik wie die übrigen Millöcker-Operetten und seine musikalische Distinktion vermag ihm noch heute einen durchschlagenden Erfolg zu sich ern, wen» er nur vom rechten Operettenensemble unterstützt wird. A« der Volksoper trat Herr Treumann in der Titelrolle das Erbe Alexander Girardis an. Mit dem Kunstgesang hat er ja oft genug seine liebe Not, doch er bleibt der vorbildlich flotte, charmante Borwivant, der sich ln der Charakteristik «icht die kleinste : Pointe entgehen läßt. Umgekehrt Herr Ritters he im als i Pandergold, im Vollbesitz seiner stattlichen Tenorstimme, doch darstellerisch ein hilfloses Kind. Ausgezeichnet Mizzi Weiß mann als Soubrette, ein munteres Sprühteufelchen, für den Wiener Geschmack vielleicht ein wenig;u reichsdeulsch. Frau Bö h m brillierte in ihre« Koloraturen und Herr B a n d l e r schilderte in überzeugender Komik die Sorgen des Theaterimpresario. Gewissermaßen die. Nöte der Volksoper, deren Zukunft noch immer nicht gesichert ist und die trotzdem' unentwegt unter Kapellmeister Leo KrauS weiterkampft, flb, »StHbr LrrWettheater, Jarnos Instinkt ist verläßlich. Wen» man schon spannendes „Theater" bringen will, ist das Hervorholen alter^ guter Stücke dieses Genres zu empfehlen. „Trilby" zahlt zum eisemen Bestand der gar nicht zahlreichen, bei aller äußerer Theairalik doch geschmackvoll gearbeiteten Bühnenschlager. Unter Jarnos ausgezeichneter Regie hatte dieses Schauspiel von dem kleinen hypnotisierten englischen Modellmädel einen großen, wohlverdiente« Pu« blikumserfolg. Stella'Sorma, die sich in der ätzten Zeit bemerkenswert entwickelt, hält die Trilby in einfachen, menschlichen Linien, hält sich mit Glück von reisserischem Komödiantentum fern, und Joses Jarno, ihr Partner, ist ein dämonischer Svengali. Das Trifolium der Maler wird von den Herren S ch ich, R i edl und Kamm auf sehr frisch gespielt und auch sonst, ist das Ensemble in seiner Gesamtheit zu loben. Seine Freude hat man wie« der ganz besonders an der diskreten und doch so wirksamen Komik des Herrn Mahr, Wollo-Akaler. Mer Stunde» Revue „Apollo? Rur Apollo!" In 18 Bildern rollt die Revue „Apollo? 2Zur Apollo!" ab, lang genug» um alle Möglichkeiten von Scherz, Satire und tieferer Bedeutung, m alle Chancen von Frauenschöriheit, Nacktheit, Glanz, Abenteuer, Erotik und Exotik auszunützen «nd zum Sieg zu führen. Es war auch ein Sieg, ein stimmungsvoller Triumph, besonders charakteristisch dadurch, daß ein ausverkauftes Haus bis über Mitternacht hinaus ausharrte, i« einem Revuetheater ohne Tische und ohne Speis und Trank, in einem rechten Theater also, dem nach so viel Arbeit, Autoren-, Musiker- und Schneiderschweitz dieser Erfolg zu gönnen ist. Das Seltene in einer Revue: eine echte, rechte, phantastische Fabel, die auch den Geistigbem'tttelten fesselt, nth einem durchaus unaufdringlichen. Humor, der vor und nach den einzelnen Bilder«

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