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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-22 · Heft 2455 (22.12.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2455 (22.12.1925)
Date
1925-12-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mKt WM. MMatz Volk eine verrückte Jazzband berauszaltbern, vergeuden ihr bißchen Hirnschmalz nicht. Man müßte Nachdenken. Wie bekommt man Kapital ins Land, wie produktivicrt man dieses Kapital, wie schafft man moralischen und politischen Kredit? Von: Nachdenken kriegt man Kopfschmerzen. Die Mobilisierung aller nwralischcn Enei? gien, die Otto Bauer einmal gegen die Sanierung ausgeboten Hab, ist nicht da. Die Seelensanierung derer um Seipel mündet schließlich beim- Rothstock. Aber wo die Begriffe fehlen, da stellt sich zur rechten Zeit das Wort ein: JudN Vas täten diese feindlichen Brüder, wenn es keine Juden gäbe? Sie würden einander auffrefsen. Dazu kommt's nicht. Sie haben ihre lieben Juden. Wozu soll man denn immer von der Visa Kalb und der Mizzi Schmiedt sprechen? Das könnte einmal mißverstanden werden. Leibisch, Sara Blime und Jainkef Safran. Das Paßt ja nicht ganz in die revolutionäre Weltanschauung. Aber wohin ist-die geraten? Dorthin, wo derartige Namen ein politisches Argument sind und wo sie als Programmersatz wirken können. Wenn man das Gefrieß dieser Zeit aufmalt, dattn darf man nicht au die Heiterkeit vergessen, die bei der Nennung solcher Namen losbricht und alle weiteren Bemühungen erspart. Die Erreger solcher Fröhlichkeit wissen, daß sie me in den Verdacht des Fudenschntzes kommen dürfen. Sie müssen der „Reichspost" den Wind aus den 'Seegeln «pfimpti Wiener Möraenzeitnnck 22. Dezember IW Ne. ms Las IralMmdat. Bie EifenbahnHerH indung Bagdad—Mittelmeer. London, 21. Dezember. Der Kolonienministcr Ämery hat zahlreiche Telegramme aus dem Irak erhalten, worin ihm der Dank für seine Bemühungen in der Mosjulfrägc ausgesprochen wird, darunter.ein solches von Juden und Christen. Im Irak selbst hat die Entscheidung des Völkerbundes nach den englischen Berichten die größte Genugtuung hervorgerufen. TerKönigdesJrak gab der Ansicht Ausdruck, daß nunmehr die Eisenbahn von Bagdad nach den Mritelmeerhäfen in Angriff genommen werden könne. Mossul im Unterhaus. London, 21. November. (Tel.-Komp.) Im Unterhaus wurde heute die Mossulsxage verhandelt. Premierminister Baldwin teilte zunächst mit, daß in der nächsten Session 4es Unterhauses, im Februar kommenden Jahres, eine besondere Sitzung der Erörterung der Verträge über den Irak.und Mossul gewidmet sein weche, ehe diese Verträge dem Völkerbund unterbreitet werden.- : Der Sprecher der La bour-Party erklarie, daß die Opposition an der heutigen Debatte nicht jeilnehmen werde, denn die Regierung habe, durch ihren Antrag, das Unterhaus möge die in der letzten Woche in Genf abgeschlossenen Abkommen billigen und annehmen, die ^Position daran gehindert, Abanderungsanträge einzubringen. Als Baldwin erwiderte, die Regierung könne ihren Antrag nicht zurückziehen, erklärte der Lchour-Abgeordnete, die Arbeiterpartei werde zum Zeichen des Protestes gegen diese Gewaltmethode korporativ den Sitzungssaal o erlassen. ' ' Die Kriegsstimmung in der Türkei. London, 21. Dezember. Die. englischen Blätter geben in dollem Umfange zu, daß die. Stimmung in der Türkei nach der Entscheidung des Völkerbundes in der Mussolfrage eine äußerst gereizte sei. Die Kriegsstimmung sei jedoch nicht ernst zu nehmen, sie werde vielmehr von der türkischen Regierung als politisches Druckmittel gegen Eng» lond gebraucht. Die großen Schwierigkeiten dürsten sich a u S der Kurdensrage ergeben, da dieses Land infolge der. Entscheidung des Völkerbundes zerrissen worden sei. In einem Jntnwiew mit dem Korrespondenten des Reuterschen Bureaus in Paris sagte der türkische Außenminister T ewsik Bei, er könne keineErklärungüber Mossul geben, da die Lage delikat, wenn nicht gar kritisch sei. Die Nationalversammlung in Angora werde die Entscheidung fällen. Der Minister sprach die Hoffnung aus, daß eine friedliche Regelung doch noch erreichbar sei. Die Türkei hasse den Krieg und tatsächlich sei ein Offensivkrieg durch die türkische Verfassung verboten. Aber wie' jede Nation werde die Türkei im Notfälle tun, was die nationale Verteidigung erfordere. Sie halte sich selbst für stark ge-! n u g, ihre nationalen Gebiete zu verteidigen. i Was seine Besprechungen-mit Rußland angehe, sei es , nur natürlich, daß die Außenminister der beiden Länder, die > Nachbarn seien, die Gelegenheit zu einer Konferenz benützen. Die Bezieh ungen der Türkei-zu Rußland gründeten sich auf den Mussolvertrag und würden.allmählich noch enger. Die Beziehungen werden sich entsprechend den Ereignissen weiter entwickeln. Ter türkische Außenminister reist nach Belgrad. Belgrad, 81. Dezember. (Tel.-Komp.) Der türkisch« ^.ußenminister T e w s i k R u s ch d i Bei trifft Donnerstag Hl zweitägigem Aufenthalt in Be lgrad ein, um mit Mikür den Weihnachtstisch in Dr. Oetker* $ bewährte Rezepte Weihnachts- Bäckerei. 10 ifcgZneker w.jdeomit 1 Päckchen Dr. Oetker'* Vanillin» tucfter. l Do lor und 15 dl- B«|-*r. Saft and Se^ata einer '«Id«» ZJtP'nasc.hanm'fgcrthtt. I. I’lekchrn Dr. Oetker'* Dl*, bewVanilleeremeanlver wird in fi Löffel M'Ieb aafg«lö«t, cot l M&-tce remiseM rann 85 dl MthJ, d'6 vorher mit '/. PUck* rhoüi Dr. Oetker'* Sadtpulmr vstraeott worden, da’«-»gehet»*. Kineo Taitr maeheo, flnaerboeb j aaswalken, mit nerseh edrnen! Farmen ausateckea and m&sslg j oackta. I WailarrReeeot* prati»nnd franko! von dar u'abrlk Dr. A. Oetker, Baden b«i Wien, 10S9 nisterpräsidenten Pa sie und Außenminister N i neie über die zwischen den beiden Staaten schwebenden Angelegenheiten zu verhandeln. Es ist dies der erste offizielle Besuch eines türkischen Regierungsmitgliedrs in Belgrad seit der Wiederaufnahme der normalen Beziehungen Zwischen Jugoslawien und der Türkei. Rach den Wahlen. Bon Dr. Fritz Löwenstem (Jerusalem). Der Wahlkampf, der den Wahlen zur zweiten Assep h a t H a n i w cha r i m (der parlamentarischen Körperschaft . der Juden Palästinas) vor^usging, war in mancher Beziehung von allen anderen Wahlkämpfen der Welt verschieden. Bei jedem anderen Wahlkampf kämpfen Parteien gegeneinander, von denen jede einen möglichst großen Teil der Wähler für sich gewinnen und zur Abstimmung inr Sinne dieser Partei veranlassen .will. Zwar gibt'es bei jeder Wahl Indifferente, die mit keinem Mittel zur Beteiligung an den Wahlen zu gewinnen sind. Jn Palastina aber gab es etwas Neuartiges: die organisierte Partei der Nichtwähler^ die ni cht eihü indifferent waren, sondern rnst allen .möglichen Mitteln die Wähler an der Erfüllung ihrer. Wahlpflicht zu hindern suchten. So entstand eine doppelte Front im- Wahlkamps: die einheitliche Front aller Anhänger der Assephrt Haniwcharim vom Misrachi bis zu demkommunistischrn Häuslein des Maamad Hapoalim gegen die in -der Agudqs Jisroel organisierte Orthodoxie, die die Wahlen zu verhindern. suchte.. Neben dieser Kampssrorit spielte die-andere Front, die der Parteien gegeneinander, eine beinahe unwichtige Rolle. Das Problem des Frauenwahlrechkes war, wie bekannt, das Kernproblem^ Nachdem bei. den Wahlen zur ersten Assephath Hanrwcharim die Frauen mitzewählt hatten, wie dies ja auch ganz im Sinne der Tradition des Zionistenkongresses liegt, wurde diese Frage zum Hauplstreitpunlt erhoben, als es sich um die Vorbereitung der Mahlen zur zweiten Affephath Hannvchirim handelte. Um die Spaltung des Jischuw .jti Vermeiden, oder, richtiger gesagt, sie zu vertuschen, versuchte man das Kompromiß eines Bolksreferendums über die Frage der Beteiligung der Frauen an den Wahlen. Aber die Aguda- Orthodoxie ging dariuf nicht ein, da sie von diesem demokratischen Mittel sich offenbar nichts versprach und, nachdem sie ihren Anhängern die Beteiligung am Referendum verboten hatte, verzichteten die Rechts- und Zentrumsgruppen auf das Referendum, dem die Arbeiterschaft von vornherein wenig Sympathien entgegevgebncht hatte, da sie die Berechtigung der Frau zur Teilnahme am politischen Leben -nicht erst in Zweifel gezogen sehen wollte. Es ist übrigens verständlich, daß gerade in der Palästinensischen Arbeiterschaft, wo 'die Frau auch in der schwersten körperlichen Arbeit dem Mann ebenbürtig zur Seite steht, für die Politische Entrechtung der Frau besonders wenig Verständnis -besteht. Die Zahl der eingereichten Wahlvorschlage illustriert die Zersplitterung des Jischuw. In Tel-Awiw sind 20 Listen eingereicht worden, in Jerusalem beinahe ebensoviel. Die Arbeiterschaft zog nicht geschossen in -den Wahlkampf, sondern mit ihren beiden Hauptprrteien, zu denen sich noch die kommunistische Gruppe gesellte, während die linken Poale Zion in seltsamer Uebercinstimrtrung mit de n Agudi st i u die Parole *ber Nichtbeteiligung an den Wahlen ausgaben. Die bürgerlichen Gruppen zeigten eine noch größere Zersplitterung. Von bemerkenswerten Partei« gruppierungrn seien genannt: die R e v i s i o n i st e n mit dem Listensührer Jchotinskh, die große Mahlerfolge zu verzeichnen haben, der F r a u e n v e r b a n d für Gleichberechtigung der Frm,dieSephardim, hie Demokraten unterUssischkins Führung, das eigentliche Zentrum, die reaktionäre „national bürg erliche Vereinigung", die Kolonist enPartci, der Misrachi und seine Absplitterungett. die wiederum gesonderte Parteien bildeten. Die interessanteste Frage bei der gegebenen Konstellation war die nach der W a h l b e t e i l i g u u g. Im Augenblick, wo dich Zeilen geschrieben werden, liegt das Jerusalemer Wahlergebnis und-dis Ergebnis von Obergaliläa noch nicht vor. Im ganzen wird die Wahlbeteiligung etwa 60 bis 60 Prozent betragen, was ei» ganz befriedigendes Ergebnis ift, wenn man die Stärke der Gegenwirkung berücksichtigt. Natürlich beschränkt sich der Einfluß der Agudrh auf einen Te:l dek Städte. Im E mek zum Beispiel haben 2594 Wähler ihre Stimme abgegeben, was eine überaus hohe Wahlbeteiligung bedeutet. In H a i f a und Tel-Awiw war^ die Gegenwirkung natürlich schon viel größer und m stärksten wird sie in Ieru salem, Tiberias und Safed zum Ausdruck kommen. In Jerufnlem waren sämtliche Wahllokale von Agudisten umlagert, die mit allen Mitteln die Wahlen zu verhindern suchten. In Mea Schearim zum Beispiel fo«. setzten sie den Eingang zum Wahllokal, es kam zu förmlicher Schlägerei, und erst der Intewention arabischer Schutzleute gelang es, die Ordnung zn gewährleisten. Mn verbreitete eine Mitteilung, wonach Rabbi Kuk die Beteiligung an den Wahlen verboten hätte, was freilich sofort durch eine Gegenerklärung paralysiert werden konnte, aber doch -sicherlich nicht ohne Einslllß geblieben ist. Allen diesen Versuchen zum Trotz hat der überwältigende Teil des Jischuw zum Ausdruck gebracht daß er in der Assephat Haniwcharim und dem von dieser zu wählenden Waad Leumi seine leg i t i m e V er t ret u ng sieht Und daß die Agudah Palästinas wie die Deutschlands oder Ungarns mit ihren rein negaiibeu Tendenzen niemals die Massen des Volkes wird gewinnen können. Das Wahlergebnis wird sich wahrscheinlich nicht nrehr wesentlich verschieben, so daß die nachfolgenden Ziffern (bereits in der .Mi-ener Morgenzeitung" mitgeteilt), bei denen vor allem Jerusalem fehlt, doch einen Anhaltsprinkt geben: - Achduth Haawodah 5371 timmen, Hapoel Hazair 3421, Revisionisten 2166; über 1000 Stimmen haben ferner die Sephardim, die Frauen, die Demokraten, der Misrachi. Die kleinsten Parteierr sind die bürgerlich-nationale Vereinigung (rechtsbürgerlich), das Zentrum, die „Partei der vierten Alrsah", und der Kolonistenverba ad. Die beiden Arbeiterparteien sind also nach dem bisherigen Wahlergebnis die beiden stärksten Par leien, verfügen aber über k e i n r M a j o r i t ä t sin dar Versammlung. Im ganzen dürsten sich etwa ’3Ö.OOO Juden an den Wahlen beteiligt hoben. Weitere Wahlresultttte. Laut d<n weiter eingetrofftnen Wahlresultaten sind in Jerusalem 52 Delegierte gewählt -worden. Davon entfallen auf die Achduth Haawodah 15, Hapoel Hazair 6, Sephardim 11, Frauenliga 6, Demokraten 4, Revisionisten 2, Misrachi 2, Kommunisten 1 und auf die übrigen Listen 5. Auf Jaffa-Tel-Awiw dürften 75 Mandate entfallen. Die Wahlbeteiligung betrug in Jerusalem 30 bis 35 Prozent, in Jaffa- Tel-Awiw 50 bis 60 Prozent und stieg in Haifa bis ans 80 Prozent. Wie die „Jewifh Times" berichten, Haben die Revisionisten in Palästina Jahontinskh einzeladen, nach Palästina zu kommen, u.m die Führung ihrer Fraktion in der Asjephot Haniwcharim zu übernehmen. Mit in der WoMorlouveution. Jerusalem, 20. Dezember. Die eriGlische Regi-evung hat von der lR-egjerung der SchmsiZw R-vpuM/die .Mtts'Äng lerhattew, daß die Ausnahme Palöst'mas in die Miß-Phosphar-iKouvention vom 26. September 1906 den UnteMchnern der Konvention durch ein Zirkular dmn 28. Seiptemlbsv IM m'itgeteilt worden ist. »ar okttoyierte Wahlgesetz in Aegtztzten. London, 21. DeKLwber. (Tel.-Komp.) In Aegypten Wen sich 41 Bürgermeister geweigert, dis neuen WchÜ, listen anzufertigen, worauf sich die Regierung enWofsen hat, die Neuwahlen auf Grund des Wahlgesetzes amsKU« schreiben, welches Ziwar Pascha ohne Mitarberi des Parlaments ausgeatbeitet «hat. Die 41 Bürger- MListev wurden entlass een, worauf sofort weitere 30 zurü-ckgetreten sind..Man glaubt, daß sich'die Bewegung' noch ausdchnen wird. ___ Abschied Anitla Mlkm von «mrika. New-Dvrk, 29. Dezssnvbsir. Am 16. Dezember fand eine -imposante lFeievIi-chkeit zu Ehren der Frau A n r t ta Müller-Cohen in NewHork statt. Die Führer der Erickanischen Iudenhei-t gaben ein Bankett, an de-m alles, was in Mw-YoÄ Namen-hat, teilnahm. Auch in Ghikago, -in PittÄburg, PMade-Wa, Galtiimove und anderen von Inden stark -be-siedelten Städten der Vereinigten Staaten ch Frau WLüllier-Gohen in Massenmeetings ^begrüßt worden. Inden amerikanischen Blätteivn wird die Tätigkeit der Frau Müller-Do-Hen ausführlich besprochen und belschnders ihervorgehcken, daß ihre Stellungnahme z>u d e -m!K.r i m p r o je kt die öfsent-licha Meinung «in -e n U scheidender Weiss b-e ein stützt hat. Frau Wüller-Eohen 'hat Einladungen nach Kanada, Kmba und nach England ablchnen müssen- und tvisst am 26. Dezember in Wien ein. 3m iw 23.!/28 Uhr abends, im NTRAL-KELLER »5 v TahnaalaAtaA A „Prozess Steiger und die Wiener Behörden“ Redner: Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes u Rechteanwalt Vr. Israel Waldmanin 2474

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