Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2453 (20.12.1925)
- Date
- 1925-12-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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YK. S453 Wen, Mein? MotgenzelkttW Zy. De-Mver '1W5 Seite 5 England und Arabien. Dem offiziellen Organ der amerikanischen Monisten „New Pale st ine" entnehmen wir Len folgenden Artikel von Lenovhon, einem palästinensischen Publizisten, der d:e Kragen des nahen Ostens gut kennt. Die arabische Halbinsel befindet ftd) seit dem Waffenstillstand säst ununterbrochen im Kriegszustand. Wahrend die westliche Welt unausgesetzt bemüht ist, durch eine Reihe von Beratungen und Beschlüssen an: grünen Tisch ihre Wunden zu heilen, unermüdlich an der Festlegung von neuen Vertragen und Abkommen arbeitet und in Europa . seither mancher Zwischenfall m: Wege der Altseinandersetzung beigelegt wurde, der in der Vorkriegszeit als Casus belli gedient hätte, fwt' sich in Arabien die Geschichte wiederholt. - Eine Zer'i.-.ng wurde Mekka, die allerheiligste Stadt des Islam, '.:nd König Hussein, eine höchst romantische Figur, i.^:e Ue ersten Seiten der großen Blätter aus beiden Seiten des Atlantischen Ozeans. Der Krieg hat eine Anzahl neuer Staaten geschaffen: Pufferstaaten, manche, die mehr eine Fiktion sind und in der Luft hängen, aber auch Staaten, die als solide, unabhängige Geineinschaftsgebilde um ihre ehrenhafte Existenz kämpfen. Was immer auch man vorn jüdischen Standpunkte gegen die neuen, großen osteuropäischen Republiken Vorbringen könnte, so ist doch ihre historische Existenzberechtigung oder ihre künftige Entwicklnngsmöglichkeit kaum cmzuzwe-iftln. Sie sich — das gilt wenigstens von den meisten der neuen Staaten — das Ergebnis einer nationalen Welle, die seit etwa einem Jahrhundert, seit Waterloo Europa beherrscht und ' ihren Kulminationspunkt in Versailles erreicht hatte. Das ist nicht der Fall mit dem nahen Osten, insbesondere mit Arabien. Kämpfe unter arabischen Stämmen gehören nicht zu der: Seltenheiten in der Geschichte Arabiens, die fast durchwegs von inneren Kriegswirren ausgefüllt-ist. Dieser Stämmekrieg lieferte auch den ausschließlichen Stoff für die arabische Folklore, die von keinen: Fremden begriffen tverden kann. Die hervorragendsten Meisterwerke, der vorislamitischru Zeit, das Antarepos, der MoalKat unv selbst der Koran, konnten eben nur für das so charakteristisch-arabische Leben geschrieben werden- Mag sein, daß die Ebene der endlosen Miste, der aufrichtige semitische Glaube, das; Meinungsverschiedenheiten .privater Natur oder zwischen einzelnen Stämmen nur durch des Schwertes Schneide beigelegt werden können, oder andere geographische Umstände diesen Zrrstan-d der Dinge geschaffen. Tatsache bleibt aber, daß Kriege zwischen arabischen Emirs wegen angeblich politischer Streitfragen zu den Alltäglichkeiten gehrten. Aus diesen Gründen dürfen die Vorgänge in Arabien nicht unter der historischetl Perspektive beurteilt werden. Sie müssen vielmehr als das Wiederaufleben des nahen Ostens in alter Form nach dem Krieg betrachtet werden. Was hat sich in Arabien zugetragen? Großbritannien, die „arabischeste" und „moslernitischeste" Großmacht, konnte die Fortsetzung, der arabischen Kriegerei nicht untätig gewähren lassen. Zur Zeit des Waffenstillstandes kam eine kleine Gruppe romantisch veranlagter Briten, Oberst Lawrenee, Sir Mark Sykes und andere Orientalisten und Politiker, über eine einheitliche arabische Politik Lin Wcihnachtsu. Neujahrsgeschenk von bleibendem Werte sind die Emission 192$ jährlich zweimal je 1 Haupttreffer von (Hunderttausend Schilling) Jedes Los gewinnt Ente Ziehung am 2, Jänner 1926 Preis eines Loses $ 10«— Sämtliche Gewinste vollkommen abzugsum! EINKOMMENS fEUERFREI mao überein uab vertraten die Forderung der UnabhängiMt Arabiens mit ernsten: und aufrichtigem Nachdruck. Die Zerstückelung des Osmamschen Reiches, dessen größter Teil von Arabern oder einer arabisch sprechenden Bevölkerung bewohnt war, war keine rein militärische Angelegenheit, und _ das Kriegskabinett hatte mehr die politischer: als d:e militärischen Gesichtspunkte der Besetzung ins Auge zu fassen und zu erwägen. Aber es war kein Sprecher da, der als wahrer Repräsentant arabischer Jnteresser: und Ziele hätte anerkannt werden können. Die verschiedenen arabisch sprechenden Bevölkerungsgruppen der arabischen Provinzen des Otiomanischen Reiches hüten durchaus keine gemeinsamen Interessen, noch eine gemeinsame politische Plattform. Um jene Zeit tauchte der Scher iss Hussein aus dem Dunkel empor, der denn mit Hilfe britischen Geldes und britischer Waffe:: sich als rer autorisierte Vertreter der arabisch sprechenden Bevölkerung von Palästina, Syrien und dem Irak und natürlich des Hedschas, wo er schon vor den: Krieg eine, wenn auch durch die Hohe Pforte stark eingeschränkte Autorität besaß, gebärdete. Das ergab einen Ausweg, der sowohl bei den romantischen Politikern als auch bei den Arabern selbst Anklang fiubcn konnte. Eine Zeitlang blieben die Sympathien des Scheriffs der Sache der Alliierten treu, was nicht so sehr wegen des reellen Wertes, als wegen des ungeheuren Widerhalles, den sie in den mohammedanischen Kreisen des weiten Dominions des britischen Reiches erweckt hatten, eine nicht zu unterschätzende Errungenschaft darstellte. Aber der Preis war nicht gering. Feisal, der populärste Fürst -es ganzen haschimitischen Hauses, erhielt den einst glorreichen und jetzt wieder 'hergestelsten Thron, des Irak. Abdullah wurde, sehr zur Unzufriedenheit der eingeborenen Bevölkerung, die es ablehnten, ,won Beduinenkönigen" regiert zu werden, nrit dem Emirat von Transjordanien betraut, wahrend Scheriff Husfein zum König des Hedschas avancierte. Diese fetten Geschäfte, die. den Mitgliedern der haschimitischen- Dynastie zugeschanzt wurden, rvaren eine überreichlche Belohnung für die Hilfe, die sie vorher den Alliierten geboten hatten. Während jedoch ihre Söhne nichts als Vasallen unter sehr strenger britischer Oberaufsicht, mit sehr hdscheidenen Zioillisten blieben, wurde Scheriff Hussein in seinem Reich freie Hand gelassen. Er wurde zum König vorn Hedschas mit der heiligen Stadt Mekka als Hauptstadt, gemacht. Die Wiege des Islams und das- Ziel von Hunderttanfendeu jtomute« Moslems in allen Weltteilen wurde auf diese Weise seiner unkontrollierten,' fast autokratischen Herrschaft überantwortet. Die heilige Stadt Mekka war in gewisseul Maße eine internationale Zone in moralischen:, wenn nicht gar auch in streng technischem Sinne des Wortes. Tausende moslemitische Pilger, die hinsichtlich ihrer politischen Zugehörigkeit so grundverschieden von einander find wie etwa das bolschewikische Regime'in Buchara von dem holländischen in Java ist, waren MM unterworfen. König Hussein erlitt Fiasko als König in seinem eigenen Reich, aber mehr noch als Kalis, zu dem er sich selbst ernannt hatte. Er war unter den Pilgern höchst unpopulär und lenkte die ernsteste Aufmech'amkeit der französischen, holländischen, ägyptischen und chinesischen Außenämter wegen der Behandlung ihrer Untertanen auf sich. Ein Krieg zwischen Aegypten und dem Hedschas wegen des „Mehmel El Scherif" und einer belanglosen Flaggenangelegenheit wurde mit knapper Not verhindert. So lange die Wirren sich "bloß auf diploumtische Zwischechälle und Notenwechsel zwischen den auswärtigen Aemtern beschränkten,!var die Gefahr nicht groß. Die ernste Gefahr kam aus dem Innern. Die BülMten, die puritanen Quäcker der moslemmscheu Welt, erschienen auf der Szene und sprachen Hussein das Recht ab, im Namen der moslemitische:: Welt das Wort zu führen. Sie brachen die niermls anerkannte Diktatur dex Familie der Haschimiten sowohl in arabischen als auch in moslemitische:: Fragen und veranlaßten die mohammedanische Welt, über diese Dinge nachzudenken. Sie proklamierten die Pnrisikatiou des moslemitische:: Glaubens und forderten die Mohammedaner auf, sich um ihren Führer Jbn Sand zu scharen! Sie gingen daran, ihr Programm zunächst durch die Niederringung der haschimitischen Herrschaft in Arabien selbst durchzuführen, um dann ihr eigentliches Glaubensbekenntnis, die Befreiung der moslenntifchen Religion von jedem auswärtigem Einfluß, in die Tat nmzusetzen. Sie ivaren stolz und intransigent und wollten von keiner politischen halben Maßnahme etwas wissen. Gleichzeitig aber galt ihr Kampf der Rettung ihrer heiligen Stätten, die allen ruosl cm i tis ch e n Pilger:: zugänglich gemacht werden sollten. Eine Zeitlang war die Welt einigermaßen skeptisch, ob die Wahabiten die Kraft haben würden, ihr Vorhaben auszuführen. Dank einer ausgedehnten Propaganda m Kairo, London und Paris zugunsten der Haschimiten wurden die Wahabiten als eine Bande irregulärer Rebellen verschrien, die gegen die angeblich. unangefochtene Autorität eilten verzweifelten Kampf führen. Aber diese erdichteten Legenden wurden in jüngster Zeit durch die Tatsachen und Berichte eimvandfreier Reisender Lügen gestraft. Britische Offiziere, -die nach Nedschd, den: Gebiet der Wahabiten, gingen, um die sogenannte Wahabiten- Pelzmäntel „»Jacken garantiert erstklassige Qualität um 25°jo reduziert! PhL„. Pipersberg AL 9-11 Erlebnisse eines LoiengrSberr. Bon Jona Roisenseld. Seit sÄNsu-uddreiß-ig Jahve-u bin ich Totengräber und , bin kaum fümsundsechzig Jahre alt. Ich sage Ich habe nämlich die Absicht, noch recht lange zu leben, denn ich fühle mich -bei Kräften wie ein Mensch von dreißig Jahren, Und nun will ich Ihnen einige sonderbare Geschichten erzählen, die ich während dieser Zeit erlebt habe. Sie wissen: die „Leute der Do-ten,gvä>ber>schaft" send keine furchtsamen Gesellen Md -dennoch standen ihnen die Haare zu Berge, als ich ihnen -die Sache erzählte. Jn^-ejHem Grabe zu übernachten, in das man aus. irgend ei-niem Grunde die Leiche nicht versenken konnte,, ist für mich nichts Besonderes. Bor zwanzig Jahrenetwa -hat' es eindr, der mich erschrecken ivollte, leider selbst mit dem Leben bezahlen müssen. Das trug sich so zu: Ich - lag in einem Grade, seelenruhig, und sah sp^B' ,^Jch -beschwörx dich beim Herrn, in deine Ruheistätt-e itf _ - ifAAnit A«tt4* .Vast t ... himuif — ich würde «sagen zum Himmel, aber den HimWl sch ich nicht. Es war -eine ungewöhnlich finstere Nacht, finsterer noch durch die innig aneinandergeschmiegten Bäume,, die a-usfaheu, als fürchteten sie sich vor mir. Kurz, ich sah nur, -daß es finster war, -ohne.daß es einen besonderen Gmdr-uck auf mich gemacht hätte. Nur eines beunruhigte mich ein wenig: wie, wenn ein Wurm oder eine andere derartige Kreatur mich mit einer Leiche- -verwechselte und mich -in die Arbeit'nähme? Im übrigen waren meine Gedanken Aar' und lauter, als wäre nichts dabei, als läga ich vergnügt in -meinem Zimmer mit dem Gedanken vines Menschen, der oben in seinem Bette ruht. Är hörte ich plötzlich die Bämn-e unruhitz rascheln, das heißt, nicht die Bäume, -sondern nur einzelne ihrer Aveige,. wie aus -dem Schlaf erwacht, und dies nicht unausgesetzt, sondern von Mal zu Mal, wie wenn jemand einen Zweig nach unten zieht, um ihn dann - wieder emporschnellen zu lassen. Ich hörte aufmerksam hin. Aus Angst etwa? Nicht die Spur! Ich horchte auf. wie. jeder Mensch es tut, der in seinem Zimmer hinhört, wenn ein ungewöhnliches -Geräusch vernehmbar wird. Nach einigen MinuteNz als -das Geraschel immer näher kan:, fetzte ich mich auf, Ich irrte mich nicht: da ist jemand! Ich wäre erschrecken, meinen Sie? Keine Spur! Ich stand auf und sch etwas Weißes zwischen den Bäumen. Auch jetzt erschrak ich noch nicht, ich guckt-e nur minutenlang hin-, um Isestzustellen^ß es mir nicht nur so schien. Und dann srng ich sehr „Wek-tzort?*^, Es wurde auf 'einmal gar^z still. Da wußte ich, daß wirklich j-ema-nd auf mns Avi-edhof war. Wer mag das wchl sein, in der Nacht, weiß gekleidet? . . . Sicher eine Leiche! (Heute allerdings glaube ich nicht mehr, daß eine Leiche aus dem Grabe sie-igen kann), hrie -die ßtefta-tt an: ch, in deine Mhestätt-e!" W das Weiße sich nicht von der Stelle rührte und ringsum die Todes-stille nicht unterbrochen wurde, schrie ich zum zweitenmal noch 'lauter: zu gehen!" Die Leiche rührte sich riicht. Ich sprang aus dem Grabe, ergriff meinen dicken, prügelähnlichen Stock uwd ging aus sie los. Dia „Leiche" -wich zurück, ich ihr nach, und als ich noch einige Schritte von ihr entfernt -war, begann ich mit dem Stock wild hermnznfuchteln u-nd — tras mit starkem Schlag einen Schädel. Die Leiche stieß -ein entsetzliches Gebrüll aus und fiel gu Boden. Ich ging voll Stolz zurück ins Grab, und Eaunt hattis ich mich hing-el-eg-t. hörte ich ein markers-chütierndes Gestöhn. Ich evkamrte die Stimme Nussens, eines Mannes der T-otengräberschaft. Kalter Schauder -durchlief meinen Leib, jedes Med in mir erstarb. Ich lag so einige Mnutem Jch .wußte nichts was mit mir geschah. Das Stöhnen aber riß mich aus -diesem.-.Zustand. Jetzt hörte ich gang deutlich s-eme Stimme. Ich sprang aus dem Grabe und eilte in die Richtung!der -Stimme. Nahe hoi ihm, schrie Ich mit meiner ganzen Kraft: „Nüssen!" / '; Seine Antwort war ein trdbes Äe-chzen. Ich siel ihn anr ,Müssen, bist du es ,/Fa, ich. ., ich. 'tooWtc . . . wMe dich aus -die Probe stellen... dich . . . erschrecken ... » . - . o . . .!" Zwei Tage später war er tot . . . Eine andere Geschichte: Einige Jahre nach dem Erlobnis, das ich Arten setzt erzählt ha>be, brach i-m Städtchen die Chol-era aus. Es -starben Männer, Frauen, Jünglinge, Mädchen und kleine Ander. Wir von der Totengrciberschast waren schon ganz entkräftet. Zuerst legte man die Leichen in die Totenkammer und vollZog an ihnen die Zeremonien, nachher brachte inan sie zu Grabe. Eines Tages waren 'wir mit unseren Kräften derart zu Ende, daß wir nicht mchr graben lkonnten und Leichen in der Totonstube >MÜckbl-eHen mußten. -Männer- und Weiberleichen; z wischenden Mibern die Deiche eines Kindes, das gerade neben der Leiche seiner Mutter lag. Ich allein blieb -Lei den Leichen. Emen zweiten, der. bei mir bleiben-wollte, schickte ich fort. Ich hatte kein« Angst. Segen zwei Nhr nachts hörte ich plötzlich Kinderweinen. Ich trat hin, entblößte -die Mmber, und -erblickte zwischen ihner:- das Kind mit offenen, schwarzen, tränen-bedeckten Augen. Auch das Mündchen war offen. Ich muß gestchen, daß ich erschrak. Ich glaube — bevor ich die schwarzen Tücher anHob, die alle bedeckten, hat das . Kindchen «sich an der Malten Brust der Mutter zu schaffen gemacht. Als ich es aber ausdeckte, erschrak es, zog die Händchei: zurück und sch mich an. Minutenlang starrten wir einander an — -ich schweigend, das Kind — schreiend, mit Händen, die mir entgegengcstreckt waren. Ms ich nicht antwortete, ikchrte es bas Gesicht wieder der Mutter zu, grub mit aller Kraft das Mäwlchen in die Brust der Mutter ein u-nd Mug -mit Händen und Mißen um sich; dadurch geriet der chops der toten- Mutter in Bewegung... tot begann, es, mich zu verdrießen. ,Mm genug-, du Meines!..." . .... Mit der einen Hand Mob ich -das.Kind Von de: toten Mutter fort, dir andere legte ich mrt Raje. .