Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2453 (20.12.1925)
- Date
- 1925-12-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Oeit 9 Mn, B»mt«g WIEDERERÖFFNUNG > es altienommieiten CAFl RUTHMAYR IX., Liechtenste.nstra^se—Koilngasse Nea i aptiext Neu ftdaptieit Vornehmes F a miti 0 ncafi bas jüdische Volk die gutdeutsche Sitte verdirbt. Da gibt es Stahlhelm, Junado, Wiking, eine schwarze Reichswehr und noch ähnliche Verbände, die mit Gott für König und Vaterland im Geheimen morden, Püns solcher Fälle (ohne Erzberger, Rathenaü, Gareis, Eisner, Luxemburg, Perstus) teilte der Bericht mit, 18 Offiziere und Fähnriche, 10 Bürgerliche sitzen in Untersuchungshaft, in, Mecklenburg sind vier Todesurteile gegen Mörder gefällt worden. Ein Prozeß , in Mecklenburg wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgeführt und der Staatsminister, der als Zeuge geladen war, wurde krank. Drei Mordherde gibt es in Deutschland. Das Haus hörte den Bericht an und trat in die Debatte über Vokkswohlfahrt ein. * Aehnliche Volkswohlfahrt gibt es in Ungarn, das bekannttich auch seine hohe Kultur besitzt und zu ihrer homagialen Verteidigung alle.Mittel anwendet, als. da sind: Galgen, Kerker, Folter. Natürlich nur gegen die Juden, die diese tausendjährige Kultur bedrohen: Auch dieses Ungarn wird schlecht behandelt und mißverstanden. Es hat abgerüstet, besitzt keine Armee und lebt auch sonst in der schönsten Ordnung. Und alle diese Exerzierordner, Fememörder und Betyaren korrespondieren miteinander und haben sich die Wiederherstellung der gottgewollten Autorität zum Ziele gesetzt. Die gut nationale, gut christliche Presse segnet sie und flucht ,Pech und Schwefel auf die verdammte Geheimsekte der Juden herab, die die sittlich-religiöse Erziehung stören! Sn Streit um MW. Die Entscheidung des Völkerbundes vstt der Türkei abgelehnt. Paris, 19. Dezember. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Angora hat das türkische Kabinett unter dem Vorsitz M u ft 0 faKe mal Paschas gestern Tag und Nacht über die Lage beraten, .die sich aus der Entscheidung des B öl kerb und rat es in der Mo ssulsra ge ergeben hat, Ter G e n e r a l st a b s ch e f wurde, der Be-, ratung zugezogen. Ter Nationalversammlung wird Heute oder Sonntag eine Entschließung vorgelegt, wepden, die die; Ablehnung der.Cntscheidung des.Völkerbundrates ausdrückt. , -. Ser neue Siaesontoetnenr taon Sernfalem , ... (Mge-ndienst der^enerMomriWitung".) Jervsalem, 16. Dezembvr. Der bisherige Gouverneur von Sa.>d, Herr Krizewskh, wurde zu«m B-izegouver» veur von Jerusalem ernannt. In Safed wurde die Nachricht dorr dieser Beförderung mit Bedauern aufg-enommen, da Herr Krizewskh sich-durch seine unparteiische Amtstätigkeit Nicht nur bei den Juden, sondern auch bei der übrigen -Bevölkerung auße-rordenttiche Beliebchett erwogen hat. _ ' Skwuug einer Attkr0'PalWtteaWe« Handelskammer. Lm Komitee, bestehend ans.'führenden jüdischen Jndu- .lrieüen und Großhändlern, bereitet die Gründung einer A u st r 0- Palqstinenjtjchen Handelskammer vor. Dieselbe soll auf Grund ihrer Beziehungen zu den offiziellen Stellen und der Kaufmannschaft Palästinas in die Lage versetzt werden, den Jnteresiemen für Handelsbeziehungen, Neugründungyr und Beteiligungen verläßliche Auskünfte und Ratschläge zu geben. Für diese Gründung besteht lebhaftes. Interesse. .in den Diener kaufmännischen Kreisen, und es sind schon zahlreiche Anmeldungen erfolgt. Die Kammer soll ins Leben treten, wenn dich eine genügende Zahl erreicht haben werden. An. der Spitze des vorbereitenden Komitees stehen die Herren Großindustriellen Kommerzialrat Max P U t n und Dr. Bruno Pollak «Parnau. Alz. Mitgliedsbeitrag sind. W Schilling pro Jahr und Firma in Aussicht genommen. .. . Anmeldungen von Interessenten. wollen an die Adresse deS Schriftführers des Komitees, Herrn Dir. Dr. Wilh. Lederer, Kompaßbank, Wien. 1. Bez., , Wipplingerstraßr 80, gerichtet werden. ' Vor einer «elonstraltion der jagotlawischen Kadlnettr k Graz, 19. Dezember. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Ter Minister für öffentliche Bauten, Nicola Usuno. v i c, hat dem Ministerpräsidenten seine Demission überreicht. In politischen Kreisen verlautet, daß diese Demission eine Kabinettskrise zur Folge haben könne, da Ministerpräsident Pa sic schon seit längerer Zeit beabsichtige, eine Rekonstruktion des Kabinetts durchzujühren. . IPtehK* Wmmrttom Steigers Freispruch und die Hetz. , preffe. . (Eigendienst der «Wiener Morxenzeitung".) Lemberg, 19. DeMber.Jm Zufa.mmenhang .mit dr« Berichten über die 'Freisprechung Steigers wuäen drei hiesige Matter, und zwar ,-Nvwo PvlSkie^ (Organ nalwnaldemc'lratifchen Partei), -Mzeta Poranna" und ^Gazeta Codzienna" (bas berüchtigte Lenrberger Hetzblatt, ddm der K:.mm'ssär L u k 0 m 8 k i Informationen ga>b und das übrigens von einem Jiu-denstLmml-ing namens Thumem geleitet wird), konfisziert. Nichtsdestoweniger lvird die Hetzkampagne der Lembevger ant'.se.mitisch?n Presse gegen Steiger fortgesetzt; sie erstreckt sich auch auf Steigers Verteidiger! besonders heftige Angriffe richtet die Hetzpress« gegen den Präsidenten der Lem-berger Advokaimkammer Dr. Grek. der Steigers Anüvalt in be'den Prozessen, vor Standg richt und vor den Geschwornen, -war. Da in den Hetzartkkeln auch zu Gewalttaten au-sgefordert wird, lverden de WohNung-m Dr. Gre-kS und Steigers von? olizei bewacht. I Steiger über feinen Freispruch. - Ihr Korrespondent hotte GelegenheüStamMus Steiger über ferne nächsten Absichten zu befragen. Steiger antwortete: „Ich habe noch keine Pläne soffen können, denn ich stehe noch zu sehr untn-r dom Eindimck der furchtbaren 15 Mnate, die ich -w:>hl nie vergeffen werde. Darum bin ich heute nur von einem GoW beherrscht: dem des heißen Dankes an die Geschwornen. deren Wahrspvuch mich von meinen Qualen befreit und mich meinen Angehörigen und dem Leben widder-gegeben hat. Mein Dank gilt a'ber auch tot jüdischen Oeffentlichkeit. weHe in der langen Zeit meines Leidens so -mit mir mitfüh'lte; das Bewußtsein, nicht allem zu stehen, hat mich auch in diesen schwersten'Zeiten meines Lebens auf-rechtevhalten." Steiger schloß die Unterredung.mit dsm Hinweis ans die vwlen Glückvimfche. die chm zugekommen waren (und noch immer zukemmen) und sagte: „Diese Glückwünsche kommen aus echkm Mitgefühl; daru-m sind sie für mich so -wertvoll." E__ Saal na die .Wiener Aorgeazettna«". Der Redalktisn der ,Wiener Morgenzettimg" gcht die soilgelche Hu§chvtz'i zu: ' - Die unteafccHetew BeonmMen Stmüslaus Steigers Men sich vmptfllchttt. Wentllich der Redaktion-der „Wiener -Morgenze.ittmg" sür chr ensry'q'cher Eintreten für di« Ehre, deS - Judentums z« danken. , Die .Wiener MovgenzMmg" hat durch, ihre Vevöisifent- Whamgen viÄ dM tei-getvagen, daß die Wcchvheit -gesiegt hat. KavlSteiger, Irene Steiger, Sabina Braver, Leo Brawer, Berta Ett-inger, - Ltv C t tinger, Lusthans md Fr»«, Bcwuch B e; t e l «nd Frau, Dr. Max R eiz e s und Frau.' An amerikani'cher Finavzbeirat für Polen. Newchoch 19. Dezember. Dr. KeMmerer von dev Pttnceton-Universität ist zum Fi na nz bei rat der polnischen Regierung ernannt worden. Er reist heute nach Warschau ab. Seine Ernennung ersolgte auf Anregung des Hauses Dillon-Read. Sie Wohnvngspolltlt der SemeWe Wie». Stadlrat Weber über die Aufhebung des Mieterschutzes. Ter Wiener Gemeinderat -behandelte in stiner gestrigen Sitzung da's Budget-kaMl „Sozialpolitik und Wohnungswesen". Der Referent für Wohnungswesen Stadtrat Weber kritisierte in scharfen Worten den von der Regierung geplanten Abbau des Mieterschutzes. Diiö W 0 hnungsuchenden -werden sich vom 1. Jäwüer an nicht mehr an das Wohnungsamt wenden können, da dieses mit dem Ablauf des Anscrderungsgesetzrs seine Existenzberechtigung verlieren müßte. Tie Folgen für die Wvhnungsnchenden werden katästvchthale sein. Tam Wohnungsamt ist es gelungen, die Zahl der Obdachlosen auf eine geringere Zahl herabKudrücken, als vor fowt Kriege. ‘ Stadtrat Kunschak Mhrte Klage darüber, daß die Gomeinde seöbsl von Studentenheimen Wohnbau -st e -u e r einhebt. Gemeniderätin W i e l s ch -boschwette sich darüber, daß die Hausgehilfinnen in den Arbeits- Vermittlungsstellen gegen die Arbei-t>g>cber ausgehetzt werden. Gememderat Schleifer (Soz.), Obmann der Mieter- Vereinigung Oesterreichs, erklärke. daß die Meter entfchl-offen seien, -den Kampf'für die Erhaltung bc8; Mieterschutzes mit den schärfsten Mitt-ol-n zu -führen.' In feinem Schlußwort antisemitelte der Referent' Sö. Dezember 1928 Jk, CV ff* £ # Stadtrat W e Her ein wenig, offenbar nur dämm, um den Gvmeinderat Dr. Plaschkes, der vor einigen Tagen über den «Antisemitismus mit der roten Nelke" sprach nicht Aigen zu strafen. Er erzählte von einem Hausbesitzer namens Safran, der gegen das Wchnungsamt hei denchristlichsozialen. Hausherren agitiere und der sein Haus mit 80-699 entiverteten Pa-pierkronen aus'bezahlt habe. Stad'tvat Weiter hat mit einer Gründlichkeit, die auf ttttensives St-udium des S:'migocha und der Stamm'baumliteratur des Hakenkreuzes Hinweisen würde, evsovscht, daß die Eltern'dieses Herrn Sairan Leibi'ch und Sara heißen und daß diese ihren ßwhn zu Hause „Jankow" nennen, was bei seinen ^zlaldemotratischeu Patteifreunden lobhafte Heiterkeit erregte. Im übrigen erklärte er, daß die Gemeinde Wien von ihrer WohnungHpolitik nicht abgehen -werde. Nach diesem Gefühlsevguß wurde die Sitzenia aus Montag vertagt. , ' Schluß im Parlament. Der Natioualrat hat gestern das Budget für 1926 angenommen und ist auf Ferien gegangen. D^mit wurde wieder «ine der Bedingungen-für die Milderung der Kontrolle erfüllt, da sich der Voranschlag in dem mit dem Völkerbund vereinbarten Mahnten hält. Von dem vorgesehenen Arbeitsprogramm mußten einige Vorlagen für das nächste Jchr zurückgestellt werden, so zum Bei'piel die Fusionsbegünstigungsnovelle, das Bauaufwandbegünstigungsgesetz, hie Peksonalsteuernovelle, da die Sozialdemokraten mehr zu bewilligen nicht bereit warm. Auch das Budget ließen-sie nur passieren, weil Dr. Kienböck d:von Abstand nahm, ' den Mietenausschuß für Montag einzuberufen. Es '.st aber immerhin noch die Möglichkeit vorhanden, daß dieser Ausschuß etwa am. 29. Dezember zu einer Sitzung zulammentritt. Mehr als die Reftrawetteilung wird er kwm vornehmen können. Die Beratung der Mietenge setzrzovell« wird dem nächsten Jahr Vorbehalten , blttben müssen. Zu Beginn 'der Sitzung wurde das Jnlmdsarbetterschutzgesetz in beiden Lesungen beschlossen. Der Berichterstatter versicherte. daß die g e g e n w ä r t i g in O e st e r r e i ch beschäftigten fve.mden.Arbeitskräfte auf.ihrem Arbeitsplatz unbehelligt bleiben werden, nur die Msonm, die n a ch d e m 1. I a n n e r 1923 zugereist sind und für Ausländer, die ihren gegenwärtigen Arbeitsplatz verlassen und einen neuen Arbeitsplatz antreten wollen, werde ein Bewilli^üngsbeifahren eingeführt werden. - Die Sozialdemokraten verlangten auch die Anmeldung der Saisonarbeiter der landwirtschaftlichen Großbetriebe,' und suchten die antisemitische Mehrheit für diesen Gedanken dadurch zu gewinnen, daß sie behaupteten, daß. daS Gesetz in seiner vorliegenden Faffung dem Rothschild, dem G u t tm a n n, dem S Irak 0 s ch. dem L 0 e b und anderen jüdischen Großgrundbesitzern zugute komme. Dr. Bauer gebärdete sich als BäMänter und meinte, durch das Gesetz dürfen nlcht die Fli'uchtNnge, zumeist Deutsche auS den Nachbürstaaten, vor allem aus Südtirol, getroffen werdest. Durch die von seiner Partei vorgeschlagene Anmeldepflicht-für landwirtschaftliche Saisonarbeiter solle der Gefahr einer / Ueberfluütng des Marchfeldes mit Slowake« ' % , vorgebeugt werden. Es könne sonst der Fall eintreten, daß ganze Bezirke f! a w i s i e r t würden. Das Gesetz wurde schließlich unter AblehMNg der soMdemokratischen Anträge in der Ausschußfaffung beschlossen. Tann wurden die. restlichen Abschnitte des B u d ge t s angenommen. Zum Kapitel „Heerwesen" verzopfte Doktor D e u t s ch sein altes Klagelied über das B e r d 0 r r e n d e r A r m e e und über das Vordringen reaktionärer. Tendenzen in der Wehrmacht. Der Großdeutsche Klimann behauptete, daß die Nachfolgestaaten . die österreichsschen Grenzen nicht mehr respektieren. Die Italiener überschreiten unsere Grenzen, .abteilungsweise mit Musik, die TsechoslowM überfliegen unser Gebiet und die Jugoslawen tun dasselbe. Die. rnter« alliierte Militärkommission, . deren Wirkungskreis hoch, schok erschöpft ist. treibt hier Industriespionage. Die nächste Sitzung des Nationalrates wird.im.schriNlichen Wege einberusen werden. , Der Generaldirektor du Bmdesforsto. Der Ministerialrat in Mnisterium für Landwirtschast, Eduard L ö.w, wurde zu«, n e r a l d i r e k t 0 r des selbständigen WirtschaftSkörpers ,Hunde» forste" ernannt. Mittwoch den25.Dez.IJ. 7)8 Uhr abends, im Z^TRAL-KELLiR IIm taboratraas« V Wiener Behörden“ Redner: Gemeinderat Dr« Leopol« Plaschkes u Rechtsanwalt Dr« Israel Waldmann»