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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-18 · Heft 2451 (18.12.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2451 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 3 _Wien. Freitag__ a/V/WW^WWVv/NAAAAAAAA/VVWWN i CÜYS4^ il WHHBRANO r aas naturechten, besten Weinen in airt* i«d p ombi rinn Mmchtn (Eflaß des-Ackeibauminister ums Zl M99/474 ex 1904) nach wie vor die führende Marke! UBERAU. ZU HABEN I her je noch dem Stand der Ber^-aMun-gen eifrig tz'kku» tt-crt. es -i^eten sich Me nunsLii -Md Ansichten, Pvc'pheien schossen wie Pil-e aus den rauch gi.'-n Kai seehauS- Eoleu h.r-, vor, Wetten a -»'angiais wurden algeschlossen, und als der' Tag des Mahrfpruches kani. war die Revsttion der ,Meyer Movgenzerlmng" vom frühen Mreen in die späten AbendsttiNden von nervös Wartend«» und Hoffenden 'tolo^rt; lange kennte Len Un,-i.iduLd'gen ke-.n« Aus-- tunst gegeben werden; eine Stunde nach dvm Freispruch t.'nnten -wir den unzäh igen Anrufen an unsere Zertti-ng di« frohe Antwort geben. Tann ad:r ivaren die Telpi/.-nstellen der Redaktion dis Mitternacht von Jvagendr«,.- Zwe-ij «luden in Anspruch genommen. Anfangs tollt« man ' den Freispruch nicht glauben. Man mußte es oinom und - demsel'b.'n Zwei- und dreimal! sagen, ühe er es g'auÄe. ' Dann aber war die Fvöude unbeschreiblich. Glück wünsche, Sszensspröchr» Freudenausbvü che waren die Antw rt auf unser«'M^unft. Der Jude würbe in dm letzten Jahren ' wahrlich nicht verwöhnt mit gerechten Urteilen, wmn Intrige und Niedertracht emrn ^Iudenpro^eß" konstruierten, der nicht gcgen einen Iudi:n> s ndern Mgen das gesamte , Judeittum geführt wird. Deshalb'ist es nur zu verständlich, daß unsere Mitteilung von dem Freispruch des im- - schuldigen Steiger wie eine Bfreiung von einem Albdruck, wie eine Aufmunterung a,u'ge»5«mE« Wirde, den' Glauben an die Kraft des Rechtes und der Wahrheit nicht aufzu^bem... -i- Aus Wen sind noch im §<m*e des gestrigem Taaes l' Steiger aniÜßl' ch 'eines Fverjpvuchts den den dielen Freunden und Bekannten, die er während seiwes Freispruch.'s iu Wien erworben hatte, zah reiche Gliii-ckwirnsche aus ie'«graphischem Wege zu,'Stangen. Unter anderem hat der GefLmtvi."vlan-d der süd'rschen Hochs chü er Oesterreichs Judäa, dessen Wtglled Steiger während pi>ner W'ener Studien -war, ihm ein herziches Glückwunschtelegramm ''^ermittelt. Ser Prozeß. H., Lemberg, 17. Dezember. Tie Lemberger Polizei hat nicht gesiegt. Ihrem Spruch, baß Stanislaus Steiger und niemand anderer das Lemberger Aitentat vom 5. September IM begangen hat, konnte das Geschwornengericht von Lemberg nicht beitreten. Sta- »islrus Seiger, ein junger Mann, besten ganze Existenz sich zwischen Kolonialwaren, Lektüre, einer Braut und gelegen^ lichen Theaterbesuchen abfprelt. kurz, ein Typus kleinbürgersicher Provinzintelligeuz, ist nun ins volle Licht politischer Aktion gerückt; denn er war der Attentäter der Lemberger Polizei. Dreizehn Monate lang wnrde die Untersuchung gegen ihn geführt und fast ebensoviel Wochen dauerten die Verhandlungen des Prczestes. an deren Schluß festgestellt wurde. d:ß Stanislaus Steiger schuldig ist — an der Notar: chm Unfähigkeit der Lemberger Polizei. Man muß di« Vorgeschichte des Attentats vom 5. September 1924 kennen, um zu wissen, was diesen Prozeß, den in ganz Polen niemand gewünscht hat außer der Lemberger Polizei, herbeigesührt hat. Der Präsident der polnischen Republik sollte anläßlich der Eröffnung der Lemberger Ostmesie eine Reise durch einige Städte Oftgaliziens, darunter auch Lemberg, unternehmen. Bei den Antralöekörtzen in Warschau liefen Warnungen ein. die von der beabsichtigten Reise des Staatspräsidentenabrieten. Es wurde darauf hingewiesen, daß in der ukra nischen Bevölkerung Lstgaliziens eine rege Propagandatätigkeit zu beobachten sei. gleichzeitig aber auch der Befürchlung Ausdruck gegeben, daß die Lemberger Polizei nicht imstande sein werde, den Präsidenten vor Zwischenfällen, die sich aus der durch die erwähnte Propaganda entstandenen Unruhe ergeben konnten, zu schützen. In ihrem Vhrgei^ die beste Polizei der Welt zu sein, einem Ehrgeiz, der jeder Polizei anhaftet, aufs schwerste Strossen, nahm die Lemberger Polize» die Verantwortung für die Sicherheit des Staatspräsidenten auf sich; sie erklärte, von einer durch ukraini'che Propaganda genährten Unruhi sei keine Rede, und stellte sich gleichzeitig eine gute Note aus, irr^em sie darlegte, dank ihrer vor;üglich°n Tätigkeit gebe eß in Ostgalizien überhaupt keine Umstürzler,scheu, staatsfeindlichen oder ähnlichen Orgmisationen. Die Lem- Lerger Polizei siegte, die Reise des Staatspräsidenten fand statt und am 5. September 1924 wurde ein Attentat auf ihn verübt. Die auf solche Weise bloßgestellte Lemberger Polizei mußte nun d's Attentat verantworten. Ahr? Verantwortung war wohl kein hinreichender Beweis'für ihre amtlichen Fähigkeiten, aber ein vollgültiger Betveis dafür, daß die Lemberger Polizei treffliche Kenntnisse von Land und Leuten besitzt. Denn sie verantwortete sich mit einer Stimmungsmache, die unbedingt Glauben finde» mußte. Da nach ihrer Angabe umstürzlerifche oder sonstige' staatsfeindliche Orzani'ationen gewöhnlicher Art nicht existieren dursten, so mußte eine ganz be'andere Verschwörung, die mit solcher Tücke angelegt war. daß sie den Äugen .der trefflichen Lemberger Polizei entgehen konnle, festgestellt werden. Und Gott sandte der Lemberger Polizei nach dem Ausspruch ihres noch ws der üsterre'chischen Zeit weit über Lembergs Gren'en hinaus sattsam bekannten Chef LukomSti einen Retter. LukonE nannte als diesen di« Balletteuse Pasternak. In _Wiener Morgenzeitung_ Wirklichkeit aber war cs der KaffeehandlungLangestellte Stanislaus Steiger. Die Groteske begann und schnurrte film* mäßig ab, auch in. der Lange dem Kilometerband der Sensationsfilms gleichend. _ Stanislaus Steiger wurde der Attentäter der Lein» - berger Polizei. Die notwendige Bel-stungszeugin, dem Herrn Lükomsti von Gott gesandt, kam aus den Bezirken hy>r.scheu Rollentriebes einer alternden Dallettdame die endliche wenn auch nicht auf dem Theater, zu einer großen Rolle kam. Das 'anxre bevrgte dw naturgegebene Stimmung. Tenn der Attentäter der Lemberger Polizei, zugleich ihr Retter, Lehen« grill gleich, war ein jüdischer Bursche. Und nun begann das Gemunkel, Getuschel. Gerede von der geheimen jüdischen Ber- . schwöruncz. deren Exponent Steiger se:. Anschläge von Bezirkshauptleuten in der Provinz, welche über das Attentat ber ch eien, trugen bereits Ziefer Stimmung Rechnung und erlklärten höchst unenlimental und höchst unzweideutig die Juden hatten ein Attentat auf den Präsidenten der polnischen Republik verübt. Die Anschläge wurden entfernt, aber die Stimmung blieb unv die Lemberger Polizei trieb, was sie zollte. Tenn ihr half jene Hetzpreste, der das hingeworfene Schlagwort genügte, um alle Schleusen der Verleumdung zu offnen und die „Steigeruner". die jüdische Verschwörung, in allen Tonarten auszuposaunen. So kam es dann, als ein ehemaliger Polizeikonfident, ein Ukrainer namens Mikitin, einen ukrainischen Terroristen der Verübung des Lemberger Attentats be'chuldigte zu dem naturgemäßen ergänzenden Spiel ,für die Legende vou der Steiger-Verschwörung, dem Pr.zgegen fünf jüdische Bürger von Lemberg, die beschuldigt wurden, sie hatten Mitrtin zu seinen Angaben mit Geld gedungen. Bester als durch sÄche Beschuldigungen konnte die Legende .von der jüdischen Beschwörung nicht gestützt werden, aber sie zerrann vor dem Gericht in nichts, denn die jüdischen Bürger wurden freigesprochen. * Inzwischen hatte das Standgericht, vor das der Attentäter der Lemberger Pol.zei, Stanisiaus Steiger, gestellt wurde, nicht einstimmig die Überzeugung von der Schuld Steigers gewinnen können. Tie Lemberger Polizei sah sich arg bedroht. Dazu kam noch, daß man in Marschau, dem Sitze der Zentralbehörden, an den Attentäter Steiger nicht recht glaubte. Es mußte etwas geschehen, und nun begann der groß? Kampf Lembergs gegen Warschau, an besten Abschluß man sich >n Warschau nach berühmtem Muster fragen mußte: Ist Lemberg «cch in unserem Besitz? Tie Lemberger Beamten, welche die Sache der Leinberger Polizei sühnen, wurden nach Marschau gerufen, wo man ihnen nahelegte, die nicht sehr rühmliche Angelegenheit lieber zu liquidieren, denn man wolle sich lieber mit dem Skandal, der durch die Unfähigkeit der Lemberger Polizei hervorgerufen wurde, abfindrn, als es auf einen europäischen Skandal ankommen lasten. Aus Warschau kamen Delegationen der Zentralbehörden nach Lemberg, die ähnliche Instruktionen hatten Aber die Lemberger Polizei bkieb hart. Das Verfahren gegen ihren Attentäter war anhängig, und da es ein Gerichtsverfahren war, so konnte Warschau, ebenfalls nach bewährtem Muster, vor vollzogene Tatsachen gestellt werden. Nach langem Suchen fand sich er» Staatsanwalt, der bereit war, die Anklage gegen den Attentäter der Lemberger Polizei zu vertreten; nun mußte die unbeirrte Justiz auch gegen Warschaus Willen ihren Laus nehmen und der Steiger-Prozeß fand statt. Er fand, statt auf Grund, eines Untersuch»ngsmaterials, das, wie sich im Verlaufe des Prozesses ergab, alle anderen Spuren, welche über die' der Lemberger Polizei von Gott gesandten Tätevschast Steigers hinausführten, nicht nur nicht verfolgt, sondern geradezu verwischt hatte; er fand stalt mit Belastungszeitgen, die gerichlSordnungsmößig als lügenhafte Narren stigmatisiert waren, fand statt auf Grund einer Anklage, welche über das Motiv einer Tai Sleigers überhaupt keine zureichenden Indizien bringen konnte, fand statt in einer Atmrsphäre, welche durch Hetze, Provokationen, Drohungen vergiftet ist, wo versucht wurde, Zeugen, Advokaten, Geschworne, Richter niit Drohbriefen zu beeinstusten, wo sich Lemberger Pclizeibeamte in geradezu auffälliger Weise um ihnen gen ekme Zeugen bemühten, wo der Vertreter der Anklage nach dem jämmerlichen Zusamnieubruch der von ihm angeführten Indizien sich nrcift scheute, mit den billigsten Argumenten der Straße die draußen herrschende Stimmung in den Gerichtssaal zu tragen. » Nach mehr als zehn Wochen währender Verhandlung wurde nun heute der Prozeß beendet, der nach dem Ausspruch einer hrchstehenden Persönlichkeit Polens n t e h 5 t 1 e st a t t f i n d e n d u r f e n. Steiger ist durch den Wahrspruch der Goschwornen freigesprcchen worden und verläßt den Gerichtöfaal so makellos, wie er ihn betrat. Aber der Prozeß gegen Steiger hätte nie stattfindcn dürfen, denn im Lause dieses langwierigen Verfahrens ist mancher schwere Makel euchüllt, mauche schwärende Wunde des öffentlichen Lebens aufgedeckt worden. Durch dreizehn Monate und mehr als zehn Wochen wurde das gesamte Judentum Polens im Zu'ammenhang mit dem Steiper-Prozeß von unverantwortlichen, leider aber auch verantwortliche» Hetzern geschmäht, bespien und in den Kot gezerrt. Tenn die Verantwortung Letzte Kurte. Ne«v-Vo»k, 1?. Dezember iTel.-Aomp. Berlin WM. London Kadei 4.85*.',, Uoiwoii Lchett 4-.80»/*, Anii'lert>am 40.16 Barts 8 8, Bume 4.A rUvw 408. Madnr 14.17 ttitrich W81. SlockboUn 26 78 CSio 20 2/i öooentragen 94 86 Wren 14*/,,. Budavefr UVl6 Ittao 2V6'/«. Belara^ t.771^ Me'' 127V, Buenos Äire» 4l*/,, •Rt«' oe wneiro 142k Bn'arei 46‘/4. New-Hvru, 17. Dezember Tei -xrouiv. Wetzen an 48tmei 191 Vs Aener iar» A<mrei >93 Mats M/,. Ham Noqqen 118»/, - fibif«w» 17, Dez«m« Tel.-Komv., Weizen oer Dezemve, 174. "a> 168»/, st«» H6‘/, AtaiS oer De^emd« Wlt, Ma> 82%; ,tuti 84 V» ■ Haiei oer Dezember 40% Äa> 4M/„ 9fu,i 4v Roggen oe» Dezemd»'-. Am 10ö*/^ i06. m Dezstnrer 1«B» _Nr. ,. der Lemberger Polizei lauieie: Unsere Bürgschaft' bezog sich auf das Nichtvorhandenscin von politischen Umsturzorganisationen, die sozlisagen der gewöhnlichen. und behördliche» Raison ersaßlar sind; aber die Juden stehen ganz außerhalb dieser gewöhnlichen Raison, sie sinviel schlauer, gefährlicher und tückischer. Ein Ju>de wurde als Attentäter gesoßt und dam.t war der BetveiS gegeben, daß er Exponent einer ganz geheimen jüdischen Verschwörung sei. Dieses Argumem mußte. wirken, wo so oft das Wort vom anonymen jüdischen Staat gefallen ist, wo seit Jahren die Hetze gegen die . jüdische Ex.stenz u.cht nur reines Prcpagandamittel, sondern auch^ prrgrammatisches Thema gewesen war. Daher hatte auch das gesamte Judentum nicht mir ■ Lembergs, sondern ganz Polens in r.chtigem Instinkt gespürt: In Lemberg findet nicht der Steiger-Prozeß statt, sondern unser Prozeß; Steigers Unschuld steht außer Zweifel, aber es ist die grcße Frage, ob die zwölf Männer auf der Gefchwornenbank den Mut finden werden, gegen die Ein». flösse vou außen, welche sie gesellschaftlich, moralisch, ja sogar materiell bedrohten, den Spruch zu fällen, der Wahr-, fpruch ist. Tie Geschwornen im Lemberger Prozeß waren während der ganzen Tauer der Verhandlung, vom ersten Tage an, da durch den Einspruch des Staatsanwaltes gegen zwei jüdische Geschworne der Hetzbegriff der Anitsausübung more judaico aus der Straß« in den Gerichtssaal getragen war, bis zu jenem letz.en Tage, da der Staatsanwalt sich nicht scheute, mit der Benützung des bereits gerichtsordnungsmäßig widerlegter Argumentes von einem erkauften Ge. ständnis r»!e Hetze der Straße in den Gerichtssaal zu tragen -- im wahrsten Sinne des Wortes die Männer im Feuerofeu. Zwölf Männer aus dem polnischen Volke hatten über Steiger zu urteilen. Acht von ihnen brachten den Mut auf, der Gerechtigkeit zu dienen, wie sie gelobt hatten. Acht Männer aus dem polnischen Volke sprachen ihr „Unschuldig" und sprachen gle'chzeitig Mit diesem.Worte aus, daß sie nicht, den bösen Jnstintten nachgeben, welche dreieinhalb Millionen eines Volkes, die in Polen leben, verunehreu und in den Kot zerren wollen. Daß polnische Volksrichter die Ehre der Juden mit der Unschuld Steigers bekräftigten, ist ein Symptom, hcch zu werwn. Denn es zeigt, daß im Kern des Volkes gesunder Instinkt sich gegen jede nationale und «ligiöse Hetze wendet. Das ist ein Gesundungssymptom für das junge, neue Polen. Und die Ovationen, die den Geschwornen bere'tet wurden, find verdient, sind gutes, versöhnsnd°L Ze.chen. Dar SeWndoi, LWamki«. Ein Gespräch mit Rechtsanwalt Dr, Klei. Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, mit dem Berliner Rechtsanwalt, dem bekannten Kriminalisten Doktor Atfreo Klee, der zuMig sich auf der Durchreise in Wien aufhält, über den Ausfall des Steiger-Prozesses zu sprechen. Er sagte u. a.: . i „Da ich mit dieser Angelegenheit, wie Sie wissen, so sehr besaßt war, hat mich natürlich die Freisprechung Steigers unerhört freudig berührt. Offen gestau-ren habe ich es trotz aller Sorgen in meinem tiefsten Innern.doch« i-ch t anders erwartet. Ich w:r überzeugt, daß bei aller - Verhetzung doch zwölf Richter aus dem Volke nicht dazu zu ' beMgen fein werden, sich in beispielloser Weise zu einem Unrecht zu bekennen. Daß Steiger absolut u n s ch «l d i g ist, ging aus dem Geständnis O l s ch a n s N s einwani)-- srej hervor. Dieses Geständnis enthielt eine lückenlose Darstellung des Falles von dem Aufkeimen des Gedmkens' bei Olschanski, daß man 'sich anläßlich der Anwesenheit des - Staatspräsidenten gegen jedes Symbol polnischen Besitzes in Lembero wehren müsse bis zu seinem Ueberschreiien der pmißi-- ' sehen Grenze nach dem versuchten Attentat. Alles hat Ol-- ' schanski so detailliert daMstellt. daß maü nicht an- ' nebmen konnte.. es sei aus Zeitungsnotizen zusammengefabelt. Ich habe Olschanski auch selbst gesehen. Ich war zugegen, als das mit ihm ausgenommen« Protokoll des Direktors der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums verlese nun-unterfertigt wurde. Die präzise Art, mit der er jede Unstimmigkeit des Protokolls berichtigte und besorgt war, daß keine Unklarheit im Text verbleibe, zeigte jedem gewandten Kriminalisten, daß es sich nichts' um einen Mann handelt, der spintisiert, sondern um einen, der T a t sa ch e n v o 7 b r i n g t. Es komnii hinzu, daß der Kriminalkommissär Weitzel einer der. tüchtigsten ist, die wir besitzen und daß er ein ganz besonderer Spezialist, und gerichtlicher Sachverständiger aus dem Gebiete der Schußwaffen -- und der Bombenfabrikation ist. Seinen technischen Kreuz-- und . Querfragen ist kein Mensch gewachsen, der etwas exdichtet oder erfindet. Die Darstellung des Olschanski von der Zusammen'ehung der Bombe war technisch so absolut korrekt, daß sie ganz deutlich den S t.e m p e l b e r Wahrheit an sich trug. Aller Dank gebührt der P r e u ß i che n Iu st iSie hat in dieser Sache m so gewissenhafter Weise als es nur irgendwie möglich ist, ihre Pflicht erfüllt, ja sie ging über tthre Amtspflicht hinaus, denn es lag ja seitens der polni'chrn Regierung kein Ersuchen vor, in dieser Sache das Ermit'tlungs.verfahren einzulelten. Wenn die preußische Justiz trotzdem, alle Ennittlungen mit größtmöglichster Beschleunigung durchgesührt hat, so tragt sie sicherlich einen erheblicher Teil des Verdienstes daran, daß nicht ein Unschuldiger verurteilt worden ist." * Vortrag Über den Steiper-Prozeß, Ueber E'nladung der Zionistischen Sektion für die westlichen Bezirke (6. bis 8.) hat sich Herr Dr. Israel Waldmann bereit erttärr, einen Vortrag über fc« politischen Hintergrund und Verlauf des Steiger-Prozessrs ru halten. Der. Vortrag findet D i e n s 1 a g den 28 d. um 8 Uhr abends im Vereinshcim, 8. Bez.. Bennoplatz 1a, statt. Wegen der beschränkten Leiinehmerzohl sind Karten im Vorverkäufe Montag und Dienstag von halb i bis halb 6 Uhr nachmittags im Vekretariat w lösen

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