Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2449 (16.12.1925)
- Date
- 1925-12-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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©eit* L Wien. Mittwoch Wiener Morgenzeitrmg 16. Dezvmber 1935 Zer Kampf um MoM Set BSttetbmd Ur den «»Wen Staad-uutt. lEigendienst Ut „Wiener Morgmzeitrmg".) Genf, 16. Dezember. Heute miittag trat der Rat des DMvbundes zu einer geheimen Sitzung zusammen, um den Bericht tte8 Dreierkomitees über die W!ossulfrage a-nzuhören. Dieser «Bericht enthält «teroits, wie der Schwetzerifche Prchtelegrcuph aus unterrichteter Quelle erfährt, die endgültige Entscheidung in der Mostulfrage, die nunmehr tnt englischen Sinne ftstzasbehen scho'.ni. Der Rat wird d'e Eitt-scheidung Lilbvr die Mossu'!)rage nrorgen vormittags in ösfervtlicher Sitzung wahrscheinlich bsWigev. Das BöskerbundsokretaMat veröffenOcht heute einen ergänzenden Bericht zu dem Rapport des Generals Laidonner über Mossul. Dieser ergänzende Bericht stammt von dir Unterkommistion der Expedition Laidonner, die den speziellen Auftrag hatte, die Verfolgung der Nestorianer durch» die Türken zu rurterfuchen. Darnach beläuft sich die Za>hl der durch die Türken deportierten Chv'sten aujs 8000. Es unterliegt kerwM Zweifel, dgß dieser Bericht des Generäls Laidonner -dazu heiMragen hat, dir ursprünglich den Türken nicht ^geneigte St'mnmng einzelner RatSmrtglieder zu ändern, da man 'bei einer Rückgabe auch nur eines DÄes des jetzt >vcm den Engländer!: besetzten Gebietes im Vi*a?vt Mvfful neue Grausamkeit« n d« r Türken 'befürchtet. Dar Mandat über den Stof. Genf, 15. Dezember. (Schtveiz. Dep.-Ag.) Der Bölkerbundrat hat heute nachmittags die Antwort des britischen Kabinetts entgegengenommen, wodurch dieses sich verpflichtet, das Mandat überden Irak um weitere 25 Jahre zu verlLngern. Nach Entgegennahme dieser Zustimmung hat der Rat die Aufgabe der geftsetzung der Grenzen zwischen dem Irak und der Türkei endgültig beendet und das Moffulgebiet dem Irak zugesprochen. Der Beschluß wird morgen in öffentlicher Ratssitzung bekanntgegeben werden. Mau glaubt, daß der Rat den Abschluß von Wirtschaftsverträgen zwischen dem Irak und der Türkei fordern wird. Schluß der Tagung. Gens, 15. Dezember. Ter Bolkechundm «wird morgen nachmittags in seiner Schlußsitzung die letzten noch verbleibenden Arbeiten der gegenwärtigem Session erledigen. Ile Mataia-AMre. Eine ungehörige Begünstigung der Biedermannbank? lieber die öffentlich ausgestellten Behauptungen, daß die Biedermanntank Begünstigungen durch Organe der Bundesverwaltung erfahren hat, ferner zur Feststellung, ob dem Abgeordneten Tr. Mataja, dem gegenwärtigen Außenminister, von der Biedermannbank Begünstigungen zugebilligt worden sind, wurde bekanntlich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß eingesetzt, der nunmehr seinen gedruckten Bericht dem Na'.ionalrat vorlegt. Ter Untersuchungsausschuß stellte fest, daß bei der B'.e» dewannbank tatsächlich nicht unbeträchtliche Einlagen seitens des Finanzministeriums, der Bundesbahnen und der Nationalbank gemacht wurden. Alle Einlagen bei der Liedermannbarik wurden durch persönliche Interventionen des damaligen Vizepräsidenten des Instituts, Dr. Runwald, entriert. Tie Minderheit des Untersuchungsausschusses vertritt nun die Auffassung, daß mehrfache Begünstigungen der Biedermannbank bei der Veranlagung öffentlicher Gelder erfolgt sind. Eine Intervention Dr. Matajas hat nach den Feststellungen des Aukschnsies nicht stattgefunden. Er hat zweimal je 10.000 Stück Biedermannbankaktien durch Doktor Kunwald kaufen lasten. Die ersten 10.000 Stück wurden unter dem Namen Tr. Heinrich Mataja, die zweiten unter dem Namen Marie S ch m i d t bei der Biedermannbank deponiert. Tie Bezahlung der Aktien erfolgte durch Belastung des Kontos Dr. Kunwalds, doch geben beide übereinstimmend an, daß ein auf Konto Tr. Kunwalds verbuchter Eingang von 9OOO Dollar zugunsten Dr. Matajas durch die Eidgenössische Bank in Zürich geleistet worden sei. Auch an dem Emistionskurse der 4. und 5. Emission der Biedernrannbanlaktien. der auffallend niedrig war, fand die Mehrheit deS Untersuchungsausschusses nichts auszusetzen. Die Minderheit stimmte dem nicht zu und begründete ihre gegenteilig« Austastung in einem besonderen Votum. Der Kurs betrug n.i ch t einmal ein Viertel des Bö r> senkurses. Rach der Anschauung der Ausschußminderheit handle es sich zweifellos um eine im höchsten Grade leichtfertige, sachlich unbegründete und durchaus ungehörige Begünstigung der Biedermannbank. Wahrend der Untersuchung hatte der Departementsvorstand im Finanzministerium, Dr. Frank, unter anderem angegeben, die Beamten härten sich den Kopf zerbrochen, warum die Biedermannbank auf einmal bei Kapitalselozierungen beteiligt werden soll, die doch zu klein war. als daß man mit khr Mrlliardengeschafte hätte machen können. Er hätte es auch nicht getan. Tie Beamten seien nun der Meinung gewesen, daß es galt, ein christliches Unternehm e n zu berücksichtigen. Er glaube auch, daß man aus diesem Gesichtspunkt diese Bank herangezrgen habe. Auf die Frage Dr. Gürtlers, ob es nicht mehr arische als christliche geheißen habe, antwortete Dr. Frank: „Gewi ß! O d e r a r i s ch e B a n k." S« franMche Vorschub a« Seüerrei». Paris, 15. Dezember. (Ha«vas.) Die Kammerhat einen GosetzentiVurf angenommen, der eine nachträgliche- Rcoeünig Ler Oesterreich im Jahre -191.9 gewährtem Anschüsse bis zum Höchstbettag« von 200 Millionen Franken beinhaltet. Ser Fall Vraßtoff vor dem SKMiuargiricht. Am Montag trat an der Wiener Universität das vom Akademischen Senat eingesetzte Disziplinargericht, das sich mit dem Fall des Prosestors Tr. Braßloff zu befassen hat, unter dem Vorsitz des Prosestors Tr. Schwind zu» fammen. Dem Disziplinargericht gehören an: die Professoren Schaffer, Much. Doller, Hugelmann, Mayer, Goldmann und Joseph. Als Anwalt des Staates fungiert Tr. Kost!er. Der angeklagte alademrsche Lehrer hat als Verteidiger den sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Eisler bestellt. Das Urteil des Disziplinargerichtes dürste in den nächsten Tagen ersließen. Professor Braßloff wird beschuldigt, in seinen Vorlesungen über römisches Recht an der Wiener Universität frivole Aeußerungen getan zu haben, die geeignet gewesen seien, „das sittliche Empfinden der Hörerschaft zu verletzen". Ter Anwalt der DiSziplinarkommission, Professor Kästler, lehrt Kirchenrecht. Sie Wahlen in der Tschechoslowakei. Eine Beschwerde der jüdischen Partei an den Wahlgerichtshof. Äus Prag, wird nnS berichtet: Die Wische Partei hat wegen der ungesetzlichen Vorgänge hi den Wahlen im Wahlkreis 22 (Karpathorußland) Beschwerde an daS Wahlgericht erhaben. Dem umfangreichen Schriftsatz, -er 20 Beschwerdepunkte nebst zahlreichen Beweisstücken ansülhrt, ist zu entnehmen, daß die Partei vornehmlich gegen den' Nzxgouverneur Rozsypal und dessen Organe Klage erhebt, die daraus auLgiugen, jüdische Mandate im Parlaments verhindern oder, wie dies der ,Ienkov" ausgedrückt hat, „die drohende Gefahr der Bereinigung aller Juden in einem Lager und die Bildung einer neuen nationalen Minderheit unmöglich zu machen". Es werden eine Reihe von Fällen angeführt, in denen der Zupan von Sevljus, der Stuhlrichter von Jirsava, der Zupan von M u n ka c, -er Stuhlvichker von Teresva, der Notar von Kluezarski u. a. in die Wahlen aus ungesetzliche Art eingegriffen hätten, indem -sie entweder die Juden, sofern sie für die jüdische Partei (Liste 28) stimmen sollten, mit Wegnahme van Lizenzen und Trafiken bedrohten oder ihnen d?e Wahl dieser Liste als etwas „Staatsfeindliches" hinstellten oder ftgar während des Wahlaktes fälschlich die Zurücknahme der Liste 28 verkündeten. DaS weiteren wird mitgeteilt, daß in die vom Gesetz vorgeschriebene Erklärung der Kandidaten in einem Falle sogar zwei Namen <!Meinberger und Mermelstern) von einer AmkSstelle hineingefälscht wurden und daß -er Vizegouverneur von Uzhowd dem Vertreter der agudfftvschw WirtschaftSpartei einen Betrag von 100.000 tschech. K. übergab. Aus allen diesen Gründen wird das Wahlgericht ausgefordert, ine Wahl im 22. Wahlbezirk scwie das gesamte zweite und dritte Strutinium der Wahlen zu annullieren. In seiner von uns bereits kurz mitgeteilten Rede im Prager Stadtrat sagte Dr. Ludwig Singer unter anderem: „Was sollen wir dazu sagen, wenn das Innenministerium and insbesondere der Min! st er deS Jnneru unsere Autorität dadurch untergräbt, daß er künstlich die Wahl unserer Vertreter m die gesetzgebende Versammlung in einer Weise unmöglich macht, die ein rechtlich denkender Staatsbürger schwer zu begreifen vermag? Mas sagt man dazu, wenn der Minister des Innern sich mit den orthodoxen Rabbinern an euren T.sch setzt und mit ihnen die Kandidatur gegen unsere jüdische Partei unter dem Ramien „jüdische Wirtschafts- Partei" bespricht zu dem Zweck, damit unsere Wahl in Karpathoruß'and unmöglich gemacht werde, wo emöglich, ja sogar sicher war, ein Mandat zu erreichen und somit auch die Grundlage für die Wahl im zweiten Strutinium zu schaden, und wenn diese Leute Beträge von Hunderttausenden erhalten, bloß zu dem Zweck, daß sie die unter unserer Führung und mit den durch uns bestimmten Kandidaten durchgesührten Wahlen vereiteln? Was soll man dazu sagen, daß sich Herr Minister Malypetr mit den Rabbinern zusammensetzt, von denen einer zur Zeit des Krieges mit einer Botschaft Tis za s nach Amerika gefahren ist, damit er dort den Einfluß der,Juderi.schcck für den sterbenden ungarischen Staat gewiirne? Nr. 2440 AKADEMISCHER LAHDESVERBAND (Un Weltverbaml i'on.Hoch- Morgen Donnerstag den 17. Dezember spricht m Lokale der Lese* und Redeballe jflrt, Hochscb ler, 'X.Jflrkenstrasse 0, Herr ADOLF SÖHN Pris. der Landeskommission des Keren Kajemeth für Oesterr, über das Thema Beginn präz. l/t8 Uhr / |tid. Hoch Schüler sind gerne willkommen Sie internotionale Wlktschaflskonlerenz. Genf, 15. Tezeniber. (TeL-Kiomp.) In der heutigen Nachmitw>iSsitzung des Vö.'ilerbultvdrates erstattete $ ymanS (BAg'en) dm Ber'cht über die Einberufung des vorbereitenden Komitees fiur d'i e internationale WirtschaftSkonferenz. Ter Bericht schlägt tot,' daS vorbereitende Komitee nicht aus RaMrungsvevlochevu, sondern aus Sachverständigen zrchvmmeiHusitzeH die das Programm, die Zusammensetzung und die Geschäftsordnung fcwie das DatUlM des Zllisauvmentretens der W«r t s cha f t s k o nse rv n g beraten und dom BvKrbnndvat Vorschläge darüber unterbreiten sollen. Die Mlitglieder des vorbereitenden Krmi'itres sollen nach ihrer persönlichen Eignung ans den technischen Organ>ifationen tzeS VölkerbundrS und des internationalen ArbsitSamtet ausgewählt werden. Außerdem sollen PevsonliHkeiten aus dem industriellen, landwirtschaftlichen und kommerziellen Leben herangeziegen wetven, nebst PerfönlichLeiben, deren wissenschaftliche Qua-lisikation aus wirtschaMichem Gebiete -sie für die Aufgaben der Wivti'chastskonferonz geegnet erscheinen läßt, und schließlich Vertreter der Arbeiter und der Berbraucherkreise. DaS K-omitee soll berechtigt sein, MehrhMbeschlüste zu fasten. Der Bölkerbundrat bildet überdies ein bssou- ,ders Komitee, in welches d'e Regierungen d:r -im Rat vertretemrv Staaten andi-ve Persönl'chkeiten, als die gcwöhnli-chen Ratsvertreter entsenden dürfen. Dieses Konritee verfolgt die Arbeiten des vorbereitenden Komitees und soll dem vorbereitenden Komitoe Richtlinl>.n geben, die zur Erfüllung der Aufgaben beitragen können. DaS vorbere'itende SwatSsekretärS Petrichevich-Horvath einbringen. auf ^welchen Gebieten die wirtschaftlichen Schlvi>:.vig!)ört>m' internationalen Charaktier «halben und praktische Lösungen im Hinbick auf den Endecholg in Aussicht genommen werden können. Ter Bericht Hy-mans wurde einstimmig angenommen. _ Set Numerus clausus. Budapest, 16. Dezember. (Deil.-Komp.) Abgeordneiier Tibor Eckhardt wird in der SamStvgsitzung de's Parlaments ein« neu« Interpellation über den Fall des Staatssekretärs Petrichovich-Horvoth einbringen welche dem Ne-rnie'hM'N nach Mnisterpräsident Grass B e t h l e n selihst 'beantworten wird. Gras B e t h l e n ist bestrebt, eine einheitliche Stellungnahme der Rogi-evungspariei zu Vor Ang'elegenheit herbeizuführen, da d'e völikischen Augrrfs« gegen den StaatSisokretär seiner Ansicht nach im Grunde genommen gegen die Regierung gerichtet feien.. Der morgige Jnterpellationstag >d:ir Nvticmlverfammilung dürfte sehr bewegt verlmdsen, da einige senfat'imelle J,nterPellatione.n angemeldet sind. Der sttzicödemokratische Abgeordnee-te Petzer wird di« Regierung wegen der Abschaffung deS Numerus claus n s, der demokratische Abgeordnete Szilagyi tvcgen der Affä-re dos Generals Ujisalsfy, bom wegen seinen sozialdemokratischen Ueberzeugung die Pension gestrichen wurde, interpellieren. Die Genfer Entscheidungen in der Frage des Numerus clausus scheinen Mvigens zu weitgehenden Folger u ngen zu führen. Die Rassenischühl«er mit GömbäS an der Spitze, bereiten große De mon strationen für Kultusministe-r Graf Klebelsderg vo^ wogegen ciit^elnc EinbeitSparteiier den Standpunkt, Graf KlelbelSberg in Gens oinnahm, mißbilligen. Sie VrLdll Bumat. Berlin, 15. Dezember. (Tel.-Komp.) In d'er heutige« Sitzung deS Preußischen Landtages wurde mitgeteilt, d^ß daS Verfahren gegen Julius Barmat noch nicht eingestellt sei. Dagegen wurde daS Verfahren gegen die Brüder David und Isaak Barmat, für deren Schuld ein Beweis nicht zu erbringen war. eingestellt. Die beiden Brüder haben sich n a ch Holland begcbci'. Set shtische Aulftavd. Reue Kämpfe bei Damaskus. Paris, 15. Dezember. Nach einer Meldung i>w Ageudk Havas aus Beirut ist bei Damaskus eine fwuWschv Truppenatbwiilung, die büson-ders a u sT scherte iss e n> bestand, gestevn nachmiittags von Aulständlischrn angegriffen worden. 2>ü:i[« follen 50 Tote verloren haen. In DamMus fei alles ruhig. Jüdische Hilft für syrische Flüchtlinge. Jevusalcm, 9. DeAtmlber. Di« Hada ssa h und di« Kupath C h o l i m (Arberterkrankenkasi«), die in M etu llah und Kfa r G ileadi Lmzt!>iche Beamte und «ins mediKinifchs Station unterhallten, ha'ben chre Beamten angewiesen, .den syrischen Flüchtlingen in dieser Gegmd, soweit «Äardertich^ ärztliche >M!e zu leisten.