Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2448 (15.12.1925)
- Date
- 1925-12-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Men, Dreu'stag Wiener MorqenzeiLung Dss Neweisverfahrkilim Steiger-Prozeß geschloffen. MWnchMMll «Mzenden Beweiranttiige durch den SerWshss. — Ar Schuldfragrn. (von unserem Lemberger «.-Korrespondenten.) Lemberg, 14. Dezember. Die heutige Verhmblung int Weiger-Prozeß brachte den lange erwarteten Abschluß des [ Beweisvsvfchrens; somit tritt der Prozeß in seine letzte entscheidende Phase, - Äu Kamps Livischen Anklage und Verteidigung über die Schuld des Rechtshörers Stanislaus Steiger an -dem Lemüerger Attentat. Die letzte Offensive, die der Staatsanwalt anr Samstag begonnen hatte, ist nicht geglückt, wohl dlesWb, weil das Gericht die Argumente der Straße nicht tu den Berhandluugssaal eindvingen lassen tvollte. Verteidiger Dr. Ringe I, der als erster das Wort ergriff, protestierte gegen den Antrag des Staatsanwaltes auf Verlesung der Akten aus dem Mititin-Kornhaber Prozeß, aus denen der Staatsanwalt beweisen will, daß Mikitin, also auch Olschonski, mit Geld zu falschen Aussagen gedungen worden feien. Dr. Ringel erklärte, mit V e rl c u ntd ungen könne man eine 'Sache von so hoher Wichtigkeit rächt führen, und wies daraus hin, daß Mikitin seine Behauptung, er habe für seine Aussagen Geld erljalten, im Kornhaber-Prozeß selbst widerrufen habe, woraus auch sämtliche jüdischen Bürger, die damals unter der Anklage zur Verleitung .der falschen Zeugenaussage standen, frei gesprochen wurden. Jede andere Auslegung im Kornhaber- Prozeß sei unrichtig und auch unhaltbar. Staatsanwalt Hryniwiccki legte gegen das von Doktor Ringel gebrauchte Wort „Verleumdung" Protest ein und' erklärte, sein Amt stehe zu hoch, als daß er zu Verleumdungen Zuflucht nehmen müßte. Es kaut zu ciuer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Staatsanwalt und der Verteidigung, die dann durch eine Rede des Verteidigers Dr. Landau ihr Ende fand. Dieser erklärte, Dr. Ringels Ausdruck beziehe sich nicht auf die Staatsamvaltfchast, sondern auf jene H e tz e r, die zuerst das Märchen von der erkauften Aussage Olschanskis in die Welt gesetzt haben; bekanntlich ist diese zu Hetzzwecken erfundene Behauptung zuerst in dem Lemberger natiomldentokratischen Organ „Slowr> polskie" erschienen. Dü'Landau wies daraus hin, daß durch die Hetze der Presse eine gefährliche S t immung geschaffen lrverde und verlangte, daß der Prozeß unbekümmert um alle Einflüsse von außen in Ruhe und Ordnung sein Ende finde. Für -den Fall, <tl§ der Gerichtshof beschließen sollte, dem Antrag -des Staatsanwaltes auf Verlesung der Akten aus dem Kornhaber-Mckitin-Prozeß stattzugeben, verlange die Verteidigung die Vorladung der Angeklgten dieses Prozesses', der Herren Kornhabe% Jäger, Glasrnann tu a. als Zeugen. Ferner stellte Dr. Landau gegenüber dem Samstagantrag des Staatsanwaltes, einen Gegenzeugen gegen die Aussagen des ukrainischen Führers Dr. Baczhnski einzuvernehmen, den Gegenantrag, den Freund Doktor Ba^ynskis, den Advokaten Dr. Rawitsch, bet, wie BaczyMl in seiner Aussage selbst angab, von ihm über das, was er wußte, orientiert gewesen war, als Zeugen einzuvernchmen; da Dr. Rawitsch krank zu Bette liege, möge mit ihm ein schriftliches Protokoll ausgenommen werden. *ie LorsraMptkilge beim Mlerbimd depmittt. Genf, 14. Dezember. (Schweiz. Dep.-Ag.) Heute vorinittags wurde. int Volkerbundsekretariat der Vertrag v o nL o c a r no mit den übrigen dazu gelhövigKN Mkonmten feierlich deponiert. C h a mberlain wtes in einer Ansprache auf die große Be-dmtüng der Verträge von Loearno hin. 8« MiMch«b»l»arisÄe Konftitt wm WkrrbMdrat Hieltet. Genf, 14. Dozeimber. . (Schweiz. Deip.-M.) Der gri-rchisch-bulgarische Zwischenfall hat in der heutigen Sitzung des Völ'kerb undrates seine d-esinitivo Erledigu ng gesunden. C hamberlain legte einen Giericht vor, der von >den Vertretern der beiden R-egiemngen Kalfow omb Rendis genehmigt wurde und dem der Bölkechundrat einstimmig zustimmte. Danach verpflichtet sich Griechenland, -iu-iterhalb einer Frist von zwei Mvträte n dreißig Millionen Lewa an Bulgarien zu 'bezahlen. Der Bericht stellt fest, Gri-echenl a n d habe gehandelt, ohne vorher zu beden'ieu, daß es als Bölkerbundmitglied nicht berechtigt sei, in isremdes >Gelbwt mit Waffengewalt einzudringen. Der Völkevbundrat stimmt den Gmpfchlwngen militärischer u nd Pol it ischer Natur des Expertenberichtes zu, darunter auch der Reorganisierung der Grenzposten mit Hilfe schwedischer '.Offiziere. *. , Der französische Vertreter tm VAikerbundrat Paul Boneottr wies bei dieser Gelegenheit auf die juridische Tragw'eite des Entscheides hin, welcher ein Präjudiz schätze. Er betonte., die Wichtigkeit der 'An-' ivestnrheit.neutraler Offiziere zur Bor-bengung späterer Nach einer längeren Bemtu^ng verkündete der Vorsitzende Oberlandes^ richtsrat Franke, daß das Gericht beschlossen habe, sämtliche vom 'Staatsanwalt und vion der Verteidigung eingebrachten orgänzenderr Bewe'lsanträge als unerheblich a b z u l e h n e n. Hievauis erklärte der Vorsitzende: Das Beweisverfcchren ist geschlossen. Das Gericht hat besch lossen, ' den Gosch warnenz w e i Hauptfragen und eine Nebenfrage vorzulegen, -und zivar: Erste Hauptfrage: Ist Stanislaus Steiger schuldig, am 5. September 1924, nachmittags, eine Bombe gegen den Wagen des am Marienplatz, Ecke Legionenstratze, vorbeifahrenden Präsidenten der polnischen Republik Wojeiechowski geschleudert zu haben in der Absicht, den Staatspräsidenten zu töten, welche Absicht nur durch eine« Zufall nicht verwirklicht wurde? Zweite Hauptfrage: Ist Stanislaus Steiger schuldig, durch die Verwendung einer Bombe mit Explosivstoffen auch das Leben anderer Personen gefährdet zu haben? Nebenfrage: Hat Steiger seine Tat in besonders tückischer und hinterhältiger Weise begangen? Namens der .Verteidigung protestierte Dr. Ringel gegen die dritte Frage, indem er darauf hinwies, daß sie überflüssig fei, da bk Anklage auf tückischen Mord lautet. Menu die Anklage aufrcchterhalten wurde, so muß dies mit voller K o useq u -e n z geschehen. Doktor Ringel verlangte die Stre ichung der dritten Frage, die jedoch vom Gerichtshof abgelehnt wurde. Hierauf wurde die Verhandlung g c s dj l o >s s c n. Margen wird der Staatsanwalt sein Plaidoyer halten, worauf der Angeklagte Steiger das Schlußwort erhält; übermorgen wird im Namen der Verteidigung Dr. Löwen stein für den' Angeklagten plädieren. Das Urteil dürfte noch Mittwoch gefällt werden. Eine dementierte „diplomatische" Steiger- Affäre. Der Wiener „Tag" hat kürzlich — angeblich aus Mitteilungen eines Warschauer Blattes — von einem „diplomatischen K o n s 11 k t" berichtet, der zwischen Oesterreich und Polen.im Zusammenhang mit dem Steiger-Prozeß entstanden sein soll. Nach diesem Bericht lhätte Poligeipräsiden-t Schober beim BuMsminister Dr. Ma t a ja über die p olitis che Gesan d5schaft in Wien wegen deren Verhaltens zu Feiststellungen der Wiener Polizei in Angelegenheit des erwähnten Prozesses Beschwerde geführt. Der österreich'jsche Gesandte in Warschau habe in der gleichen- Angelegenheit -eine Note an die polnische Regierung gerichtet. Hiezu wird amtlich festgestellt: Weder hat Präsident S chober einen Schritt wie den gemeldeten beim BundesmiMster Dr. Matasa unternonrmen, noch hat die polnische Gesandtschaft zu einem solchen Schritt Veranlassung geboten, noch auch äst in Warschau in dieser Augelegeuheit eine österreichische Note überreicht worden. Der Bericht eutbchrt daher jeglicher Gundlage. Konflikte und wies auf die Bedeutung der V e r st ä n d igungsko-mMission unter der Leitung der Volkerbundorgane hin, die -in Aktion trat, sobaN zwischen den Grenzposten eine Verständigung unmöglich geworden sei. Ae Wirtschllstskonferenz. Der BötterbMdrat setzt ein vorbereitendes Komitee ein. Genf, 14. Dezember. (Schweiz. D>ep.-Ag.) Bezüglich des von L o n ch e u r namens der französischen Mgieru-ng gestellten Antrages auf Einberufung einer interu-ntionalen W i r t s ch a f t s k o n if. e r e n z zur HerbeifülMug normaler Verhältnisse im Wirtschaftsleben, die geeignet seien, gewisse tiefere Ursachen bommender -Kriege aufziuhÄen, nahm der Völkerbundrat heute eine Mitteilung der fra-nzöstschen Regierung über die Bildung eines vorbereitenden Komitees entgegen und beschloß nach einem Bericht Hymans, ein Sachverständigenkomite-:. zur Vorbereitung einer solchen Konferenz einznArusen. Me Mfe.. New-Tork,'14. Dezember kTel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.85, London Sweck 4.80l/4# Amsterdam 40.17, Parts 3 60V* Brüssel 4.52V,, Non» 4.04. Madrid 14.20. Zürich 19.28, Stockholm 26 76 Oslo 80 32 Kopenhagen 24.88 Wien 14*/„, Budavest UVto Prag 296V*. Belgrad 1.77V*, Athen i.%% Buenos Aires 41V,. Rio de Janeiro 14.10 Bukarest 4ßVä. Rew-Borb, 14. Dezember. iTel.-Komv.Weizen rot Winter 184°/* Weizen hart Winter \ 86'/,. Mais 62, Hafer 61?/,, Roggen 180% Chikugo, U. Dezember. lTel.-Komv.) Weizen per Dezember 17772, Mat 173V* Juli 174; Mais ver Dezember 77, Mai 887si Juli So»/*; Hafer ver Dezember 40B/* Mai 445/g, Juli 45; Roggen her Dezember 96. Mai 1037», Juli 102. 1Z. Dezembe r IM Seite LÖWEN FRANZBRANHTWIIN MIT MENTHOL wird mit bestem Erfolge bei Rheumatismus, Gtiederschwäche, Gicht, Mattigkeit, Kreuzschmerzen, Migräne und in tausend anderen Fällen verwendet Achten Sie auf die Schutzmarkei In Originalflaschen überall erhältlich Schutzmarke Gesetzt, gesch. Erzeuger: Alexander Kalmar, Wien, II. Nordbahnhof Louchems FmaWAlwAe «bgelehnt. .Am Firranzausschufr dev französischen Kammer. Paris, 14. Dezember. (Havas.) Der Finatlzausschuß der Kammer hat mit 15 gegen 6 Stimmen einen Antrag des sozialistischen Ausschußmitglivdes R en a u d e l angenommen, wonach die F i n a n 3 e tt twürse betreffend die neuen Steuern und über die Schaffung einer Attlortisaiiorlskasse an die Regi er u n g z u r ü ck g e l e i t e t werden. (Damit ist Loucheur Wohl im Kabinett Briand als Finanzinitlister nicht m-chr zu halten. — Die Red.) Ser Krieg der Ehm. Eine Erklämmg de Jouvenels. London, 13. Dezember. Das Rsutersche Bureau aus Beirut: Der neue französtsche Oberlommissär de I 0 u v -e n -e l eMärte, in g a n z S y r i e n, ait.it Ausnahme des Bezirkes von Damaskus und abgesehen vom Dj ebe ld ru s, wo eine kleine M i n d e r h e i t nicht gegen Frankreich, sondern gegen Sy-rie n Krieg- .führe, herrsche Rahe. Bei seiner'Ankunft in Aleppo Hube eine große Kundgebung für di'e T r e n u tt it g A l e p P -os 2 0 w Dawasku's swttgchmden. Das sei das Ergebnis des Bruderkrieges. Ein Bandenführer, der im TschMl.viertel von Damaskus operiert, habe an ein örtliches Blatt einen Brief gerichtet, worin er Mart, daß er vierzig Mann abgeordnet habe, um de Jiouvenel den Kopf abzufchlagen. Das sei Syriens Antwort aus seine Rehe. Sie paiäWensische Nordgcenze. . Jerusalem, 10. Dezember. Me bereits mchrfach berichtet, haben^ sowohl die englische wie auch die palästinensische Regierung beruhigende Erklärungen über die Sicherheit in . Palästina und das Nichtübergreiferr des syrischen Aufstandes abgeigeben. In den jüdischen Siedlungen m Obergaliläa machen sich -die Unruhen jens-oits der palästütmsisch-syr-ischen Grenze tatsächlich nicht b em e r k b a r. Trotz .des nahen Schauplatzes der Unruhen zwisclM dem Hermon und dein Litanffluß setzen Metullah wie auch Ksar Gilradi und Tel- Chaj ihre tägliche Arbeit fort. Die Verstärkung der palästinensischen Grenzposten bei Metullah hatte oi-ne-n beruhigenden Einfluß auf diese Kolonie. Bei Halsa ‘iinim eine Schwadron palästinensischer tebatw^i postiert, dir derr lbeiden abgelegenen jüdischen Arbeitersiedlurigen iint Nots«ll Schutz gewahren soll. Man arbeitet jetzt. intensiv an der Verbesserung der Straße von Rasch Pin-ah nach Metullah, die bisher bei Regewvetter tatsächlich für den Wagenverkchr unbrauchbar war. Die Justaudsetzung dieses Weges, die das Public Works Dep-artement und die Militärbehörden gemeinsam in die Hand gemommen haben, wird Dr die Siedlungen an dem äußersten Punkt Galiläas die so oft verlangte bessere Ber« Lindung schaffen. Außerdem erhält. Metullcch, wie von uns 'bereits berichtet, Telephonverbindung mit Rosch^Pinah und weiter mit dem ganzen Lande. Kolonel K i s ch hat im Anschluß an seine Unterredung mit Lord Plumer, der zu-, sammensassend erklärte, er werde sich zunächst selbst nach Nordpalästina begeben, Ksar G i l e a d i und Metullah einen Besuch äbgfftattet, wo er voMmdige. Ruhr und zuversichtlich' Stimmuu'g vorfand. Bor einer ingoslawistze« KabinettzWe? Belgrad, 14. Dezember. (Tel.-Kontp.) Spät abends verbrei« tete sich heute in Politischen Kreisen die Nachricht, daß alle radikalen Kabinettsmitglieder, mit Ausnahme des'Verkehrsministers, dein Ministerpräsidenten Pasic ihre Portefeuilles zur Verfügung 1teIIeu wollen.' D^s Demissionsangeliot der radikalen Minister wird mit ihrer Unzusriedenheit mit der Regieruugspolitik motiviert. Di: Nachricht hat in'Belgrad großes Aussehen erregt. Nähere E-u-sil'"'-"". stehen zur Stunde noch aus.