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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-13 · Heft 2446 (13.12.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2446 (13.12.1925)
Date
1925-12-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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(Seite 6 Wen, Sonntag , Wiener Morgen,eit«»« Sie Hetze gegen Pros. Bratzloff. Dr- Schönbauer klagt die „Wiener Morgenzeitung". Der laudbündlerische Abgeordnete Dr. Schönbau er. Extraordinarius für römisches Recht an der Wiener Universität, regte sich in der gestrigen National-ratsst^ung darÄer auf, daß von einem Falle Braßtosf- Schon ibauer gesprochen werde. Dadurch werde jene Verdächtigung mancher gewissenloser B.ätter -unterstützt, daß er (Schön-bauer) die Disziplinaru ntersuchung gegen seinen Kollegen Braß.vsifangezettelt habe. Braß^fs und er hätten niemals auch nur eine Spur eines Zusammenstoßes gehabt, niemals hätte Feindse.'-igkeit zwischen beiden brstanden. Es fei eine Verdächtigung, den Fall fo darzustellen, als ob Braß! off und Schönbauer zwei Bewerber um eine Lehrkanzel wären und einer de>n anderen wegzudrängm versuchte, als ob die Disziplinär- Untersuchung ein Mittel dazu wäre, um den einen, der zufällig Jude ist, wogzudrängen. Er «habe darum gegen die „W i e ne r M orgenze i t u ng", die das offen eMärt habe, Strafa ntrag -bemr Landesgericht gestellt. Abg. Leuth ner machte Dr. Schönbauer darauf aufmerksam, daß er sich zwar sehr ausführlich mit allen möglichen Zeitungen beschäftigt, aber kein Wort von der „Dewtschcstevreichischen Tageszeitung" gesprochen fafcc, die sehr ausgeprägte Sympathien für den Landbund zeige und die allerinfamsten und verleumderischesten Artikel über den Fall Braßloff bringe. Gerade weil dieses Bätt Dr. Scho n bauer gegenüber eine sympathische Stellung einnimmt und er dadurch in eine seltsame Nähe zu diesem Blatte kommt, Me ihn das veranlassen müssen, dieses Blatt al^wschütteln. Irr MrrrlchvmlM« Sber dke Stvdwtennational. Krawall im Nationalrat. | Berufen Sie sich auf dieses I Sonder-Weihnachtrangebot denn Sie erhalten trotz dieser Soniierpreile noch 57. NACHLASS ohne Klasetteinrichtang 24*— mit Klosetteinrichiwng § 26. SO hKGIENISCHES , SCHRE1BP SO.ND e k»-Pö 5 IS£ s Den Auftakt zur gestrigen Nationalratssitzung, in der das Kultus- und Unterrichsbudget zu Ende beraten wurde, bildete eine wüste Schrmpforgie der Sozialdemokraten, die den Grcßdeutfchen Zarboch nicht sprechen lassen wollten, weil er seinerzeit den Wiener Schulinspeklor Deisinger fälschlich beschulet hatte, bei einer Ausstellung von Schülerarbeiten seine eigenen Arbeiten als die der Schüler auszugeben, Zgvboch hatte biefc Beschuldigung nicht zurückgezogen, weshalb ihn gestern die Sozialdemokraten Verleumder, Ehrabschneider, Lump, Schandkerl" und dergleichen titulierten und schließlich, nachdem ter. Präsident ein halbes Dutzend Ordnungsrufe ausgelellt hatte, den S a a l mit der Erklärung verließen, sie wollen diesen Schandkerl nicht anhören. Zarboch hielt eine ellenlange Rede und zog am Schlüsse die Beschuldigung gegen Deisinger zurück. Gegen Ende der Sitzung gab es eine eü.vas schwächere WiderhÄung dieser Szene, als Abgeordneter G l ö ck e l Normals auf den Fall Deisinger zu sprechen kam. Abgeordneter Schiegl rief Zarboch zu: ,-Sie sind ein Verleumder." Zarboch erwiderte: „Und Sie sind ein Halb narr!" Schiegl replizierte: ,/Und Sie sind ein ganzer Schuft!" Unterr'chtsminisier Dr. Schneider gab abermals -feine Stellungnahme zu den Studentennationen und -Kammern bekannt. Eine Anerkennung irgend einer solchen Organisation durch die Unterrichts- Verwaltung habe niemals staitgefunden. Wenn sich jedoch an den Hochschulen mehr oder minder umfassende Gruppen der Studierenden in irgend einer gegen kein Gesetz verstoßenden Form zusammensch'ließen, um st u de'n 1 i s ch e B e la n ge zu wahren, so habe er, so lange hiedurch nicht verfassungsmäßig gewährleistete Rechte anderer Gruppen oder von Einzelpersonen verletzt werden, weder Anlaß noch auch eine gesetzliche Handhabe, hiegegen einzuschreiten. Das unmittelbare Aufsichtsrecht über solche Bildungen stöbe den akademischen Behörden zu. Wenn die Rektoren es für Zweckmäßig erachten, mit der einen oder anderen Studentengruppe zu verhandeln, so sei vom Standpunkt der Gesetzlichkeit, so lange keine fremden Rechte hiedurch verletzt werden, nichts hiegegen z u erinnern. Nächste Sitzung: Montag um 3 Uhr nachmittags. Mietennovelle oder Anfordenmqrsese-? Ein offener Brief des Bürgermeisters. , Bürgermeister Seitz hat gestern an den Bundeskäuzler ein Schreiben gerichtet, in dem die Wirkungen der Auishebung des Anforderungsgesetzes auf die Wiener A^hnverhältmsse geschild.'rt werden und verlangt wird, daß die Regierung noch in letzter Stunde alles daran'etzen rnöze. den Fortbestand d'eses Gesetzes zu erwirken. Als Folgen des Ablaufes der. Geltung des Anfordrrungsgesee's sei bei den breiten Massen die höchste E-rregu ng zu -befürchten, denn zu allen anderen Men des Tages käme teils die tatsächliche. Obdachlosigkeit, teils die Unmogl'ichkeit, eine andere Wohnung zu finden. Sollte es der Regierung nicht möglich sein, den Fortibestand des Gesetzes zu erwirken, so müßte der Bürgermeister jede Verantwortung für die sozialen Folgen ahlehnen, die aus der so leicht zu vermeidenden und' unnötigen Verschärfung der Notlage der Bevölkerung entspringen. Ten Standpunkt, den die Majovitä-tsparteien in dieser Frage einnehmen, skizzierte vorgestern Dr. Seipel in einer Liegestakl JJdeat* mit Armlehnen. . . S 9.-~ mH Beinstütze . , . . . . . . ,S 15,— Ein Griff ■,•4.;ei» Beitj Fauteuils» Ja Ausführung V . . . . . S 230, — Stahlrohrbett mit lä Drahteinsatx, . i S 59.80 Stahlrohr-ESnderbeU nuJaDrahteinsatz S 59,80 Messingbetten mit Ja Drahteinsatx . , S 135, — Paten i*M0be1|tbrfk R. JAEKEL’S NACHF. Wien, VI , MarlahUfetihraue 11 Bersammltlngsrede. Er beklagte etz, daß die Sozialldomv-, traten dem Rus nach einer zeitgemäßen Rchorin des Mietenges-etzes eine bloße Negation entgegenhalten. Die Mehrheits-Parteien finden nun, es gebe verschiedene Methoden, um die W a n d, die die Sltzialdemrikraten jeder Auswertung entgegenstellen, zu durchbrechen: Entweder die Verhandlung der Mietengesetzvorlage oder das Ablaufenlassen des Anford e r u n g s g e s e tz e s. Auf die eine oder die andere Weise wird sie durchstoßen werden und dann kommen wir gewiß zu einer vernünftigen und Ar alle erträglichen Ordnung des Wohnungswesens. Oie Vmdrrih'atek nni öladtrat Nreltner. Dem Bernchlme-n mch -inte-vessi-eren sich für. die beiden Gmckescheater (Oper und BWvMheatn) gewisse private Kreise, die mit konkreten Antboten hervortraten, als bäuEche, Mgevrdmte während der Bu'dget'^ralMg gegen eine weitere Subventionierung diese-r Bühnen vmiitvaien. Die Mchchoitsparteiien halben nun gestern. ian Na- 'tionalvat den Antrag gestellt, daß der Bund an der st Lattichen Bewirtschaftung der be-i'den Bmckescheater «unbedingt festzuhalten ha>be. Um die hlosür not», weitdigen Erfordernisse heva-btzudrückon, möge die Regiermvg mir! dem BundeAande Wien VechanÄlungen emletten, damit die Gemeinde Wien aus die Abstattung der Lustbarkeetsabgabc durch die Bundesllhea-ter Verzicht leiste. A>i,g. Dr. Ellenbogen vvvlärte sich namens der Sozialdemokraten mit dem ersten Teil dieses Antrages einverstanden, der sohin am Dienstag einstimmig angenommen werden wird. Der zweite Teil des Antrages stelle jedoch den Ausdruck der Verlegenheit dar, -kt der sich die Mehrheit angesichts der Bcha-Mimg des Problems der Bu-nvescheater und des bet diesen mrijscheinenden Defizits befindet. Me einseilige Art der Deihand'tnng der Frage tMß bei du Sozia-Delnvkwten gewisse Bedentken herwrrutsen, weAhüöb sie für den Ztveiten Teil des Antrages nicht stimmen können. BorWerstatter Volker öoinevkt: Gestern halbe ich mich an die Einsicht aller Angestellten der Bundescheaier gewendet^ hsut^ wende ich mich als Referent an die Einsicht der B er w all t-ung Wiens, sie möge in beZu-g auf die BundestlheOer knltuüsiördernd miAWen. Wo ein Mille ist, Mrtz sich Mch ein Weg finden! 18. Dezember IM Ni. Sm ff——I «f i ’W .. - ' II»II—I—W—I—»-■II m» Die Stadtbahn. Remmuge» und Verbcsseningett. i Bssobürgermeiste-r Emmerling machte gestem beü Vertretern der Wiener Presse Mitte'ilnngon über bevor- , sichende Neuerungen im Betriebe der elektrischeu Stadtbahn, die durch die m ver letzten Zeit emgetreiene gesteigerte..Frequenz tlmwendiig wuchen. Um -dom fahrenden Puibldkum die Oaientiierung zu evleichtern, wecken i aus den Perrons und in den Waggons Netzplä-n« nick Haltestellenver^eichnisse angchracht worden. Um das Fahrziol d« Züge besser kennMch zu machen, werden, so wie dies bei der alten Stadvbahn der Fall war, T rsel n hochgezogen wecken, , die am Aiend zu beleuchten sind. MeHach wirb auch darüber! KLage gsführt, daß die Ranch er wagen von außen nicht deuÄich als sollche kennbar sind. Dem wird durch große Taseln > abgchüüfen wecken. Für die Passagiere werden gesonderte Ein- und Ausgange geschaffen werden. Geplant ist ferner, daß die stark ftequentiierckn Halte- 'stellen mit Kassiermne-n besetzt werden, mn den Fahrgästen jeden Ansenthalt an Vor Sperre zu ersparen. Was daö Türschloß anlangt, so wick di« Diröktion weiter die Bevölkerung -durch eidliche Davstellungeir aus den Perrons und in.dorr Wagon selbst ans die Betätigung des DüvschlosseS auisinecksanr machen. Bei einer Schnelllb-ahn ist im Interesse der körperlichen Sichecheit der Fahrgäste sine solche Dorrichwng un- «trläMch. Eine weitere Neuerung, di« bereits in den nächsten Lagen in Kraft tritt, bestcht darin, daß die Zussabferdiger durch ein Psaifensignail die MscchM anzöigm werden. .Die Fahrscheinmarkiornngen werden ebenfalls grundlegend geändert. Ort, Zeit und Datum der Karten« i Benützung tverden durch verschickenartige Lochungen (Dreieck,! Quadrat, Blattsorm usw.) genauest sestgchalten, wodurch Mtzbränchen vor gebeugt wecken soll. Einer wetteren Beschwerde, daß di« GüntMnie kein« direkte Verbindung mit . Hüttoldors oder Hietzing hat und man «Ist in Meidling wm* ' steigen mutz, wick dadurch begegnet wecken, daß direkt« Züge von H-ütteidors auf den Gürtekl geiführt wecken. %\t Arbkit des Tages. Von mol] Pollak. Unser Werk jn Palästina, das so groß y, daß man nur in -den eWchjten Worten davon sprechen kann, wächst von Tag zu Tag. Es wächst untor Hoffnungen und Sorgrn. Nahezu tausend Menschen bringen die Schüfe jede Woche in- Land -und Palästina hat sie bisher alle ausgenommen. Taufenv Mnischen in der Woche, fünfzigtausend im Jahre, das sind Zijiern, die auch jenen zu.denken gaben müsien, die die Lösung des Mischen Problems nach .immer aus anderem Wege zu finden hoffen als im Entstehen eines dauernden Heims in Palästina. Aber Palästina ist kein Jm-migration'Äa-nd, wie es vor dem Kriege Amerika war, wenn auch die Zahl der jetzt einwandernden Juden an die Hochstzachl der jüdischen Einwanderer nach Amerika in dar Vorkriegszeit beinahe heranreicht. Dazu ist Erez Israel zu klein und zu — groß. Zu Kein, weil die 'Bedingungen für eine unbegrenzte Msnähme von Mnfchen noch nicht gez'chcssen sind, zu groß, weil Palästina das Heim werden soll für das jüdische Volk und nicht ein zweites Amerika. Das erstreben -nicht nur die Besten unseres Volkes, das erwarten auch die Besten aller -übrigen Völker, die uns di« völke-rvechtliche Mögtichkett für den Aufbau gegeben haben. ES ist daher begreiflich daß neben den gvoßen Hoffnungen, die eine so gewaltige Einwanderung erweckt, auch die schwere Sorge sich einstellt, was daraus werden soll. Die Tore Palästinas bürten keinem Juden verschlossen bleiben, gleichgültig ob hoher Idealismus oder drängende Not ihn zur Auswanderung treöbt. Aber diejenigen, die sich für di« Gestattung und Zukunft des Mischen Heims verantwortlich fühlen, können die la-winenartig anschwellende Einwanderung nicht sich (Mt überlassen, sondern müssen mit dem ganzen Aufgebot ihrer moralischen und organisatorischen Kraft dafür sorgen, daß dieser Strom nicht verheerend, sondern befruchtend wirkt. SS ist eine schon bis zum Ueberdrutz wiedechM Wahrheit, daß die eriste und wichtigste Voraussetzung iM eine gesunde und große Einwanderung der Boden kst. Der Boden Palästinas muh erst in unserem Besitz sein, «wenn wir die sozial« Umschichtung vornehmen und Zehntausende, die darauf warten, zur Urproduktion zurückfühven wollen. Da'S Mische Dorf, die hchfnungsvoüste Schöpfung Palästinas. muß erst überall rm Lande sein, wenn Städte, Industrien, Handel, Schiffahrt und alles andere entfleihen soll, was dann die stärkste Einwanderung ertragen wird. Einen Teil des jüdischen Bodens Palästinas hat dor Keren Kajemebh erworben. Er ist yicht groß und ents'pricht der geringen Anstrengung, die bisher das jüdische Volk dasiür gemacht hat. Odor darf man überhaupt die Tatsache, daß ein Paar hunderttausend Juden in der Welt bisher Gvoschen und Pfennige für den Keren Ka>jemeth gegeben haben, als Anstrengung oder gar als Opfer Lezeichnen? Und doch sind m Laufe der Jahre 250.000 Dunem Land daraus geworden, und aus dieser Erde stehen drei Dutzend jüdische Dörfer» in denen einige Ta-nserrd der besten Menschen Palästinas arbeiten. Das ist entstanden in alltäglicher Kleinarbeit und deswegen sollen wir sie nicht gering einfchätzen, di« Arbeit de§ Tages. Der heutige Tag darf dabei vielleicht ein -wenig hevvorgehcken werden. Ter Keren Ka-jemeth hat es schon seit Jahren seinen Freunden zur Wicht gemacht, das Andenken an eine der leuchtendsten Epochen unserer Geschichte, an die MaKa-bäerzeit, nicht nur durch Feste, sondern auch durch Daten zu feiern. Mer der Makkabäer gederütz ver-

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