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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-13 · Heft 2446 (13.12.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2446 (13.12.1925)
Date
1925-12-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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M. LM, Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitunn 13. Dezember M5 Aus Cm Firael. Fünf neue Mittelstandssiedlungen. Jerusalem, 2, Dezember. Im Zusammenhang mit dem Plan,' Mittelstandssiedlungen auf dem Boden des Keren Äajemeth l'Jfrael zu schaffen,' hat man versuchsweise ein Budget hierfür allsgearbeitet.' Dieses Budget sieht vor, daß der Keren Hajessod an fünf derartige Siedlungen an Kolonisten, die über einige eigene Mittel verfügeil, Anleihen im Betrage von 15.000 Pfund gewähren wird. Anleihen au sieben weitere Kolonien stehen noch zur Beratung. Die ersten Zahlungen für Getreide und Saatgut sind bereits geleistet worden. Einer kleinen sephardischen Siedlung in S e i d o u n hat man ein vorläufiges Budget bewilligt; über andere soll lloch beschlossen werden. An die Errichtung der neueu Arbeitersiedlungen kann man noch nicht sofort gehen, weil.es aus ökonomischen Gründen richtiger ist, erst den Boden soweit vorzubereiten und zu amelioriereu, daß die Siedler wirklich mit ihrer Arbeit be.gHnne.n Jöuueu. Man HM,-.'mit diesen SiedlnnOar'beiten im Frühjahr zu beginnen. Vermehrung der SchülerzahL der zionistischen Schulen. Jerusalem, 2. Dezember. Aus 'einem soeben veröffentlichten Bericht des Finanz amt es der Zionistischen Palästinaexekutive geht hervor, daß die unter der Leitung des Erziehungsdeparteuients der Exekutive stehenden Schulen Ende, Oktober mit einer Gesamtschülerzahl von über 15.000 eröffnet wurdell, gegenüber 13.316 Schülern Mitte des vergangenen Jahres. Tel-Awiw trug zu dieser Erhöhung 600 bei, Haifa 400, die neuen Siedlungen 300 Kinder. Die Zahl der Lehrer beträgt 530 gegenüber 481 im letzten Jahre. Bier neue Schulen und vier Kindergärten wurden in Tel-Awiw eröffnet, 2 Kindergärten in Haifa, 3 Schulen in Nachlath Jacob und anderen chassidischcn Siedlungen, 1 Schule in Newe Jacob, 1 Schule in Afule und 1 Schule in Magdiel. Zu dem Gesamtbudget von 103.322 Pfund wird der Keren Hajessod 70.000 Pfund beisteuern, die Gerneinden Tel-Awiw und Jaffa 16.750 Pfund, Petach.Tikwa,2M Pfund: der Rest wird durch Schulgelder und Beiträge von anderen Gemeinden und Siedlungen bestritten werden. Wirf die Katze, wie du willst... Die arabischen Nationalisten erfinden fast täglich neue Anlässe uut> Vorwände, um den Oberkommissär mit lügenhaften Zuschriften gegeu die Zionisten zu bestürmen. Vor kurzem wurde der Posttarif für Zeitungen erhöht. Das nimmt das arabische Exekutivkomitee zum Anlaß zur Ilebersendung eines neuerlichen Memorandums an den Oberkommissür, in dem einleitend auf die Nachteile dieser Tariferhöhung für die Zeitungen hingewiesen wird, um dann ohne jeden Uebergang über die Zionisten herzufallen. „Wie die von der Regierung veröffentlichten Ziffern beweisen" — heißt' es an dieser Stelle des Memorandums , „dauert der wirtschaftliche Rückgang des Landes, der seit Einführung der zionistischen Politik zu bemerken ist, (?) noch immer an, so daß die Bevölkerung von Erez Israel heute zur ärmsten im ganzen Orient gehört. Nun komme die Regierung und fügt ihrer Politik neue bedeutende Steuern hinzu usw. leben, Kokottcntnm, Kabarett- und Spielhöllenwesen sich vertraut machte und von den Usern der Seine alle Laster mitbrachte. ohne französische Kultur auch nur zu streifen. Dieses Treiben der palästinensischen „Griechlinge" bedrohte die Religion und das Volkstum mit völliger Äuflösung und Zersetzung. Alles, was im Volke urwüchsig und lebensfähig lvar, lehnte fick) gegen diesen Selbstmord auf und verschloß sich hermetisch gegen jede Berührung mit diesen Fremden. Die Rabbiner konnten nicht ahnen, daß diese lasterhaft verführerische und verkommeile Schale einett Kern von höchstem Wert balA den ihre eigenen Nachfolger etwa ein Jahrtausend später in Babylon und Aegypten mit entzückten! Staunen entdecken und mit heißern Bemühen sich anzueignen streben würden. Sie konnten nicht ahnen, daß Saadja Gaon, Maximini, Ga- Lriol bis zu Chisdai Crescos und Albo, die dereinst die Lehren des Talmud ausbauen, kodifizieren und zum Erbgut des ganzen Volkes Israel machen sollten, zugleich die Bewunderer und Jünger von Sokrates, Plato und Aristoteles sein, ihre Gedanken mit denen der Thora und. der Propheten zu vereinen und sie sogar der ganzen christlichen Welt übermitteln helfen würdet!. Aber diese späteren Geschlechter empfingen die griechische Weisheit ans zweiter oder dritter Hand, in'stark getrübter Form. Sie in ursprünglicher Kraft dem eigenen Volke zu übermitteln, als dieses noch frisch im eigenen Boden wurzelte und ein relativ unabhängiges Dasein führte, aus der griechischen und jüdischen.Geisteswelt eine großartige Synthese 'zu bildet!, das war die Aufgabe der Juden in der griechischen Diaspora, wo sie bis znm edelsten Kern des griechischen Wesens vorgcdrungen waren und in der Kultur noch ganz andere- Dinge fanden als ihre Palästinensischen Brüder. Allein das halte nur die hebräische Sprache als Vermittlerin bewirken können, die hebräische Sprache aber war den Diasporajuden auch hu literarischen Gebrauch abhanden aekommon Milo von Merandrien übrieli ariecknsch so schön iytuyt:, uuu.nw.1j5 |cuil .jumimeu e/cuuiueii m Sprache anszudrücken und. dm Volksgenossen in. der altert Heimat zugänglich zn inachen, war er keineswegs inchr befähigt. Es hat. hier also die Vernachlässigung des Hebräischen durch eine kulturell hochstehende Judenhe'it eine kulturgeschichtliche Nnterlassnngssütlde herbeigeführt, deren Folgen tragisch'zu nennen sind. Wir haben schon gesehen, daß die Hanptgestalt dieser Epoche bei allein Glanz, den sie ausstrahlt, eben infolge dieser Uuterlassnuassünde einen! Schicksal tseser Tragilj anheimsiel. . . ’ ' , GENIESSEN KfüUMM-WWEN. ANDtHWmiGi ANGEBOTE KÖNNEN UNSfM LEISTUNG6MHIGKE/T NICHT ANNÄHERND EMf/Cf/fN. ' UNSEK SYSTEM AASSA GEGEN NASS: Gl ST UNS DIE. MÖGLICHKEIT, ME PREISE GEWALTIG mimzuoaöaEN, ohne PIE GOTE DEN WAM IN WUNDESTEN ZU BEEINTRÄCHTIGEN. _ HDE KUNDE £&HALTBBMEINI>A‘ AB.S.30.-EIN IHNAC-HT5-. SGfSCHINK micHESPiw&m i\ \mmamam \ mswmsßis I1QOOO.WQ 'VMÜfäT v WNDIOSE % JlODENSCHAI 1Dt£ MODE im&UMTZT AM DIENSTAG OENrfS. OEZ. e BEItUFIVE . FÄ 'CLOCK TEA mlM[ L a AUE SEHEN-*« {WIEGENDE ntSSEf P VII'KA* I SERS TRiiili5 Nach Den Wahlen in der Achechoflswakei. Die künftige Haftung dev jüdischen Partei. Am 8. d. tagte in Prag die außerordentlich gut besuchte Plenarversammlung des Jüdischen Nationalrates: Nach Erstattung ■ des Berichtes durch Dr. Singer und nach einer . längeren Debatte wurde folgende von Dr. Emil M a r g u l i e s vorgelegte Resolution einstimmig angenommen. . Die jüdische 'Partei ist in den Wahlkampf eingetreten, weil sie in der Erringung einer parlamentarischen Vertretung des jüdischen Volkes die Verwirklichung der währen Gleichberechtigung in diesem Staate erblickte; und weil ein Verzicht auf die Wahl ein Verzicht auf das Recht gewesen wäre. Die jüdische Partei ist in den Wahlkamps eingegangen, sie hat die parlamentarische Vertretung nicht erreicht. In ihrem Bestreben, dem jüdischen Volk dieses Ziel zu erringen, ist sie zwecks Herbeiführung einer jüdischen Einheitsliste bis an die alleräußerste Grenze der Möglichkeit und. des Zulässigen gegangen: Diese Einigung ist trotz des auch deutlich bekundeten Vvlkstvillens gescheitert, weil eine herrschsnchtige, nur um ihre eigene Macht und ihren eigenen Vorteil besorgte, käufliche und gekaufte klerikale Gruppe, die eine parlamentarische Vertretung überhaupt nicht wollte, die sich vielmehr im Dienste und über Befehl der Feinde des jüdischen Volkes die Zerstörung der politischen Selbständigkeit des jüdischen Volkes zum Ziel gefetzt hat/ diese Einigung zu zerschlagen wußte, und weil seitens der behördlichen Organe in der Podkarpatska Rus in dem Wahlkampf offen u n b a £ 111> gegen die jüdische Partei eingegriffen Ivurdc, mit Mitteln p.s y ch i s ch e n nnd physischen'Drucks, dnrch Verführung und Drohung, durch Methoden, welche.den seinerzeit in Oesterreich ebenso wie für nufere europäische Republik beschämenden Begriff, der galizischen Wahlen zn Ehren gebracht haben. Diesem Bündnis ist die jüdische Partei im Wahlkampf unterlegen. 100:000 jüdische Wühler, 100.000 stolze bewußte Juden sind um ihr Recht gebracht worden. , Die jüdische Partei ist unterlegen wie demokratische Parteien anderer Völker in diesem Wahlkampf. Aber sie ist nicht besiegt worden. Ihr unveräußerliches Programm ist die unablässige Fortsetzung . des Kampfes u m das politische G r ü n d r c ch t des' jüdischen Volkes. ' In diesem Kampfe steht sie in unerbittlicher Gegnerschaft gegen diejenigen, welche die tiefe Religiosität der jüdischen Massen, welche das ihnen als religiösen Führern von diesen entgegengebrachte Vertrauen und die Mittel der Religion mißbrauchen u n d d v s V o l k a n s e i n e Feinde verschachern. Das jüdische Volk darf nicht Objekt sein der Politik der anderen Parteien, nicht ein Handelsobjekt der Geschäftemacher, nicht ein Werkzeug der jeweiligen Macht zur Unterdrückung der anderen. Das jüdische Volk reklamiert' sein Recht, als selbständiges vollberechtigtes Subjekt an der politischen Arbeit dieser Republik teilzunehmen. Die jüdische Partei wird daher eine P olitik der Gegnerschaft gegen Regierungsmethoden und Negierungsprinzipien führen, deren Anwendung sie diesmal unterlegen ist, und die das Antlitz der Republik, wie alle wahren Freunde dieses Staates es sehen wollen, entstellen, die die Wege zu einer wahren und europäischen freiheitlichen Politik in diesem Staate verlegen und das politische Leben vergiften; sie wird eine Politik der Solidarität mit der wahren Demokratie und. eine nach jeder Richtung unabhängige und freiheitliche Politik führen. Auf diesem Programm muß die jüdische Partei der tschechoslowakischen Republik aufgebaut werden. Der Nationalrat nimmt daher den Bericht über die Wahlen zur Kenntnis und spricht dem Präsidium, insbesondere dem Präsidenten Dr. Singer, seinen Dank für die aufopfernde und unermüdliche Arbeit aus. Indem der Nationalrat zugleich feststellt, daß über die Richtlinien der künftigen Arbeit vollständige Einigkeit besteht, versichert er seinen Präsidenten, Herrn Dr. Singer, seines Vertrauens und. bittet ihn, seine bewährte Kraft der Verwirklichung dieses Programms und der jüdischnationalen Sache an führender Stelle zu erhalten. Nach Annahme dieser Resolution zvg'Dr. Singer seine Demission zurück. Der Nationalrat beschloß ferner die Herausgabe einer Proklamation an die jüdischen Wähler, sowie die Einleitung von vorbereitenden Schritten für die Konstituierung und Organisierung der jüdischen Partei. Hiezu wurde beschlossen, die Exekutive der jüdischen Partei, die jetzt , aus 15 Mitgliedern besteht, verstärkt durch weitere 15 Mitglieder, von denen der Nationalrat 5 bestellte, zn einer'Besprechung über diese Frage einzuberufen, und dann das Ergebnis dieser Besprechung in einer Plenarsitzung, des Jüdischen National« rates gemeinsam mit Delegierten a us d e n 'W ah lk r e i s e n Böhmens und Mährens der Beratung zu unterziehen. /ff M 4

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