Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2446 (13.12.1925)
- Date
- 1925-12-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981532--24931-3012526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
W. .. Wien, Sonntag WetterMorgeirzettuns 13. Dezsmber 1SL5 Aparte Wintermäntel . . . . ab S 29. Elegante Sportkostüme ... ab S 46. Flotte Tanzkleider. ... ab 5 6,50 Schicke Ciepe de Chine-Kleider ab S, 19.60 . Schöne Pelzmäntel . . . . ab S 196.- Kasackeblusen. . . . . . ab S 4.90 Hauskleider....... ab S 9.60 hodell-riäntei, Kostüme u. Kleider zum halben Preis! Damen-Wollwesten ab 11 S, Herren-Sportwesten ab 14 S, Sweater ab 16 S, Pullover ab 17 S, Damen*ßeforinhosen ab 5 S Herren-Konfektion, Winterröcke. Raglans, Pelzsakkos, Anzüge in grösster Auswahl zu konkurrenzlos billigen Preisen. "HW Beinwollstoffe, uni und schottisch ab S 2.90 Seinseidenstoffe, glatt u. gemust ab S 3.80 I Mode-Waschstoffe, für Winter und | Sommer ....... ab S 1.10 | Weißwaren, beste Qualitäten . . ab S 1.08 II Teppiche, Vorhänge, Decken etc. I. unerreicht billig! Sie Argumente der Straße im Steiger-Prozeß. Ae letzte Sffenfive der Staatsanwalts. — Rene Anträge gegen das Aichamki-Neftändni«. Die nicht sschherftändigen SdreitZiiafferverten. (Bon unserem LemLerg, 12. Dezember. Zu .den EigentümlichLeiten des an Kuriosttäten der Prozeßsührung soreichen Verfahret im Steiger-Prozeß zählt es, daß über die zum Lomberger Attentat verwendete Bombe und ihren Inhalt ehr Gutachten wirklich fachmännischer Sachverständiger nicht eingcholt ivurde — dies zu einer Zeit, da die Verwendung von Sprengmatcrial für Kriegszwecke große Bedentung hat und in einem Staate mit einer starken militärischen Organisation doch unbedingt zahlreiche Sachverständige im Sprengsach vorhanden sein müssen. Zur Untersuchung der beim Leinberger Attentat geschleuderten Bombe 'wurden jedoch Exporten Herangczogeu, die selbst vor Gericht zugeben mußten, daß sie für Sprengmittelchemie nicht sachverständig seien und von denen kn Lause des Prozesses ziivei aus Warschau berufene militärische Gutachter erklärten, die von ihm« viorgenmumene Untersuchung der Bombe sei so dilettantisch gewesen, daß das vorliegende Material für eine weitere Untersuchung nicht mehr brauchbar sei. Diesen "Sachverständigen nun, die sich selbst als mchtsachverstäudig hezoichnet hatten und die von fachmännischer Seite als Dilettanten erklärt wurden, hat mm das Gericht die wichtige Frage vorgelegt, ob die Bombe, welche zur Ausführung des Mtentats vom ö. September' 1924 verwendet tourde, -in ihrer Konstruktion und Füllung der Beschreibung entspreche.'welche der Ukrainer Theophil Olschanski bezüglich Form, Füllung, Zündung und Konstruktion des von ihm verwendeten Exploistvköchiers sehr detailliert und — wie in Fachkreisen horvorgchoberr ' wird — sehr sachkundig in seinem Berliner Geständnis gegeb>en hatte. Die zwei Sachverständigen, Major Kopacz und Leutnant Lad rö, hatten zur Beantwortung der ihnen vorgelegten Frage am Donnerstag eine Frist von zwei Tagen verlangt, um eine neuerliche Untersuchung vorzunehmen. .Heute erstatteten sie nun ihr Gutachten, -das da» größten Deik der heutigen Verhandlung ausfüllte. Nach langen Erörterungen kamen sie zum Schluß, daß die beim Attentat verwendete Bombe nicht mit der von Olschanski beschrjchenvir identisch sei. Nun stellte Verteidiger- Dr. Landau den'-'beiden Experten eine' Reihe von Fragen und in der Beantwortung wichen die beiden Sachverständigen Schritt vor Schritt von ihrer eben erst mit sehr viel sachrnännischein Brimborium verbrämten Schlußexpertise ab. uni schließlich, gänzlich in ' die. Enge ge.tr5tüen, abermals zur Offenherzigkeit ihre Zuflucht zu nehmen, indem sie erklärten, sie seien nicht genügendsachverständig in der Sprengmitte-lchemie, um M absolut sicheres Gut- Korrespondenten.) achten abgeben zu können, welches die ihnen zur Entscheidung vorgelegte Frage mit unbedingter Sicherheit beantworten könntet So ist, nachdem genau zwei Monate seit Beginn des Steiger-Prozesses verstrichen sind, dam eine dreizehn Monate währende Untersuchung vorangmg, in einer so wesentlichen Frage eine Klärung nicht erzielt. Tableau! ■ ■ Bei dieser Sachlage und angesichts der Tatsache, -daß bisher die Indizien der Anklage sich, je länger der Prozeß dauerte, als immer schwächer fundiert, immer mehr morsch und mürbe erwiesen, ist es kein Wunder, daß der Staatsanwalt, .der seine Position bedroht fühlt, zu ihrer Stärkung alles heranzieht, was ihm geeignet erscheint, unbekümmert darum, oib es sich hier um Gerede handelt und um Tendenzgcrüchte, welche von der Straße her geholt werden. Derlei Argumente verwendete heute der Staatsanwalt in der letzten Offensive, die er noch knapp vor Schluß des Prozesses ergriff. Während allgemein für heute der Abschluß des Beweisvcrsahrens erwartet wurde, erhob sich Zur allgemeinen Uebermschung der Staatsanwalt Hrhriiwiecki und stellte in einer sehr ausführlichen Rede eine ganze Reihe - von ergänzenden Be wen santrägen. Unter anderem verlangte er die nochmalige Einvernahme des ukrainischen Advokaten Dr. Lew Hankiewicz, der, Wie noch erinnerlich, der Vertreter des utrainiischen Terroristen Panczyszhn im Kornhaber-Mkitin-Prozeß war und sich während des Steiger-Prozesses durch seine mit allgemeiner Heit e r k e i t ausgenommenen Aussage, daß es keine ukrainischen revolutionären Organisationen gäbe, lächerlich gemacht hatte; Doktor Hankiewiez soll bekunden, daß ihm der vor kurzem als Zeuge einvernommene ukrainische Führer Dv'ktor Baczyuski, dessen Aussage offensichtlich gvoße Wirkung geübt hat, seinerzeit gelsagt habe, daß er von den Grundlagen des Steiger-Prozesses, also darüber, wer der Mentäter sei, keine Ahnung habe. Damit soll bewiesen werden, daß die Aussagen Dr. Baezhnskis, .welche bekanntlich das Geständnis des Ukrainers Olschanski, New-Iork, 12. Dezember. i'Trl.-Komp.) JÖet'Liu 2B.80, London Kabel 4.85, London Scheck 4.801/,, Amsterdam 40.17, Paris 3.65, Brüssel 4.52V2, 9bm 4-.031/,, Aiadrid 14.30. Zürich 19.20, Stockholm 26.76; Oslo 20.35 Kopenhagen 24.92. Wien 14Vu, Budapest 14V18. Prag 296'/,. Belgrad 1.78»/., Athen 1.26, Buenos Aires 4l°/ie Mo de Janeiro 14.20 Bukarest 46st->. Now-ZvrN, 12. Dezember <Tel.-Komv. - Weizen rol Winter 186. Wetten Inw 98mtcr T 87x/+ Mais 921/,, Hafer 52l/8, Roggen 113. ■ . Ehikago. 12. Dezember üel.-Komn., Wetzen ver Dezember 1681/*. Itläi 16n3/4 Juli 1458/s AiaiS per Dezember 77i/a>. Mai 84^/g, Juli 86x/ai Hafer vor Dezember 41V« Mai 4b/ Zuli 45^ > Roggen per Dezember 96*/*.. Mai 105, Juli 103^. das Attentat sei im Auftrag der gcheimen ukrainischen Mlitärorgauisation verübt worden, mittelbar ' bestätigt hatten, nicht aus Wahrheit beruhen. Am weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte der Staatsanwalt, daß er von dem einmal eingenommenen Standpunkt der Anklage nicht abweiche;, er halte die. Beschuldigung gege n Steiger, das Attentat von Lemberg verübt zu haben, aufrecht. Das angebliche Geständnis des Ukrainers Olschanski könne seine Ueberzeugung von der Schuld Steigers nicht erschüttern.. Zum Beweise, daß dieses Geständnis ein falsches sei, stellte der Staatsanwalt den Antrag, eine bestimmte Persönlichkeit, die er nominieren wolle (?), einzuve-r nehmen, der es bekannt sei, daß Olschanski seine Aussagen aus materiellen Gründen gemacht habe. Der letzte Antrag des Staatsanwaltes,, in.dem seine Rede ausklang, rief bej der Verteidigung große Erregung, hervor, da dieser Antrag die Argumente d e r H e fitz resse aufmmmt, die in den letzten Tagen die Äimmung der Oefsenllichkei't dadurch zu vergüten suchte, daß sie die Behauptung in Ine Welt setzte, Olschanski sei um einen hohen Betrag (es wurden im „Slowo Polskje" 60.000 Dollar genannt) zu seinem Geständnis gedung e n worden. Diese Hetzmethode «hatte es. im Zusammen- - hang mit der Steiger-Affäre schon früher zu einem Aufsehen erregenden.Verfahren gegen fünf Mische Bürger von Lemberg gebracht und damals -ergab sich die völlige Nichtigkeit der von der Hetzpresse ausgeheckten Beschuldigungen, so daß die fünf Lemberger Mischen Bürger freigesprochen wurden. Nun .ist die Methode, die damals'angewendet wurde, wieder.in den G'^. richtssaal getragen worden. Der Zweck der Uebung ist zu durchsichtig, um «rast näher erörtert zu werden. Da infolge der vorgeschrittenen Zeit die Bertel digung Steigers nicht mehr in der.Lage war, die.Ausführungen des Staatsanlwältes zu beantworten und Gegenanträge zu stellen, behielt sie sich dies für die M outagv er- Handlung vor. Dann erst wird das Gericht über die vorgelegten Anträge des Staatsanwaltes und derPerteidigung Beschluß fassen. Sollte es aus die vorgeschlagenen Ergänzungen des Böweisverfahrens eingchen, so. dürfte, der Prozeß Wohl eine Verlängerung erfahren; andernfalls wird damit gerechnet, daß das Beweisversahren Dienstag geschlossen tvird und die Plaidohers de-. ginnen können. _. Sr. Hamei — Lberkommiftiir in Ianzig. Genf, 12. Dezember. (Schiveiz. Dop.-Ag.) Der Völkerbundrat hat Dr. v. H a m e l zum NachsÄger Mae Donmels als'Sekretär des Mkerwmdesin'Däuzig ernannt. Die nächste öffentliche Sitzung des BA-Lerbuckjrasts ist aus Montag vormittags, 10 Uhr, angeW.