Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2445 (12.12.1925)
- Date
- 1925-12-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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' Gelle T_'Men. SamSlag ^ein Talent. Man sieht, wohin der Versuch, sich mit solchen Spielereien abzugeben, führt. Deswegen möge man, f bevor der Wein oder ähnliche Ursachen noch mehr derartige Affären heraufbeschwören, mit dem Zeug ein Ende machen; imd die Ehrenzeichen überhaupt aufheben. Vizekanzler Dr. W aher wußte nur mitzuteilen, daß sich einige Beamte des Handelsministeriums wegen der gegen sie gerichteten «kritischen Bemerkungen gekränkt fühlen und Hm durch den Handelsminister eine Beschwerde übermittelt haben. ' Aus dem ganzen Maus der Angelegenheit geht mit ziemlicher Deutlichkeit hervor, daß Dr. Schürff den Sturm gegen Dr. G ü r t l e r veranlaßt hat. Den Wiener Christlichsozialen kam nun die Sache sehr gelegen, da Gürtler als ein Anhänger des Gedankens der schwarz-roten Koalition gilt. Aus der Order.safsare wird nun eine Hanpt- und Staatsaktion gemacht, um Dr. Gürtler ein für allemal zu erledigen und so den Mann zu beseitige«, der das gegentvärtige Regime in Oesterreich durch ein anderes ersetzen möchte. Dr. Gürtler wird jedenfalls das Parlament für längere Zeit meiden. Dr. Rintelen, der steirische Landeshauptmann, ist erkrankt, und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis Tr. Seipel sich mit den beiden Herren wird in Verbindung setzen können. Seit der Vorwoche haben die Christlichsozialen aus der Steiermark sich vom Parlament ferngehalten. Es scheint also, daß sie nicht gesonnen sind, ihrem Führer Tr. Gürtler so ohne 'weiteres den Prozeß machen zu lassen. Jefterreickr Gerichte und Hochschulen. Ans der Budgetdebatte des Natiynalrates. Vom Bundesvoranschlag sind bereits zwei große Abschnitte im Plenum des Nationalrates erledigt. Gestern wurde über „A eußere s", Inneres" .und „I u st i z" gesprochen. Im allgemeinen hörte man die aus den letzten Budgetdeba.ten bekannten Reden, so die der Frau Popp, die wieder einmal eine Aenderung der Abtreibungsparagraphen sowie die Ehereform urgierte. Tann stritten sich nochmals der Großdeutsche Doktor A n g e r e r und der Sozialdemokrat Falle darüber herum, ob die Kärntner Slowenen eine schutzbedürftige Minorität feien und ob man den Slowenen durch Hakenkreuzdemonstia t ionen das Hinübevschielen über die jugoslawische Grenze a u s t r e i b e n könne. Abg. P ö l z e r führte Beschwerde über die nichteinheitliche Spruchpraxis der Mietengerichte und über die ungleiche Art der Kostenerkennnng Abg. Dr. Eis l e r wendete sich gegen die Auswahl der Rich-. ter nach parteipolitischen Grundsätzen und brachte den Fall des früheren Direktors der „Newag", Wurm, in Erinnerung, der sich Unterschlagungen m der Höhe von eineinhalb Milliarden zuschulden kommen ließ, aber schließlich auf Grnnd eines zweifelhaften Gutachtens der Psychiater straflos blieb. Wurm ist der Bruder eines Funktionärs der Wiener Staatsanwaltschaft.'Man könne zwischen den Zellen des Gutachtens lesen, daß die Psychiater die Umgebung, den Herrn Bruder Staatsanwalt, gefragt haben und daß sie eben diese Angaben der Umgebung zur Grundlage ihres Gut- , achtens gemacht haben. Hieraus wurde der dritte Abschnitt der Spezialdebatte „Unterricht", Fnnst" und ,Julius" begonnen. Abg. G l ö ck e l gab für die Sozialdemokraten das Versprechen ab, daß diese den Schutz des Schulwesens im ganzen/Staate übernehmen wollen. Abg. Leuthner sprach dem Unterrichtsminister Dr. Schneider die Fähigkeit ab, an den Hochschulen Ordnung zu machen. Obwohl er hier erklärt .habe, daß der Stndentenrechtsevlaß ungesetzlich sei, habe der Rektor der Wiener Technik, Saliger, einer Studentenabordnung gesagt: „Mir ist von einer solchen Erklärung keine amtliche Mitteilung gemacht worden." So blieb es bei dm Studentennationen und bei dem Studentenrechtserlaß. Diese Oh n m a ch t des Ministers zeige sich auch an der Hochschule für Bodenkultur und am Tierarzneiinstitut. Rückkehr aus Genf. Bundeskanzler Dr. R a m e k, Finanzminister Doktor Ah rer und Minister für die auswärtigen Angelegenheiten Dr. MaLaja sowie der Präsident der Nationalbank, Minister a. D. Dr. R e i s ch, sind gestern nachmittags von Genf in Wien eingetrossen. Dr. Ahrer ist leicht erkrankt zurückgekehrt. Parteienverkehr in deu zionistischen Puren«,. Wir erhalten die folgende Zuschrift: Die technische Arbeit der zionistischen Bureaus konnte bisher nicht voll auf der Höhe sein, weil die Leiter und das Bureaupersonal keine Zeit im Tage besaßen, in der sie in Ruhe lausende Agenden erledigen konnten. Dies wurde in erster Linie dadurch verursacht, daß der Parteienverkchr den ganzen Tag hindurch zugelassen war. Die Leiter der zionistischen Bureaus haben daher im Einverständnis mit dem Präsidium der Institutionen beschlossen, die Vormittage bis 12 Uhr mittags ausschließlich der inneren Bureauarbeit zu widmen. Die Vormittage von 12. bis 1 Uhr und die Nachmittage werden dann dem Parteienverkehr offen bleiben. Diese Verfügung erfolgt also nicht aus bureaukrasischen Rücksichten, sondern nur um den Bureaus eine technisch vollkommene und zeitgerechte Erledigung der laufenden Angelegenheiten zu ermöglichen. Die Gesinnungsgenossen und sonstigen Besucher werden im Interesse der Sache ersucht, sich nach dieser Anordnung e'mzurichten. Die Leitungen des Keren Hajessod, Keren Kajemeth und/des Zionistischen Landeskomitees. _röttitrt Morgen,rtt««g_ Sto öchachmeistektnrnltt auf Hem Semmering. Beginn voraussichtlich am 6. März 1926. Das soeben beendete Moskauer Schachturnier war nicht nur ein Schachereignis allergrößten Stils, sondern hat auch in bezug auf eine Propaganda für Sowjetrußland Wertvolles geleistet. Viele Wochen waren die Augen der Schachjünger der ganzen Welt auf Moskau gerichtet und jetzt nach dem Abschluß dieses internationalen Turniers werden die einzelnen Meister gewiß Gelegenheit haben, in ihren Ländern von ihren russischen Eindrücken zu erzählen. Nunmehr hat sich auch in Oesterreich eine Gruppe gefunden, welche beabsichtigt, in der nächsten Zeit ein internationales Schachmeisterturnier zu veranstalten. Das Turnier selbst wird wahrscheinlich am 6. März kommenden Jahres im Hotel Pan ha ns auf denk Semmering beginnen. Da es internationalen Charakter tragen soll, wurden dir großen Meister der verschiedenen europäischen Länder unL Amerikas zur Teilnahme eingeladen. Der bekannte Schachmeister Heinrich Wolf, der zuletzt auf dem großen Wiener Messeturnier Herbst 1§22 einen Überraschemen Erfolg erzielt hat und als dritter Preisträger hinter Rubinstern um» Dr. Tatakmver ans diesem Turnier hervorging, hat die Leitung -des kommenden Semmering- Turniers übernommen, so daß die einwandfreie Abwicklung desselben verbürgt ist. Selbstverständlich sollen die neuen russischen Meister, die in Moskau ihre außerordentliche Spielstärke bewiesen haben, nicht fehlen. Bisher ist schon eine Reihe von Zusagen eingelaufen, so daß mit der Teilnahme von Dr. T a r r a s ch (Deutschland), G r ü n f e l d (Oesterreich), R e t i (Tschechoslowakei), Rubinstein (Polen), Dr. Tartakower und Aljechin (Frankreich), Roselli (Italien), Capa blanca (Kuba), Tor re (Mexiko), Balla (Ungarn) und selbstverständlich auch des Großmeisters Bogoljubow gerechnet werden kann. Leider konntevon Dr. Emanuel L a s! e r bisher keine positive Zusage erlangt weiten, da der Epveltmeister während der Zeit des Semmeringturniers eine amerikanksche Touruee zu absolvieren hat. Jnsgejamt werden 16 Meister antreten. Der erste Preis beträgt 3500 Schilling. * Gang zum Grabe Adolf Stands. Die zionistische Bezirks! ok-tion LcüpcLstadt teilt uns mit: Anläßlich des sechsten Tcdeslages unseres unvercxetz'ichen Führers. iöctff Stand findet morgen Sonntag um HM 11 Uhr ein Grabg-an-g statt. TEplmchr: D'.ertetl 11 Uhr. Zentr-Ä,fri<tdihc>f, 1. Tor. * Keren-Kajemeth-Kommission des 9. Bezirkes. Bei der mn 8. d. stattgemrdenen Konistttmevun-g wurden qöw-M: Zum Präsidenten dieser Konmriss.ion Rcültbiner Dr. Schwor,. MM Stellvertreter Mfenrat I. Glück, tfwm Kassier S. Kolhn, MM SchrMfi'hrer Frau Löwi, gum .getschästs- Mrenden Obmann M. Weiner. üe*r. 18« Ä.lte$tCS üe#r. 1M4 Wiener Restaurant KRZIWANEK Kiestveiter - HSlicher *9*B 8 ERLIN NW 7 FrledrUhahrasse - Icke MMtalStrflBa 57/58,1« Nor eine Treppe Vorzügliche echt österreichische Köche, Pilsner Urquell, österreichische und deutsche Weine. Bürgerliche Preise HOTEL CENTRAL Wien, II. Tafaorstrasaa 8a Stadtzentrum » 150 neu eingerichtete Zimmer » Zentralheizung, kalt- und warmüiessendes Wasser, Telephone, Lift, CaifrRestauiant * Preise von S 5.- aufw., aufleute lO°/0 Rabatt. . .. 665 Politik und Wirtschaft in Palästina WOLFOANG WEISL Der Kampf um\,das heilige Land Palästina von heute Mit 44 Abbildungen und 4 Karten Preis in Leinen 8 17.— Alle Etappen des englischjüdisch-arabischen Kampfes um Palästina ****** FELIX PINNER Das neue Palästina Vo 1 ks w i r t s ch a f 111 c h e St udi e n Preis S 4.50 ' Die wirtschaftliche Lage in Palästina Die Ursachen ihrer Schwierigkeiten Neue Wegen und Perspektiven Durch Buchhandlung R. LÖwii, Wien, 1. Roten hinm traue %% und Fleischmarkt 1 _12. Dezember 1928_ Nr. SM Sr. Solomon Funk. Zu seinem zehnjährigen Dlensthtbilcium in Men. Herr Rabbiner Dr. S. Funk, der heute sein zehnjähriges Jubiläum als Rabbiner des Tempels in der Pazmanitengaffe feiert, blickt aus eine langjährige erfolgreiche Tätigkeit im Liech der jüdischen Gemeinschaft zurück. Als 26jahrkger junger Mann wurde er als Nachfolger des mährischen LanideSrMiners Abraham Platschek an die Spitze der Gemeinde Boskowitz berufen, der er durch volle 21 Jahre ein treuer und aufopfernder Führer war. Er verstand es, eie' inneren Gegensätze zu versöhnen und sich die Liede der Gemeinde sowie die Anerkennung der politischen Behörde zu erwerben. Die christliche StadtgeMinde Boskowitz ernannte chn zum Ehrenbürger und die Slatchalterei Mährens zum Landesrabbiner-Stellvertreter. Als er im Juli 1915 der an ihn ergangene,t Berufung nach Wien folgte, richtete die Bezirkshauptmannschaft Boskowitz au chn ein herzliches Dankschreiben-für seine Förderung des WohlfahrtswesenS und für die aufopfernde Fürsorge, die Herr Dr. Fmk den galizischen Flüchtlingen in der Kriegszeit hatte angeveihen lassen. Au dieser Stelle muß aber auch der'^ ausgedehnten wissenschaftlichen Tätigkeit Dr. Funks gedacht werden. Daten, die uns Herr Hofrat Dr. Michael H o l z m a n n zur Verfügung stellt, besagen: Neben zahlreichen, streng wisienschastlichen Aufsätzen aus dem Gebiete der Bkbelsorschung in der „Momtsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", „Oefterre-ichische Wochenschrift", „Neuzeit", „Wahcheit", „Jahrbuch der jüd. lit. Geschichte", „Oriental. Lit.-Ztg.", „Memnon" usw. erschien , 1902 bis 1908 „Die Jllden in Babylonien" (zwei Teile), ein Stück Kulturgeschichte, das sicher nicht vielen bekannt war, die Geschichte des Judentums auf babylonischem Boden in der tal« muvüchen Zeit: „Die Hygiene des Talmuds", 1912, ,Mr Kamps um Zion", 1920, u. a. m. In der „Sammlung Göschen" erblickte das Tageslicht „Die Entstehung des Talmud" (Berlin, 1910, zweite Auflage 1919) und die .Jalmudproben" (Berlin, 1912, Mite Auslage 1921), zwei Bücher, die von den größten theologischen Gelehrten (wie Professor Ignaz Goldziher, Hermann Bamberg, Wilhelm Bacher, Wilhelm Anton R e u m a n n, Johannes Doller, August Wünsche, Doktor D. Hofs mann) vollste Anerkennung und Würdigung fanden. Für die im Verein mit dem Uuiversitätsprosessor Dr. Wilhelm Anton Neu mann und Prof. Dr. August Wünsche herausgegebenen „Monumenta Judaiea", später „Monumenta Hebraica", deren Fortsetzung,' wie so manches andere, durch den unglückseligen Weltkrieg unterbrochen wurde, schrieb er die Serie „Bibel und Babel", „Land und Leute", „Babyl. Geschichte^ und „Weltbild d. jüd. Lit." (Heft 1, 2, 3, 4 d. „Momm. Jud."), 1907. Höher aber noch — schreibt nns Herr Dr. Holzmann — als der Gelehrte, gilt mir der Mensch, den ich in seiner schlichten Bornchmheit, in seiner Milde und Friedfertigkeit, in seiner aufopfernden Familieneinigkeit und vor allem in seiner Wohltätigkeit durch Zwei Dezennien habe wirken sehen. Diese seine Wesensart zeigt der nichts weniger als vordrängliche Mann, der wiederholt noch m Boskowitz Berufungen nach Berlin,' Prag, Hamburg und London unter vorteilhafteren materiellen Bedingungen zurückgewiesen hat, auch während seiner nunmehr zehnjährigen Tätigkeit als Gemeinderabbiner des Teirchelvereins „Asschel Awrohom" und Mitglied des Rabbinatskollegiums. Ser neue PMinafilm. Die jüdische Bevölkerung des 2. Bezirkes und« des Praters wird Gelegenheit hcEen, -den netten schönen Palästinas „Der jüdische Pionier in Erez Israel i n der ChanukaWoche an drei auMandevfctlgenldeni Tagen zu sehen. Der Keren Kajemeth hat mit dem Ifa- Palast-Kmo, 2. Bez., Taborstvahe 1-8, ejn Uebereinkommen getroffen, wonach der Film am Dienstag dem 15., Mittwoch den 16. d. und Donnerstag den 17. d. täglich zu sämtlichen vier Vorstellungen (halb 5 Uhr, 6 Uhr, halb 8 Uhr und dreiviertel 9 Uhr) vorgefühvt wird. Im Anschluß an d'estn FM werden auch Äe Aufnahmen bei der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem gezeigt werden. Bei'den Aibendvorstcllungen werden prominente zionistische Redner Ansprachen halten. Karten im Borverkaüls beim Keren Kasemech, 1. Bez., Kärntnerstraße 26; R. Löwit, 1. Bez:, Rotenturmstraße 22; Bücherstube Rath, 2. Bez., Taborstraße 20 a, und an der Abendkaffe des Jsä-Palast-Kmös. Filmaufführung des Kartells technischer Verbindungen. Das Kartell t e ch n i s ch e r V e r b i n d u n g e n deranstaltet am 2o. d. im Phönix-Kino, 8. Bez., Serchonfelderstraße, mn 4 Uhr nachmittags -e-ine AuMhrn-ng des neuen Films „Der jüdische Pi-onier in Erez Israel". - Der Reinertrag fließt ganz wie auch sonst bei allen Veranstaltungen des Kartells dem Ker-e n Kajemet'h ZU. Für die westlichen Bezirke findet morgen um' halb 11 Uhr vormittagstm Flottenbino, 6. Bez., Mariahilserstraße 85,- die^ E rstaufführung des neuesten Paläftmafilms „Der MW Pionier in Erez Israel" statt. Ansprachen: Dr. Joses Löwen H erz, Adolts Pollak. Wenige restliche Karten an der Tageskaffe. __ * Dienstjubittium des Geschäftsführers der jüdische» Kolonialbank. Alls Maß des 26Mrigen DierMMmms.deS Gchchäs-tslsÄhr-ers' der Jüdischen KÄomaVbawk (JewN -Cownial Trust). Herrn Wi-Mam Wols, staken, wie I. T. 8. bevicht'Lt, m Direktoren der Banik ein FetsttboichetL dem 180 Gäste beiwchnten. Den Doirjsitz führte M>r, Joseif Cowe«, der die Verdienste des Juibitlars mn das Institut, dmt er seit Wer Goü-ndun>g urm.n-tertbrvchm Wstchörbe, würdigte. Dtt Präsh d>e-n-t dM ZivnWckM WelltoMnitsation Dr. Weiavta««, der dem Bantkett belihv-rlhlNt-e, .beMckriunWe Woff ln heyAicher Weise. Das BaGperis-onatl ülberwichle -denn Jubitär küß GhrengMenk. , - - - - -