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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-12 · Heft 2445 (12.12.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2445 (12.12.1925)
Date
1925-12-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sk. m Wett, SamSt-ag Gleitet* Movaenzekturia IS. Tezemher 192-5 Sekte K Enrors herondqra sjmhel iP&ar moderne $p4tfifinrchtthe undlPa&rfiule Scbneercbuhe! %u samme» HUI* 22 und daß der Ze-uG M;m ab.g«ra!«n habe, die Lat auszusührenl. Ter Z. ugW.b e st ä t i $ i c dies. Gvütte-Hehder wurde zu acht Jahren G «fängn i s verurteilt., . _ Allks wird freiselproche». Die Csongradec Mörder und die Untersuchnn^sbeamten. Budapest, 11. Dezember. W'e gemeldet, hat die königliche Kurie als dritte Instanz die des B o m b ena t te n-. tat s in Csongrad beschuldiMn Personen mit der Begründung freigesprochen, daß sie ihre Geständnisse unter psychischem und PMschem Z.wa n g gemacht hätten. Gieich^e-it'ig wird aus 'Szeg-edin der Freispruch jener Polizeibeamten gemeldet, we.che seinerzeit di« Untersuchung in Estiligrad geführt hatten und unter der Beschuldigung gestanden waren, daß sie die Angeklagten mißhandelt und zu einem Geständnis gezwungen hätten. Es handelt sich um den -Szeged!ner Bezirkshauptmann S z a l a y, -den P-oiizeirat B o r b u l a und den vrm Ministerium be8 Innern, ertseudeten Leiter der Untersuchung Ministerialrat Dioszegy. Der Minister des Innern bestätigte in letzter Instanz das freist rechende Urteil des Disziplinarseiiats. Es würde f.'stgestelit, daß die Echldungen in k.-nilreter Weise durchg^sührt und keine Gewalttätigkeiten vorgetommen seien. ES ergibt sich der ganz einzig dastehende Widerspruch zwischen den Entscheidungen der oberstc-n Gerichtsbehörde und der obersten, administrativen B.hörde des Landes. Lke itVpkeveavrste' v»g in LLffeldori. Eine Abteilung „Hygiene der Inden". Dr. Otto N e u st ä d t« r, früher Direktor am Deutschen hygienischen Museum in Dresden und Generalsekretär des ReichsauKschusfes Kr Wienische Doliksbeiehrung, ist, wie I. T. A. berichtet, in die wisset «schaftliche Atteilung der Großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, sozial« Fürsorge und LeibesiLdungen berufen worden. Er wird hier insbesondere die örtliche Lo'tung der historischen Arbeiten übernehmen, außerdem die technische Leitung der Son-dergrupp« „Hygiene der Juden"-, d'e, wie be-veits berichtet, auf der Ausstellung eingerichtet wird. Sie Iostemn» der Dr. Gürtler beleidigt den Bundespräsidenten. Ter gewesene Finanzminister Dr. G ü r t l e r steht wieder einmal im Mittelpunkt einer Affäre. Bei der in der vorigen Woche abgehaltenen 75. Jubelfeier des Bestandes der Grazer Handelskammer, zu der auch der Handelsminister Tr. S chü r f f erschienen war, gab Tr. Gürtler seinem Unmut darüber, daß der Präsident der jubilierenden Kammer, Gigler, nur mit dem silbernen Ehrenzeichen der Republik aukgezeichnei wurde, während der Expräsident der Wiener Kammer das goldene Ehrenzeichen erhalten hatte, in sehr drastischer Weise Ausbruch. Er soll Nämlich nach abfälligen Aeußcrungen über die Beamten, die für die Verleihung des Ehrenzeichen verantwortlich sind, gesagt haben: „D erhalte Tr otte I, der Hain i sch, soll sichdiesen Orden a m p i n 11 x n anhängen!" So oder ähnlich soll diein W einlaune getane Aeußerung gelauiet haben, die Doktor Schürff brühwarm nach Wien brachte. Ein Notenwechsel zwischen Dr. Hainisch und Dr. Seipel. . . Natürlich, wurde sie auch — Dr. Gürtler erfreut sich bei den Christlichsozialen und Grcßdeutschen zahlreicher Gegner — dem Bundesprösidenten berichtet, der nach einer Aussprache mit Dr. Seipel an diesen als den Obmann der christlich-sozialen Partei ein Schreiben richtele, worin er um eine authentische Darstellung des Vorfalles ersuchte. Doktor Seipel antwortete mit einer Zuschrift, in der er über den Grazer Vorfall das Bedauern ausspricht. Da Dr. Gürtler seither nicht in Wien erschienen sei, konnte er ihn noch nicht hören. Er hoffe aber, daß Dr. Gürtler imstande sein werde, befriedigende Aufklärungen zu geben. Um ein« genügende und würdige Beilegung. dieses Zwischenfalles zu erzielen, habe er sich auch sofort an. den Landeshauptmann von Steiermark, Dr. Rintelen, gewendet. Weitere Schritte behalte er sich sür de« Zeitpunkt vor, in dem er die Verbindung mit den beiden Herren erreicht habend werde. Uebevdies haben zwei Ministerialräte, die sich durch die Aeuß-erungen'Dr. Gürtlers betroffen fühlen, vom Minister Tr. Schürff Genugtuung verlangt, ferner wollen auch Beamte anderer Ministerien gegen Dr. Gürtler Vorgehen. Abg. Dr. Eis l e r brachte diese „w elterschütternde" Affäre gestern im Nationalrat zur Sprache. Er behandelte sie vornehmlich von der heiteren Seite. Als Urgrund des Konflikts bezeichnet« er die in G r a z ausgetauchten Bedenken, warum der eine Kammerpräsident in Gold, der andere aber in Gilbet gefaßt wurde. Erschütternd sei der Vorfall in der Presst, denn es wurden sogar Leitartikler in Bewegung gesetzt, um dieses Ereignis entsprechend zu 'würdigen. „Wir wünschen" — sagte er unter lebhafter Heiterkeit des ganzen Hauses — „vom Vizekanzler, als dem zuständigen Ressortchef, eine akten mäßige Darstellung deS Falles. Tie Sache scheint aber auch einen ernsten Hintergrund zu haben. Es wird nämlich behauptet, daß die verschiedene Behandlung der Handelskammerpräsidenten sich danach richtet, ob einer schon Auszeichnungen und Orden aus der Zeit der Monarchie hat oder nicht. Der Herr in Wien hat angeblich den Franz-Josefs-Orden, und infolgedessen konnte er. einen höheren Grad des Ehrenzeichens bekommen, während der Herr in Graz sich die Zufriedenheit des Kaisers Franz Josef nickst in dem Maße erworben hat und infolgedessen bei der Verleihung von Ehrenzeichen in der Republik schlechter behandelt wurde. Wenn das der Fall wäre, so würde nicht "etwa die verschiedene Dosierung der Orden uns beunruhifen, sondern bi« Angehörigkeit, die in der Berücksichtigung der kaiserlichen Auszeichnung bei der Einschätzung der Menschen überhaupt gelegen ist. Diese Affäre, die vom Mein ihren Ursprung genommen hat, gibt uns die Lehre: Die Republik hat zu solchen Dingen Der Wehrbund Rheinland. Ile Schlacht von Mvling vor den Schöffen. — Ser dritte Berhandlunastag. sich die Abdrücke im Schnei und Reb Jekel fühlte, daß ihm das Herz stille stand. Nun war alles zu Eitde. Er war dem Umsinken nahe, Aber was war das? Er bückte sich und erblickt«- Mi tiefe, parallel laufende Furchen im Schnee, wie sie nur ein schwerer.Schlitten zurückgelassen haben konnte. Hier war der -Fahrweg. Reb JekelS Herz wurde mit einmal so weit, so voll Dankbarkeit, daß er kein Wort hervorbringen konnte. Er lispelte nur: „O Gott, v Gott!" . . . Nun mußte gewiß bald ein Leiter Schlitten kommen und die Pein war zu Ende. Aber seine große Erschöpfung konnte er wicht bemeistern. „Nur ein wenig a-usruhen, nur ein ganz klein wenig, nur einen Augenblick," bat er sich selbst um Erlaubnis und suchte die Stimme in seinem Innern zu betäuben, die ihm zur-ies, der Lockung zu widerstehen. „Nnr eine kleine Weile will ich hier sitzen, Gottes Hilfe ist ja nahe." Er setzte sich -in -den Schnee hin ltitb begann, die Lippen kaum bewegend, das Abendgebet zu murmeln. Poch bald überwältigt« ihn eine groß« Müdigkeit, die sich wie ein Nebel verwirrend um seine' Sinne legte. Nun war.es hier-warm'Und weich zu sitzen. Aus seinen Füßen war die KAI« ganz geschwunden,, ja. er fühlte gar nicht, daß er Füße hatte, auch Ohren, Nase und Fingerspitzen waren auf einmal warm. Ein wonniges, köftl-iches Gefühl durchrieselte seinen ganzen Leib. Aus »weiter .Ferne glaubte er eine Stimme zu hören, die seinen Namen rief.-Es war der Rabbi. „Reb Jekel, ist Reb Jekel nicht da?" Ja er lst da und gleich wird er singen. Trotz seiner Betäubung, die ihn umfängt, saßt ihn. ein großes Staunen an. Er fühlt deutlich, daß er-hier bis zu -den Knien -im Schnee dasitzt, und boch sieht er sich klar, wie er aus dem Almemor steht, hoch über -den Köpfen der versammelten Menge, und hört seine eigene Stimme, die „Lecho-Da-udi" singt. Die ganze Synagoge ist ein einziges Meer von Licht. Alle tauchen tarn unter -und blicken ihn mit ihren flammenden Augen an-, er aber singt ohne AuWren. Langsam bewegt sich das Almemor nach oben, jene versinken immer tiefer, und er erhebt sich immer Mer und. höher, und zwischen ihnen wogt, ein endloses Meer von Strahlen und Tönen . .. \" v v -.; ' - , Der Schnee fiel in dichten Flocken zur Erde her-unter. Die Flocken wirbelten und tanzten in der Luft auf und nieder und Verhüllte^ die Well mit einem Schleier. Allgemach häufte sich am Wegrande ein Cchiicehi'igelchen an, und darunter schlief Reb tzel-el den ewigen Schlaf. Wer den Gerichtssaal betritt, empfängt einen sonderbaren Eindruck. Wo sonst feierliche Strenge herrscht, gibt e8 ein schon ichr ungezwungenes Gewimmel dieser jugendlichen tzakenkreuzler. Sie prägen der Stätte ihr Milieu auf. Während der kurzen Verhandlungspause begaben sich die Burschen .unter Führung ihresr „Oberleutnants" in ein eigens für sie reserviertes Zimmer und machen dort Lärm und treiben Allotria. Man fühlt sich in em Klassenzimmer wahrend der Pause versetzt. Die Burschen benehmen. sich auch sonst sehr herausfordernd und tragenalle, so weit sie nicht angellagt, sind, ras -Abzeichen des Sturm-! trupps „Rheinland". Dagegenhat einer der Jünglinge, der An-i geklagte Bergner, vorgestern den Berichterstatter der „Ar-, beiterzeitung" an gestänkert, weil dieser das sozialdemokratische- Parteiabzeichen trug. Der Vorsitzende verfügte zu Beginn der gestrigen -Verhandlung, daß: alle Prrteiabzeichen inn VerbaMungSsaale ab-zu legen sind. Für gestern waren 25 Zeuge« vorgeladen. Der Präsident machte ihnen die Wahoheitserinnerung. - Dann wird als erster der Installateur Emil HradSky' vechört, gleich'allS Mitglied der Rheinlanldtruppe. Seine An-i gaben decken sich, mit denen der Angeklagten und der verhörten Entlastungszeugen. Sehr lebhaft gestaltet sich die Einvernahme des 19jährigen Tischlergehilfen Karl Krauß, der gleichssalls Mitglied der, Rheinlandtruppe war. Präs.: Es soll ein Mann mit einem blutigem Dolchmrsser zu Ihnen gekommen sein und mit Beziehung auf Müller gesagt haben, „der hat genug". Zeuge: Das ist richtig. — Präs.: Dieser Mann sollder Angeklagte Bergner gewesen sein. — Zeuge: Das kann ich nicht bestimmt sagen. — Aus Geheiß des Präsidenten wird Bergner dem Zeugen gegenübergestellt, dieser kann aber in ihm nicht den Mann mit dem blutigen Dolchmesser erkennen. — Präs.: Aber Bergner gibt es doch selbst zu. daß er sich sich an Sie gewendet habe. Im weiteren Verlaufe der Vernchmung hält der Präsident dem Zeugen, Widersprüche in seiner Aussage vor. Nach längerem Kreuzverhör bemerkt der Zeuge:' Ich mochte noch etwas Vorbringen, was meines Ansicht nach für die Sache von höchster Wichtigkeit ist. Schuld an den ganzen Börsen ist eigentlich die Gendarmerie, denn sie hat sich im richtigen Moment gedrückt. — Verteidiger Rr. Riege r: Wann haben Sie also die Gmdamerie wieder gesehen? — Zeuge: Na. wie halt alles vorbei war. — Johann Jlczuk. der in der Untersuchung als Beschuldigter einvernommen wurde, gab an, daß er den ersten Schutz nicht an der Ecke der Wienerstrafte und der Nochpalgasse, wo das erste Zusammentreffen mit der Arbeiterwehr statt'and. gehört, sondern erst an brr Ecke der Nordpolgasse und der Managet'agasse, wohin die Arbeiter nach bem ersten Zusammentreffen flüchteten.' ■ Hugo Schwarzmüller behauptet im Gegensatz zu Karl Krauß, der an der Ecke der Wienerstraße und der Nordpolgassei nicht'vom einstöckigen Haus links.', sondern aus der Richtung der Trasikhütte rechts geschossen wurde. - Zeuge Josef Maurer, Hciudelsaugestelller, seinerzeit als i Beschuldigter einvernommen, erklärt, die Truppe fei von vorne und von der Seite beschaffen Wacken. Als Zeuge während' des Sturmes bei dem -auf dem Boden liegenden Müller hielt, rief ihm ein Kamerad entgegen: „Der Kerl lauf Müller weisend) hat den Oberleutnant angeschoffen". Wer ihm das zurief, könne er nicht sagen. Zeuge hat dann mit anderen Kameraden den Werkführer Müller vom Platze getragen. ~ Bors.: Er soll geschleift worden sein. ' " Zeuge (scharf): Das. ist nicht wahr, er wurde von utti» getragen,t — Der 18jährige.Schriftsetzer Rudolf M e I ß l berichtet, daß . Roland Steingruber von einem Mann einen Schlag erhielt; er -schlug zurück und gleich darauf fielen zwei Schüsse. — V.o r s.: Wäre es nicht denkbar, daß Leute Ihrer eigenen Formation geschossen haben? — Zeuge: Nein, denn sie sind erst nach dem Fallen der Schüsse gelaufen. Da der Zeuge aus weitere-Fragen unklar antwortet und' aus den polizeilichen Bechörsprotpkollen sich Widersprüche mit seiner heutigen Aussage ergeben, ' belehrt ihn der Vorsitzende, nicht rückhältig mlszusagen, well daraus, gefährliche Folgen für ihn entstehen könnten. Dre beiden nächsten Zeugen lecken, wie die meisten Hecken von iMcdlmg, an Bergeßlnchkeit, einer im Ernstfall stets ach tretenden Hakenkreuzkrankheit. i Nach einer kuvM Mittagspause wurde das Zeugrnverhör fortgesetzt. Die Mitglieder des Rheinlandbundes, Leopold Toms nn, Hermann Dieser, .Anton Engler, HanS WieSbauer, Eduack Zboril, Josef Zelenka und Ernst Mayer sagten wie auf Kommando auS, daß die ersten Schüsse von seiten der Arbeiterwehr gefallen seien. Der letzte Zeuge behauptete sogar, daß der Hakenkreuzlertrupp schon auf dem Wege zum Bahnhof überfallen wurde. In der Nachmittagsverhandlung gab es wieder eine Reihe von Zwischenfällen, die durch das provokante Benehmen der Hakenkreuzjünglinge' hervorgerufen wucken. Der Rheinlandbundmann Josef Maurer attakierte neuerlich einen Journalisten. Er rief ihm zu: „Daß Sie un§ nicht mehr Hakenkreuzler heißen, sonst komm' ich Ihnen!" Darüber entspann sich ein heftiger Wortwechsel. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung bat der Verteidiger Dr. Grobb e it den Vorsitzenden, die Angoklagten vor den Journalisten m Schutz zu nehmen, da von der Journalistenbank ihnen gegenüber der Ausdruck „Buben" gebraucht wurde. Der Vorsitzende erklärte, in Hinkunft dafür Sorge zu tragen, daß sich solche unliebsame Zwischensälle nicht mehr ereignen. Doch e8 dauerte nicht lange und einer der Buben rief wieder eine unllsbsame Szene hervor. Der Angeklagte Bergner, der schon vorgestern einen Journalisten molestierte, schnitt dem Verteidiger der Privatbeteiligten Dr. R i ch t e r fortwährend Grimassen. Deshalb beschwerte sich der Verteidiger beim Vorsitzenden. Daraufhin sprang Bergner ans und schrie: „Herr Doktor, lasier Sie mich in Ruhe. Das ist eine Gemeinheit, die vertrage ich nicht!". Der Vorsitzende ermahnte den Angeklagten zur Ruhe und drahte, ihn abführen zu lassen. Bergner bekam einen förmlichen; Tobsuchtsanfall, schnappte nach Last und mußte von JusiiBeamten gelabt werdett. Dr. Grobben entschuldigte ihn mit dem HiMeis darauf, daß er sehr nervös sei und deshalb immer mit den Lippen zucke, was Dr. Richter fälschlich als Grimassen bezeichnet habe. Unter allgemeiner Erregung wurde die Verhandlung geschlossen. Das Zeitgerwechör wird heute fortgesetzt. 574029

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