Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2445 (12.12.1925)
- Date
- 1925-12-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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xonn-f PnhOmo DQr a,n Zo°- Berlin, riard'ent ergstr L7 OUUCIliG Dflt D.rektiom N. von Benedito Trelfpunkt der Fremdenwelt Berlins Ä'Uhr-Tee » Soop r prlx fl* ♦ fentdilie Küche Kndl;: ScAlA*SotM>oiodj Milano 7 Kerker de« w^ner HumoMst Chailie Woofcei privilegierte Stellung verschafft Men, so tvürdcn in solchem Falle di e übrigen Volkselemente, d?nen diese bevorzugte Stellung der Aldrn zum Nachteil gereicht, das Recht gewonnen haben, gegen die ungarische Regierung mit einer Beschwerde vor den Völkerbund zu treten. Hier ließe sich etwa die Einwendung erheben, daß die Minderheiten keiner Beschränkung unterworfen werden dür'«n, eben weil sie Minderheiten seien. Was können w'.r aber tun, wenn dies« Beschränkung .unerläßlich'ist und 'ihr alle Welt Mehrheit und Minderheit m gleicher Weift) Mterwor'en werden -muß? Graf Klebelsberg analysierte sodann die Nmoritätenbestimmungcn des Vertrages von Trianon. Er wies nach, daß jüdische Hörer aus den Provinzu-niversitaten sich in großer Anzahl befinden. Die jüdischen Wünsche richten sich ab er a u f di e Un iversität Budapest, die katholischen Ursprungs i ft. Wenn wir den Artikel 58 des Vertrages von Trianon berücksichtigen, so kann für die Juden nicht eine privilegierte, sondern eine gleichmäßig« Behandlung verlangt werden. Obzwar d'.e Berhäliniszahl der Juden zur Gesamr-Ledo.'keruug 6 Prozent beträgt, so bewegt sich ihre Prozentzahl auf den ungarischen Universitäten zwischen 12 und 13. an einer Universität sogar 45, aus einer Fakultät aber vollends 62 Prozent. Unter denen, die nicht zugelassen wurden. befinden sich die Christen in den ersten Jahren in der Mehrheit. Der Minister polemisierte sodann gegen die juridische Auffassung der Beschwerdeführer. Im gegenwärtigen Fall, sagte er, handelt es sich nicht um eine Beschränkung, die die zur Minderheit gehörigen Bürger trifft, sondern um eine generelle Beschränkung, die in einer vorübergehenden Notwendigkeit begründet ist. Im übrigen wird beim Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum «it einem Matrilelavszvg vvrlreb genommen. Anthropologische Gesichtspunkte werden nicht angewendet, sondern es wird die gegenwärtige Religion geprüft, vc-raukgrft^t, daß es sich nicht um einen ausdrücklich zunr Zwecke der Zulassung vollzogenen Clanbenswechsel handelt. Der Teil der jüdischen Bevölkerung Ungarns, der sich dem nationalen Geiste assimiliert hat, beurteilt klaren Micks die Lage, und obzwar er den Numerus clausus als lästig empfindet, hat er dennoch keine Bewegung gegen den Numerus clausus initiiert, sondern im Gegenteil Verwahrung xegen das Hierherbringen der Frage. eingelegt. Er hat dies aus Patriotismus getan, und lveil er den glücklichen Prozeß der Aussöhnung durch nichts stören will. Dieser Teil der ungarischen Minderheit hofft, daß die Angelegenheit in nicht ferner Zeit und nach entsprechender Vorbereitung eine günstige Lösung finden werde. Am verletzendsten für uns und auch am unverständlichsten ist die Begründung der Beschwerde, wonach das Hauptziel der Bewegung darin bestehe, Aus Sabbat Shanula. Girre Skizze aus dem Leben der Chassidim. Bon Binjamin Segel. ,Fourm', o Freund, der Braut entgegen, Königin SaUxrt lass' uns empfangen!" Dieses Berölein trällerte Reb Jekel Melammed leise bot sich hin, während er vergnügt in der niederen Stube auf und ab ging und seinen Gebetmantel zusammenfaltete. Oben an der Wand qualmte die Lampe und erhellte nur schwach den Raum; durch die Fenster drang der blaue Schein des eurachenden Wintertages. Draußen mußte ein grimmiger Frost sein, denn die Scheiben waren von einer dicken Eiskruste überzogen, aber im Herzen Reb Jekels herrschte eitel Freude und Wärme. Arin heute - sollte er sie alle auf zwei, drei Tage los werden, nämlich seine Schüler, die vier Holzklötze, weiche ihn um sein« Lunge brachten, tvenn er ihnen den Wochenabschnitl aus der Bibel erklären sollte, und ihren Vater, den brummigen, verbauerten Schankwirt, der jeden Gruß nur mit einem ,Hm! hm!" beantwortete, und seine dicke Ehehälfte, die ewig keifende und fluchende Hausfrau. Reb Jekel fühlte sich hier wie in der Holle, aber es «.rar offenbar Gottes Wille, daß er in diesem entlegenen Torfe, in dieser Einöde, unter ungeschlachten und rohen Menschen noch einen Winter hindurch das peinvolle Dasein eines Hauslehrers fristen sollte. Und Reb Jekel murrte nicht. Doch jetzt, da er auf den Sabbat Chanuka nach Haufe sollte, war er freudig erregt, wie wenn ihm ein großes Glück bevorstünde. Was war das aber auch herrlich, einen Sabbat, und erst einensolchen, daheim bei den Leinigen zu verleben! Man mußte, wie er, zwei Monate in der Fremde, in dieser Umgebung verlebt haben, um dies fühlen zu können. Darum drängten sich ihm die zwei fröhlichen Verse des Sabbatliedes auf die Lippen, und auch noch viele andere Verse und Melodien, die er aber hinunterschlucken mußte, denn der Hausherr liebte nicht, daß man sang. Dafür wollte er sich heute : abends schon schadlos halten. Daß er und kein anderer beim Abendgotlesdieust in der picht gejüllten, lichtstrahlenden Synagoge gramer imorgenzernrnA die Einführung des Numerus elaufuSin anderen Länder« . zu verhindern. Es darf nicht gestattet werden, daß der Versuch Lueieu Wolfs, einen Präzedenzfall zu schaffen, dahin führe, daß tatsächlich ein Präzedenzfall geschaffen wird. NackMücklich verwahre ich mich dagegen, daß Ungarn zu Zwecke benützt werde. Ich fasse das bisher Gejagte zusammen. Der Numerus c.ausuS ist eine UadergangMaßnaHme, die ffch auf die Fachschulen nicht erstreckt. Jne'.mr Zeit, in der die Prcletavierdiktatur noch in lebhafter Erinnerung lebt. Ungarn verstümmelt tvurde, Flüchtlinge da§ Land üderffulekn und die ganze Lebenshaltung in eine kritische Lage geraten ist, die unoavische Mittelklasse sich noch in unsicherer Lage befindet und de Spannung in den Seelen noch zu groß ist, könnte die Abschaffung dieses Gesetzes leicht zu einem Bruch zwischen der jüdischen und der christlichen Gesellschaft führen. Wir aller wünschen eben, dies zu vermeiden. Darum bitte ich den Rat, meine im Namen der ungar i s ch e n R e g i e r u n g abgegebenen Erklärungen zur Kenntnis zu nehmen und über di« Frage zur Tagesordnung überzugchen. Am Schlüsse der Sitzung ersuchte der Referent M «l l o Franco, ihm Zeit zur A-bsiassung seines Berichtes zu geit-en. Der Rat stimmte diesem Ansuchen bei. GamStag fällt die Entscheidung. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Genf, 11. Dezember. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Bölkerbundrates wurde zunächst die Frage der griechischen und türkischenMinderheiten von der Tagesordnung abgefetzt, da die Vertreter beider Parteien die Erklärung abgaben, daß sie sich über diese Angelegenheit direkt verständigt hatten. Die Erledigung der Frage des Numerus clausus in Ungarn wurde über Ersuchen des ungarischen Außenministers auf Samstag verschoben. ES ist iu Erwägung gezogen worden, ein Gutachten des I n t e r n a t i onalen Gerichtshofes im Haag darüber einzuholen, obdasNumerns-elausus-GesetzinUngarn den Bestimmungen des Friebensvert rag es von Trianon widerspricht. Der Gründer Vertagung der Frage aus die morgige Ratssitzung ist nun, wie „Schweizer Preßtelegraph" erfährt, darin zu suchen, daß der Berichterstatter über diese Angelegenheii, MeNo-Franeo (Brasilien), auf Grund seiner Beschäftigung mit der Frage und der eingeholte« juristkscheu Gutachten zu der Ansicht gekommen ist, es sei n i ch t notwendig, in dieser Sache den Haager Gerichtshof zu bemühen; Metto-Framo hat vielmehr die Ueberzeugung gewonnen, daß das ungarische Gesetz im Widerspruche zum Vertrage von Triauo« steht, und wolle eine -entsprechende Meinungsäußerung des Bölkerbundrates herbeiführen. Die ungarische Delegation ist jetzt mit allen Kräften bemüht, diese ihr sehr unangenehme Erledigung abzuwenden, daher hat sie, um Zeit zu gewinnen, das Ansuchen um Vertagung bis morgen gestellt. das Lecho-Oaudi*) fingen werde, stand fest. Sobald tmm inne und der Rabbi, in einem Winkel am äußersten Ende der Ostwand, «.wendete fein schneeiges Haupt und ries über die Versammelten hinweg: „Reb Jekel! Ist Reb Jekel nicht da?" Und wenn Reb Jekel da war, mußte er hinauf und das Lied vortragen. Es dauerte eine geraume Weile, bis er sich zum Almemor hindurchdrängte, besonders an einem „guten" Sabbat, wie der von Channka, da Chassidim aus allen Weltgegenden zum Rabbi kamen und die Synagoge voll war, daß keine Stecknadel zur Erde fallen konnte. Das murmelte und raunte und rauschte wie ein vom Winde betvegter Wald. „Wer ist das? Wer ist das?" „Ah, Reb Jekel wird Lecho-Taudi singen!" Dann stimmte er daS prächtige Lied an, und die Leute wurden still, daß keiner Atem zu holen wagte. Zuerst sang er leis«, gleichsam zagend und unsicher, denn Reb Jekel war schüchtern, und wenn er fühlte, daß all diese unzähligen Augenpaare auf ihn gerichtet waren, wurde er vollends besangen. Allmählich aber riß ihn der Strom des eigenen Gesanges fort, er vergaß -alles ringsum und aus der Kehl« drangen ihm die Töne in mächtigen Wellen, bald sanft und kosend, bald wie ein kräftiges Brausen. Der Rabbi schloß gleich die Augen, um besser hören zu könne«; durch die Menge lief ein Flu» stern: „Ah, ah!" Nach einer jeden der ersten paar Strophen sielen sie mit fürchterlichem Getöse ein, daß man meinen konnte, die Wände wurden einstürzen. Stufenweise jedoch schien der Gesang sie wie durch einen Zauber zu bannen; manche beugten sich mit gespitzten Ohren vornüber, andere seufzten vor Wonne oder stießen einzelne verzückte Laute hervor, wieder andere ließen die Köpfe sinken, wie träumend oder als hätte der Sänger sie in ferne, unbekannt« Metten entführt. Ta waren besonders zwei Strophen, welche die stärkste Wirkung übten. Die eine war wehmütig, schmelzend und weich wie die Trostworte einer Mutter; die andere tönte kraftvoll und munter, jauchzend wie ein Jubel- und Weckruf. Bis der letzte Ton verklang *) Die erwähnte Sabbachymne. > nämlich zu dieser Stelle kam, hielt der Borbeter gewöhnlich is. las« -KL» nouoadstrasie 14 DaS Zentrum In Kairo. Beirut, 10. Dezember. Die Aufständische» in der llnigebuiig von Hasbaya sind in die Berge des Hermon (nächst der palästinensischen Grenze) geflüchtet. Die Bevölkerung kehrt wieder in die befreite Stadt HaSbaya zurück. Der Aufstand in Syrien ist von der Zentrale der syrischen Nationalisten, die in Kairo ihren Sitz hat, angezettclt und wird von ihr geleitet. Bon dort wird auch a n f d i e T ü r k e n eingewirtt, ihre Neutralität auft zugeben und sich den syrischen Aufständischen anzuschkiehen. Im Zusammenhänge damit wurden — wir bereits kurz berichtet — einige türkische Führer in Damaskus verhaftet. Jorrvenel kündigt eime Verfass««- am. London, 11. Dezember. Nach einer Meldung arü. Beirut hat der ftanzösische Oberkommissär Henri de J o uvenel einen Aufruf an die Drusen veröffentlicht, worin er ihnen die gleich« Verfassung verspricht, wie sie die Bewohner des Libanon besitzen, soserne die Druse» mit Frankreich Frieben schließen. Mae jüdische Abordnung bei de Jvudeurt. Beirut, 9. Dezember. (I, T. A.) Der neue französische Oberkommissär für Syrien, Senator de Jouveu el, empfing in Beirut Vertreter der einzelnen Religionsgemeinschaften und Nationalitäten. Syriens. Auch eine Abordnung der jndischen Bevölkerung, bestehend aus dem Oberrabbiner und dem Vorstand der jüdischen Gemeinde, fand sich. beim Oherkommissär ein. Die jüdische Abordnung gab ihrer Loyalität gegenüber Frankreich Ausdruck und führte Klage darüber, daß auch dieIudenschas 1 von Damaskus, brr infolge des Bürgerkrieges materiell zugrunde gegangen ist, verpflichtet worden sei, einen Teil der der Stadt auserlegten Kontribution zu zahlen, sowie daß die Juden zur Zählung einer Kontribution verurteilt würden, obwohl kein Jude an dem Aufstand aktiven Anteil genommen hat. GtratzrBtkLinPfe rn DamaÄkmÄ. » London, 11. Dezember. „Daily Telegraph" meldet aus Damaskus, daß gestern berittene Briganten bei hell-- lichtem Tage mitten durch die Stadt zogen, die Gendarmerie in verschiedenen Stadtvierteln entwaffneten und die französischen Posten im Christenviertel angriffen. Es fand eine Beschießung der Gärten statt. Die meisten Basare blieben den ganzest Tag geschlossen. Frazösische Tanks patrouillieren in den Vorstädten. Es kam zu lebhaften Feuergesechten. Die Drusen, die in Gruppen zu 20 MaNn zweimal in di« Stadt eindrangen, wurden schließlich durch gepanzerte Automobile, Artillerie und Gendarmen vertrieben. und Reb Jekel wie aus einem Zauberschlaf erwachte. Während er auf feinen Platz zwischen Tür und Ofen zurückkehrte, streckten sich ihm unzählige Hand« entgegen, man zauste und zupfte ihn: ,^Oj, off Reb Jekel. ach!" Oder.' „Na, na, Reb Jekel, lvar das aber ein Singen!" . .. Ein heiteres Lächeln spielte um seine Lippen bei diesen Erinnerungen, und er überlegte eben, welche Melodie für diesen Abend die passendste wäre, ob die vom „großer, Zaddik" iu tiefen, schnrellenden Morden komponierte oder jene von Jerncham, die leicht und hüpfend 'war, als Peksa, der Knecht, eintrat und eine Schüssel mit dampfendem Brei, einen Laib Schwarzbrot, und «men Salznapf aus den Tisch hinstellte. Reb Jekel sollte frühstücken, aber sein Herz war so bewegt, daß ihm die Speise nicht über die Lippen wollte. Aleksa machte sich an das Aufräumen der Stube und sagte: „Ei, ei, Panie Jekel» Ihr wollt also just bei diesem Frost nach Hause gehen? So gießt Euch doch tvenigstens den Bauch voll, das wärmt MterwegS. Freilich, ich möchte Euch geraten haben, hübsch in der Stube zu sitzen und nicht die Nase vor die Tür zn stecken. Wartet ein r«ar Tage, vielleicht läßt der Frost nach. Euer Haus läuft Euch ja nicht davon, welcher Teufel reitet Euch, gerade heute heimzulanfen?" Reb Jekel lächelte überlegen. Aleksa cvar ein guter Mensch, aber was verstand ein Bauer von solchen Sachen? Natürlich wäre es vergebens getvesen, ihm begreiflich machen zu wollen, was es heißt, gerade am heutigen Abenden Weihebecher an seinem eigenen Tisch zn feere« und dann beim Sabbatmahl zur Rechten des Rabbi zu sitzen und die Tischlieder zu singen .. . „Pah, der Frost wird mich nicht aufesstn. Nein» Mksa, sei ohne Sorge. Hat man schon viele Erfroren« gefunden? Du sollst sohen, Sonntag, so Gott will, bring' ich dir äuS der Stadt ein blankes Messer mit und einen Tabakbeutel» wie du ihn -schon lauge haben möchtest." In Wleksas Augm blitzte es auf; aber er versetzt«: „Wenn Ihr wenigstens einen Petz hättet oder ein Paar Tuchstiefel! Aber in diesem federleichten Kaftan! In Euren Stiefeln freilich wird der Frost sich nicht lange aushaltm. Durch da« eine Loch geht er hinem