Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2444 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Gelte 3 Wien» Freilüg Wiener Moraenzeltrrng 11. Dezember Mö , Nr. S444 Di« Efendis mögen sich mit Tod und Teufel verbünden, von kleri'kt.len Juden und anderen Antisemiten unterstützt werden — das jüdische Werke gcht vorwärts. Weizmann hat dies in Gens formuliert: Erez- JsvaÄ wird echamt tvevden und es gibt keine Macht m der Wett, die dies verhindern kann. Ser Aulstand i« Wie«. Mohammedaner und Zirkassier. London, 10. Dezember. Nach einer Meldung der „Times" ttuS Beirut ist die telegraphische Verbindung zwischen Damaskus und Kuneitra von den Aufständischen neuerdings unterbrochen worden. Nederall auf den Bergen sicht man die Feuerzeichen der Drusen, die die Bevölkerung zum Anschluß an die Aufständischen bewegen sollen. Eine grcße Versammlung hervorragender Führer ber Syrier und der Zirkassier fand im H e r m o n g e b i r g e statt, wobei der Bund zwischen den Mohammedanern und den Zirkassiern erneuert wurde. Gin Gefecht an der palSsttaenflschen Grenze. London, 10. Dezember. (Reuter.) Die Blätter melden aus Jerusalem: Eine von den Franzosen verfolgte Bande von Drusen ist auf palästinensisches Gebiet übertreten. Hierbei kam es zwischen der Bande und e n g l i f ch e n Ge ndarmen zu einem Kugelwechsel, bei dem eS auf beiden Seiten Verwundete gab. (Es handelt sich hier um die von uns kürzlich berichteten Kämpfe in der Gegend von Metullah. Die Drusch wurden abgewiesen. — Red.) Xtasfogitttti der syrischen Mandatsfragr. Bens, 8. Dezember. In Kreisen des Völkerbundes wird darauf hingewiesen, daß die MandatskrmmPon in der letzten Tagung die Behandlung der syrischen Angelegenheit auf die im Februar in Rom stattfindende außerordentliche Tagung verschoben hat, so daß es dem Rate nicht möglich sein wird, sich mit dem syrischen Mandat »Well zu bc- I-II-N. Der Dökkerbundrat hat in feiner heutigen Sitzung den Wunsch ausgesprochen, daß in Syrien bald wieder Ruhe und Ordnung emtreten möge. Jshan Dschanir Bei in Gens. Paris, 10. Dezember. (Havas.) „Chicago Tribüne" meldet aus Genf: Jshan Dschanir Bel, der sich für ktt Präsidenten des syrisch-palästinensischen ExekutivkomiteeauSgibt, ist hier.ewgetwffe« und hat heim Generalsekretär. des Völkerbundes Erik Drumm o u d um eine Audienz angesucht. Die französischen; und die engHjchen Delegierten sind übereingekommen, sich dieser Unterredung zu wider setzen. Ue KahMea in Med!««. London, 10. Dezemita. (TA.-Komp) Nach einer EWl* ituifl de» .International New» Service" aus Jerusalem hat I d n S a u d, der Sultan der Wababiten. sich nach längeter Belape ung der tieiltaenSradt Medina bemöchtigt. Medina wutte vott Ali, dem Kömg de» HedschaS, persönlich verteidigt. . Infolge d e S F a l l e S v o « M e d i u a beberrscht I d n Land, nnnmedr die S i raß e von Baläfti« a »och t tat HedschaS sowie sie Eisenbahnlinie Medina-DamaSkus Krtetirnevtrhandtunzen ln Narotto. London. 10. Dezember. (Reuter.) Die „Westmlnster Gazette" Meldet, ihr Betichtnnatter in Ta» er, Canutug. sei von A d d 11 ft * i m offiziell beouftrogt. über den Ablchluß e n«s Friede«» auf Grundlage der ftanzSsisch-spa- Nischen Bedingungen zu verhandeln. 6in Meiler Belach Mltschcriiu in Park,. Pari».' 10. Dezember. (Tel.-Komp.) Der russische VolkStommtfsär der Aeußern. T t ch t l s ch e r t n. der zu zeit in SÜdfrankreich zur Kur weilt, wird morgen in P arir erwartet, wo er vor seiner Rück, esse noch Moskau mit dem rvfsiichen Botschafter R a k o w»t i zulammeumffen wird. Ruhla«-und Chlnc. Tokio, 1V. Dezember. (Reuter.) Nachrichten veS KriegSmmißerium vehusxten. daß die r u s s > s ch e n T r u a p e n an der ch i»e s t t ch e» Grenze anscheinend v e r st s r k t enden. Sie französische Kammer gegen Amerika. Paris, 10. Tezemlter. (Tel.-Komp.) Irr der heutigen Sitzung der Kammer, in der das Budget des Außen- ' Ministeriums erledigt wurde, Mach der kommunistt-sche Deputierte C a ch i n über die internationale Schuldet»- rrgelung unter heftigen Ausfällen -egen die Bereinigten Staaten. Er bezeichnet« die Forderung der ehemaligen Alliierten Frankreichs in der Höhe von 150 Milliarden Franken als irn moralisch. Amerika wev.e Frankreich vor, daß es nicht abrüiste, die Vereinigten Staaten aber gebr-n selbst ein fchlechites Beispiel. da sie ihre Rüstunge.» ständig vevstävken.. Amerika wolle, nachdem es Deuts ch l and, Belgien, Jtalien und Pölen in seine Abhängigkeit gebracht habe, auch Frankreich in eine Schuldtnechtschaftzwing en. Die Angriffe dekommunistischen Deputierten gegen Amerika wurden vcn der Mehrheit der Kammer, auch von der Rechten, mit Beifall auf-« »ommen. Lr. Luther - prösamtiver Kont'ltonakanrl«. Die Sozialdemokraten zu Verhandlungen bereit. Berlin, 10. Dezember. Die sozäastischeReichStagSfraktiontst heute nach mehrstün. d'ger Erörtetung der Frage der Bet et ltgung an der großen Koalition zu dem Enliedluß gekommen, sich a» der Fortsetzung der Verhandlungen zu beteiligen. Die Fraktion will dem R e i ch ö v r L s t d e n t e n die B e b i n g u n e e n m i t t e i l e n, die sie a" ibn Betet igung an einem Kabinett der großen Koalition knüpft. Die V e r » j f e n t l i ck u n g die er v e d tu gangen wi d «folgen, sobald der Reichspräsident die entsprechenden Mitteilungen in Händen hat. Ta sich d e d e u t s ch e V o l k S p r r t e t für die große Koalition mit Eiusch uß der Sozia demokraien au-gesorochen hat dürft« Dr L u t b e r als kremier defiguiert werden, um die Mit onsbildung zu vermttlel». Sin neuer vruticher «nnd. Bayrisch« MonarchisttuplSne. München, 10. Dezember. (Wolfs.) Inr bayrischen Landtag fragte der sozialdoinokratische Abgeordnete Dill die Regierung, welche Schritte sie gegen die Tad'.Mt der monarchistischen Aktivisten eingeleitet habe. Dazu (ührte er aus, am Borclbenb des SedantageS 'hätte Kronprinz Rupprecht eine Besprechung mit Helffer-ich und Hergt gehabt, wobei man die Bildung eines Deutschen Bundes unter Bayern- Führung unter LoStventmng von Hannover, Rheinland, Schleswig-Holstein und Oberschlesien als selbständige Bundesstaaten, erörtert habe. Die Durchführung dieser Planer scllte mit.Hilfe der Entente erfolgen. Kohr habe mit tan französischen Gesandten ln München. Dard, Beziehungen unterhalten. Nachher schloß ein deutschnationaler A'geordneter eine längere Rede mit einem Treuegelöbniö zum Haufe Wittelsdach. Var ntnt lichrchotiomaMe »otfaniwt. Zusammentritt trat 17. Dezember. Prag. 10. Dezember. (Tfchech. P.-B.) Der Präsident der RetmbUk hat dieNationolversammlung für den 17. Dezember einberufen. Heute abends wurden die Mitglieder der abtre enden Regierung vom Präsidenten auf der Burg in Abschied-aud euz empfangen. Sodann erschienen die Äilglieder der neuen Regierung beim Präsidenten und legten in dessen Hände den E1 d ad. »ie,«allen in Jtaftratloraltanti. Prag, 9. Dezember. In -er Revue „Nova Svoboda^ schreibt d:r neugewähl-te Abgeordnete Ingenieur Recas! „Die bedeutsamste Erscheinung der Wahlen ist. daß nunmehr «infolge des Vwvgehrns der Zivilirerwaltrmg die stärkste der jüdischen Parteien in Kavpathorutzland, die Mische Partei mit einem zionistischen Kern, in Opposition tü'tt, welcher er gelang, trotz des gegen sie geübten Terrors und trotz der großen Mittel, welche gegen sie in den Wahlkampf geworfen wurden, über 90.000 Stimmen auf sich zu vereinigen, was gegen voviges Jahr einen Zuwachs von mehr als 1000 SÄnrmert bedeutet. Daß die jüdisch« Partei in radikale Opposition getreten ist, ist jedem klar, welcher an den karpathorufftischen Wahlen teilMhm. De Art und Weise, in welcher die Zollverwaltung gegen sie Vorzug, bedeutet eine ganze Kette von Verletzungen der Gesetzes z-u.-m Schutz der Reinheit der Wahlen. Für die Regierung endeten die heurigen Wahlen in Karpathovußland abermals unglüMch, weil di« Zahl der oppnsitionellen Stimmen sich erhöhte und weil an Stelle von 25.000 oppositionellen kommunistischen Stimmen, welche sich zum großen Teil ans den Reihen der apoli t i s ch e tv nmschikifchrn Muffen rekrutierten, em« bewußte, aggressiv« -und wogen ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Stärke wichtige neue Opposition entstand.. " Der ungarische Numerus clausus. Die Beschlußfassung des BölkerbundrateK verschoben. Genf, 10. Dezember., (Schweiz. Dep.-Ag.) Der BAtalbuatdrat erörterte die beschränkte Zulaffung der jüdischen Studierenden an ungarischen Universitäten, eine Frage, die seil mehreren Jahren in Ge.nls anhä-mig ist. Nach einom Referat Mello Braucoz (BmMien) vertrat UnterrichtSminister Graf Klebelsberg den mgav'schen Standpunkt, wcbei er auf die UeberpvodMon der intellektnellan Klaffe gegcnübrr der Verkleinerung tye'8 Landes hinwies und erklärte, jene Maßnohnre fei zum Schutze der nationailen Mehrheit und der übrigen Minderheiten geschaffen worden und nicht gegen d«ie Juden gerichtet. Vielmehr seien die einheimische» Juden sellbst mit ihr einve rstanden. Die Proteste gintzkn aussch'ießlich von englisch.jüdischen Bereinigungen au». GS fehle eine internationale Vorschrift, die die Einmischung in daS Unterrichtswesen von Mitglliedstaawn auSschließ«. Der Bollkerbundva-j verschob die Beschluffiaffung in dieser Angelegenheit auf einen späteren Zeitpu-ult. * GS werden noch nähere MitteAungen Mer den Verlauf der Verhandlung über den Numerus clausus und den VertagungS-beschluß abzuwarten sein, ehe zu ihtten Slckl'nng genommen werden kann. Mer schon aus dloser knappen Meldung geht hervor, daß Klebel'Sb.erg die verräterische Haltung d «r ungari scheu Juden gegen die Bemühnnken aull'timdischer jüdischer OvAanisattonew m Abschaffung das Schrndr;eseheS in Genf anSgesP'elt -hat. Außerdem verstand es Klebelsberg, in Genf rm Derlaufe seiner Berhandl-ungen Ivegen Diiederherstellung mehrerer vor dem Meg bestandener S t u d i e n st i p e n d i e n für ungarische protestantische Hochschüler an Schüveizer. Hochschulen den Liier die BerWtniffe in vngarn schlecht informierten Hochschnkprosefforen anläh'lch eines dev ungarischen Deleqaftrn zu Ehren gegebenen Festessens seinen Staubpuckt in der Frage d:S Numerus clausus beizwbrmgen. Dazu kommt noch, daß für Ungarn diesmal in Genf überhaupt eine günstigere Äimmung herrscht als M fvüberen Anläffen. Graf Klebol^lierg fühlte sich schon einige Tage, nach seiner Ankunft in Genf so sicher, daß er dem Spezialtorrespondenten des „Vilag". der ihn über daS Stadium der Verhandlun^n über den Numerus clausus befragen wollte, mit der Bemertu-ng abwinkte: „Wir itr soffen uns hier mit dieser Frage viel weniger als zu Hause..." ", ' Sie Wschr MnorM in «rrrrrüniirr. Ein« Red« d«S «bg. Dr. Stern. Bnkartst, 9. Dezember. Im Rahmen der SchuWiatte in der Kammer hielt der jÄische Abgeordnete Dr. Ad^ff Stern eine Rede ülüer die Rechte der jüdischen All in orttät in Großrumänie« und ihr« Wünische aus nationalen und kulturellen Gabieteu. Dr. Stern be» tcntie, daß er ermächtigt sei, auch im Namen des jüdiischen Natbonalverbandes für Siebenbürgen zu sprechen tmd daß sein« Ausführungen die Wünsche der a-«s nationaler Baisis stehenden Judenschaft des ganzen Landewidechpiege'ln. Ter Großteil der rumänischen Juden sbcht auf tan Standpunkt der nationalen Minderheit und übrtgens_ha>be auch die Regierung in vielen Erlässen daS Judentium, ethnisch« Mindwheit anerkannt. In svinen weiteren Ausführungen schilderte der Redner den Verlaus der jüdischen Renaissance betvegttng, di« da 8 gesamte Judentum in den Dienst der Wiederbelebung des jüdischen Volkes stellt. Er kctnntt hiebei zu bem Schluffe, daß die zum Schutze der MmderlMn tzüschafftnen Gesetze und Frteden'Svertrüge sich auch auf die Juden als nationale Minderheit beziehen. Dr. Stern zahlte dann die auf das Schulwesen bezüglichen Wunsche der Jüdischnat'-nailen auf, wobei er bs^nderes Gewicht auij di« Lehverbildungsanstatt«» und das Recht der habrälschen Unterrichtssprache legte. »er S'ek«tt.Vro»rß. Infolge einer Telephonstörung konnte ünde« Ber.cht unseres Lemberger Korrespondenten über die gestrige Verhandlung im Steiger-Prozeß nicht übermittelt werden. Eine Erklärung des Herrn Rand. Redakteur Nathan Rand ersucht uns trat Aufnahme folgender Zeilen: „In der Mittwochverhandlung des Steiger-Prozesses in Lemberg wurde meine bei der Wiener Polizeidirektion am 12. November abgegebene Aussage verlesen, die besagt, daß bei der Lemberger Messe im August 1924 mir der Ukrainer Iwan P roe mitgeteilt habe, der Besuch deS polnischen Staatspräsidenten in Lemberg habe eine starke Garung unter den Ukrainern hervorgerusen, die ukrainische terroristische Organisation habe bereits einen Attentatsplan ansgearbeitet und eines ihrer Mitglieder, nament Olschanski, damit betraut, den Plan auszuführen. Anschließend daran ist ein Protokoll, welches in B«r l i n mit Proe ausgenommen wurde, verlesen worden, worin Proe erklärt, daß alle meine Behauptungen auk der Lust gegriffen sind, und begründet diedamit, daß er im August Ml nicht Mehr in Wien, sondern ln Berlin weilte, sowie daß zu der Zeit, wo das Gespräch stattgefunden haben soll, in Wien keine Messe war. Schließlich erklärte Proe, daß seinem Wissen nach überhaupt keine ukrainische terroristische Organisationbestand. Demgegenüber stelle ich fest, daß bei dem Gespräche, welche» wir über den Attentat-plan de-ukrainischen Terroristen Olschanski führten, nicht von der Wiener — sondern von der Lemberger Messe die Rede war, war im Polizeiprotokolle übrigenersichtlich ist. Proe' Behauptung, daß er Ende August 1824 nicht mehr in Wien weilte, sondern in Berlin, ist durch die Feststellung der Wiener Po» lizeidirektion widerlegt worden, wo eruiert wurde, daß «r erst am 8. September 1924 Wien verließ und spater wiederholt i n W i e n w e i l 1 e. Die Angaben des Iwan Proe, daß seines Wissens überhaupt keine ukrainische terroristische Organisation bestand, entsprechen schon deshalb nicht den Tatsachen, zumal Proe selbst in den von ihm persönlich redigierten nnd herausgegebenen „Presseberichten", de» öfteren ausdrücklich auf dis ukrainische terroristische Organisation hinwieS. Diese Berichte wurden auch von der europäischen Presse wiedergegeben. Sollte Herr Proe auch weiterhin an Vergeßlichkeit leiden, so wäre Ich wohl gezwungen. etwas deutlicher zu werden und unter anderem auch Namen von Mitgliedern der ukrainischen terroristischen Organisation zu nennen, ohne Rücksicht daraus, ob diese Personen sich im Auslands oder in Polen aufhalten. " * Auktion. Dien-tag den 18. d. bis GamStaa den. 19. d., ab halb 8 Uhr, große Auktion, ö. Bez., HtrohbachMe 8, von Mädeln, Teppichen, Klavier, Bildern, ^unstgegenstdnde, Geschenkartikeln usw. Besichtigung: Heute bis inklusive Montag den IS. d. (auch Sonntag den 1V. d.), von 9 bis halb 6 Uhr,