Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2444 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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c P'»en. *5 Wi en <.um Abhoieri in der Expedition, II., labbist!. 1-3, oder in eineiVerschlelsstelle HTratik monatl. o Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. i., Wollzeiie 11 Mit Postversand für Wien and Oesterreich monatlich 6 Schilling . T schecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien; Mon.Din.60. Polen:Mon. 5 Zloty. Deut s c h I a n dt Mon. Gm. 4, Frankreich. Belgien- Mon. Frca. 18 i>acbsaltian«cB bv ir «I«» arbObao-cD rorbehelieu »t. 2444 tener fflien, Freitag. 11. Lezember 182S PMtlna vor dem Merdmidmt. 2er Bericht der Mandatskommission genehmig. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lv g j Eng i and; Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Ru nflnlen Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon. 100Lew«. Schweiz und das' übrige Ausland monatilcn Pres., 5 Redaktion, Administration Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr:'21-102, 25-2-82 IX.. Universltatsstrasse 6-8 .(D uckerei ig. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparka sen-Konto Ni.' 150.693 7. galirgmg Genf, S. Dezeucker. In der heutigen Sitzung des Bölkerbnu-rates wurde nach der Erledigung der österreichischen Frage eine kurze Debatte über allgemeine Problem« des Mlnoritatenschutzes abgeführt, die sich auf den Antrag des litauischen Delegierten, eine e i n h e i tl i ch e Regelung des Mnderheitenschutzes durchzuführen, bezog. Nachdem der Antrag, der allgemeinem Widerspruch begegnete, zurückgezogen worden war, referierte der schwedische Delegierte U n d e n über die Berichte der Mandatskommission. Der Völkerbundrat nahm mit Freude davon Kenntnis, daß die Mandatskommission den Bericht der britischen Regierung über das Pal8stlgamandat eingehend durchberaten hatte und daß die Wünsche verschiedener Kreise der Bevölkerung Palästinas in einer Reihe von Petitionen zum Ausdruck gekommen waren. Der 9lot genehmigte sodann die Arbeiten und die Resolutionen der Mandatskommission und sprach den Wunsch a«S, daß von nun ab ine Jahresberichte der Mandatarmachte bis zum 20. Mai jedes Jahres der MandaLÄomm'sfion vorgelegt werden, damit diese sie »ach eingehender Prüfung rechtzeitig dem Bölkerbuud unterbreiten könne. LorhPlumev Zn Rifchon le Zion. (Nge-ndienst der „Wiener Movgenzeitung".) Jerusalem, 9. Dezember. Der High Cmnmissioner, Feldmarschall Lord Plumer, stattete au fseiner Inspektionsreise durch den südlichen Distrikt > am 26. November- R i s ch o n le Zion einen Besuch ab. Lord und Lady Plumer nahmen mit ihrer Begleitung im Pica-Haus ein Frühstück ein. Mitglieder des Rates von Rischon le Zion, Gederah und Neß-Zionah nahmen an der Gesellschaft teil. Die Pica war durch die Herren R o s e n h e ck und S ch a p i r o, die Leiter der Weinkellereien, vertreten, die Zionistische Exekutive durch Kolonel Kisch. Ser Streit um Mul. Die Türkei nimmt an den weiteren Verhandlungen des Völkerbundes nicht telt Genf, 10. Dezember. (Tel.-Koinp.) Nach Eröffnung der HeutiM Sitzung des Völkerbundntes verlas unter' allgemeiner Bewegung der Ratsdolmetsch ein S ch r e i b e n des türkischen Außenministers Tewfik, in dem dieser mitteilt, daß die türkische Delegation keine I nstruktion besitze, an den weiteren Ve r handln u-- gen des Rates über ■ die Mossulsrage teilzunehmen, nachdem sich der: Rat als Schiedsrichter indieser Frage betrachtet : Präsident Scialoja erklärte, daß 8er Rat trotz des verlesenen Schreibens in der Behandlung der Angelegenheit fortsahren könne. Der Völkerbundrat ging dann in die' Tagesordnung ein. General 2 a i d o n e r erstattete seinen Bericht über die Grenzverletz-u ng en und die Christenverfolgungen an der provisorischen- Gr c n z e des B i l a j e t s Mos f ul. Er erklärte, während seines Aufenthaltes im Irak hätten sich bedeutendere Zwischenfälle nicht mehr ereignet, abgesehen Won der D e p o r t a t i o n d e r christlichen B e v ö l k er u n g, die allerdings einen e r n ft e r e n C h a r a k t'e r-hatte. Die Untersuchung ans dem nördlich der Grenzlinie gelegenen Gebiet habe die Türkei nicht gestattet. ' Der Berich! wurde ohne Debatte angenommen. I Die nächste öffentliche Sitzung des VMerbiinbrates ist' ans morgen, 4 Uhr vormittags, anberaumt. ." Es wirb vermittelt. Genf, 10.-Dezember. (Schwerz. Dep.-Ag.) Trotz der anscheinend völligen Jntransigenz der türkischen/Delegation werden die.Ber Handlungen m der Mossulsrage zwischen ihr und' dem Drei.er-komitee.. des- Völkerbundr a t es, das ans dem Schweden U n d e n, dem Spanier Qui.nones de Leon.und Guani (Uruguay) besteht, fortgesetzt. Die türkische Regierung.hak sich bereit erklärt, dem Völkerbundrat behufs Vermittlung die Hand zu bieten. ' ' Der., britische'Kolonialminister A m e r y ist beauftragt, - Lve.nsu'elle nee Bor'schläge der Türkei zu Prüs e,n. Das weitere Borgehen wird 'in geheimen Sitzungen'des Bö l k e r bu ntz.r-^ate s erörtert werdm, Besonderen Eindruck machte die Rede eines der 8 l t e st e n Siedler von Rischon, der folgendes ausführte: Dreiundvierzig Jahre sind es jetzt, daß wir die Galuth verließen und . hierher' kamen, uni. an der Wiederbelebung des Landes unserer Väter zu arbeiten. Wir fanden hier eine verlassene Wüstenei, ein Land von Sandhaufen, Sümpfen und Felsen vor. Unsere einzige Ausrüstung während dieser langen, riesigen Arbeit war am Tage Pflug und. Egge und des Nachts das Buch. Trotz der großen Hindernisse gelang es uns, unser Ziel unter Aufrechterhaltung der besten Beziehungen mit u n s e r e n N a ch b a r n zu erreichen. Das ist unser Trost und unsere Genugtuung! Eure Exzellenz haben bereits eine Anzahl unserer Dörfer gesehen und wir hoffen, daß Sie Ihre Besuche fvrtsetzen und mit eigenen Augeu sehen werden, wie dank der jüdischen Energie in so kurzer Zeit ein wüstes, vom Fieber durchseuchtes Land zu einem herrlichen, fruchtbar blühenden Land gestaltet wurde und wie unsere Dörfer sich aus ihrer Umgebung hervorheben. Wir begannen - mit der landwirtschaftlichen Siedlung, - weil sie, was ja die Regierung selbst anerkennt, das Fundament für die Wiederbelebung des Landes bildet. Wir danken der Regierung für alles, was sie bisher für das Aufblühen der Landwirtschaft getan hat, aber es bleibt noch sehr viel zu tun übrig, und ich erlaube mir, auf einige noch durchzusührende Maßnahmen hinzuweisen: 1. Abschaffung der Zeh ent ab gäbe,.unter der die Landwirte des ganzen Landes nicht nur materiell, sondern auch moralisch leiden. 8. Gründung einer landwirtschaftlichen Kreditkasse, wie sie in allen Staaten bereits bestehen. 3. Erlassung zeitweiliger Gesetze gegen die R a u b ü b e r f ä l l e und Diebstähle in den Dörfern. 4. Fortsetzung der Straße nbaut-cn. 6. Erleichterung des Exports der Landesprodukte durch A u s b a u d e r Häfen. 6. Schutzmaßnahmen für die landwirtschaftliche Industrie, und 7. Erleichterung der Einfuhr von P a l ä st i n a p r o d u t e n nach England durch unsere Einbeziehung in die Begünstigung der Vorzugszölle. Der Berichterstatter des Völkerbundra-tes m der Mossulsrage, Minister Underi, hatte heute mittag,s neue Besprechungen mit. dem türkischen Minister des Aeußern Tew|sik Rusch di Bei, der seine Abreise aus Gensvorläufig aufg e 's ch o b e n hat. Die Tatsache, daß die Verhandlungen trotz der sehr ernsthaften MeinnngsverschiedenheHten gtoifcfyen dem Rat und der türkischen Delegation weiter dauern, wird in Genf allgemein begrüßt. Es wird allerdings bemerkt, daß die in der letzten Zeit bekannt gewordenen militari s ch e n Vorbereitungen der Türkei sowie die Kriegsdrohungen gewisser ult-vanationaler Kreise dieses Landes nicht eben sehr geeignet seien, d'e Ausgabe des Rates zu erleichtern. Man zweifelt daher sehr, daß es gelingen Imrde, noch während der gegenwärtigen RatZstssi-on zu einer Einigung zu gelangen. Die Dezenibersession des Bölkerbuudrates wird Samstag abends zu Ende gehen, falls nicht die schwebenden V-echaM-ungen über die Mrssulsrage eine VeMngerung der Tagung notwendig machen sollten. ' Eine internationale Konferenz. (EigenLienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 10. Dezember. Der Rat des Völkerbundes Hai gestern auf Antrag der Verkehrskommission beschlossen, zwischen dem 15. April und dem 15. Mai nächsten Jahres eine Konferenz abzuhalten, die sich mit dem Patznnwesen beschäftigen soll. Die Vorschläge der Schweiz. Basel, 10. Dezember. (Tel.-Komp.) Wie die /Basler Nachrichten" aus Bern erfahren, rechnet -man im Bundeshaus mit dem günstigen Abschluß -der bereits gemeldeten Verhandlungen über die Aushebung des Paßvisums zwischen der Schweiz, Deutschland, Oesterreich und Italien-schm in den nächsten Tag en. Der B'undesrat hat heveits neue Vorschriften für die Auslände rkontroIle im Innern des Landes beschossen, die - am 1. Jänner 1926, gleichzeitig mit der Abschaffung des Pisitmzwanges, in Wirksamkeit treten werden. Genehmigt. -^. W i e n. 11. Dezember. Der Bericht. der Mandatskommission über Palä- ' stina hat die Genehmigung des^ Völkerbundrates er-- halten. Eine meritorische Aussprache h>ät nicht' stattgesunden. Der Rat drückte mtr seine Zufriedenheit darüber aus, daß die Strmnmngen der Bevölkerungs- ' kreise Palästinas in Petitionen. zur Kenntnis der Versammlung gebracht wurden. Der nunmehr absolvierte Bericht hatte sich auf die in Frage und Antwort zutage getretenen Mitteilungen der> Paläftinrregierung gestützt. Das zionrstMe Memorandum,! das dem Rat vorlag, lvar in allen Angaben durch die amtlichen Erklärungen bskräistigt Wochen und obzwar bisher nichts über' die Stellung der. Kommission .bekannt geworden ist,- kann, myn doch dem Genehm igungsbeschluß des Plenums entnehmen, daß er weiter nichts zu beschließen hatte. Der Völkerbund kann sich unbesorgt seinen andersartigen Ausgaberr widmen. Der Unterschied zwischen den Mandatsgeibieten im nahen Osten beischästigte Hn weitaus intensiver. Der englisch-türkische- Konflikt um Mossul, der langsam aus den Weg des Kompromisses einzulenken scheint, hat auch mehrfache Zwischenfälle au der Jrakgrenze gezeitigt, mit denen sich der Rät zu ' befassen hatte. Der - syrische Aufstand -verhinderte eine -Eröterung der Angelegenheit, bk einstweilen ans den -'Februar vertagt -wurden ' :; : - Die Arbeit in' Palästina-kannihren stngestörDn Fortgang, nehmen Und dies-geschieht denn-auch unbeschadet aller Quertreibereien; die sich in iden diversen Petitionen ausgedrüEMten. Die Vorgänge in Syrien konnten nur 'sporadisch auf die Metullah- ‘ linie reflektieren und die' Behauptungen von der so großen Erregung der paläftinenfischen. Araber haben in den Tatsachen, ihre Entkräftigung gefunden. Der Delegierte des shrisch-palästmensischen Kongresses, der Emir Schekib Arslan, hatte so' getan, als bestünde eine einzige arabische Front. Aber er. mußte ' doch selbst, zugeben, daß. es hinsichMch der zionistischen Frage drei arabische Parteien, gelbe,. von denen eine die Verständigung mit den Juden sucht und eine zweite wenigstens .die jüdische Einwanderung zugestehen will. Die Jntransigenz, die sich in so vielen Memoranden und Protesten ausdvückt, verfügt dmrnach keineswegs über die Mehrheit. Sie kann mit den Beschwerden über die Unterdrückung durch Engländer und Zionisten keinen Staat'mehr machen, zumal die Angaben der englischen Mandätsmacht an die Kommission sehr genau zeigen, daß das Budget des Landes zu seinem übergroßen Teil aus der jüdischen Steuevkraft ruht, also auf der Levstung der Minori-; tat. Kein Araber, kein arabischer Kongreß hat bischer seine Proteste auf dieses Detail ausgedehnt und . die Demokratie soweit getrieben, daß er auch Regierungsbeiträge für das jüdische SchuÄvesen verlangt hatte. Das schließt - natürlich nicht aus, daß von jüdischer Seite die Gleichberechtigung in diesem Punkte wird verlangt werden müssen. Es ist gewiß, daß von einer Politik der starken Hand nicht die Rede sein kann. Die zionistische Arbeit -vollzieht sich auf Gebieten, aus denen der andere Teil der Bevölkerung bis zum heutigen Tage keine Jnititative gezeigt hat, obzwar ihm genügend Zeit und Raum zur Verfügung steht. Vielleicht wird das jüdische Beispiel wirken und. zu einer. Erhöhung des Niveaus des Fellachen beitragen. - Die Kreise des Exekutivkomitees und des Kongresses fürchten dies, -weil die Durchbrechung ' der -Sterilität ihre Feudal- - Herrschaft in Frage stellen muß. Es ist der Geist der wahren Freiheit und des Rechtes der Arbeit, den sie 'bekämpfen. Der nationale Stanidpunikt wird nur vorgoschützt; wie in Europa so sind auch im Orient die Großgrundbesitzer mit dem patriotiischen Del gesalbt. Zu 80 Prozent besteht die arabische Masse aus Analphabeten, große Schichten sind Nomaden, denen -Kultur ein fernliegender Begriff ist. Das. geistige Leben ist zum Stillstand gekommen und dort, wo es gedeiht, sind die Impulse aus Europa gekommen. Die Juden haben in Palästtna Mittel- ' und Hochschulen errichtet, kein arabischer Kongreß hat dieses Beispiel nachgeahmt. Diese Tatsachen, sprechen und sie müssen auch von der Mandatskommigion anerkannt werden.