Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2443 (10.12.1925)
- Date
- 1925-12-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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' Rr.SE Men, Donnerstag Wiener MorftenMttttqk '.. .--.wiimini mmmmmumnim. iMJii TH-lr l ie Sch'acht ttott . vor de» Schiffen. Der tzwße Prozeß gegen die WehMMer, die in der ' -r<lchi des 80. DM den MMinger Arbeitern ein« k.'u>tig« Sch.acht Liierten, hat gestern vor einem Schöffe,-senat im! Sonb-cifOteif'd^t <iuf dem Hernalser Gürtel begonnen. Die UeiterwachMH drS.Hauses, das durch den sein-erMgen Kramarsch-Prozeß geschichtlichen Ruf erlangt hat, «war gestern sehr scharf. Alle Eingänge und Korridore waren durch Pck'izedr-rg'aue besetzt. Ter Saal war mäßig besetzt, meist durch Parteigenossen der neun Angeklagten, toi« stramm und selbstbewußt vor den Rt'chdrrn Platz genommen haben. Bsi der Mdl'inger Schlacht war der sozialdemokratische G.mei«d«ra.t Leopold Müller zu Tode geprügelt und der Hakenkreuz^ Roland Steingruber durch ei-nen Schuß schwer verletzt worden. Angeklagt sind neun Mitglieder deL nationalWchrn Wehckundes Rheinland, und -«war der Kommandant Roland S1 en g r u b e r, 8? Jahre alt, AuwwcrksMen- Pächter, 'dessen Bruder, der N3jährige Banlkbeamte WÄsgang Steingruber, d>er' 2ö)ähvlge Wirkevgeh'ilfe Robert Bergner, der 17jährige Bersicherungsbeamte Adels Penz!, der 88jährige Hochschüler Eduard Weidhas, der LVjä'hrige Schuhoberteilherrichter Franz Wimmer, der 18jähv'ge HanLelkangeswllte I ief Klatonik, der LSjährig« Privairleamte Ferdinand Rappel und der 17jähv'ge Praktikant Alc-iS Ullrich. Di« vom S-taatsantvalt Tr. Sacher vertretene Anklage bezichtigt Roland und Wolsgang Steingruber, Bcvgner. PeM, Weidhas und Wmmer de- Verbrechens der körperlichen Beschädigung mit tödlichem Ausgang, R'^and Steingruber außerdem der öffentlichen Gewalttat-igksll unter besonders gefährlichen Umständen, obens- Kladnig, Rappel und Ullrich. Tie Brüder St-.t'ngru>i«r werden von Dr. Malter Riehl, PenK dem DcEtor Zörnlaib, Meidhas von Dr. Heinrich Maurer, Wimmer, Kladm'g und Ullrich von Dr. Riehl, Rappel von Doktor Gustav Klein veri'Mgt. Zur Verhandlung sind die Gerichtsärzte Haberda und Meixner und Sachversti'nd'.gr im Schießsach sowie 89 Zeugen vorgeladen. Die Tauer des Prozesses ist auf 14 Tage berechnet. In einem psychiatrischen Gutachten aus dem Jahre 1920 wird auf die Neigung Roland Steingrubers zu u nw ah rer Darstellung, insbesondere zur Erzählung nicht erlebter Heldentaten verwiesen. In d:r Voruntersuchung wurde Roland Stes'ngruter neuerlich untersucht. De Psychiater erklärten ihn für zurechnungS- Wg. . Rach Verlesung der Anklageschrift erklärt torr. V-rsitzende, daß er keln« politischen Diskussionen dulden wende, ebonsciweni>g Angriffe gegen wen imnwr. Im Verlaufe dr's PrcMes Wird in Mödling ein Lokalauge «schein , vorgervomMn 'verden. ' M erster wurde , .Roland Steingruber verhört. Er Marte'sich nichtschüldig. An toft Hand von Notizen gab er eine Darstellung über die Vorfälle in Mödling. Er halle den Befehl auSgegrben, für die Totengelier in Mödling keine Revolver und Pistolen -mitzunelmen. Die Wiener Pr>W — erzählte «Steingruber — halte «uns die Hinfahrt mit der Elektrischen verboten, da -man Zusammenstöße mit G.'gnern befürchtete. Wir haben deswegen ein Lastauto gemietet. Vorher durchsuchte ich selbst einige meiner Leute nach Wa'sen. Ich Halle keine Pfunden. Natürlich konnte ich nicht alle genau untersuchen. Bei unserer Abfahrt erschien auch die Polizei, hat aber «teures Wissens niemanden un'.eu'ucht. Der Angeklagte schilderte dann, wie es zu den Zusammenstöß-en kam. „Wir gingen in geschlossenem Zug. In der Rordpolga-sse sah ich umfor« mierte und bewaffnete Arbeiterwehren. Ter Anführer — wi« sich später herausstellte, war es der Eemeiutoerat Müller — hatte e>inen Revolver in der Hand. Ich war vechlüfst, k'mwandierte ging zu ihm und svag'.e: „Schauen Sie, was -hat toaä für einen Sinn? Was wollen Sie nrlit dieser Spritze?" Anstatt zu antworten, versetzte er mir einen Stoß gegen den Kopf, worauf ich 4hm ebenfalls einen Stoß versetzte. In Wem. Augenblick Inerte die Arbeiterwehr einige Schüsse gegen uns ab. Ich drehte mich um und kommandierte „Revolver wegnchmen den Roten!" Die Arbeiterwehrleute schössen weiter und traten drn Rückzug an. Wir rannten ihnen nach. An der Ecke der Managetta- und «der Rordp >l,gaffe ist einer von meinen Leuten gestolpert und seine Pistole ging dabei los. M wir tk Arbeiterwehvleut« erreichten, packte ich Müller an der rechten Hand nud sagte ihm: ,Mr gehe« zur Gendarmerie." Müller ries: .Hilfe. Genossen!" Ich sagte 5hm: „Sie kommen mit!" und 'hielt ihn fest. Er'riß sich plötz'ich lloS» machte «inen Schritt zurück und stürz!« gleich zu Boden. Ich sagte ihm: „Steh' au f, du kom mst m it." In dem Moment halle ich ö'nen Schuß verspürt und sah, daß er mch eiuma'l schießen wollte. Ichn versetzte ihm einige Schläge, um ihn am Schießen zu verhindern. Ich dachte, daß man uns nun Ruhe geben wird. Doch es enäftand ein Wirrwarr und es wurde w'O geschossen. G'.ue klare Uebevsicht über das, was jetzt gefolgt iljt, konnte ich nicht gewinnen,"., Bors.: Warum sind <Ae in die. Rordpcllgass« «ingetreten? Warum hohen Sle «die Arbeiter zur R:>de gestellt? -- Steingruber: Zur Klärung des Sachverhaltes, weil sie Revolver und Ochsenziemer Wen. — Bork.: Ich mache Sie darauf a-llsmertisam, dag Zeugen und sogar Angeklagte anders aussagten, daß s.gar Ihre frühere Aussage mit diesen Angaben im Widerspruch steht. Die anderen Halen gesagt, daß sie nur Stöcke, n'cht ai'er Revolver gesehen haben. Warum haben Sle geschossen,- als die Leute schon forlgegangen waren? Angekl.: Weil sie auch geschossen hatten. —j Bors.: D'e Arbeiter haben doch fluchtartig den Platz > geräumt. — Steingruber: Wir wollten sie hcpp-! nehmen und der Gendamerie übergeben. — V o r f.: Wieviel Arbeiter waren dort? Sie'mgrniler: Etwa dreißig. — Vors.: Es -sollen nur zehn Leute geivesen sein. Was für Befehle halben Sle gegeben, a's die Arbeiter d'e Flucht ergriffen? — Steingruber: „Vorwärts!" odrr mägbicherweü'e auch „Sturm!" Ich weiß es nicht mehr genau. — Vors.: In d?r Managettagafse sollen Ihre eigenen Leute auf Sie geschossen haben. — S t e i n g r u fr.« r: Ausseschlosstn. Daun machte der Angeklagte Angaben über sein Vorleben^ Er hat das Gymnasium Absolviert, im Kriege «war er ElNjähriH->Fretwillig«r. Anis die Frage d:S Borisitzenden. warum er sich immer als Oberleutnant aWrechen ließ, erklärte Steingruber: Da's ist so, wie. man bei der Feuerwehr Hauptmann wird. Rach dem Umsturz hat sich ein Verein von Offiziersaspiranlie« gebi'det, der sich di« Wiedereinsetzung geordneter Verhältnisse in Oesterreich «nd Ungar» zum Ziele gemacht -hat. Ich habe für diesen Verein K u n dschasterdienste geleistet. — Vors.: Sie sind nicht I weniger als viermal p'hch'atri-ert worden. Fühlen S'e! sich krank? — Angekl.: Ich hak« mich nie krank gefühlt j und Me wich auch jetzt nicht krank. ALer immer, wenn ich jemandem unangenehm werde, erklärt man mich -für geisteskrank. Der zweite Angeklagte, WHMg Steingruber, erklärt sich gleichfalls nichk schuldig. Er gibt zu, Laß auch er auf de-ir Genteinderat Müller loSgeschlagen habe. Ter dvi-tte Angek ägte, Bergner, eMrt sich teilweise schuldig. Auf vermiedene Fragen des Vorsitzenden nach dem Hergang der Ereignisse erklärt er. s i ch n i ch t e r i n n e r n zu können. Wenn er in der'Voruntersuchung genauere Angaben-machte, so habe er dies nur getan, um Ruhe'zu Halen. .Der erst 17jährige Angrklaate Ad-cks. P«nzl bestteiitet jedes Verschulden. Er sei, wie er ang-ibt, bei dem Sturm der Mehrdnndler mitgelaufou. -d^ch wisse er nichtwesha-ih, — V o rlsi.: Sie haleni ru der- BovuntevsiuchuNg angegellen, auf den Eemeinderat Müller mit dem' Spaten losgeschlagen zu chadm. — Ang«kl.: Das ist. nichl richtig. Penzl gibt zu, MitFed de's.BaterländWn SchutzbuudrS gewesen zu-sein. Pert.: Mas -macht -dieser Schutzbund? — A ng e f * *T.: Exerzieren. — Ber t e. i - i ge r: Wird an ch schießen gelehrt? Angekll: Ja. —Verteidiger: DaL ist für -i^ Iug-end sehr gn t. Wo wurde» diese SchirßübunM veranstaliiet? — Angekl.: In einem KellerlaLai am Rennweg 73. — Verteidiger: Wo noch? — Angekl.: Im 8. Bezirk im Hause de« Bäckergenossenschaft. — Vert.': Mit' welckM Massen wurde Mschossen? — Angekl?. Mit Redoltzern und Pistolen. — Der Angesi'a-ste Bergner meldet sich Hierauls zum Wort md «rk ärt, daß er lschon Mi Jahre im Baierländischen Schutzbund sei, aber noch nie gehört habe, daß in einem Keller scharf geschosten werde. — Vorsitzend e r (zu Penz'): War es belm Vaterländischen Cch.'.tzbund begannt, daß scharf geschossen wunde? — Angekl.: Gewiß. —- Dr. Zörnlaib: Und -er VaterlLMscke Schutzbund ist die Ordnertruppe der natwnalsoMistvschen Partei. Der nächste Angeklagte, Eduard Weidhaserkärt sich gleichfalls nicht fchuilLlg. Er Itostveitet, den am B den liegenden Müller M'chla-M zu halben. — V o rf.: Bei der Polizei haben Sie es aber zugestanden. Angekl.: Nur. um meinen Kameraden zu entlasten. — Der nächist« An-geklagte, Franz Wimmer, «rviürte sich ebenfalls wicht schuldig. Auch er sagte aus, daß die ersten Schüsse von seiten der Arbe!i-!er gefalle« seien. Der Bochtzende gibt am Schluffe der Derhandiu.ng Len Gerichtsbeschluß Lekannt, im Dause de's Prozesses an einem geeignet erschri-neuden Zoit, pu-nkt einen Lokalauge»schein in Mödling vorzn. nehmen. - PrM«U bei retzM-SreM. Li W?!M Rogievermiudennna erifoilisite ein -vseller Bw'4nächloß von 20 Pro,Mt Lei allen TMichon. Vvrihäuven-, NebMolm'-on chw.. auch bei Okkaf'imNvaren. Wien, 1. Leg., Roten-tuvmitraße 20, und Ue-Mmavkt^ 1. Im redaktionellen Telle enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesch.es E gekennzeichnet. Wien, w. Deizembe-r. * Goldene Hochzeit. Der 73 Ichre M«. Mchrte HiM Rei Ui, 2. Be,;., BlUmau-erNasse l, kliert morgen Freiteg mit isÄnor Göckvm HeLone das Feist stöner golden>en Hoch'vit. Denn InMiva-ar, das sich nicht nur iw mwn Bm'.rk, sondern «auch onßechaüb deSlEn ällMmeiner B-Mbchait und Wer'jjschätzimig ev'-tM. glichen wiche Nhoungen twotor. . .* Die Kälte. Die. D^mperatur. hat nun a,uch in W'-m 'zuMmmW«. Osstern stüh hÄt? es — 9 Grad. Di« SB o r* a'usls'age mc'.det Temiperat«rft.unähme. — In Dii» stu^ieniber-ris-Herk 5 > astral, hal-e Erl'ne:,''alle. Z?h!-reick« RndeL Wo Life Mm m tose Dörfer, wo sie großen Schaden M 1V. De.Miker 1^8 VORM. MALOffAN L FHAtU 1,0P5?NR MQ Ti TEL72-84 MALOWAN B INGT FÜR IMESHNAtHTEN INFOLGE AllSSftRST ßÜ.^rißEN ABSCHlUcSEa kl,*E GROSSE PO 7 ORIQ. ENGL SEIDENSCHALS IN DcN HERRLICHSTEN FARBEN ZUM PREISE VON S 35. - SOWIE SCHWERSTE REINSEIDEN- BINDER UM S 9*90 Bichbostärldm amichten. In einem Dons« wurden vierzig Tchaii« vo-n den M,sin wegge-chleppL * Ei« vermißter Handelsschüler. SKt Montag D der lljölhrige Hände,.sschitier IM Ieckl ä>ns der elterlich'-n Wchnung. Frei>.a,M.fjass« 4, spurlos verlickkoun^n. Der Kri^be hat sich wiedechÄt geäußert, daß er nc.ch DeuMlm wolle. E Metzmers Thee! Pack- Md Be^-and^elle Fi« ssrrd. H0MMN. W'«u, 6. B-^. LiheeLaDspsse 17. Xd. 90*00/61. * Feuer in der LeopoldstM. Jan Ha>use FöcheMsie 8, ln der Mhnnng des SchuiHär.i."er8 Siognwnd Korn, dcr dort auch ein Warenlager hat. «brach Mst-ern vorm.tMs aus 'bicher rrr^Lokannher Unirche Feuer aus, das durch große RauchenWläNuM im S-regoichÄls tz-rn erf^r-eckien H^usiinsasfen d:e Mö^äch'eit emrs VcÄas'ens der W^hmm^en ibeni^i^m. Durch enevg'lsche Av.eit der Fmemochr wuw« dar Bvanv gsLcischt. * Banknotenfälschung Wien—Sofia. Rar - ei'm<n fttäwrn^.e in Sosiia in Bu, -gar-len eine - gropgikT'rge BMnot-mfÄ.fch:vwevlljtÄtt-e v.u^-.hcL'en. und ebne große Bande von S-chUidigen ve:i'?aistot. T'i-e Bande fchcn mit der Er^euau>NU von Mchrn Banilno-t'en von M0 Kcwa kogci'MN. Die GejeWch'lft harte auch die Aiisicht. Huudcrtdolla'ruote'N m er- Mvgen. .Ihr Haui-t «nd Finanisler, der Mjährisi« D'meon Burnew ist ßiiüchl'ig. Jim qmm wurden in Sisia 35 Perfip-nen we,M ZuiTchöriMt zur Bande vechMr. Unter ihnen befmdon M auch mch-rere OOnwicker, io «der Mji'hr« Inigeni-mr Kav» WoSd rak. Es <toini> daß die BaM MttveHe von W'en aus ope-ri'^rt h"t, -wo Brwbevermidgen zur EinvichMn-a einer WorDätte il-nr Haiiis« Uferstraße '55 gstvos'i-en worden find. * Mbett Einstein «nd tfc jüdische Studentenschaft f« Polen. Aus Warschau l'«v.cht-st I. T. A.l ^-roie-'or Mert Einstein -wandte sich vor kuy/sm imt einem Wpell an 'das -'Joint D'Mbuüon Committee, den Möleideudm rüdiischek SdudMt'.'.r, in Polen m hciUn. Diem sind vom Joint '5000 Dolllar eiMtroKrm, die dem akadvnrvschen HLfK» - Verein übergeben wurden. l E ne Gräfin, die ihre« Landsitz de« Gewerkschaft«« i sch'nkt. Die Gräfin Warwick, die bereits «seil mÄsreren Jahre« ' in en»M Berbindmrq - mit der Avbeikevpartei st.ihl. hat O«r LaMitz in Essex dam Gewerk,' cha,stLkMr>eß zum Geschenk sw gedolen. Die Gett>erll'ch«rsten hLben das Geschenk anigenommml. - Dt,M!bm,!i'lchl!igt. auf di-asam Lan^itz eine Zentrale der smia- . l-Mschm Ew chüng zu schÄ««, die Schüliern der MWen MÄt wiMstchvn y'-oll. - - . AllWsche 8ynal>o«alm«ffk. Ein Vortrag des Professors Dr. Max Graf: Im Rahmen der von der Zionistischen Sektion für die tvesk« lichen Bezirke Wiens veranstalteten liierarisch-wissenschastlichen Vortragsreihe sprach Professor Dr. Max Graf, der bekannte Wiener Musikhistoriker, im VereinSheim am' Bennoplatz über altjüdische Synagogalmusik. Einleitend skizMe Prof Dr. Graf dke Hauptmerkmale abendländischer und orientalischer Musik, welche sich neben dem Rhythmus vor allem durch die Natur des ihnen zugrunde liegenden TonstoffcS unterscheiden. Dieser Unterschied ist tief in der Wesensart der beiden großen Kulturkoinplcxe begründet. Die abendländische Musik wird durch den festen Tonstoff charakterisiert, durch die Skala mit festen Punkten, während der Tonstofs der orientalischen Musik mit ihren eigenartigen Melismen als flüsiig bezeichnet werden muß. Dementsprechend äußert sich die musikalische Phantasie im Abendland vorwiegend durch Erfindung neuer, im Orient durch Variation alter Melodien. Ein weiterer UnterschiÄ besteht darin, daß die morgenländische Musik einstimmig, die abendländische mehrstimmig ist. So wie im Laufe der Geschichte eine mannigfache Durchdringung der beiden Kulturen stattgefuvden hat, so hat auch die Ornamentik, die Variationsmonier der orientalischrn Musik die musikalische Entwicklung Europas wiederholt üuf das nachhaltigste beeinflußt, und es ist zum Beispiel auch unschwer nachzuweisen, daß der bis auf unsere Tage so beliebte Koloraturgesang aus arabische Gesangsquellen zurückgehl. Ebenso berufen sich bekanntlich unsere modernen Komponisten atonaler Richtung vielfach aus vrirntalischr Vorbilder. Zum besonderen Teil ubergehend, wies Prof. Dr. Graf an Hand zahlreicher Gesangsproben, welche vo« Chormeisrer Grün« fr all zum Vortrag gebracht würden, den einheitlichen Charakter frer gesamten jüdischen Synagogalmusik nach, welche trotz der in den verschiedenen Ländern erhaltenen lokalen Färbung überall i« ihren Grundzügen die' DesenSmerkmale orientalischer Moduls, itionskunst enthalte. Die Erkenntnis dieses einheitlichen Grund« charakters hat in der Wisienschaft Bestrebungen zur Rekonstruk. tion der altjüdischen Synagogalmusik zutage treten lasten, dener im Hinölick auf die forlschreitende Verwirklichung unseres n a t i o. na len Gedankens in Pa! östina große praktische Be> deutung zukommt. Zuge dieser Untersuchungen, bei weichei die Leklionszeichen der Thora, die sogenannten N:ginoth, eine, wertvollen Anhaltspunkt boten — zum Unterschied von den neu I zeitlichen Noten bedeuten diese Ncginoth nicht Einzeltöne, sonder, i Tongruppen —t hat sich die interessante Feststellung' ergeben^ d^ 0965