Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2443 (10.12.1925)
- Date
- 1925-12-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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WR'* Men, Donnerstag Wiener Morsenzettung SieistBii ln IS. Itinto 1© 7*8 Uhr abends, findet im ein Mrdat und ■[« rveitn ein von Lloyd George urd Wilson in Szene gosttzter Kriegsakt gegen Deutschland. Die Initiative des hier vom Zionismus repräisentierten Judentums, das sich ein großes, selbständig zu löse-n- «S Pensum gegeben hat, kennt Salzmann 'nicht. Er erwähnt all das nicht, das dock heute das gesamte Judentum in Atem HAI und ihm die Pflicht zur Stellungnahnre anseru-gl. das alles in einem Satze ab: „Neue arme Juden habe ich hier noch nicht gaschen. Nur wer Kapital austveist, erhält die EinwalLerungserlcmbms, wenn nicht die zionistische Ge- Mchaft ftrr ihn bürgt." In diesen paar.Worten wird das Whil behandelt, was eine Wer die ganze Erde' gespannte Organisation leistet, die Kapital und Arbeit auf dam Bc!?en des Landes zu einer Einheit zusammen-, fügen will. Der Autor weiß das alles nicht, er würdigt es nicht, was die Entsumpstmg des Lml:es, was die Grürwung von hundert Siedlungen an positiver, heißer Arbeit, an summierter Schaffensfreude bedeutet. Einzig und allein der Stadt Tel-Äwiw und ihrem tapferen Bürgermeister Diesengoff gelingt es, diesem Meam ein wen-ig zu imponieren, dies ckber auch nur deshalb, weil dieser Punkt für die deutsche Industrie nnmechin wichtig ist. Dann geht das Auto wieder Ws. Der französischen Mandatsgwnze zu, vorbei an den letzten jüdischen Dörfern. „Sibirien im Orient." Unerfreulich! Vorbei! Solcherart wird KritA geübt und Stimmung geschaffen und taufend Leser holen sich ihre Kenntnis über Juden und jüdischen Aufbau aus solchem bedenkerÄosen Dilettantismus, der nichts weiß, nichts sieht, aber seine Mundfertigskeit erprobt. Die englische Regierung, die über Kolonien doch etwas mehr Beschs weiß, ist voll des Lobes. Sie ist eben sachverständig und loyal!. 8« fammfi». Verhaftung türkischer Agenten. Beirut, 9. Dezember. (HavaS.) In Damaskus wurden mehrere türkische Persönlichkeiten verhaftet, welche des Einverständnisses mit den aufrührerischen Banden bezichtigt werden. Dke Lage to Syrien. Paris, 9. Dezember. Uebtt die Lage in Syrien Wird' aus Beirut gemeldet: Nach dem Kampfe bei Hasbaya. .das in unbestrittenem Besitz der französischen Truppen ist, haben.die Aufständischen keinerlei Gegenaktionen unternommen. In Damaskus herrscht gegenwärtig Ruhe. Die Zahl der ber dem Kampfe am 5. d. Gelöteten betragt 150. Lar fnmMche StaluraliWonrgksktz. Paris, 9. Dezember. (I. T. A.) Das von der Deputiertrnkammer vor kurzem angenommene Naturalisationsgesetz fand auch eine Mehrheit im Senat. Durch das neue Gesetz wird für etwa 100.000 ausländischer Juden die Möglichkeit geschaffen, französische Bürger zu werden. Die neuen Satzungen gelten auch für viele Tausende russischer Juden, di« erst in der Zeit nach der Revolution nach Frankreich gekommen waren. Noch vor Annahme dieses Gesetzes hat die französische Regierung in der Frage der Naturalisation eine milde Praxis befolgt. In den letzten, zwei Jahren zum Beispiel wurden mehr als 20.000 Ausländer, unter ihnen eine große Anzahl Juden, in Frankreich naturalisiert. Nach dem neuen Gesetz kann jeder über 16 Jahre alte Ausländer nach dreijährigem Aufenthalt in Frankreich um die Naturalisation ansuchen. Ausländer, die sich auf irgend einem Gebiete hervorgetan oder in einer Armee der Alliierten gedient haben, das Diplom einer französischen Hochschule besitzen oder eine Ehe mit einer Französin eingehen, können schon nach einjährigem Aufenthalt in Frankreich französische Bürger werden. » 10. Dezember 1925 Nr. »I* statt, bei «reichem Herr tptiehen wird. (Berlin) im Kartell lind im Zionistischen Bureau, t, Klmintrttr. 28. erhält ich ' Sesteneich in Gens. Ar «ue Form der Kontrolle. - rviol, statt Sr. stimmeman. - Abschlni der Serntonst» fiber Srftrrrrich. »ie Pariser WormrMre. Paris, S. Dezember. (Wolfs.) Ueber die Angelegenheit ber in Paris unter Spionageverdacht verhafteten drei englischen Staatsangehörigen berichten die Morgenblätter übereinstimmend, daß gestern in der Verkaufsstelle für Radioapparate, die die Engländer betrieben, eine Hausdurchsuchung vorgenommen worden sei, wobei zwei Koffer, die der verhafteten Marthe M o r e u i l gehörten, und ein Koffer des Engländers L e a t h e r beschlagnahmt wurden. Die funkentelegraphische Sendestation, die man vermutete, sei nicht gefunden worden, doch habe man eine Li sie französischer Flieger unter den Papieren gefunden. In Kreisen der Sicherheitspolizei wird ausdrücklich erklärt, daß es sich hier nicht um eine Spionage zugunsten Deutschlands handelte, sondern zugunsten einer befreundeten Macht. Wie ein Stnßburger Blatt erfährt, habe die verhaftete Spionin nicht für England, sondern für Italien gearbeitet. Die Verhaftung mehrerer Ausländer soll, wie das Blatt wissen will, devorsiehen. In der gestrigen RachmMagSsttzung des VölkrbundrateS wurde di« Verhandlung b?S Kapitels .Oesterreich" für die diesmalige Bölkerbundtagung erledigt, aber da daß österreichische Problem Mt noch ungelöst ist, wird ein jcheS Mal, wenn der Rat der Nationen sich sammelt, Oesterreich vorstellig werden müssen. Das ist leicht begreiflich, weniger verständlich aber ist eö, dag diese periodisch wioderkchrende Bittfahrt nach Genf immer wieder mit Kettengrrasstl und Zeitungslärm aller Art begleitet wird. Man wirst die Existenzfrage Oesterreichauf, spricht wieder vom Anschluß anS Deutsche Reich, lanciert Meldungen über AnfteilungSplane, über FaSzisten« ein fälle in Tirol und die sübflavische Jrredenta in Kärnten, um schließlich zu erreichen, daß neue ModÄiläten des Verkehres zwischen dem Finanzministerium und den Anleihe« gläubigrrn Oesterreichs vereinbart werden und überdies versprochen wird, der Völkerbund werde seinen Einfluß dahin ausüben, daß die Oesterreich einengenden WirtschaftSschcanken astgebaut werden. Nach der gestern durch den Draht übermittelten Resolution des Muanzkomiteer stellt sich das in Genf Erreichte wie folgt dar: Für die Verwaltung der Anleihepfänder werden drei Treuhändler, je einer in London, yrüssrl und Stockholm, eingesetzt. Mit der Verwaltung der Kreditreste wird der Vorsitzende des Finanzkomitees, der schweizerische Bankprösident Leopold Dubois, beauftragt, so daß die österreichische Regierung hinsichtlich scder Verwendung dieser Gelder sich nur mit Dubais in Verbindung zu setzen haben wird. Die Milderung der Kontrolle tritt am 1. Jänner in Kraft. Am 1. Juli endet das Generalkommissariat und Dr. Zimmerman wird Wien verlassen. Ueber das Regime vom 1. Jänner bis zum 1. Apoll wurde zwischen der österreichischen Regierung «nd dem Generalkommissar, ein Separatabkommen getroffen. Als unmittelbares Bindeglied zwischen der Nationalbank und dem Kontrolle komitee drr^ Garantiestaaten in Paris wird der Berater der ' Nationakbank, dessen Funktion bekanntlich um weitere drei Jahre verlängert wurde, fungieren. Wie hierzu ergänzend beirichtet wich, soll der bisherige Berater Dr. van Gyn diesen Posten auch wsitechin versehen, da die Engländer noch keinen geeigneten Nachfolger gefunden haben. Das Kontrollkomitee kann nach der Beendigung ber. Funktion des Generalkommissärs der österreichischen Regierung direkt die aus VeMssen deS Komitees sich ergebenden Mitteilungen machen. Di« österreichische Regierung soll bei den Sitzungen der Kontrollkomiters vertreten sein. Ebenso werden die Treuhänder diesen Sitzungen beigezogen. Abgesehen von den jetzt neu zu treffenden Entscheidungen bleiben natürlich die Bestimmungen der Kontrolle des Jahres 1922 weiter in Kraft. Die Freigabe von Geldern ans den Kreditreste« wird in Hinkunft gemäß dein von Zeit zu Zeit genehmigten Programm lediglich nach Kenntnisnahme der Ausgaben erfolgen. Die österreichische Regierung wird wie bisher zeitweilig« Vorschüsse erhalten, die mir einem Maximalbetrag von zehn Millionen Goldkronen begrenzt werden. WeiterS wird VaS Finanzkomitee keine Einwendungen gegen monatliche Vorschüsse für die Elektrifizierung, anders Investitionen und für. genehmigte Zwecke und Beträge erheben. Ein Schreiben Dr. Rameks. Oesterreich hat diesen Abmachungen bereitz u g e stimm t. Bundeskanzler Dr. Ramek richtet an den Präsidenten bei Völkerbundes ein Schreiben, worin er hiervon Mitteilung macht, jedoch hmzufügt, daß die von der österreichischen Regierung übernommenen Verbindlichkeiten erst in Kraft treten, bis der Völkerburrdrat beschlossen haben wirb, dir vom Generalkommissär auSgeubte Kontrolle obzuanbern, bspv. diese Kontrolle späterhin zu dem Zeitpunkt und unter den BLingungen zu beenden, die in der Resolution vom 1V. September 1925 festgelegt sind. Die Resolutionen des MUeebundrates. Genf, 8. Dezember. (Tel.-Komp.) Der Völkerbundrat nahm heute nachmittags dir vom Finanzkomiter und dem österreichischen Komitee über die Aushebung der Kontrolle in Oesterreich gefaßten Beschlüsse ohne Debatte an. Auch die Vorschläge des FinanzjkomiteeS über die von der ungarischen Regierung vorgebrachten Wünsche wurden ohne Debatte genehmigt. In der e r st e n Resolution heißt ei: Der Bölkerbuichrai genehmigt di« Vorschläge bei Finanzkomitees betreffend die perschiÄenen Punkte, deren Regelung eS oorzubereiten beauftragt war. (Verwaltung der Kroditreste, Kontrolle der verpfändeten Einnahmen und Art der Verbindung zwischen dem Kontrollkomitee und der österreichischen Regierung.) Er bemerkt, daß in dem Augenblick, da der Rar binnen kurzem tzl« Rechte auöjuüben gedenkt^ die ihm nach Artikel 4 des Protokolle- 8 zustehen, den Funktionen des Generalkommissärs ei« Ende zu setzen, ei» bedeutender Teil der internationalen Anleihe «och verfügbar bleibt, da dich Kredite während der Periode der Wiederaufbaues mehr eingeschränkt werden konnten als man «s vorruWchen hatte; er stellt fest, daß dieser Kreditrest fortschreitend zur Verfügung der österreichischen Wirtschaft gestellt werden wird und daß schon im Jahre 1936 ein wichtiger Teil für die Elektrifizierung der Eisenbahnen und für' die produktiven Ausgaben wird verwendet werden können; er beglückwünscht sich, daß der vom Finanzkomitee zur Verwaltung der Kreditreste vorgesehene Mechanismus derart aufgebaut worden ist, daß jede allgemeine finanzielle Kontrolle «Wrt und Oesterreich seine völlige budgetäre Unabhängigkeit gesichert ist. Die zweite Resolution nimmt den Bericht deS WirtschastSkomiteeS vom S. Dezember betreffend die Wirtschaftslage in Oesterreich zur Kenntnis und genchmigt die Empfchlungen, die in dem Bericht enthalten sind, und gibt insbesondere der Hoffnung Ausdruck, daß die Fortschritte, die bei Abschluß von Handelsverträgen erzielt werden können, zur Erweiterung der österreichische» Absatzgebiete führen und die Entwicklung der österreichischen Industrie mtfr des. österreichischen Handels begünstigen werden. In Erwägung, daß das österreichische Bundesgesetz vom 1. Dezember IW betreffend die Veibchaltnng der Funktionen deö Beraterdev Aationalbank den Abschluß einer Vereinbarung zwischen dem Völkerbunbrat und der österreichischen Regierung über die Modalitäten dieser Ernennung Vorsicht, bestimmt der Rat, daß der Berater vom Bunde s p r L s i d e n t e n auf Vorschlag der österreichischen Regierung in Gemäßheit einer vom Völkerbundrar auf Grund -eines mit Dreioiertelmajorität gefaßten Beschlüsse- (bei Stimmenent- Haltung Oesterreichs) durchzujührenbm Designierung zu ernennen sein wird. x ' Nachdem der britische Außenminister Ehancherlairi, der als Berichterstatter fungierte, die beiden Resolutionen verlosen und ihre Annahme empfohlen hatte, ergriff Generalkommissär . Dr. Zimmerman das Wort: er führte u. a. auS: Vom 1. Jänner beginnt eint neue Phase der Liquidierung der Kontrolle, die von mir schon im August eingeschränkt wurde und in Hinkunft ans die Verwaltung der Pfänder und deS Kreditrestes beschränkt sein wird. Im übrigen weist alles daraus hin, daß gegen den Monat Juli nächsten Jahres diese letzten Funktionen drS Generalkommissärtz gleichfalls ihr Ende finden können. Dom 1. Jänner an wird eS mir möglich sein, eine größere Handlungsfreiheit zu 'genießen, und die Erleichterung meiner offiziellen Pflichten wich' cs mir, gestützt auf die Ermächtigung des Völkerbunbrates vom September gestatten, häufig von Wien abwesend zu sein und so stufenweise meine Niederlassung aufzugeben. Hierauf gab Außenminister Dr. Mataja namens der österreichischen Regierung eine Erklärung ab, in der er den Brief Dr. Rameks vorlegte; nach den üblichen DankeSworten führte er auS: Das wirtschaftliche Komitee hat seinerzeit, am dem österreichischen Handel ein weiterer Tätigkeitsfeld zu sichern, sowohl Oesterreich selbst als den anderen Staaten die umgehende Einleitung von Verhandlungen empfohlen, die zu einer fruchtbaren Entwicklung des tvechfel-- stitigen Austauscheführen könnten. Oesterreich wird uw verzüglich diesen Weg betreten und in einigen Monaten, wenn ein Urteil über dar Ergebnis seiner Bemühungen möglich sein wird, dem Bölkerbundrat Bericht erstatten.' Hierauf wurden die beiden Resolutionen zum Beschluß erhoben. * Henry Sardussr in Wen. Der §vLliiMW Schriftsteller Henry BartbuU« ist «uis der Rückkehr von {einer BMa-nveilst geistig Wh, von. Budapest rbmimend, in Wien eingedvchstn. Am Nachmittag empfing er im HotÄ Post die Vertreter hn Presst, um ihnen Auskünfte ibbvr, seinen Mfmiihailit in Rumänien zu gaben. Bartbusst ist öckainndlich zu Studienijiveckon nach Kis ch i new gefahren, um dem Pvazeß goM öie aufständische u Bauern beiKUwchirm. Er verwahrt« sich gleich einleitend dagegen, daß man «beha-upte, er sti als soFiLÄsbischer Pardkimann nach Kdschinew gvsahren. Der Banernaufftaich ist nach Ansicht BarbusscS nicht politisch von langer Ha-rch vovbeveitet, sondern alS momentaner Bersweilfl'uwgSauSbvuch zu werten. Die JaSMendemouisMI'ion, die in Bukavost gegen den GH stattend. dMiellssvrrt Barbusse; er erklärt, die über» | wiegende Mhchett deS rumänischen PMS sti aus stützer Teste