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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-06 · Heft 2439 (6.12.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2439 (6.12.1925)
Date
1925-12-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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8 Dien. Sonntag Wiener MorftenzeltpW L Dezember 1985 Nr. M8P Sie MAe Stbiit ttt Ute JRinDndetlsntle. Ein Vortrag des Professors Hudson. Der bekannte Gelehrte M. Hudson, Professor für internationales Recht an der Harwarduniversität, hielt anläßlich dez vor kurzem in Philadelphia «-gehaltenen amerikanifch-jüdischen Kongresses eine große Rede über die Rolle des Jr^entums -er der Festlegung des Prinzips d e r : Minderheitsrechte. Huds.n stellte die These auf, daß, wenn eS heut« so etwas wie einen Kampf um die nationalen Minderheiten in der Welt gebe, dies dm Jude n zu danken sei. Prof. Hudson stützt sich bei dieser historischen Feststellung auf seine persönlichen Erfahrungen, die er als Mitglied de, amerikanischen Delegation bei den Friedensverhandlungen im Jahre 1818 gesammelt hat. Er weilte in Versailles bei der Ausarbeitung des FriegerisvertrageS und er war Zeuge der vielfachen Meinungsverschiedenheiten unter den verschiedenen Friedensdelegalionen, bis es schließlich dazu r kam, daß der bekannte Artikel 93. in welchem der Schutz der nationalen und religiösen MinderheitSrechte in den verschiedenen Ländern, besonders in den durch den Krieg entstandenen Staaten, sestgelegt wird, rn den Versailler Vertrag ausgenommen werden mußte. Prof. Hudson führte zur Begründung seiner Theorie unter anderem aus: »Die Vertreter der anderen, bis zum Kriegsausbruch unterdrückten Völker hatten an der ganzen Minderheitsrechts- . frage ein sehr geringes Interesse. Ihr ganzes Sinnen und Trachten bewegte sich bloß um die F r a g e d e r G r e n z e n ihrer neugeschassenen Staaten. Die Pole n wollten ein möglichst großes Staatsgebiet für sich erringen, die Ukrainer arbeiteten mit aller Anstrengung an der Erlangung eines eigenen, unabhängigen Nationalstaates und dasselbe war auch mit den anderen Nationalitäten der Fall. Da sie bloß an die Schaffung eigener Staaten dachten, interessierten sie sich überhaupt nicht für die Minoritäteufrage. Die einzige Delegation, die unabhängig von territorialen und staatlichen Rücksichten darauf bestand, daß die Friedens-! Verträge einen Punkt zugunsten der 'Minderheitsrechte enthalten sollen, war d i e jüd i sche. Die Begründung für diese Forderung war so überzeugend und einleuchtend, daß sie auf manche wichtige Delegationen, besonders aber auf die amerikanische, einen großen Eindruck machte. Es ist ja bekannt und soll auch jetzt historisch festgehalten werden, daß der Artikel betreffend die Rechte der Minderheiten hauptsächlich dank der Bemühungen der amerikanischen Delegation mit Präsidenten Wilson an der Spitze zustande gekommen ist. Aber auch an dem enthusiastischen Eintreten Wilsons für die unterdrückten BöSex haben die Juden einen starken Anteil." Im weiteren Verlaufe feines Vortrages forniwt Hudson zu dem Schluß, daß vorläufig das nationale Prinzip bloß in territorialer Beziehung zur Geltung gelangt sei. Die Bewegung wird aber von nun an die Richtung zu - höheren, geläuterter^ Formen, zur Form der reinen, die Völker verbrüdernden und versöhnenden nationalen Autonomie nehmen müssen. Dann erst werden die Juden das Ergebnis ihrer Bemühungen um die MnderheitSrechte auch selbst genießen können. Der Kampf in und um Palästina. 1. Die Mode der PaWinaOchrrststellerei -hat bis jetzt Niveau noch nicht verloren. Die. Gesichtspunkte sind noch nicht ausge«schöpft, und gerade Palästina, ewig jung, täglich verändert, gebiert immer neue Tatsachen, Problem^ Gesichtspunkte. Hier liegt auch die einzige Mglichkeit, über Palästina zu schreiben, ohne Gefahr zu laufen, lang, lweilige Wiederholungen oder noch eintönigere Antiquitäten gum Besten zu geben. Unerforscht wie Jnnerasien und die religiös-grausamen Sekten der tibetanischen-Hochebene ist Palästina nicht; man hat sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedenartig und aus mancherlei Gründen mit dem heiligen.Land" beschäftigt... Und fern, wie Australien oder Amazonien ist uns ~ besonders jetzt, wo so viele Fäden Europa mit Palästina verbinden — dieses Land auch nicht so sehr; interessieren kann man uns also entweder durch die neuesten Tatsachen oder durch neue Erkenntnisse, neues Verständnis. Es gehört ein sehr scharfer, unverbrauchter Blick dazu, gerade in einem werdenden. in fließender Entwicklung befindlichen Land das Heute-Neue von dem Gestern-Alten zu unterscheiden und neues Verständnis den Dingen entgegenzubringm. Der Strom der Entwicklung fließt zu reißend; Melle auf Welle; und bist du die eine erfaßt hast, ftih^t’ schon die andere auf dich ein. Wie das stürmische Peer bei Jaffa; «ur die kühnsten, besten Schwimmer dürfen sich da hinaußwagen. Artur H o l i t s ch e r *), bet im Novemberheft der Menen Rundschau" über Palästina schreibt, und Woisgang Nach interessanter Berichterstattung über Palästina nachgekommen. Für ihn war diese Frage zur größeren Halste Weis!'), dessen Buch, „Der Kampf um da/ heilige , ») „Die Neue Rundschau", 06. Jchvg. 11 Hsft. Nove-inbex 1935. Art. Höllischer, Meise um die Erde". S Fischer- Beklag, BerliN'Le.ipzig. ’) Wosgang Weis!, „Der.Kampf um das heilige LanL". PMtina von heute. Mit vielen Bildern. UlAoin--Verleg, Berlin Berufen Sie iich auf diese* Souder-Weibnacht rangebot denn Sie erhalten trat* dieser Ser Massenmörder Mamescu. Begnadigung zur Folter. Aus Bukarest berichiet I. T. 21: Im weitere« Verkaufe des ZeugenverhörS sagte der gewesene Gest» -armeriepostenkommandant von Sanatovca, G rigor tu. vor dem KrwgAg«richt a-uS, er habe gesehen, wie Sonderpreise neck 57. NACHLASS JAEKEL" REFORM KIND Eli STU H l ohne Klosetteinrichtung 24» »• mit Klosetteinrichtung . . . , . , . . S 28«W HYGIENISCHES 1 SCHREIBP Sonderpreis; sBjH Liegestuhl „Ideal* mit Armlehnen . . . S 9,— mit Beinstütze . . . . . . . . . . S l*,— Ein Griff sin Bett! Fauteuils, Ia Ausführung.,S 230,-— Stahlrohrbett mit Iß Drahteinsatz. ... S 3 *80 Stahlrohr*Kinderbett m.IaDrahtemsalt S 59.80 Messingbitten mit Ia Drahieinsatz . , S 135— Paieni-Möbe) f »brik R. JAEKEL’S NACHF. Wien, VL,t MarlahfUertlraitc II zwei Frauen, ein Kind und ein Kahnbesttzer erschossen wurden. Die Taschen der Getöteten wurden durchsucht und die vorg.'fun^enen Gegenstände von Morareseu ton!siSzi«rt. Der Zeuge Kam Paeu jagte auS, er habe Befehl erhalten, jeden Flüchtling zu erschießen, er pflegte aber immer die Strafen — unbarmherzige Schläge mit Todesdrohungen — vorzuziehen, als drn Befehl au szu führen, da die Flüchilünge immer vor ihm auf die Knie fielen und um Schomqg flehten. Ter Kaufmann Seide Katz sagte als Zeuge aus, t* habe sich -bei Morareseu «und den Soldaten durch hohe Summen vom Tode losgekaust. Im Arrest sah er, wie die Häftlinge mit einem nassen Strick geschla gen wurden. Der Zeuge -legt vor dem Gerichtshöfe das Hemd ab und zeigt di« Wu-nden, die er m der Haft durch die vielen Schläge bekommen habe. Monatelang lag er in dm Spitälern von Soroca, Ki-schinew und Bukarest Der Zeuge Schmiel Ziegelboim sagte aus, er sei auf das Kommando MoratescuS gekommen, um für den derhaisteien Katz vorzusprcchen. Da habe man ihm gesagt: Gestern wurden drei, haute vier Flüchtlinge erschossen. Morgen werden es mehr fei«. Eine große Bll.vegung im Auditorium ruft die Aussage deS Rabbi uers Hell mann aus Lublin hervor, der über die Peinigungen, denen er ausgesetzt war, berichtet. Der Rabbiner gab seine ganze Barschaft her und nur so entging er dnrr Tode. Der Zeuge Theodor Brunghie beschreibt auf Verlangen des Vorsitzenden, wie Morareseu seine Opfer zu mißhandeln pflegte. Die Gefangenen wurden gewöhnlich an Händen und Füßen gebunden, an einen Balken gehängt und -dann fürchterlich geischlagen, bis sie dar Bewußtsein verloren. Nachdem sie sich erholt hatten, begann di« Prozedur von neuem. All dies geschah in- Gegenwart Mvrarescus. 'Kapitän Budeanu jagte, als Zeuge veruourmeyaus, Morareseu habe seinen eigenen Diener getötet, um ihn zu berauben. Er, der Zeuge, habe sich ge* weigert, diesem Unmenschen die Hand zu . reichen. * Geh' nicht am Glück vorbei! ImrerhM der letztes zwei Jchre wurde die KlwsserMierievranm zweimal irachemander, und zwar auf Nr. 13.167 (9. Lotterie), auf Nr. 28.618 (10. Lotterie) von Kunden der .Mucksstelle" ftofö Stein gewonnen und ebenso zweimal der größte Hauvttröffer auf Nr. 42.521 (9. Lotterie) und auf Nr. 56.896 (18. Lotterst). I« gleicher Zeit wurden viele Hauptt-ochser von einer halben Muliarde, 400 Millionen. 300 Millionen,. 800 Millionen^ 100 Millionen Lijftv. von Kunden der „Glückslstelle" gewonnen. Niemarld versäum« bei der „Glücksstelk* IM Stein. Wien, 1. Wvpplingerlstroße A, an der .Hohen Drücke", sich stin Klassenlos MtenS zu besorgen. Mau beacht« das heutige Inserat dielstr Firma. Land", den politischen Weg zuw Palästina von heute darstellt, haben bewiesen, daß sie der Aufgabe, das Neue und Eigenartige zu erfassen, gewachsen sind. Höllischer kommt nach dreijähriger Abivesenhevl auf feiner Reise um die Eckbe nach Palästina wieder; er kennt das Land schon von früher her und kann daher ^leicht d'e Entwicklung auf Grund der kontrastierenden Unterschiede feftstellen. Er kam als Gast der Zionistischen Exekutive zur Univevsitätseröffnurig; für die Universität konnte er sich aber doch nicht erivärmen und hat viel gegen die Feier und gegen die Institution einzriivenden. Allen seinen Eiuwänden miß aber die Antwovt gewachsen fern: Es war ein großer poliitischer Akt; und es hat uns Politisch genützt; und es wird dabei nicht bleiben .,. Nicht hier aber empfängt Holitscher die nachhaltigsten Eindrücke. Er fährt sofort weiter. zum Gdud in Tel-Awiw und im Emek, zu den Arbeitern, den einzigen und wirklichen Anfbauern Palästinas. Und ich will eS gleich vorweg nehmen: Holitscher hat hier das Schönst«, Schlichteste und Tiefste über den Chaluz gesagt. Meinem Gefühle nach hat auch kaum jemand je so dichterisch und mit solcher. Wärme darüber geschrieben. Die revolutionäre Art Holitschers, alles Jaust und Schmutzige sofort beim richtigen und Nächstliegenden Namen zu nennen, finde ich gerade für Palästina befreiend und neu. Solche Kritik, wie Holitscher sie an Palästina übt, ist man weder in Palästina noch bei den über Palästina Schreibenden; gewöhnt. Es geht wie ein frischer Luftzug durch enge l Stuben. ,/Nein. dem Ehaktz geht's nicht gut. Das Ist, da ich nach d^ei Jahren das Land ».-viedersehe, mein erster zwingender Eindruck." Den Hunger, die Not der Chaluzim besingt der Dichter. Und doch hat er sich liebend getäuscht. Nein, die Legende Ehalu.-z wad nicht an der Gleichgültigkeit der' satten Tel-Awiiver und der Indifferenz bet Zionistischen Exekutwe, die diese opferbereiten Pioniere „Dilettanten" nennt, zugrunde gehen. Auch nicht an der Religion, deren dogmatische Wiedereinführung Holifcher so je.hr befürchtet, und nicht an den verschiedenartigen •"emmmmsmmammmBmmmmmaammgmmmmm Ursachen der Spaltung innerhalb der Arbeiterschaft. Der Chaluz, der Gduv, der Arbeiter in Palästina wird sich trotz alledem, entgegen alledem behaupten, nur dank feiner Zähigkeit, die so wundervoll im Palästinatanz, in der Horra zum Ausdruck kommt. Stundenlang dasselbe, hundert- und tausendmal: Am Jisroel chai! und El jiwne Hagalil! Denn der Sinn des Chaluz ist: zäh und gegen?.. "Nein, der Chaluz leidet Not, dem Chaluz droht Versumpfung in politischen, religiösen und wirtschaftlichen Mcksichstn — und der Chaluz lebt und wird leben und solche Männer» wie Holitscher, werden ihm auch Werk durch Aufklärung über die Gefahren und Stählung feines KampsmuleS, — denn Schicksal gibt es und darf es nicht geben, nach dem Schicksal wären wir als Volk schon längst tot. Unsere Wiedergeburt wendet sich gegen das Schicksal- Zumindest gegen ein Schicksal, das in der Wirklichkeit seinen Ausdruck sänd .. . Auch diesmal wollen wir uns nicht an die sichtbaren Zeichen halten; wir Juden sind daran gewöhnt... 2. Zu dieser ganzen Frage, „der Theokratie im Am marsch", möchte ich nur so viel bemerken: Dem von Kämpfen heimgesuchten Palästina wird dieser Kulturkampf zj.veifelSohns nicht erspart ble'ben; zu fürchten ist er aber nicht. Und ist wirklich Palästina ein Land der Religionen, ein religios-insizierendeS Land, gehört wirklich die Religiosität zu den .Imponderabilien" Palästinas — dann ist dies am allerlvenigsten zu bedauern. Denn wir wollen an starren Bogrissen und Einteilungen in keinem Falle haften bleiben, bezw. zugrunde ge^hen; Antireligivsttät oder Atheismus ist kein unerläßliches Merkmal des Begriffes „Fortschritt". (Wchlgemerkt: Religiosität und nicht kirchliche Dogmenstarvheit.) Dann wird eben zu den charakteristischen Merkmalen des neuen jüdischen Volkes in Palästina gehören: eine neu«, tief mit der Heimat verbundene ReliAiositat, frei und, wie jede wahre Religiosität, ohne Fanatismus und Unduldsanlkeit. Daß sie so wird und nicht anders, darüber hat und muß der Arbeiter in Palästina wacherp

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