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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-06 · Heft 2439 (6.12.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2439 (6.12.1925)
Date
1925-12-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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fit. N36 Wien, Genntag Der Film wird am 10. d. uni 10 Uhr abends im Löwen- <tmo (3. Bez.., Löwengasse 33) vorgestihrt. Karten an der Kasse sowie bei den AusschubmitgliÄern der Zionistischen Sektion Landstraße und im Sektionslokal (3. .Bez., LAvengasse 30). Allere freiwilligen Mitarbeiterlr des. Keren Kajemtth, mit Ausnahme der BeziriLseltion 6—8, wird zur Kenntnis gebracht, daß das sür die Werbeaktion erforderliche Material im Bureau, 1. Bez., Kärntuerstraße 38, bereitgestellt ist. Die Vertreter der einzelneil Gruppen werden dringend ersu ch 1, das Material -rechtzeitig a-b z uh o l e u mö die Verteilung desselben an die Mitarbeiter vorzunehmen. Rom WiMaftsgM der Orients. Von Prof. Dr. Wilhelm Stein. Die allere Wirtschaftswissenschaft kümmerte sich ( wenig um den wirtschaftenden Menschen, da ihr ganzes Interesse in der Beschreibung, und Analyse der wirtschaftlichen Institutionen aufging! man operierte mit einem Homo oeconomicus, dessen soziale oder religiöse Bedingtheit kaum beachtet wurde. Um so epochemachender waren darum die Untersuchungen Max Webers über die Bedeutung der Religion für das Wirtschaftsleben und die Entwicklung der Wirtschaftsgesinnung. Ueber Werner Sombarts Objektivität und seine Methode mag das Urteil noch so schwanken, seine Arbeiten über Werden und Wandlung des Wirtschaftsgeistes aber bedeuten einen ganz neuen, bis dahin nngekannten Einblick. Von da zur Erforschung des Wirtschaftsethos eines Volkes und dann zu einer vergleichenden Thpenlehre des wirtschaftenden Menschen führt der gradlinige Weg. Für den Orient unternimmt nun Rühl *), der bereits die Wirtschaftspshchologie des Spaniers „behandelt" HÄ, die Aufgabe, die Wirtschaftsgestaltung vorn ethnographischen Gesichtspunkt aus zu skizzieren. Allerdings tvählt er ein engeres Teilgebiet, Algerien samt seinen engeren Nachbarländern, weil er stir diesen Ausschnitt aus dem recht vagen Begriff des Orients besonders viel Forschungsmaterial, vor allem Beobachtungen des täglichen Lebens vorsindet, und Algerien trotz seiner nun fast schon hundertjährigen Berührung mit europäischer Kultur doch seine Eigenart bewahrt hat nnd sie infolge seiner Parteinahme für eine starr orthodoxe Richtung des Islams sie auch aufrecht erhalten konnte; Trvckenklima, Islam, Auftreten türkischer, arabischer oder persischer Volksstämme und ' frühere Erstreckung des hellenistischen Kulturkreises, die einmal als unumgängliche, wenn auch recht äußerliche Merkmale des umstrittenen Begriffes „Orient" angeführt wurden, treffen zweifellos für Algerien zu. Als wesentlichste Unterscheidung zwischen Orient und Europa muß wohl bezeichnet werden, daß der Wirtschafts- Maus keineswegs auf durchaus rationaler Grundlage sich vollzieht. Max Weber hat am klarsten in der „Wirtschaftsgeschichte" die Rolle. des nüchternen, berechnenden Verstandes gegenüber der Religion, tote er diese Macht bezeichnet, der Magie sestgestellt, und mit ihr zusammenhängend den Traditioncrlisnms, die Heiligkeit der Aeberliefernng, die Einstellung allem auf ein Handeln urrd Wirtschaften, wie es von den Vorvätern überkommen ist. Denn im Orient, ist die wirtschaftliche Tätigkeit nicht von der Gesamtperfön-' lichkeit des Menschen losgelöst, wie überhaupt die einzelnen Lcbensäußerungen durchaus eine Einheit bilden und von der Religion und ihren Einrichtungen nicht nur geregelt, sondern durchaus vor ihr durchsetzt und erfüllt sind. Wir wissen, je näher wir den Geist des. Orients kennen lernen, um so deutlicher, bestimmter, daß sich auch das.alte Judentum nach dieser Richtung eben ganz m der Mentalität des Orients entwickelt hat. Die Nützlichkeitswerte, die sür den Europäer immer wichtiger und allmählich erstrangig geworden sind, so daß sie nunmehr ganz im Zentrum des Lebens stehen, bleiben für den Orientalen peripher, da für ihn der Mensch in der Mitte steht. Die Wirtschaft, des Orients ist ja eine Erimhrnngs- und keine Erwerbswirtschaft, da ihr Ziel nicht in der fortgesetzten Steigerung der Bedürfnisse liegt; sie geht lediglich darauf aus,' dem Einzelnen das zum äußeren Leben Notwendige zu beschaffen. Wenn dann der Europäer aus die mangelnde Aktivität recht voreilig schließt, so vergißt er ganz, daß dem Orientalen Kraftanswendungenauf religiösem Gebiet möglich sind, die für ihn ganz unzulänglich erscheinen. Dabei trifft auch das Urteil, das man im Osten über den Westen hat, durchaus ins Schwarze; der Orientale gilt, ihm als gottlos, im Materialismus versunken, entmenschlicht, allem Ulebersinnlichen abgeneigt; in Aeußerlichkeiten, wie Nahrung,, Kleidung, Wohlstand, Wohnung usw., mag ein Fortschritt erreicht sein, aber Rabindranath Tagore spricht in seiner Schrift „Nationalismus" nur die allgemeine Ansicht aus, daß die westliche Kultur die selbstsüchtigen Triebe zum höchsten Grad entwickelt hat, nnd daß' Gott-'Mühe hätte, in den Menschen die' nach seinem Ebenbild geschaffenen Wesen wieder zu erkennen.. Nicht geringere Wesensverschtedenheit' zeigt darum der Aufbau der Gemeinschaft und die soziale Struktur. Das enge Verbundensein der einzelnen Glieder auf allen Gebieten und folglich auch auf wirtschaftlichem, kennt nicht das isolierte, aus sich selbst gestellte und selbständig handelnde Wirtschaftssubjekt. Die -Gemeinschaft übernimmt für den Einzelmenschen die Verantwortung, und ihr ist er auch jederzeit nnd in vollem Umfange Rechenschaft schuldig. Das Jdeal besteht also nicht in der Durchsetzung der eigenen Persönlichkeit, sondern vielmehr gerade in der Aufgabe des Individuellen und in der Hingabe an die Allgemeinheit. Und wenn darum auch die Entwicklung des Verantwortungsgefühls zu kurz kommen mag, nnd die Bindung ■*) Rühl Alfred: „Vom W^v'chattsgeist im Orient." Leipzig, Quellem-Meyer, 1926. Wiener MorsenzeituNg 6- Dezember ML KLEIDER s6/° JEDEi KUNDE SCHON BEIM EINKAUF AB S.'*&'©/• BIN WE IH NACHTS GESCHENK WELCHES OIE ItiMlCtim EINES WEITES O'CUQHT'.. 0 /AOÖEfti PA1-A»S dis reduzierte Pteise^ Vi eit\eomscsmitmi^ ISUE.1l/fc n, hooe tmxt / spott- BlLllCi 1 PREISE AUS WARMEM _ WINTB KSCtiOTTEN sf/o I Elfte CREPE PF (HIN, ENTZÜCKENDE': lEI i/E a pacons m alle n earb en $2Sr I CIhCD AUS RIPS, rAMGAPN. GABARDtM' IXII/CI\ jede gr'O'sse, $19- MÄ'MTCI AüScurEM Kuw-pum I InlNItCL HEINE wolle MÄ’MTC I auscuiemvelouh,Pttmt&mr I In INI z L GEFÜTTERT WÄTTELWiT i ti MtfWTf I MS SCHÖNEM MOHAUPlOSCH cwz 1 Inn I ZLcmmfa.smmti-Mmfffl s 68r E\ AUS BIBE HP LÖSCH I InnlCi GEFÜTTERT UND WA TTE HEUT . Sy- M *A‘M Tr H w bestem ommNßsmo, Mumm pommahw I IMIN IXLsowienuriEsmmmploschmantelcm■ . SEIDE GEFÜTTERT PELZMÄNTEL Au* cotem seal-elektrik* j -t60- MCKiN emGEWTTEiE RIESE AUSWAHL In nsino SdDB Modell' Okkasion Sensota- Preise! in Denken und Handeln so weitz geht, daß das Aufsuchen der Einsamkeit etwas Unerhörtes ist, so beruht andererseits das Wirtschaftsleben nicht Ms dem Gedanken der Konkurrenz und des Kampfes, sondern das herrschende Prinzip ist mnd bleibt die Solidarität und das Zusammenwirken. Ob es sich um das weit verbreitete Zusammentreten zu gemeinsamer Arbeitsverrichtung, etwa beim Hausbau oder bei der Feldbestellung, handelt, ob die mutualistische Gesinnung in dem Verhalten der Gesellschaft den Armen gegenüber zutage tritt, ob dem Fremden die Gastfreundschaft in antiker Treue gewahrt ist, nicht weil sie durch das Fehlen von Unterkunftshäusern notwendig wird, sondern weil diese eben gar nicht erst gebraucht werden, immer ist Verbundensein und Gemeinschaft die natürliche Quelle alles Tuns und Wollens. Dabei steht der Islam dem Wirtschaftsleben nicht feindlicher, gegenüber, alsirgend eine Religion, nur daß auch er Beschränkungen anferlegt, die besonders im Waren-' verkehr erschwerend wirken müssen. Bestimmungen darüber sind mit äußerster Spitzfindigkeit znsammengeftellt; Jbn Khaldun spricht sogar aus, daß die sür den Handel notwendigen Eigenschaften der Rechtschaffenheit und Ehre des Menschen schaden. Jedenfalls soll jedes Handelsgeschäft vermieden werden, bei dem es ungewiß ist, ob ein Partner einem Verlust ausgesetzt ist, den er nicht zu übersehen vermag, oder daß Handel nnd Tausch im Dunkel stattfinden. Die viel gelästerte Geschäftsmoral des Orientalen widerspricht solcher Ehrlichkeit, die freilich mehr Ideal als Tatsache ist; aber nichtsdestoweniger ist die Frage noch nicht eindeutigbeantwortet, ob. die Konstatierung der Europäer richtig sei,-daß es in der Geschäftspraxis des Morgenlandes einen Gegensatz zwischen Außemnoral und Binnenmoral gebe. Durchaus irrig aber ist die Meinung, daß der Fatalismus, der der Islam lehre, die Tatkraft lähme und ersticke, i Denn wenn er auch eine unbedingte Unterwerfung des Menschen unter den Willen Gottes verlangt, so besteht doch nach der orthodoxen Auffassung eine Verantwortlichkeit des Menschen, der seinen freien Willen behält,; denn jeder hat für seine Handlungen einzustchen. Viel eher werden historische Ursachen,, wie jahrhundertelange Bedrückung und Aussaugung durch einen korrupten Absolutismus und eine nicht minder korrupte Oberschicht, ferner ewige Kämpfe zwischen Seßhaften und Nomaden für jeden Mangel an Wirtschasisentfaltung geltend gemacht werden müssen. Die äußerst wertvolle Untersuchung Rühls, die fast eine Parteinahme für den Orient im Ringen mit dem gefräßigen Europa verrät, zeigt die Sonderart der Wirtschaftsgesinnung auf. Aber gerade dem Juden wird Vieles und. Wesentliches nicht fremd und ^unbegreiflich erscheinen, da er selbst in einer verwandten Geistesw.elt lebt oder vor kurzem noch gelebt hat, sochaß es ihm eher, als irgend einem; anderen gelingen kann, den Zugang zum Orient zu finden, ohne daß diese in sich geschlossene Welt von der europäischen Mentalität bedroht und in ihren Grundfesten gefährdet wird. * D-er dritte Band des Goldenen Buches des Keren Kajemeth. Der dritte Band des Göl-denen Buches des Keren iKaijemech ist jetzt settiggestellt, und'die Eintragungen sind in iAngvijsif gewoiimnen worden. Der DeckÄ des Goldenen Buches wurde bvkannM) nach dem preisgekrönten Entwntzs 'des Zeich-. uers I. Benor-Katter, Jemsakem, von der Firma A. S >a -l $isn <i n n i n I e r -u s a >l e m hergestell-t. Die Heristesi ilung und der , Druck der Papierseiten sowie die Bindung erlfolgten in Wien. Für die ersten zehn Eintragungen in den nemn Band des GÄdenen Buches sind nach einem Beschluß des Direktoriums des Keren Kajemeth belkannttich die Namen , von PeMnilichkeiten bestimmt worden, die bei der Erlangung ider B-ailjour-DeEllaraiion m erster Linie nüt-gÄvirkt haben, nämlich: Sir Herbert Samuel, Lord Balifour,' Exipremter David Äoyd George. Chaim Weidmann. Nahum tSvkolM, M. M. Ussischkin, Lord Rothschild, Iech'iel Ts>chst.'Kv. Poms Brandeis, Sir Mat Sykes. . 'f

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