Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2439 (6.12.1925)
- Date
- 1925-12-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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6s*i«'4 Dien, GMkg Wiener 6. DezMer 1925 Nr. LM Sur Mteensrage. Ein offener Brief Dr. Seipels. Anter -em Titel „Am Scheidewege^ versendet Dok'.or Seipel einen offenen Brief über die Mietensrage, 'in dem er vorweg erklärt, das Wesentliche sei die Entscheidung darüber, ob ein A u s na h mS zu sta n d, dendie Kriegszeit geschaffen hat. in einen dauernden Instand übergeführt. ob die S 04 ia liste rurig Spie „den z« n, die auf den Misten anderen Gebieten erfolgreich abgewechrt wurden, auf dem Gebiete der Wohnungswesens zum Siege kommen sollen. AlleLandere ist unwesentlich, über einzelne Paragraph« des zu erlaffenden.Gesetzes, über Tex-, min« und Ziffern kann selbstver-ständlich g e r e d e t w e r de n. Die Parlamentsmehrheit hat diedeutlich genug dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie dem Antrag ReinerHink eine von ihm in Gnzelheiten abweichende Regierungsvorlage folgen ließ, mit der sie sich keineswegs im voraus durchaus identifiziert. Die Sache, um die es sich handelt, ch zu wichtig, als daß sie nicht unter Anteilnahme aller, aber fachlich und ohne Voreingenommenheit in allen Einzelheiten überlegt und i'vbevprüft werden sollte. ' Auf die Probe gestellt ist jetzt durch die Mietenfrage auch das Parlament, auch die Opposition. Es wird sich zeigen müssen, ob das Parament — es handelt sich dabei nicht nur um das gegenwärtige, -sondern um den Parlamentarismus in Oesterreichüberhaupt— imstande ist, eine ernste Frage unserer Volkswirtschaft ernst zu behandeln. Die Zeit dafür ist gerade jetzt gekommen. Die Opposition hat Gelegenheit zu zeigen, ob sie ArguMNte gegen die Aen><- rung des Mtolenüchies zur Verfügung hat, die auch in einer parlamentarischen Debatte standhalten. In allen anderen Staaten, die von der Kriiysyeit her einen Mieterschutz nach Art des unserigen hatten, ist dieser, vielfach auch unter Mitwirkung der sozialistischen Fraktionen jener Länder, bereits wieder beseitigt oder tvestntlich abgebaut worden — mitAusnahmevonRußla n d. Oesterreich steht am Scheideweg, ob es durch Verewigung seines gegenwärtigen Mietenrechtes aus der Gemeinschaft der übrigen Staaten heraustreten und sich rllein auf der Welt an die Seite Sow je trutzlau ds stellen will. - ' verkchte fifcee einen Farri4enMech»ll. Ei» amtliches Dementi. . Der göftrige „Abend" veröffentlicht Nachrichten, nach denen F a s z i st e n einen U e b e r f a l! auf d'.e österreichische Gemeinde Gries am Brenner uUernomm-m chatten. Es . wird im besonderen ansgeführt, daß infolge Verhaftung eines angeblich fasMjchen Spions ein Lastauto mit 20 bewaffneten Faszisten in Gries -eingefahren lei, die Faszisten das Bürgermeisteramt besetzt und durch Festhaltung des Bürgermeisters die Freilassung des Spions erpreßt halten. Im Einvernehmen mit der Landesregierung in Innsbruck wird amtlich sestgestellt, daß vorstehende Meldungen jeder tatsächlichen Grundlage entbehren und sich als freie Erfindung dar* stellen. _^ 8le Jtötte. Die KAte hat sich verschärft. Vorgestern war in Wien der kälteste Tag des Jahres. Das Thermometer veuzeichnete tagsüber — 5 Grad Celsius und stmk in den NachMndrn bis — 1V Grad Celsius. Aus Nkderösterreich werden noch tiefere Tempentturen gemeldet. Durch die ftevken Schneösäüe der letzten Tage sind echMche Levkchrsstörungen in den Straßen und aus den Fahrbahnen öngotreten. In Berlin wunden am 4. d. in den Morgenstunden 11 Grad KAte gemessen. Me aus Paris telegraphiert wird, herrscht in ganz Frankreich, namentlich in den Gebieten der Vogesen und der Alpen, wo bis zu 19 Grad Kälte zu verzeichnen sind, eine Kältewelle. Allenthalben werden heftige Schnochälle bei 6 Grob Mter Null gemÄdot. In der Gegend von Te t owo rn Serbien sind infolge der starten Schnosfälle scharenweise Wölfe aufgetreten, die zahlreiche Schäden am Vichstand verursachten. In Innsbruck sank gestern früh die Temperatur ans 16 Grad ÄMer Null. Bozen hatte gestern früh —10 Grad. — Die Boranss-ag« meldet Temperuiuvzlmchme. Re RetMle der SMn Bottmer. Versuchte Eutwerwuna belastender Schriftstücke. Aus Berlin wird berichtet: In das Dtenstzimmer des LandesgerichtSMes Dr. Westevkamp. der den Borsitz im Diebstahl sprazeß gegen die Gräfin Bothmer geführt hat. der bekanntlich zur Verurteilung der Gräfin führte, wurde heute uachts em Einbruch verMt, wobei den Dieben Kopien der Gerich^sbrief«, die die Gräfin schwer belcr st e n, in die Hände f toten. Von den Dieben fchlt jede Spur, doch liegt der Verdacht nahe, daß der Diebstahl von Personen verübt wurde, die am Schicksal der Gräfin interessiert sind. Allerdings fielen den Dteben nicht die gewünschten Otto gmalbriefe. sondern mir Kopien in die Hände, während die Originale in einem Nvchbarzimmer ausbewahH waren. dnrdi Pr. Hoffbmcr» F ntfettungs-Tübletten Diese b^n sind von best« Wirkung «ngei>ebnem Oe* •chmaek. vo ständig nn.chXdltch, sie ten enei4l»nk«. grai 6s« FiüUr n«i. ohne OiUwang ojer aenderung der Leb'HBwelsv Prompte OewieMMbnahme. Vom Voiksgesttndhetttamr bewi'lir Nr. Ml Kein Abführmittel Keine Schilddrüse* Depot; Apo'hekc „Zum Römsonen Kal er“, Wle«,l., Wolliel'e 13 Aus ßrez Sitael. Die Meten in Del-Awiw. Die gvcße Steig.-rung der Mieten in kurzer Zeit zeigt folgende Zusammenstellung: Fm Monat Glul 5684 (1924) ivaren 3936 Zimmer vermietet zum Mietpreise von 99.405 P^und pro Jahr, das bedeutet einen Durchschnittspreis von 1,31 Pfund pro Monat und Zimmer. Die Mieten tvaren je rzach lxnn Viertel verschie-den hoch. Bon 0,75 Pfund in Machne Jehuda und 0,92 in Newe Scharen stie^rn sie bis auf 2,3o'Pfund im Handelsviertel. Im Laufe der nächsten fünf Monate wurden in. den neu hirizugekommeiten Merteln weitere 488 Zimmer vermietet, Die Mietpreise dahür waren: Kalegorte Zahl der Zimmer Miete vro Monat . -iu ägypt. Pfund 1 102 L". 8 334 2.25 b i 5.— 3 20 33> bis 4 — 4 62 425 m 8.- Zusanmun 4 8 Am Durchschnitt wurden 281 Pfund gezahlt ge^en 1P1, eine Steigerung um 114,5 Prozent! Allein der,Zustand vorsch'.inmrcrte sich bereits in zwei weiteren -Monaten. In diesen wurden 291 Zimmer vermietet, und zwar: Miete pw. Monat Kategorie Zahl der Zimmer ^" 44 - 13! 77 < 98 in ägypt. Pfund 1 - 3.25 bis - bis 3 25 4.25 dis 15.— Zusammen 29i . Der DurchschnittsmXtzins stieg auf 3.51 Psttnd, der Maximalz'ms von 8 auf 15 Pfund! (Dies für Laden.) D'ele der.MtoLxr zahlen überdies für drei bis sechs, ja zwölif Ndmate m voraus, Die Baubewegung. Bor anderthalb Jahren wurden Häuser -mit -der'Näche von 35M"Quadratmeter gebaut, voriges JÄhr 8000 pro Monat. 192$: im M lM), Juni M00, Juli S4.000, August 24.V00, September 16.060, Oktober-18.060, für .November Wunde Baneriaubms jm 26.000 Quadratmeter gegeben. . In den letzten vier Jahren tvar die BanbMegung folgende: , . . .. (Zur nachstehenden Tabelle sei Lemerkt, ^aß es'sich.um das Finanzjahr handelt, das vom 1. April eines Kalenderjahres bis zum 30.Märzdes nachsten Jahres reicht:) ' imm 1952/23 1923/24 1924,2b 387 346 927 635 417 276 5 f> 393 1 80 1<>28 3TIÄ 3035 ISO . 135 326 , 262 321 241 427 273 82 SS 105 93 14 2 43 27 Bänbe Wiegungen. . Muvouten .... Zimmer. Lädxn , . . . , Bon den Bauten sind tinstöckig .... zweittidg .... dreistöckig .... Neue Industrien. Kn ,Ischlenow"--Dirrtel in Del-Awiw, gegenüber der Tischlerei „Drior", wurde, eine neue Fabrik für Zichorie eröffnet. Diese ist eine Zweigntederlaffung einer Brunner Firma, welche damit den Bedarf des nahen Ostens -decken und die Pflanze in Erez Israel züchten will. De Firma Zlo tn i k u. Si l berbus ch errichtet in Tel-Awiw eine Fabrik „Atvaz" (Zink) für Zinkerei und dergleichen. Es werden. 8000 Pfund investiert. Die Roh Materialien kommen aus Deutschland. , Bei Acco ist eine neue Siliiatfabrrk im Bau. Die Zementfabrik N e s ch e r hat am 16. November ihre Arbeit mit 2g0 Arbeitern ausgenommen. Die neue Mazzothfabrik wird dieser Tage ihren Betri-öb beginnen._ PMstino in den Schulbüchern. Wie wenig — absichtlich oder unabsichtlich — die Verfasser geographischer Lehrbehelfe über Palästina orientiert sind, zeigt ein Blick in diese Literatur. Ein Beispiel sei hier angeführt: In den statistischen Tabellen von Waschiczek- Schubert (Wien, 1925) heißt es: „Palästina wurde im Frieden von Sevres eine Heimstätte des jüdischen Volkes." „Bon der einheimischen Bevölkerung sind etwa 10 Prozent Juden." „England erklärte aus arabische Proteste, daß es unter .Heimstätte" bloß die Gleichberechtigung der neuen jüdischen Kolonisten mit der arabischen Bevölkerung verstehe." „Ter Zionistenkongreß 192t hat. . . reichliche Geldmittel für die sriedliöte Propaganda unter den Arabern beigestellt." „Samuel mußte wegen der stark jndenfeindlichen Haltung der Araber zurücktreten. " Tie Landw Mast PaWina; und der Keren ' '. Von Adolf Böhm. Daß eine breite landwirtschaftliche Basis (ür den Auf^ bau der jüdischen H-e-imstätte nötig ist, darüber herrscht kein Zweifel. Daß ftrner bei der Ungunst der Prrduktronsbedingungen und der derzeit noch sehr dürftigen RentabUilätSdttSsichten in der Landwirtschaft diese in gvößerem Maße nur durch die Hi'lfe der Gemeinschoftkl-ondS ausgedehnt werden kann, ist ebenfalls eine längst ernannte Wahrheit. Btol weniger Klarheit herrscht aber über die allgemeinen Voraussetzungen der Entwicklung der palästilensischen Landwirtschaft. Es muß auffallen, daß ein Agrarland wie Erez Irael heute ncch eine größere Einfuhr als Anfuhr von la-ndwirWaftlichen Erzeugnissen hat. Dies hat verfchiedrne Ursachen. Manche Produkte, die im Lande produziert werden könnten, wie z. B. Zucker!, werden derzeit noch nicht hergesbellt, obwohl dies in Zukunft sicher der Fall sein wird, für andere, wie z. B. Dce und 3leis, fehlen die Preduktionsvoraussetzungen. manche andere Artikel können nicht so «billig hergestellt werden wie in Ländern, deren spezielle Produktionsbedingungen für die.se günstiger sind. Aber n-icht nur die natürlichen Produktionsfaktoren (Bsdenart, Klima, Wafferverieilung usw.) -waren es, die seit jeher die landwirtschaftliche Erzeugung .des Landes ans einer tiefen Stufe gehalten haben, sondern daran war auch die dünne Besiedlung und der Mangel kaufkräftiger stadvifcher Mrkte schuld. Menu de'shach immer nur hervorgehoben wird, daß das ra.sche Wachstum der Städte ein Uebel sei, so muß andererseits betont werden, daß eine Vergrößerung der Konsumkraft der Städte die Voraussetzungen für die Landwirt>fchast und ihre Rentabilität erheblich bessert. Nicht nur die Aufnahmsfähigkeit : Marktes nimmt zu, sondern auch die Nachfrage nach qualitativ brfferen Produkten steiZt, für die gute Prüfe bezahlt werden, so daß.sich Awlvendungrn in der Lan-dwirtschast zur Berteffernng der Produktion eher lohnen als vorher. Speziell die von den Juden eingrftchrle mod^wr Betriebs-Weise, die im Vergleiche mit der primitiven, aber fast kost-enlcstn des Fellachen mit großem Aufwand von Kapital und Arbeit wirtsch?tftet, kann sich nur dann rentieren, wmn Qualitätsprodufte gekauft und gute Preirse bezahlt werden. Diese Aüswirftrng-en des Wachstums der Städte lver. den sich erst nach und nach fühlbar machen. Dagegen ist zur unmittelbaren Ausnützung der gesteigerten Ddtischen Konsumkraft, d'.e in den Schchumth Owdim, im Sos^ln- Projekt und anderen Vorschlägen verlangte Einführung intensiver Kulturen in der Umgebung der Städte — die schon seit Jahren geplant ist — nötig. Das Haupthindernis, warum bisher auf diesem Gebiete nichts geschehen ift, lag , darin, daß gerade in der Nähe der Städte der Boden sehr teuer ist. solche Wirtschaften daher sehr viel Kapital tu fordern und deshalb kaum zur Rentabilität gelangen können, tvenn ne auch den Boden teuer bezahlen muffen, denn Geld ist ehr teurer Produftionr-sattor. Nur wenn der Keren K-ajemeth in d'e Lage versetzt werden würde, Böden für die intensive Wirhchast in der Nähe d?r Städte in größerem Ausmaße zu erwerben und den Kolvnisten in b'.ll'ge Eotpacht zu vergeben, wäre es möglich, daß solche Wirtschaften erstehen. Mit Gründung der Schchuniolch Owdim würden überd'es Hunderte von Familien aus den Städten gezogen und der Wohnungsmarkt in diesen entlastet werden. Wo immer w^r das Problem des Wirtschaftsaufbaues Palästinas durch eine stets wachsende Einwanderung ins Auge fasten, überall kommen wir darauf, daß der Keren Kaftmeth der Schrittmacher sein muß. Immer deutlicher wird es auch, daß neben -der n a t i o n a l e n und sozialpolitischen Bedeutung seiner Betätigung die rein ökonomische Schalung der Bora-usfetzumen für eine renta,ble Kolonisation, an die man in früheren Zeiten gar nicht gedacht hatte, nicht -minder groß ist. Niemals vorher haben die Verhältnisse in Palästina so gebieterisch das Ä.'ngreifen des Keven Ka-semelh verlangt wie gerade im gegenwärtigen Zeitpunkte. Niemals vorher waren aber auch de Anforderungen an seine Mittel so groß wie angesichts seiner heutigen Aufgaben. Die gesteigerte Energie, mOt der — namentlich jetzt, zu Chanuka — die Bureaus des Kerew Ka-jameth die Auifklärungsarbeit betreiben, echiilt ihren Antv'eb aus der Erkenntnis der Größe der durchzufühvende» Ausgaben. (5 SDtoit) Sie ßfiannfoaftton der fferrn Kakmrth. Uranfführung des neuen Palästinas,1ms. Heute Sonntag den ö. d., halb 11 Uhr vormittags, findet im Zentralkino in der Taborsttaße die Uraufführung tzeS vom Kulturausschuß der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation im Sommer 1925 aufgenomMnen Films „Der jüdische Pionier in Erez Israel" statt. Der Film ist der schönste, der bisher ausgenommen wurde. Er gibt ein besonders packendes BiL der eigenartig schönen palästinensischen Landschaft, und zeigt die Entwicklung des jüdischen- Aufbauwerkes vom Sumpf bis zum blühenden Dorf, von der Sanddüne bis zur Stadt Tel-Awiw mit ihren dreitausend Häusern und nahezu 40.000 Einwohnern. Die Aufführung bildet den Beginn der großen Chanukaaktion der Keren Kasemech, für die sich ein außergewöhnliches Jntereffe in den zionistischen uttb jüdischen Kreisen Wiens um> gibt. Feinste Herren-Carderobe tuclt M» jtyjtr Äahluttgacrleiclitcmnj{ ohne Freiserhölinng EMANUEL ADLER 5c nelder Wien, IT.» Taborstrasse Nr« 20 (Eingang ürosse SUtdteutgasse) Tetei.uou 419 93 4