Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2436 (3.12.1925)
- Date
- 1925-12-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981522--24836-3012421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
, 6tHt 4 Vien, DonsirrStay GOLDKRONE der neueste Likör. Be*te Qualität, doch billig Erzeugt in der Fabrik der „Oriflinal-Hob6-Uköre‘‘ ,Goldkrone“, Likörfabriksgesellschaft m.b.H. i., Concordiaplatz 1 / Lar Wohumlgsemt. Im Finanzausschuß des Genmnderaks gab Lei Beratung des Budgets Stadtrat Weber beim Kapitel Wohnungswesen einen Bericht über die Tätigkeit deS Wohnungsamtes. Daraus geht hewor, -aß in den Jahren ISIS bis einschließlich 1923 die Gemeinde 3561 Wohnungen gebaut hat; dann wurde daS 25.M Wohnungen umfassende WohnhauSprogramm beschlossen und es wurden im Jchre ISA bereits 5795, im Jahre 1925 schon 12.886 und hn Jahre 1926 wer-m 6979 Wchnungen in Angriff genommen. Trotz dieser hohen Zahl von Wohnungen, die die Gemeinde angeblich der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, gibt «S, wie der Bericht weiter besagt, 26L82 Wohnungssuchende allein in Klasse 1. Von der Zuweisung von Wohnungen spricht Bericht nur bezüglich der- Tauschwohnungen. Renernugen der Malrezie. £ Mit 1. Dezember d. I. ist ein neuer Tarif der Tabakregie erschienen, welcher folgende Aenderungrn ausweist: Bpn den bicheriam Luxuszigarren wurden fünf Sorten (Jllustres, Ideales, BtktoriaS, JmperatoreS und AromaticoS) aufgelassen. Die übrigen Sorten (Olympicos. Coronas, Entreactos und Graeiosas) bleiben weiter im Verschleiß, jedoch in verbesserter Qualität und teilweise geänderter Fasson. Nur die OlvmvicoS haben den bisher üblichen SpiÄchluß behalten. Die anderen Sorten (Coronas, Entreactos um Graeiosas) find nach Havannaart (zylindrische Fasson mit Kugelschluß) berückt. Dieser Kugelschluß darf mchl wie der Spitzschluß abgeschnitten werden, weil sich sonst bei diesen Zigarren das Deckblatt ablosen würde. Es genügt, das gewölbte Schlußende mir einem Einschnitt m versehen oder mit einem „Sieches anzustechen, um den Zigarren die nötige Lustjügigkeit zu geben. Bon den Spezialzsgarren erfahrt die Jnfantes eine mäßige Preiserhöhung von bisher 12 G. auf 11 G. pro Stück. Bon den Zigarren des Allgemeinen Tarises werden in Hinkunst die „Gemischten Ausländer" in verbesserter Qualität Aur in den Grenzgebieten otbaegÄen; der Preis derselben mußte mit Rücksicht auf die echöytm GestchungSkoslen von S auf 10 G. pro Stück erhöht werden. An Stelle der Gemischten AusländerMtnen wurde eine neue Zigarre, in Stumpenform (schwach keilförmig ohite Schluß) unter der Bezeichnung „Gemischte Ausländer-Stumden" eingestchrt. Diese Zigarre, deren Einlage aus geschnittenen Ausländertabaken besteht, wird trotz des billigeren PrerfeS (8 G. pro Stück) in der Qualität nicht hinter der bisherigen «Gemischten Ausländerzigarre" (Preis bisher S G. pro Stück) gurückstehen. Die GeneraGirektion bietet durck Einführung dieser Sorte auch den minderbemittelten Ziganenrauchern eine gute und dabei billige Zigarre. Gleichzeitig wurde auch der Dreider Zigarette" von 2 G. auf 1 G. pro Stück herabgesetzt, um auch für die minderbemittelten Zigarettenraucher eine besonders billige Sorte zu schaffen. _ Karl Avchruch utflorten. Franz Ferdinands jüdischer Geschäftsfreund. Aus Budapest wird uns geschrieben: In hohem Met, halb vergessen, ist gestern hier der gewesene Juwelier Karl Bachruch gestorben. Der Verstorbene spielte in der Vorkriegszeit in der Monarchie nicht nur als Kaufmann, sondern auch als Freund und Berater der hohen Aristokratie eine große Rollt. Besonders, interesiant war das FreundschastSverhältniS zwischen dem jüdischen Kaufmann und dem spater ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand. Es ist bekannt, daß Franz Ferdinand die Ungarn nicht leiden mochte und offiziell im ganzen zweimal in Budapest weilte und für die amtlichen Streife höchstens eine Stunde zur Verfügung hatte, wahrend er in Zivil bei seinem Freund Bachruch zu Besuch war und sich mit ihm über verschiedene wirtschaftliche Fragen beriet. Bachruch war auch wiederholt Gast des Thronfolgers in Dien und Konopischt. In der Umgebung des Ercherzogs wußte man, -daß der Thronfolger, der als äußerst geschäftstüchtig bekannt war, vor jeder größeren. Transaktion den Rat Bachruchs einholte. Zur Zeit des Kommunismus war Bachruch unerhörten Verfolgimigen auSgefetzt, weil täglich Anzeigen gegen ihn eingelaufen waren, daß die Ariswkraten ihren Gold« und Silberschatz bei ihm verwahrt hätten. Bachruch zog stch dann vom GeschästSleben zurück und starb als verdrossener, einsamer Greis. Abenteuer eines deutsch« Gelchtte« in AfghunWn. Wie ans Leipzig ge meldet wird, ist der vom LerpKger geographischen Institut nach Afghanistan entsandte Gelehrte Professor Sauer von den afghanischen Behörden verhaftet worden und schwM in -er Gefahr, hingerichtet zu werden. Sauer wurde in -der Nähe von Kabul von einem Afghanen anyefallen, der auf ihn einen Schuß abgab.' ffn der Notwehr schoß auch Dr. Sauer und verwundete feinen Angreifer, der kurze Zeit daraus feinen Verletzungen erlag. Professor Sauer wurde verhaftet und mußte mit der Verurteilung gm Tode rechnen. Es gelang ihck, auSdemGesängnis zu entfliehen, doch wurde er, als er die indische Grenze beinahe schon erreicht hakte, eingehott und noch ' Kabul zurückgebracht. Wiener Morgenzeliang Der deutsche Geschäftsträger hat nun der dem afghanischen Außenminister Vorstellungen erhoben und auf die verhängnisvollen Folgen hmge-wiesen, die die Hinrichtung eines deutschen Gelehrten nach stch ziehen müßt«. Ob der Schritt des deutschen Diplomaten von Erfolg breitet war, ist noch nicht bekannt. Sie Uamkaaktlon der Kenn Kaiemeth. Die vom der Leitung der Keren Kajemeth für Oesterreich in Vorbereitung befindliche Chanukaaktion wird sich zu einer imposanten Kundgebung eines großen Teller der Wiener Judrnheit für die Idee der Erlösung des Bodens gestalten. Falls es gelingt, die notwendige Zahl der freiwilli» gen Mitarbeiter aus den Kreisen unserer Freunde und GefinnungSgenosfen zu finden, wird die Aktion auch den erhofften großen materiellen Erfolg bringen. Das Programm der geplanter, Berattstaltungen ist zwar noch nicht vollständig. Verschiedene BeztrkSsektionen und Vereine hoben über den Termin und die Art der Veranstaltung anläßlich der Chanukawoche noch nicht ihre endgültigen Beschlüssc gefaßt. Aber schon jetzt kam, gesagt werden, daß ln den meisten Bezirken unter der Parole deS Keren Kajemeth Chanukafeiern, Kinderfeste, 5-Uhr-Tees, Akademien und ähnliche Veranstaltungen stattfinden werden. Eine ganz besondere Attraktion für die Chanukawoche bildet der vom Kulturausschuß der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas herausgegebene neueste Palästinafilm „Der jüdische Pionier in Erez Israel", der in der Chanukawoche in einer Reihe vott Bezirken zur Vorführung gelangt. Cs ist landschaftlich und technisch der schönste Palästinafilm, der bisher erschienen ist und er gibt ein geradezu überwältigendes Bild von dem Aufbau Erez Israels. Aus dem bisherigen Programm der bereits festgesetzten Veranstaltungen heben wir hervor: 1. Bezirk. Filmvorführung deS Vereins zionistischer Bankbeamter am 8. d. im Ingenieur- und Architektenverein, Eschenbachgasse S. Großes Makkabäermeeting deS Zionistischen Landeskomitees am 15. d. im Großen Konzerthaussaal. Festredner Dr. Alfred Klee ans Berlin. Akademie des Mädchenvereins Mirjam am 18. d. im Saale des Oestcrreichischen Gewerbevereins. 2. Bezirk. Erstaufführung des Films „Der jüdische Pionier in Erez Israel" am Sonntag den 6. d. um halb 11 Uhr vormittags im Central-Kino, Taborftraße. Wiederholung der Ausführung am Dienstag den 8. d. für Jugendliche um 3 llhr nachmittags. Chanukafeier der Jugendgruppe Erez Israel am 12. d. im Cafe Bürger. Chanukafeier der zionistischen Sektion Prater ani 18. d. 3. Bezirk. Filmvorführung durch die Bezirkssektion 3 am 10. d. im Löwenkina. Chanukafeier der Sektion am 20. d. im Cafe Schellinghof. 6., 7. und 8. Bezirk. Chanukafeier der Frauengruppe am 5. d. Chanukafeier der hebräischen Schule und der Menorah am 12. d. Filmvorführung der zionistischen Sektion am 18. d. um 11 Uhr vormittags im Flottenkino. Makkabäerfeier der Sektion zusammen mit den Juikgzionisten am 15. d. im Vereinslokal, Bennoplatz. Makkabäerfeier -es Vereins Tikwath Jehuda am 16. d. im Vereinslokal, Bennoplatz. 9. Bezirk. Chanukafeier der Kulturgruppe deS Makkabi am 6. d. Kinderfeiern der Frauengruppe und des Makkabi 9 am 6. und 19. d. Chanukafeiern des Makkabi S und der Zöglinge des Makkabi S am 12. und 19. d. 16. und 17. Bezirk. Chanukafeier der zionistischen Sektion am 16. d. 18. Bezirk. Fünf-Uhr-Tee der Frauengruppe. 19. Bezirk. Kinderfest der jüdischen Vereine DöbkingS am 8. d. im Kasino Zögernitz und Fünf-Uhr-Tee der Frauengruppe der zionistischen Bezirkssektion am 17. d. im Cafe Döblingerhof. ES ist anzunehmen, daß auch noch die anderen Bezirke in der Chanukawoche Veranstaltungen arrangieren werden und den Reingewinn wie bei den meisten bisher festgesetzten Veranstaltungen ganz oder teilweise dem Keren Kajemeth zuführen werden. Chanukn ist eine der großen drei Gelegenheiten, die in der ganzen Welt durch Veranstaltungen, aber vor allem durch Sammlungen dem Keren Kajemeth namhafte Beträge zuführen. 8in Verteidiger Seilis* in Armut gestorben. . In Rom ist der ernst berühmte Petersburger Advolkat Mülai Ptatono-witsch KarabtschewsEi, der ailS Per-- leidiger in dem Kiewer Beilis-Prozeß eine-große Roll« gchpiolt hatte, völlig verarmt, als Emigrant gestorben. * Zionistisches LimdeSkomilee für Oesterreich. Heute um 8 Uhr aoends, 1. Bez.. Käminerstraße 26, Obmännevkoniferenz. * Wanu lebt« Abraham?. Di« Volt den Engländern in Kijsch in Mesopotamien veranstalteten Ausgrabungen halben unter anderem eiu mit Keilschrift ibedeckt.es LontzatfÄfraMent zutage Mördert, welches Msammen mit Mi ischon früher gefundenen und im Britischen Museum ausbewahrten Stücken gleichen Inhalts Via llnsichckaMtsperiode der Denus für die gesamte Dauer der 21 RygierunMahre des Königs AnmizÄmga augiibt. Dieser Mniä war, w-ie Pvoif. Dr. Horrwih. in der „Umschau" berichtet, der viert« Nachfckger des durch sein« in Sulsa MWsundene GesttzeAsamMung berühmt gewordenen Hammurabi. Die AiWndimg deS neuen Fragments -ermöglicht «S. die RegiernnigSqeit AmmiMdaigas genauer zu -bestimmen, als «8 bisher möglich -war, und, da wir hie Zähl der RegierungSjahre feiner Vorgänger wnnen, auch deren Chronologie mit größerer Sicherheit mtMle-geu. Der «nMche Astronom Fro- Wngham kommt auk Grund des neuen Dclkumettts für Hammurabi auf die Zeit 2007—2025. Falls, wie vielfach angenommen, der im evsten Buch Mösts, Kapitel 14, als ZeiwoMss« Abrahams genannte König Amraphel mit HiMmuraÄ ivent'isch ist. wäre Mo auch di« Äixnözrit Abrahamö in das 21. Jchchnnderi M Verlegen. 8. Dezember 199Ö Kr. m\ PELZMODENHAUS tiiiiiliiiiiiiiiiiitiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiflniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittiiiiiii ZUM SIBIRISCHEN ZOBEL | Wien»VI. Mariabilteratrasse 101*103 Kürschnern eist er // nNar letzte Neuheiten VI fn bester Ausführung * I Gegründet 1190 Telephon Np. lf? Möbelfabrik JACQUES WALLIS Wien, /., Wollzeile 21 Wohtwagtoinricklungen bis tarn feinsten Genre, teithhalUges Lager in fünf Stockwerken TONELLO Mm SB m MITTAGS UNO ABENDS eNUS S2.S0 °oe Re Slot Her jüdischen Sattem in Sefjatflbten. Am 19. November hielt in Czernowitz das Komitee für die Htlfsaktiou zugunsten der hungernden Juden in Beßarabieu eine Bersamml'.uia ab, bei dem der Delegierte des beßaravischen Hilfskomitees, Herr I. M u h l st e i n, ein Referat erstattete, dem die „Ostjühische Zeitung" die folgenden Angaben entninrmt: Die Zahl der jüdischen Familien, die sich Menlvärtig in Brßatabien mit der Landwirtzschaft ^beschälstigen, beträgt z'rka 700k Bis zur Agrarreform haben nur 900 eigene«: Boden besten (eine Fläche im Ausmaße von 3000 Hektar). Bei der Agrarreform wurden 4370 jüdische Familien mit zirka 17.000 Hektar geteilt. DK erste Enquete -betreffend die ökonomische und wirtschaftliche Lage der Mischen Bauern ln Beßarabieu wurde im Jahre 1922 durchgeführt. Die Resultate waren erschreckend. 84,8 Prozervt aller Dischlen Kolonisten, hatten gar keine Ackergeräte, 62,3 ProMi keine Zugtiere und 61,9 Prozent keine Biehstücke. Zu Anfang des Jahres 1923 wurde seitens des Joint der Jca gemeinsam mit dem Verbände der jüdischen Kooperativen in Beßarabieu eine agronomische Hilfst ovganisiert. Mhr als 10 Millionen Lei wurden für totes und lebendes «Inventar verausgabt. An 1ö Kolonie» wurden Leihanstalten für Ackergeräte kreiert, in fünf Punkten Beschalstationen errichtet. Die Zahl der jüdischen Kolonien betragt heute elf. Von di^en ist die jüngste die SiMung Ser bestie, welche erst nach der Agrarreform gegründet wurde. Die Zahl de^ jüdischen Familien beträgt 88; sie haben noch keine Wohnohjekte und Hausen in unterirdische» Höhlen. Die katastrophale Situation wurde durch die Mißernte dieses Jahres hervorgerufen. Bon den 15.000 bis 16.000 .ß<ktar Boden, die von den Mischen. Bauern bearbeitet werden, wurden durchschnittlich 40 bis 6V Kilogramm Felldj'rüchte.pro Hektar einigefechst. Die Kosten der Aufuhr betrugen so viel, als der Wert der Früchte ausmacht. Auch die Mais- und SonneMumenernte ist um 40 bis &0 Prozent unter dem Ertrag eines normalen AahreS ausgofallen. Diese Umstande machten «die Bildung eines Komitees für Hilfeleistung notwendig. Amsangs Oktober d. I. konstituierte stch in Kisch inew ein provisorisches Komitee mit dem PvogranM, eine Hilftaktion für die hungernden Kolonisten zu organisteren. Ä'uch diesmal kam die erste größere Hilfe vom Joint Distribution Eommitlee, welches als erste Rate für die Mion 2500 Dollar überwies. Mit den in Beßarabien gesamm(lten Geldern und diesem Betrage wurden die ersten Dritte zur' Unterstützung der jüdischen Kolonisten eingeleitet. Bis nun werden 1504 Personen mit je 4 Lei 50 Vanr pro Tag, d. i. in Naturalien 40 Te^lgramm Maismehl und 40 Dekagramm Kartoffeln beteilt. Die Zahl 'der Hungernden beträgt aber nach den genau durchgeführten Recherchen. 8845 Personen Md 2370 Kinder, die in Kantinen beköstigt werden. Bon den Kolonien Falchie,. Seulean-u, Unghenie, Perlita und Risoanovca fehlen noch genaue Daten und Zahlen. Die Stadt K is chi ne w wurde m diese Aktion Nicht e!»bezogen. Man kann also mit einer Gesamtzahl von 80.000 Personen rechnen, welche für die Dauer von 6 bis 7 Monaten subventioniert werden müssen. Das Komitee hat mit einem Budget von zirka'16 MiMoneN Lei zu.rechnen und wenigstens 2,5 Millionen Lei pro Monat für die Hungernden auszugeben. Die beßarabische jüdische Bevölkerung bringt die größtmöglichen Opstr, um einen Untergang der jüdischen Landwirtschaft und die Vernichtung dev ftrdischeN Bauern und Kolonisten zu verhüten. Die ein-, zelnen Ortschaften, in denen sich Hungernde befinden, bringen ö0 Prozent der nötigen Beträge für die Unterstützung der hungernden Ortsinjassen auf, Alle dich