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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-28 · Heft 2431 (28.11.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2431 (28.11.1925)
Date
1925-11-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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,M WU_' Wien, Sambia« ' Muffolinir Methoden. {4Ktte schwirr BrschiiwiMMg SarrailL gegen di« italienische Regierung. Nom, 27. Nvvmlber. (Tel.-Kornp.) Mitleilungerl *bct jAgenzia Volta zufolge soll der frühere französische Ober- ,LommMr in Syrien, General Sa r r a il, in EErungen,; die er in einem. Pariser.Klub ahgab und. die, m dem Puche ,'des Pierre Lastvurays über dm griechrfch-itailiie Nischen Zwischenfall im Jahre IM dokumentarisch sestzelegt find, gesagt haben, die g r i e ch if ch e n Mörder der italieirischen Offiziersmis- ^sion in Albanien feien von nienmnd anderem als von der italienischen Regierung gedungen Worden. Das hieße, die italienische Regierung habe, um einen Borlvand für ihre imperialistischen Ziele hn bekommen, ihre eigene Grenzkommission .niedermetzeln lassen. Ae Senser Beschlösse im Buuderrat. Der Bundesrat hat die Beschaulichkeit seiner Existenz .gestern durch Abhaltung einer Sitzung unterbrochen, die notwendig geworden war, weil die Regierung die vom Nationalrat genehmigte Resolution über die Genfer Beschlüsse vom 10. September auch dem Bundesrat unterbreitet hatte. Mit dieser Resolution holt sich die Negierung die Zustimmung der beiden gesetzgebenden Körperschaften dazu ein, daß in Abänderung der seinerzeitigen Völkerbnndprotokolle in den nächsten zehn Jahren die Kontrolle wieder aufleben kann, wenn der Bölkerbundrat dies mit Dreiviertelmajoritäi beschließt. Ein solcher Fall wäre gegeben, wenn das budgetäre Weichgewicht ernstlich gefährdet würde. Bundeskanzler Dr. Ramek interpretierte gestern diese Bestimmung dahin, daß dieser Fall nur dann als gegeben angesehen werden könne, wenn es sich um eine schwere Störung des budgetären Gleichgewichtes handeln würde, die die finanzielle und wirtschaftliche Situation des Staates zu zerrütten geeignet wäre. Hinsichtlich der Fortdauer der Funktionen des Beraters der Notenbank gab er der Ansicht Ausdruck, daß es nicht richtig wäre, dem Berater außerhalb der Notenbank liegende Funktionen zu übertragen Gegen die Resolution sprach der Sozialdemokrat General Körner, während dessen Rede der aus dem Wiener Gemeinderat bekannte Christlichsoziale Rotier Zwischenrufe machte. Der Sozialdemokrat Klein machte Gegenvuse. Rotier rief ihm nun u b e n 5 ub", ,Hndenbe ng.e l" zu. Klein quittierte diese Ungezogenheit mit dem Gegenmf „Fre chl i ng", „Tr o t-tel". Nach diesem Zwischenspiel, das der Vorsitzende rügte, wurde die >R e s o l u t i o n a ngenomine n. Desgleichen ein Initiativantrag Falser, betreffend die Ausdehnung der Kompetenz des Bundesrates. Das Haus. genehmigte ferner den Handelsvertrag tiuit Jugoslawien und das Zusatzübereinkommen znm Zollvertrag mit Deutschland. Wiener MorgenzeiluM so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll jeder ständig benützen. Ueberall erhältlich Diana-Franzbranntuein - Produktion ■ Ges. WIEN, II. PRAG, Will. Bngerthitnw« 16» lieben, Prahobeljova 1WI Das Kode des Mataja-Aurschuffer. Der zur Beratung der Mataja-Biedermann-Bawkasfäre eingesetzte Unterausschuß hat gestern seine Beratungen beendet und dem Bericht des Obmannes, Doktor Ding Hof er, seine Zustimmung erteilt. Zu diesem Bericht meldete die Minderheit zwei Separatvoteu an, und zwar bezüglich der behaupteten B e g ü n st ig u n g der Biedermann-Bank anläßlich der Gewährung von Einlagen seitens öffentlicher Stellen und hinsichtlich der Festsetzung des Kurses der vierten Aktienemission der Biedermann-Bank. ® Der Bericht mit seinen Beilagen wird nunmehr sertiggestellt und dem Präsidenten des Hauses mit dem Ersuchen um Veranlassung der Drucklegung übergeben werden. _ Wiener Landtag. Ein Jnkomtzatibilitätsgesttz. In der gestrigen Sitzung des Wiener Landtages wurde analog wie für die Mitglieder des Nationallvaites für die .Mandatare des Wiener Landtages ein Jnkompatiiibili-. tatsgtsetz beschlossen.. Ir: der darauffolgenden kurzen Geschirftssitzmvg des Wiener Gemomderates wurde unter anderem ibeschloss-en, der -im November 19®6 stattfindenden Ausstellung des Gesellschasts- und Wirtschastsmuseuans eine Sulbvvnckm. von 2000 SchMnig zu gewähren. Stadtrat Kunschak ecklärte zu diesem Referat, daß diese Ausstellung nichts anderes als Mt Hiffsiustitut des Finanzreferent-en B reit ne x sei, dazu bestimmt, seine FimnzpMM größeren Kreisen der BevöAenmg verständlicher und appetitlicher zu machen. 28. November IM SeW | 3tt jedem Jahre andere Ferien. Der PrDdent des WieM Stadüschulrates.'MöM, -gestern im Budgetausschuß Klage über das Bechalten des Ünterrichtsministeriums gegenüber dem Wiener Stadtschulrat. Der Minister nehme in der ■ wirklich ganz^ unkomplizierten -Ferienfrage eine nilentschiedene Haltimg ein. Wir verlangen acht Wochen Ferien einheitlich für Volks- und Bürgerschulen. Der Minister gibt hier allen möglichen Emslüsterun>gen Gehör und nun ist der Plan aufgetaucht, in jedem Jahre andere Ferien zu. bestimmen. Der Wiener Stadtschulrat hat das Unterrichtsministerium rechtzeitig . aufgeifovdert, endlich einen Beschluß zu fassen, und er wird, wenn-eine Entscheidung nicht getroffen wird, aus dem Gebiete ider Volks-und Bürgerschulen heuer zwei Monate Ferien fastlegm. Ob das UnterrichtsMinfftermm die Ferien ßir die Mittelschulen regelt oder nicht, wird uns gleichgültig sein. Ae KonresfionsWcht der Buchdmlkereien. Ab 1. Jänner sollte gemäß den Bestimmungen des neuen Preßgesetzes der Konzesf ionszwang für Buchdruckereien, Buchhandlungen ufw. in Wegfall kommen. Gestern wurde im Ausschuß für Handel und Gewerbe eine Novelle zum PreßgeM /beschlossen, womit die Aushebung des Konzesfionsz iw a u g e s für die erwähnten Gewerbebetriebe u m zwei weitere Jahre hinausgeschoben wird. Dar Moskauer Schachturnier. Torres' zweite Mederlage; Dr. Tartakower von Bogoljnbow geschlagen. Aus Moskau wird uns berichtet: Die dreizehnte Runde hat — soweit sich dies vorausschen läßt — die Chancendes Mexikaners Tor re, die Favorrts des Turniers, Bogol-jübow und Dr. Lasker, z.n überflügeln, stark herabgewindert; dem Torre, der Tags dorther gegen Lasker den sensationellen Sieg errungen hatte, wurde jetzt von dem russischen Meister Romanowski geschlagen; -dagegen gewann Bogolijubckw gegen den bisher im Türmer unbesiegt gebliebenen Dr. Tartakower, während Dr. Lasker jetzt, nach elf Jahren, an dem Rnsieu Dnis-Choinmirsky, der ihm bm Petersburger Turnier von 1914 die einzige Niederlage beigebracht hatte, Revanche nahm. Großes Interesse erweckte die Partie Capablancas gegen den altbewährten amerikanischen Champion Mar sh all, der bisher vorzüglich gespielt hat; Marshall mutzte sich dom Kubaner Wätmeister -beugen, der dadurch auf dm vierten Platz kaur. Dagegen ist Rubinstein -im Turnierstand stark 'zurückgefallen, da er von B o g a d i st j ch u k -besiegt wurde. Grunseld schlug Retr, Spiel mann siegte über Saemisch, Aates Mer Werlrnsky. Die Partien Rabiuowiez—OenewsVir und Gotthüliß—- Löwen fisch 'waren remis. Zuwarow war 'spielfrei.; 1 Stand nach der dreizehnten Runde: Bogoljubow 9Vr (hat noch 1 Hängepartie — gegen Löwevfisch — und 7 Partien — gegen Spielmann, Zuwarolv, Bar Gelehrten «»glaublich erschienen ist. Manche Dinge wollen idem ,/gesunden Menschenverstand" ebensowenig einleuchten, wie andere den gelehrtesten Köpfen, und doch sind es Dinge, di« e>mige Jahrzehme «der Jahchunderle später ein Ijeder, der nicht eine allzu einfache Schulbildung genossen hat, als ganz natürlich, ganz felbstv-erftäMich.ansieht. Unbegreiflich erscheint es ihm, daß so etwas in ftüherm Zeiten als unmögilch, un-. denkbar angesehen werden konnte, und Stolz erfüllt ihn, weil er nicht mehr in jenen finsteren Zeiten leben muß, ikurz, weil er äußerst aufgeklärt ist. Doch, man sei vorsichtig und nehme, was heute leider besonders wenig geschieht, die Geschichte der Wiffenfchaften als Lehvmeifterin; sie berichtet Selffames, hören wir einige Beffpiele. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gab der Hamburger Chemiker Becher eine Schrift heraus, betitelt: „Närrisch?. Weisheit und weife Narrheit". Er wachte sich Aber viele Schwächen seiner lieben Mitmenschen lustig und erzählte auch etwas von dem berühmtesten Leipziger der Vergangenheit, von Leipniz. Dieser habe di« weise Narrheit verkündete es tverde einmal ein Postwagen kommen, mit dem man von (seinem Wohnort) Hannover in sechs Stunden nach Amsterdam gelangen könne, ivährend man damals eine bis zwei Wochen dazu brauchte. Leipniz war darüber sehr ausgebracht; in -einem Schreiben an feinen Herzog Ernst August 'verwahrt er sich aufs heftigste dagegen; er sagt, man müsse den Verstand verloren haben, wenn man sage, daß so etwas jemals möglich sein könne. Und wie steht es heute mit dieser Wegstrecke von etwa 400 Kilometer Länge? Machen wir einen Sprung von etwa 100 Jahren. Lav visier hatte gesunden, daß sich wie Luft aus zwei Bestandteilen zusammenfetze, aus' Sauerstoff und Stickstoff (heutigen Tages sind wir noch etwas klüger!); er erregte dadurch den größten Zorn nicht etwa eines Philosophen, der sich ein eigenes Weltbild ersonnen hat, sondern des Chemikers Baum e, der Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften war, und dem wir die Erfindung des Aräometers verdanken, mit dem wir heute noch zum Beispiel bestimmen, wieviel Prozent Mohol in einer Flüssig-" Mt enthalten sind, oder wieviel Wasser man der Milch ■ zugesetzt hat. Baume glaubte noch fest an die vier Elein e n t e Feuer, Wasser, Luft und Erde, und Web: Diese Elemente find als die Grundbestandteile der Körper von den Gelehrten aller tJührhtmderte und aller Völker anerkannt worden; es ist nicht anzuuchmen, daß. Dinge, die seit 2000 Jahren als Clemente anerkannt worden sind, plötzlich sich als zusammengesetzt erweisen sollten, und es ist schlimm, daß man lbchauptet, man besitze Verfahren, wodurch man Luft und Wasser zersetzen könne, und daß man törichte, um nichts Aergeres zu sagen, Betrachtungen anstellt, wonach man sogar den elementaren Charakter der Erde und des Feuers bozweiselt. Weiter und weiter ergießt sich der Strom seiner Beredttsamkeit, und doch beweist er nur damit, daß es schon damals Sachverständige gegeben -hat, die aus vielen Seiten ein Urteil über Dinge abgaben, die sie gar nicht kannten, in die sie vielleicht gar nicht kennen lernen wollten, um nicht mit der Wissenschaft ihrer Zeit in Widerspruch zu geraten. . Merkwürdig ist, daß später derselbe Lavoisier aul einenl anderen Gebiete ebenso gesündigt hat, wie an ihm Hefündigt worden war. Sem Ruhm war sch begründet, er war in den Kreis der „40 Unsterblichen" ausgenommen worden: Da kam nach Paris die Nachricht, in der Provinz seien Steine v o -nt H i m m e l niedergchallen. Die Beobachtung dieses Ereignisses ist, von unserem Standpunkt aus gesehen, einwandfrei. Man hatte ein Etwas am Hi-mniel erscheinen sehetr, das rnit großem Getöse zevplatz'te; utan war an den Ort geeilt, wo einz-eln-e Stücke ansgetroffen waren, nian hatte sie sehr heiß gefunden. Proben, wurden an die Akademie der Wissenschaften gesatldt, und der bou ihr eingesetzte Berichteerstatter, Lavoisier, erklärte, die Sache sei u nglanbw ür dig, unzulässig, Steine können nicht vom Himmel fallen! Ein deutscher Physiker, Chladni, ein Wittenberger Pvof-essorensohn, der durch seine ausgezeichneten Forschungen auf dem Gebiet der Akustik Anspruch auf einen langdanernden Nachruhm sich erworben hat, machte 1794 die Naturforscher aus die Tatsächlichkeit der Meteorsälleaufmerksam, fand aber trotz der Fülle seines Materials aus älterer und neuerer Zeit noch vielfach keinen Glauben. Als besonders scharfe Widersacher taten sich die Gebrüder de Ln c hervor; der eine, eilt.Genfer Professor, be- Wtpsie in fünf Abhandlungen Chladnis , „Torheit"; der andere,'der damals in England wirkte, von 1798 ab.aber! in Göttingen über Philosophie und Geologie las, arbeitete mehr im stillen. Er war kein unbedeutender Gelehrter, verdanken wir ihm doch, die Erkenntnis, daß das Wasser bei der Abkühlung schon vor der Erreichung des Geftierpunktes seine größte Dichte erreicht; er reffte sehr Viel, .und in Mn gelehrten Gesellschaften» die er besuchte, machte er gegen Madui Stimmung. Dieser fand aber auch einputzreiche Freunde in Deutschland, zum Beispiel Lichtenberg in Göttingen und Werner in Freilberg, und es nützte de Lue nichts, daß er sich zur Behauptung verftieg, er würde an diese Meteore auch dann nicht gruben, wem einer vor ihm medeHele; loäve einer auf ihn gefallen, so hätte er schon daran glauben müssen. Die Natur selbst kam Ehladni zu Hilfe: in England, in Ostindien traten Eisen- und Steinsälle auf, und als gar am 26. April 1603 bei L'Aigle in der Normandie unter gewaltigem Krachen 2000 bis 3000 Steine als Inhalt eines großen Feuermetoors hevunterprasselten, verstummte auch in Frankreich der Widers'pvuch, und der große Cuvier berichtete 1809 der Akademie, daß Chladni doch recht gchaA habe. Dieser gab 1819 eine zusammenfassende AbhanMng heraus, in der an verschiedenen Stellen die Freude darüber hervorleuchtet, daß er der Wahrheit habe zum Siege verhelfen können. Rur int Vovübergchen sei an das traurige Geschick des HeMronner Arztes Julius Robert Mayer erinnert, der schon im Jahr.1841 die Wärme als eine Form der GewMNg erkannt hatte; die HerstaudnislosigM feiner Zeitgenossen bewirkte, daß Mayer selbst eine Zeitlang den Verstand verlor. Sprechen wir lieber von einer weniger schmerzlichen Gegebenheit. E d i s o n hatte den Phon ographen erfunden; in seiner einfachsten Form sollte er am 18. März 1878 den erlauchten Mitgliedern der frartzMchen Mademie vorgeführt werden. Da's dantals verwendete Stamolblatt war „besprochen^ worden, und die von einigem Gekrächz begleitete Wiedergabe begann: jäh wurde der Versuch unterbrochen, ton ein älterer Akademiker, M. Bonilland, sckrzie sich zornentflammt auf den Borführenden, Packte ihn an der Brust und schleuderte ihm die Worte ins -Gesicht: „Elender, glauben Sie, daß wir uns durch einen Bauchredner betrügen laffen?" Noch nach Monaten hatte er sich micht beruhigt; er konnte nie glauben, daß ein MetaMechstreistn eine seelenvolle menschliche Stimme ersetzen könne. Professor Dr. R. O l a ß. 0 wmsaamsimimmm 4453

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