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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-27 · Heft 2430 (27.11.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2430 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I Gelle ’4 Men, Freitag Wiener Morgenzeitunn S7. «Mer IW Nr. MV Dates und— -vre be«U .erwähnt — L ö we nft fch—. Bogoljubow kamen nicht zur Been-iMtH. Rabi- « otvlcz war spielfrei. Stand nach -er zw öilfte n Runde: VogolW-Hv 8V, \i), Dorre $% Dr. LaÄer 8, Marshall 7 (1), Dr. Tartakowe; 7, Capab'lanea, Rub'mstein je 6V», GenewKki 6 (1), Reti, Romanowski je 6, Grünftld, Saernifch je 6»/„ Boga-Pschuk, RMn-owicz je 5 (1), Werl-indky 5, Spielmann 44/s/ Dus-Ehoirmir8ky 4, Löwenfisch 31/» (1), AateS Pf» (3), Gotjhilf SV. (1), Ai^warow LV.. A» «Oe Sumte In »rtettwle« MÜHrn! Die Leistungen -er Wischen Arbeiterschaft beim Aufbau PaListinas sind oft von verschiedenen Seiten als hervorragend bezeichnet worden. Persönlichkeiten wie Professor Wetz« mann, Dr. Ruppin, Mbert Einstein. Ranffah Mae Donald und viele andere, die Gelegenheit hatten die Leistungen und Schöpfungen der Mischen Arbeiterschaft an Ort und Stelle zu beobachten, haben einmütig den unvergleichlichen Opserwillen, die schöpferische Initiative und die überwältigende Energie der palästinensischen Arbeiterschaft hervorgehöben. Unter den schwierigsten Bedingungen hat sich die jüdische Arbeiterschaft in der Landwirtschaft^ im Baugewerbe, im Handwerk und in der Industrie die Wege gebahnt. Und wenn wir heute bereits aus einen Grundstock Micher Arbeiter, die m den wichtigsten Zweigen der Produitum -es Lander Wurzel gefaßt haben, Hinweisen können, st, ist dies erst durch das Retz der wirtschaftlichen und kulturelle» Institutionen, Welches die jüdische Arbeiterschaft im Lande geschaffen hat. er- . möglicht worden. In der Chewrach Owdirn sind alle Siedlungen, Kwuzoth, Prodmtivgenossenschaftän und samtige Institutionen -er Mischen Arbeiterschaft zusammengefastt. Auf einige dieser Institutionen wollen wir hier kurz Hinweisen. Die große Bankooperative Solelboneh. dir sich rühmen kann, für die ungüschiollen, manueller Aweft zumeist ftemden, eingewanderten Juden geradezu im Sturm den Straßen- und Häusevbau erobert zu Labew ist heutzutage -er «roßte Unternehmer des Baufaches im Lande. Der Sololvowch beschäftigt zurzeit über 1700 jüdische Arbeiter: die Bauten, die er bis jetzt auMffihrt hat, stellen den Wert von einer Million Pfnnd dar. Der P a l L st i n a a r ü e i t e r f o n d s iP. A. F.). die jüngste Tochtergesellschaft der Chewra-th OWdün. -re Institution, oft bahnbrechend in der Kolonisierung des oberen GailrlSa und auf dem Gebiets der Prodicktivgenosserffchasten war, gehr jetzt daran, große Ackeiterheime in Ehmfa und Tel-Awrw zu errichten. Der Paläftinaarbeiterfonds, der vom Weltvewande Poale-Zion geschaffen wurde und nunmehr m den Besitz der Chswrach Owdim überge-gangen .ist, setzt seine Pion-iertätigfeit foft. Zuletzt, aber nicht in letzter Reihe, wollen wir der Zentralstelle Lr kulturelle Tätigkeit Waädath Hararbuth ge- -denken. Die Waadath Hatarbuch begleitet den Arbeiter vom Momente seines Betretens des palästinensischen Bodens, während seiner Wanderung von einer - Arbeitsstelle zur anderen, bis zu seiner endgültigen Nttderlagrmg auf dem Lande oder in der Stadt. Auf dem Gebiete der Erlernung des Hebräischen, das eine wichtige Voraussetzung für die Peveinheitlichunq des Jischuw bildet, kann ße auf große Erfolge Hinweisen. Aber jic begnügt sich nicht damit allem. In die entlegensten SiedlungspunLte tragt die Wradath Hatatbuth das gedruckte und gesprochene Wort der Bildung und Aufklärung durch Bücher und Lehver. Der Erziehung der jungen Generation der jüdischen Arbeiter — MiftlloS eine der wichtigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben — widmet sie die größte Aufmerksamkeit. Die Arbeiterpolit'ck der organisierten Wischen Arbeiterschaft. insbesondere die Klasseugememschaft zwischen jüdischen , und arabischen Arbeitern ist bereits hentzutaze einer der wichtigsten Faktoren bei der Verständigung zwischen Juden und Arabern. $n diesem schweren und verantwortliche Kampf dürfen gMdet tverderr. sich als Freunde des arbeitender' Pa bekennen und der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas rn ihrem schweren Kampfe beizuftehen bereit sind. Erneu Mchen ovganr< fierten Kreis wollen wir auch in L:en ins Leb.'n rufen. Im Einvernehmen mit -er Histadruth Haowdrm Haiwrim HaklMh (Allgemeine jüdische mbciterorgonilarir'n) ist in Mett von den rinterzeikhnskn Gruppierungen ein Komitee für daß arbeitende Palästina g<° b-ildet worden. Als seinen ersten Schritt unternimmt das Komitee die Schaffung eines Vereines der Freunde des arbeiteude» Palästina. Jeder, der mittun will am Aufbaue eines aus progressiver, sozial« Giun-lagr errichtete» arbeitenden Palästrna, wer vre große Bedeutung der jüdische» Arbeit und der Wischen Arbeiterschaft in Palästina zu würdigen verficht, trete dem Vereine der Freunde der arbeitenden Palästina bei! Komitee für das arbeitende Palästina, ' Wien: Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poaift Zion. Zionistische Arbeitspartei Hitüchdilth. Jionistischffoaialiftische Partei Zeit« Zion. Hechaluz, österreichrscher Landesverband. Jüdischer Jugendverband Tcheleth-Lawa». Histadruth Haschomer Hazair, Wien. Siegfried Alt mann, Direktor deS Israelitischen Blinsenirlstttuts; Dr. Vdwin Bader, Kultuworstcher, Vorsitzender des Klubs der Mandatare der Bereinigung für soziale Ditia- Mi in bet. AultuSgvuieiride; Dr. Siegfried Bern solo; Adolf Böhm, Präsident der Keren-Kajemsth-Kommtssion; Professor Dr. LudwigBrailn, Primarius teS Rothschild- Spitales; Dr. Rosa Buchmil (Jerusalem-Wien), Delegierte des.Hauptbureaus des Keren Kafemech; Oberrabbiner Professor Z. P. E Haje-; Dr. Leo Goldhammer, Vizepräsident der Keren-KajMech-Kommissioa; Dr. Bertold Herzig, Obmann der Bereinigung Kr soziale jüdische Mia Uvt; Dr. I. Robinsohn, PrimarmS deS RotMild- Spitales; Mendel Singer; Dr. Saul Sotal; Dr. Michael Lteinb erg; Dr. Maim Tartakower; Dr. Israel Waldmann, Advesse dsL Beremes: 2. Bez., Obere Donanstraße 40-A. Sa» .troikene" AmM 16 RMM« Dollar ftr - ein. halb« Trankiih«»«. Aus Rew-Aork wird berichtet: Die amerikanische Temperenzliga veröffentlicht einen Bericht über die T r u n k j u ch t i n A m e r i k a, der von der Presie allgemein als ein geradezu vernichtendes Dokument gegen das Prohibitionsgesetz bezeichnet wird. Der Bericht gründet sich ans die Polizeistatistik in 350 Städten und kommt zu dem Ergebnis, daß im Führe 1924 in den Vereinigten. Staaten nicht weniger als 565.626 Arretierungen betrunkener Personen vorgenommen worden sind. Dich Ziffer übersteigt die Zahl der Trunkenheitsexzesse im Jahre 1924 um 60.000. Der Bericht der Temperenzliga gelangt dementsprechend zum Schluß, daß das Volstead-Gesetz über das Alkoholverbot in den Vereinigten Staaten den Zweck, den der Gesetzgeber damit verfolgte, in keiner Weise erreicht hat. Dieser Bericht der Temperenzler Amerikas wich in der gesamten amerikanische Presse erörtert, die darauf hinweist, daß. wie aus einem kürzlich erschienenen Bericht des Justizdepartements hervorgeht, die Durchführung des Alkoholverbotes, welches sich obendrein als gänzlich unzweckmäßig erweist, die Vereinigten Staaten jährlich 16 Milliarden D o l l a r k o st c t. ■ tza» Meafigaal der «älr. In MMmter Weise «Märt der amorAan-ische Zovtqge Clark die Tcrtfache, daß sich Wale und große Fische unter normalen Umständen, besonders aber bei Sturmgckfahr hüten, den Küsten vn die Röhe zu kommen, und so der Gchchr' entgehen, an Land geWft zu werden. Tatisächltch ko-nrmt das sehr selten vor — wieso wissen die Tiere -aber, das sie in die Nähe der Küste kommen? Nun, meint Clark, sie bedienen sich so^Mgen einer fr rhode, die sich auch die modern« Schiffahrt seit emigen Jahren schon m großem Umfang zmutze macht. E8 Loerden nämlich seit der Verbesserung des „Untröwossernri-krophons" überall, an der Mte, a,r Leuchttürmeir, Feucrschiiffen ufw. Unterwasserschallsignale angebracht. Das find Glocken, die in bastimmteur Rhchmus ertönen; mrd bei der Annäherimg deS Schiffes wird ihr Klang durch ein unter der Wasserlinie an der Schiffstvand angchrachtes Mckr-ophon dem SchiGÄaiter hörbar, da im'Wasser der Schall sich viel weiter (und viel schneller)' <As in der Ä«ft ausbrettet. Den WaDschen stellt die Natur das Wasserjvgrwl zm Bevfügung; ununterbrochen branden die Wellen an dem Strand M» erzeugen kontinuierliche ch allst ö ße", die weithin durch den Oyean dringen. Rur brauchen die Msche keim PÄen^PrLziswnSmirwphone,. ihnen gerckgt das Gchör und sie schauen, daß sie weiter kommen und der Gefahr der Strandmrg entgehen. Mrd daS Wetter schlecht, ist, Sturm im Auzutz, daun wird das Brandungsgeräusch stärker und die Tiere fliehen noch ivstter. ES wird sich schwer Wtellen lassen, ob Tlm-k recht hat — ab« er könnte zumindest recht hotben und das P allerhand. Andsverfeits lbchmepten manche Zoologen, daß die meisten Fische wicht hören können; für die Wale.gN das mt-üM) wicht, — sie Horen wir alle SÄlgetiere schr gut. die große MffenlottrrlevrSmle Weimal nacheinander bei der .WMrftrlle" gewonnen! k In den «letzten zwei Jahren tourde die große Klassenlvttevieprämie zweimal nacheinander von Knuden der „Glücksstelle" Josef Stein Mvomren und ebenso zweimal der «größte Hau-ptt-reffer. In der Seichen Zeit -toutitai vüle Haupttreffer von einer halben Milliarde, 400 Millionen. 300 Millionen, 200 Millionen. 100 Millionen uifito. von Kunden der „Gliicksstette" aewmmen. Memand oersäum;, bet der „MückLstellr" IM Stein, Wien, 1. Bez., WiMiusterstraße 21. au der »Hohen Brückl sich sein Masienilos raschestens zu besorgen. Wtrarte f,eniigt. Presse: Achteillos 4 Schilkmg, Merte>'lilo8 8 Schilling, halbes Los 10 SchiRug. ganzes Los SS Schilling. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangefetztes E gekennzeichnet. Wien, 27. Novensber. * Das Wetter. Gestern vormittags gäb «8 Leichtes Schueetreibeu, das Sich in den Abendstunden wiedechcklte. Die Temperatur bewegte sich uoch über MN. Die Bo-vaussage meldet Schnee und Mteres Wetter. — Aus gang Deutschland uud vo-n der dkordsee werden schwere Stürme und Unwetter gemeldet. * Erdbeben in Tirol. Wie dir „Innsbrucker VEsszeitmna" meidet, wurden am Montag in Kitzbühel und in I o chberg leichte Erdstöße vers-piirt. E Gratulation. I. A. B. ,,Iordama"-Wien gratulmt ihrem ttelbm Bb. Mbrecht Koch anläßlich seimr Promotion zum DÄtor der gesamten HeMmde. * Der älteste jüdische Aedler in Hais« gestorben. Wie uns aus Jerusalem beachtet wird. D in Haifa der Ateiste jüdische Siedler Ghachan Jchuda Lev i m ittt von 70 Jahren gestorben. Der Perstoribene hatte sich vor 50 Jahren in Haifa Mgesöedolt und spielte im öffentlichen Leben der Stadt eine angesehene Rolle. An seinem Lelch^Ibegänzznis nahmen die Bertvem aller jiidischen Organffatronen, sowie zchlwiche Araber, bei denen der DMichene gleichfalls in höhe-m Ansehen stand, teil. * De? verloren« Marschallstab -es Diktators. Wie bas . .e Matt „El Liberal" aus Eeuta Zu meldou weiß, ist dem itm Primo de Niveua ttirzilich eine recht u«nauigenchme Geschichte passiert. Als er sich nach Äjdir einschWte, entglitt seiner tand der Marßchallstab, den «r immer trägt, und W ins Meer. lle Bevsuche. das Stzmibol seiner Kommanidogewalt wieder oufMtfinden, blieben evfolglos. Unter den sipaniischere Truppen, die außeroÄxmrtl'ich abergläubisch sind, hat der Zivischfnfall einen «pÄulichen Eindruck hexvoMmfen. Sin betrügerischer Kaufmann. Der 37ijährige Kaustn-amr Wvaiham P x r e tz, zu PHWpopell. aeiboren, .irt 0ofie zuständig, der zahlreichen Wiener GeschÄstAenten Warm herausgelockt hat, wurde gestern hier vechaftet und dem Landesigvricht eingMsert. * Kafseüetnbruch ln Mariahilf. In «der LebensmittÄgvoßhaMuna Grün Wald u. Iü r ödy, 6. Bgz., Giravdigasse i, Hunte Mitttwch nachts ein Kassenelnbvttch vembt. Die Täter jiitb nach Durchbrechung einer Gipsmaner durch einen Bäckerladen in den Kasstnraiem der Iivma gelangt. Sie erbeuteten einen Bavbetrag von Ü0o0 O 0000 Schilling und entjfevnton sich dann ans dem gleichen Wege. * vom Zuge gerädert. Als geistern früh ein Lokailzug der SüLtrahn in don M-eidlinger Südbalynhöf einfuhr. ertönte plötzlich ein Schrei. Der Zug hielt, llnd unter den Nädern zog man den furchtbcir zugerichteten Leib eines jungerr Burschen hewor. Der Avzt stellte nur den Eintritt deS Dcdes fest. Der Derimglücfte hatte schreckliche Bevletzungen. Er wurde als der 17jährige Schuhnracherlehvling Friedrich Ohr, in Mödliua. Roseggergasse 3. wohnhaft, in Wien beischäfttgt, erttaunt. Er ist entweder vom Trittbrett abgestürzt oder vorzeitig a'bMPrungen und unter die Räder geraten. * Die Lebensmüden. Die 36jährige Private Ghrdstme. ab er-mann wurde gestern, gegen 2 Uhr früh, in dem Zimmer ihrer mit Leuchtgas erfüllten Wohnung. 17. Beg., Geblergasse 8. tat aufgofmdden. — Di« 39jähvlge Private Lina Groß wurde Mittwoch nachts in einem mit Lerchbgas erfüllten Zimmer der Wohnung, 2. Bez., SchiffmMerrstraße 6, im Bett« liegend, tot ausgofunden. Sie hat Scktlstmord begangen. — Der 72jä>hirige Schrchnrachermeffter Josef Mick hat sich gsstern erschossen. * BirchowS Duell mit BiSmarck. Der berühmte Anatom Virchow pflegte im Kreise intimer freunde gern eine recht lustige Duellgeschichte zu erzählen, die er mit dem Eisernen Kanzler erlebte. Bisnrarck war bekanntlich ein.echriterter po'li tischer Gegner des großen Anatomen und diese Fchde gürg so weit, daß sie persönlichen Charakter annahnr und sogar zu eiw.r Herausforderung des Kallers an Virchow führte. Ms die Kartelltraaer zu Birchow kamen, fandw sie ihn >in seinem Laiöoratormm, Versuche mit der Nnschädlichmachung der gefürchteten Trichinen anstellend. „Schin!" erwart« Virchow mrt feinem Lächeln: „Ich nehme die Iortevung an, wenn ich die Waffen wWen darjf!" — „Damit ist Se. Durchlaucht sMtver-- stäMich einverstanden, da Sie der Geforderte sind," war die kühle Antwort. ,Münschen der Herr Professor Säbel oder Pistolen?" — „Na, so blutgierig bin ich gerade nicht," meinte Virchow lächelnd, schnell etwas einpackenü und das Päckchen den erstaunten Kartellträgern überreichend. „Mer hier sende ich Sr. Durchlaucht zwei Würste. Die eine davon ist ohne Schaden genießbar, die andere davon stark trichinös. Herr von Bismarck mag me davon wählen, die andere werte ich essen. Wer die Trichinen kriegt, ist nach dein Gottesurteil gefallen." — Damit Ivar die Sache erledigt, denn Bismarck verspürte Nein« Äfft nach diesem sonderbaren Duell. Au» der WeMatt des Sucher. Die gesammelten Werke von Schalom Asch gibt jetzt der Ladvschnrkow-Berlag in Berlin heraus. Bisher sind er-- schtenen: „Onkel Moses", ein Roman aus dem Leben der polnischen Juden in New-York, „Mottke der Dieb", die abenteuerlichen Erlebnisse des jungen Mottke. der schon als Kind den Kanlpf ums Dasein ailfnehmen muß, und sich in dem Sumpf der Warschauer Allstadtgassen vergeblich durchznringen sucht, „3)u Zauberin von Kastilien", eine Erzählung, die die Greuel der heiligen Inquisition schildert und bunte Streiflichter auf das Leben rm mittelalterlichen Rom wirst, „Ein Glanbensmarthrium", auf urkundlichen Forschungen beruhende Darstellungen aus der Zeit der von den Kosaken Chmelnickis im 17. Jahrhundert verübten Judenmetzeleien in Polen und „Der elektrische Stuhl", ein Roman, der daS tragische Schicksal eines unschuldig verurteilten New-Yorker Bankiers zum Vorwurf hat. Schließlich sind auch in gleicher Ausstattung zwei Dramen von Asch in diesem Verlag erschienen: „Josef", eine Hirtenlegende in fünf Bildern, und „Motite der Dieb", ein Bolksstück mit einem Vorspiel und drei Akten. Ans alle diese Werke werden wir noch zurückkommen. Die europäische Wirtschaftskrife durch amerikanische Methoden zu bezwingen, bemühen sich in letzter Zeit sehr viele wirtschaftlich denkende Geister. Emil Honermerer rollt in einem soeben (im Paul-List-Verlag, Leipzig) erschienenen Werk „Die Ford Motor Company" das ganze Problem der wissenschaftlichen Betriebsführung auf, untersucht eingehend die Unterschieoe des Taylor- und Fvrd- SystemS, beziehungsweise die Weiterentwicklung der Taylor^ zur Ford-Methode. Der Verfasser schildert allsführlich die technischen Grundlagen und die wirtschaftliche Entwicklung der Ford Motor Company, ihren organisatorischen Aufbau und ihre finanzielle Entwicklung und Rentabilität. Sehr interessant sind besonders die Kapitel über die sozialen Verhältnisse bei Ford (der Gewinnbeteuigungsplan und seine Wirkung, die Beschäftigung Minderwertiger, die Werkjchulen, Fords Lohnpriuzipien und vieles andere) und über dre gegenwärtige Lage der amerikanischen Automobilindustrie. Eine Charakteristik interessanter Ärbeitertypeü in den Ford-Fabriken aus der Feder der sozialistischen Schriftstellerin MrS. O'Hare, und einige bezeichnende lustige Anekdoten beschließen dieses interessante Buch, das jeden: großen Geschäftsmann nur warm empfohlen werden kann. Ford als Beispiel uud Symbol eines neuen Wirtschafts- Prograutmes, das die Produktion und Arbeitsintensivierung an vie erste Stelle setzt, ist auch der Grundgedanke der gediegenen Untersuchung von Theodor Lüddeüe: „Das amerikanische Wirt sch aststempo als Bedrohung Enropas" (Paul-List-Verlag, Leipzig). Der Autor geht von dem Gesichtspunkte aus, daß die gegenwärtige europäische (und im besonderen die deutsche) Wirtschaftskrise nicht nur in der politischen Konstellation ihren Grund hat und als akute Hemmung aufzufassm ist, sondern daß sie in erster Linie aus den Strukturveränderungen der Weltwirtschaft heraus zu begreifen ist. So sieht er zum Beispiel als gewaltige Aenderung der Weltwirtschaft die immer sortschreitende Industrialisierung der Rohstoffländer und dadurch bewirkte Stönma der bisherigen Arbeitsteilung Zwischen Rohstoffländern und industriellen Produktionsländem an. Im Amerikanismus sieht Lüddecke nicht nur eine neue Art wissenschaftlicher BetriebSsührung, sondern eine Geisteshaltung, eine erhöhte Aktivität, wirtschaftlichen Problemen an den Leib zu rücken. Zuerst verwirklichen und dann darüber schreiben und daraus Programme machen, wie es Ford getan hat und nicht umgekehrt, wie eS in Europa üblich ist. Diese allseitige Untersuchung amerikanischer und euro^ päischer WirtschaftSmethoden, die sich in gleicher Weise auf Unternehmer wie auf Arbeiter erstreckt und an psychologischen und politischen Problemen nicht achtlos vorbeigeyt, endet mit einem Appell an die Europäer, zur größeren Sachlichkeit zurückzukehren. Der Tatfachenstnn möge das Bedürfnisniveau bestimmen und die Erkenntnis der wirklichen Zusammenhältge der Weltwirtschaft fördern. Die jetzige Wirtschastssituation in Deutschland bezeichnet Lüddecke als ein „in den Tag Hineinleben". Nur durch erhöhte Produktion und nicht nur durch eine unendliche Kette von Forderungen und Abwälzungen läßt sich ein höheres Lebens- und Wirtschaftsniveau erreichen.

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