Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2430 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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sich« nRechte uuf» -er jüdischen, Vertretung in den ÄndesParlameriterr beraten und Beschlüsse gefaßt werden Men. __ Skrtzmkk Regierungzerkliirung. Der jüdische Klub wird sich -er Vertrauensabstimmung enthalten. ^Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 26. November. Gestern stellte Minister- Präsident Skrzyn Ski sein Kabinett dem Parlament vor. In seiner Regierungserklärung führte Ministerpräsident SkrzynSki unter anderem mit Bezug auf die gegenwärtige Wirtschaftslage Polens aus, daß di« Regierung alles aufbieten «werde, um den Zlotykurs §u halten und unter keinen Umständen eine neue Inflation Anlassen werde. Aus diesem Grund werde die Regierung nicht mir keine ungedeckten Noten drucken, fondern sich auch vor einer passiven Handels- und Zahlungsbilanz sowie vor einem Ärdgetdeftzit hüten. Die Verhandlungen zur Aufnahme von Ausländsanleihen werden nach der vom Ministerpräsidenten ausgesprochenen Ueber- Zougnng nach Crzielung des Budgetgleichgewichtes realisiert werden können. In den Fragen der inneren Politik — führte Mnistevprästdent Skvzhnski weiter aus — wird die Regierung ihr Augenmerk auf Vermeidung aller Reibungen und Konflikte der sinzelnen Parteien und Vevollerungsschichten richten; sie halt an dem Grundsatz der Gleichberechtigung aller Bürger, welcher Nation immer, fest. Dabei kam der Ministerpräsident auch auf die zwischen feinem Vorgänger Dr. Grabski und den parlamentarischen Vertretern der Juden unter seiner (Skrzynskis) Mitwirkung getroffenen Vereinbarungen sprechen, indem er sagte, die jüdischen Vertreter hätten ihre Wünsche und Ansprüche bereits seinen: Vorgänger vorgetragen; er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Gei st, der sich in der seinerzeit seinem Vorgänger übergegebenen Erklärung des jüdischen Klubs kundgebe, seine volle Wirksamkeit bewahren werde. Da das Expose des Ministerpräsidenten leine lim Stellungnahme der gegenwärtigen Regierung zu den oben erwähnten Vereinbarungen ergab, hat der jüdische Klub beschlossen, bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum ftir die neue Regierung sich der Stimme zu enthalten. In der heutigen Sitzung hak der jüdische Klub bezüglich feiner weiteren Stellung zur Regierung den Beschluß gefaßt, eine wohlwollend abwartende Haltung einzunchmen. Re Numerus klaufusMer gegen die Horthh-Zudeu. Im Auftrag der in Paris studierenden Opfer des ungarischen Numerus clausus übermiMb uns Dr. Wmrd Fischer folgendes Schreiber;: „Das unqualifizierie und nicht genug verwerfliche Vorgehen der Leitung der. Israelitischen Kullu'sgemeiude in Budapest, mit welchem ste den Vertretern des westeuropäischen Judentums anläßlich des Kampfes gegen den Numerus elau. {« § in Ungarn in die Arme fällt, veranlaßt uns hiermit,' den derzeitigen assimilatorischen F ü h, rern des. ungarischen Judentums entschieden das Recht abzusprechen, sich äks Verteidiger unserer Interessen zu gerieren. Solange Ta äsende von Studierenden aus ihrer Heimat vertrieben sind nur deshalb, weil ihnen als Juden der Zutritt zu den Hochschulen verwehrt wird, solange das/ ausländische Judentum di« Sorge hat, den taüsenden mittellosen Studentenden Unterhalt zusichern, solange wir alle auf «das Entgegenkommen und die Mildtätigkeit der ausländischen Juden eben infolge des 'barbarischen Vorgehens der magyari- , schsn Regierung angewiesen sind, so lange haben die Budapester Assimilamien kein Recht zu «bchaupien, daß die jüdischen Institutionen des Auslandes sich unbefugtörwep'e mit dem Numerus clausus in Ungarn, der, nebstbei bemerkt, der Ausgangspunkt 'b^s gleichen unmenschlichen Vorgehens auch in anderen Ländern -war, zu befassen. Wenn Herr Dr. Alexander Lederer (der Präsiikm d-er Budapester Kultusge-memde. — Die Red.) in Padu.a, Berlin, Paris und vielen anderen ausländischen Universitätsstädten die Massen quartiere der ungarischen jüdischen Student« u aussNchen würde, und wem es diesen Führern der ungarischen Assimilanten nicht gelingen würbe, durch Gei-Mittel und sonstige Protektionen ihre Wmiliemngchörigrn doch in die 6 Proze nt der favorisierten Juden an den ungarischen H 0 chich u le n unterzubringen, dann hatten die Herren nicht die Stirne zu behaupten, daß unser elendes und kummervolles Leben im Ausland eine interne ungarische - Sach? sei utrb -das ausländische Judentum nicht interessieren «darf! . Wir halten es für unser Recht und gleichzeitig auch für unsere Pflicht, das Vorgehen der Leitung der Budapester A'nltusgemeinde im Ausland als eine ehr- und würdelose Speichelleckerei der ungarischen Negierung gegenüber zu brandmavken, <sür «welche es auch keine entsprechendere Antwort geben kan», als eben die Jgntzrieruug nutz KerhöhNUAg jeitM 8in gSWger Tag für Ae ««»sage« der Mmutt «ad der Moria Ledl schwer erschüttert. - Sie SnWea auf Steigers Kommunismus zerschlagen. Bost mrstttm H.«Kott«spondenten. 8er Täter sei, aut. Lemberg, 26. November. Die heutige Verhandlung bracht« eine Reihe von Aussagen, die für den Angeklagten Steiger günstig smd. Zunächst wurde der Gut-Pächter Franz Piasetzki einvernommen, der i-m Moment des Attentats die Bombe sah. Bor Schreck begann er zu laufen -und sah auch Steiger ebenso wie cineReiheandererPersonen lausfen. Hinter Steiger lief dir Pasternak. In dieser allgemeinen Flucht befand sich der Zeuge plötzlich zwischen Steiger und der Pasternak und hörte die Pasternak rufen, -mau -möge Steiger aufihalten. Der Ze»lge wandte sich zu ihr und fragte sie, warum sie dies verlange; die Pasternak antwortete: „Dieser Herr läuft." Darauf sagte der Zeuge: ,Ich lause ja auch"; und eine andere Person rief der Pasternak zu: ,-Sie lausen ja auch, denn alle laufen!" Zeuge verlor dann im Gedränge Steuer und die Pasternak ai& den Augen und sah erst ein paar Minuten später beide von PoliMtetr umringt. Diese Aussage entkräftet entschieden dis Angaben der ,Kronzeugin" Pasternak, daß sie Äe-iger verhaften ließ, weil sie gesehen Me, wie er die Bombe schleudert?. Der nächste Zeuge, Norbert Eckstein aus Stanislau, der ebenfalls zur kritischen Zeit, durch den Polizeikovdsn ausgehalten, sich am Orte des Attentates befand, scch die Bombe, erblickte dann die Pasternak laufend, indem sie ries: „Der Herr mit dem hellen Mantel". Er war bei der Anhaltung Steigers in allernächster Nähe anwesend und erklärte dezidiert, daß keine andere Fra« außer der Pasternak dabei oder in der Nähe. war. Damit ist die Aussage der zweiten ,Fronzeugin" Viktoria Ledl abermals schwer erschüttert und wurde es noch mehr, der angesehene Advokat Dr. David Jonas aus Stanislau, dessen Vorladung als Zeuge der Vorsitzende O-erlandesgerichtsrat Franke selbst verlangt hatte, dieselben Erklärungen abgab wie Eckstein. Beide Zeugen, die bei der Verhaftung Steigers anwesend waren, sagten auch übereinstimmend aus, daß die Pasternak auf die Frage, ob Steiger wortete: „ES scheint mir, daß er ewar." Damit ist wieder einmal erwiesen, daß die präzisen Angabe» ■ der Pasternak sich erst später gebildet haben. Ter dritte Hauptzeuge der Anklage, .der Ukrainisch: Polizeikonfident W« r ch o i a, dessen Glaubwürdigkeit schm: 1 so oft mit dem Hinweis auf seine,: gerichtsordnungKmäßlg 'fostgestelltcn Irrsinn angezweifelt worden war, erlitt heute wieder eine sogenannte Niederlage, die eine N lebe t* läge der Anklage bedeutet. Werchola hatte unter anderem angegeben, daß unter den Kommunisten, mit ■ denen Steiger angeblich verkehrte — und auf feine Angabe stützt die Anklage hauptsächlich ihre Indizien über Steigers kommunistische Betätigung, die ein Motiv für die Tat abgeben könnte —, sich auch bei Samborer Privatbeamte ^Stephan Terleeki befand. Dieser wurde lheute einvernommen. Gr macht« seine Aussagen in ukrainischer Sprache. Terleeki erklärte, daß er Steiger ni« kannte und daß Werchola, den er seit längerer Zeit kenne, ein Lügner sei, dem man kein Wort glauben könne. Es kam dann zu einer Konfrontation zwischen Terleeki und Werchola, bei der Terleeki seine Behauptungen wiederholte, während Werchola sich in geradezu pathologischen Ausfällen gegen di« Polizei, deren Konfident er war, wandte. Auch die Zeugin Orl 0 N) ska, von der Werchola behauptet hatte, daß sie mit Steiger öfters in Gesellschaft von Kommunisten gesehen wurde, erklärte, sie habe Steiger nie gesehen, sehe ihn jetzt zuni ersten Male. Da schon früher die übrige, von Werchola behauptete kommunistische Kameradschaft Steigers, die Geschwister M r a k, erklärt hatten, Steiger nicht zu kennen, so bricht das aus seine Aussage gestützte Indizium völlig zusammen. Es wurden dann noch mehrere Zeugen vernommen, deren Angaben jedoch 'keine neuen Momente für den Prozeß erbrachten. Zum Schluß sagte die Schwester Steigers aus; ihre Erklärungen lauteten dahin, daß sich Steiger niemals politisch betätigt hat. Sodann vertagt« der Bor-, sitzende die Verhandlung auf Samstag früh. Morgen findet keine V e r h a.n d l u. n g statt. des ungarischen r KulMminssterS Graf Kl eb ei V Äerg." . Ue-er den Sdurirerus eümsrrs darf nicht geschrieben werden. Unter -em %M „Der Numevns olausu'S in Ungarn" gab der Budapester Schullehrer Ferdinand S-e-elh im Jahre 1968 eine Broschüre heraus, «worin er gegen die Politik loszog, die bWIe brave ungarische Studenten in das Ausland in Not und Glend verjagt. Infolge dieses Artikels wurde gegen Szeikely die Anklage wegen des Vergehender Schmähung der ungarischen Nation erhvben. Der Gerichtshof verurteilte Sz-ekely zu drei Monaten Gc fa n g n i 's. Die königliche Tafel seht« die Strafe aus einen Monat herab. Die königliche Kurie änderte die Gefängnisin «im GÄdstvafe von drei Millionen Kronen ab. «In Vorteilt deo Mm:n>r-tla«lur'Uledelsbers. Budapest, 26. November. (Tel.-Komp.) Bei der Beratung des Etats des Kultusministeriums in der heutigen Sitzmrg der Nationalversammlung übte der Sozialdemokrat^ Alexander R 0 t t e n st e i n scharfe Kritik an der Amtstätigkeit des Uuterrichtsministers Grafen Klebelsberg und sagte u»ter anderem, daß Ministerpräsident Gras Bethlen seinen UnterrichtsmiNister. zur nächsten Session des Völkerbundrates nur deshalb nach Gen f mitnehme, damit Klebelsberg nicht unterdessen zu Hause, hinter dem Rücken des Ministerpräsidenten, D u m m h e i t e n a n st e l l e. Rottenstein zielte mit dieser Bosheit aus die bekannten Versuch« des UnterrichtsmittisterS hin, während der letzten Abwesenheit des Grafeü Bethlen in Genf selbst an die Spitze der Negrerung zu treten. Der Unterrichtsnünister wurde durch die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners so nervös, daß er h a st i g d c n S a a l v e r l! ö ß. Rottenstein stellte weiters fest, da«; Gras Klebelsberg D i r e k t i 0 n s m i t g l i e d der U u i v e r s i« tätsdruckerei sei, die vermöge ihrer hohen politischen Verbindungen anderen Druckereien gegenüber unlauteren Wettbewerb betreibe. Der Abgeordnete Fabian warf dem Unterrichtsminister vor, daß er keine politischen Prinzipien habe und sein Mäntelchen stets nach dem Winde de§ j e w e i l i g w e h e n d e n K u r s e r drehe. Frechheiten dcs Numerus-clausus'GWpfers HaÜer. Im Verlauf der Debatte nahm auch der Abgeordnete Stephan'Haller, der frühere Unterrichisminister^ unter dessen Amtstätigkeit.das Gesetz des Numerus c l a u(u s g e schaffen würde, einer der ärgsten>.ungarischep Panamisten, der es so arg trieb, daß er eine ZeitlanK naK Amerika „sammeln" gehen muhte,, das. Wrj. und erklärte, dev Numerus clausus sei seinerzeit eingeführt worden, um ein Anwachsen der Zahl des intelleltuellen Proletariats zu verhüten, da dies eine Gesahr für die Gesellschaft bilde. Der Numerus clausus sei keinesfalls gegen die Juden gerichtet, denn auch die Zahl der christlichen Studenten werde.'beschränkt. (?) Aehnttche Maßnahmen werden auch andersrvo geirosftn, so in Amerika, wo die Universitäten dos Recht haben, die Z a h l d e r a u f z u n e h m e n d e n jüdischen Studenten selbst zu regeln.i?) Solange die geistigen Berufe überfüllt sind, könne die Institution des' Numerus clausus nicht abgeschassi werden. Der Volk e r b u n d habe mit dieser Frage nichts zu tun. ParlMe«»«Me MordvklivagMüa. Gin völkischer Abgjwrdneter fordert zur Ermordung Stresemannz aus. München, 26. November. (S. K. B.) Im Zwischenaüsschuß des bayrischen Landtages kam es heute, bei der Besprechung der Lvearna-Vertrage, zu heftigen Zwischenfällen: Als Mittlsterpräsident Dr. Held die Politik des Außenministers Dr. S t r e s e m a n n verteidigte, rief der höllische Abgeordnete Wagner: „Ich vnnte es verstehen, wenn ein audgewiesener Elsaß- Lothringer Stresemann über den Hausen schöetz«« würde'." Dieser Zwischenfall veranlaßt« lebhafte Zwischenrufe bei 8en Sozialdemokraten: „Genau so wie bei Rathenau, dieselbe Verhetzung, die zum Mord führen muß!" . Sin «euer BalklmMchrnfali. An der bulgarisch-jugoslawischen Grenze. Sofia, 25. November. (Bulg. Tel.-Ag.) In der Nähe de? bulgarisch-jugossawischen Grenze, zwischen.den Dörfern Kal a b 0 v e i und K u r k u l i a t h versuchten in der vergangenen- Nacht vier mit Gewehren sind Granatelr bewassnetc Emigranten die DemarlationSlinie zu überschreiten.. Sie erössneten das F e u e r, worauf die G r e n z t r u p P e 11 genötigt waren, das Feuer zu erwidern. Zwei der Angreifer wurden getötet, wogegen die zwei anderen aus jugslawisches Gebiet flüchteten. Ein bnlgarif ch e r Soldat wurde getötet und zwei andere leicht verwundet. _ NegierllWweMel!« Kam. Bangkok, 26. November. (Havas.) Der K 0 n i g v 0 iv Siam ist gestorbe n. Der Bruder des Verstorbenen, Senkadoya, ist zntn König ausgernsen worden. Dr. Lugen Lewiekt gestorben. In Prag ist voraenerli der eliamalige österreichische NeichsratsabgeorÄnet« L)r. Tngrn Lewicki gestorben.. Er war Mitglied der »krami'ck.-n Reichsvatsfrartion, in der er «gute Figur machte. Turne Gattin war eine Schtvest-er des ukrainischen Studenten-S: e; y n i ft, welcher seinerzeit den galtzkschen Statthalter Grasen Pateekt evlchM» bat. - < - **"•, y..