Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2429 (26.11.1925)
- Date
- 1925-11-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Men, Donnerstag Wiener Morgengeitung 26. November 1926 Gerte 5 STOCK WEINBRAND ECHT aus naturechten, besten Weinen in amtlich plombierten Flaschen (Erlaß des Ackeibauministeriums 21.1M99/474 ex 1904) > nach wie vor die führende Marke! II B E HALL ZU HABEN! geben. I« seiner namens der Regierung gehaltenen kurzen Begrüßungsrede bei der Jubiläumsfeier sprach er von Patriotismus und Religiosität, zwei Eigenschaften, die der Budapester Kultusgemeinde eigen seien. „Aus diesem Grunde" — schloß er seine eisig kalte Begrüßung — „wird die Pester Israelitische Kullusgemeinde so hoch geschätzt, so tief verehrt. Ich begrüße diese Gemeinde auf das wärmste im Namen der ungarischen Regierung." Schluß. Mehr hatte der Vertreter der Horthh-Regierung diesen Juden nicht zu sagen. Das war bloß' zynischer Hohn. Was ist es aber mit der Resolution über den Numerus clausus? Auch darauf blieb Kultusminister Graf Klebelsberg die Antwort nicht schuldig. Sie ist ein Fußtritt, wie er brutaler selbst im assimilatorischen Ungarn don Juden noch nicht zuteil geworden ist. Die ungarischen Juden gehen nicht nach Gens. Dafür aber beschloß Klebelsberg, diesmal Bethlen nach Gens zu begleiten. Um aber die Rassenschützler zu beruhigen und den Juden auf ihre Resolution zu antworten, gab er am Tage, da die ungarischen Juden den oben zitierten Beschluß faßten, im Wege der Presse folgende Erklärung: „Den Beschluß der Juden auf ihrer sonntägigen Tagung halte ich für eine sehr patriotische, schöne Stellungnahme, die gerade politisch genommen sehr klug ist, denn ich glaube nicht, daß eine gewisse Maßregel, die ettva Ungarn in Angelegenheit des Numerus clausus oktroyiert würde, geeignet wäre, die Shmpa thren, auf welche die ungarischen Juden seitens der übrigen Bevölkerung unbedingt angewiesen sind, zu fördern. . Dann heißt es weiter: „In Genf werde ich mich beim Völkerbundrat über das Stadium der Numerus-elausus-Frage orientieren. Der Standpunkt der ungarischen Regierung ist Za bekannt. Wir haben den Numerus clausus niemals als konfessionelle Maßregel, sondern von allem Anfang an atz eine soziale Maßnahme betrachtet, welche deshalb Notwendig geworden ist, weil wir zwei Drittel des Landes verloren haben, von wo der größte Teil der ungarischen Intelligenz hierher geflutet ist, so daß wir heute im Rumpfungarn Zweimal so viel Advokaten, Aerzte und Ingenieure haben, als es vor dem Zusammenbruch gegeben hat. In die Frage spielt auch die große Armut der christlichen Gesellschaft hinein. Ein großer Teil der jüdische» Gesellschaft ist, wenn auch nicht reich, so doch wohlhabend genug, während die christliche Gesellschaft völlig verarmt ist. Wenn wir also unsere Haltung darnach richten würden, daß bloß derjenige, derbesserenFortschritt aufweist, an die Universität gelangen kann, so würden wir beinähe die materielle Lage zum Maß stab nehmen. (?) Aber ich wiederhole: die Regierung hat den Numerus clausus niemals als konfessionelle und definitive Maßnahme, sondern atz eine provisorische Verfügung behandelt, und sobald die Gesellschaft ausgeglichen sein wird, werden wir die Verfügung aufheben." Das ist also der Lohn für die unmännliche Haltung der Führer der ungarischen Judenfchaft. Diese kurzsichtigen Politiker haben es noch immer nicht begriffen, daß der Kunpf für die Aufhebung des Numerus clausus nicht ein Kyrnps gegen Ungarn, sondern ei» unbedingt unerläßlicher KampfgegeneineRegiernng ist, die den Antisemitismus zu einer Staatseinrichtung erhoben hat. Gerade gegen solche Negierungen — wir betonen, nicht gegen den Staat oder die Nation soll ja die Situierung der Rechte der Minderheiten in den Friedeusvertragen einen Schutz bilden. Das weiß Graf Bethlen ebenso gut wie wir, und mußte deshalb zugestehen, daß der Friedensvertrag von Tri anon den ungarischen Juden wohl das Recht e i n r ä U m t, gegen d e n a n t i s e rn i t ischeu Numerus elaususBeschwerde zu erheben. Deshalb nimmt Klebelsberg zur jesuitischen Auslegung des Numerus clausus Zuflucht, indem er seinen antisemitischen Charakter leugnet. Klebelsberg wird also in Genf ungefähr dasselbe sagen, was die Juden in Budapest gesagt haben. Er wird unter Berufung auf ihre unglaubliche Resolution erklären können, daß diese Angelegenheit zwischen der Regierung und den jüdischen „Führern" erledigt werden wird, bis die Regierung — die Erlaubnis der Rassenschützler dazu erhält. » Horthh und die Wiener Presse. Budapest, 25. November. In der in der NwtionoL- 'oersammlung abgeführten SpeziaDebatte über das Budget verwies 'bei Verhandlung des Pauschales von sechs Milliarden für das Presse de Parte me nt de's Ministerpräsid.iums Abg. Peyer (Sozialdmokrat) darauf, .daß derartige Posten auch im Budget der Ministerien des A e u ß e r n und tes Innern enthalten seien. Es Eestehe absolut keine Notwendigkeit,^ daß die Regierung ihr nahestehende Blatter mit so -hohen Summen Me Attentäter von Lemberg. Me Aussagen der Sengen Sinei im Steiger-Prozeß. - Wie ein Senge durch die Palizel zermürbt wird. Bo» unserem H.-Korrespondenten. Lemberg, 26. November. Das Gericht hat, wie der Vorsitzende zu Beginn der heutigen Verhandlung mitteilte, auf Grund der gestern erfolgten Zeugenaussage des Emu Finel, des älteren Bruders des von der Verteidigung beantragten Zeugen, Adolf Finel, beschlossen, daß der Zeuge Adolf Finel unter Eid cinvernommen werde. Bevor es zu dieser mit Spannung erwarteten Einvernahme des Adolf Finel kani, richtete der Vorsitzende an die Warschauer Militä.rsachverständigen die Frage, ob sie bereits ist M Läße seien, ihr G u t a ch t e n über den Sprengstoffinhalt der B o m b e und der zwei Handgranaten, die fünf Monate nach der Verhaftung Steigers in einem Bodenraum des Hauses, wo seine Faynlie wohnt, gefunden worden waren, abzugeben. Wie erinnerlich, hatten die Leiden Sachverständigen vor einigen Tagen um Erstreckung der Frist für die Abgabe des Gutachtens ersucht. Heute erklärten sie, sie seien auch jetzt noch nicht in der Lage, das Gutachten abzugeben, da die. Untersuchung des Sprengstoff- Inhaltes durch die früher gehandhabteü üürichtigeri Untersuchungsmethoden örschwbrst noch nicht völlig abgeschloffen sei; schon jetzt Mr könnten sie erklären, daß das Gutachten der ersten Experten gerade-» dilettantisch und für den Prozeß von keinerlei Wichtigkeit sei. Diese Erklärung rief u-m so größere Wirkung hervor, atz die Anklageschrift gegen Steiger aus Grund des ersten Sachverständigengutachtens, das eine.Identität des SprengstoMchaltes der am 5. September 1924 goschlmderteit Bombe und der im Dnchbodenvcmm des Steigerschen Hauses nach fünf Monaten gefundenen Handgranaten behauptete, Indizien für die Schuld Sttigers konstruierte. Dem für die nächsten Tage zu gewärtigenden Gutachten der Warschauer militärische» Sachverständigen wird deshalb mit größtem Jntereffe enigegengesehen, weil das erste von ihnen atz dilettantisch bezeichnet« Gutachten von der besonderen Ge f ä h V:l.i ch l c i j; der Bombe sprach, die gegen den Wagen des Staatspräsidenten geschleudert wurde, während fchon früher Warschauer militärische Fachkreise dies in A b r e pe siel l ten. , Unter größter Spannung des -gariM Saales erföchte sodann die Asssage des Adolf Finel. Er ist, wie er angibt, zur Zeit, als die Auffahrt-des Prastdeuten erfolgte, an der Ecke der Legtoneustraßö gestanden. Dann sah er plötzlich bei der Kopernikusgasse eine Bewegung unter der Menschenmenge, -tvelche sich dort versammelt hatte, und man hörte auch Ruse, daß eine Bomb« geschleudert worden sei. Eine Anzahl von Personen flüchtete von ihrem Standort in verschiedenen Richtungen. Dem Zeugen fielen drei Personen auf, tvelche eilig in die Legionens-vaße liefen. Es waren zwei Männer und ein« Fra». Sie Uesen in das offene Haustor des Hause- Legionenstraße 3. Der Zenge, infolge des eben geschehenen Attentats aus das merkwürdige Benchmen subventioniere. Redner sei übrigens dahin msyrmWvt, daß der größte Teil dieser Summe .nicht der ungarischen, sondern vor allem der Wiener Presse überwiesen ivMen sei. Ministerpräsident Graf Bethlen erwiderte, daß es nirgends aus -der Welt eine Regierung gebe, die. nicht, mit der Presse irgend welche Verbindungen ausrechtechalte. Er könne aber den Vorredner beruhigen, daß kein einziges Wiener Blatt «ine Subvention von her Regierung erhalte. Der Ministerpräsident hob MM die Wichtigkeit der Aufgaben, des Pveffsdepartements hervor, die darin -bestünden, der ungarischen Presse und den uttgarischen Korrespondenten der auswärtigen Presse mit Informationen Zur Verfügung zu stehen. Der Posten wurde sodann unverändert angenommen. Sie KSnigrsrage in Ungarn. Bethlen gegen Habsburgpntsche. Budapest, 25. November. (Tel.-Komp.) Die denw'-t kratischen Abgeordneten Joses Cserty und Paul Heghmegy-Kiß brachten in der heutigen Nachmittagssitzung der Nationalversammlung eine Interpellation ein, in der sie fragen, was die Regierung angesichts der immer stärker lverdenden Propaganda f ü r H a b s b u r g und d^n Erzherzog Albrechtzu tun gedenke. Ministerpräsident Bethlen erklärte, die Königssrage sei gegenwärtig ntcht aktuell und könne nicht aktuell werden, solange das Land nicht ohne jede Beeinflussung durch das Ausland einen freien Entschluß fassen kann. Vorbereitende Arbeiten habe die Negierung in der Frage noch nicht geführt, denn die Zeit dazu sei noch nicht gekommen. Sollte der Zeitpunkt eintreten, dann werde.die Regierung zunächst der Nationalversammlung hie notwendige» Mitteilungen der drei Personen aufmerksam gemacht, ging ihnen eiliy nach und sah, wie sie in einer Gruppe im Haustor L e g i o n e n st r a ß e 3 beisammen standen und miteinander e r r e g 1 s p r a ch e n. Ihr Gespräch konnte er nicht hören. Er bemerkte, als er näher hittstch, wie der eine Mann den Hellen Mantel, ven er trug, auszog und ihn dem anderen, der einen braunen Anzug trug, übergab. Der zweite zog den Mantel an Antrat, was dem Zeugen besonders auffiel, ohne Hut ms dem Hailstor, währener früher eine« Hut getragen hatte. Äe beiden anderen Personen, der Mann, der den hellen Mantel cusge zogen hatte, und die Frau, warm inzwischen verschwunden. Der aus dem .Haustor getretene Dritte ging nunmehr die Lögionengasse hinab, wieder dem Marienplatz zu, entschwand jedoch im Gedränge den Blicken des Zeugen. Adolf Finel schilderte sodann genau das Aussehen der drei Personen; seine präzisen Angaben machten den Eindruck, daß er die wirklichen Attentäter gesehen hatte. Er schilderte-den einen als ziemlich groß, glattrasiert, den anderen als untersetzt, mit einem Keinen Schnurrbirt. anscheinend etwas älter als der andere, beide verhältnismäßig jung. Aus die Frage, ob der Angeklagte Steiger einer der Männer sei, die er gesehen und als verdächtig verfolgt habe, erklärte Finel mit Entschiedenheit, Steige, sei M keiner der von ihm beobachteten Personen identisch.. Fin-el teilte tveiiers mit, daß er, während er sich noch aus dem Marienplvtz befand, bereits davon hörte, daß im Zusammenhang mit dem Attentat eine Verhaftung vorgenommen worden sei. Er begab sich zur Polizei, um dort seine WahrNehmüngen, wie es seine Pflicht war, mitzuteilen. Auf dem Wege habe er erfahren, daß Steige r als Attentäter verhaftet worden sein. Als er der Polizei und dem Inspektor Lukomski seine Mitteilungen »rächen wollte, ließ ihn dieser nicht erst zu Worte kommen, sondern fuhr ihn an: „Schauen Sie, daß Sie weiter kommen, solche Zeugen brauche ich nicht, deren habe ich genug." Finel gitlg weg. Als er nach Hause kam, wurde chm rrükgeterlt, daß er von der Polizei gesucht werde. Er «war der Meinung, matt wolle von ihm Mitteilung über seine Wahrnehmung erhalten, darin jedoch täuschte er sich. Die Lemberger Polizei sah ihn atz einen Mitschuldigen am Attentat an und -er hatte lange Zeit unter polizeili chen Verso l g u n g en zu Leiden. Es Lauerte lange, bis diese aufhorten. Durch diese Bexationen mürbe gemacht, habe er es vorgezogen, sich weiterhin um die Angelegenheit nicht mehr zu kümmern. Diese Darlegungen 'des Zeugen, insibiefondeve feine Mittellmvgen über , die Verfolgungen, denen er durch die Lemberger Polizei ausgesetzt war, riefen größte Bewegung hervor, unter der die heutige Verhandlung geschaffen wurde. machen, denn allein die gesetzgebenden Körperschaften seren zur endgültigen Losung der Frage berufen. Sollte aber jemand gewaltsam die Frage lösen oder einen Habsburger Mit Gewalt aus den ungarischen Thron setzen wollen, dann werde er sich der g e-, samten KrastderNotion gegenübersinden. Die Regierung werde jeden Putsch versuch mrt starker Hand unterdrücken. Das Haus nahm die Antwort des Ministerpräsidenten zur Kenntnis. _ RnmSnlsche Studenten gegen Henri Barbusse. Bukarest, 28. November. (T-el.-Komp.) Eine hundertköpfige Menge unter der Führung nationalistischer Studenten veranstaltete gestern vor dem Hotel, in dem der französische Schriftsteller Henri Barbusse abgestiegen ist, eine Katzenmusik. Vom Hotel zog die Menge zur französischen Gesandtschaft und brachte dem Gesandten eine O v a t i o n dar. Nicht mr die regierungsfreundliche Presse, sondern auch die -oppositionellen Blätter verurteilen einmütig die Regierung, weil sie Henri Barbuffe die Erlaubnis erteilt habe, eine Untersuchung der Lage in Besta r a b i e n vorzun-ehmen. Sin «eugüuWter tscheSollMMcher Adgeorsneter verhüttet. Prag, 25. November. (Tschechoslow. Preßbur.) Nach einer Mitteilung des Justizministeriums wurde der neugewählle kommunistische Abgeordnete Taussig, der wegen des bei den kommunistischen Exzessen in Ungvar.vom 1. Juni 1.922 und in Kaschau am 30. Juli d.J. begangenen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu einem Jahr Kerker unbedingt und zum Berlust des W a h l r e ch t e S verurteilt worden war, nach der Bestätigung des .Urteils durch den Obersten