Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-11-25 · Heft 2428 (25.11.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2428 (25.11.1925)
Date
1925-11-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981514--24758-3012335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Serie r Men, Mittwoch Wiener Morgenzeitung *26. Nooembor 16i3k> Ite.VM ..»«%, H MglalS,' ' ffi ' V|S Uhr abends, findet im finSefltotasnljlUstligiißirJII _ ein Eveg .Israel", Dr. Stephen Wise, sandte an Lord Artur statt, bei welchem Herr sprechen wird. (Bern») MO Karton sind im Zionistischen Bureau, I,, Kämtnerstr.Ä, erhältlich_, Ter KommiffSr. der Steiger geohrfeigt hat. Kajdan weiß von^ nichts. - Ser „irrsinnige" kntlaftnngszeuge Sinei ist ganz normal. Bo« unserem H.-Korrespondenieu. Lemberg, M. November. Das Verhör mit dem Polizeikommissär Kaftan, welches heute fortgesetzt wurde, stand im Zeichen des völligen Zusammenbruches dieses Zeugen, der nicht einmal den Mut aufbrachte, auf die Fragen, welche die Verteidigung ihm verlegte, zu antworten. Zunächst fragte ihn Verteidiger Dr. Landau, warum er, als bie.Relation der Polizei nr Kattowitz über das Geständn is deS Ukrainers Olschanski einlangte, Loine eingehenden Erhebungen Pflegen ließ; Kaftan erklärte, auf dich Frage könne er nicht antworten. Dr. Landall stellte dem Zeugen eim Reihe von Fragen Ger die Erhebungen be;Wich der Ukrainer, respektive ihrer Organisationen, welche für dir Ausführung des Attentats in Betracht kolmwu konnten, schlieWch stagtr er Kaftan, ob der Ukrainer Mikit-i n. der ihm (Kajdan) verschiedene Meldungen über das Attentat, respektive die Personen, die als Täter in Betracht tauten, mündlich und schriftlich gemacht ltatk', Poltzoikonfident^ war. Kajdan antworten.', Mkitin sei tatsächlich sein Konfident gewesen, er >haiöc ihnr aber, keinen Glauben geschenkt. Ans die Frage Dr. Landaus, warum er dann diesem für ihn unglaubwürdigen Konfidenten am kritischen Tage, dein 5. September 1924, den Auftrag gegeben habe, er möge aus den Straßen gut aujpassen, ob nicht ein Attentat gegen den Staatspräsidenten verübt werde, konnte Kaftan keine Antwort geben. Es kam dann das Verhör Kajdans mit Steiger zur Besprechung, hei dem Kajdan den traurigen Mut aufbrächte, den ihm vorgsführtcn Steiger ins Gesicht zu schlagen. Der Kommissär, der sich seinen .häfrl-ingen gegenüber in der eben geschilderieu Art so oft überaus mutig betätigt hat, nmchte jetzt, da er sein Vorgehen verantworten fdStv einen kläglichen Eindruck. Als chn Dr. Landau fragte,.ob er Steiger.verhörte habe, verweigerte er die Antwort. Dr. Landau wurde deutlicher und fragte Kajdan direkt, ob die Angabe Ste.igers, rr sei von Kaftan beim Verhör ins Gesicht geschlagen worben, und ob die diese Angabe brstätigeiM Zeugenaussage eines iteim Verhör anwesenden Wachmannes richtig sei., Verlegen und hAflos sah der Kommissar im Saal umher,.-bis ihn der Vorsitzende aus der Peinlichen Situation befreite, der erklärte, er lasse die Frage nicht zu. Dr. Landau verlangte eine Entscheidung des Gerichtes und stellte den Antrag auf Z u l a s >s u n g der Frage mit der Begründung, daß es dem Angeklagten Steiger erlaubt gewesen sei, ,von diesem Vorfall zu sprechen und daß daher eine Beantwortung der Frage durch den Zeugen für die Beurteilung der Aussagen des Angeklagten von Wichtigkeit sei. Rach einer 'kurzen Beratung entschied der Gerichtshof, .daß die Frage nicht zugelasftn werbe. Sodann stellte der Angeklagte Steiger dom Polizeikommissär Kaftan einige Fragen, in denen er ihn an Einzelheiten aus dem ersten Beir.hör und verschiedene idabei sich ergebende Zwischenfalle zu erinnern suchte, von denen Kajdan in seinen Aussagen nichts erwähnt hatte. Der Plötzlich überaus gedächtnisschwache Kommissär Kajdan erinnerte sich an nichts und hinterließ dadurch, als. er aArat,. einen sehr unAnsti gen Eindruck. Bevor der Zeuge F i it e l, der auf Antrag der Verteidigung vorgoladen worden war, einvcrnommen. wurde, ftllte der Staatsanwalt den Antrag, von der Beeidigung dieses Zeugen abzu-sehen, da er, wie sein älterer Bruder aussagen könne, irrsinnig sei. Um sich darüber Klarheit zu versch-af,fen, beschloß das Gericht, bevor cs über den Antrag des Maatsanwaltes einen Beschluß fassen würde, die Aussage des alteren Bruders des Finel entgegenzu nehmen. Dieser erklärte, sein Bruder habe ihm mitgeteilL, er hätte am kritischen Tage knapp vor dem Attentat e r n i g e M ä n n e r bemerkt, die sich i n e i n e m Haus tor in der Legionenstraße versteckte«, und hätte wahrgenommen, daß zwei von ihnen die Mäntel tauschten; der Bruder habe ihm auch erzählt, daß er sich gleich bei der Polizei meldete, um dort seine Wahrnehmungen mitzuteilen, daß ihn jedoch Inspektor Lukomski sehr unhöflich empftngen and seine Mitteilungen nicht erttgogeugenoarmen habe. Der Zeuge gab auch an, daß später verschiedene Detektivs und Polizisten ins Haus kamen, welche de» Bruder verhaften wollten. Näheres sei ihm, dem Zeugen, nicht bekannt. Unter großer Spannung des -Hauses fragte um .kr Vorsitzende den Zeugen, ob sein Bruder geistig normal jei. Der Zeuge bejahte dies ganz entschrLdL». Er erklärte weiters, das Gerücht, daß -sein Bruder irrsinnig sei, könne nur dadurch entstanden sein, daß der Bruder während des Krieges, um sich dem Frontdienst zu entziehen, über Anraten eines Unteroffiziers Irrsinn markierte, indem er eine Zeitlang in Nachahmung nvanischer Anfälle fortwährend Bilder zeichnete. In WiMchkeit sei von einer Geistesstörung bei Finel n je die Re de gewesen; er sei verheiratet, habe drei Kinder, führe ein normales Leben und gelte in der Familie und bei feinen Bekannten als überlegter und klar denkentwr Mann. Anis di-e Frage des Staatsanwaltes, ob sei» Bruder vorbestraft sei, erklärte der Zeuge, sein Bruder, der Mitglied -des Vereines Schomre Schabos (Sabbathüter) sei, habe einmal mit einem Friseur, einem Juden, der feinen Laden am Sabbat offen hielt, Streit gchäbt, der dann vor Gericht gekommen sei, wobei der Bruder eine Geldstrafe erhielt. Sonst habe er sich nie etwas zuschulden kommen -lassen. Damit war das Verhör beendet und Verteidiger Dr. Landau beantragte im Hinblick auf die Aussagen de? Zeugen, nach denen Finel ganz normal ist u>nd auch kein« entehrenden Vorstrafen hat, Finel z U beeidigen. Der Vorsitzende erklärte, daß der Gerichtshof die Entscheidung darüber, ob Finel vereidigt weide« solle, nrorgeiv früh treffen werde, und vertagte die Verhandlung. Das Ende des Steiger-Prozesses. Lemberg, 24. November. Nach den Informationen^ Ihres Berichterstatters dürste das Beweisverfchren mit größter Wahrscheinlichkeit am 1. Dezember geschlossen sein und am folgenden Tage die PlaidoheLs beginnen. Das Urteil wäre daher am 4. oder 5. Dezember zu erwarten. :James Dalsour eine besondere Einladung. Lord Balsour antwortete sofort mit einer Botschaft a n d i e amerikanische Iudenhcit, die an Begeösbc.vnug und Zuversicht für die Zukunft des Nationalheims der .Juden in Erez Israel alle bisherigen Kundgebungen Lord Balsours übevtrvfst. Mit dieser Botschaft Lord BcHours wird Stephen W ise die Battimorer Konferen!; stierlich eröffne». 3» eigener Sache. Von Robert Stricks. Von «iLfnundeter Seite wurde nnr ein Ausschnitt aus dem jüdisch-oflimAatorischen Budapesttr Blatte „Egyen löseg" übermittelt. Er lautet: «Dir dmcken Ihnen, Herr Stricker! Herr Stricker, der Führer der Wiener Ziomsterr, Ließ mit zwei Stimmen Mehrheit den Wiener MltuÄwvstand beschließen, de» JudilüumsftierlWeiten der Budapöster Kultusgemeinde fernzubleiben. Wir danken Herrn Stricker für die Auszeichnung, die er der ungarischen Judenschch durch diesen Beschluß hat zutetzl werde» lassen. Wir kennen die Losungsworte des .Herrn Stricker und wissen, daß dieses Vorgehen die Rache daM sein sickl, daß sich die ungarischen Juden weigern, sich zur jüdischen Nation zu bekennen. Ebensolche Rache haben Sie, Herr Stricker, seinerM geübt, ckls Sie Maseren Studenten, dir sich bei Ihrer Wiener Mensa Kmeldet haben, kern Mittagmahl verabreichen wollten, weil sie sich zur ungarischen Nck-- LoL bekannten. Wir danken Ihnen, Herr Stricker. Wir werden niemals daran vergessen!" Der Einsender Me dem Ausschnitt einige Zeilen bei, i» welche» er seine Entrüstung über die gemeine Verlogenheit, wir der der „Egyen löseg" die frei erfundene WeAsageWchte austischt, zum Ausdruck bringt. Ich Mt ietfe dÄ Entrüstung wemes Freundes nicht und bin weder erzürnt noch überrascht. Ich wäre auch dann nicht überrascht, wenn „Sgheu löseg" und seine Hintermänner be- Ächten würden, daß ich meine Großmutter beraubt und echhkyen habe und wegen Mord, Kuppelei und Falsch- WÄens zwanzig Jahre im Zuchthaus gesessen bin. Ich würde das ganz begreiflich finden. Die großen und kleinen Whver der maghar-isch-Mischen Astiwilativn haben es Dicht Mr verstanden, die Gemeinheiten und Schandtaten der Hmthyschm MoÄbuben widerstandslos über das ungarische Judentum ergehen zu lassen. Wenn man davoK absieht, daß sich einige Hundert von ihnen schleunigst haben Äufeu lassen, als das Judesein gefährlich schien, halben sie wirklich nichts gegen Horihy unternommen. Im Gegenteil. Me sind so weit gegangen, den Juden des Auslandes, die -das haarsträubende Bild des Elends der von Horthy getretenen und mißhandelten jüdischen Masten vor dem Völkerbünde entrollen wollten, in den Avm zu fallen. Für Leute, welche ihre eigene Gemeinschaft so ühandeln, be- ÄLLtet es doch wirklich herzlich wenig, dem Politischen Gegner mit Lügen an den Leib zu rucken. Ich bin daher weder überrastht noch e^ürnt. Ich begnüge mich damit, festzustellen, daß sch niemals der Leitung irgend einer Studentenküche angehört habe und daher nienwls Gelegenheit hatte, Gesuche um Ausnahme za bewilligen oder abzulehnen. Der Schrrftl-eitung des ,/Eghen löseg" bleibt es aber unbenommen, meine Behauptung M entkräften und die Welt und mich van meiner Schlechtigkeit und .Hartherzigkeit zu Überzeugen. Sie braucht nur einen der dielen magyarisch fühlenden armen 'Studenten, denen ich „kein Mittagessen verabreichen wollt c", vorzuführen. Hoffentlich sind nicht u^wisc^n all« diese unglücklichen Opfer meiner Grausanr- Mb den Hungertod gestorben. Klagen werde ich die Schriftlettung des „Egyen löseg" nicht. Ich müßte mich an magyarische Gerichte wenden. Nun habe ich im Laufe der letztm Jahre über die Tätigkeit und den Geist magyarischer Gerichte Berichte gel-esin, die mich vewülaffen, von einer Inanspruchnahme dieser Kultuvernrichtungen Abstand M nehmen. Wenn ich von magyarischer Justiz etwas höre, muß ich immer an glühende Schüreisen, Draht-Peitschen, ausgedrückte Augen und nägelbefpicke Schädel denken. Ich bekenne mich zu dieser vielleicht unmännlichen Schwäche und klag« nicht. Lieber nehme ich es in den Kauf, daß der Schriftleiter des „Egyen löseg" ungeschoren und ungeklagt Budapester Frei'heitsluft genießt und jeden Freitag mich, meine zionistischen Freunde, den Zionismus selbst und alles, was d'rum und d'van hängt, vernichtet. Ser ongaMe Nirmernr (lauft« vor dem Böllerbund. Budapest, ‘M. November. (U. 2.«*.45.) Mit Rück- Acht auf die bei der Völkerbundtagung in Gens zur Beratung gelangenden Fragen des Numerus clausus vird sich zu der Dezembertagung des Völkerbundes auch lkultus- und Unterrichtsminrster Gras Klebelsberg tach Gens begeben. (Klebelsberg ist der intransigenttste Verfechter des ungarischen Numerus clausus, und es ist geradezu eine Provokation, daß er nach Gens geschickt wird, die Red.) Skrztzmw Reüirruuisertlöruus. Die Forderungen des jüdischen Klubs, (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) , Warschau, 24. November. Mmsterpräsident Skrzynski empfing heute den Obmann des jüdischen Parlamentsklubs Dr. R e i ch, bem er den Inhalt feiner morgen abzugebcnden Regierungserklärung mitteilte. Dr. Reich verlangte, daß der Ministerpräsident in sein Expose die Erklärung ausnehme, die Regierung sei bereit, den Inhalt der zwischen der Regierung Gradski und der parlamentarischen Vertretung der Juden getroffenen Vereinbarung zu erfüllen. Skrzynski antwortete, daß er als einer der Initiatoren der polnisch-jüdischen Verständigung natürlich a u j dem Standpunkt der Berständigung stehe, und daß t die neue Regierung sich bemühen werde,. den gerechten Forderungen der Judenheit Polens zu entsprechen. Deputierter Dr. Reich nahm diese Mitteilung zur Kenntnis und erklärte, der jüdische Klub werde nach der Regierungserklärung über seine Stellung zur Regierung SkrzyuM schlüssig werde«. Mttffolittl» Msfter diplomattscher ftraffitt. Üm eine Rede Radle'. Belgrad, A. November. sDsl.-Ko>mP.) Heute sprach der idoilEN-Ssche Geisandte in Belgrad, General Bodrero, bÄvt MirchtevprDdenwn Pa sic nttd beim Außenm-imister Dolktvr Nineie vor, um ncmrons seiner Nvgierung gegen die Red« - zu protestieren, die der mne Mchlaiwvsche UntorvichtsminGcr Stephan Radie vorgestern in Laibach gehalten hatte. MniistevprMent Pasie berief daraus den i minister Radie utitifo einige andere Minister in das MrcksterpräfthM zu eimr Besprechung. IanrMfften gegenüber eMärte Stephan RMe, er hada m Laibach gestvgt, daß nicht nur die Grenzen IdsÄMs, brttK ’ stets vm der Unverletzlichkeit seines Gebietes spreche, sondech auch die Grenzen JugoisLiawiens gsmaß den int«* i Mtionaien Verträgen unve r!etzlich seien. Ueber fcfe % <l I* giften habe er Mr das eine lbemeÄt, baß tt es bsdE», dch d« Faszismus nicht im Einklang mit bin «nsichten deS Gav» 9566

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.