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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-24 · Heft 2427 (24.11.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2427 (24.11.1925)
Date
1925-11-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«Seife» - . Die», Aenriag Wchlin Mer das Krimvrojett. 'Der Prcisivenk des Dirckroriunls Ar Dcu Nanonai- 'onds, Ak, N. Uffischkin, weilte 'dieser Tage in Antwerpen. Dem Vertreter der Anttverpener „Jüdischen Presse" gegermber äußerte -sich Ussischkin unter anderen^ auch über das K r i mpr o j e k-t des ,/Jonrt". Er führte au^ „Als Zionist kann ich mich itbcr diese Frage nicht äußern, da die Zionistische Organisation zn ihr noch nicht offiziell Stellung genommen hat. Hingegen kann ich als Privatmann offen erklären, daß das Projekt ein Verbrechen gegenüber den russischen Juden ist. Die ganze russisch: Revolution bestcht nn ewigen Kampf der B a w c r n ntii den Großgrundbesitzern um den Boden. Wer Zolas Roman ,-Lrde" gelesen hat, in dem der Bodenhunger der Bauern so meisterhaft beschrieben wird, kann den hartnäckigen Kampf der russischen Lauern durchaus verstehen. Ter Bodenhnnger in Rußland ist aber noch immer nicht gestillt, denn es gibt noch immer Millionen Bauern in Rußland, die keinen Boden bekommen habon. Und nun kommt mair, gibt Tausende -Hektar von jenem Boden, den der Bauer als sein Eigemuur 'detrachtei, einem 'fremden Volk. Kann man annehmen, daß die Bauern dies gleichgültig hmnehmen und dazu schweigen werden? Und selbst wenn sie vorläufig schweigen, lvürdrn sie es nur aus Angst vor der eisernen Faust der Sowjetmacht tun. Sie sehen, -daß dieses ganze Siedlungswerk auf einem Vulkan aufgebanr wird, der jeden Augenblick a-usbrechen und eine noch nie dageweftne, furchtbare Katastrophe herbeiführen kann. In den Pogromen der Jahre-1918-19 waren d.ve jüdischen Bauern des Chersoner Gouvernements die ersten Opfer. Es ist ein unerhörter Leichtsinn, unter solchen Verhältnissen eine Kolonisation in so großem Maßstab durchzuführen. Die Sowjetregverung tvoiß ganz genau, daß der E n t n a t i o n a l isierungsfeldzu-g gegen die Inden mte» die systematische Verfolgung alles Jüdisch- Religiösen in der jüdischen Oeffentlichkeit der ganzen Welt Entrüstung und Proteste hervorgernsen hat. Sowjetrußland braucht jetzt ausgicitige moralische und finanziell.: Stützung und glaubt nun, mit dem Krimprojekt die jüdische Oeffentlichkeit beruhigen und ihre Unterstützung gewimren zu können. Das Projekt wird aber überdies §u -keinem nennenswerten Ergebnis führen; es werden!Äoß Millionen Dollar unserer amerikanischen Brüder nutzlos verloren gehen. Man wird sich binnen kurzem davon überzeugen; deshalb -ist es Wicht, noch rechtzeitig zu warnen, wenngleteh ich.Mir bewußt bin, daß am Warnung verlorene 'Ehe D. i Jedenfalls muß auch festMtestt werden, daß das Ärimprojekt für d< n 'Äftfbau von Erez Israel keine Konkurrenz Ibvlden kann. Die Begeisterung für Erez Israel wird selbst dann nicht schwächer werden, wenn das Krimprojekt realisiert werden würde. Meine Warnung entspringt eben deshalb nicht meinem zionistischen Gefühl, sondern meiner Besorgnis für die Brüder in Rußland, die unter den Folgen dieses leichtfertigen Unternehmens moralisch und Physisch zu leiden haben worden. Ne answattige Politik des Nanismus. Vortrag von OberraÄbiner Dr. Chajes bei ♦ einem Massenmeeting. Ile ZumiMche PavteÄeituug Oesterreichs gcht da^an, in tiaei Reche von ProPagandQmeetmHs das Interesse der jüdischen Bevölkerung für die Polqtin-aibswegung -vachzuvusen, um die breilchte Öffentlichkeit Wer alle Phasen des Auchanes des Mischen Nattenalheimeä aus dom Lausenden zu halten. Ms ersten Redner konnte gaste m in den dicht gefüllten Olympia«' Men der Präsident des Zionistischen LandesEomitees Doktor j Friedmann den Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes behüben. Das Thema, das der Redner in überaus fesselnder ÄeHe bchandÄte, hieß „Die auswärtige Politik des- Z i o n i s m u s". j Einleitend führte Dr. Ehajes aus, daß den Fragen der I auswärtigen Politik von den Juden viel zu tvenig Beachtung j ^igsmesssn tvird, obwohl gerade jetzt der günstigste Moment j für eine aktive Außenp-oilitir der Zionisten ge-! Men fei. Redner kam sodann ach die einzelnen Mächte, mit j öenen sie Juden Beziehungen untechÄten, zu sprechen. Wenn AM von jüdischer Außenpolitik spricht, so muß man in erster Reihe cm das Verhältnis zu England denken. Das gegenj se-itige Vertrauen, das Ibeide Bertvagspartuer beseelt, I ist in keiner Weife gestört worden, auch dadurch nicht, daß Eng-; land ohne Wissen der Zionistischen Parteileitung Lord Plum e r;um Oberkommissär bestellt hat. Man hat aus guten Gründen einen M i(Ut ät nach PMtma geschickt, weil man wußte, daß . im Orient Unruhen drohen. Plumer und der friedlichen jüdischen Arbeit im Lande ist es zu danken, daß Palästina von den Uuvrchen, vir in Syrien durch eine verfehlte Politrf Frankreichs ausgebwchen sind, verschont blieib. Aus diesem Grunde stehen auch jetzt englische Kreist, die noch bis vor kurzem der Balfour-TMar-atwn nicht freundlich gegenüberstanden, der PMstinabewegnng sympathisch gegenüber. Die zweite Frage der jüdischen Politik hat sich mit dein Verhältnis zu den Arabern zu befassen. Die Juden, die ins Land kommen, haben bewiesen, daß sie. nicht als Feinde, sondern als Freunde der Araber nach Palästina kommen. Den Fellachen, ötc uuier den ungünstigsten Lcbensbrdingnngen das Land tzchaM'N, wird es nicht iweggenonimen, »sondern Wiener Morgenzeitung_ Zionistische Sektion VI - VIII —— mg VIII., öennoplatz la H e utc,. 24. N o*v ember, pYszVse 8 Uhr abends I. Zyklus: P a I ä s t i n a, 4. Abend Zur Geschichte der paläslinen.ischen Kolonisation Prof. Dr. S. Kran*:. „Eine trdiiere Jud^nbe4edlun| PaUMiaai *ur Leit der Krca**ügc" sie iverden reichlich entlohnl und aus auderem Boden, ünter viel günstigeren Bedingungen anMiede-lt, so daß die bau er l i che Bevölkerung deu jüdischen Einwanderern durchaus freundlich gegen übersieht. Mer auch in den nationalistischen Kreisen, bei Efendis, macht sich schon eine günstigere Stimurnng bemerkbar, weil sie eülfchen, daß es nicht klug ist, eine England feindliche Politik zu lbetreübem . . Der dritte Faktor unserer AnßeirpolitÄ ist der Bölik-ervund. Wir »missen uns bemühen, die Beziehmrgen zum Völkerbund und zu stinen für uns in Betracht Eonmlewden Organen, tocr ständigen Mandatskomuüssml und dem Völkerbnndrar, so innig Äs Möglich zu gestalten. Der vorjährige Bericht der Mtldatskommission hat wegen Sachuickormtnis ihrer Mitglieder nicht allzu günstig gelautet. Wir hoffen, daß -er diesjährige Bericht, der demnächst den: Bölkeobuick> unterbreitet werden wirs, ein tveitaus grinstigeres Bild von den Verhältnissen im Lance enttverstn wird, da die neaßgejbettden Personlichkeiten, wie z. B. Professor Mppard, anläßlich der Nräversitätscri'ffnn-nsi Gclegeichöir., hatten, das Land persönlich zu besuchen. Was nustre Beznchllirgen zu Amerika anlangt, so fei darauf hingewichen, -aß Herde Häuser des Parlamentes mit Zlytmunung des daMairgen Präsidenten Harding in einer einstinnnig gefaßten RrsÄution die Errichtung des jüdischen Raüonälh.-irnes begrüßten. Anders verhält es sich mit dem Vatikail, oesstn Verhalteir uns gegenüber fetzt durchaus ablehnend ist. Düs dürste sich ans den Bestrebungen erklären, -ie französische Orienrpolitik zu fördern, denn die Haltung des Vatikans war nicht inuner die gleiche. Der frühere Papst Benedikt der Fünfzehn w — sein Sekretär war der noch heute im Amte befindliche Kardinal Gajsparri — hat dem. jüdischen amerikanischen Journalisten -Henry Bernstein gegenüber sich solgerl-crul.aßen geäußert: „Ich habe volle Sympath^: für die nationalen BestrebumM der Juden in'Palästina. Wir wünschen Freiheit und Gerechtigkeit und die Juden streben Merall nach .Freiheit ulw Gerechtigkeit." Uebrigens ist im letzten Halbjahr auch die Haltung des Vatikans sreuMicher geworden. Das Verhältnis zu Fra n lk reich ist stit den Ministerien Poincare, Herriot und Painleve ebenfalls durchaus günstig für die Idee des jüdischen Nation-arlheims. Mit dcr Tnrlci unterhalten wir gegertwättig leider -eine Beziehungen, doch , läge es im Interesse der jahchuudertestmgen Gastfreundschaft, die die Türffei den bedrängte» Juden gewahrt hat, solche on° ' zukmrpfen. Dr. WMes schloß seine mit reichem Beifall belohnten Ausführungen mit der Mahnung, den hochtvichtigen außenpolitischen zionistischen Fragen das größte Augenmerk zuzuwenben. Bmnd mit der Kabinettsbildung bettaut. Paris, 23. November. (Havas.) Pcäsi-ent Doumcrgue hat Briand mit der Kabiuetts- Lildung betraut. Briand antwortete Donmergne, daß er es als seine Pflicht betrachte, ihm bei der LSsMg der Krise seine ganze Unterstützung zu lechen und daß er sich mit seinen Freunden beraten*werde. j Nachdem Briand das Palais Elysee verlassen hatte, | empfing er den Senator Dausset und die Deputierten Loucheur, Danielen und Paul Boncour, worauf er dte Präsidenten des Senats und der Kammer besuchte. In den ersten Nachmittagsstunden hatte Briand Unterredungen mit Painleve, de M o n z i e, Maurice S a r r a iu t md Don m e %. Neue Vorschüsse der Bank von Frankreich. Paris, 33. November. (Tel.^KÄnip.) Da die Megierungsbrise im Hinblick auf die am 8. Dezeuüber bevorstehenden großen Fälligkeiten für das Schatzamt eine schwierigL Lage zu schaffen droht, hat Painleve im Einvernehmen mit dein Kamnierpräsidenien H e r r i o t und dem Senatsprälsidenten d e Selbes Kammer und Sonar für heute nachmittags einbemfett Taffen, um einen aus den Fmanzvor'lagen herausgelösten Gesetzentwwr-f zu erledigen, durch den die Bank von Frankreich ermachkigt wird, denr Staate Bvrschüsse im der Höhe von anderthalb Milliarden Franken zu gewähren. Die .ftümmer hat diesen« Gesetzentwurf mit Lsd gegen 47 Stimmen angenommen. Da tote notwendige St-immewzahil jedoch nicht ermcht war, mußte zu einer -zweiten Abstimmung geschulten werden, wobei der Gefetzentwurf mit 643 g'egcn 44 stimmen zur Annahme ßc* langte. , y j •' Die Aktto» Fnmmrsk. Paris, ^3. November. fTcl.-Komp.) Gestern -wurde der Direktor eines Pariser Gymasi-Wns, als er seine Schule mit 'einem groß-u Pa-ket verlassen wollte, von der Polizei angehalten. Es ergckb sich, daß sich in dem PM 31 Revolver u n d d r c i T o t s chl ä g e r ibefandvn. Derder Aotion iftMoaife angchörcnde Direktor hatte die Waffen ans einer R o Yal i st c nversackAt'l-ung fortgetmgÄl/ als der VerfamMnitg gemeldet worden war, daß Polizei hcranuahe. _ 54. November 1935 ' ch. WB1, Heme wurde bei dem Direktor €mt Hausdnrihli i it ch!, n ji vorgenonrnwn. Auf Grund des bei ihm gchmdeae«! Adresieumaieriates wurden neun Angehörige tzStK Actio» francaise verhaftet. Locarno vor dem Reichstag. Dr. Luther will die Verträge untersertiaett, aber nicht ausführen. Berlin, 23. November. Der Reichstag begann heute mittags mit der Beratung der Gesetzentwürfe über die Verträge von L o c a r n o und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten L o e b e erhält Reichskanzler Dr. Luther das Wort. Er führt unter anderem aus: „Nach dem Ausscheiden der deutschnationalen Mit. glieder aus dem Reichskabinett vertreten die übrigen Mitglieder des Kabinetts die Auffassung, daß bis zur Entscheidung über den Vertrag von Locarno durch die gesetzgebenden Körpersä-astien ein Verbleiben der Rvichsregiernng im Amte notwendig sei. Im Falle der Annahme des Vertrages bin ich der Ueberzeugung, daß seine „ Ausführung durch ein Kabinett zu erfolgen hat, dessen Zusammensetzung die positive Einstellung zum Bertragswcrk gewährleistet. Andererseits scheint mir die unmittelbare Aufgabe des gegenwärtigen Kabinetts mit totnr Unterzeichnung des Vertrages abgeschlossen zu sein. Das Reichskabinett wird daher. Ms die Voraussetzungen für die Unterzeichnung bestehen, nach Rückkehr der Bevollmächtigten seine Aemter in die Hände des Reichspräsidenten z u r ü ck l e g c n." Der Reichskanzler besprach dann die Locarnoverträge und ihre Rückwirkungen. Er wiederholte Chamberl a i»s Formel, daß Locarno kein Ende, sondern ein Anfang sei; die bisherigen Rückwirkungen bedürften tveiterer unermüdlicher Ergänzungsarbeit der deutsch c n Regierung. Mit der Frage des Eintrittes Deutsd)- lands in den Völkerbund, fuhr der Reichskanzler fort, verbinden sich sehr ernste Sorgen. Es handelt sich um die große Entscheidungsfrage, ob und hm sich Deutschlands gesamte weltpolitische Lage, durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund andern könnte. Im Kernpunkte steht die Sorge, ob Deutschalnd durch diesen Eintritt eine Westorientierung im Sinire einer Abwehung vom Osten vollziehen würde. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich eine solche Option zwischen Westen und Osten bei Deutschlands geographischer Lage für einfach unmöglich halte. Es ist für Deutschland selbstverständlich, daß es dem Völkerbund nur in aufrichtiger Bnndesgesinnung und ohne versteckten Vorbehalt beitreten kann. Der Minister besprach sodann ösn Artikel 16 des. Völkerbundsstatuts bezüglich des Durchmarschrechtes, und kam zum Schlüsse, daß im Hinblick auf die iu Locarno vereinbarte Erklärung des Artikels 16 sich aus dem Artikel 16 keine Gefahren jur Deutschland ergeben können. , Bezugnehmend aus das deutsche Bölkerbundmenw- - randum vom September des Vorjahres betonte Reichs-, kanzler Dr. Luther insbesondere, daß der R a t s s i tz Deutsch landsgesichertjei und daß De u 1s chlands Recht auf Kolonialmaudate ausdrücklich anerkannt wurde. Eine entsprechende weitere Wirksamkeit Deutschlands iu der Richtung einer, allgemeinen Abrüstung ist Praktisch nur im Völkerbund -denkbar. Zu den Ostvorträgeu übergehend, erklärte der Reichskanzler, daß Deutschland weder die Macht, noch den Willen hat, im Osten einen Krieg zu führen. Zusammenfasiend bezeichnete der Roichskanzlcr schließlich die Annahme des Locarnopaktes als den Entschlutz zur positiven Mitarbeit im Völkerleben. Die Rede des Reichskanzlers wurde mit voller Aufmerksamkeit angehört und fand, abgesehen von kleinen Zwischenrufen, im allgemeinen eine ruhige Aufnahme. Das Haus wird die Debatte über die Regiemngserklärung morgen beginnen. Im Einlaufe befindet sich ein Mißtrauensvotum der Kommunisteu. Die Demission Frenkens. Berlin, 23. November. (Wolfs.) Der Reichspräsident hat zufolge der Demisiion Dr. F r e n k e n s auf Vorschlag des Reichskanzlers diesen mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für Justiz und den Reichsminister Dr. Braun mit der Wahrnchnmng der Geschäfte des Reichsministers für d-ie besetzten Gebiete be-' traut. __ Muffolim bleibt lieber daheim. London, 23. November. (Wolfs.) Wie die Blatter au^- Rom melden, werde Mussvilini nicht gur llnterzeichN'Ung >des Locarno-Paktes nach London komMn., .Italien Jmtoe sich durch eine Delegation min Führung Scialojas vertreton lassen. (Die UMndigung der! Mise Mussolinis nach London Löste m England, Htef&rtfces#1 unter der Arbeiterschaft, die unfreundlichsten Stimmerk; aus,, die jeweils im Zusammenhang mit dem Besuch eines! fremdeil Politikers iu England laut wurden. Es Wut,; daß auch dte MW Regievurlg abgewvM

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