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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-24 · Heft 2427 (24.11.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2427 (24.11.1925)
Date
1925-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^Poien: 20 oirosgyl W.i e n . /.um Aühoien ‘.in der Expedition, IL, laborstt. 1-3, oder, in einer,yerschleisstelle ^Trätik; monatl. 2 Schilling Strassenverkam in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold s c h tn i e d, l„ Wollzeile 11 Mit Postversand llii Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tichecho-Slowakei: Mn. K22. ^uLOsiavien: Mn. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutsch!and: Mn. Gm. 4, Frankreich, Belgien- Mon. Frcs. 18 ft«cbMtuimgct> Oe* frei»- «rbO.ban -eo Vorbehalten tatet »Preis 20 England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl 18 Lire: Ru nänien Mon. 170 Lei, Bulgarien MomlOOLews, Schweiz und das übrige Ausland monatlicn Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, II. Taborsir. 1 Telephone: 44-0-38. 43-3-19 Ab 6 Uhr; 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei g. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 R». 2427 Wie». Liensiag. 24.ülooemlKt 1921 7. Snbtaona Ae Wiener Polizei über Steiger. Steinerlei lomnmnWche Beiäiisun» Des Veschvldiglen. - Ae Seheimorganifatton „Wchallowky“ csifliert nicht. - Äoiöan als Zeuge. (Von unserem n.-KorresPondentcn.j Lemberg, 23. November. Fm Prozeß St-eiger gab es heute wieder einen sagenanuten großen Tag", gekennzeichnet durch bedeutsame Aussagen des Oberkommissärs der Lemibevger poiätischen Polizei, Iwachow, des durch «seine ,^chlagfevt-iglÄt" beim Verhör Steigers zu trauriger Berühmtheit gelangten Kommissärs Kajdan sowie durch die Bekanntgabe der Erhebungen der Wiener Polizei über Steigers Ansenthalt in Wien. . Bei Beginn der Verhandlung erklärte der Vorsitzende m- Beantwortung der Samstag gemachten Darlegungen des Verteidigers Dr. Ringel, tn denen ans die von der Hetzpresse gsschasfene Atmosphäre hingewiesen wurde, das Gericht sei nicht in der Laae, Maßnal-meu zu treffen, durch welche die Hehartikel der antisttnitischen Presse verhindert werden könnten. Ferner teilte der Vorsitzende mit, daß in der Dienst a -5be rha ndl u ng der Zeuge Fine l, dessen Einvernahme das Gericht über Antrag der Verteidigung Erschlossen hat, verhört rnerden werde. Es wurden sodann die über Beschluß des Gerichtes äuge forderten zwei militärischen Sachverständige u zur Abgabe ihres Gutachtens über den SpvengstoiPnhalt der Bombe, mit der das, Attentat vem bt wurde, aufgefovdert; sie erklärten, daß sie. chwHxpertise erst in z w e i b i's d r ei Ta.ge' n-äbeendst -haben könnten; die Untersuchung sei ihnen erschwert worden, da / ' die ftüheren Experte»! die Untersuchung unrichtig angestellt , ^hätten, indem siie .das Spren-Aoffmarerial der Bombe aus nassem Wege behandelten. ' In -Fortsetzung des Zeugenverhörs -mach-i-e zunächst der Oberkommissär der Lemberger Polittschen Polizei Iwachow [eine Aussagen; et hatte sich -g.emäßstinem Riessort über die Geheimorgänisationen darüber zu äußern, 'was in' seiner Abteilung über. Steigers Zugehörigkeit zu poetischen oder speziell kommunisti-ch-m -Organifatimml begannt war. OberioM'Missär Iwachow erklärte, es seien Ui n.e x l c i A it h al t s p u nkte vo-rg-elegrii, daß Stei- M Mitglied einer politischen oder kommuiMschen Geheimoraanisation war. Die darüber gepflogenen eingehenidieni Erhebungen hatten k e i nposiiive 's E r g e!b n i s. Die zionistische Studen-tenveWniiKNig Maktäbäa ist keilte Geheimorganisation. Den Auaabeu des Zeugen Werchola, daß Steiger regen Verkehr mit Kommunisten gepflogen, ,habe, habe er (Iwachow) keineit Glauben;5’cschenkt. da eine Meldningder.Polizei vori Grodek vor- -lag, .daß Werchola, l'vie gerichtsordlnungsmaßig -festgestellt wurde, irrsinn ig sei und daher seine Relaliomu keinen Glauben verdienten.- Auf die -Frage .des. Berb-idigers Dr. Landau, ob dem Zeugen von einer ikommumstischeu Organisation mit Namen „Michailowcy" Steiger und dieser Organisation herzustellen Durch die Aussagen des Zeugen lvurde auch festgestellt, das; Werchola, der stets «feine Konfidentenverbindung mit der Polizri abgeÄignet hatte, tatsächlich' Pol-ize iho n f ide n t Md als solcher auch dem Oberkommissär der Lemberger politischen Polizei bekannt, war. . Im weiteren Verlaufe seiner Aussagen legte Ober>- Nommissär Iwachow dar, daß fehler Ansicht nach die Angaben des Wiener Rechtsanwaltes Dr. Israel Waldmann * teer die Beziehungen des. Attentats und der es ausführenden' Personen zu der revolutionären ukrainischen Organifation von 'Wichtigkeit feien, da Dr. Maldmann als 'seinerzeitiges Mitglied des westuErainischen Ministeriums Petrusze wie z über die politischen Ziele der Ukrainer unterrichtet sein müsse. Der Zeuge gab weiters an, -daß der Zusammenhang der Ukrainer Fidyk iittb Charkif mit dem Attentat durchaus im Bereiche der % liege; beide waren der politischen Polizei als Kommunisten u n d T e r r o r i st e n wohlbekannt. Fidyk ben I & ly 4iJV ////• // s, <f» I sin-de sich jetzt in Charkow, wo er Leiter einer Diversronsgruppesei. Oberkonun ssär Iwachow gab weiters an, daß er vom -Inspektor S a w i c k i genauen Bericht über die ersten Verhöre nach der Verhaftung Steigers erhalten habe. SawiE habe ihm. erklärt, daß die Balletteuse Pasternak ar;s seine Fragen keine präzisen Angaben machen konnte, welche hätten Eestätigen könnerr, daß Steiger der Attentäter sei. So habe sie Sawicki auf die Frage, welche Vetriegung^ Steiger ge-macht habe, eine Handbewegung nach rückwärts dmwnsttiert, welche mmiöglich beim Schleudern der Bombe gemacht werden 'konnte, und auf die weitere Frage, t»b sie die Bewegung genau gesehen habe,' habe' sie geantwortet: . ' ' „Gott bewahre, tß kann ich nicht sag-en!" Nach einge^nder's'PeÄtung''HätLe-.'bann' Zeuge zusammen -mit Inspektor Sawicki ein Telegramm noch Warschau geschickt, welches besagte, daß im-Zusammen hang mit dem Attentat Steiger verhaftet'worden sei. Waren sie - nach den vorliegenden Aussagen der Pasternak überzeugt gewesen, daß Steiger das Attentat verübt habe, so hätte ihr telegraphischer Bericht sicher gellautet, daß der Attentäter vevhafet worden sei. Am Schlüsse feiner Aussagen kam Oberkommissär Iwachow auch auf den anonymen Brief zu sprechen, den am Tage vor dem Attentat der.Lemberger Metropolit Szepthcki erhalten hatte. Zeuge lhat diesen Brief i in Original gelesen und düs. hat ihn -sofort nach dem Attentat in der Meinung bestavkt, daß das AtteMot van einer ukrainischen Organisation »auszegangen sei und von einem ihrer Mitglieder verübt »ourde. Der BorAtzende las hierauf ein . Schreiben der p o lnischien.Gesandtschaft in Wien vor, welches die über Ersuchen des'Gerichtes von der'GesaMs-chast e-ing-eholteir Angaben der Wiener Polizeidirektion Uer - Steiger wiedergibt.. D'isse Angaben besagen, daß die W-ietter Po)üo'd rMon während des Aufenthaltes des Stanislaus Steiger überhaupt keinen Anlaß hatte, Steiger besondere Ausmerksa-mkeit und Beobachtung zuzuwenden, da er sich in k-e i ner Weise verdächtig gemacht habe. Es ist'in der Wiener PolizeidirMon ke'nevlei Anhaltspunkt dofür, daß Steiger Kommunist wäre. Er hat sich' ' ■ während seines ganzen Aufenthaltes itt Wien nie politisch engagiert und auch keine Berbindung mit kommunistischen Kreisen gehabt, Die Angaibe.der Zeugin Viktoria Le d l, daß ein Kommissär der Wiener Polize i-direktion ihr erklärt habe.-Steiger fei in Wien als Komm u n i st p 0 l i ze i b e l annt gewesen, ist, iu-le a nt tlich konsta t-iert wird, unwahr; es wäre auch nicht zu verstehen, fügt der'Bericht hinzu,, w'.e ein Kommissär der Wiener Polizei solche Informationen geben könnte. Nach allen-, diesen APsagen und Erklärungen, welche -ihrer Wichtigkeit wegen größtem Interesse begegneten, begann das schon.bange' --Mit '?SPan-n.Mg.eWirtete Zeugenverhör des Lemiberger -Polizeikomutissärs Kajdan, der-nach der Giul-iefevung des verhastekn Steiger das erste Verhör mit ihm vorgenommen und, wie Steiger vor Gericht er-k.avt-e und wie auch durch die Zeugenans-sage -eines beinl Verhör anwesenden Wachmannes erhärtet wurde, de-m Steiger, als dieser seine Nu schuld beteuerte, unter Beschimpfungen einen Schlag in's Gesicht versetzte, Dieser Kajdan ist inzwischen wegen m-ehrsacher Klagen, daß er p 0 l i tisch e Hä ftl i u g e beschimpft und m ißhaudclt habe, Gegenstand 'einer InterMation im polnischen Parlament und schließlich^ ObM einer D i s z i p l i n a r -u n t e r s u ch n n g geworden. Er unterscheidet sich von dem Potiz-eikonmnässr Lukomski, mit dem er zusammen d'.-e Stelger-Sache' bearbeitete, dadurch, daß er eine ungeschickte Brutalität zur Schau trägt. Die ersten Verhöre mit Seiger und der. Pasternak schildert Kajdan konform mit den' seinerzeitlgen Aussagen.Lukomskis in ziemlich anmaßend autoritativer Weise, gerät aber sofort aus dem Konzept, als ihn. der Vorsitzende fragt, ob die Pasternak über den Sta n dort de r Attentaters seine, genaue Angabe gemacht hat, die ihren gegenwärtigen Aussagen entspreche. Ta beginnt Kajdan sofort zu staMwelu' und erklärt:' „Daran erinnere ich mich nicht mehr; ich habe seither so-viel über düse Sache gelesen, daß es mir ganz wirr im Kopfe ist." Die Heiterkeit, welche dieses Bonnwi begleitet, hält noch an, als der Vorsitzende das. Zengenverhör Kastans abbricht und für die Morgen um 9 Uhr früh beginnende Vochandlung verschiebt. Weizmvnn beim itzrischen SberkommWr. Eine Unterredung zwischen Dr. Weizmann und Senator de Jouvenel? Pg r i s, 19. November. (F. T. A.) Der nene Oberkommissär für Syrien Senator deJouvenel hatte in Paris eine längere Unterredung mit dem Präsidenten der Zionist schen Weltorganisation Dr. Ehaim W e i z m a n n. Gegenstand der Unterredung waren die syrischpalästinensischen Angelegenheiten. Der Unterredung wohnten der Führer der französischen Sozialisten, Deputierter Leon Blum, sowie Senator de Mo nzie bei. (Blmn und de Monzie sind eifrige Anhänger des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. — Die Red.) Bessere Meldungen aus Syrien. Beirut, 23. Novrmlber. (Habas.) Es wird bestätigt, daß. Merdschehun von den Drusen geräumt worden ist. Auch Hasbaya scheinen di>e'Drusen a u fzügeben. Der Posten von Raschaya hat heute nachts einen nLuerlichen Angriff zurückgeschlagen. Die Franzosen haben die Aufständischen, di« aus dm Seite von Hasbaya anzugvei'fen versuchten, zurückg -r' s ch l a g e n und ihnen Ifebeitteutk Verluste beigebracht. ••r 'Entgegen anders lautenden Meldungenwird 'festgestellt, daß Sur (Thrüs) und Sidon niemals bedroh t waren. Der „Ditnes"-Korrespondent in Syriert verhaftet. Paris, 23. November. (Tel.-Komp.) Nach einer Aceldrmg der „Chicago Tribüne" wurde der Korrespondent der Londoner „Times" in Syrien, Artur Mertön, v 0n sranzösischem Soldaten verhaftet und nach Beirut gebracht. Die in seinem Besitz besiMichen Depeschen und Artikel wurden beschlagnahmt. , Die Meldung des Blattes wird an amtlich er Stelle b e st ä t i g t. »euer Kunde Anweisung aul eine phoiogiapn she ^utisüme und dre herinche Photos ohne Preisaufschlag bei Ein kau« unserer billigen Waren tm Betrage </on? 30 im Warenhaus Schiffmann II. Taborstraße 48 Taifln'Mi'» 47-1-7-' fit gros . En detail

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