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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-22 · Heft 2425 (22.11.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2425 (22.11.1925)
Date
1925-11-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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(feifc L Dstn, Sonntag . acs altienommletten w CA Fl RUTHMAYR IX.; UechtenStclnstrasse—Kollrigasse Neu adaptiert -; ' Neu «diptieU’ ▼ ortehmei ^«nUicicaN Msche KonttnerttalvoMik. Ppn Dr. Oskar Karbach (Vorstandsmitglied der jüdischen BölkevbuM'iga für Oesterreich). der letzten Tagung der Interparlamentarischen Union in Washington und Ottawa tvar der Obmann des jüdischen KlM im Polnischen Schn, Abgeordneter Doktor Reich arrwesend; nahezu gleichzeitig versinnmelte sich in Genf der erste Kongreß der Minoritäten, der unter seinen Zeitnehmern nicht weniger als neun Vertreter-verschiedener ' jüdischer Gruppen sah; unmittelbar hierauf trat zu Lausanne der Generalrat und die ständige Minoritätenkommission der Internationalen Union der BöllerbuMigen zu ihrer Hevbstsejsion zusammen, bei welcher die- Mische Liga für Oesterrerch durch. Professor Dr. Baron repräsentiert war. Diese Häufung von Anlässen. bewußt-jüdische Gruppen und deren Interessen vor wichtigen internationalen Versammlungen zu vertreten, ist kein Zufall und kein Ausnahmsfall: der Erfolg der jüdischen Renaiflaneebewegung hat in letzter Zeit, eigentlich ohne besondere Widerstände und ohne besonderes Aufsehen, «ine bedeutsame Sanktion erfahren durch dir Eröffnung verschiedener Möglichkeiten, der Stimme der Nation, als eines gleichberechtigten, zumindest der Gleichberechtigung würdigen Mitgliedes der Völkevfanrilie, Gehör zu schaffen. Damit ist die Bewegung in ein neues und wichtiges Stadium eingetreten: im Verlaufe von wenigen Jahren hat sie es verstanden, sich einen Apparat vorzubcreiten und teilweis^schon aufzubauen, dazu bestimmt, die noch in der Epoche der Friedensschlüsse vor einem Jahrfünft schier unüberwindlichen technischen Schwierigkeiten der Führung der Politik nahezu vollkommen zu beseitigen. Es sind nicht bloß die wichtigen Tribünen, die uns nunmehr offen stehen, noch auch die Ärmlichkeiten. in regelmäßigen kurzen Zeitabständen durch Zwanglose« Meinungsaustausch mit einer großen Zahl führender Männer aller Nationen von gleich zu gleich die Aussichten jeder ins Leere redenden Propagandacampagne bei weitem zu überbieten, sondern der Geist der Anerkennung, der hiesiir Voraussetzung war. Das letzte und in einer von einander abhängigen Welt Plausibelste Argument aller Gegner der jüdischen Nationalbeweguvg ist damit endgültig zusammengebrochen: weit cntfern davon, die jüdische Gruppe zu isolieren, hat sie erreicht, Das bisher unmöglich schien; die Juden als organisier t e M a s s e, ohne Konzessionen und Mrckelosigkeiten ihrerseits wieder in den Kreis-der Menschheit zurückzufichren. ihren aktiven Anteil an dem Neubau der Welt sicherzustellen und in die Wege zu leiten und sich dabei gerade jenen Kreisen außechalb des Judentums zu verbinden und' ihre Förderung und dollkomnwne Anerkennung zu erbrngen, die als die Protektoren der jüdischen Assimilationsbewequng durch Jahrzehnte galten. Daß sie dies nur auf Grund des mangelnden Einblickes in die Judenftage gewesen sind, beweisen heute die Tatsachen. Was dem Zionismus trotz aller seiner Erfolge allein nicht glücken konnte, die gefährliche, atemberaubende Einkreisung der jüdischen Renaissancsbewegung durch den starren Antisemitismus auf der einen, die als dogmatisch verschriene AssimilationsfreuMchkeit der demokratischen Welt auf der anderen Seite'zu durchbrechen, ist gerade durch die politische Arbeit hier in Europa mittels der Kooperation in :en internationalen Verbänden gelungen. Freilich erhielt diese Arbeit wieder ihre Folie durch das große Werk in Erez Israel, so neuerlich die alte Wahrheit von der unlösbaren Einheit des gesamtjüdischen Problems ans -dem ganzen Planeten erhärtend. Hier ist es endlich gebückt, eine Lücke zu öffnen, durch welche Lust untz» Licht Zutritt erhalten, die schreckliche ^Isolierung zu beenden, die Atmosphäre eisiger Kühle zu erwärmen, die uns dort umgab, wo der Antisemitismus aufhorte. Wir dürfen uns über einen großen Erfolg freuen, der um so großer ist, als er nicht durch externe Konstellationen hervorgeruftn, vom Himmel gefallen, sondern das Resultat einer jahrzehntelangen, zu einem vorläufigen Abschluß gelangten, gesunden und ruhigen Entwicklung ist. Aber dieser Erfolg fordert die Lösung neuer Ausgaben. Nicht um die Aufbringung von Geldmitteln, nicht um persönliche Inanspruchnahme des einzelnen handelt es sich da, sondern um eine allmähliche geistige Umstellung, welche die nunmehr einmal gegebenen Tatsachen erfordern. Es ist eine Selbstverständlichkeit des jüdischen Solidaritätsgefühles, daß bewußt-jüdische Delegierte, die unter den Augen einer internationalen Versammlung Zusammenarbeiten und die Interessen der von ihnen repräsentierten Gruppen zu vertreten haben, einheitlich Vorgehen werden: das wird ihnen leicht sein bei der Zurückweisung von Rechtsverletzungen, etwa bei der Bekämpfung des Numerusclausus-Regimes, leicht bei der Befürwortung großer sozialer und humanitärer Maßnahmen, die auch jüdischem Elend zu steuern bestimmt sind (Problem der Staatenlosigkeit, Optionen, Flüchtlingsfürsorge usw.), das wird ihnen zur freudigen Pflicht werden, wenn sie Gelegenheit haben werden, die Neuordnung der Dinge in P a l ä st i n a im zionistischen Sinne zu fördern, den Bestimmungen des Mandates Achtung zu verschaffen und Sympathien für unsere / Sache zu werben. Schwierigkeiten sind schon denkbar, wenn ..es glll, die nationalen Postulats in den e.in-;js£nen Ländern, die Wünsche einer Realisierung, der ourch die FriMtsvertzäge Wesicherten Mischen MnoriM-;_Wiener MorsenzeitrmK rechte auf einen geule.insamen Nenner zu'bringen, um ihnen eine einmütige Unterstützung aller, vertretenen jüdischen Gruppen zu ermöglichen-. Ein gaiiz'neues''Gebiet offner sich aber vor der Stellungnahme zu den anderen großen Pro--^ blemen der aktuellen Politik: hier wird insbesondere das Verhalten der jüdischen Völkerbundligen einen Prüfstein für die politische Reife und den Grad der Beherrschung der politischen Taktik bilden: denn die Minoritätenkongresse befassen sich naturgemäß in erster Linie mit den Fragen der Minderheiten und die Interparlamentarische Union, in der nur Parlamentsmitglieder sitzen, kommt siir eine Reihe wichtiger jüdischer Gruppen leider nicht in Betracht. In der Union der Vötterbündligen werden jedoch recht bald und unausweichlich diese Fragen aktuell werden; da eine gewisse moralische Bindung der einzelnen Minderheitsligen mit den allgemeinen Ligen ihrer Ainder besteht, so Miß das Problem Lösung finden, ob gegebenenfalls, wenn diese Hauptligen bei einer Abstimmung gegeneinander Stellung nehmen (was bei der Tagung natürlich öfters der Fall ist), jüdische Ligen bei allgemeinen Politischen Frage« vor den Augen der internationalen Oeffentlichkeit gegeneinander stimmen sollen oder nicht. Bemerkt sei hiezu, -daß auch die Stimmenenthaltung einer Liga in der Union ein immer allseits beachteter und kommentierter Schritt ist. dem deselhe Bedeutung wie einer Stimmenabgabe zukommt. Wer in diese Materie einigermaßen Einblick hat, wird es keinestvegs siir eine Uebertretbung halten, ivenn man diese Frage als die brennendste der nächsten Zeit bezeichnet; denn es dreht sich hier um nichts Geringeres als um die Entscheidung, ob sich das Bild einer einheitlich orientierten, ivenn auch in verschiedenen Siedlungsgebieten zersplitterten jiidischcn Nation der Welt einprägen soll, oder oben einzelner Splitter, die lediglich gewisse gemeinsame Interessen besitzen. Wenn, was nicht zu bezweifeln, ist, die jüdischen Massen sich siir die erste Auffassung entscheiden werden (und es sei wiederholt und nachdrücklich darauf hingewiesen, daß diese Entscheidung in den nächsten Monaten mit der Zulassung tveiterer jüdischer Ligen in die Union aktuell werden muß), so bedeutet das die Forderung nach intensiver innerer Klärung und Positiver Stellungnahme zu allen großen Politischen Problemen der Gegenwart, die eheste Festlegung von Normen, . wie im praktischen Falle diese Einhelligkeit zustande zu kommen . hat, von wem sie zu leiten ist und welche Saicktioiien für eine etwaige öffentliche Desavouiemng der jüdischen Solidarität aufzustellen wären. Diese Arbeit wird vielleicht nicht leicht sein,'sie wird sich aber lohnen: zwischen den Palästinakomplex un) das neuerdings auch wieder im zionistischen Lager lebhafter umstritterke Gebiet -der internen Landespolitik wird sich als wichtiges Bindeglied eine jüdische Kontin f n talpol.iH! einzuschieben haben, dazu bestimmt, diese zeitweise divergiemlden Zweige der Betätigung jüdischen Gemeinschaftswillens zusammenzuhalten nnh der Welt den Eindruck einer lebendigen jüdischen Nation auch außerhalb von Erez Israel zu'; bieten, die die Welt zu sehen wünscht, wenn sie das Werk dort uuten ernst nehmen soll. die Parla«eutsttvolte in «estzpten. Tagung -er aufgelösten Kammer. London, 31. November. (Tel.->KomP.) Wie aus Kair o gemeldet wich, tratenheute vormittags, da das Pariamentsgebünde schon seit den frühen Morgenstunden von Polizei und Soldaten 'besetzt ist, 180 oppositionelle Senatoren und Abgeordnete des aulfgelöstm ägyptischen Parlaments m einem Hotel zu einer Sitzung Zusamnwn und wählten Zaglul Pascha zum Presidenten sowie einen Liberalen und einen nationalistischen Extremisten zu Vizepräsidenten der 'Kammer. Die Versammlung beschloß eine Kundgebung, in der Men das verfaffuMwidrige Verbot, das die RegierunA gegen eine Tagung des Parlamentserlassen hat, protestiert wich. tu gtllte Mraerbombardement (eit lern SelUtieK. Aus indische D'örfr. PmtiS, 21. November. (Tel.-Komp.) „Paris Soir" gibt heute mit einem unverkennbaren Seitenhieb gegen die Stellungnahme der englischen Presse zu den Ereignissen in Syrien eine Meldung der amtlichen „Gazette of England" wieder, die über die Operationen englischer Flieger an der Nordostgrenze Indiens berichtet. Danach haben 26 englische Flugzeuge, mit 47 Offizieren und 214 Soldaten bemannt, 54 Tage lang aufständische Eingeborene mit Bomben beworfen und zwei Dörfer niedergebramtt. Dieses Bombardement stellt, - wie das französische Blatt konstatiert, das größte FlieFerbombardement seit dem Weltkrieg dar. Letzte Kurse. Ruw-Nurk, 21. November. (Tel.«Kümp.) 85ttlttt28.SO, 8öttf>ott Kabel 4.84l/2, London Scheck 4.807,, Amsterdam 40.32, Paris 388, Brüstet 4*52,, Nom 400, Madrid 14.25, Zürich 19.38, StoHolm 26.76. Oslo 30.43, Kopenhagen 24.02. Wien 147.«, Budapest 147«, Prag 298l/<, Belgrad 1777„ Atben 1.33, Buenos Aires 417«, Rio de Janeiro 14.55. Bukarest 45%. 31. November. lTel.-Komp.> Weizen rot Winter 1817«. Westen hart Winter 1827«. Mais 987« Hafer 48»/,. Roggen S77z. Ehilago,21. November. (Tel.->Kom.) Weizen per Dezember 1607«. Mai 1587t Juli 141; Mats per Dezember 737., Mai 78'/«^ Juli 787»; Hafer per Dezember 897«. Mai 48%, ~ “ " * ' Mai 95, M u/iut 107«, ouw io (t; Pllier per « 3vli 44; Rogg.n p« Sejembe« 881/, 32, N-i-°mby 1925 füt Ml'\ Soint Foreign kommtttee und Komitee der Milche» Jelegatloue«. " Ein Antrag auf Bereinigung. Aus Johannesburg (Südafrika) mel'det I. T. A., daß der Deputiertenrat der Judenheit Südafrikas in seiner letzten Sitzung über die Tätigkeit der Joint Foreign Committee (englisch-jüdisches Koulitee für Angelegenheiten der Juden im Ausland) und des .Komitees der jüdischen Delegationen in Paris eingehend diskutiert hat. Das Referat hielt Mr. I. A l e x a » d e r, der vor kurzem aus Europa und Palästina zuruckgekehrt ist. In der Diskussion wrirde e i n m ütig zmn Ausdruck gebracht, daß diese Leiden jüdischen Organisationen, die das genuinsmne Ziel Verfölgen, die jüdischen Rechte in allen Ländern wahrzunehmen,' auch die Pflicht hätten, sich zu einer einzigen Or g a n i s a t i 0 n zusammenz u s ch l i e ß e n, damit die jüdischen Interessen von einer z e n t r a l e n S t e l l e aus vertreten werden können. Die Exekutive des Deputiertcurates wurde beauftragt, eine diesbezügliche Anregung an die kompetenten Stellen ergehen zu lassen. (Die „Wiener Mvrgenzeitung" hat stets die Auffassung vertreten, daß die Vertretung der jüdischen Rechte von einer zentralen Stelle erfolgen solle; diese Zerttralisieruug liegt auch im Programm des .Kontitecs der jüdischen Delegationen. — Die Red.) Sie Gemeinde« Italiens Kr den PaMtivaansban. Der fünfte Kongreß der jüdifchen Gemeinden» Aus Rom berichtet I. T. A.: Dieser Tag« wurde in Rom der fünfte Kongreß der Müschen Gemeinden Ita-lientz aibgehalien. Inr Namen der jüdischen Gemeinde Roms cröffnete der Präsident dieser iGeweinde, Mv. Angclo, Sereni, den Kongreß, worauf Prof. Dante Lottes die Delegörrten im Stoen der Zionistischen WeltoMnisätion begrüßte. Es wurde auch ein Bogrüßungstelegramm vom Prüsidonten der Organisation, Professor Chamr Weizmann, verlesen. Der Kongreß, aus dem 40jüidischeGe mein den Italiens vertveteu ivareu, erörterte eine Reihe von aktuellen Fragen der itatieirrscher: Iudeniheit; unter anderem wurden Maßnahmen beraten, wie dem Mangel an RaMueru und Lehrern abzlchslfeu wäre. Eine ausgedehnte Debatte fand über die Frage des S ch u l w e zf e n s statt. Senator Pmf. P 0 l a c e 0 .und der Oberrabbiner von Rom, Prof. Angelo Sacerdoti, wi-efen auf die große Gafahr -hm, der die Mischen Kinder in den kachol'rschen Schuilen ansgesetzt sind, da nach dem neuen Gesetz der gesamte U n t e r r -i ch t dem katholischen Einfluß ausgesetzt ist und die Mischen Kinder mit der Zeit diesem Einfluß unterliegen müssen. Die bisherigen Interventionen bei den Behörden waren ohne Wirkung. Der Kongreß IbeMotz, eine ausgedehnte AüMrungsarbeÄ unter der Mischen Bevölkerung in Angriff zu nehmen und überall für die Schaffung jüdischer Elelmeutarschuien cm« zutreten. Un einer lpoilbewr Resolution wurden die jüdischell Getneinden Italiens aufgefordert, in eiu-en Mtimen Kontakt zu den großen StrümMMn inilerhaGder jüdisch e n Gesamtheit in all enLändern Zu treiben und insbesonidere den Ausbau Palästinas finanziell zu stützen. Es wurde besch'lossen, Vertreter der italienischen Judenheit in die Aewifh Agency zu entsenden. Amn Bovsitzenden des Exekutivkomitees der Mijschen Gvmemdvw Italiens wurde für weitere drei Jahre Advokat >AngÄo Sereni, der Präsident der römischen Gemeinde, getMlt. tzrWnng des zweiten Fahrganser m Lechnitum in HM. Autz Haifa Wird uns berichtet: Nach dreiutonatigen Ferien wurde der Zweite IÄhrgang des hebräischLu Technikums' in Haifa feierlich eröffnet. Dem Techntkuin wurden in diesem Jahre zwei Kurse für Hoch- und Straßenbau arrgegliedevt, >für welche sich 2 7. H ö r e r inskribiert haben. Es sind jedoch weitere 45 Hörer aus Polen und Litauen augemeldet, welche bloß wegen vorübergelMder Schwierigkeiten bei Erlangung der Eil« - reifebewilligung nicht rechtzeitig cinlanM konnten. Inr Techlnknm werden auch ,A ib « n d 1 u r f e f ü r Arbeiter und Handwerker für verschiedene Arbeitsgebiete abgelMen, und Zwar für BmliMister, Holzarbeiter, Schlosser, Wektrotechniker, Telegraphen- und Tetephonavbeiter. Air den acht Kursen nehmen 17 5 H ö r e r teil. Uvbttdies wecken int Dechnitum auch allgemein zugängliche Vvlkshochschulkurse über all-Aemeiue. Msseusgebiete veMWltvt, die sehr M WK sind 2

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