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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-21 · Heft 2424 (21.11.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2424 (21.11.1925)
Date
1925-11-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. mi Mens, Samstag Wiener Myraen^itung 21. Nchember 19W Seite» fl 8 x a 11 c t) wählen. In die Kommissionen wurden nalphabeten ernannt. Die Protokolle wurden mit Bleii (tift geschrieben, und so begnügt man sich heute in' Karpathorußland nicht mehr mit der Tatsache, daß die Agrarier anstatt 15.600, wie bei den letzten Wahlen, diesmal 35.000 Stimmen haben, obzwar ihr Regime oerhaßt ist und die jüdische Partei, für welche sowohl die Zionisten als auch die anständigen Orthodoxen mit dem größten Eifer tätig waren, mit 19.000 Stimmen ohne ein Mandat aus dem Wahlkampf hervorgeht. Dies sind die geschichtlichen Ereignisse, sine ira et studio angeführt, ohne jeden Kommentar, da alles für einen Gerechtigkeit und Demokratie liebenden Menschen klar und vollkommen verständlich ist. Es blutet uns nur das Herz, daß wir, welche in den ersten Reihen für den Frieden und Demokratie gekämpft und unsere ganze Energie für die beste Zukunft unseres Staates eingesetzt haben, diese Tatsachen, die für uns beschämend sind, mit der Bemerkung anführen müssen, daß die Telegramme, welche den Präsidenten Masaryk, den Außenminister Benesch um die Ueberprüfung der Lage und Abhilfe gebeten haben, ohne jede Antwort geblieben sind. Was »Ich lasse mich mit Diana-franzbrantitwein massieren!« »W*rum gerade mit Diana-Franzoranntwein?« »Weil ich mich überzeugt haoe, dass nur Massage mit DIANA Franzbranntwein mit Menthol solche Schmerzen lindeit, welche von Ueberanstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Ebendarum kaufe ich nur Diana - Franzbranntwein und nichts anderes.« Ueberall erhältlich Die deutsche Regierung tritt zurück? | Diana - Franzbrtmntuein - Produktion - ües. WIEN, II. PRAG, VIII. Nach der Unterzeichnung der Locarno- Verträge. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 20. November. Der Reichstag i!st heute zusammengetreten und wird Montag die Debatte über die Locarno Verträge eröffnen, deren Ratifizierung die Reichsregiermtg gemäß ihres unter Vorsitz des Reichspräsidenten Hindenburg gefaßten Beschlusses beantragt. Reichskanzler Dr. Luther hatte heute Besprechungen mit den Führern der Roichstagsfraktionen; wie die Blätter melden, wurde dabei die innerpolitische Krise nicht berichrt. Wie der ,^Vor)värts" berichtet, hat der Reichskanzler in dieftn Besprechungen mit den Parteien mitgeteilt, das 'Kabinett Werde nachher Unterzeichnung des Ver- Engerth&trasse 169 Lieben, Drahobeljova 1073 Pause im Steiger-Prozeß. Beratungen des Gerichtes. (Bon unserem H.-Korrespondenten.) Lemberg, 20. November. Heute fand im Steiger-Pro zeß keine Verhandlung statt, das das Gericht über bie von der Verteidigung und vorn Staatsanwalt einge brachten ergänzenden Beweisanträge berät. Der wichtigste davon ist der Antrag <r.uf Einvernahme des Zeugen F i n el, der sich sofort nach dem Attentat beim Polizeikommissär Lnkomski gemeldet hatte, um seine bxlges wm Locarno dem RoichspräsideMu seines e m i s- I Wahmchmungen zur Zeit des Attentats miPtteilen, jedoch l wuvdm^LwMgu^n Kr" Ä $ion überreichen. I don Lukomski mit den Worten. ,S ol che Zeugen | erteile <nTa m föpMMnüvpir «mth iw TnmioniVwMr In parlamentarischen Kreisen war ferner das Gerücht brancheich verbreitet, daß General v. Seeckt zurückzu treten ausgewiesen wurde . . . ' dem Attentat drer Personen m enr Haustor rn der Sie Wirtschastslage in TebAwiw. Bürgermeister Disengoff dernentiert die Gerüchte von einer, Wirtschaftskrise. In jüngster Zeit wurden in der palästinensischen Wd aMcmvischen Presse'Gerüchte über - ome angebWe/ wirtfchastliche Krise in der jüdischen Stadt Tel-Awiw verbreitet. Sogar Kolonienminister Amerh hat mit Bürgermeister Disengoff bei seiner jüngsten Anwesenheit in London von der Krise gesprochen und Aufklärungen verlangt. Dies veranlaßte den Bürgermeister her Stadt, Diin einer der letzten Stadtratssitzungen über die rtige wirtschaftliche Lage in Te«l- Awiw einen Bericht zu. erstatten, dem wir folgendes entnehmen: Der Magistrat der Stadt ist nach genauer UntersuchMg der Lage und Anhörung der Bankfachleute zur UeberzeuWng gelangt, daß die Gerüchte von einer wirtschaftlichen Krise jeder Grundlage e n t b e h r e n. Die Lage stellt sich folgendermaßen dar: die diesjährige O r a n g e n e r n t e, wie die O b ft ernte übechanpt, quantitativ hinter der v 0 rjährigen zurückgeblieben ist, so wird der geringe Ausfall durch das Steigen der Preise im Ausland wettgemacht. Dazu kommt noch, daß die größeren Produzenten ihre voraussichtliche Ernte schon zu Beginn des Jahres zu guten Preisen fix abgesetzt hatten, so daß sie unter den PreisfchwaMmgen auf den Mrkterr nicht zu leiden -haben. Auch die Lage der übrigen Pflanzer — der Wein- und Mandelpr 0 duzenten —• ist in diesem Jahre durcharrs zufriedeNftellend. Die Anglo- P a l e st i n e - Co m p a n y hat ihre Tätigkeit nicht eingeschränkt, auch nicht, wie so vielfach beha.uptet wird, die Kredite reduziert. Wenn das einzelnen gegenüber der Ml tvar, so waren hiofür individuelle Gründe maßgebend. Die A. P. C. gewährte ihren Kunden im September d. I. um 6000 ägyptische Pfund mehr Kredite als im August -d. I., und im Oktober um 10.000 ägyptische Pfund mehr als im September. Die Jndustrieunternchmen genießen nach wie vor ungeschmälerte Kredite. Die Ba-ubewegung schreitet ungeschwächt beabsichtige. Auch von Demissionsabsichten des Reichsjustizministers Frencken wurde gefproäM. Frencken soll erklärt haben, daß er mit den Verträgen von Locarno nicht einverstanden fei. Damit zum Ernst der Situation die Komödie nicht veröffentlicht Ludendorff im ,MWschen Kurier zur Locarnosrage einen Artikel, in welchem er den Reichspräsidenten Hindenburg aufs schärfste angreift und erklärt, der Generalseldmavschall sei im Be griffe, seinen Ruhm zu opfern, wem er seinen Namen unter dasDokurnentderSchandeundderUn* ehrevon Locarno setze. Die Reichspräsidentschaft des Generalseldmarschalls würde dann eine Gefahr für den nationalen Willen (!) geworden sein. v Sie Witwe König kduard der Siebenten gestorben. London, 20. November. (Reuter.) Königinmutter UI e xa n d r a ist gestorbem $ Königinmutter Alexandra, welche knapp vor Vollendung ihres 81. Lebensjahres verstorben ist, war eine dänische Prinzessin (Tochter des Königs Christian des Neunten von Dänemark) und seit 1863 mit Eduard Prinz von Wales vermählt, der im Jahre 1901 als Eduard der Siebente den englischen Königschron bestieg. Sie überlebte ihren Gatten u m fast 15 Jahre. __ Bombe» gegen Kriegsfilms. Dublin, 20. November. Heute um 7 Uhr früh' wurde ein Lichtspieltheater, in dem ein englischer Kriegsfilm über Apern vorgeführt wich, durch eine Bombe vollständig zerstört. Zwei Polizisten wurden, als sie den Angriff auf das Theat e r verhindern wollten, erschösse n, ein weiterer P 0iizist ernstlich verwundet. Dasselbe Lichtspieltheater war bereits früher einmal von bewaffneten Republikanern überfallen worden; damals war der K r i e g s f i l m g e r a u b t worden. „Fetzt kommen die Popolari dran!" Neue Ausschreitungen in der römischen Kammer. Rom, 20. November. Während die Kamnrer heute über die Reform der Tldvoikatenordnung beriet, wozu auch kommunistische Abgeordnete ungestört erschienen waren, ereignete sich in den Mandelgängen der Kammer ein Zwischenfall. Der Popolariabge ordnete Cap Pa geriet mit dem saszistifchm Generalsekretär Far i n a e e i in den Wandelgängen in einen Wortwechsel und wurde, als er sich sodann zum Büfett begab, von anderen sasgistischen: Abgeordneten bedroht und h i n a n s g eworfen. Bald darauf kamen die beiden Poipolariabgeovdneten Rodino und Guarenti in die Wandelgänge. Sie wurden ebeusalls sogleich von den faszistischen Abgeordneten umringt, die sie als Verleumder beschimpften und aus dem Kammergekbäude drängten. Ein Deputierter der Popolari (katholische Volkspartei) wurde im\ Faszisten gvchrjeigt, Legiomnstraße Mchten und dort zwei davon die Mäntel tauschen sah, worauf der eine von ihnen i n e i n e mhe ll e n Mantel ohne Hut den Weg, den er gekommen war, zurückging. Finel hat diese drei Personen, wie er angibt, ga nz genau gesehen und wurde sie auch aus vorgewiesenen Photographien wivderevkennen. Es befinden sich nun die Photographien des Maiuers Olschanski sowie anderer uLmiwischer Gcheimbündler im Besitz des Gerichtes, so daß die Aussagen Finels schon im Zusammenhang mit dom bekannten Geständnis des Ukrainers O l s cha ns ki vor dem deutschen Gericht in Beuchen, daß er das Attentat vom 5. September 1924 verübt habe, von WichtiMt wären. Im Zusammenhang mit der OlschanMi-Affäre ist a-uch der Antrag der Verteidigung, den Wiener Rechtsanwalt Dr. Israel W a l d m a n n und «den Journal-Pen Rand als Zeugen vorzuladen, von Wichtigkeit. Dr. WMmann und Rand haben vor der Wiener Polizei zu Protokoll gegeben, daß sie aus Gesprächen mit dem ehemaligen ukrainischen AuheuminPer P e r f e e t i. und dem Führer der ukrainischen Militarorganisation Oberst KonoWale tz den Eindruck gewannen, daß das Lembevger Attentat von O l s ch a n s k i über Initiative der ukrainischen M litärorgani-sattm verübt wurde. Die Abschriften dieser Protoikolle befin«den sich, wie der Vorsitzende in der Mittwoch- Verhandlung zur Kenntnis brachte, im Besitz des Gerichtes. Ferner ha>ben Staatsanwalt und Verteidigung den Antrag aus Einvernahme des Lemberger Metropoliten Szepthcki und seines Sekretärs Pater Bieleeki gestellt. Dieser Antrag steht mit der einer AuW rung sehr bedürfttgen Angelegenheit der anonym e n Briefe an den Metropoliten Szepthcki in Zusammen Hang. Der Metropolit hatte vor dem Lemberger Besuch des polnischen Staatspräsidenten im September IM einige mit dem Stempel „Ukrainische Mlitärorganisation" versehene Briese erhalten, darunter einen, in dem für den Fall, als der polnische Smatsprästdenr die orthodoxe Kirche besuchen würde, mit Rachenwßnahmen gedroht wurde. Die Verteidigung hat ursprünglich die Vor l a g e derBriefe verlangt und als ihr mitgeteilt wurde, daß die Originale sich im Besitz des Metropoliten befänden, den Antrag gestellt, der Metropolit möge ersucht werden, die Originale vorzulegen. Güstern teilte nun der Vorsitzende mit, daß die Lemberger Polizoi, wie - ein einge'langtes Schreiben der PolizMrektiou besage, die Originale dieser Bviefe^ nie vorgelegt erhalten haben soll, sondern daß ihr nur die Abschristen vom. Sekretär des Metropoliten übergeben wurden; tu dem Schreiben teile die Polizei auch mit, -daß noch ihren Echebungerl der'Metropolit die Originale der Briefe nicht mehr besitze, .da er sie bald nach Erhalt vernichtet hätte. Diesem mysteriöse Mitteilung der schon in vielen anderen Beziehungen kompromittierten Polizoi, die zu allen früheren Relationen über die anonymen Briese an den Metropoliten in Widerspruch steht, kann nur durch die persönliche Einvernahme des Metropoliten' geklärt werden. Hier gibt es wieder eines jener „Mysterien", an denen der Prozeß so reich ist. Aus' diesem Grunde werden die Beschlüsse des Gerichtes, die in der morgen um 9 Uhr beginnenden Vevhandlüng bekanntgegeben^ werden solleu, mit , Spannung erwartet. kapital dauert gleichfalls, wem auch nicht in dem in den Monaten Juni mi Juli d. I. -beobachteten Tempo, an. Es konrmt nach wie vor Privatkapital aus Polen und Rußland. Das össeMche Kapital P in üblicher Zirkulation. Nach einer Mitteilung des Klonet K ish wird die Jndustriebank schon in allernächster Zeit eröffnet werden, 'was gewiß zur Belebung der Industrie beitragen «wird. . . V '« Hefte Qröjse! RHeauftrag für Dr. Jakob Ornftein und Dt. Ticho. Der Vorstand -der Wiener jüdifchen Gem-öinde HM, i>a jüdischen Würde einigedenk» beschlossen, die von den Budaipester Horthy-Juden veranstaltete Feier des Mjährigen Juiblläums der dortigen Judengemeiude nicht §n beschicken. Aber die nichtzronistischen Mitglieder des Kultnsvorist-LUd.es halten es so berichtet voll Ge-mligtUMg ihr Leiborg-an, das jahrelang.Horchys Greueltaten mit dem Mantel der GigevliÄ» gedeckt hat — für unbedingt uodweudig, an den Feievlich'keit-en t-oilzunehm'en und entsenden den Präsidenten der JsraMischelr Union Dr. Jakob Ornstein, den VizepräiDdenten desselben Wener Kuiltnsvorstandes, der den Beschluß gefaßt hat, die Feier nicht zu beschicken, .und den Oburann der Wiener Mchtziionisten im Wiener Ku-liusvovstand Dr. Joises Ticho nach Budapest. Die Herren OMstein und Ticho haben chseaHar das dringende Bedürfnis, Herrn Horthy, auf dessen Anwesenheit schon - angesichts der treuen Gefolg'ch-aft seines Budupefter KuttnÄgemeMevorstandes sie ja gefaßt fein müssen, ihre Reverenz gu Mveisen; es Liegt ihnen offenbar auch viel daran, mit Herrn Hejjas, der gern mit Juden Geschäfte macht, wenn er Tags vorher ihr<n etliche in Orgo«vainy „ins Jenseits gedrängt" hat, an einem Tisch zu sitzen; vielleicht werden sie auch die Ehre haben, den eben wegen seines Patriotismus frei-gchprochemn BoMben-werser Marffy, der ja an diesem Tage drenstftei ist, da BemnstaltnuMn der Horthy-Juden nicht bombardiert werden dürfen, ergebenst zu begrüßen. Da die Herren Ornstein und Ticho alls Bettreter der nichtzionPiischen Juden erscheinen, so -mögen sie ja nicht vergessen, all diesen „Prominenten" im Namen der. nichtzioniistifchen Juden ihre Hiu«ldigung zu Mißen zu Legen! Und noch einen Ehrenmann dürfen sie nicht Werfchen: Den ehrwürdigen B-udapester Oberrchbiner Hevesi, der es. fertig gebracht hat, den greifen Rabbiner Immanuel Löw in Szegeidin Horchys Folterknechten Mszuliefern, indem er chn als Hochverräter verleumdete. Auch diesen: tvürdigen geistigen Führer der Hovchy-Judeaffchaift-Von Budapest gelte der Gruß der Herren Ornstein und Ticho, welche mit ihrer Reife nach Budapest die Würde der nichtzionistischetr Juden wahren! guter Gchellschaft ist man nie einsam.., Vor Senf. Der östetkeichische Gesandte «bei Briauh. Paris, 20. November. Heute wurde der österreichische Gesandte Dr. Grünberger vom AtrtzenmMster Briand empfangen. Den Hachtgegenftand der Unterredung bildete die Vordereitung der bevorstehenden Genfcr Konferenzeu, an denen Briand «tz FWeZ der jvarMMen Delegcüchn MnchWZ M

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