Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2423 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, Freitag Wiener Morüen-ettnüs 20. Nokencker IW «Seife 5 * Das Wetter. Dos troüeu-i'heitere .Wetter mit der Temperatur um 0 Grad herum sott, der Voraussage zufolge, vorläufig andüuern. * Der Sv. Dezember Sammeltag für die Armen Mens. Am Mittwoch hat der Gemeinderats-auÄschuß für Wchlfahrtsangeleaecheiten beschlossen, den .allgemeinen Sammeltag für me Armen Wiens Heuer am 20 Dezember Michailen. Die Durchführung wird so wie früher von den BezirkSvocheihern und Vorstehern der Fürforgeirchitute, die ein eigenes Komitee bilden' werden, übernommen. Auster bei den Wohnparteielt wird auch in den öffentlichen Lokalen gesammelt wecken. * Frau Dr. Rosa Buchmil, die Mitarbeiterin TrumpeldorS, wird morgen Samstag den 21. d. um halb 8 1% abends im Hotel Continental zur jüdische» Jugend Wiens sprechen. Diese Versammlung wird allen jungen, selbstbewußten Juden und Jüdinnen Gelegenheit geben, aus berufenem Munde Erinnerungen aus der heroischen Zeit der jüdischen Kolonisation zu hören; gleichzeitig soll die Versammlung den Au-ftalt bilden M einer Peihe von Veranstaltungen', die vor und wahrend der Vhanukawoche stattfinden und der Arbeit für unsere schönste Institution, den Keren Ka j-em'eth, gewidmet sind. Für diese Arbeit wird sich, wie wir ubevzeugt sind, die jüdische Jugend fwubtfl. in den Dienst stellen. * Jugendgottesdienst. Samstag den 21. d. um 3 Uhr nachmittags fnvoet der Jugendgottesdienst für die israelitische 'Zchmingend in den Gemeinde- und BeziMhnagogen statt. * „Bodenständige" Fuhrwerkskonzessionen. In den letzten Jahren haben viele Fuhrweckseiigetttümer ihre Fiaker-, rch>ekttve Einspännerlizengen verkauft. Auslärider haben solche Konzessionen massenhaft zusammengelaust und verpachten diese gegen hohes Entgelt an Autoch aussen re. Der Pacht beträgt bis zu 200 Schilling monatlich. Das Wiener Mahsuhrwerk fühlt sich durch diese LizenüverwachtuMn geschädigt und hat nun gestern ,m Nationalrot die Annahme eines Gesetzes erreicht, nach welchem in Hmluft die Lbzenzvechachtung nicht bloß ameigeMchtia, sondern an die Geitehmiamng des Magistrats gebunden ist Unier Michllfe des Magistrats hoffen die Ehauffeuve die ihnen drückend erscheinenden Pachtverpflichtungen lvszmvevden. In Ankunft sollen nämlich nur solche Personen neue Lizenzen erholten, die selbst das Unternehmen betreiben. Künftighin soll die Dechachtung der Lizenzen nur bodenständigen Personen oder Witwen nach Fuihvweckevn. die ans Kapitalsmangel nicht in der Lage sind, sich Fahrzeuge anzuschaffen, gchattet sei. * Sie werden uns danke», daß wir Sie auf den guten mrd echteü „Löwenfranzbranntwein mit Menthol" aufmerksam machen. Es ist ein seit Jahrzehnten best bewährtes und gutes Hausmittel von großartiger Wirkung bei Rheumatismus, Gliederschwäche, Gicht ujw. Er lindert alle Schmerzen sofort und dauernd. * Tckesopfer der Straßenbahn. Am 12. d. abends wurde der 74jährige Geschüstsdiener Josef Madlmayer aus Kritzendorf aus der Wiedener Hauptstraße von einem Strahenbcchnzug niedergestoßen und am Vinterkops und an der Snrne verletzt. Es ist am Mittwoch im Spital gestorben. * Eine Grazer Mordtat aufgeklärt. Aus Graz wirb berichtet: Bor mehreren Tagen wurde, wie gemeldet, der Viehhändler Alois Juchs in sterbendem Zustande, mit einer Stichwunde ach der Straße ansgefunden. Er konnte keine An lgalben über den Täter mehr machen. Nachdem die Polizei mehrere Personen verhaftet und verhört hatte, wurde auch die Besitzerin einer Kaffeeschänke, namens Martha Reich, die sich um den Viehhändler besonders bemüh! hatte, in die Unter suchüng einbezogen, nach dem Verhör aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Durch verschiedene Umstände verstärkte sjch in den Letzten Tagen jedoch der Verdacht gegen sie immer mehr, so daß sie neuerlich in HO genommen wurde. Nunmehr gestand sie, daß Fuchs nicht aus der Straße, sondern in ihrer Kaffeeschanke gestochen worden sei. als sie sich mit ihm allein sin Aodail befand. Bei der Hausdurchsuchung in der Kasseeschäncke und in der Wohnung des Ehepaares Reich wurden drei dolchartige Messer und ein Zeitungsausschnitt mit einem Aussatz über einen weiblichen Haarmann gefunden. Auch das Messer, mit dem der todbringende Stich geführt wurde, konnte zuftandegckrachl werden. * Selbstmord vor der Verhaftung. Aus Graz wird berichtet: Der 8LanMdirvktor Friedrich Lord er sprang gestern früh,, im AugvrMck als ihn ein Kriminalbeamter vechasten loollte. vom Fenster des ersten Stockwerkes aus die Straße, wo er Mit zertrümmertem Schädel tot liegen blieb. Locker hatte zum Schaden einer hiesigen Bereinigung von Rechtsanwaltsanwärtern die Summe von ungefähr 3300 Schilling veruntreut, weshack vor einer Woche gegen ihn die polltzemche Anzeige erstattet wurde. * Ein lebensmüder Greis. Gestern gegen halb 10 Uhr vormittags wurde in einem Schupsfen An der unteren alten Donau ein Mer Mann mit durchschossener rechter Schläfe tot MtMsundm. Er wurde als der 70jährige WaMng des Versorgungshauses in Lainz IM Schwarz erkannt. Die Ursache der Tat soll Krankheit sein. * Selbstmord eines Advokaten in Krakau. Wie aus Krakau gemeldet wird, hat sich der 4lMrige Advokat'Wechsler im Hotel Monopol mit Veronal vergiftet. Als Ursache der Vergiftung,Wirt» unheilbare Krankheit, angegeben. * Ei» Denkmal für einen jüdischen Bürgermeister zu jeinbn Lebzeiten. Unter' großen Feierlichkeiten wurde, wie I. T. A. berichtet, in der Stadt Peterson ein Monument für den früheren jüdischen Bürgermeister der, Stadt, Mister Nathan Barnes, enthüllt. Fast die gesamte Bevölkerung der Stadt wohnte dem Enthüllungsakt Bet. Mr. Barnes selbst, jetzt ein neunzigjähriger Greis, war bei der Enthüllung zugegen. Mr. Barnes war jahrzehntelang Bürgermeister der Stadt und hat durch seine Arven und Opferwilligl'eit ungeheuer viel zu ihrer Entwicklung beigetrageu. * Fünsundzwauzigjährigeö Jubiläum der zionistischen Ortsgruppe Benthe». In der ' oberschlesischen Gemeinde Beutyen wird am Sonntag den 22. d» wie I. T. A. berichtet, das Fest des fünfundzwanzigjäyrigen Bestehens der dortigen ziontstischen Ortsgruppe begangen werden. Die Ortsgruppe Beuchen ist seit ihrem Bestehen ein Mittelpunkt der Bewegung in Oberschlesien gewesen, wo bekanntlich der Zionismus etne Geschichte hat. In Oberschleien hat schon unter der Mitwirkung Pinslers die denkwürdig gewordene Kattowitzer Konferenz der Chowewe-Zion stattgefunden, an der sich otc. maßgebenden vorzionistischen Palästtnafreunde beteiligt haben. — Anläßlich der Feier in Beuchen soll ein Festakt stattfinden; die Festrede, wird. Herr Rechtsanwalt' Dr. Alfred Klee (Berlin) haltem der vor 25 Jahren den ersten zionistischen Vortrag in Oberschlesien, und zwar in Beuchen, gehalten hat. Dieser Vortrag gab den Anstoß zur Gründung der Ortsgruppe. * Ein- Bohnungslegat für Jerusalem, Ans New-York wird uns berichtet: Der jüngst verstorbene Brmvnternchmer Nathan Roggen vermachte' letztwilliaöM Dollar als Legat für die Errichtung von zehn Wohnhäusern in I e r u s a l e nt, in denen mittellose jüdische Familien freie Wohnung erhalten sollen. Nach den Bestimmungen des unter dem Namen „Nachan und Hannah NMen-Widmung" I so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur'rationellen Körperpflege und. deshalb soll jeder ständig benützen. Ueberall erhältlich DUfliii-Franzbranntwein - Produktion - Ges. WIEN, II. PRAä, VIII. tngertlutrasse 16» Lieben, Drahobeljova 1073 erpichtsten Legats sollen die Wohnungen in den Stiftungshäusern den m Betracht kommenden Familien bloß für die Dauer von. je drei Jahren.'überlassen werden, worauf anders wohnurrgsbedürftige Familien die Begünstigung erhaltett. Der Beritackeue hat auch sonstige namhafte Stiftungen für lüdische Zwecke errichtet. * Tine Gartenstadt zum Andenken an den Verfasser der „Titwah". Aus New-Aork wird uns berichtet: Die Nationalfondskommission der East-Side, an deren Spitze der bekannte Publizist Jakob Fi sw mann steht, hat in ihrer A«s öer Werkstatt des Mches. Ein Wiener Buch aus dem Vormärz. Socken ist ein interessantes Altwiener Buch, vom Prof. I. Komrower herausgegckert (Verlag Präs. Julius Komrower, Men), neu aufgelegt worden. Es ist die Sammluna Wiener Studien, welche Dr. A. I. Groß-Hoffittger unier dem Titel „Wien, wie -es ist" vereinigte mch das im Jahre 1847 zu Leipzi-z ediert wurde. Ein mutiger Beobachter übt hier humowoll an Wien und den Wienern Kritik und der Herausgeber macht uns in einer kurzen Einleitung mit der Persönlichkeit des Autors bekannt. Bemerkenswert, wie Gvoß-Hchfinger den Gefahren der Zensur zu begegnen und doch die Mißstänide zu geißeln wußte. Die Unterwürfigkeit und das, Spitzeltum, die Herrschaft des Hausmeisters, die Gvauhänckeit des Militärdienstes, die Bestechlichkeit öffentlicher Organe, das korrupte FMenzertcken des „Kavaliers" (dem er eine sehr amusMie. Monographie widmet) und das, Antlitz Wiens zur Zeit des Karnevals sind überaus anschaulich und frisch geschildert, wenn auch manche Breite hätte vermieden werden können.. Das Wien des Jahres 1847 schneidet in .dieser Sammlung von Glossen eines Zeitgenossen -nicht gut ab. Aber es ist mit Licke beschrieben und man lernt es besser kennen als aus Geschichts- Werken und Abhandlungen und der Mudruck ist eine Bereicherung der Literatur über das Wien des Vormärz. Ein Werk über die spaniolischen Inden in Bulgarien. Socken ist im Verbog der Jüdischen Kooperativgesellschaft ,Jvria" (Sofia) das von uns bereits augekündigte Weck „Die spaniolischen Juden in Bulgarien" von Dr. Saul M e z a n erschienen. Das Weck besitzt, reiches historisches, statistisches, ethnographisches und folkloriftisches Material, vas die gesamte jüdische Welt interessieren wnd. Nadiovr'gramm. Heute Freitag de» 20, November. 4 Uhr 10 Mn.: NachMtagsfotuen. — ö Uyr Mm. ins 8 Uhr o Ahn.: ^tadtooolks- Hochschule. — 6 Uhr 25 Min.: Kunstaeschichte. UniversitätSprof. Dr. Hans Detze. Das XVtl. Jahrhundert. — 7 Uhr 10 Min.: Französischer Sprachkurs. — 7 Uhr -0 Min: Englischer Svrachku>s für Vorgeschrittene. Prof. Mae Callum. —: 8 Uhr 15 Min. r Klavierwerk alt* rer Meister. - 9 Uhr 15 Min. Populäres Orchesterlonzert der Kapelle I. W. Ganqlberger. Verfehlungen eines Hochfchülers. Der Hörer der Technik , ..... .. , Leopold B. hatte sich gestern vor dem Begiolsrichter Dr. Arie schlossen, auf dm 1000 Dunam Boden, der vom Nativnalsonds lvagen Uebertretuug des Diebstahls -zu verantworten. Dem erworben werden soll, eine nach dem Verfasser der „Tikwah",! Beschuldigten lag zur Last, daß er am 24. August in einer * L™ ^-- ... fe* i B^Hhan^lung drei Bücher im Werte von 18 Schilling entwendet hatte Er wollte die Bücher gleich darauf veckonsen, wurde aber wegen BckenklWeit angehalten, wobei er sofort »gab, die Bücher entwerrdet zu haben. Der Tater ist wegen >es gleichen DeMs bereits einmal mit drei Monaten bedingten Arrest vorbestraft. Den neuerlichen Diebstahl hatte der Student innerhalb der dreijährigen Bewähruniasfrist begangett. durchzujithren. Gleichzeitig wurde bell!- Eh. Jmd er, wt benennende Gartenstadt zu gründen. Es tst begründete Hoffnung vorhanden, daß die Aktion noch vor Ablauf dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen sein wird. Stoeitit, Vorträge und Versammlungen. ZionistischeSrktionVrater. Leute. 7 Ubr gaffe 33. Heute, präzise '/,8Ühr aderds. Vortrag Rabbiner Doktor W u n d e r m a n n übe-.' Midra ch. - Z i o n i st i s ch e Sektion Z w 1 s ch e n b r ü ck e n. Heute. Vs8 Uhr abends, Beginn oes GeschichtsteferatS: Referent Herr U n g i r f e l b. Gäste willkommen. ~ Institut f it r Statistik der MtnderdetiSvölker, UniversitLtWtem Der erste Vortrag der vom Jnstttut veranstalteten Vortragsreihe über Drutschlübttrol» Prof. Ha-8 B o l t e l t n ir Me Geschichte Deutschsüdtttol»*, findet heute abend« um 6 Uhr im kleinen Fest saale der Wiener Universität statt. Buchhandlung gekommen fei, in der Absicht, em ^Lehrbuch zu Kunst, Wne, Auch. La« SaMiel des Vurgtheaters i« de» ProvinzflSdle». Wie wir seinerzeit'gemeldet haben, wird das Wiener Burgtheater in den Städten Linz, Salzburg und Innsbruck ein Gastspiel absolvieren. Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, daß Montag den 23. d. unter persönlicher Leitung -des Direktors Herterichs die Tournee angetreten wird. Zur Aufführung gelangt Shakespeares „Hamlet" und Hermann Bahrs ,I r a m p u s". Den Provinzstädten wird insbesondere mit der „Hamlet"-Aufführung Gelegenheit geboten, eine durchaus eigenartige, viel mitstrittene, aber künstlerisch ernste Inszenierung des Burgtheaters kennen zu lernen. Die Hervorragendsten Schauspieler des Burgthcaters, darunter die Herren Aslan, Devrient, Marr und Thaller sowie die Damen Albach- Retti und Bleibtren nehmen an der Gastspielreise teil. „Hamlet" wird in allen drei Städten, auch im Rahmen einer Schülervorstellung, gegeben. Am den Theatern. B u r g 11» e o t e t Morgen. Vj8 U r abends, »D e m et r i n ö". Hierauf .Heinrich an 8 Ande rna ch". Akaoem'erbea^er Morgen, V«8 Uhr abends. „D i e z er b ro ch e n e Leite r". O p e r n t h e a t e r. Morgen, 7 Uhr abends, „D e r M a s k e n b a l l" mit Battistini a. G. V o l k S o p e r. Heute, V,4 Uhr abends, i d e l i o Morgen (Samstag) AbichiedSkönzert Sigismondo Z a l e S ch t. Außerdem tritt der Künstler in der einzigen Wiederholung von Granellts Einakter „Nachher" auf. D e u t i ch o § B o t t s t d e a t e r.» Morgen, 7 Uhr abends, neuewündiert, «Fanft" mit Atbert Baffermann und. Wilhelm K t i t j ch. . - .Raimund - T ch e a t e. r. S^nntag^ 3 chr nachmittags, findet eine Vorstellung der ,C hoc o t a : e K i d d t e 8' statt. Z o h a n n - S t r a u ß - % b e a t ,e Sonntag nach mittags, :euetnstudiert, „D e C i ar v a s f ü r st in". C'ärl - T t> e a t e r. SamLtag,, Uhr nachmittags, dar-ckellt vom Ensemble oer Wiener Atärchenspiele, „Ä l a d t n u n d d t e W u n d e r l a m p e". R o l a n d bühne. Heute 25. Aufftihrung von „D i e Gesiebte'. __ Leonid Andrejew, der Dichter des „Roten Lachens" und der „Sicken Gehenkten" hat eine'große Bibliothek und wertvolle Sammlungen .zurückgelassen. Die'Witwe des im Jahre 1010 gestorbenen Novellisten und Dramatikers hat den gesamten Nachlaß der Petersburger Akademie der Wissotschaften, aus Anlaß' der Feier ihres 2g0jährigen Bestandes geschenkt. Die Schenkung wird. , in dem der Akadomte angeguederten "Puschkin-Haus untecgebracht werden. decken. Sein Vater, ein pensionierter Staatsbeamter, wolle für die Kosten svitoes Studt-ums nicht mchr aufkommen. da er bei einer Teilprüfung du^chgefallen sei. Die als Zeugin einvernommene Mutter des Beschuldigten gab an, daß ihr Sohn mn Mitglied einer katholischen Stu'dentenverbtndu ng sei. Sie 'bestättigie, daß der Vater vhm aus dem angeführten Grunde die Studiengelder verwergere. Der Richter verurteiLte den Angeklagten zu' einer Woche Arrest, jedochÄeuer- 'lich bedingt unter Einräumung einer dreijährigen Bewährungsfrist. In dck Begründung führte der Richter zur Motivierung der abermaldgen Anwendung der bedingten Verurteilung aus, daß die Tat nicht vorher bedacht war. sondern in einem unbewachten Moment unüberlegt begangen wurde. Insbesondere war zu berücksichtigen, daß der Angeklagte zur kritischen Zeit sich nicht nur in etner materiellen, sondern mit Rücksicht auf das Verhalten seines Vaters auch in einer s e elische n Notlage befunden und daß er, wenn die Verurteilung unbedingt erfolgt wäre, seine Studien nicht mchr sort- 'setzcn könnte. Eine Woche Arrest und eine Million Geldstrafe wegen zu tuerer „Nierndln". Ucker. Anzeige des PosKontrollors Rudolf Zettel hatte sich der Fleischhauer Jchann Sch-neider wegen Preistreiberei zu verantworten. Zettel hatte in 'dem Fleischhauergeschäft, wie gewöhnlich. 40 Deka- . gra.imn „Nierndln" gekauft, doch wurden sie ihm statt mtt 16.000 K. mit 20.000 K. gerechnet. Das Kilogramm kostete also 50.000 K., statt wie sonst und auch bei der Konkurrenz 40.000 Kronen. Bei der- VechaMung erklärte der Angeklagte, er ha-be dem AMiger 50 Dekagramm und nicht 40 Dekagramm verkauft. Das'Beweisverfäyren ergab aber, daß es tatsächlich nur 40 DÄagrarnm ioaren. Der Serteidiger des Angeklagten brachte vor,' daß es sich im schlimmsten Falle lediglich um sine Uckevschreitung des Macktpreises handle. Es sei nicht mehr zeitgemäß.' das Pretstreibereiaejetz in Anwendung zu bringen. Die Vorbedingungen dieses Pveistreibereigesetzes seien mcht mehr vochanoen. Es sei kein Warenmangel mehr vei uns Wenn sine Ware in einem Geschäft zu teuer sei, so könne man sie anderswo billiger bekommen, wen« man es versuche. Es liege gewiß nur §in Irrtum in der Berechnung seitens des Angeklagteü vor; der Anzeiger Wie Herrn Schreiber nur auf diesen Irrtum aufmecksam machen sollen, anstatt gleich zur Polizei zu rennen. Oberlandesgerichtsrat Dr. Nehoda hat den Johann Schreiber wegen Preistreiberei zu einer Woche Arrest und zu 100 Schilling Ge losträfe verurteilte In der Begründung bemeckte der Richter unter anderem: Es ist'nicht Sache'des Gerichtes, die Mucklirat des Preistrelbereigesetzes zu prüfen. In dem mchr als 100 Jahre alten Strafgesetz sind viele vevattete, unzeitgemäße Gesetze. Aber noch bestehen sie, und solange, sie bestcken mck nr Geltung sind, muß sich der Rlcht-er an sie halten. „Das Preistreköeretgesetz -besteht noch".- und das Geridft mußt« sich Mch - a.n. dieses Gesetz, halten/Der Verurteilte hat berufen. . Advokat Dr. Hofmvkl zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Mittwoch hat. in Warschau die Verhandlung gc^en den dortigen Advokaten» Dr. H o f m o k l - O st r o w s k i, der seinerzeit viele Jahre lang in Wien tätig war, begonnen. Der , Sachverhalt ist folgender: Bei der am 24. April d... I. stattaefttndenen Verhandlung' in Angelegenheit des Prozesses SuliMow, welcher wegen Spionage angeklagt war, bezetchnete Dr. Hofmokl,.auf eine-Mitteimna, daß der Zeuge Oberleutnant Anton Jendruszczak nicht erscheinen wird, oenselb.-.n als Provokateur. Der Offizier erschien nachher zur.Verhandlung und hat den Dr. Hofmokl für seine Aeußerung g eo-hrfeigt. Als der-Zeuge nach der Verhandlung-den Saal verließ, eilte ihm Dr. Hofmokl nach und. gab mehrere Re v olv ers chüsje, welche fehlschlugen, gegen den Oberleutnant ab.' Die Verhandlung hat in den Warschauer Ädvokatenkreisen große Sensation hervorgerufen, da der Angeklagte zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde., «nflmrrstffiWMrniTiJ""