Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2423 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981509--24712-3012284- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiener Morgenzeituris “ SO. RobtUkber 1925 K«e„srMrtise Kunvgebuns" der römischen Kammer. iU^berfall auf die Opposition. Rom, 19. November. (Tel.-Komp.) In der heutigen Kammersitzung kam es zu wüstenAusschreitüngeusaszistischerAbgeordNLtergegeuKo mmunisten. Der Kommunist Maffi, der zu den gestrigen Erklärungen Mussolinis sprechen wollte, wurde schon bei Beginn seiner Rede fortwährend unterbrochen. Als er jagte, daß Mussolini nicht den Willen der Arbeiter- Massen vertrete, riefen die Faszisten: „Werft ihn hinaus!" Der faszistische Generalsekretär F.arinaeci pflanzte sich vor Maffi auf, gebot Ruhe und rief: „Wenn jemand über den Duce Uebles redet, müssen wir es so machen!" Gleichzeitig versetzte er Maffi zwei schallende Ohrfeigen. Dies war das Signal zu einem allgemeinen saszistischen Ueberfall ruf die kommunistischen Deputierten. Diese wurden mit Ohrfeigen und Fußtritten buchstäblich aus ihren Bänken hinausgeprügelt und aus dem Saal gedrängt. Der Ministerpräsident wohnte der Sitzung nicht bei. In den Wandelgängen der Kammer setzten sich die faszistischen Ausschreitungen gegen die Kommunisten weiter fort. Der Deputierte Maffi wurde von Abgeordneten in Schwarzhemden umringt, angefPM und zu Bode« getreten. Auch andere kommunistische Abgeordnete, die sich gegen die Uebermacht Vollkommen wehrlos verhielten, wurden mit Fausthieben und Fußtritten auf das ärgste mißhandelt. Nachdem die Kommunisten unter dem Schutz von Karabinieri das Kammergebäude verlassen hatten, riesen die Faszisten: .Seite 3 „Jetzt kommen die Popolari an die Reiht!" Sie konnten jedoch diese Drohurch nicht in die Tat Umsetzen, weil die Abgeordneten der katholischen Voltspartei der Kammersitzung nicht beiwohnten. Als der ungeheure'Tumult sich gelegt hatte, kam der Kammerpräsident Paolucci aus die Skandalszenen, die sich eben abgespielt hatten, mit folgenden Worten zurück: „Nach der großartigen Kundgebung der Kammer für den Ministerpräsidenten könne man sagen, daß die Bemerkungen des Abgeordneten Maffi zumindest unangebracht gewesen seien. Die Reaktion des Hauses gegen die Erklärungen Maffis wird eine W a rnung für die Oppositionsparteien im Parlament sein, die die G e s ü h l e d e r M e h r h e i t achten müssen," Der „Corriere della Sera" — faszistisch. Mailand, 19. November. (Tel.-Komp.) Nachdenr die Regierung nahezu die gesamte oppositionelle Presse Italiens eingestellt hat, ist es ihr nunmehr auch gelungen, den „Corriere della Sera", das führende Organ der italienischen Liberalen, im Wege einer finanzielle n T r a n s a k t i o n, über die noch keine näheren Einzelheiten bekannt sind, in das faszjstischc Fahrwasser zu zwingen. Heute vormittags begab sich, als Vertreter der Brüder Crespi, der Haupteigentümer des „Corriere", Senator Rolando Ricci, in die Redaktion des Blattes zu Senator Albertini, dem bisherigen Chefredakteur, und forderte ihn zur Niederlegung seines P o st e n s auf, mit der Begründung, er habe seine Vertragsverpflichtnngen nicht eingehalten. Senator Albertini Protestierte und erklärte, er weiche der Gewalt. Albertini soll als Abfertigung KV Millionen Lire bei feinem Ausscheiden erhalten haben. Die Leitung des „Corriere" wurde dem bisherigen Kunstkritiker (!) der Zeitung, dem Schriftsteller Ugo Ojetti, übertragen. Die völlige Faszisierung der gesamten italienischen Presse erscheint nach der Beseitigung des Weltblattes „Corriere della Sera" vollzogen, Vas Schachturnier in Moskau. CapTlrlaneas «erste Niederlage. Aus Moskau «wird uns berichtet: Die Sensation der siebenten Runde war die Niederlage CaPaMnoas gegen den jungen russischen Meister Geiretzvski, der in diesem Turnier bereits bisher durch seine Spielstarke ausgefallen. war nutz den Weltmeister in einer 37 Züge twährmden siziliauiischen Partie iibevtvand. Der russische Großmeister Bogoljubow setzte seinen« «Siegeslauf fort, indem er mit den Mißen Steinen Werkt ns kr «besiegte. Rubinstein gewann im spanischen Spiel gegen Romanowski, Torre (ebenfalls «spanisch) gegen Zuwarow, Düs-ChotimLrsch gegen Spielmann. Dr. Laster mußte sich gegen Rabinowiez mit Remis begnügen, ferner ergaben Remis -die Spiele: Dr. Tar tatviw e r—Marsh all, Saemisch> Reti und Gotthrlf—Gogabistschuk. Das Spiel Grünse'lid—Dates 'wurde abgMochen. Löiwsenfisch war Wlsrei. 'Stand nach der siebe nien Runde: Bogoljubow 6, Rubin'stein, Torre je 6, Marshallll, Tartakower, Genelwski je 41/,, Dr. Laster 4 (1), iB«ogadiftfchuk, Rabrnowicz je 4, Cabaplanca, Romansows-ki je ZV-, Lötvensrisch, Worlinski je 3, Splel-rnam 2'/,, Dns-Chotimirski, Gotthilf, Reti, Saiewisch je 2, Dates IV» (1), Zu-warow l1/», Grünfeib i fi), v ' r' i i oh«k Fomamini. Dertnseiklon u . mit 3 int. Epeichel aus« cieUifitfif . Sormamint-Tabletten III mit S im Cdeichel mir» gelösten Formamint-Tableliei, (Rach KrrjucheU in dem bekanlsien baktenvlo-ischen Institut von , Dr. PisrfowSIt. Berlin.). Die Ansteckungsgefahr wächst» wenn Vrrst Menschen zufammentreffen, wie in Theatern, 5ttnos, Konzert- und Ballsälen, irr der Eisenbahn und Straßenbahn, irr Schrrlen, öffentlichen Versammlungen und VereinssitzrrnM. TableUcu das altbewährte, zuverlässige-Schutz- und Desinfektionsmittel für Mund und Rochen — Bequemer int Gebrauch und nachhaltiger in der Wirkung als Gurgelungen. Erhältlich m allen Apotheken nnd Drogerien. Angebliche „Ersatzpriiparate" weise man Zurück. Probe kostenlos und poststei durch Bauer« iic. JetHnSW 48. Frieörichstr. 231 Vertreter für Oesterreich: ms 6. Brady, Me«, II, Sbm Lonaustraße 91 Ler Berater Der Ratioualbank. Stürmische Diskussion im Parlament. Ee-r Abschluß der ersten 'Lesung des Artzvirerv e rs i che r -u ngsg e setze s gotz gestern im Nation alrat Anlaß zu einer sehr lebhaften An? ein an Versetzung über beit ZerrpM'kt des J-n-kvafttretens des Gesetzes. Die Soziialdemokraiten machen sich keinerlei Bedenken darüber, daß in.der gegeuwärtigru Krise die Wirtschaft nicht die Mittel aufbrirrgcm kann, um die Altersrmd-JnvÄ-idr-ätsrenteu . zn bezahlen^ Die EhristlichsoM-en lassen die Frage des GeU-rmBbegmnes des Gesetzes oisferc und wölben dichein Termin Nur dadurch hinausischiÄen, daß.fi« das Jnslebentre-ten der Mtersvevsichernn-g der AMiter -ciöhängig rmcherr von der derSeWMndigen. Zn diesen GedMLugängenbMLgttn sich ge-fteru die Ausfü'hrnngrn der Redner.^ . Der Großdeulsche K l^em anu, eln.pLMigui'erter Oberst, der gegenwärtig Sekr-etär des Kärntner J-ndustriellenverbandes »st, machte.AndeuLiUNgen, «ns denen die SoiziaMelndkraten eniuchmelt zu können glaübten, daß die Mehvheit die Mersversicherunig isadoli e re n wolle. Sie setzten ihm darum mit Zwilschemusen und Beschimpfungen Als Kliem ann der Ansicht Ausdruck güb, daß der 'Natioualvat vorher noch w ichtigc r-e Aufgaiben Au bowältigen hübe, viell-richt -auch hinsichtlich des Mieterschntzes, rief chm der Sozickd-Mokrat Schi-Ltzl zu: „Da werden Sie sich über schneiden! Da hauen lmr eher das ganze Parlament zusammen!" Mienrann sprach dair-il gegen die Eiri-dezichitug der. ArheitÄÄsenverficheMNjg in das Soziallverstchernngsgelsetz u«n«d be- Aeichnete es als LMdetMar, die AcheiÄ'oiseniverstchevmtg gesetzlich zu einer Dauere in r i cht u n g zu machen. Das würde nichts anderes als die Züchiunlg eines Staatsrent-nert>ums bedMen, bei der ein gÄvisser Teil der Arlbei-ts-lo'ssn, besser gesagt, Arb ei tsscheu e u . . . Soweit konnte der Rodner sich veristä-Mich machen, daun gingon seine Worte in dem Heidenspektakel unter, den die.SoziMeimMa-teu iuifzemertrn. Abeordnvwr Schirgl riüs: Das ist eine Frechheit! Das ist eine Lumperei! So ein Frechling, so ein nieder -tracht-i'ger Unter u-ehmersöldling!" Abigeolchneter Widhol;: Er hat von Mbeüsscheuen gesprochen! Sie hüben in JhrH.m Leben noch nicht gca rlb eitet,' sonst könnten Sie nicht so ordinär Valherveden!" Die Vorlage wurde Wießlich döm' Ausschuß, für soziale VerwÄwu ng z u gewiesen. Es fo%te «sodann die erste Lesung der R-egierrurMo-rloge über die zeitweilige Bestellung eines Beraters bei der Nationalbanik. Abgeordneter Alilima nannte das BeMnigen des MMäbundes eine Untzilligke i t, daß Nun das Amt des NotionaWMGeraiers auf iveitere drei Jahve sarttzestehen soll. Er erging sichhierauf in Angriffen gegen die B ank v o n England, die maßgeibendeir Eiüfl'nß aus die Oesterveichische -lew-Bork. 19. November. (Tel.-Kolnp.j Berlin 23.L0, London Kabel 4.84Vz, London Scheck 4.80'/«, Amsterdam 40.24, Paris 8.96, BMel 4.53. Rom '401, Aladrid 14.25. Zürich 19.28, Stockholm 26.76, Oslo 20.36 Kopenhagen 24.95, Wien 141/«, Budapest Prag 286^, . Belgrad 171% Athen 1.98, Buenos Aires 41u/10, Rio de Janeiro 14.55. Lntarest 46^. New-Bork» 19 November. lTel.°Kvmp.) Weizen rot Winter 180, Weizen hart Winter 181'/,. Mais 29'/{ Hafer 48'/,. Roggen 95. Ehikago, 19. November. sTel.-Komp.) Weizen per Dezember 159'/,, Mat 155'/, 'Juli 136°/,; Mais per Dezember 75'/,, Mat 797, Juli 803/,; Hafer per Dezember 39'/, Mai 48'/,, Juli 44'/,; Roggen per Dezember 86'/,. Mai 927/«, Juli 91,-% NationManr ausiA. Statt des Holländers Bau Gyn soff nun' ein Engländer Berater werden -und gleichzeilig auch, die KMirolle über öre ffir das Genifer Darlchen vevpstindeten Bunöeserunchnieu a-usiMen. Er werde also nicht nur die Notenlbanik, sondern. <mch die Regierung zu kontrollieren Hoven. Die Be-, ftrckuttgen der Bairl von England seien daraus gerichtet, sich ein tontinMtales MachtzenivMir zu Haffen, von dem aus sie die Wirtschaft in allen Ländern Europas tzchervschen k-m;re. Der Nntt-onManSbepater soll nun das Instrument seiu,^ um', Österreich vollstän'dig in die Abhänigigkeit der eu-Kffch^u' Finauzjwelt zu «brmM. Usber englisches Betreiben, düvft die' Mtenlbank unser russisch es . Geschäft nicht sinauzieren. DK Engländer haben nämlich ein Interesse daran daß ihnen das große Bersicherungog-eschäft, das >ntü dem russischen Geschäfte zusamnreichängt, und Lai. heute seinem größten Platz in London hat, nicht verloren gcht. Sie wollen daS Versichernngsgeischätst. für sich monopolisieren. Schließlich .Nagte Redner über die Bankenkondilionen und behauptete, den Banken gehe es nicht schlecht. Sie hätten a>us Agivigewinnen Lei KapitalsvevurchMngen nn geh eure Reserven anMstapelt. Allerdings leidLN sie an einer UeLerffille von Direiktoven. Bon diesom P a rast L e n t u m müßten sich die Banken befreien. Das Beratergeletz wurde dein FinanWusschnß zugewiefen. 'Schließlich genchmigte das Hans den Handelsvertrag mit Jugoslawien und das UckbereinlkvMMN mit Deutschland über die ist e g e l n n g v o n Z o l l f r a g e u. Nächste Sitzung: Dienstag den 1. DdMcker,-3 IHr nachnniiags. Ler MbM iu den MAern. -Das Cominunique der R-oqierung in Angele,geuhe-it des Abb.aues in den Spitälern hat. in den Kreisen der Hilfsärzte und der sonstigen 'Bsteiligten mcht tzeuchäg't. Daß die Erregung noch sehr -groß ist, kam in einer gestern Abends im DirektionLg-vbä-ude des Allgemeinen Krankeuhanfes atzg-ehaltenen Versammlung der Hilfsär^te d>er ALteilu-ngen zum Ausdruck, der auch Vertreter sämtlicher Wiener.Spitäler sowie der Präsident der Reichsorganifation der Aerzie und Spitalsärzte Oesterreichs ibeilvchuten. Es wurde darauf hingelviesen, daß der Mban emerr Vertrag s L r n ch bedeuten lvürde, da den HMärzten vor drei Jahren zugefagt wurde, daß kein weiterer ALL-an erfolgen wurde; ferner wurden die gchunHeitlichen, lsoMleu mb Unterrichtsschäden, die der ALtzan mit sich bviugen würide, erörtert. Die VerfammAmg nahm eine Reisolnt.ron an, in.der die R-eichsorlg-aN'isati'0n aujfgeford-evt toi-tfc, bis' nächsten Mittwoch von dm maßgchenden Stellen eine definitive Ent-) scheidnng ülber die ALLaupläne zu verbangen; wenn^ keine befriedigende Antwort erfolge, öoiii&e auch M den schwersten gewerkschaftlichen' Mitteln ,Kegriffen werden. Die Vertreter der SpriKlsärzte nnd der Reichsorganisation erklärten sich mit den Hiffsavsten solidarisch. der israelsttschea -ultussmeivven in Schlesien. Am 28. OktoLer fand im Sitzungssaale der Isvaelitischeu Knkusgemeinlde in Troppau die konstituierende Derisammlung der ffvaMtischen KMusMmeinden in Schlchien statt, nachdenl die der Behörde vorgel-egten Statuten genchmrgt worden waren. Mit Ausn-chme der Kultusgemeiude Freiwaldan hatten alle Gsmeinden Delegierte entsendet. Ms Gäste nahmen an der Tagung der Vorsitzende des Verbandes der mHvischen Kttllusgemeiwden, Dr. Alois Hilf, und RaMner Dr. Sp ira ans Mähr.-Ostran teil. Ferner war als Vertreter des Keren Hcvjessod Pros. Artnr Freud anwesend; über die aus seine Anregung gefaßte Resolution des Vorstandes, den Keren Hajessod Letreffsnd, wurde, bereits berichtet. Nach Beg-rüßung der Versammlung durch den Borfteher der Troppau-ec Knltusgemeinde wurde unter Vorsitz «des Herr:: Vorstehers Albert Weinreib aus Jägerndorf als Mersvorsitzen-den die Wch! der Berbandsleltung vopgMommen. Zum Vorsitzenden wurde Herr Gustav Finzi, Fabrikant in Trrppcrn, zu 'dessen Stellvertreter Herr Alois Reit, Fabrikant in Friebek, zum Schriftführer Herr Dr. Wolf, Advokat iu Troppau, zu Döisitzern die Herren MUDr. Robert Lichtwitz in Troppau nnd Herr Albert W-e inreb in JäMwdovs, erftever auch als Kassier gewählt. Der Vechandslertung gchört mitMrilstim.nre auch Herr RMiner Dr. Friedma un aus Troppau an. Als Ersatzmänner der Beiisitzer wurden gewählt die Herren Moritz Spiegel, Ka-ußmann in Troppau, Josef Zänker, Gastwirt in Odevber-g nnd Rabbiner Doktor Eh. Obstler in Freistadt. . Der-Bericht Ätzer die Tätigkeit der prodiiso-rffchen Vertzaivdsleittmg-«sowie der Kassenbericht wurden gen-chmigt. Für das Jahr 1W6 wurde der von Herrn Dr. LichMtz vorgetragene Vovanschlaig genehmigt nnd es wurde Wer Antrag des Herrn Dr. Obstler ein Gefänttbetr-D von 10.006 tfchech. Kronen als Erfordernis fchg-Äst-ellt. Bezüglich der Bedeckung wurde beschloffen, den einzelnen KultuZgemeinden den doppelte« Betrag, wie er im Vorjahre für jede KultusgMeiude vermffchlagt war, vorMchreiben. Nach einM Referate des Herrn Rabbiners Dr. Friedmann, der zuuachst Wer eine voran' gegangene La>gnu.g der RaWuer und ReWonÄchrer über tzie Frage des Religionsunterrichtes berichtete, MÄen Wende RMutiomn iir Wender Fass«W BffiBKwtaaessacnnBaffii