Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2423 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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feilt J - Wim, Freitag NHNBRAND 2» IWwJViCHT aus naturechten, besten Weinen in amtlich plombierten Flaschen (Erlaß des Ackerbauministeriums ZI. 10199/474 et 1904) nach wie vor die führende Marke! U B E RALU ZU H ABEN I Set nahe Orient. Aouvenel Veit Chamberlain und Amery. London, 19. November. (Tel.-Komp.) Heute nachmittags wurde der neue französische Oberkommissär von Syrien Henri de Iouvenel von Außenminister Cham, berlain und dem Kolonienminister Amery empfange«. Tie Besprechung, in der die Verhaltnisse im nahen Open erörtert wurden, dauerte eine Stunde. Jonvenel wird morgen wieder nach Paris zurückkehren. Die Kämpfe in Syrien. London, 19. November. (Tel.-äkomp.) Wie aus Beirut gemeldet wird, haben die Franzosen gestern zwei große Umfassungsbewegungen vorgenommen, durch die der L i b a n o n von den Aufständischen gesäubert werden soll. Angeblich sollen durch dieses Manöver 3000 Drusen eingeschlossen worden sein. Andere Berichte englischer Blätter aus Syrien lassen jedoch die Situation für die Franzosen weit weniger günstig erscheinen. An der syrisch-palästinensischen Grenze finden darnach zurzeit Kämpfe statt. Me unter dem Befehl von Said Attrasch, dem Bruder des Sultans Attrasch, stehenden Aufständischen haben alle Dörfer zwischen Asbaja und dem Loentessluh besetzt. Lelephonverkehk zwischen PalWna uvd Aegypten. Jerusalem, 1b. November. (I. T. A.) Amtlich wird Mitgeteilt, daß am 1. Dezember d. I. der Delephonverlchr zwischen Palästina und Aegypten ausgenommen werden wird. Telephonverbindu'ng wird bestehen zwischen Hai sä und Kairo, Jaffa und Alexandrien, Jerusalem und Jsmailia sowie Suez, ferner -wischen Kante ra und Port Said. In Betracht kommen auch allerlei Zwischenverbin-ungen, ParkamevtsrevoUe ia Aegypteo. Die aufgelöste Kamm« will zufavmentreten. Kairo, 18. November. (Reuter.) Die Mitglieder der m 25. M^aufge lösten Depuitiertenram-Ner beabsichtigen, am 21. November wieder zu« sammenzutreten. Gemäß der Verfassung hat die Regrer-ung 'beschlossen, dis Versammlung; und sei es ruch -m i t Gewalt, ZU h er hin d e rn. Sie „Union4' reift nach Budapest. Zum Konflikt in der Wiener jüdischen Ge-, meiude. Wir berichteten gestern über den Konflikt, der im Vorskrnd der Wiener jüdischen Kultusgemeinde im Zusammenhang mit der Einladung der Budapester Äultusgemeinde zur Feier ihres 12oja>hrrgen Bestandes ausgebrochen ist. Wir meldeten auch, daß die Mehrheit der in der Sitzung anwesenden Vorstandsmitglieder nach einer scharfen Kritik, .die Oberbaurat Stricker namens der ziomstrschen Vorstandsmitglieder an der unwürdigen Haltung der Budapester ÄultusgemMde in der Frage der Behandlung des ungarischen Numerus-clausus-Gesetzes durch den 'Völkerbund Me, besMoflen hat, der Einladung ^er Budapester jüdischen Gemeinde keine Folge zu leisten und dementsprechend auch keine Vertretung der Wiener Kultusgemelnde zur Feier nach Budapest zu entsenden. Wie die Korrespondenz Herzog meldet, Wen die nichtzionistischeri Gruppen im Wiener Kultuso-rstande, ungeachtet ihrer Niedrrläge bei der Abstimmung, se-schlossen, an der Budapester Feier durch eine Abordnung teilzunehmen und haben in diese den Präsidenten der „Union deutschösterreichischer Juden" Dr. Jakob O r liste i n und den Alubabuwnn Dr. Josef T i cho gewählt. Die Miitglieder -der „Union" im Wiener Kültusvorstande können selbstredend von niemandem daran gehindert lverden, nach Budapest fahren und sich mit jenen, die in einer das Gesamt) nden tum berührenden Frage eine unwürdige.Haltung entnehmen, solidarisch zu erklären. Mächtig ist und bleibt, 'daß die Wiener Kultusgemeinde als Vertretungskörper der Wiener Iudenschaft durch den Beschluß des Kulülsvorstaiides ihre Würde gewah rt hat. Der Umstand, daß der Präsident der „Union" gleichzeitig Vizepräsident der Wiener - Ail-ltuögemeinde ist, ändert nichts an dieser. Tatsache. Die Herren reisen als Pr ivatpersoneir und nicht als i; v:: c i e t der Wiener Kultusgeme in de. Wiener Morgenzeitun« 20. November M5 Skr. —r— Fichmann als Zeuge. — Die Auslage» der llkalners Militiu. , 'd',.; ,■ " (von npsttM ».-Konespoudtnien.) ' . Ämberg^ 19. MppeMber.. Zn Beginn der hmilgsn BerPtndlUng-.HeW i'ÄeriMg'er, Dr. L a n.d a ü' Veck'Änirag, den Wiener Rechtsanwalt Dr. Waldmann und den Journalisten Rand als Zengen einzüvernehmen, welche über den Zusammenhang des Attentats auf den polnischen Staatspräsidenten mit der Tätigkeit der ukrainischen revolutionären Organisation genaue Informationen hätten; ihre Darlegungen seien auch in bezug aus das vor dem deutschen Gericht in Beuthe.n abgelegte Geständnis des Ukrainer Olschanski, daß er das Attentat in Lemberg verübt habe, von Wichtigkeit. Der Staatsanwalt sprach sich gegen diese Anträge ans. Dr. Landau replizierte und kam dabei auch auf. seinen Antrag, den Lemberger Metropoliten Szeptycki um Herausgabe der an ihn r ingelangten , anonymen Briefe zu ersuchen, zurück. Daraus entwickelte sich eine ziemlich scharf geführte Diskussion zwischen der Verteidigung einerseits und Staatsanwalt und dem Vorsitzenden andererseits, in deren Verlauf -er Vorsitzende erklärte, der Metropolit .habe, wie dem Gericht bekannt sei, bie Originale der Briefe nicht, sondern nur Abschriften. Die ganze Angelegenheit der anonymen. Briefe ist also vorläufig sehr aufklärungsbedürftig. - * zisten einstiegen; es war auch eine Frau dabei. Die Ge» spräche, die in diesem Moment beim Auto geführt wurden, hörte Fichmann nicht. Er rief zum Auto, in dem auch ein Polizeikommissär saß: „Er ist doch unschuldig." Im gleichen Momente setzte sich das Auto in Bewegung. Fichmann ging dann ins Bureau, um dort über den Vorfall zu berichten. Diese Aussagen Fichmanns sind nach zweierlei Richtungen hin zu werten. Erstens hat dieser wichtige Zeuge, der im Anfang der Untersuchung gegen Stöger auch des Einverständnisses mit dem Beschuldigten geziehen wurde, aber, da auch kein Schatten eines Beweises vorlag, vollständig schuldlos und einwandfrei dasteht, Nichts gesehen, was auch nur im entferntesten damit Zusammenhängen würde, daß Steiger der Attentäter gewesen wäre; vielmehr sind beide, wie alle übrigen am Attentats' ort befindlichen Personen geftiichtet, und cs ist dadurch festgestellt, daß Steiger nicht der einzige war, welcher durch seine hastigen Laufbewegungen ansfallen konnte. Zweitens ist die Behauptung des Kommnist särs Lukomski widerlegt, daß Steiger und Fichmann geheimnisvolle Gespräche beim Auto geführt hätten. Der letzte Zeuge des heutigen Tages war der vielgenannte Ukrainer Mikitin. Das Zeugenverhör in der heutigen Verhandlung brachte nach eiüer Reihe von unwesentlichen Zeugen zwei interessante Aussagen. Steigers Bnreankollege Fichmann * sagte aus, daß er mit Steiger, wie stets, auch am Tage des Attentats im Bureau beisammen war. Steiger habe koi ne rleiZeichen von Erregung oder sonstigem ungewöhnlichem Wesen gezeigt, die auf etwas Außerordentliches hätte schließen lassen können. Fünf Minuten vor der Auffahrt des Präsidenten habe Zeuge den Steiger Ecke der Legionen- und Kopcrnikusgasse getroffen. Das Gespräch, welches sie führten, habe Bureauangelegenheiten, das Geschenk an den Bureauvorstand und dergleichen berührt. Dann kam die Auffahrt; Fichmann erblickte den , Wagen des Präsidenten und hörte gleichzeitig das Ausfallen eines metallenen Gegenstandes, anscheinend der Bombe. Als Rauch Aufstieg, flüchtete er ebenso wie Steiger und alle anderen Umstehenden. Er verlor Steiger aus den Augen und erst ein paar Minuten spät e r sah er, als er sich umkehrte» in der Nähe der städtischen Sparkasse Steiger, der von zwei Polizisten geführt wukde. Er konnte mit dem Verhafteten kein Wort wechseln und machte gegen ihn eine Schulterbewegung, die Steiger in gleicher Weise erwiderte. Dann sah er ein Auto herankommen, in das Steiger und die zwei Polt- Dieser ist bekanntlich wegen seiner Behauptung, der ukrainische Terrorist P a n c z y s z y n fei an dem Lemberger Attentat mitbeteiligt, wegen V e r l e u m d u ng zu einer mehrjährigen Kerker st rase verurteilt worden. Es war damals gegen eine Reihe jüdischer Bürger von Lemberg die Beschuldigung erhoben worden, sic hätten Mikitin durch Geld zu dieser Aussage bewogen; in einem Aussehen erregenden Prozeß wurden jedoch sämtliche Beschuldigte frei gesprochen. Mikitin, der aus der Haft vorgeführt wurde, gab an, daß er zwar nicht wisse, wer die Bombe geworfen habe, daß er aber aus feinem engen Verkehr mit ukrainischen Kreisen genaue Kenntnis darüber habe, daß die ukrainischen Terroristen Panezyszyn, Fidyk und Chorkif (der letzte Naine ist ein Rufname der geheimen Organisation, der diese Person angehört) von der u k r a i n i s ch e n revolutionären Organisation den Auftrag erhielten, das Attentat in Lembe.rg auszuführen. Diese Mitteilungen Mikitins und die näheren Angaben, welche .er dann über die ihm bekannten Geheimorganisationen machte, riefen große Bewegung hervor. Das Verhör 'mit Mikitin wurde sodann abgebrochen und der Präsident teilte mit, daß die nächste Verhandlung erst Samstag stattfinden werde, da das Gericht morgen über die ihm vorliegenden ergänzenden Be-- weisanträge Beschluß fassen wolle. Ae Kabine» tskrise in Po e«. Strzynski bildet rin Bramtenkabinett. (Eigendienst der „Wiener Margenzeitung".) Warschau, 19. November. Nachdem Minister Skrzynski seine Mission zur Kabinettsbildung zu*> rückgelegt hatte, betraute der Staatspräsident den Sejimnavschall Rataj mit der Bildung der Rcg-i.eru.ng. Die Versuche Ratajs, aus dem von Skrzhnski eingeschlagenen Wege der Bildung eines Koalitionskabinetts zu einem Ergebnis zu gelangen,' hatten keinen Erfolg, tveshalb er die ihm übertragene Mission zurückletzte. Der Staatspräsident betraute hieraus neuerlich Minister Skrzynski mit der Bildung der Regierung; SckrzyMi beabsichtigt nunmehr, ein Fachkabinett, ähnlich dem ersten Kabinett Grabski, zu bilden. Zurzeit schiweben noch die Verhandlungen bezüglich der in diese Fachregierung zu berufenden Personen. Wie spat abends verlautet, wird die Zusammensetzung des von Skrzynski gebildeten Kabinetts im wesentlichen die gleiche sein, wie die des letzten Kabinetts Gvabski, mit Ausnahme des Finanzportefeuilles,'das neu besetzt wird. Jedenfalls soll General Sikorski das Kriegsportefen illc behalten. Ae LoearnoverttSge. Ratifizierung durch das englische Par> . lament. London, 19. November. Das Unterhaus hat den Abänderungsantrag der A r b e i t e r p a r t e t zu .dein Antrag EhambeMins, der die Ratifizierung des . Vertrages von Locarno billigt, .mit 332 gegen 130 Stimmen a b gelehnt. Sodann nahm das Unterhaus^ den Antrag EhamberlainS, wonach die Ratifizieru.ng des Vertrages von Locarno gebilligt wird, mit .3.7 6 gegen 13 Stimmen an. Die Schwierigkeitenin Deutschland. Berlin, 19. Noventber; (Tel.-Komp.) Di.e..M i n i st e r- Präs identen der Länder tmten heute vormittags zu einer Konjerenz zusammen, um zu dem Locarno vertrag Stellung zu nehmen. Die Diskuffivn gestaltete sich sehr lebhaft, so daß die Konferenz erst gegen 7 Uhr abends gsschlosien werden konnte. Die für 5 Uhr nachmittags an'beraumte Sitzung des Reichskabinetts, die unter Vorsitz HiNdeuburgs über die Annahme der Locarmvertrivge Beschluß fassen sollte, ist infolge der durch die lange Dauer der Konferenz der Ministerpräsidenten verursachten Verzögerung verschoben worden. Me BMe» in der Achechoslovrkei. Die Stimmen der Parteien. Prag, 19. November. (Tschech. P.-B.) Nach dem erstem. Skrutinium wurden für die einzelnen Parteien für das Abgeordnetenhaus, bezw. den Senat ivlgende Stimmen abgegeben idie eingeklammerten Ziffern bedeuten die Wablziffem für den Senat): Bürgerliche Partei 4240 (6), agrarisch-kon ervative Partei 87.844 (89244), chüstlichsoziale Landespartei 98.983 (85.777), t s che ch o s l o w a k i i che Sozialdemokraten 680.894 (637,470), . deutschnatiomle Partei 240.879 (214.589), Gewerbepami in Karpathorußland 1094 (1438h tschechoslowakische Gewerbepartet 285.923(257.171), d e u t s ch e s o z i a l demokratische Arbeiterpartei 411.940 (963.810), polnische Arbeiierpar.et (Mährisch-Ostran) 28.884 <25.746,, d e u t i ch e ch r t st l i ch s o z i a l e Volkspa tei 814.440 (280.0öS), nationale Arbeitspartei (Stransky) 98.240 (87.917), Mgarische Bauernpartei 4512. (4050), Kleinbauernpartet 14.453 (0), K o m° muntsten 933.711 (7.74.454), autonome landwirtschaftliche Partei 35.674 (30.767), deutsche rmtionalsozialistt che Arbeiterpartei 168.278 t 139.945), slolvcilisHe nationale Partei 36.446 31.657),jüdische Wirtschaftsgrnvpe (Slowa eirmbKarpathorußland 16,861 (0), N a t i o n a l d em o t r a t e n 284.628 (256.860), tschechoslowakische Sozialisten 609195 516.2W, republikanische Agrarp artet 9<0.498 (841.647-, unabhängige Kommunlsten 7854 (0), Bund beS christlichen Landvolkes (Jglauer Diffbenten) 2892 (0), christlichsoziale ungarrsche Partei 17.285 (17.521), tschechoslowakische Volkspartet,691.238 (618 033), Bund der Landwirte u it b der ungarischen Nationalen 571.198 (505 597). jüdische Partei 98.793 (51513), H lin k a- Bolksvartei 489.02? (417.206), deutsche freie soziale Partei 11.867 (0). Insgesamt wurden sür daS Abg eordne enhaus 7,105 276 Stimmen und für dm Senat 6,096.717 Stimmen abgegebew