Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2422 (10.11.1925)
- Date
- 1925-11-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M. SW Wiener M»rse«zeit«»g ✓ i. und das UnteMtsbudget in Aez Mel. Me Vertreter de« Waad Leumi bei Kolonel Stzmer. WO Jerusalem wird uns berichtet: Bol» omigeu Tagen erschien das Präsidium des Waad Leunti (Jüdischer Nationalrat) unter Führung von Dr. Jakob Thon beim GeneraMveiär der PMstina-regierung 5ko!onel Sy me's und überreichte ihm ein Memorandum über die zwei aktuellsten Fragen in Eveg Israel, das Gemeindegesetz und das Unterr ichtsbudgei, mit der Bitte, die Denkschrift dem Oder k o nt m isscir zu nbovnntteln. Im Memorandum werden die wichtigsten Phasen der Verhandlungen vekapituKert, die mit dem srühirren Oberkommissär über das Gemeindegefttz gepflogen wurden. Es wird besonders betont, daß die organisierten Kultusgemttndeu Mchilloth) eine den Inden oigcntümliche Form des!jüdischen ö\fentlichen Lebens darstellen, wie sie fast in allen mittel- und ofteuropin-schew Ländern, wo Juden in größerer Zahl 'leben, von jeher bestanden har. Eine solche gesetzliche OrganisatümSform der'Juden hat es auch zur Zeit der türkischen Herrschaft in Erez Israel gegeben. Die von beit jüdischen Gemeindeverwattungen eingohobemn Abgaben wurden zur Bestrebung -der Kosten der religiösen E i n r ichtunge u, zur Erhaltung der R a b b i n a t c, -der Schulen und für philanthropische Zwecke verwendet. Nach längeren Verhandlungen fei nun ein Einverständnis Zwischen den: früheren Oberkom-inifsär und dem juristischen Berater der Negierung einerseits und dein Waad Leumi andererseits über alle Details der Textierung des Gemoindegefttzes zustande gekommen, ivelches daraufhin an das Ministerium für die Kolonien behufs Genehmigung tveitergelettet wurde. Wie. der Oberkommissär seinerzeit dem Waad Leumi bekanntgab, hot das Kolonienministermm feine prinzipielle Zustimmung zur Gesttzesvorlage gegeben und es lvaren bloß verschiedene, nicht mit dem' Gesetz z-usamimenhängende Zwischenfälle, besonders -der Wechsel der Regierungen, die die Veröffentlichung und Durchführung des Gesetzes bisher verhinderten. Die Angelegenheit wurde auch bei dem Gmpfangder Vertreter des Waad Leumi'durch den Kolonienmrnister Amery während seiner Anwesenheit in Erez Israel, besprochen und die Antwort des Ministers bogÄndete die Annahm, daß die Genehmigung des. Gesetzes - unmittelbar nach der Ankunft des Qberkom-missärs Lord Plumer erfolgen werde. Der Waad Leumi Rite rumurehr, daß der Qherkomnti-ssär int Sin.ne der Zusicherungen das Gesetz in- Kraft treten lassen möge, u Mt Bezug auf das? Schulwesen Mt die Denkschrift darauf hin, daß die Zahl der Schüler )t den von der zionistischen Leiturtg subventionierten Schuten 13.2 W betrug. Mit dem Anwachsen der jüdischen' Siedlungen h-at auch die Zahl der Schüler zugenommien. Es wird angenommen, daß die Schülerzahl in den Schulen der zionistischen Leitung und in den von anderen Mischen Organisativue>r unterstützten -Lehranstalten 23.000 betragen dürste. Zn den jährlichen Erhaltungskosten aller Mischen Schulen int Betragevon 16 Ö.O 0 0 b i 's 17 0.0 00 ägyptisch >e n P s u tt d trägt die Regierung jetzt im ganzen 3000 Pfund bei. Demgegenüber erhält die Regierung das ganze Schnlmtz, das ausschließlich für -arabische Kinder bestimmt ist. Alts der einstüttdigen Unterredung mit dem Generalsokretär konnte die Abordnung die Ueberzeu-gung gewinnen!, ikfj Kolonel 'S Y m -e s die gesalnte fragliche Materie vollkommen beherrscht und daß auch der neue Ob ertönt missär persönlich gegenwärtig den ganzen im Memorandum.beha-ndelten FraZcnlontplex studiert. Bezüglich der Schul frage äußerte Kolonel Shmes die Ansicht, daß diese noch nicht völlig geklärt sei. Gegenwärtig beschäftige sich die Regierung mit der Kestl-egmig eines entsprechenden Schul- und Unterrichtssystems im allgemeinen, was .immerhkt rwch eine gemisst Zeit in Anspruch nehmen werde, ehe die Angelegenheit einer endgültigen Lösung zugssührt werden toird. Zur Verlauf: der Unterredung wurde auch die 'wirtschaftliche Lage der Inden in Ost- und Mitteleuropa und ihr Einfluß auf die wirtschaftliche'Entwick-lung von Erez Israel l'-rrühr). Bei düstm Anlaß betonte kolonel S y m e s beit We-rr und die hohe Bedrutu-ng der jüdischen Ein-tvandertmg während der letztetr achtzehn'Monate, durch welche dem Lande Menschen mit größeren und Aeinere« Mitteln ins Land gebracht wurden, die -vielfache Arbeiismöglich!Äteu schnsen. Die Vertreter des Waad Leumi erwiderten, /daß die jüdische Einwanderung ein äußerst wichtiger FOvr für die Verbesserung der w irils chastli chen Lage in Erez Israel sei und daß es zu den Ausgaben der Regt erung'gehöre, ' die zur Entwicklung der Industrie notwendigen Verbindungen zu schassen. Im übrigen wiesm. sie daraus chkt,.^.ch selbst, lvrnu die Entwartdernng aus Polen schwächer Werders sollte, Anforderungen von Einwande-Mn ans anderen Äätt-dsr-n, ans Deutschland, den baltischen Staaten uftv. borliegnr. Zum Sckftluß versprach der Gencralstlretär dem Präsidium des Waad Leumi, daß /es -schon in nächster Zeit vom Oberkommissär' in So nd erau di enz empfangen werden würde. Emails Bericht über Stzrien Die Beschießung von Damaskus. Pajris, 18.- November. (Tel.-Komp) In der gemellt- - sauten Sitzung her Kommission für auswärtige Angelegeneren und der ArmeekomMissiou kam es heute M der Anhörung des Generals Sarrail zu -einem Ziwiischensalll, ails der Abgeordnete Jeny zunächst wissen - wollte, ob General Sarrail vor her Kommission als Aull e k l a g t e r,oder als B e a u f t r a g t e r d e r R e g i eritr ng erscheine. Außenminister Brianh wendete sich ischvrs gegen diese Fragestellung und meinte, die BerantworMchkeit komme einzig und allein der Regierung zu. Sarrail deckte in seinen Mtteilungen General Michaud, dessen Ope-tationen durch die Hitze und das u u g ü n st i g e T e r r a i n in unglücklicher Weift- 'beeinftußt wurden. Bei der Beschießung von DanmÄus seien am ersten Tage 8,- am zweiten 15 0 Schüsse albgegeben woriden. Unter den Trümmern von 2 50 ze rstö r te n H äuse r n sind 135 L e i ch e n g efunid en worden. Der General beklagte sich dann wegen der Umtriebe gewisser ' englischer Agenten. Die Dcheschen des englischen Konsuls und seine Jntewention hatten eine Pan iE hervorgerufen. Ein Einfluß Moskaus sei nicht festgestellt worden, dagegett eine Agitatiort s o w j. e t i st i- Ischer Armenier. Zur Wiederherstellung der -Ruhe genügten 20.000 Mann nicht, es wären mindestens 6 0.0 0 0 M a n n notivendig. Zum -Schlüsse der Sitzuttg gab Brian-d der Hoffnung Ausdruck, die Zusammenarbeit mit England werde- 'ohne Klage vor sich gehert. Beirut bedroht ‘i Paris, 18. November. Räch einer HavasMeldnng Ms Beirut haben die AuMudischen Hasheya wieder erobe%t und rücken neuerlich gegen Damaskns vor. Nach „Echo de Paris" sowie der°Pariser Ausgabe her „Daily Mail", suchen die Aufständischen untereinander eine Be r b i n!du n g herzustell-en, mit dem Ziele! sich Beiruts zu be-ntächtigen, das um schwach verteidigt 'fei. Die T e l e g ra p h e p l i n i e von Beirut nach Paläfti na sti U/nterbraAon, Friedensverhandlungen in Syrien? Kairo, 18. November. Das syrische Blatt „Alis Baa" erfährt von zuverlässiger Seite, daß in der letzten Woche geheime Fr iedensver Handlungen zwischen den französischen Behörden und dem Sultan Airasch stattgefunden hätten. Beide Parteien hatten eine grundsätzliche Regelung vereinbart und Oberst Andrea habe sich am 15. November nach Deraa begeben, das als Zusamntenümftsort für die Verhandlungen gewM worden sei. Der Berirtter Ätrasch werde dort mit ihm zusammentreffen. 2er Wasfeuftillstavdrtag in PaWina. Lord Plumer bei den ehemaligen jüdischen Legionären. Alts Jerusalem ber-ichtet I. T. Ä.: Am 11. Govdmber morgens wnrdr -i-u ganz PMftma der WHenstillstrMtag durch eine ZwetMinnten-Rtthe b-rga'ttgett. Unter Führttng des Leutttanis Kol-ouel F. H. K t s ch, des Präsidenäen des Klubs früherer jüdischer Soldaten und Leiters der iKionPschen Exek-ttti.be in ■ Palästttta, hielten 3 00 e h e m-,a lig-e j ü d i sch e L e %i o n ä r e auf dem Rufsenplatz e-ine Parade ab. Fel-dmarschall Lord Plumer, der O'berko^tmnissär von Palästitta, erschien z-ttr Parade und hielt eine Ansprache an die jüdischen Soldaten. Die Leg-io-uävr mavschierten vonder Parade zum Soldatenifriedhof auf den SMusberg. Dort lmtrde ein I Gottesdienst abgehalt-en, der von Rabbi Grajewsky, dom früheren Kapitän -der jüdischen Bataillone in Aegypten, geleitet wurde. Lord Plumer erschien ebenfalls auf deni Friedhof und legte einen Kranz ui dm’. Auch die jüdische Ge-tnemde Jerttfalems lies; eine« Kranz niederlegen. Letzte Kurie. New-Vork, 18. November. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.84o/,^ London Scheck 4.S05/a, Amsterdam 40.24, Paris 3.99, -Mici 4.54, Rom 401, Aiadrid 14.28, Zürich 19.28, Stoaholm 26/74, Oslo 20.46. Kopenhagen 25.—, Wien 14^, Budapest U% Prag 296V„ Belgrad 177V2, Atbeit 1.36V2, Buenos Aires 413/1( Rio de Janeiro 1460. Bnkarest 46 lfv New-Tjorir, 18. November. «Tel.-Kotnp.- Weizen ror Winter 176l/g, Weizen hart. Winter 177^. Mais 99y9 . Hufer 48y8, Roggett 933/s. . , ■ . Ehikags, 18. November. (Te!.-Komp.) Weizen per Dezember m% 4'lai 1821/* Juli 133V,.; Mais per Dezember 7d'/°, Mai 798/8 SuU LO-'/z; Hafer ver Dezember 39V«. Mai 43*/,. Sttli 43Roggen per Dezember. W1^, Mai 91, Sitlt 19. NoVeWor IW " Seite 3 W kiW, Wü, Wk wird man leicht von Erkältung befallen. Man muss daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, dass im Hause nie fehl» der m seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte DIANA Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge; und als Gurgelwasser gleich unentbehrlich ist lleberall erhältlich Ditiii*" ' ' -PioduKtion-Ges. WIEN, II. PRAQ, VI». ingerlhstnsse 169 Lieben9 Drahobeljova 1073 Locarno im Unterhaus. ChamLerLains Rede. London, 18. Noveutber. (Tel.-Komp.) 'Int dicht gefüllten Unterhaus hi^lt heute nachmittags Ausiett C h a m b e r l a i n die seit längerer Zeit angekrindigte große Rebe über die L 0 c a r n 0 - V c r t r ä g e. Er stellte zunächst fest, daß lein Antrag eingebracht worden war, der sich gegen die Annahme der in dem Pakt festgelegten sehr beschränkten Verpflichtungen für England aussprechen tvürde, und brachte sofort den Antrag ein, in dem die Zustimmung des Hauses zur Ratifizierung des Vertrags ausgedrückt wird. E h a m b'e r l a i n erklärte daun, daß das Abkonu men von Locarno einen Geist der V e r s ö h n l i ch k e i t geschaffen habe. Locarno sei nicht das Ende, sondern der Anfang e i it e r Politik der B 0 r s ö h n u n g. Wir haben in Locarno nur die Bemühungen zu Ende geführt, die früher von Mac Donald eingeleitet wurden. Der Erfolg der Verhandlungert ist vor allem aus die Versöhnlichkeit der Nnterhändler zurückzusühren, die Frankreich rtnd Deutschland zur Konferenz entsandt hatten. Die Ga ran ti e d er and er e n Rc>t i 0n en stellt den Wert der Verträge dar und ist ein günstiges Vorzeichen für die Abrüstu.u g sv erträgc. Die englische Regieumg wünscht lebhaft, daß der Völkerbund eine ntöglichst große und n n i v e r s e l l e O r g a n i s a t i öjc werde. Die Zulassung Rußlands hängt zunächst nur von der r u f s i s ch e n R e g i e r u n g ab. Es ist nicht Sache des Völkerbundes, Rußland zum Beitritt zu bitten. Die Moskauer Regierung hat erklärt, daß sie nicht geneigt sei, in den Völkerbund einzutreten. „Freuen wir uns darüber", fährt Chamberlain fort, „daß Deutschland geneigt ist, in die Genfer Organisation einzutreten. Der Vertrag von Locarno ist gegen niemand gerichtet, bedeutet für uiemand eine Gefahr und bedroht niemand. ' . Wenn die Verträge von Locarno einen K r t ega uch nicht gerade unmöglich machen, so machen sie ihn doch sehr unwahrscheinlich und verhindern, daß irgend ein dunkler Zwischenfall zu einer Katastrophe führen kann. Es besteht Grund zu der Annahme^, schloß Chamberlain seine Rede, „daß wir in der Geschichte der Menschheit ein neues Blatt ausgeschlagen haben. Wir haben den Kriegsgeist zurückgelassen und die Nationen sind' ernstlich bereit, im allgemeinen Frieden zusammenzuarbeiten." (Lang anhaltender Beifall.) , Nach Chamberlain ergriff Mae Donald das Wort und stellte die Frage: Wird durch den Pakt, wie ein Negierungsmitglied behauptet hat, die Bildung einer deutsch-rnsfischen Verbindung verhindert? Chamberlarn verneint dies sofort. Mae Donald fordert hierauf Chamberlain auf, ntit den interessierten Regierungen die Frage zu prüfen, ob es nicht möglich sei, die Botschafterkonfer.en5, die ein Ueberbleibsel der alten Kriegsmaschine sei, zu b eseitigen.-Er erklärte, daß der Versailler Vertrag, revidiert und der gegenwärtigen Lage angepaßt werden müßte. Ue Iiebftiihle der SM«. Ein Jahr Gefängnis für die Gräfin Bothmer. - Spektakel« szenen. Aus Berlin wird berichtet: Der Diebstählsprozeß gegen die Gräfin El-inor Bothmer, welche zwei Wochen gedauert hatte, wurde gestern nachts beendet. Das Urteil lautet: Gräfin Bothmer ist in zwei Fällen des DieMhls schn-ldig und wird zu einer Gesaimtftrases von'einem Jahr Gefängnis verurtM. Drei Wochen davon gölten durch die Untersuchungshaft als Vevlmßt. B-ewährungssrist wurde nichts gewährt. Der' Antrag k).er Bevtetdtgttng auf Haftentlassung würbe ab ge lehnt. Die Gräfin erklärte: „Ich bin re it s chuldi g und wetm Sie mich totfchlagen. Ich Kä-mgft um die Ehre des Namens meines Mannes, mein-er Kinder und meines u n g eb 0 r e n e n -Kinde 3." Als der HatftentlasfttngsMtrag abgelehnt wurde,- Lief die .GMn: ,MorgM lebe ich.nicht mehr," C67A