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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-18 · Heft 2421 (18.11.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2421 (18.11.1925)
Date
1925-11-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Heck 4 Wen,Miwvch AmW-lmr der LMbarkeits« und der Fremdemimmersbgabe. Im sotzialdemskÄischen ^Mmderorsklub teilte der städtische Finanzrestrertt Stadtrat Breittrer mit, daß er trotz eines voraussichtlichen GebarnnMbganges von 62 Millionen Schilling im Jahre IM Ermäßigungen der Latpbarkeits- und der Fremdenzimmerabgabe in Aussicht nehme. Die Novellierung der Fremdenzimmerabgabe wird eine Herabsetzmrg dieser Steuer um -ie Hälfte bewirten. Bei Betrieben, die im Sommer j eine -schlechtere Frequenz onfweisen, gep diese SteuerbegüMgung noch Ger die Häkste hinaus. Für Luxushotels soll die Steuerbelastung in Hinkunft 20 Prozent nicht übersteigen. Tagegen wird für Sirmderchotett ein Zuschlag bis zu 2 K Prozent beantragt werden. Bei den Pensionen soll nach wie vor ein Drittel der Fremdenzimmrabgabe unterwovftn bleiben, und zwar so wie bei den Hotels mit 10 Prozent und -er Möglichkeit der Mstuifung nach der besonderen LeWngssichigkeit bis 20 Prozent. Bei der NovellierMg -er Lnstbarkeitssteuer für T h e a t e r und Ä o n z e r t e wird der Wyabesatz wie folgt «rmäßigt: Für TheaterauftiHrmigen mit ganz oder nahezu ausschlWich gesprochenem Wort, Opernaufsührungen und den in Konzertsälen oder TheatergebäuLen abgchgltenen Orchester- und Solist«:ckonzerten sowie KammermusMenden wird der künftige Abgabesatz 7 Prozent sein. Bon einem KvssapreiS von beispielsweise fünf Schilling ftic die Karte werden also an die Gemeinde 35 Groschen zu entrichten sein. Für Operetten und Revuen soll der Absatz 15 Prozent sein. In Verbindung mit dieser Ermäßigung will Stadtrat Breitner versuchen, der Frei kartenwirtschaft an den Leib zu rücken. Für di« Theater und Konzert« wird di« Benützung von amtlich an sgegebenenKarten vorgeschrieben werden, 'nne dies jetzt schon bei den Kinos und Ftchhallspielen der Fall ist. Aus Grund der für jede Vorstellung verlautbarten Kassapreise hat dann die Versteuerung zu erfolgen, jo daß auch a bgegebene Freikarten oder ermäßigte Karten von der Steuer nicht ausgenommen sein werden. Ferner werden vom Jahre 1928 an di« Laswutomvbtle, so wie schon jetzt die Motorräder v-Ntommen steuerfre i M. Stadtrat Breitnn teilte jedoch mit, -aß all« diese Steuerermäßigungen nur in Kraft treten, wenn die gegenwärtig geltende Abgabenteilrmg nicht geändert wird und der Gemeinde keine neue Lasten autzebürdet werden. Es wich ck den bezüglichen Steuergesetzen eine derartige BindnnMausel aufgemamnen' werden. Schließlich wurde noch beschlossen, die Hundesteuer für das Jahr 1986 von zehn ans zwölf Schilling zu erhöben. Damit jsi diese Steuer doll valyrisiert- Km VeMebrrMM-Mlte« bei d« Mae«. Der Hochofen in Etfmerz «rsM^en. Wie der Grazer Avbeiterwille" meldet, wurde in der gesttigen HauPtausschuWtzung der Betriebsräte her Alpinen Montange feilschaft berichtet, daß der Hochofen in Eisenerz aufdrei Monate abgedämmt wird. Bon der Belegschaft der Bergarbeiter am Erzberg werden ungefähr 35v Arberter entlassen werden. Dich Maßregel wich damit begründet, daß ein großer Bovrat an Graueifen angchäust sei, sür den sich keine Absatzmöglichkeit findet. Sie riMShle lmMevtt «astrarchiv. Der «rchivbich Dr. Hanck vor Gericht. Aus Berlin, 17. d., wird berichtet: Bor dem Schöffengericht Charlottenburg hat der Prozeß gegen den Krivatgelehrten Dr. Hauck und feinen Komplicen, den Kaufmann Karl Hoheirlocher, begonnen. Beide werden beschuldigt, aus zahlreichen deutschen und ausländischen .Archiven, darunter aus schweizerischen und römischen, besonders aber aus dem S t a a 1 s a r ch i v i» W i e n zahlreiche wertvolle Bücher und Autographen gestohlen z» haben. JiU Beginn der Verhandlung machte der Vorsitzende «geklagten Hauck darauf aufmerksam, daS Gericht sei überMgt, daß außer den Sases beim Wiener Bankverein in Wien und bei der Schweizer!- schenKreditbank, in denen er die gestohlenen Dokumente verbarg, noch weitere SaseS existieren, da noch zahlreiche Urkunden fehlten. Die entwendeten Urkunden würden auf eine BjertelmUlion Goldmark geschätzt. Dr. Houck bestreitet cmp energischeste, daß er noch weitere Dokumente gestohlen und auf die Seite gebracht habe. Er gibt seine Diebstähle prinzipiell zu, erklärt aber, sie seien nur aus seine abnormale sexuelle Veranlagung mruckmsühren. Sein Komplice Hohenlocher, der das Schneiderhandwerk erlernt hat, gibt sich für einen Urenkel der Fürsten Hohenlohö-Heching'^ aus. Der Staatsanwalt beantragte gegen ton Angeklagten Dr. Hauck rin« GesängnWras« von zwei Jahren, gegen den Mitangeklagten Hohenlocher sechs Monate Gefängnis, die tls durch die Untersuchrrngshast verbüßt erscheinen würden.- " i Wiener Morgevzettnng Soeben erschien Band ll der Weltgeschichte .de« jüdischenV olkes von S. M. Dubaow Die alte Geschichte des jüdischen Volkes. Orientalische’Periode. Vom Beginn der griechischen Herrschaft in Judäa bis ztt dessen Zerstörung durch die Römer. Autorisierte tfebersetzung aus dem Russischen von Dr. A. Steinberg. Der zweite Band dieser Monumentalgeschichte, die bis Ende des Jahres 1926 in zehn Bänden vollständig vor* Hegen wird, ist besonders interessant durch die neu« artige Darstellung des Kulturkampfes der Pharisäer und Saducäer. Ferner schildert dieser Band ausführlich und von neuer Gesichtspunkten aus die Epoche Jesu von Nazareth und die Entstehung des Christentums. Preis des Bandes bei Subskription auf das Gesamtwert S 20 (GM 12) in Ganzleinen, 8 25 (OM 15) in Haibieder. M Biiiiiig R. LÖWIT, Mkl. I. Fle^chntariti 1 Reiinivmulraue 22. MWMMl.1;,'...; -sf 1.,....,<nagäe~£5 Sr. gakoli Kahn gestorben. Vorgestern starb in feiner DM'nger Wchnung im Mter von 55 Jahren der bekannte Rechtsanwalt Dotter Jalvb K o h n. Der Vechlichene, der feine Studien in Wien absolvierte, -war einer der ersten jüdischen Hoch- Wler, die sich mit Begeisterung der j üb i sch na t los nalen Idee anschlossen. Dr. Jakob Kohn war'vi» anerkannter politischer Publizist uck» seine Arbeiten für die nationale Autonomie der Minderheiten m der alten Monarchie sowie seine Vorträge über bie Rentrissanee des Judentums erfreuten sich großer Beliebtheit. Der Berstoobem war so sehr von der Notwendigkeit der, nationalen Erziehung der Juden in der Wluth durchdrungen, daß er seinerzeit die jüdische Volk sparte!, welche sich die Mkschnationale politische Betätigung in Oesterreich zum Ziele gefetzt halte, twitbegründete, zu deren eifrigsten^Mitglieder er zählte» I In den letzten Jahren hat sich Dr. Jakob Kohn I inchr seinem Beruf und seiner Tätigkeit im Interesse der - Forderung jüdischer Ku tur unter der Döblinger jüdischen Jugerch gewidmet. In den Döblinger Wischen Kreisen stand Dr. Jakob Kobn verdientermaßen in Holm Ansehen und war viele Jahr« hindurch bis ain fei» LebemSende ein fichrendes Mitglied des Borstanides d«8 Te'mpelverrins Döbling, sowie verschiedener jüdischer Vereine und Anstalten im 19. Bezirk. Auch die GtandeSinteressen der jüdischen Rechtsanwälte in Wien fanden in dem nunmehr Verblichenen einen hingchungsvotten Förderer und die Wirtschaftsorganisation der Wüschen Rechtsanwälte wählte ihn zu ihrem Präsidenten. Di« Msch^lademMe Verbindung Unitas verliert in Dr. Jakob Kohn eines ihrer ältesten und treuesten Mitglieder. Das Himscheiden dieses allseits geachteten und verehrten Mannes wrrid in den weitesten jüdischen Kreisen, aber auch in den Bemfskbeisen ansrichtiges Bedauern erwecken. Dr. Jakob Kchn hinterläßt eine Mtwe, einen Sohn und eine Tochter, denen sich die allgemeine Teilnahme zuwendet. Das Leichenbegängnis findet heute um 12 Uhr mittags auf dem Döblinger Friedhöfe statt. «ne offizielle Mit derMen in Rußland. Aus New-A-ork wird uns berichtet: Das ruWche JNsormati'on'sb-ureoju in Wa,Mngton versendet . eine vom Nationalitätenrat in Sowjetrußland herausgegebene Statistik über di« Mische Bevölkerung in Rußland. Hiernach betragt die Zahl der Juden in SMetrüßland gegenwärtig- 2,800.000 Seelen. Im zaristischen Rußland lebten mehr als fünf Millionen Jochen. Infolge der LvslöMa Polens, Litauens, Lettlands und anderer Staaten von Rußland sowie der vielen Judenpogrom«, ist die Zahl der Juden im gegenwärtigen russischm Gebiet auf die oben angegebene Zahl gesunken. , Sie Juden betragen bloß zwei Prozent der Ge sa m 1 b e v öl ke r n n g von Rußland. 90 Prozeut der Juden leben in Städten. Mehr als 60 Prozent, und zwar 1,^00,000, wohnen in der ukrainischen Sowfttrcpublik, 600.000 (21 Prozent) in Zentrakruß la U d, 4 o 0.0 0 0 (16 Prozent) i it Weißrußland und o0.000 :n Transkaukasien, 18. November 1986 . . Nr. -M Der Peschästiguüg nach verteilen sich die Juden wir folgt: Arlgeistellte und Änbeiler Lö0.000, Landwirte 130.000, HandiverSer 905.000. Handelsleute und Personen ohne bestimmten Beruf 916.000. 800.000 Juden sind gewerkschaftlich opgEistert und betragen 5 Prozent aller Gewerkschaftler. Im Nadolge-werb« sind 84 Prozent aller Gewerkschaftsmitglieder Juden, in der Lederbranche 39 ProMt, im Kuustgewevt« 89 Prozent, im Leben'smittolgowerbe 35 Prozent, in der Geiwerbschaft der Sowjetantzeftellten L8 Pro-ent. Laut den offiziellen Angaben gab es im -Ja-hve 191? in Rußland 50.000 jüdisch« Landwirte, diese Zahl stieg zu Beginn deö laufenden Jahves M'f 100.000, und Ende Juni auf 180.000. Der anrtliche Bericht behauptet, daß die Sowjetregterung im Lause deS letzten Jahves an Mische Kolomsten 162.000 Acker Land in der Äkralne, 81.000 Acker in der Krim und 27.000 Acker in Weißrußland zugewiesen ha.be; der größte Teil des Bodens s«' in di-cftm Sommer bereits bearbeitet worden. Ssr Schachturnier in Markau. LaSkev siegt über Rubinstein. -- Cahablaireas fünftes Remis. Aus Moskau wird uns berichtet: Enthusiastischer Applaus tönte durch den großen Saal des Oteworkschaftshauses, als in der sechsten Runde des internationalen Schachturniers Dr. Emanuel Lasker als Nachziehender in einem 57 Züge umfassenden Damengambit seinen Gegner R u b i n st e i n, der die weißet: Steine führte, nach vortrefflicher, geradezu künstlerischer Behandlung des Endspieles besiegte. Da LaSker auch seine Hängepartte gegen R o m a n o w s k i, die dieser a u f g a b, als Zahler bllchen kann, so hat er den Stand Capablancas beretts erreicht und hat Überdies eine chancenreiche Hängepartie gegen Grünfeld auszutragen. Der Weltmeister Cava-- blanea hat in diesem Turnier bereits das fünfte Remis zu verzeichnen; diesmal war es der russische Meister R a b i n o w i c z, der in einem Damenbauerspiel Remis durch ewiger Schach erzielte. Die sechste Runde \m überhaupt durch zahlreiche Remispartien gekennzeichnet: T o r r e remisierte mit Spielmann, DuS-Chotimirskh mit Tartakower und GenewSki mit Gotthilf. Gewinne verzeichueten Marshall gegen Löwenfisch. Romanowski gegen Uates und WerlinSli gegen Ga e m i s ch. Die Partien Bogadi st schul gegen Bogoljubow und Reti gegen Zuboross blieben u n b e e n d e t. Pogoljubows Stellung gegen Bogadistschuk ist sehr chaneenreich. Grün seid war spielfrei. Dienstag werden sämtliche H ä n g e p a r t i e n aus den! ersten sechs Runden — es find ihrer nicht weniger als 10 — ausgetragen. j Stand nach der sechsten Runde: Bogoljubow 4*/, (1), Marshall 4 (1), Rubinstein. Dr. Tortakower ie 4, Dr. Laster 87* (1), Capablanca 37„ Bogadistschuk, Rabinowicz, Torre, Werlinski je 3 (1), Romanowski 87- (2), GenewSki 27, (1), Spielmann 2 (2), Löwenfisch 2, Saemisch, Dates je 17», Reti, Gotthilf je 1 (1), Dus- LPtimirsky 1, Grünfeld 7- M, Zubarosf 0 st). M Wisch« PalWnaeinwMerung. Die Periode vom 1. JSmer 1923 bis SV. Juni 1928. Bckkmntlich hat di« MWe Gmürandemug nach Palä>> sttn-a im Jahre 1935 einen starken Aufschwung genommen. So sind w den Monaten Jenner bis Jnni IM IHM Mische Einwanderer nach Palästina gelangt, entgegen nur 4380, rojpMÄe 4743, respektive 8M in den enHpvechenden Periodett der Jchre 1922. 1823 und IM Auch ihrem Charakter nach untevschswet sich die neu« Einwanderung wöftMich^ von der der früheren Perioden. Whtend sie früher in der Hauptsache aus Leuten — zumeist jWgru Challu-im — bestand, die der arbeitenden Klasse «Mhörteu oder von Angch'örigen in Palästina ckhängig waren, Weht der Mrwiegende M der EinwMbsrun>g der Jahve IM und 1935 aus FamMen, di« den mittleren und wchlhabeivden Klassen angchöven und mr mchr zu einam geringen Teil auS Arbettevn und UnbemNelten Uchvr dies« Aendermg des l Charakters der EimoandMMg gib nachstchrnde, auf Grund von osstzielten StetPiten zusammen gestellte Daibelle Aufjschluß: g?r!k E 1938 1934 8 1.822 ''17'/,) 967 (13%) 5.981(41%) C 159.(2%) 24 - 0/ D 8.169 (41% 2,048 (28^0) 2194 <17%) E 8.161 (40%) 4,31<7 (58%) 5.848 <42%) P 49 85 yst Summe 7.844 7,4^1 12.856 Kote- Jänner-Juni Gestimmte gorie 192y summe v 7.060 (45%) 14.630 l34%) C N ~ 181 v 2.890 (Wt) 10.801 (24«'0) E 8.4 0 81%) 18271 (42%) F 120 283 Summe Ib.üOO 48.621 Anmerkung. Kategdtte v bedeutet: Aap talisten, die zum dauernden Aufenthalt tnS Land komme«. Kategorie v bedeutet: Fronen, Kinder und andere Leute, die von Palästinenser:: abhängig sind. Kategorie E bedeutet: Par onen mit fester Anstellung (Zeo tifikate). Ratesorie 5 bedeutet: Leute religiöser Berufe mit eigenen Mitteln.

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