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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-18 · Heft 2421 (18.11.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2421 (18.11.1925)
Date
1925-11-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M, Mi Men, mmt MEerizeriuira •iS. 'icovemoer mn SeSs 8 Herbst, ein Jude, ivar ein gebürtiger Oe^'terreiche r. Langd Zeit war er bulgarischer' Berichterstatter der „Neuen Freien Presse" und trat dann in die Dienste Bulgariens. Vertrauensmann-des früheren Königs Ferdinand, wurde er dm diesem 'zum Leiter des. bulgaris chen Pressedienstes ernannt. Nach der Abdankung - König .-Ferdinands schloß sich Herbst k e i n e r Partei an; er gab eine unabhängige Wochenschrift (,Mk"), dann nach deren Einstellung eine unabhängige Tageszeitung,M. B. C", und als auch diese ihr Erscheinen vinstellen mußte, ein zweimal täglich erscheinendes Matt $£' heraus. In diesen Organen nahm Her,bst scharf gegen dke nach dem Sturz der Stambnliiski-Regierung erfolgten politischen Morde Stellung. Irr ungarische Numerus clausus vor dem Mllerbuudrat. Eine Feststellung des Joint Foreign Committee. Wir 'berichteten dar kurzem über die bevorstehende Behandlung einer Eingabe des Joint Foreign Commi tte e in London durch den Völkerbundrai wegen Abschaffung des Gesetzes über den Numerus clausus in Ungarn. Wir meldeten auch, -daß die sogenannten Mrenden Kreise der ungarischen Judenschast die Mion des I. F. C. als eine Einmengung in die inneren Angelegenheiten Ungarns verurteilen. Das Sekretariat des Foreign Joint Committee ersucht uns nun, festznstellen, daß es seine Mion von Anbeginn nicht so sehr auf die Klagen der ungarländischen Juden begründete als auf die Reaktionwelches dieses Gesetz in allen Staaten aus ge löst hat, indem der Fortbestand des Nunverusclausus^Gesetzes in Ungarn zu einer unausgesetzten Zlgitation in gleicher Richtung in anderen Ländern geMhrt hat. Die Mion wurde auch mit Rücksicht auf die schweren materiellen Lasten notwendig, welche den Mischen Gemeinwesen und Anstalten des Auslandes durch die aus den ungarischen Hochschulen infolge des Nmuerusckur,sus-Gesetzes ins Auslaß vertriebenen jüdischen Studenten, ganz besonders in Deutschland. Oesterreich, Tschechoslowakei, Italien, Schweiz und Frankreich erwachsen sind. Dieser Gesichtspunkt wurde auch.in der Eingabe, welche das Joint Foreign Committee am 1. Jänner 1925 dem Völkerbund unterbreitete, hervorgehoben. In dieser Eingabe heißt es unter anderem: „Das.Joint Foreign Committee erachtet es für notmendig, festzustellen, daß es zur Ueberreichung dieses Ansuchens an den VMrbundrat von der ungarländischen Machen Gemeinschaft als organisierter Körperschaft ke'.n hestmrmtes' Mandat besitzt, 'wenn sich auch jüdische Gesellschaften und Einzelpersonen in Ungarn, wie auch jüdische S t u d e n t e n, die infolge des Numerus claususaus dem Lande vertrieben wurden, mit Aufrufen behufs Einschreitens an uns gewendet haben. Die Gründe, welche die Führer der ungarischen Juden davon abhalten, selbst an den Völkerbund zu appellieren, wurden kürzlich in den (hier beigeschlossenen) Reden des Präsidenten und Vizepräsidenten der Bndapester Gemeinde dargelegt... Die internationalen Folgen des ungarischen Numevus-clausus-Gesetzes sind jedoch so ernster Natur, daß es dem Joint Foreign Committee ohne Rücksicht auf die Haltung der offiziellen Kreise der ungarischen Juden unmöglich ist, auf ein Urteil des permanenten Gerichtshofes zu verzichten." Iövi che Maler i« Paris. Es wurde in der letzten Zeit viel. über die Wischen Schriftsteller in Frankreich gesprochen, die, sei es durch das Wesentliche ihrer Werke oder bloß durch spastische Merkmale ihrer Rasse, eine neue literarische Strömung in der modernen französischen Literatur geschaffen halben. Demgegenüber wurde bisher der Frage nach dem Anteil jüdischer Maler an der modernen französischen Malerei kein großes Gewicht boigelegt, oHwar der schöpferische Geist des regenerierten Judentums sich auch aus diesem Gebiet im höchsten Maße äußert. Vielleicht geschah dies aus der einfachen Tatsache heraus, daß das französische Publikum, daß der lateinische Geist schon seit scher geneigt ist, nicht die Personlichlkeiten einzelner Maler, sondern vielmehr das koÜeMe lnalerische Genie in der f r a n z ö fi s ch? n Malere i, die doch die letzte klassische Malerei Europas ist, zu «Micken. So werden Picasso, van Dongen, . Kisging, Soutin Und viele andere nicht als ausländische, sondern als rein französische Maler betrachtet, da ihr gesamtes Schassen ja in der Tat -bet großen französischen Schule angehört. Trotz alledem lassen sich selbst in diesen als rein französisch verschrienen neuen Werten spezifische, der Rasse 'französisch verschrienen neuen Werten spezifische, der Rasse Und Fnidividwalität, der nationalen und kulturellen Zugehörigkeit entspringende'Werte in den einzelnen Produktionen dieser Künstler eMicken. Es' ist, wie ein französischer Journalist mit viel Geist bemerkt hat, ein mit all den fremden Zutaten gewürztes Gericht, das aber schließlich doch ein französisches Gericht blei'bt. Wer wie in der Literatur, <so auch in der modernen Malerei läßt sich schon eine starke Strömung feslstellen, die für die rein jüdische plastiische Anschauung nach AusdruckÄmittM ringt. Als Charakteristikum mag angeführt werden: Zum ersten Male wird in den Pariser malerischen Kreisen ein ernster Versuch unternommeneine Gruppe jüdischer Maler zu gründen, also nicht nur derjenigen Künstler, deren Merke WM Themen behandeln, sonder all jener, Im weiterest Ber'lastfe pes Kommuniques wirb, was auch nicht $t bezweifeln ist, festgestellt/'daß die Intervention im Singe-des Artikels 60 des Trianoner Friedensvertrages gesetzlich zulässig ist. Wir haben gleichzeitig mit der ersten. Meldung der' unverantwortlichen Haltung der assimilatorischen Führer des ungarischen Judentums in 'der „Wiener Morgeuzeitnng" denselben Standpunkt vertreten, der in dem oben mitgeteilten Commumque des Foreign Joint Committee zum Ausdruck gelabt. Auch wir waren von. allein Anfang an der Ansicht, daß die Frage , des Numerus clausus in Ungarn mit Rücksicht auf ihre politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Ausländ ausgehört hat, eine innere Angelegenheit Üngckrns zu sein. Ueber die gesetzliche Zulässigkeit einer solchen Intervention hgt ja der ungarische Ministerpräsident, Graf Bcthleu, selbst, wie gleichfalls bereits gemeldet -wurde, hie ungarischen Juden eines Besseren belehrt. ' Las Wahlrefultat in der MechoflolvM. 145 oppositionelle, 155 Koalirionsmanvate. Prag, 17. November. Soweit sich die vorliegenden Stimmenergcbuisse übersehen lassen, steht bereits 'fest, daß di>e Oppositio-nsparteien des früheren Hauses verstärkt sind. Man kann die augenblickliche Stärke der Opposition wie folgt schätzen: 69 Deutsche, 37 'Kommunisten, 20 slowakische Llutonomisten, 15 Magyaren, 4 Polen und Ruthenen. . In Koalition stressen schätzt man die Zähl der Koalitionsmandate für das nächste Par- .lament wie folgt: Agrarier-43 (früher 40), Koinuumisten 42 (19), klerikale Volkspartel 32 (20), tschechische MtionalsozialisteN 29 (24), tschechische Sozialdemokraten 29 (52), Nationaldemokraten 13 (22), Gewerbepartei 13 (6), Demnach sind 145 Oppositionelle von 300 Mandaten. Mit der tschechischen G-e werbe Partei, die zehn bis zwölf Mann zählen dürfte, kann,, eine allerdings schwache Mehrheit' der Regievungskoalition gebildet werden. Die Sentttswahlen. Prag, 17. November. Von den 150 Senatsmandaten sind nach den vorläufigen Ergebnissen 89 i m e r st e n S t r u t i u i u m besetzt worden. Es hab en erhalten: Die republitamscho Zlgrarpartei 15, die Kommunisten! 13, die tschechoslowakische Volkspartei 11, die slowakische Volks-Partei 10, die tschechoslowakischen Sozialisten- 9, die tschechoslowakischen Sozialdemokraten 8, der Buich der Landwirte 7, die dmtschen Sozialdemokraten 5, die Deutschnationalen und die deutschen Christlichsozialen je 3, die Mtionalldemokraten. 2 Mandate,^ di>s ringarische christliche Landespartei, die. tschechoslowakische Gewerbe- Letzte Kurse. . New-Bork, 17. November. (Tel.-Kompt) Berlin 23.80, London Kabel 4.84V,, London Scheck 4.80V«. Amsterdam 40.25, Paris 4.01V«, Lrlissrl 4.63V.. Rom 400. Llladüd 14.28,' Zürich 19.28, Stockholm 26.76., Oslo 20.43.. KopenhagLn 24.94, Wien 14V,«, Budapest 14V.. Prag 296V.. Belgrad 117% Athen 1.34, Buenos Aires 4l"/i«, Rio de Janeiro 1445. Bukarest 4ß% New-Bork, 1f. November. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 118% Weirm hart Winter 179»/.. Mais 100V«. Hafer 47»/«. Roggen 90V«. Chikugo, 17. November. <Tel.-Komv.) Weizen per Dezember 156V«. Mai 154 Juli 134V.: Mais per Dezember 76>/„ Mai 805/s Juli 81->/«; Hafer per Dezember 38V«. Mai 43V.. In" 43V« - Roaaen ver Derember 84V« Mai 91 Juli —. deren Väter Juden waren und die in sich bewußt oder inl Unterbewußtsein die Erinnerung langer Jahrtausende tragen, tragen müssen. Wird diese Gruppe, diese Strömung, deren Geburtshelfer der berühmte französische Dichter und Kunstkritiker Gustave C a h n und der junge, temperamentvolle Maler Leon Weißberg.sind, von Dauer sein oder, wie manche andere, nur einem ephemeren Dasein verfallen? Das läßt sich heute noch schwer prognostizieren. Jedenfalls steht es schon heute fest, daß dieser Versuch keine zufällige Erscheinung ist, nicht dem Imperativ der Mode. entsprungen, sondern vielmehr den Ausdruck unserer Zeit und ihrer Notwendigkeit in sich birgt. . Unter den. vielen französischen Malern, die innerhalb der letzten Zeit in den drei großen offiziellen Salons und in der Menge einzelner Expositionen ihre Werke ausstellen, ist hie Zähl der j ü d i s ch e n M a l e r keine geringe: Viele unter ihnen lenkten sogar die Aufmerksamkeit des Publikums und der Kritik auf sich, nicht nur durch ihre rein malerischen Qualitäten, sondern auch durch die spezifisch jüdischen Merkmale in der Konstruktion ihrer Werke. So hat zmn Beispiel Waldemar George, einer der populärsten Pariser Kritiker, der selbst Jude ist, und Francis .C a r c o auf^as jüdische Element in den Werken des bereits erwähnten Malers Leon Weißberg, die im letzten „Salon d'Automne" großen Erfolg hatten, hingewiesen. Die Werke dieses begabten jungen Menschen sind tatsächlich eine, starke Offenbarung der gesteigerten Sehnsucht jüdischer Pshchik nach Form. Alles) was die jüdische Seele auf ihrer Wanderung durch Jahrtausende erlitten, alles, was sie in sich ausgenommen oder auf Irrwegen verloren hat, hat unverwischbare Spuren hinterlassen, die die ewig schöpferische, ewig wachende Intuition eines Künstlers zu gestalten sucht. In den Werken Leon Weißbergs kann man gleichzeitig die unendliche Traurigkeit und'die ewig junge, singende Hoffnung seiner alten Rasse erleben, die nun aus der Verschwommenheit des Ghetto, des Anachronismus, nach starker, unzweideutiger Form sucht. Es ist mnfo interessanter, als sich dieser Künstler nicht ausschließlich ans jüdische Themen beschränkt, sondern vielwoP mH einer MiMselDr Oev jüdisch, un'iverseM Reich zu werden ist heutzutage leichter als früher. Das letzte Geheimnis des Erfolges der Milliardäre, der's i c h e r st e Wegweiser zu Reichtum, Macht und Ansehen - ist die Dazu bedarf es stählerner Nerven, einer widerstandsfähigen und widerstandskräftigen Konstitution u. einer kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf DIANA Franzbranntwein mit Menthol gebraucht, stählt seine Nerven, macht die Konstitution wider, standsfähig, kraftvoll und schafft eine kampffreudige Ausdaue UeberaU erhältlich Diana-FrtuizbriiiiiMii - Produktion - Ges. WIEN, 18. PRAG, VIII.« Engerthstrasse 169 Lieben, Dtrahobeljova 1073 Partei und die dvutfchnationale sozialistische Arbeiterpartei je c n n Mandat. Ein Wuhlnachfpiel. Preßbmg, 17. November. (Tfchischchww. ■ Pr.-Emr.'/ Die Anhänger der Volkspartei Haben gestern abends iu der Gemeinde Zavody bei Malacky den Sekretär der LMÄWirtevevomMNg Paul Pavelek bedroht. Sie .beschiimpften ihn und schlugen in seiner Wohnung die Fenster ein. Pavelek gab in der Notwehr aus einem Gewehr Schüsse ab, wobei er Josef Schesch okak schwer verletzte, der in'die Staats'krankenanstalt nach Pr-eßbupa üherführi wurdv. _ Nadir tritt ins Kabinett Pasir ein. Belgrad, 17. November. (Tel.-Komp.) Die politischt Sensation des heutigen Tages ist die völlig unerwartet erfolgte Ernennung des Führers der kroatischen Bauernpartei Stephan R a d i c zum U n t e r r i ch t s m i n i st e r. Radic traf heute morgens in Belgrad ein und wurde im Laufe des Tages vom König in Aildieuz empfangen. Nach Beendigung der Audienz erklärte Radic vor Pressevertretern, daß König Alexander ihm das durch den Rücktritt be§; Ministers Vukicevic erledigte Unterrich t spyrtefeuillc an geboten habe. Radic hat-das Portefeuille angenommen. Das Dekret über seine Ernennung wird morgen herausgegeben werden.' MtenlMIan gegen die LeWger Synagoge. Zwei HakenkttuAer verhaftet. Leipzig, 17. November. Die hiesige Polizei teilt nrit, >dast mehrere Mitglieder -einer rechtsgerichteten Organifatisn gchlgnt hätten, die Loi-pzigev Gemeindefynagoge in di-e Luft zu spreng'en. Zwei Mitgli-eder,- ein diplomierter Landwirt und ein Goldschmied, seien der Staats anwaltschaft überwiesen worden. Weltanschauung sucht. Und noch mehr: sie hindert das rein Künstlerische zum Aufblühen nicht, weil'er diese Weltanschauung nicht mittels des Intellekts, sondern durch die a-ufgespeicherte, eruptive Kraft seiner Gefühle zur lebendigen künstlerischen Gestalt zwingt. Auch vom rem malerischen Gesichtspunkt aus betrachtet, geben seine Werke hauptsächlich das, um was sich viele heutige Maler vergeblich bemühen: eine visionäre Welt, die jedoch immer mit der Wirklichkeit -in Kontakt bleibt, an die er selbständig und ohne fremde Einflüsse direkt herankommt und sie gleichzeitig mit einer soliden, fast meisterhaften Technik verbindet. Dieses teilt’ jüdische Element tritt auch bet jenen. Möcelern hervor, .die es oft sogar bewußt wom ihrer Produktion trennen möchten. So hat zum Wispiel der. bekannte Pariser Kunstkritiker Florent Fels den erfolgreichen „französischen" Maler Kisling als Men jüdischen Künstler bezeichnet und auf die spezifisch jüdischen Züge seiner Mlerei hingewiesen. Und mit Recht. In all den „spanischen" Mädchen, „spanischen" Jünglingen und Greisen, die zu KiÄings Lieblingschcmen gehören, lassen sich unverkennbare Spuren, jüdischen Charakters und Dempemments konstatieren. Auch' der neu „entdeckte" Suttin, dessen, Bilder auf hem offiziellen Kilnstmarkt 'Ger Nacht zu Phantastischen Preisen gestiegen sind, ist Jude und Jude in seinen Werken. ' Don den nnzähligen jungen und jüngsten jüdischm Malerit in Paris,, deren Namen immer mchr ^in die Oeiffentlichkeiit dringen, sind hauptsächlich noch zwei zu nennen: Ab erd am und Menkes, deren Bilder sehr beachtenswert find. Besonders Menkes, der stotternde Mann mit dem phantastischen Elowngesicht, schafft in seiner, Malerei damrnde Werte von sublimierter Eleganz und Freude. Seinen köstlichen Stilleben Haftel noch der Urduft des evstein'SchöPfnngstages an. Wie -her/blinde Sänger des Altertums sein Lied und der taube Musiker seinen inneren Rhythmus bis ins letzte hinausfpvudelten, so Vevsiunlicht dieser sonderbare jüdische Künstler in der Malerei alles das,, was in Worten auszusprechen die Natur Hm Mt gegchen Hatz Wasser. / i

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