Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2421 (18.11.1925)
- Date
- 1925-11-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Mittwoch fast gänzlich aus zionistischen Fonds bestritten wcrwi. Die Tatsche, daß di^ Zionistische Organisation und andere stldische Organisationen so große §»»imen für Er;:ehnnaszwecke ausgeben, bildet vermutlich die Entschuldigung^r Negierung, daß sie keine größere Quote aus den Einkünften des Landes zu den Ausgaben für Erziehung beiträgt. Aber dich Entschuldigung ist nicht stichhaltig. Die Einkünfte des Landes ergeben sich aus der Besteuerung der gesamten Eiuwohnerichaft, und der von dem jüdischen Teil heute gezahlte Anteil ^infolge ihrer größeren Wohlhabenheit und geschäftlichen Tuchtrgkelt verhältnismäßig hoch. Wenn die Zuschüsse gerechter verteilt würden, hätte die Zionistische Organisation mehr Geld für Siedlungs- und andere Zwecke zur Verfügung obet selbst für die Zwecke einer höheren Erziehung. Wenden wir uns nun der Bodensrage äh»' AM 6 des Palästinamandats bestimmt, daß die geschlossene Siedlung der Juden auf dem Lande, einschließlich für öffentliche Zwecke nicht an geforderten Staats- und unbebauten Landes, gefördert werden soll. Weny man vergleicht, wis die Auswanderer nach den britischen D'mimons durch die Regierungen mit Land versorgt werden, Mandatarmacht in Palästina keine übertriebene Freigebigkeit vorwerfen. Verglichen mit dem Ver- ^ten der türkischen Regierung vor dem Kriegs, wurde oer Zionistischen Organisation in dieser über alles wichtigen Landfrage tatsächlich kein viel größeres Entgegenkommen gezeigt. - istwahr, daß die ursprünglichen Konzessionen der türkischen Behörden für die Pacht der Kabarra-Sümpfe erneuert und bestätigt worden sind. Aber zur Austrocknung dreser Sümpfe und zur Bekämpfung der Malaria waren große Kapitalsanlagen erforderlich, und die Kosten wurden aus jüdischen Fonds gedeckt. Es herrscht ein richtiger Landhunger in Palästina? Me Fonds der Zionistischen Organisation sind begrenzt. r Eöuute und sollte geschehen, um die Landansiedlung zu fördern. Es ist unmöglich, irgendwo ohne dre tatkräftige Unterstützung der Regierung Kolonisten im Laude anzusiedeln. Das beweist die Geschichte aller briti- Hen Dominien jenseits des Meeres. Nehmen wir den Fall Kanada. Nicht nur.wird angehenden Siedlern das -mnd umsonst oder zu sehr leichten Zahlungsbedingungen gegeben, sie erhalten auch noch eine Prämie von 15 Pfund?opf und sind für drei Jahre von Sickern befreit, sehnliche Erleichterungen gewährt man in Australien, der Kolonie Kenya und anderen Landern unter der britischen Flagge. Die jüdischen Siedler in Palästina erhalten keine bitb 3um künstlich hinäufgettiebenen Maifttom verkauft und der Kolonist hat von dem Augen- E strner Mlkunst an Steuern zu zahlen. Nur wenig rst bisher geschehen, um -den Siedlern Kronländereien zu über.ragen, und es ist zu bedauern, daß man es nicht sur möglich gehalten hat, eine Reihe von agrarischen Reformen durchzuführen, um die Güter der großen Land- Mltzer aufzuteilen, wie dies durch die Regierung anderer Ä^^ ^m BeisPlel Rumäniens, Polens, Ungarns und Manos, geschehen ist. dkun zur Frage der Immigration. Nur etwa ein Drittel^der erngogangenen Gesuche wurde bewilligt und es wird eine nur allzu sorgfältige Auswahl getroffen. Wenn dve Regierung der Bereinigten Staaten während der Jahre des großen Aufschwung in Amerika im letzten Jahrhundert eme solche Politik verfolgt hätte, wie sähe L . ^**0 der Vereinigten Staaten heute aus? Es ist Sünbc' erst besiedelt und entw« werden M. denjenigen, die sich anzusiedeln beab- Uchtigen. unnötige Schwierigkeiten m den Weg zu legen. Es Me mcht zngetaffen werden, daß ein Mann wegen keiner politijichen Ueberzeugung verhindert wird, mit feiner Familie nach Palästina zu gehen, wenn sie sonst -dazu geeignet sind. Wenn des Mannes politische Absichten bei den herrschenden Mächten Anstoß erregen, so sollten sie genügend Vertrauen zu der Gerechtigkeit und Vortrefflichöelt ihrer eigenen Verwaltung haben, um darauf zu 1 T1?,011/. M ^ine Ansichten 'nach einem kurzen Aufent- ^rb<It’ ^Eald er erst die Segnmmen der brrtischen Herrschaft genießt. Vergleichen wir diese Verwaltungsmethoden mit denen, ri* Sowjetregierung bei der geplanten Ansiedlung Mischer Kolonisten in der Krim anwendet. Den Michen Lredrern, die nach der Krim gehen wollen, wird die größtmöglichste Förderung zuteil. Sie sind auf Jahve' hinaus von allen Steuern befreit und 15.000 Deßjatinen früherer Kvoniändereien wurden bereits den jüdischen Ansiedlern m der Krim zugewieson. - .. ® wäre ein« merkwürdige Laz« der Ding«, toem die gto^ece FreieebiHkeit der russischen Regierung «eeenAer den indischen Siedlern in der Krim der englischen Regierung der Mndatarni-cht in Palästina und der ZionPlschen Organisation typ Boden unter den Füßen aögväben würde. Die Unglücks Propheten haben alle Arten von Unrichen gewei'Lsagt, wenn der große Plan der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina ' verwirklicht werden würde. .Es wurde gesagt, daß es dauernd Reibungen und Streitigkeiten mit den Ambern geben würde, daß Aufstände und Revolutionen, Unruhen und Bürgerkriege ausbrechen würden. Wie steht es in Wirklichkeit? Mit Ausnahme geringfügiger Störungen herrscht Mt Jahren vollständiger Friede in- Palästina. Einige Meilen we-iter nördlich liegt das französische Mandatslond Syrien, das auch von Arabern bewohnt ist und — .nebenbei gesagt — von Arabern auf einer höheren Stufe des Fortschrittes, und dev Zivilisation- > alsdie.' Araber , Palästinas, und daher wohl von friedlicherer Ed di e Gesetze mehr achtender Gemütsart. In Syrien W'es Unruhen der ernstesten Art. Die französische Negierung Wiener Morgenzeitung —> 1.« M.'iU...» «■ i-, ».I. 18. November 1925 Nr. m Steigers Wiener Aufenthalt. Die ReW-ne» der Wiener Polizei. - Die ElaubwiikWeit der Seugin Ledl. - Lle Ansmgea der Wiener AechtronNivlts l>r. Waldmann in der Lllchansli-AffSre. (Bott unserem ^.-Korrespondenten.) neben ihm gesehen, also, wie bereits sestgestellt ist, di? Lembergs 17. Novelnber. In der heutigen Verhandlung wurden vom Vorsitzenden über Wunsch der Berteidi- 1 gütig aus den Prozeßakten die Erhebungen der Wiener Polizei über Steigers Wiener Aufenthalt zur Kenntnis gebracht. Diese Relationeu betreffen die Zeit, da. Steiger zu Studienzwecken in Wien wellte; sie berichten über seinen Verkehr, seine gesellschaftlichen Beziehungen in Wien und dergleichen; von einer kommunistischen Betätigung Steigers " er einem' Verkehr in Wiener Kommunistenkreisen ist nichts.erhoben worden. Ties ist im Hinblick aus die in verschiedener Beziehung unglaubwürdige Anssage der Zeugin Viktoria Ledl von Wichtigkeit, da bekanntlich, Frau Ledl von einem Beamten der Wiener Polizei erfahren haben wollte, Steiger sei hier als Kommunist polizeibekannt gewesen. . . Auch im Hinblick auf ein anderes wesentliches Detail hat >'* heutige Verhandlung einen Beitrag zur ttnglaubwürdi gke it der A « s f agen der Ze ug in Viktoria Ledl geliefert. Der heute als Zeuge vernommene Beamte der Landwirtschaftlichen Bank, Lcsniak, gab an, er sei zur Zeit des Attentats aus der Plattform, eines Straßenbahnwagens gestanden und habe von dort aus den Bombenwurf gesehen; den Attentäter sah er nichl, doch ist nach seinen Wal"-"chmungen die Bombe nicht vom Trottoir aus, sondern allem Anscheine nach v o m F a h r w e g a u s geschleudert worden. Der Zeuge sah auch von fernem Standort aus die Verhaftung Steigers, den er vorher nicht bemerkt hatte; über Befragen gab er an, er habe im Augenblick der Verhaftung Steigers nur eineDame Pasternak; eine zweite Frau sah er nicht. Damit ist also, wie schon mehrfach, die Behauptung b<i\ Viktoria Ledl, sie sei bei der Verhaftung Steigers anwesend gewesen, und habe zusammen mit der Pasternak Steiger. festgehalten,, abermals durch einen Augenzeugen Widerlegt. Es wurde dann eine Anzahl von Zeugen vernommen, deren Aussagen nicht von Belang fhib Die Liste der Zeugen ist bis auf verhältnismäßig wentg Personen naln-zu erschöpft; es steht von bedeutsameren Zeugen noch der Ukrainer M i k i t i n aus und überdies hat noch daö Gericht über die gestern vom Verteidiger Dr. R i n g e l gestellten Anträge auf Einvernahme des Zeugen Finel und eimger anderer Personen zu entscheiden. Be« normalem Verlauf dürfte das Z e n g e n v e r h ö r E n d e der Woche abgeschlossen sein. Am Schluß der heutigen Verhandlung machte der Vorsitzende Mitteilung, daß dem Gericht dir Protokolle der Aussagen zugekommen seien, welche der Wiener Rechtsanwalt Dr. Israel Waldmann im Zusammenhang mit der O l s ch a n s k r - A s s ä r e behördlich abgegeben hat. Sie beziehen sich auf die dem Dr. Waldmann von ukrainischen Politikern und AlrgehöQ-- i gen ukrainischer revolutionärer Organisationen gemachten Mitteilungen darüber, daß die ukrainische Militarorganisation das Attentat von Lemberg initiiert habe. Das Gericht wird, wie der Vorsitzende mttteilte, diese Protokolle durchstudieren und dann seine diesbezüglichen Entscheidungen troffen. steht einem furchtbaren Ausstand des Volks gegenüber., Und in Syrien gibt es keine jüdische Frage, und es wurde kein Versuch gemacht, jüdische Kolonisten auzusiedeln. Die alte, berühmte, schön« Stabt Damaskus wurde einem Bombardement ausgesetzt, das an das Vorgehen, der Deutschen in Luovain erinnert. Es wurde dringend nötig, Truppen aus Marokko nach Syrien zu senden, um die Macht der französischen Behörden zu festigen. Und was das Merkwüchigste ist: die syrischen Araber weisen' auf. das besiere Los ihrer Prüder in Palästina W und ver-, langen die gleiche Behandlung! Diese Tatsachen, die nicht geleugnet werden können, sollten die letzten Reste von Angst und Zweifel aus den Köpfen der Staatsmänner dev Mandatarmacht hinwegraumen. In Palästina, einem östlichen Lande, Abt die Zionistische Organisation Geld für wissenschaftliche Forschungen, für Landwirtschaft, Bekämpfung von Krankheiten, Ausrottung der Malaria, Vernichtung' von Wanzenparasiteu, Anstrocknung und Urbarmachung von Sümpfen, Anpflanzung von Bäumen auf den Bergen. Die Zionistische! Organisation läßt Landarbeiiern und künftigen Bauern, die nach Palästina zu gehen beabsichtigen, eine Vorbereitung und Ausbildung zuteil'werden, die diejenige weit übertrifft, die Auswanderer nach Australien und Kanada erhalten. Eine Regierung mit gesundem Menschenvevstmid sollte solche Bemühungen willkommen heißen und die Tatsache begrüßen, daß diese großen Änstrengungen und Kosten, an ein Land gewendet werden, 'für das Großbritannien die Mandatarmacht ist. ] Kampfe an der stzM-paliistinenfi' Wen Grenze. Die Drusen bei der jüdischen Kolonie Metullah. London, 17. November. ,Daily Expreß" mittet aus Jerusalem: Der Oberkommissär in Palästina, Lord Plumer, ernannte Gerard zum Obevkommandanten der Luftstteitkräfte im H u l e h d i st r -i k t in der Nähe der syrischen Grenze. Metullah, die , nördlichste Mische Kolonie an der syrisch-palästinensischen Grenze, wird von den Drusen stark bedroht. Die .ganze Gegend wurde als m i l i t ä r i s ch e Zone Märt und steht.unter Kriegs recht. Die britischen Truppen in T r a n s j o r d a n i e n haben Befehl erhalten, die Drusen aus die O st s e i t e des'Flusses zu verdrängen. Im der Gegend von Je de i da haben die Drusen, am Samstag noch iden letzten Angriff versucht. Zahlreiche Drusen kamen, in M e t u l la h an, übergaben ihre Waffen und baten die britischen Behörden um Schutz. DieFranzofenbombardierten Iedeida. Die britisch-en Truppen werden rasch nach Metull a h.gebracht, und englische Aeroplane überfliegen ' die fratvMsche'Seite'der Grenze, da die-Franken ihre Posten vevlassen haben. ' ein Wischer Wskomltll füt ramAilur. > Aus London wird uns berichtet: Führende Pers sönlichkeiten der englischen Judeuschast haben sich sofort nach Beikanntwerden >der Vorgänge in Damaskus, bei -Mchen auch zahlreiche Juden an Leben und Gut geschädigt wurden, anfranzösisch-jüdische Kreise mit dem Vorschlag gewendet, eine gemeinsame Kommission zur Feststellung der Lage der Juden in Damaskus zü wählen, deren Ausgabe es auch sein soll, je nach Bedarf eine'entsprechende Hilfsaktion zugunsten der notleidenden Judenin Damaskus und Syvien einzuleiten. Der Vorschlag wurde von französisch-Wischer Sette angenommen u!td di« Untersuchung der Verhältnisse. in Syrien ist bereits in vollem Gange. Nor dem Gtojttg der Wahabiten in Medtua. Bombay, 15. November. (Reuter.). Mch glaBwüvdigen Berichten aus Medina haben die dortigen Einwohner Jbn Saud eingeladeu, nach 'der heiligen Stadt zu kommen, um ihre Unterwerfung entgegenzunehmen. Der Fall Medinas, das die Wcchaiöiten unter Jbn Saud seit mehreren Monaten belagern, werde für unmittelbar bevorstehend angesehen. PMever Fd>a«zplm gMert? Die Soziattste« ziehen ihren GeMentwurf zurück. Paris, 17. November. (Havas.) Die s o z.i a l i st ische Gruppe hat mit 36 gegen 12 Stimmen beschlossen, iihren finanziellen G-ögenentwurf m der Kammer nicht zu vertreten. Es werden jedoch zwei oder drei foziaWsche Redner die Ansichten der Partei über die Finanzaktionen seit 1Ä9 'darlegen. Die Sozialisten beschlossen ferner, für di« Regierungsborlage zu stimmen. Damit scheint eine gvoße Gefahr' für die Regierung beseitigt. Die sozialistischen Redner werden vevmMch Leon Blum, Binzent Auriol und Bedouee sein. Di« Kammer hat die Beratung, des GeWntwürfes betreffend die außerordentliche nationale Abgabe bereits begonnen. Eine Rvihe von oppositionellen Rednern ergriff das Wort. Es sind insgesamt zirka dreißig Redmr dorgmerkt. An Wirner gournalift k« Sofia lebend verbrannt? Wie der „Abend" berichtet, soll in S o s i a der Journalist Joses Herb st, der nach dem Attentat aus die Sosioter Kathdrale am 16. April d. J. in Hast genommen und ins. Gabä-nd-e der öffentlichen Sicherheit gebracht worden war, zusammen mit seinem Mitarbeiter .Iwan Gantschew und zwei gewesenen Ministern der Stambusi iski-Regierung, Kyrill P a w l o w und Peter J a n e w, in der Heizung im Gebäude, der öffentlichen Sicherheit lebend verbrannt Wörden sein. Herbst, der mit einer Tochter des früheren Mimsterpräsidenten Petko K a r a w e l l o, des Vorstteuiden der gesetzgebenden Nationalversammlung Bullgariens, verheiratet war, ist von seiner Gattin Biola, als nach seiner BerhastUM j>M Nachricht von ihm ausblieb, monatelang gesucht worden und sie soll erst in den'allerletzten Tagen von dem furchtbaren Schicksal ihres Gatten erfahren haben,