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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-17 · Heft 2420 (17.11.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2420 (17.11.1925)
Date
1925-11-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Dienstag iche Partei 20, Partei der ffchechostowatiischen Sozialisten ' 17, tschechoslowakische sozialdemokratische Partei 18, Bund der Landwirte (deutsche Partei) 12, deutsche Sozialdenwkraten 10, tsche chcislcwgtische Nationaldemoikcaten 5, tschechoslowakische^ Gewerbe- und-- MittÄstgu^partei 3, deutsche christliche BoysPartei 6, deutschnattonalePartei 3, deutsche nattomlsoztalistische Arbeiterpartei 2. > In der Slowakei und ln Karpathorüßla ud wurden im ersten SlmtimM im ganzen 43 Höge-' ordnete gewählt, so daß für das zweite und dritte Skrutmium 27 Mandate verbleiben. Es erhielten in der Slowalkei: ine republikanische Partei (Agrarier) 8, der Blind der Landwirte und die ungarische nationale Partei 7, die Hlinka-Partei 16, die Kommunisten 5 und die christlichsoziale ungarische Landes Partei 1 Mandat; in Karpathoruhland: die republikanische Partei (Agrarier) 1, der Bund der Landwirte und die ungarische national« Partei 1, die Kommunisten 3 und die autonome Landwirtschaftspartei 1 Mandat. 185 Mandate im ersten Skrutiniurn besetzt, s Unter derl im ersten Strutinitmt in der ganzen Rej plchl'i^gelvählten Abgeordneten erscheinen mit Ausnahme; des Handelsmimsters 2kowak (Nationaldemotrat), ders in^ Königgrätz und des Unterrichtsministers Ma r ko-i wicz (Sozialdemokrat), der in Türnan die Wahl-; zahl nicht erreichte, sämtliche Minister gewählt. (Nur Fittanzminister Becka ist Senator.) Der Minister für die Slowakei Kallay, der keiner Partei angchört, hat nicht kandidiert. Weiters befinden sich unter den. gewählten Abgeordneten fast sämtliche aus dem alten Hause bekannte Namen, bis auf Lodgeman, der im Wahllreise Laun im ersten Skrutinium die Wahlzahl nicht erreichte. Auch der frühere Abgeordnete Mediuger, der jetzt auf der christlichsozialen Liste kandidierte, erscheint im ersten Wahlkreise nicht gewählt. Der frühere Senator Prof. Mayr-Harting ist im zweiten Wahlkreise (Karlsbad) ins Abgeordnetenhaus gewählt worden. Von den Kommunisten wurden Muna und Neurath neugewahlt. P r a s e k (agrarischer Dissident) und 2 transky (nationaldemokratischer Dissident) sind durchgefallen. In den Wahlkreisen Brünn und Prag haben die Deutschen im ersten Mahlgang kein Mandat erhalten. Im ersten Skrutinmm wurden 185 Mandate besetzt. Es stehen noch 115 Mandate aus. Formale Demission der Regierung. Prag, 16. November. (Dschechoslow. Preßbureau.) Mmrsterpräschent Svehla überreichte nameaü der Gesamtregierung dem Präsidenten der Republik Mt Schreiben von gestern die Demission, die der Präsident an na h m. Er betraute den Ministerpräsideinten ' sowie die übrigen Ressortminister bis zur Bildung einer neuen Regierung mit der Führung der Regierungsge schäfte. MrlfchaftrmMsemMmmr au der deutschen Lechuü tu Brünn. Aus dem Fonds für die sozialen Zwecke der Studentenschaft hatte Präsident Masaryk der Hochschule; für die Hebung und Erhaltung der Fürsorgeinstikitionen der deutschen Technik eine Spende von 1,000.000 ksch. K. überwiesen. Diese Spende wurde mit dem Erlös der im Vorfahr veranstalteten 75-Jahk-Fsier im Bei rage von 160.000 tsch. K. vereinigt. Trotz der klaren und eindeutigen Bestimmungen beider Widmungen, die eine .gleiche Beteiligung aller Hörer ohne Unterschied des nationalen und konfession-ellen Bekenntnisses vovsieht, hat das P r ofe s so r e nkoIleg i u m mit der Aufteilung der Summe betraut, eine Entscheidung getroffen, welche die 370 jüdischen Hörer dieser Hochschule, e i n D r i t t e l der gesamten Hörerzahl, von einer Beteiligung ausschließt. Es hat verfügt, daß der gesamte Betrag nur der deutschen Mensa academica und dem auf rem arischer Grundlage stchmden deutschen TechniLer-Unterstützungsverein, läge stehenden deutschen Techniker-Unterstützungsverein zufallen soll. Zunr Zeichen des Einbruchs gegen diese jedem Rechtsgeftihl hohnfprechenlde Entscheidung des Prosefforenkolletzrums, welches die sonst ziemlich stark eingedämmten dölkischchakeEveuzlerischen Instinkte auf dem wirtschaftlichen Gebiete zu betätigen sucht, veranstaltete Äi-e jüdische Hörerschaft im großen Hörfaal der Technik eine Pro.testversammlnng, bei der Herr Prorektor Prof. Dr. Ing. Fürstenau und die Professoren Hofvat Dr. Zickler, Dipl. .Ing. Da f i n ge r und Doktor Lohr erschienen. Die Versammlung, tr der aus- 'sührliche Referate über die Forderungen der jüdischen Studentenschaft erstattet wurden, nahm einstimmig folgende, an 'den Präsidenten Masaryk gerichtete Resolution an: „Die jüdische Studentenschaft der deutschen Technischen Hochschule in Brünn protestiert gegen die Ausschaltung der jüdischen studentischrn Fürsovgeinstitutionen bei der Aufteilung der Masaryk- Spende im Betrage von 1 Million tschechischer Kronen durch das Prosessorenkollegium. Da es im Sinne der Widmung liegt, daß alle Hörer der Hochschule ohne Unterschied der Nationalität und Konfession dieser Wohltat teilhaftig werden sollen, fordert die jüdische Studentenschaft die R e v i s i o n der diesbeMlichen Beschlüsse des Proftssoreivkollegüims. Die jüdiische Studentenschaft bittet die löbliche Kanzlei des Präsidenten, sie in ihrem Kampfe um ihr Recht zu unterstützen uttd dahin zu wirken, die jüdischen LnftitmioM im gleichen Maße zu berücksichtigen wie die deutschen, in Wiener MorZe;tzzeituna 17. November M5 Nr. »M tvelchen kein Einziger von 390 .Hörern jüdischer Natiotta'lität unterMtzv'Wird." - - Eine ähnlich lautende Resolution wurde an die Spender bei der 75-Iahr-Feier gerichtet. * .... Die Juden haben den Belt, stieg -nanziert. Eine Neuauflage der „Weisen von fioti" Die habsburgische Monarchistenpartei gibt in Wien eine Zeitung heraus, bereu Ehrgeiz dahin gerichtet scheint, blutrünstiger und verlogener zu sein, als das letzte Hakenkreuzblättchen. Zur Zeit, als der Zionistentongreß in Wien tagte, hat dasjrormne Kaiserblalt keine Gelegenheit Vonibergehen lassen, durch plumpe, aufreizende Lügen den Mob zu Gewalttätigkeiten zu animieren.' Nun, da der Kongreß vorüber ist, sucht'es durch gefälschte Berichte über den Kongreß die Volksseele im Kochen zu halten. So bringt es m seiner letzten Nummer nachstehende Mitteilung: t „Aus dem letzten Zionistenkongreß in Wien erklärte einer der anwesenden Juden, England sei unglaublich ,undankbar, daß es in Jerusalem die jüdischen Interessen nicht besser schütze, obschon das Judentum den Weltkrieg finanziert habe. Dieser Ausspruch auf . dem vor wenigen Wochen in Wien abgehaltenen Zionisten- ' kongreß ist bezeichnend und beweist, wie recht die nichtjüdische Presse hat, wenn sie immer darauf hinwies, daß der ganze Weltkrieg vom internationalen Großkapital veranlaßt und finanziert wurde!" Bei den Verhandlungen des Zionistenkongresses waren über sechshundert Blätter aus aller Welt, darunter eine stattlick)e Anzahl radikal antisemitischer, vertreten. AllsMeden wurden mittels Lautsprecher ausgenommen. Weder in den Berichten der Journalisten, noch auf den Sprechplatten, noch in den Protokollen ist irgend eine Redetvenduny irgend eines Delegierten verzeichnet, die auch nur annähernd das besagen würde, was das Monarchistenblatt seinen Lesern frech als „Bericht" auftischt. Wenn es sich nicht um jüdische Dinge handeln würde, könnte man über den Mut und die eiserne Stirn des Preßbanditen aus dem habsburgischen Lager staunen. Mer da es sich um Juden handelt, bleibt die dümmste und frechste Lüge fest sitzen, trotz der schlagendsten Gegenbeweise. Das weiß der fromme Lump, und er schmettert sie frech in die Welt, unbekümmert dämm, was kommen mag. Hat doch ein dickes antisemitisches Sammelwerk,, bas überhaupt nur ausFälschüngen zusamm'engesetzt ist, aus — Reden, die nie gesprochen, aus Briefen und Aufsätzen, die nie geschrieben worden sind, einen Triumph erlebt, wie kein Büch zuvor. Die „Weisen vo n Z i o n" sind in hundert Sprachen übersetzt worden. Wenn irgend ein wackerer Mann Material herbeischaffte und mit emsigem Bemühen den Nachweis erbrachte, daß alles in dem Buch erstunken und erlogen ist, dann scholl ihm warmes Lob aus engem Freundeskreis entgegen, und — eine neue Auflage der „Weisen von Zion" erschien. Wir stellen hiemit fest, daß das Wiener Monarchistenblatt bewußt lügt, .sind uns aber vollkommen klar darüber, daß morgen und übermorgen und in zwanzig Jahren das Zitat aus dem Wiener Blatt als „beweis s i ch e r e s D o k u m e n t" den „christlichen Völkern" vorgelegt werden wird. Die vertriebene Exkaiserin Zita sitzt in Spanien. Sie trauert um einen jung und unter tragischen Umständen gestorbenen Gatten und um die verloren« Zukunft ihrer Kinder. Kein Mensch, welcher Geistesrichtung er auch angehört, wird dieser Trauer die Achtung versagen, und jeder wird es verstehen, daß die Frau sich verzweifelt an Hoffnungen klammert und alles tut, um ihre Anhänger um sich zu scharen. Aber wer gibt dieser Frau, und sei sie noch so unglücklich, das Recht, einen Perleumdungsseldzug gegen das jüdische Volk zu organisieren und zu bezahlen? Wie ist sie dahin gelangt, aus der Schar der Schmutzigen die Allerschmutzigsten aüszuwählen und als Herolde ihrer Sache in die Welt zu schicken, und gegen die' Juden zu hetzen? Sonderbare Ratgeber müssen das sein, die sie zu solchem Tun bewegen. Sie Regierungskrise in Wen. Warschau, 16. November. Die Regierungskrise scheint noch immer nicht auf dem Wege der Lösung zu sein. Die Bemühungen aller Kreise sind aus die Schaffung einer großen Koalition gerichtet, die man allgemein als eine Notwendigkeit bezeichne^ um aus der schweren finanziellen und wirtschaftlichen Lage des Staates heraüszukommen. Die bisherigen Bemühungen haben zwar noch zu keinem positiven Ergebnis'geführt,'doch hat es den Anschein, daß die Schaffung einer Koalition auf breitester Grundlage verwirklicht werden kann. Wenn der Plan aber doch scheitern sollte, so'würde der Präsident der Republik seinen Vertrauensmann,' den ehemaligen Minister S t e s z ko w i c z, mit der Mission der Kabinettsbildung beauftragen. ' ' Das Schulwesen der Minoritäten. Warschau, 14. November., (I. T. A.) An eine-r Beratung von Bcctreiern der Ukrainer, Weißrussen, Deutschen' und der' jüdischen Schulorganisation wupde die /«Gründung eines gemeinsamen Bureaus zur Verte idlgung der Schu,l/inte r«,sse,ncherMinperheite» beschlossen, Führendes Haus seit über 50 Jahren Adolf & B. 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Nach einer drei Bkonate währenden Pause trat heute das Parlament zum ersten Male wieder zusammen. Die Session dürfte von kurzer Dauer sein, da sich das Haus bereits am 18. Dezember in die Weihnachtsserien bägeben wird. Die Mgeordneten hatten sich sehr früh im Parlamentsgebäude eingesunken und warteten geduldig, bis um 3 Uhr nachmittags die Sitzung eröffnet tvurde. Es waren viel weniger Abgeordnete erschienen als sonst bei einer Parlamentseroffnung. Die Führer der Arbeiterpartei, die Abgeordneten Mac Donald und , Thom a s, protestierten gegen die fas z i st i s ch e n Bestrebungen in England. Der Unterstaatssekretär im I n n e n m i n i st e r i u m antwortete, die englische Regierung werde n i ch t d u l d e n, d a ß d e r Friede durch saszistische Organisationen im Lande gestört werde. Ferner erklärte er, die Regierung bereite einen Gesetzentwurf vor, durch den die P o l i z e i zu scharfem Borgehen gegen die Bolschewiken ermächtigt werde. Diese Erklärung wurde von: Hause ohne Zwischenruf angehört. Mehrere Abgeordnete sorderten hierauf Austen ChamLerlain zu einer Erklärung über das Abkommen von Locarno auf- Chamber- Idirt erwiderte jedoch, er müsse jede Auskunft hierüber bis Mittwoch ablehnen. Kapitän Wedgwood- Ben n verlangte zu wissen, ob die britischen Dominions sich zur Unterzeichnung des Paktes bereit erklärt haben. Chanchevlain verneinte dies. britische StaatsbSrger Mm« au» PaWna ausgeMm werde«. Jerusalem, 14, November. (I. T. A.) Das Jerusalemer Kreisgericht hat ein Urteil gefällt, das insofern von prinzipieller Bedeutung ist, als es ein P r ä j u d i z dafür schckfft, daß britische Staatsangehörige aus britischem Mandatsterritorium ausgew i e s e n werden können. Angeklagt waren der frühere Oberlehrer an der St. Georgesschule zu .Jerusalem T. H. T r i p p und der ftühere Beamte des Erziehungsdepartements der Palastinavegierung O. E. Milno tvegen Scheckfälschung. Sie wurden zu je vier Monaten Gefängnis und zur Deportation nach BeMßung der Strafe verurteilt. von der UniverM i« Zerusalem. In der judaisttschen Fakultät der Universität Jerusa lem werden im Wintersemester 1926-26 folgende Vorlesungen und Seminarübungen gehalten werden: 1. Vorlesungen: Prost Epstein: Ginleitung in die De^tkritik der Mischna nnd Babylonisches Amnräisch; Dr. G. S ch o l e mr Geschichte der Kabbala im dreizehnten Jahrhundert; Prost Klausner: Die hebräische Literatur im Zeitalter der Auftlärung 1785 bis 1880; Rabbiner Assa f: Babylon und Palästina im gaonäischen Zeitalter; Dr. Schwabe: Griechisch für Anfänger und Fortgeschrittene sowie Lateinisch für Fortgeschrittene. 2. Seminar üb un gen: Prof. - Epstein: Uebungen über Talmud-Traktat Baba Bathra und Die Mischna und Tofsesta zum Traktat Kelim; Dr. G. S ch vlem: Uebungen über den Sohar; Pros. Klausner: Uebungen über die hebräische Sprache im Zeitalter der Aufklärung und Rabbiner Assaf über gaonäische Novellen ttu jüdischen Recht. Weitere Vorlesungen, deren Themen noch nicht festwerden' von Dr. A. Gulack und RaMner S ega ll gehalten werden-; -; Das' Semester ist mit folgsnden allgemein zugängliche n! K o l l e g i e n eröffnet worden: Pvofeffor Josef K l ä u S n e ti Drei Epochen in der hebräischen Ans- Kär^nng, pnd Gerhard S ch o l e nt; W RaM.fflbofa Leon m T oM verML

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